https://amerika21.de/2026/10/291019/politische-krise-bolivien
La Paz. In Bolivien hat die Polizei letzte Woche den Generalstaatsanwalt Roger Mariaca und 13 weitere Personen in Santa Cruz festgenommen. Die bolivianische Regierung wirft ihnen vor, eine kriminelle Organisation gebildet zu haben, um Drogenhändler zu schützen und den Drogenhandel zu fördern. Die Festnahme erfolgte zwei Tage, nachdem die US-Regierung unter Donald Trump Visa-Beschränkungen gegen Mariaca wegen mutmaßlicher Verbindungen zum Drogenhandel verhängt hatte.
Mariaca sieht darin den Versuch, seine Ermittlungen gegen den ultrarechten Wahlkampfstrategen Fernando Cerimedo zu behindern. Die bolivianische Staatsanwaltschaft ermittelte unter Mariacas Leitung gegen Cerimedo unter anderem wegen des Verdachts auf versuchten Femizid, unerlaubte Bereicherung und Geldwäsche (amerika21 berichtete). Cerimedo war zuvor als Berater des argentinischen Präsidenten Javier Milei tätig und hatte auch mit dem bolivianischen Präsidenten Rodrigo Paz zusammengearbeitet.
Die Regierung Trump verhängte die Sanktionen gegen Mariaca kurz nach einem Besuch von Paz in den USA. Paz traf im Rahmen der UN-Generalversammlung den US-Außenminister Marco Rubio und nahm an einem Treffen des Bündnisses "Shield of the Americas" teil. Vom 24. bis 27. September hielt er sich ohne offizielle Agenda in Florida auf.
"Wir wissen, dass die Arbeit, die wir bislang geleistet haben, bestimmten politischen Kreisen sowohl innerhalb als auch außerhalb unseres Landes missfallen hat", erklärte Mariaca nach dem Entzug seines US-Visums. Dabei bezog er sich auf den Fall Cerimedo. Weiter sagte er: "Kein nationaler oder internationaler politischer Druck darf die Aufklärung von Sachverhalten behindern, die untersucht werden müssen."
Die Polizei erklärte, bei einem Einsatz im Umfeld von Mariacas Wohnhaus Geld im Wert von mehr als 300.000 US-Dollar sichergestellt zu haben. In den folgenden Tagen meldeten die Behörden zudem den Fund von Waffen, Munition, Schutzwesten und weiterer taktischer Ausrüstung in einem von Mariaca genutzten Dienstwagen.
Die Vorwürfe gegen Mariaca beruhen großenteils auf Aussagen des an die USA ausgelieferten mutmaßlichen Drogenschmugglers Sebastián Marset. Paz forderte weitere Informationen aus Washington zu den Vorwürfen gegen Mariaca, der 2024 noch unter der linken MAS-Regierung von Luis Arce für sechs Jahre zum Generalstaatsanwalt gewählt wurde. Als Justizvertreter die Festnahme öffentlich als "rechtswidrig" und "Entführung" bezeichneten, besetzten vermummte Polizisten einer Spezialeinheit die Behörde, um sie zu durchsuchen, und nahmen die Justizangestellten fest.
Rubio begrüßte auf X Paz' "entschlossene und konsequente Maßnahmen zur Bekämpfung des Drogenhandels, der systemischen Korruption und der grenzüberschreitenden organisierten Kriminalität in Bolivien" und ergänzte: "Boliviens Maßnahmen zeigen jene Art von Führungsstärke, die notwendig ist, um unsere Hemisphäre sicherer, stärker und wohlhabender zu machen."
Der in Opposition zu Paz stehende Vizepräsident Edmand Lara kritisiert die Amtsenthebung Mariacas ohne verfassungsrechtliche Garantien. Er vermutet einen Versuch, Ermittlungen gegen Cerimedo und das Präsidentenumfeld zu stoppen. Cerimedo habe ein Büro neben Paz gehabt, Ministern Anweisungen erteilt und die Regierungskommunikation koordiniert.
Lara behauptet, auch seine Festnahme werde vorbereitet: "Es werde offenbar erwogen, mir gefälschte Beweise unterzuschieben", um ihn mit "illegalen Handlungen" in Verbindung zu bringen. Er fürchte um sein Leben.
Cerimedos Expartnerin Nadia Beller zeigte die Regierung strafrechtlich an. Sie befürchtet, dass durch die Razzien Beweise gegen Cerimedo und Paz' Umfeld beseitigt werden und seine Freilassung ermöglicht werden soll.
Fotos zeigen Paz mit Cerimedo und Personen der Trump Administration. In Chile werden Cerimedos Verbindungen zu Präsident José Antonio Kast untersucht. In Argentinien wird er mit einem Korruptionsskandal unter Milei, in Peru mit Wahlkampfteam von Keiko Fujimori in Verbindung gebracht.
Der bolivianische Verteidigungsminister Ernesto Justiniano bot den USA in dieser Woche Mariacas die Auslieferung an.

