Der jüdische Ku-Klux-Klan hat einen ausgeklügelten Plan für die PalästinenserInnen

Mittwoch, 17. Juni 2026

 

https://www.haaretz.com/opinion/2026-06-15/ty-article-opinion/.premium/the-jewish-ku-klux-klan-has-a-calculated-plan-for-the-palestinians/0000019e-caf0-dac9-adde-dbf956150000

Der lokale KKK hofft, dass seine Gewalt eine wütende palästinensische Reaktion auslöst, um die Ermordung weiterer PalästinenserInnen und die Vertreibung der Mehrheit von ihnen nach Jordanien, Syrien und in den Libanon zu rechtfertigen.

Amira Hass, 15.6.2026

Sei dir bewusst: Für jeden Nachrichtenbericht, den du über einen Terrorakt von Siedlern liest, verübt der jüdische Ku-Klux-Klan Dutzende weiterer Übergriffe, Schikanen und Mobbingakte, während die Armee in Dutzenden von Stadtvierteln und an Kontrollpunkten PalästinenserInnen angreift und misshandelt, um den KKK und dessen Missionen zu schützen.

Tulsa, Oklahoma, 1923
 

Sei dir auch bewusst, dass diese sogenannten Ausschreitungen Teil eines kalkulierten, vielschichtigen Plans sind. Ihr letztendliches Ziel ist ein von PalästinenserInnen „gesäubertes“ Land (auf Deutsch klingt das schon wie ein Klischee). Es gibt eine direkte Verbindung zwischen den heutigen Ereignissen und der gewaltsamen Übernahme palästinensischer Ländereien und Wasserquellen durch Siedler in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren. Ebenso besteht ein Zusammenhang zwischen der damaligen Apathie und dem Fatalismus von heute, als wären die Randalierer ein biblischer Heuschreckenschwarm, gegen den wir machtlos sind. Vielleicht zeugt der Fatalismus zumindest davon, dass manche eher schockiert als begeistert sind von unseren hartgesottenen Pionieren, die uns an den Urgrossvater aus einer Biografie von Anita Shapira erinnern.

Denk daran: Hinter jedem Mann mit Maske, Waffe und Tzitzit steht eine normative Gesellschaft, warmherzig und liebevoll. Sie besteht aus lokalen Siedlungsräten, Rabbinern, Sozialarbeitern und Synagogen. Ihre herzliche Umarmung äussert sich in Form von Spenden, der Bereitstellung von Viehherden und Wasser sowie logistischer Unterstützung, die es Hunderten sogenannter „fauler Äpfel“ ermöglicht, Freude daran zu haben, ältere Menschen, Jugendliche und Kinder zu misshandeln, um sich anschliessend auf deren Land niederzulassen und die Häuser der von ihnen vertriebenen Eigentümer zu befallen.

Vergiss nicht: Hinter jedem Angriff, jeder Zerstörungsaktion und jedem Diebstahl von Schafen stehen Polizeibeamte, die sich nicht die Mühe machen, auf Hilferufe zu reagieren, sowie Soldaten, die zum Tatort eilen, um die Angegriffenen festzunehmen und sich an den Prügeln – wenn nicht Morden – zu beteiligen. Und hinter all dem steht ein glorreiches Rechtssystem – StaatsanwältInnen und Richter –, die nie wissen, sehen oder hören, was um sie herum geschieht, während sie das Gräuel namens Siedlungen legalisieren. Sie sitzen zu Hause und trauern (oder auch nicht) um die israelische Demokratie und geben sich mit ihrem jüdischen Teil zufrieden, mit ihren Enkelkindern, den Beförderungen und den Pensionen.

Südlich von Nablus. 

 

Bitte erinnere dich: Jede Hirtengemeinschaft, die diese dunklen, ultra-koscheren Kräfte zuvertreiben vermochten, hatte jahrzehntelang mit dem „gesetzlichen“ Verbot zu kämpfen, ein Leben in Würde zu führen – ein Verbot, das von israelischen Regierungen verhängt worden war. Beamte der Zivilverwaltung erliessen Abrissverfügungen für jedes neue Zelt oder jede renovierte Höhlenbehausung, für jeden Wasser- und Stromanschluss oder die Installation von Solaranlagen. Sie verhängten Geldstrafen für das „Vergehen“, Trinkwasser in einem Tankwagen zu transportieren, einen Traktor zu benutzen und ihre Herden weiden zu lassen. Diese ehemaligen Beamten sitzen in ihren Häusern und trauern (oder auch nicht) um die israelische Demokratie, sind aber stolz auf ihre Kinder, die einen „sinnvollen und werteorientierten“ Militärdienst leisten – was das Töten vieler PalästinenserInnen und LibanesInnen bedeutet.

