(zas, 10.5.26) Am 30.
April publizierte das Recherche-Portal hondurasgate.ch Auszüge aus bisher 37 Audiobotschaften
(Signal, Whatsapp, Telegram) von politischen Schwergewichten der Rechten in
Honduras. Die von Pablo Iglesias, dem
ehemaligen Podemos-Chef, geleitete Internetplattform Diario Red veröffentlichte
parallel dazu einen ersten
Bericht.
Liste der Sprechenden
Juan Orlando Hernández
(JOH), Ex- Präsident
Nasry Asfura,
aktueller Staatspräsident
Tomás Zambrano,
Parlamentspräsident
María Antonia Mejía,
Vizestaatspräsidentin
Romeo Vásquez,
Putschgeneral 2009, während der Libreregierung 2021-25 untergetaucht
Cosette López,
Delegierte des Partido Nacional im Wahlrat, zentrale Akteurin beim Wahlbetrug
von letztem Dezember.
(Die Sprechenden gehören zur Führung des Partido Nacional.)
Verifizierung
Sind die Audios fake oder echt? Die anonym auftretende Recherchiergruppe
von hondurasgate.ch erläutert hier
ihre Verifizierungspraxis. Sie betont darin: «2023 kostete eine passable Klonierung der Stimme eines Staatschefs tausende
von Dollars und eine Technikteam. 2026 kostet sie drei Minuten in einer
Internetschnittstelle. Diese Veränderung verpflichtet die, die geleakte Audios
veröffentlichen, zu zeigen, dass man eine reale menschliche Stimme, aufgenommen
von einem Mikrofon, hört und nicht» eine KI-Produktion. Hondurasgate liess
deshalb die Audios von dem vor zwanzig Jahren gegründeten tschechischen
Unternehmen Phonexia Voice Inspector untersuchen. Laut Medienberichten benutzen
mehr als 60 Geheimdienste und Medien Phonexia für die Authentifizierung von
Tonaufnahmen. Das Unternehmen benutzt,
so Stefan Gfoerer, ehemaliger Leiter für Stimmenanalyse beim deutschen
Bundeskriminalamt, ein «führendes,
sprach-, text- und kanalunabhängiges stimmbiometrisches System». Phonexia taxiert
Stimmen, für die die Analyse eine Wahrscheinlichkeit von über 80 % für eine
menschliche Quelle und weniger als 10 % für eine KI-Quelle ergibt, als klar
menschlichen Ursprungs. Alle 37 Analysen ergaben mehr als 80 % für menschliche
und weniger als 10 % für künstliche Quellen (detaillierte Resultate hier).
Ihre ersten Vorwürfe, dass die Stimmen KI-generiert seien, liessen
Henrández & Co. fallen. Sie bestreiten jetzt, es seien nicht ihre Stimmen. Aufgefallen
waren ihnen das halt nicht gleich. Zambrano kündigte an, die Audios an
spezialisierte Unternehmen in den USA zu schicken. Als vor den Wahlen letzten
November Audios von AkteurInnen den damals noch geplanten, von Trump aber veränderten
Wahlbetrug zugunsten des Partido Liberal gegen die progressive Partei Libre diskutierten,
tönte es ähnlich. Als der KI-Vorwurf entkräftet wurde, verschwand das Thema aus
der rechten Agenda. Die Dimension der Ereignisse erreicht dieses Mal aber ein
anderes Mass. Bei den Wahlen blieb die Sache im Ausland so gut wie ignoriert.
Grob lassen sich die Audios in zwei Gruppen unterteilen: eine grosse betrifft
die Zurichtung von Honduras, die andere Lateinamerika und die Karibik.
Honduras
Vorbemerkung
Trump hatte wenige Tage vor den allgemeinen Wahlen vom letzten 30.
November dem Land eine «hell to pay»
in Aussicht gestellt, falls Asfura vom Partido Nacional nicht Präsident werde.
Zwei Tage vor den Wahlen begnadigte er den Ex-Präsidenten Hernández, der in den
USA 2023 zu 45 Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Er hatte das
Sinaloa-Kartell bei der Lieferung von 500 Tonnen Kokain in die USA unterstützt
und sich dafür vom Chapo Guzmán seine Wahlkampagnen finanzieren lassen. Im Text
Honduras: Wie traurig tönt der Regen auf den Kartonhäuser sind surreale
Wahlfälschungsmanöver der rechten Wahlbehörde geschildert, um den Sieg Asfuras
Partei zuzuordnen. Sie musste laufend das vorbereitete Schema des Wahlbetrugs
zugunsten des rechten Partido Liberal auf einen Sieg des real abgehängten
Partido Nacional umstellen. Die Beobachtungsmissionen der OAS und der EU würdigten
das gehorsam als «Transparenz» der Behörde. Die neuen Leaks beleuchten, worum
es beim Betrug ging.
