Bogotá. Laut der vorläufigen Auszählung der Stichwahl um das kolumbianische Präsidentenamt liegt der ultrarechte Kandidat der Plattform "Defensores de la Patria" (Verteidiger des Vaterlandes), Abelardo de la Espriella, mit 0,95 Prozentpunkten Vorsprung vor dem Kandidaten des "Pacto Histórico" (Historischer Pakt), Iván Cepeda.
De la Espriella erhielt [3] rund 12,9 Millionen Stimmen, entsprechend 49,6 Prozent, während Cepeda auf etwa 12,6 Millionen Stimmen kam, was 48,7 Prozent der gezählten Stimmen entspricht. Der Unterschied beträgt rund 240.000 Stimmen. Mit 63 Prozent war die Wahlbeteiligung eine der höchsten in der Geschichte des Landes.
"Wir erkennen die vorläufige Auszählung als nicht offizielle Information an", sagte [4] Cepeda in seiner Rede nach den Wahlen. Es sei allerdings notwendig, auf die amtliche Endauszählung zu warten. Erst nachdem die Zehntausenden Wahlzeug:innen und die Gruppen von Anwält:innen des Pacto Histórico die entsprechenden Überprüfungen der vorläufigen Auszählung neben den Richter:innen des Landes durchgeführt haben, werde der Pacto Histórico die Ergebnisse akzeptieren.
Mitglieder des Pacto Histórico erinnerten daran, dass bei der Überprüfung der Ergebnisse der Kongresswahlen im Jahr 2022 circa 500.000 Stimmen "zurückgewonnen" wurden [5], die wegen Unregelmäßigkeiten in der Schnellaufzählung zunächst "verloren" gegangen waren.
De la Espriella und sein Vizepräsidentschaftskandidat Juan Manuel Restrepo bedankten [6] sich bei ihren Wähler:innen und kündigten einen Zug durch die Küstenstadt Barranquilla an, um den Sieg zu feiern. US-Präsident Donald Trump lud [7] De la Espriella ins Weiße Haus ein und gratulierte ihm.
Cepeda bezeichnete die knapp 12,7 Millionen Stimmen als Erfolg. Tatsächlich hatte der aktuelle Präsident Gustavo Petro vor vier Jahren 11,2 Millionen Stimmen erhalten. Der linke Kandidat bedankte sich bei seiner Vizepräsidentschaftskandidatin Aída Quilcué sowie bei den Indigenen, Afrokolumbianer:innen, Studierenden, Bäuer:innen, Jugendlichen, der Bevölkerung der armen Viertel und der ländlichen Regionen für ihr Engagement im Wahlkampf. "Wir sind heute die wichtigste politische Kraft Kolumbiens", betonte er.
Ohne De la Espriella zu nennen, kritisierte Cepeda dessen Methoden im Wahlkampf. Er hob hervor, dass die Kampagne des Pacto Histórico ohne "schmutzige Propaganda, künstliche Intelligenz oder Manipulation der öffentlichen Meinung" und ohne Unterstützung ausländischer Regierungen geführt worden sei. Damit war die Unterstützung von Trump gemeint, der sich gleich nach dem ersten Wahlgang offen für De la Espriella ausgesprochen hatte.
Cepeda betonte, dass die progressiven Kräfte nicht zulassen würden, dass die sozialen Errungenschaften der aktuellen Regierung verloren gehen. "Wir werden nicht zurückweichen." Gleichzeitig zeigte er sich offen für einen respektvollen Dialog mit dem politischen Lager seines Konkurrenten, um eine "nationale Übereinkunft" zu erreichen.
Im Vorfeld der Stichwahl meldeten Aktivist:innen des Wahlkampfs von Cepeda Fälle von Drangsalierungen und Einschüchterungen durch Anhänger:innen von De la Espriella. So drohte [8] beispielsweise der Koordinator der Kampagne im Departamento Huila, Álvaro Medina Villareal, in mehreren Audioaufnahmen damit, Präsident Gustavo Petro, den Kandidaten Iván Cepeda und Kongressabgeordnete zu ermorden. Zudem versprach er, alle Gegner von De la Espriella "auszuweiden" und ihnen "die Augen auszustechen".
Im Departamento Santander meldeten [8] Anhänger:innen des Pacto Histórico aggressives Verhalten von Anhängern von De la Espriella. Einer von ihnen schickte ein Foto von sich in den sozialen Netzwerken in Militärkleidung und mit einer Waffe, bei der es sich möglicherweise um ein Sturmgewehr handelte.
Quilcué ihrerseits lehnte [9] vor dem Stichwahltag die "Verfolgung" in den digitalen Medien sowie "den Hass und die Stigmatisierung gegen digitale Inhaltsproduzenten" ab. Hintergrund war das Hacken [10] digitaler Kanäle, die Inhalte zum linken Kandidaten Iván Cepeda verbreitet haben, sowie die Festnahme des prominenten kolumbianischen digitalen Aktivisten mit politischer Nähe zum Pacto Histórico, Beto Coral.
