Juan Orlando Hernández angeblich nun doch knapp
vorn. Breite Kritik an Verhalten der Wahlbehörde. Opposition prangert
Betrug an. Tote bei Protesten
Tegucigalpa. Fünf Tage nach den
Präsidentschaftswahlen vom vergangenen Sonntag in Honduras sind vom
Obersten Wahlrat (TSE) die offiziellen Endergebnisse immer noch nicht
veröffentlicht worden. Laut Daten des TSE von Mittwoch seien 90,40
Prozent der Wahldokumente ausgezählt. Demnach führt der amtierende
Präsident Juan Orlando Hernández von der Nationalen Partei vor dem
Kandidaten Salvador Nasralla von der Allianz der Opposition gegen die
Diktatur. Hernández komme auf circa 32.000 Stimmen mehr als Nasralla. Zu
Wochenbeginn lag Nasralla noch knapp fünf Prozentpunkte in Führung.
Das Oppositionsbündnis hat erklärt, das Ergebnis nicht anzuerkennen
und zu friedlichen Protesten gegen den vermuteten Wahlbetrug aufgerufen.
Im ganzen Land finden Demonstrationen statt, am gestrigen Donnerstag
begannen Protestierende, Straßen
zu blockieren. Dabei wurden drei Menschen von Sicherheitskräften getötet, darunter ein elf-jähriges Kind. Dies
berichtete Juan Barahona von der honduranischen Befreiungsfront gegenüber dem lateinamerikanischen Fernsehsender Telesur.
Am Mittwoch war es über fünf Stunden hinweg zu Systemausfällen der
Computer der Wahlbehörde gekommen. Dazu hüllte sich der TSE in
Schweigen. Nasralla kündigte daraufhin ein von der Organisation
Amerikanischer Staaten (OAS) verhandeltes Abkommen, dem zufolge beide
Kandidaten sich früher in dieser Woche bereit erklärt hatten, das
Ergebnis anzuerkennen.
Doch auch über den Zwischenfall hinaus ist die Situation von
Intransparenz geprägt. Dies wurde auch von den Wahlbeobachtern der
Europäischen Union und von der europäischen Parlamentariergruppe von
Grünen und Linken
kritisiert.
Marisa Matias, Leiterin der EU-Delegation, äußert in einer
Pressekonferenz, dass im Vergleich die Wahlbehörde TSE bei den Wahlen im
Jahr 2013 einen Tag später gleich fünf Teilergebnisse der Wahlen
veröffentlichte.
US-amerikanische Kongressabgeordnete haben ebenfalls Kritik an den Verzögerungen und fehlenden Transparenz
geäußert. Die US-Geschäftsträgerin in Honduras, Heide Fulton,
mahnte die Wahlbehörde am Donnerstag, "die Auszählung frei, transparent und ohne Einmischung zu Ende zu bringen".
Honduranische Menschenrechtsorganisationen sprechen sich für klare Kommunikation und den Respekt des Wählerwillens aus.
Nach Angaben des TSE sind die Wahldokumente, auch aus den entfernten
Regionen, seit Mittwoch in Tegucigalpa. In der Nacht von Mittwoch zu
Donnerstag mussten alle nationalen, internationalen Wahlbeobachter als
auch die Journalisten das Gebäude verlassen, in dem die Dokumente
ausgezählt und aufbewahrt werden. Polizei und Militärpolizei begannen,
gegen die wartenden Protestierenden vor dem Gebäude Tränengas
einzusetzen.
In der Nacht zum Freitag hat sich die Lage weiter zugespitzt. Es wird
von circa 60 Straßenblockaden landesweit berichtet. Gemeindegebäude in
den Städten Siguatepeque und Las Vegas wurden angezündet. Alle
Mautstellen im Norden des Landes wurden zerstört. Der offene
Internetsender UNE TV berichtet, dass im Stadtteil Pedregal in
Tegucigalpa ein Kind erschossen wurde, weiterhin wird von neun
Verletzten berichtet, die im Krankenhaus der Hauptstadt behandelt werden
mussten.
UNE TV, der die letzten Tage rund um die Uhr über die Geschehnisse in der Hauptstadt berichtet hat,
befürchtet durch die Regierung geschlossen zu werden. Der regierungskritische Sender Radio Progreso
kritisiert die abwartende Haltung internationaler Organismen wie der Wahlbeobachterdelegation der EU und der OAS.
Erste Stimmen in Honduras sprechen von einer Fortsetzung des Putsches
von 2009 gegen die damalige demokratisch gewählte Regierung von
Präsident Manuel Zelaya. Dieser Umsturz war nicht nur aus den USA
unterstützt
worden, sondern auch von der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung. Der
damalige Leiter des Stiftungsbüros in der honduranischen Hauptstadt
Tegucigalpa, Christian Lüth, wurde damals erst nach heftiger Kritik
abgezogen und bekam einen
Posten im
zu dieser Zeit von der FDP geleiteten Entwicklungsministerium.
Inzwischen ist Lüth Pressesprecher der rechtspopulistischen AfD.
Zuletzt war die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung verstärkt in
Honduras aktiv. Sie hatte nach eigenen Angaben Ausbildungskurse für
führende Funktionäre der Wahlbehörde TSE
organisiert – die jetzt unter Betrugsverdacht zugunsten der konservativen Regierung steht.