Audios
Erläuterungen zu spezifischen Details werden nach den Zitaten angehängt. Die
zentrale Figur, der Capo und Ex-Präsident Hernández, weilt immer noch in den
USA, da ihm in Honduras offiziell noch die Verhaftung droht.
Audio Hernández an Asfura,
30.1.26
«Ich bitte darum, mir $150'000 zu schicken,
denn wir werden hier ein Appartement mieten, ein Büro für eine Einheit für …
für digitalen Journalismus. Sie wird mir von jemandem von hier geleitet, vom
Team des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Wir werden ein Portal auftun mit
wichtigen Angaben zu Manuel Zelaya und Xiomara Castro.». Xiomara Castro:
Staatspräsidentin von 2021 bis 2025. Manuel Zelaya, ihr Gatte und zentrale
Figur in Libre, wurde von der Armee 2009 gestürzt.
Audio Asfura an
Hernández, 10.2.26
«Präsident, sehr
schön, Sie zu grüssen. Wir hatten ein Privattreffen mit Investoren, die sehr
positiv zur Expansion der ZEDE auf Roatán und in Comayagua eingestellt sind,
auch zu Palmerola. Wir werden ein Palmerola auf Roatán schaffen, dort, wo die
Próspera ist. Eine Base, wir verhandeln das schon. Auch den Interoceánico, den
wir General Electric übergeben werden. Und die Idee ist, alles, was Metalle und
so weiter betrifft, von Argentinien und USA zu kaufen und Kanada und China zu
umgehen. Das waren die Mahnungen, die wir erhielten. Die Chinesen haben
offeriert, aber wir werden nicht nachgeben. Und das honduranische
CECOT-Gefängnis kommt auch, in Tegucigalpa.» ZEDE: Sog. Privatstädte, praktisch
extraterritoriale Enklaven unter Privatrecht der Investoren. Palmerola: Hier
ist eine grosse US-Militärbase. Interoceánico: Megaprojekt eines Eisenbahnkorridors
zwischen grossen Häfen in der Karibik und am Pazifik, als Konkurrenz zum
Panamakanal und dem mexikanischen Interoceánico. CECOT: Berüchtigtes
Hochsicherheitsgefängnis in El Salvador.
Hackordnung:
Audio Hernández an
Asfura. 29.4.26
«Dank mir sitzen Sie
auf diesem Stuhl. Ich werde Präsident sein. Ich hoffe auf Ihre Unterstützung.
Denn das haben wir mit Präsident Trump besprochen.» In vielen Audios
stellt er klar, dass die nächsten Präsidentschaftswahlen mit ihm als Gewinner
enden werden. In Audios an den Parlamentspräsidenten Zambrano weist er diesen
an ihm und nicht etwa dem formal amtierenden Präsidenten zu gehorchen.
Repressionsstrategie
Audio Hernández an
Zambrano, 18.3.26
“In Honduras braucht
es Stärke, braucht es Logistik, braucht es Blut. Willst du die Leute unter
Kontrolle halten, muss du sie unterdrücken, sie auspressen. Der Gewalt mit
Gewalt begegnen. Das sagt Präsident Trump, und mach dir klar, dass er für eine
Ewigkeit bleiben wird. Wie? Weiss ich nicht. Aber mach dir das klar und höre
auf mich. Und sei nicht so weich! Sei nicht so weich! Wenn nicht, kannst du den
Job nicht machen. Sagte Pablo Escobar.»
Audio Hernández an
Zambrano. 18.3.26
«Wenn es nötig ist,
Leute zu töten, damit wir ruhig sein können, machen wir das. Wenn wir zur
Repression zurückkehren müssen, um das Land zu kontrollieren, machen wir das.
Wir müssen alles uns Mögliche machen, um die Macht nicht wieder abzugeben. Und
wir müssen allen zeigen, was passieren wird: Tote, Morde, Entführungen - das
kommt von den Kommunisten.»
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| aus hondurasgate.ch |
Audio Vásquez an
Hernández. 25.3.26
“Präsident, ich habe
eine Gruppe in den Streitkräften in Bereitschaft für den Beginn der politischen
Jagd. Ich benötige nur, dass Sie mir die Liste, die Namen, bestätigen, und wie
fangen an. Wir haben die Mittel, wie haben die Namen. Es hängt von Ihrem Befehl
ab.»