Die New York Times berichtete [11], dass die Festnahme durch die Einwanderungsbehörde ICE eine Reaktion von Marco Rubio auf die Kritik von Coral gegen De la Espriella, einen Verbündeten des Präsidenten Donald Trumps, war. Rubio erklärte in einem Memorandum, dass Coral abgeschoben werden konnte, weil er politische Aktivitäten für die Regierung Petro und gegen De la Espriella in den USA ausgeführt habe. "Du kannst nicht in die USA kommen und unsere Außenpolitik untergraben", schrieb [11] der Republikaner und offene Gegner der Regierung Petro, US-Senator Bernie Moreno über Coral.
Auch im Vorfeld der Stichwahl zeigten sich Teile der kolumbianischen Presse besorgt über das "Klima der Schikanen" gegen diejenigen, die die Finanzierung des Wahlkampfs von De la Espriella oder seinen Werdegang untersuchen oder hinterfragen. In einem offenen Brief [12] sprachen sie von der "Verfolgung der Presse" durch den ultrarechten Kandidaten und warnten vor einer "faschistischen Gefahr". Der Brief wurde von 150 Medienangehörigen unterschrieben.
Darin prangerten sie unter anderem die Einschüchterung des angesehenen Journalisten und Kritikers der Regierung Petro Daniel Coronell an, Mitinitiator des politischen Online-Magazins Cambio und ehemaliger Präsident von Univision News. Auf einem X-Account des Wahlkampfs von De la Espriella wurde Coronell als "unverbesserlicher Verleumder" bezeichnet und die Nummer seines Flugs von Miami, wo Coronell wohnt, nach Bogotá veröffentlicht. "Ihre Anschuldigung bringt mein Leben in Gefahr", antwortete [13] der Journalist. Coronell klagte [14] auch, dass er beschattet wurde.
Cambio hatte zuvor einen Bericht über eine Briefkastenfirma veröffentlicht, über die 1.299 Millionen Pesos zur Finanzierung der Kampagne von De la Espriella bewegt worden waren.
"Wenn ein Journalist angegriffen wird, weil er Missstände aufdeckt, Fragen stellt, recherchiert oder Kritik äußert, ist die Botschaft, die damit an andere Kollegen gesendet wird, gravierend: Entweder man schweigt oder man geht ein Risiko ein", hieß es in dem offenen Brief weiter.
[1] https://amerika21.de/image/27951
[2] https://x.com/teleSURColombia/status/2068502850473214244
[3] https://resultados.registraduria.gov.co/v2/resultados/0/00
[4] https://www.youtube.com/watch?v=nXXXOBp68o4
[5] https://www.radionacional.co/actualidad/petro-advierte-posible-fraude-electoral
[6] https://x.com/ABDELAESPRIELLA?lang=de
[7]
https://caracol.com.co/2026/06/22/lucha-contra-el-crimen-seguridad-y-migracion-detalles-de-llamada-entre-trump-y-de-la-espriella/
[8]
https://revistaraya.com/coordinador-de-campana-de-abelardo-de-la-espriella-en-huila-amenaza-con-dar-de-baja-al-presidente-gustavo-petro-y-a-ivan-cepeda2.html
[9] https://x.com/aida_quilcue/status/2068135306138648656
[10]
https://www.infobae.com/colombia/2026/06/19/ivan-cepeda-hablo-del-hackeo-del-video-de-su-capitulo-en-por-la-ventana-con-los-humoristas-camilo-sanchez-y-culotauro-ataques-digitales/
[11] https://www.nytimes.com/es/2026/06/19/espanol/estados-unidos/marco-rubio-detencion-migrante-colombiano.html
[12]
https://revistaraya.com/mas-de-150-periodistas-firman-una-carta-para-rechazar-la-persecucion-a-la-prensa-por-abelardo-de-la-espriella.html
[13]
https://www.infobae.com/colombia/2026/06/19/denuncias-por-presunto-perfilamiento-a-periodistas-desde-la-campana-de-de-la-espriella-elevan-la-tension-politica-a-dias-de-las-elecciones/
[14]
https://revistaraya.com/enlaraya/1712-daniel-coronell-el-tono-de-de-la-espriella-antes-de-las-elecciones-es-supremamente-grave.html
[15] https://amerika21.de/tag/praesidentschaftswahlen-0
[16] https://amerika21.de/tag/abelardo-de-la-espriella
[17] https://amerika21.de/tag/ivan-cepeda
[18] https://amerika21.de/tag/stichwahl
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(zas) Absolut eindrücklich auch dieser Artikel auf a21:
Wahlen in Kolumbien: Die Gefahren hinter dem ultrarechten Kandidaten