Und was die WhatsApp-Gruppen der Jugend auf den Hügelkuppeln angeht, die wegen der wenigen unter ihnen, die von der Polizei festgenommen wurden, oder wegen eines Teil eines Aussenpostens, der zum achten Mal zerstört wurde und morgen wieder aufgebaut wird, „Gewalt“[i] schreien: Hinter jeder Person, von der bekannt ist, dass sie festgenommen wurde, stehen Dutzende von brutalen Banditen, die unter die Kategorie „keine Verdächtigen gefunden“ fallen.

Wenn du ein Bier trinkst, an einer Studie arbeitest, die die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die Farbe von Schmetterlingsflügeln untersucht, deine Reise nach Rom planst, eine Wassermelone aussuchst, dein Buskarte auflädst oder dich bei der Arbeit still über den Chef ärgerst – dann geschieht genau das, was du nicht wissen willst. Jeden Moment, auch wenn unsere Medien davon nicht berichten und die Welt mit anderen Dingen beschäftigt ist, setzt Israel seinen Vernichtungskrieg im Gazastreifen fort. Oder besser gesagt: auf etwa einem Drittel der 365 Quadratkilometer des Gazastreifens, auf denen der Staat, der die Opfer des Holocaust und deren Überlebende vertritt, zwei Millionen lebende Tote in einer Bevölkerungsdichte leben lässt, wie sie nur der Teufel erschaffen könnte.

Die lebenden Toten legen kilometerlange Wege zwischen immer höher werdenden Müllbergen und stinkenden Abwasserlachen zurück, um Wasser nach Hause zu bringen. Sie gehen auf Krücken und auf einem Bein und warten auf einen Gutschein des Welternährungsprogramms, der ihre Familien am Leben erhalten wird, und bringen ihre Töchter in eine provisorische Klinik – vielleicht weiss man dort, was man gegen die Flöhe, die Zecken und die Rattenbisse tun kann. Während sie Musik machen, Gedichte schreiben oder zwischen den Zelten Minze und Bohnen anpflanzen, schreien Dutzende ihrer verstorbenen Angehörigen aus dem Boden. Und dazwischen werden die Lebenden von weiteren israelischen Bombenniedergemetzelt.

Khan Yunis, Gaza: Nabil Abu Labda trägt den Leichnam seiner sechsjährigen Tochter Menna Allah Abu Labda. Sie fiel einem israelischen Luftschlag zum Opfer.

 Gib vor, du wärst überrascht: Der jüdische KKK hofft auf eine palästinensische Reaktion auf seine Gewalt, um sein Ziel voranzutreiben – eine Kampagne der Massenvernichtung von PalästinenserInnen im Westjordanland und anschliessend eine Kampagne zur Deportation der Überlebenden nach Jordanien, Syrien oder in den Libanon. Der „Blau-Weiss“-KKK weiss ganz genau, dass die PalästinenserInnen Angst haben, schockiert und wütend sind. Ihnen sind die Hände gebunden, und sie sind auf sich allein gestellt. Ihre beiden nicht gewählten Führungen sind nur mit ihrem eigenen Überleben beschäftigt. Kein Land hat Israel vor das angemessene Ultimatum gestellt: Beendet die Pogrome und verhaftet die Täter, sofort, oder wir werden Israelis aus unseren Ländern verbannen und jeglichen Handel sowie jede wissenschaftliche Zusammenarbeit einstellen.

Der KKK wartet darauf, dass einige PalästinenserInnen, die selbst angegriffen wurden oder miterleben mussten, wie ihre Angehörigen angegriffen wurden, oder dass junge Menschen, die die Hilflosigkeit angesichts von so viel Bösem nicht ertragen können, Waffen, Geld und Ratschläge aus dem Iran erhalten, um sich zu organisieren und Rache an den Israelis zu nehmen. Die „Unkräuter“ (wie sie von anderen Siedlern bezeichnet werden) warten darauf, dass ein Stein einen Bus voller Kinder zum Umkippen bringt.