Audio Hernández an
Vásquez. 25.3.26
«Schick mir die Liste, Romeo. Wir brauchen
diese Namen, um sie zu lokalisieren. Dies geht Hand in Hand mit der Kontrolle
über den Staat zusammen. Wir dürfen nicht beginnen, ohne sie alle identifiziert
zu haben.»
Kirchen zwecks Verschleierung:
Audio Hernández an
Zambrano. 9.4.26
«Und wir müssen etwas
sehr Wichtiges machen, nämlich alle Kirchen auf die Linie unserer Unterstützung
zu bringen. Die Kirchen werden für uns dafür sorgen, dass die Leute die
Vergangenheit vergessen. Und dass sie glauben, die Linke habe dies alles
gemacht.»
Wahlapparat
Am 16. April entfernte das Parlament mit der für ein solches Verfahren erforderlichen
und knapp erzielten Anzahl Stimmen die Libre-Mitglieder aus den Wahlbehörden. Vorwand:
versuchte Sabotage des Wahlprozesses. Im Zentrum stand dabei Marlon Ochoa,
Libre-Vertreter im dreiköpfigen Wahlrat, der zahlreiche zentrale Aspekte des
von der rechten Mehrheit des Wahlrates durchgezogenen Betrugs öffentlich
gemacht hatte. Ochoa gab aufgrund von Informationen, dass er verhaftet und im
Gefängnis ermordet werden soll, bekannt, das Land verlassen zu haben.
Audio Hernández an
Zambrano. 27.3.26
«Ihr organisiert
dieses Verfahren so oder so, dieser Junge muss raus. Sorgen wir dafür, dass
alles unter Kontrolle ist, unwichtig, wie viel Blut dabei vergossen wird.»
In etlichen Audios sprechen Akteure über die Bestechung von Mitgliedern
des Partido Liberal, deren Stimmen in der Spezialkommission für die «Säuberung»
der Wahlbehörden benötigt wurden.
Audio Cossette
López an Jorge Cálix.13.3.26
«Ich offerier dir 3
Millionen Lempiras von mir und die Doctora bietet dir 2 Millionen. Nicht
dafürt, dass du sie privat einsteckst, wie Tomás sagt, dass du es machst.
Sondern dafür, dass du diese verdammten Hurensöhne von Abgeordneten suchst, die
ihre Position wechseln, und du musst sie überzeugen.» Cálix: Fraktionschef
des Partido Liberal. Die «Doctora»: Ana Paola Hall, Vertreterin dieser Partei im
Wahlrat. López hatte in einer Audio-Botschaft vom 27.2.26 «Gefängnis oder Tod» für Ochoa gefordert. In einem anderen Gespräch
stritten sich Cálix und Parlamentschef Zambrano (Partido Nacional), als die
erforderliche Anzahl Stimmen noch nicht zusammengekommen war. Streitpunkt: Ob
Cálix Zambrano Bestechungsgeld zurückzahlen oder umgekehrt Zambrano noch mehr
einschiessen müsse.
Audio Hernández an
Zambrano. 6.4.26
“Wenn er [Ochoa]
nicht in Honduras ist, musst du mich informieren, damit ich unsere Kontakte in
den Geheimdiensten der Vereinigten Staaten angehe. Sobald er lokalisiert wird,
schreiten wir zur Verhaftung oder zu was sonst gemacht werden muss. Ich glaube
nicht, dass dieser Junge ohne gesehen zu werden ausgereist ist.»
Audio Zambrano an
Hernández. 6.4.26
«Wir haben mit
Anwälten über einen internationalen Haftbefehl für ihn [Ochoa] gesprochen. Das
kann gemacht werden, aber wir müssten vor allem das Delikt suchen. Vielleicht
können Sie uns beraten.»
Lateinamerika
Die Regierungen von Argentinien oder Israel mischen mit. Im Ziel: Mexiko und Kolumbien.
Audio Hernández und
Asfura. 30.1.26
Hernández «Wir werden eine
Präsidentenzelle aufbauen. Hier, in den USA, um nicht in Honduras abgehört zu
werden. Es geht um eine Page von lateinamerikanischen Nachrichten. Ich hatte
ein Telefongespräch mit Javier Millei und es war erfolgreich. Sehr, sehr, sehr gut.
Ich glaube, dass wir in diesem Punkt Grosses für ganz Lateinamerika machen
können. Es wird Dossiers gegen Mexiko geben, Dossiers gegen Kolumbien, und am
wichtigsten gegen die Familie Zelaya.»
Asfura: «Ich glaube auch, du
brauchst ein wenig mehr Geld. Für dich. Wir werden also weitere $ 150’000
senden. Und so kannst du dich dort ein wenig länger über Wasser halten. Wir
nehmen es vom INSEP.» INSEP: Tiefbauamt.
