Ein Bericht aus Teheran

Samstag, 7. März 2026

(zas, 7.3.26) Bericht der zivilen Aktivistin Golshan Fathi über die Zustände in Teheran, erhalten am 7. März auf dem spanisch-sprachigen Telegram-Kanal Irán Actual (t.me/iranactual). Der Kanal wird von exilierten iranischen GenossInnen gemacht.

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„Hier haben wir kein Internet.

Die Satellitenantennen sind starken Störungen ausgesetzt.

Das Fernsehen der Islamischen Republik zeigt ein Bild „vollkommener Ruhe“:

Sie sagen, Israel sei zerstört, die Vereinigten Staaten seien besiegt und die Länder der Region hätten kapituliert. Sie sagen, die Menschen stünden auf Seite des Systems und würden ihr Leben für den Führer geben.

Auf der anderen Seite erzählt [das von Israel gesponserte Fernsehen] Iran International eine andere Geschichte von ausserhalb des Landes:

Sie sagen, dass die Islamische Republik gefallen ist und dass keine Zivilisten getötet, keine zivilen Einrichtungen angegriffen wurden und dass die „Operation zur Befreiung des Iran“ weitergehe.

Aber die Realität vor Ort sieht anders aus.

Die Stadt wird intensiv bombardiert und mit Raketen beschossen. Die Schätze, die dem iranischen Volk gehören, werden vor unseren Augen einer nach dem anderen zerstört.

Das Geräusch der Explosionen ist real, die Angst ist real. Ein Freund, der in der Gerichtsmedizin arbeitet, berichtete von der Ausstellung von 1500 Sterbeurkunden. Wir überprüfen ständig den Mobilfunkempfang, um sicherzustellen, dass die einzige Möglichkeit, etwas von unseren Lieben zu erfahren, nicht unterbrochen wird.

Jede Art von Aktivität wurde von der Islamischen Republik kriminalisiert. Dennoch haben die Menschen einander nicht im Stich gelassen.

Die Krankenhäuser sind geöffnet und jedes von ihnen hat mehrere Verletzte aufgenommen. Die Tankstellen funktionieren. Es gibt Wasser in Flaschen, nur ist es teurer geworden.

Heute um 7 Uhr morgens bin ich Blut spenden gegangen.

In einer Stadt, die bombardiert wird, sah ich eine Schlange von Menschen, die gekommen waren, um das Leben ihrer Landsleute zu retten.

Wir stehen unter so grossem Druck durch die Sorgen und den Krieg, dass ich in Tränen ausgebrochen bin.

Aber in derselben Stadt schreien die Basij-Patrouillen[i] in den Stadtvierteln, skandieren Slogans und organisieren jeden Abend „Heydar Heydar”-Karawanen.

Die Schlangen vor den Bäckereien sind lang und anstrengend.

Chlortabletten und Antidepressiva sind fast nicht mehr zu finden.

Und selbst unter diesen Bedingungen lügt die Regierung weiterhin in ihren Medien. Sie haben den Menschen das Internet genommen. Die Wirtschaft ist lahmgelegt und die Lebensmittelpreise haben sich vervielfacht.

Wir, die wir uns im Herzen einer Stadt im Krieg befinden, müssen eine Million Toman für zwei Tage Verbindung zur Welt über VPN bezahlen, nur um zu versuchen zu verstehen, was drinnen und draussen vor sich geht.

Wir befinden uns mitten in einer Krise, mitten in einem Krieg, und sogar das Recht auf Information haben sie uns genommen.

Schande über eine Regierung, die inmitten von Bomben und Raketen immer noch glaubt, ihre grösste Fähigkeit sei es, ihr eigenes Volk zu belügen!

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— Dieser Bericht wurde von Golshan Fathi unter ihrem eigenen Namen im sozialen Netzwerk X verfasst; ein Bericht, der inmitten des Krieges, der Internetbeschränkungen und einer Atmosphäre veröffentlicht wurde, in der viele Worte unweigerlich mit Vorsicht geschrieben werden müssen.

@golshan_fathi



[i] Pro-Regierungsmilizen

[rojavaagenda] Newsletter Nr. 59: 8. März, Newroz & tausende Fahnen für Rojava

 

Liebe Freund*innen und Genoss*innen

Nichts ist vorbei! In Rojava werden die Errungenschaften der Selbstverwaltung mit allen Mitteln verteidigt. Leisten auch wir unseren Beitrag. Zeigen wir, dass wir an der Seite von Rojava stehen, zeigen wir, dass auch wir für Rojava kämpfen.

Wir rufen zu einer Solidaritätsaktion auf: Hängt alle eine «Defend Rojava»-Fahne oder ein Transparent am 21. März gut sichtbar auf!

Ausserdem rufen wir alle FLINTAQ* auf an die Demos zum 8. März zu kommen!

Und wir laden zum Newroz-Fest am Samstag, 21. März in Zürich ein (weitere Infos folgen im nächsten Newsletter).

Defend Rojava: Tausende Fahnen für Rojava

Nach der Generealmobilmachung Mitte Januar gegen die Angriffe der jihadistischen Übergangsregierung und dem darauffolgenden Abkommen vom 29. Januar ist nach wie vor vieles unklar. Sicher ist, dass das Projekt Rojava weiterlebt und dass das nach wie vor belagerte Kobanê nicht an die syrische Übergangsregierung abgegeben wird. In ganz Rojava leisten die Menschen Widerstand, um das revolutionäre Projekt, ihre Hoffnung, ihre Würde und ihre Existenz zu verteidigen. Die aktuellen ideologischen Angriffe auf die Selbstverwaltung in Rojava zielen insbesondere auf die Frauenrevolution ab – deshalb gilt es sie mit allen möglichen Mitteln zu verteidigen.

