Tegucigalpa. In Honduras sind mehr als sechs
Millionen Wahlberechtigte aufgefordert einen Präsidenten, 128
Parlamentsabgeordnete, 20 Abgeordnete des zentralamerikanischen
Parlaments und 298 Bürgermeister und Vizebürgermeister zu
wählen.
Überschattet werden die Wahlen von der erneuten Kandidatur des
amtierenden Präsidenten Juan Orlando Hernández, die nach Aufassung von
Kritikern verfassungswidrig ist.
Anfang der Woche sind zur Wahlberichterstattung angereiste
Journalisten der Fernsehsender Al Jazeera und Telesur, die stets
kritisch gegenüber Hernández berichten, für mehrere Stunden am Flughafen
aufgehalten
worden. In den Sozialen Netzwerken kursieren Meldungen, die Straßen von
Honduras seien militarisiert worden. In den Medien wird indes seit
Tagen seitens der Regierungspartei eine Kampagne gegen Venezuela
geführt. Das südamerikanische Land würde Honduras attackieren, um
gemeinsam mit der Opposition Chaos zu
stiften. Bisher wurden etwa 5.000 nationale und internationale Wahlbeobachter
registriert.
Der seit 2014 amtierende Präsident Juan Orlando Hernández von der
Partido Nacional (Nationalen Partei, PN) hat sich zur Wiederwahl in das
höchste Amt aufstellen lassen. Voraus gegangen war 2015 die Zustimmung
des Obersten Gerichtshofs zur Unvereinbarkeit des betreffenden Artikels
239 mit der honduranischen Verfassung. Begründet wurde dies mit der
Verletzung der Gleichheit, politischen Teilhabe und freien
Meinungsäußerung. Gegenüber amerika21 erläutert der honduranische
Soziologe Hermilo Soto, dass die erneute Kandidatur illegal ist, da die
entsprechende Änderung der Verfassung nur durch eine Volksbefragung
möglich sei.
Am Mittwoch ist offiziell
bekannt
geworden, dass die PN-Vorsitzende und Vizepräsidentin des Kongresses,
Gladys Aurora López, zusammen mit ihrem Ehemann Arnoldo Castro, Bruder
des PN-Abgeordneten Oscar Álvarez und Mitglied der einflussreichen
Bankiersfamilie Atala, zu den Auftraggebern hinter dem Mord der
indigenen Umweltaktivistin Berta Cáceres im Jahr 2016 gehören. Cáceres,
die sich zusammen mit den indigenen Gemeinden gegen den Bau eines
Wasserkraftwerkes wehrte, wurde am 2. März 2016 in ihrem Haus in La
Esperanza ermordet.
Billy Joya, der ebenfalls für die PN kandidiert, war führender
Offizier des Bataillon 3-16, einem Todesschwadron, das für Folter,
außergerichtliche Tötungen und Verschwindenlassen in den 1980er Jahren
verantwortlich ist.
Darüber hinaus steht die Partei mit der Veruntreuung von bis zu 335
Millionen US-Dollar aus dem honduranischen Sozialversicherungssystems
(IHSS) in Verbindung. Dies wurde im Jahr 2015
öffentlich.
Teile der Gelder sind in die Wahlkampagne des amtierenden Präsidenten
Hernández geflossen. Laut gerichtlichen Aussagen des führenden Kopfes
des Drogenkartells Los Cachiros in den USA, hat der ehemalige Präsident
Porfirio Lobo, der ebenfalls der PN angehört, Bestechungsgelder
angenommen. Ebenso
stehe der Bruder von Präsident Hernández mit dem Drogenkartell in Verbindung .
In seiner Wahlkampagne betonte Hernández die Schaffung von
Arbeitsplätzen, die Förderung der wirtschaftlichen Entwicklungszonen
(Zede) sowie Sicherheit und verstärkte Militäreinsätze in den Regionen.
Der Soziologe Soto weist in dem Zusammenhang auf die Interessen der USA
in Honduras hin. Die Regierung von Hernández habe ein Wirtschaftsmodell
durchgesetzt, das die Öffnung für ausländisches Kapital und die Freigabe
der natürlichen Ressourcen beinhaltet. Jedoch gebe es scheinbar wenig
Konsens in den USA im Hinblick auf die Beziehungen zu einer Regierung,
die so offensichtlich in Korruption und das organisierte Verbrechen
verwickelt ist, führte Soto weiter aus.
Salvador Nasralla ist der Kandidat der Allianz der Opposition, einem
Bündnis aus der Partei Freiheit und Neugründung (Libre) unter Führung
des ehemaligen Präsidenten Manuel Zelaya, der PINU und Teilen der
Antikorruptionspartei. Besonders in Libre haben sich die mehrheitlich
fortschrittlichen und linken Kräfte, die aus der Widerstandsbewegung
hervorgegangen sind, vereint. Nasralla selbst war Sportreporter, gehört
zur Antikorruptionspartei und hat in seiner Kampagne viele Themen der
Widerstandsbewegung nach dem Putsch
aufgegriffen,
wie unter anderem eine kostenlose Bildung und Gesundheit, einen
Sicherheitsplan, der auf Gewaltprävention basiert, Kampf gegen
Korruption und Straflosigkeit, Basisdienstleistungen unter staatlicher
Kontrolle, die Durchführung einer Agrarreform und der Rücknahme der
Gesetze der Präkarisierung von Arbeit.
Dritter wichtiger Kandidat ist Luis Zelaya von der Liberalen Partei.
