Haiti: "Wiederaufbau" - der Angriff kommt ins Rollen

Donnerstag, 28. Januar 2010

(27.1.10) Wir wissen es: Wenn die Erde bebt, die Dürre alles verbrennt, der Krieg die Menschen ins Elend stürzt, dann ist Hochbetrieb bei den globalen Gesellschaftsplanern. Sie fallen unweigerlich über die Zone der Verwüstung her, reden von der Chance zum Neubeginn, richten die Waffen ihrer Pläne und Armadas auf die Überlebenden und lassen sich als Wohltäter feiern. Jede gewalttätige Zerschlagung der alten Ordnung, in der sich die unten Rechte und Freiräume haben erkämpfen können, wird begrüsst, komme sie per Bombe oder mit einem Sturm. Der Kapitalismus gedeiht in seiner gewalttätigen Erneuerung, nicht in seiner Erstarrung.

Entsetzen ruft bei denen einzig die revolutionäre, kollektive Zerschlagung des Alten für die Befreiung hervor. Auf ihre unerbitterliche Feindschaft stösst der Versuch der Menschen in solchen Notsituationen, selbstbestimmt zu überleben, kollektiv die Würde zu behaupten und so die Grundlagen für eine andere Gesellschaft zu legen. Das zu verhindern, ist Aufgabe der „Wiederaufbaustrategien“.

In Haiti soll jetzt, gestützt auf frühere Blaupausen, eine radikale Transformation des Landes und der Gesellschaft durchgedrückt werden. Elemente davon sind ein massiver Ausbau der „Freien Produktionszonen“, Massenumsiedlungen, verschärfte Privatisierungen, Landraub im Grossmassstab, Sonderjustiz für die kapitalistischen Unternehmer und eine Planung, welche die Bevölkerung in den grössten, aber „unproduktiven“ Teilen des Landes abhängen soll. Begleitet von einer Durchmilitarisierung der Gesellschaft. Ernähren soll sich das Vorhaben aus der unvorstellbaren Not.

Sie werden Terror ausüben, getarnt als humanitäre Hilfe. Mit ihren grössenwahnsinnigen Pläne zur Gestaltung der Gesellschaft vom Reissbrett aus werden sie auch dieses Mal scheitern. Aber erneut zu einem unerträglichen Preis, der zum Leid des Erdbebens hinzukommt.

Am Dienstag,  dem 19. Januar, eine Woche nach dem Erdbeben, erklärte die in Haiti engagierte medizinische US-Soliorganisation „Partners in Health“ (PIH):

„Wir sagten es gestern. Wir wiederholen es heute lauter und drängend. ZEHNTAUSENDE VON ERDBEBENOPFERN BRAUCHEN CHIRUGISCHE NOTHILFE JETZT!!!!! Unser medizinischer Direktor hat geschätzt, dass jeden Tag 20'000 Menschen sterben, die mit einem chirurgischen Eingriff gerettet werden könnten. Die Sterberate und die Inzidenz von Wundbrand und anderen tödlichen Infektionen wird weiter anwachsen, wenn es nicht zu einem massiven Effort kommt, um mehr Operationsräume einzurichten, mit Personal auszustatten und essentielle Ausrüstungs- und Versorgungsgüter zu liefern – von Alkohol über Sterilisierung zu Anästhesiemaschinen, von Wundnähten zu Abkochdruckapparaten“.

Grosse US-Medien berichteten über den Notruf. PIH ist kein marginales Grüppchen; Bill Clinton trifft sie, das US-Militär fliegt jetzt ihre PatientInnen auf das Spitalschiff der US-Navy vor Port-au-Prince. Dennoch ging die Angelegenheit mit ein paar Dementis unter. Die Zahl sei „viel zu hoch“, meinte die Kommunikationsministerin Marie-Laurence Jocelyn Lassègue. „Ich sah die Zahl, und sie scheint mir zu hoch“, meinte John Holmes, ein Unter-Generalsekretär der UNO und ihr Nothilfekoordinator.

5000, 10000, 150000, 20000? Fakt ist, nachdem die US-Armee den Flughafen okkupiert hatte, ging erst mal lange Zeit fast gar nichts mehr in Sachen Anflug von Hilfsgüter. Es kamen stattdessen die Waffen. (Am 21. Januar schlossen die US-Militärs auf dem Flughafen von Port-au-Prince  alle provisorischen Büros der Medienschaffenden, wie Reuters und Europa Press berichteten. Warum?)

Für Angaben zu Elementen des „Wiederaufbau“-Angriffs hier weiter lesen


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