Audio Hernández und
Mejía. 30.1.26
Hernández: «Und es ist wichtig,
dass ich über diese Liquidität verfüge, denn wir werden hier ein Büro
aufmachen. Mit Unterstützung einiger Republikaner, um den Krebs der Linken in
Honduras und ganz Lateinamerika auszurotten. Ich berichtete Präsident Asfura,
dass wir mit Javier Milei sprechen konnten, und er unterstützt mit $ 350'000.
Auch ein anderer grosser Freund von uns aus Mexiko unterstützt, für das Thema
Mexiko. Dafür braucht es das.»
Mejía: «Präsident, einverstanden,
dass wir die Details auslassen? Ich wollte nur den Betrag bestätigen. Ich kenne
ihn jetzt und werde die Sache übernehmen, also $ 300'000.»
Audio Hernández. 20.1.26
Hernández: «Der Premier von Israel wird
uns unterstützen. Wir sind ihm sehr dankbar. Sie hatten viel mit der Sache zu
tun. Tatsächlich hatten sie voll mit meiner Entlassung und Verhandlung zu tun.»
Audio Hernández an
ungenannte Person. 14.3.
Hernández: «Das Geld für die
Begnadigung kam nicht einmal von euch. Es kam von einer Gruppe Rabiner und von
Leuten, die Israel unterstützten, und sie hatten in der Vergangenheit Yani
Rosenthal unterstützt.» Yani Rosenthal: früherer Präsident von Honduras.
Roger Stone, Israel, KI und «Privatstädte»
Hondurasgate.ch schreibt:
«Die an Canal Red geleakten Audios
enthüllen, dass die Begnadigung dank einer von Roger Stone und der
republikanischen Fraktion in den USA geleiteten und vom israelischen Premier
Bejamin Netanyahu unterstützten Lobby erfolgt ist.» Dass Israel in dieser
Sache auftaucht, ist kein Hinweis auf Antisemitismus, sondern auf die
jahrzehntelange Politik Israels in Lateinamerika. Zur Erinnerung: Unterstützung
der mörderisch antisemitischen argentinischen Militärjunta (1976-1983),
zentrale Rolle bei den antiindigenen «Wehrdörfern» in Guatemala, Beratung
zentralamerikanischer Todesschwadronen, Komplizenschaft mit der antisandinistischen
Contra, Ausbildung kolumbianischer Paramilitärs, verdeckte antichavistische Einmischung
in Venezuela. Auch dass Roger Stone genannt wird, erstaunt nicht. US-Medien
machten ihn schon anlässlich der Begnadigung von Hernández als einen derer Drahtzieher
aus. Der Mann ist seit langem ein Schwergericht in der ultrarechten Fraktion
der republikanischen Partei und im Lobbybusiness. Er war 2019 in den USA wegen
Anlügen von Kongressausschüssen und Zeugenbedrohung zu 3 Jahren Haft
verurteilt, aber von Trump sofort begnadigt worden. Er fordert heute die
Überführung von Xiomara Castro, Mel Zelaya, anderen Familienmitgliedern und
Führungsfiguren von Libre in die USA, notfalls wie jene von Nicolas Maduro und
Cilia Flores. 2024 veröffentlichten die US-Dienste ein Video, in dem Carlos
Zelaya, Bruder von Manuel Zelaya, 2013 Geld von Geschäftsleuten - auch im
Drogenhandel dabei - erbittet. Bis zur Videoveröffentlichung bekleidete er
einen wichtigen Vertrauensposten im Parlament. Familienfilz). Stone lobbyiert auch
intensiv für die sog. «Privatstädte» (ZEDES) in Honduras, die unter Hernández
eingeführt und unter Xiomara Castro ausgebremst wurden. Zur Freude der Technofaschisten
aus dem Silicon Valley wie Marc Andreessen, Peter Thiel oder Sam Altman, Hauptinvestoren
in diese privat regierten Start-up-Städte mit Zutrittsverbot für honduranische
Sicherheitskräfte.
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Selbstdarstellung der ZEDE Próspera. Das Land gehörte vorher den Garífuna-Gemeinden. aus www.prospera.co |
Zu diesem letzten Komplex lesen wir in hondurasgate.ch weiter:
«Die Kriegsbeute:
Zedes, neue Militärbase und KI»
«Die Audios belegen,
dass Trump und Netanyahu eine millionenschwere Entschädigung für die Ernennung
von Präsidenten wollen. Die Verhandlungen in der Residenz in Florida
beinhalteten die Ausweitung der ZEDES, den Bau einer neuen Militärbase, einen
Freihandelsvertrag und ein Gesetz zur Förderung von Investitionen in Künstliche
Intelligenz. Deren Verträge sollen direkt US-Privatunternehmen wie General
Electric gegeben werden.» (Laut Medienberichten trafen sich letzten Dezember Trump,
Netanyahu, Asfura und Hernández in Mar-a-Lago.)