Und dann wird sich die Mehrheit des israelischen Volkes mit den Helden des KKK und der Armee vereinen, die den Grossteil der Tötungen und Deportationen durchführen wird, denn schliesslich wurden wir angegriffen. Wir sind die Opfer.

 

 

 

 



[i] deutsch im Original

Diese Leichenhalle namens Ecuador

Samstag, 13. Juni 2026

 

Santiago Rosero*

(8.6.26) So viel in so kurzer Zeit. Es unterscheidet sich nicht einmal von gestern oder morgen, und doch kann sich jeder Tag noch schlimmer anfühlen. Ein 20-jähriger Supermarktangestellter wird von einer Gruppe von Kriminellen ermordet, die den Laden überfallen und 200 Dollar rauben.

Die Leichen von acht jungen Männern, die vor Tagen verschwunden waren, werden in Jutesäcken am Strassenrand gefunden. Sie hatten keine Vorstrafen. Ihre Angehörigen sagen, sie seien Bauern gewesen. Die Autopsien zeigen, dass sie Schüsse in den Kopf erhalten haben.

Die Gefängnisse Ecuadors sind Schauplatz eines Massakers. Das belegen die Zahlen und Fotos, die in der Reportage „Encerrados para morir“ (Eingesperrt, um zu sterben) der mutigen Journalistin Karol E. Noroña zusammengetragen wurden. Die Recherche berichtet, dass im Jahr 2025 1200 inhaftierte Menschen starben: drei pro Tag, einer alle sieben Stunden. Viele dieser Todesfälle wurden den Angehörigen nicht einmal gemeldet. Da sie keine Nachrichten mehr von den Inhaftierten erhielten, begannen sie, auf Friedhöfen nach ihnen zu suchen und taten alles in ihrer Macht Stehende, um die Leichen zu bergen und so zu verhindern, dass sie in Massengräbern landeten.

Das zu tun, was man kann, bedeutet immer, sehr wenig zu tun, denn es reicht ohnehin nicht aus. Es ist eine Mutter, die auf der Strasse um Geld betteln muss, um täglich 10, 30, 50 Dollar aufzubringen, damit die Banden, die die Verpflegung in den Gefängnissen kontrollieren, entscheiden, ob sie ihrem Sohn etwas zu essen geben – einem ausgemergelten, sterbenden Menschen, wie alle Häftlinge, die man auf den Fotos sieht. Nichts reicht aus, der Sohn stirbt unter anderem an chronischer Unterernährung. Hunger ist eine Waffe der Vernichtung. Ein ehemaliger Gefängnisdirektor glaubt zudem, dass es eine Strategie ist, damit diese fast leblosen Körper bei einem Ausbruch von Gewalt oder Krankheit keine Kraft mehr haben, sich zu verteidigen, und schliesslich sterben.

Tatsächlich breitet sich die Krankheit aus und verrichtet ihr Unwesen. Die Tuberkulosefälle haben sich in den letzten zwei Jahren, also seit der Ausrufung des internen bewaffneten Konflikts, vervierfacht. „Tuberkulose wird als ‚Krankheit der Armut‘ bezeichnet. Was den Bazillus – der in unserem Körper symptomfrei schlummern könnte – aktiviert, sind chronische Unterernährung, beengte Wohnverhältnisse und ein geschwächtes Immunsystem. Das heisst, das Fehlen sozialer Bedingungen für ein menschenwürdiges Leben. In diesem Sinne sind Gefängnisse der denkbar schlechteste Kontext“, sagt eine Expertin des Gesundheitsministeriums.