Er hat jedoch wenig Aussicht, die Wahl für sich zu entscheiden. In
seiner Wahlkampagne setzte er unter anderem auf die Stärkung der
Institutionen, den Kampf gegen die Korruption und Straflosigkeit, das
Ankurbeln der Wirtschaft und die Schaffung von Arbeitsplätzen durch
landwirtschaftliche Zonen und Industrieparks sowie Investitionen in
Gesundheit und Bildung.
Viele Akteure der Zivilgesellschaft, so auch Soto, äußern sich
skeptisch auf die Frage, ob diese Wahlen eine Veränderung einleiten
könnten.
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Vom
26.11. bis zum 3.12. besucht die honduranische garífuna Aktivistin
Aurelia Martina Arzú Rochez anlässlich des UN-Forum on Business and
Human Rights die Schweiz. Sie ist Vize-Koordinatorin der Organización Fraternal Negra de Honduras OFRANEH, die sich gegen grosse Tourismus-Projekte auf dem Land der indigenen Garífunas wehrt.
Auf Einladung von PBI nimmt Aurelia Arzú aus Honduras vom 27.11. bis zum 29.11. am
UN-Forum on Business and Human Rights
in Genf teil. Danach wird sie am 30.11. und 1.12. in Bern sein, um an
verschiedenen Treffen über ihre Menschenrechtsarbeit zu berichten. Zudem
wird sie am
Abschiedsfest der zukünftigen PBI-Freiwilligen in Honduras, Jeannine Käser, am 2. Dezember in Baden anwesend sein.
Die
Organisation OFRANEH wurde 1978 ins Leben gerufen mit dem Ziel, das
Recht auf Selbstbestimmung der afro-karibischen Gemeinschaft der
Garífuna mit verschiedenen Projekten zu fördern. Aktuelle
Herausforderungen der Organisation umfassen allen voran touristische
Grossprojekte in ihrem Territorium und die damit verbundene Ausbeutung
der natürlichen Ressourcen. OFRANEH hat sich u.a. intensiv mit einem
Gesetz auseinandergesetzt, das geplante wirtschaftliche Projekte dazu
verpflichten soll, die betroffenen Gemeinden vorab zu konsultieren,
gemäss der Konvention 169 der OIT.
PBI pflegt mit OFRANEH seit den
Explorationsmissionen 2011/12 in Honduras den Kontakt, aktuell auch im
Rahmen der Sicherheitsworkshops, die PBI für lokale NGOs durchführt.
(zas) Dass ein anderer als der amtierende Diktator/Präsident Hernández
offiziell als Sieger aus den heutigen Wahlen hervorgehen werde, ist sehr
unwahrscheinlich. Ebenso wie dass die WahlbeobachterInnen der OAS und der EU
dabei gross etwas auszusetzen hätten. Hatten sie schon 2014 nicht, trotz
eindeutiger und massenhafter Beweise für Wahlbetrug. Auch jetzt sind das
Wahlgericht und das für die WählerInnenliste zuständige EinwohnerInnenregister
in den Händen der regierenden Clique, ohne Vertretung der wichtigsten
Oppositionspartei, Libre, genauso wenig wie der Antikorruptionspartei, die sich
jetzt gespalten hat, aber offenbar mehrheitlich hinter ihrem Gründer Nasralla
steht, der mit Libre-Unterstützung als Präsidentschaftskandidat antritt.
"Beliebte" Betrugsmethoden wie diverse Formen von Stimmenkauf oder
die elektronische Ausrechnung der Resultate durch Unternehmen mit null
Glaubwürdigkeit sind weiter an der Tagesordnung. Usw. Die Wahlen finden in
einem Kontext extremer Gewalt statt, von dem der Mord an Berta Cácerers letztes
Jahr nur der bekannteste Ausdruck ist, und in dem kriminelle
Strassenorganisationen funktional für die Verschleierung der anhaltenden Serie
von Politmorden sind. Der westliche Staatenblock wird eine oder zwei
Anstandspirouetten drehen, um anschliessend den Wahlsieg ihres Joujou
genüsslich zu schlürfen. Schliesslich analysiert er ähnlich brilliant wie
Rajoy, der herausgefunden hat (mit Hilfe der No-fake-Avantgarde in den USA),
dass Putin und Venezuela das Ding mit Katalonien gedreht haben. Hernández
sperrt auch fleissig chavistische Agenten aus, die in Honduras die Wahlen
manipulieren wollten, so etwa die wegen ihrer wunderschönen Liedern in der
zentralamerikanischen Linken geliebte venezolanische Musikgruppe Los Guaraguos,
die am Flughafen dingfest gemacht und ausser Landes geschafft wurde. Fehlte
sich ja noch, dass ihr Lied von den
casas de cartón, den Hütten mit
Kartondächern, in einem Moment in Honduras erklingen würde, wo der Señor
Presidente doch grad darangehen will, endlich die viel gerühmten Modellstädte
jenseits von so Scheiss wie Verfassung und Arbeitsrechte durchzusetzen, zum
Frommen der neuen Feudalherren, früher Investoren genannt.
Selbst einen bisher extrem wahlkritische Organisation wie jene der Garífunas
an der Karibikküste, Ofraneh, unterstützt jetzt die Kandidatur Nasrallas, in
der Hoffnung, so ihrer drohender Vertreibung für die von
US"-"Libertären" unterstützten Investorenparadiese (Modellstädte)
vorbeugen zu können. Doch Ofraneh weiss, dass vorallem ihr verzweifelte Kampf
das Schlimmste verhindern könnte.
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http://www.peacebrigades.ch/de/projekte/schweiz/speaking-tours/aurelia-arzu-2017/