Mexiko und Kolumbien offen im Visier
Unter Führung des
Trumpschen US-Lagers ist eine in den offiziellen Strategiepapieren dargelegte zunehmende
Offensive zur Reconquista, zur Wiederinbesitznahme Lateinamerikas und der
Karibik im Gang. Hier ist nicht der Raum, das näher zu erläutern. Ein wichtiger
Aspekt, jener der US-Kriegsführung, wurde in den Shield-of-the Americas-Treffen
letzten März zelebriert (s. dazu USA
in Lateinamerika: Que viva la muerte!). Das in den Audios formulierte Ziel:
Honduras ohne «linkes Ungeziefer», dafür wieder als US-Flugzeugträger, gehört
zur Reconquista.
Auffallend ist die
Betonung von Offensiven in Kolumbien und Mexiko. In Kolumbien finden Ende
dieses Monats Präsidentschaftswahlen statt, die laut vielen Umfragen klar vom
linken Lager um den Kandidaten Iván Cepeda gewonnen werden. Das Problem: Stimmenmehrheiten
könnten nicht entscheidend sein. Das Unternehmen Thomas Greg & Sons wird
dort die Stimmen auszählen. Es operiert seit Jahren als zentrale Kraft in einem
Verband weiterer Unternehmen auf diesem Gebiet. Zum Beispiel mit ADS Grupo, dem
Unternehmen, das in Honduras die rechte Wahlratsmehrheit gegen den Protest von
Libre für die Falsch-Übermittlung und -Auszählung der Stimmen angeheuert hatte.
In Kolumbien ist ADS schon mehrmals gerichtlich wegen Wahlbetrug verurteilt
worden. Die ultrarechts dominierte kolumbianische Registradura Nacional hat
Thomas Greg & Sons gegen den Widerstand von Präsident Gustavo Petro erneut
mit der Wahlfälschung betraut. Kolumbien wird vom Weissen Haus klar angegriffen,
unabhängig von gelegentlichen Schalmeientöne von Trump.
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Trump und Hernández gegen Claudia Sheinbaum und Gustavo Petro. Quelle Diario Red.
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Ähnlich Mexiko, das
sich einem kalkulierten zunehmend Würgegriff Washingtons ausgesetzt wird.
Letzte Beispiele: Die klar von der Zentralregierung Beteiligung von CIA-Agenten
an «Drogenbekämpfungsoperationen» im Staat Chihuahua letzten April. Bekannt geworden
nur, weil zwei dieser Agenten bei der Rückfahrt in einem Unfall gestorben sind.
M. a. W.: Washington konspirierte mit der rechts aussen stehenden Gouverneurin (PAN)
von Chihuahua. Dies in einem Kontext, in dem Trump - ebenfalls unter anderen
Schalmeientönen – wiederholt und wieder vor kurzem auch mit einem US-Truppeneinsatz
gegen die Kartelle in Mexiko droht. Diese sind von Washington zu Foreign
Terrorist Organisations (FTO) ernannt worden. Das eröffnet dem US-Rechtsverständnis
zufolge dem Pentagon alle Türen, um «legal» militärisch gegen den Feind
vorzugehen.
Die von Hernández
gepriesene Fake News-Agentur in den USA wird dazu dienen, die US-Einmischung –
ein gelinder Ausdruck für die Realität – in Mexiko propagandistisch zu
untermauern. In Kolumbien dürfte die Begleitung einer Trumpschen «Wahlüberraschung»
anstehen und, falls diese scheitert, das Anheizen einer aggressiven Sabotagekampagne.
Warum steht das wichtigste progressiv regierte Land in Lateinamerika,
Brasilien, nicht auf der Liste? Im Oktober stehen Wahlen an – Lula gegen Flávio
Bolsonaro, Sohn des Ex-Diktators. Ein anderer Sohn lobbyierte in den USA für die
jetzt erfolgte FTO-Bezeichnung zweier krimineller Organisationen. Grund für die
rhetorische Zurückhaltung dürfte die ziemlich offen proklamierte Sorge sein, dass
eine offene US-Wahldrohung zugunsten von Bolsonaro im Rennen, in dem Lula laut
Umfragen minimal vorne liegt, Unentschlossene für eine Stimmabgabe gegen
Bolsonaro bewegen könnte.