Im Jahr 2021, dem bisher kritischsten Jahr in Bezug auf Gewalt in Haftanstalten – einem Jahr der Aufstände und Massaker, die in den sozialen Netzwerken verbreitet wurden –, gab es 497 Todesfälle. Heute fordern Hunger und Krankheit mehr Todesopfer. Alle Quellen der Untersuchung deuten darauf hin, dass der Hauptverantwortliche für den Anstieg der Todesfälle der SNAI[i] ist, also der Staat. Im Namen dieses Staates entschuldigt sich der Befehlshaber der Streitkräfte öffentlich für die Ermordung der vier Kinder aus den Malvinas durch Militärangehörige. Eineinhalb Jahre, nachdem Josué Arroyo, Ismael Arroyo, Steven Medina und Nehemías Arboleda gefoltert, ermordet, verbrannt und begraben wurden und nachdem Minister der Regierung von Daniel Noboa eine Verleumdungskampagne gestartet hatten, um die Kinder als Kriminelle darzustellen, blieb dem Staat nichts anderes übrig, als die Anordnung des Verfassungsgerichts zu befolgen und sich zu entschuldigen. Oder besser gesagt: um Vergebung zu bitten, denn in rechtlicher und politischer Hinsicht fungiert die Entschuldigung meist als institutionelle Anerkennung des verursachten Unrechts, während die Vergebung eine Schuld einräumt und öffentlich die Verantwortung für einen nachgewiesenen Schaden übernimmt. Wenn es nichts mehr zu bieten gibt, entscheidet sich die Möglichkeit der Wiedergutmachung in diesen Feinheiten der bürokratischen Sprache. Die Minister, die die Kinder, ihre Familien und ihr soziales Umfeld diffamiert und sogar Richter, Journalisten und AktivistInnen bedroht haben, die Gerechtigkeit in diesem Fall forderten, haben kein Wort gesagt. Noch weniger hat sich der Präsident der Republik geäussert. Trotzdem haben die Eltern der Kinder das Wenige akzeptiert, das der Staat ihnen geben wollte. „Ich vergebe ihnen von ganzem Herzen. Ich kann sie nicht verurteilen, denn der Einzige, der urteilen darf, heisst Gott“, sagte Ismael Arroyo, der Vater von Ismael und Josué. „Ich nehme die öffentliche Entschuldigung an, denn ich bin nicht Gott, um zu urteilen. Nur Gott kann diese Männer richten, die unseren Kindern das angetan haben“, sagte Silvana Lajones, Mutter von Steven.

Es ist offensichtlich, dass diese durch politische Normen festgelegte Konvention, dieser aus Pflichtgefühl vorgetragene dialektische Kunstgriff, unzureichend ist, aber es ist anzunehmen, dass die Väter und Mütter, gestützt auf ihren christlichen Glauben, es akzeptieren können, weil es der einzige Weg ist, ihr Herz zu heilen und das Leben zu ertragen. Ein implizites Konzept in einer Tragödie, die Vergebung braucht, ist das Gemeinschaftsgefühl.

Der ecuadorianische Staat hat den Eltern der Opfer nie etwas Derartiges gewährt, und dennoch ist es ihnen gelungen, dies den übrigen Angehörigen anzubieten, die weiterhin nach ihren Verschwundenen suchen. „Ich wünsche mir, dass sich so etwas bei keinem anderen Kind wiederholt. An die Mädchen, deren Angehörige verschwunden sind: Ich bin bei euch“, sagte Johana Arboleda, die Mutter von Nehemías. In dieser Situation fataler Unvollständigkeit warten sie weiterhin auf das Wichtigste: die Wahrheit.

Die französisch-iranische Künstlerin Marjane Satrapi ist gestorben. „Aus Traurigkeit“, sagten ihre Angehörigen. Trotz des Ansehens und der Bewunderung, die sie genoss, kämpfte die Autorin der monumentalen Graphic Novel „Persepolis“ mit einem inneren Feuer, das sie schliesslich verzehrte. In dieser Leichenhalle namens Ecuador, apathisch und erstickt von so viel gewaltsamem Tod, scheint ein Tod aus Traurigkeit eine literarische Freiheit zu sein. Doch das ist weit davon entfernt, ein fiktionales Mittel zu sein, denn vielleicht ist die Apathie, die wir empfinden, an sich schon ein Tod aus Traurigkeit. Wir leben mit einem inneren Feuer, das unseren Geist verzehrt. Vielleicht fehlt nur noch, dass der Körper stirbt.



[i] (A.d.Ü.) Betreuungsdienst für Gefangene, seit 2025 Teil des Innenministeriums.