Die Angriffe im vergangenen Monat wurden zwar durch die Übergangsregierung von Al-Jolani ausgeführt und von der Türkei orchestriert, wären aber nicht möglich gewesen, ohne Grünes Licht von den internationalen Mächten, allen voran die USA, Israel und die EU. Aber auch das Kapital, die Gas- und Erdölkonzerne sowie die wirtschaftlichen Vertretungen aus Ländern, wie etwa aus der Schweiz, waren es, die diesen Angriff mit unterstützt und ermöglicht haben. So war nicht nur die Präsidentin der Europäischen Kommission anfangs Januar in Damaskus, um 600 Millionen zu spenden, eine Schweizer Delegation traf auch Mitte Januar in Damaskus ein, um die wirtschaftlichen Beziehungen auszubauen. Denunzieren wir die Komplizenschaft des Westens, lassen wir Rojava an jeder Wand, auf jedem Plakat, auf jedem Balkon, auf jeder Brücke, in allen Städten erscheinen.

Zeigen wir, dass wir viele sind, die in internationaler Solidarität Schulter an Schulter mit Rojava stehen! Hängt eine Fahne oder ein Transparent aus eurem Fenster, in der Schule und am Arbeitsplatz, an das Velo und Auto, an eine Brücke und zwischen Laternen… irgendwo, wo es im öffentlichen Raum sichtbar ist.

Die «Defend Rojava»-Fahnen können für 5 Franken bezogen werden, zum Beispiel am 13. März ab 18 Uhr im Infoladen Kasama oder am Samstag, 14. März von 13 Uhr bis 17 Uhr beim Werdmühleplatz (in Zürich). Die Einnahmen gehen vollumfänglich nach Rojava. Wer noch solche Fahnen zu Hause hat, soll die gerne auch am 21. März aufhängen.

Am 21. März ist Newroz, das kurdische Neujahrsfest, das der Frühling feiert und ein Symbol des Widerstands ist. Zeigen wir an diesem Tag und darüber hinaus mit tausenden Fahnen und Transparente unsere Solidarität mit Rojava.

Schickt ein Foto der aufgehängten Fahne bzw. von euren Transparenten auf Instagram an @rojavakomiteezuerich oder per Mail an rojka@riseup.net

Demos zum Internationaler Frauenkampftag

7.3.26 10:30 Archhöfe Winterthur
7.3.26 13:30 Paradeplatz Zürich
8.3.26 14:00 Ni Una Menos-Platz Basel
(Cis-Männer bleiben solidarisch fern)


Samstag, 14. März: Unser Kampf in Rojava ist der Kampf für die Freiheit der Welt!
Am Samstag, dem 14.März von 13 – 17 Uhr organisiert der Frauenrat Beritan gemeinsam mit feministischen Kollektiven aus Zürich eine Veranstaltung am Werdmühlplatz.
Es wird durch den Nachmittag hindurch verschiedenstes Programm geben, mit feministischen Perspektiven aus Rojava, Iran, Baskenland und der Schweiz.


Rojhelat (Ostkurdistan) und Iran
– Berichte internationaler Medien über eine angebliche Bodenoffensive kurdischer Kämpfer:innen im Nordwesten des Iran wurden von kurdischen Organisationen zurückgewiesen: https://deutsch.anf-news.com/aktuelles/kurdische-krafte-weisen-berichte-uber-angebliche-offensive-in-iran-zuruck-50574
– „Kurden im Iran blicken auf eine jahrzehntelange Widerstandstradition zurück. Eine ausländische Militärintervention lehnen die meisten ihrer Parteien ab“, schreibt Nick Brauns anfangs Februar: https://www.jungewelt.de/artikel/516711.iran-ghazi-mohammeds-erben.html – und hier sein neuster Artikel zu den Versuchen der USA, die Kurd:innen in den Krieg zu treiben: https://www.jungewelt.de/artikel/518687.krieg-gegen-iran-die-kurdische-front.html
– Ende Juni 2025 haben die Kurdin Varisheh Moradi und drei weitere Mitgefangene aus dem Evin-Gefängnis in einem offenen Brief vor „imperialen Befreiungsillusionen“ gewarnt. Ihre Analyse ist weiterhin aktuell: https://civaka-azad.org/inhaftierte-frauen-in-evin-warnen-vor-imperialen-befreiungsillusionen/
– Aufruf der Gemeinschaft der freien Frauen Ostkurdistans (KJAR) zum 8. März: https://deutsch.anf-news.com/frauen/kjar-die-welt-erlebt-einen-beispiellosen-widerstand-von-frauen-50584

Wir sehen uns auf der Strasse!
Defend Rojava! Jin, jiyan, Azadî!
Rojava Komitee Zürich

rojavaagenda.ch
Telegram-Kanal: t.me/rojavaagenda
Instagram: @rojavakomiteezuerich

 

Elemente eines drohenden Wahlbetrugs in Kolumbien

Dienstag, 3. März 2026

Ein Artikel aus amerika21.de und ein Blick aus Honduras auf US-gesteuerte Ausschnitt aus dem  

 

 

Correos-Beilage Januar 2026

 https://zas-correos-heft.blogspot.com/2026/03/corros-im-vorwarts-januar-2026.html

 Mit Artikeln zu Venezuela, Argentinen, Kuba, Honduras, US-Sanktionen und Logik des Staatsterrors in den USA.