Die Schweiz, das ruhige Gewissen und die Maras

Dienstag, 13. März 2018



(zas, 13.3.18) Die Schweiz hat sie ausgewiesen und jetzt sind sie wieder in El Salvador. Er war Polizist gewesen (in der Abteilung Verkehrsunfälle), sie Dorfschullehrerin. Die Mara begann sie zu erpressen – beide hatten ein sehr bescheidenes Einkommen, unwiderstehlich attraktiv für die Herrschaften. Und der eine Sohn war im Alter, das Maras geeignet finden für Zwangsrekrutierungen. Der Vatr beging den «Fehler», die Erpressung und die Pressionen gegen seinen Sohn anzuzeigen. Einen Tag später informierte ihn die Mara über das deswegen ergangene Todesurteil. Die Familie konnte flüchten, in die Schweiz. Das SEM, die Migrationsbehörde, erkannte keinen Grund für Beunruhigung und lehnte das Asylgesuch ab. Die Anwältin verschleppte den Rekurstermin – das Bundesverwaltungsgericht bestätigte ex oficio das SEM-Verdikt.
Gestern besuchte ich die Familie. Der Ex-Polizist wartete mit seinem Roller am Eingang des Städtchens, ich fuhr ihm nach. Als er in die Strasse einbog, wo sie wohnen, starrte ihm ein Kid, ein poste, also ein Jugendlicher, der als Spitzel der Mara rumhängt, lange nach. Das Mordurteil ist hängig.
Wir besprachen die Situation … und ihre menschlichen «Details». Wie jenes, dass der Kid im «Rekrutierungsalter» nie das Haus verlässt. Denn sein Rekrutierungs-«Desertieren» macht ihn zum Verräter und er ist Sohn eines Polizisten. Er hat Angst, begründete.
In der Schweiz, les ich später, hat der Nationalrat den Einsatz von GPS-Peilern u. ä. gegen «SozialhilfebetrügerInnen» beschlossen. Ruhigen Gewissens, versteht sich, wie die vom SEM etc.

Provokation in Havanna

Montag, 12. März 2018

https://www.jungewelt.de/artikel/328820.provokation-in-havanna.html
Rechte Gruppen versuchten, Wahlen in Kuba zu diskreditieren. Reaktionäre Politiker an Einreise gehindert
Von Volker Hermsdorf
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Kolumbiens Exstaatschef Anres Pastrana und der frühere Präsident Boliviens, Jorge Quiroga, wurden von Kuba zurück nach Bogotá geschickt (7.3.2018)
Foto: Jaime Saldarriaga/Reuters
Unterschiedlicher als die Parlamentswahlen in Kuba und Kolumbien am gestrigen Sonntag können Abstimmungen nicht verlaufen. Während die Wahl von 612 neuen Abgeordneten des nationalen Parlaments und der Vertreter für die 15 Provinzparlamente in Kuba friedlich verlief, war bereits der Wahlkampf in Kolumbien von Anschlägen, Gewalt und Einschüchterungsversuchen überschattet. Kandidaten regierungskritischer Parteien wurden mehrfach beschossen oder anderweitig mit dem Tod bedroht. In Kuba gibt es traditionell keinen Parteien- oder Medienwahlkampf. Die Kandidaten, die sich seit Anfang des Jahres in 168 kommunalen Versammlungen vorgestellt hatten, wurden in ihren jeweiligen Wahlbezirken direkt gewählt. Wie der russische Nachrichtensender RT berichtete, hatten sich auch 170 »Dissidenten« um ein Mandat beworben. Zwischenfälle wurden nicht gemeldet.
Vorab hatten rechtskonservative ausländische Politiker jedoch versucht, den Wahlprozess in Kuba zu diskreditieren. Als Vorwand dazu diente die Absicht, am vergangenen Donnerstag in Havanna einen von Contra-Organisationen erfundenen und nach dem 2012 verstorbenen Systemgegner Oswaldo Payá benannten »Menschenrechtspreis« an die »Iniciativa Democrática de España y las Américas« (IDEA) mit Sitz in der US-Stadt Miami zu verleihen. Dieser Organisation gehören 37 rechtskonservative ehemalige Staats- und Regierungschefs an. Vielen von ihnen werden in ihren Heimatländern Unterdrückung, Gewalt, Verbindung zu rechten Paramilitärs und Drogenbanden, Korruption oder andere Delikte vorgeworfen.
Mitte vergangener Woche waren die Expräsidenten Andrés Pastrana aus Kolumbien und Jorge Quiroga aus Bolivien nach Havanna gereist, um dort angeblich den »Preis« entgegenzunehmen. Tatsächlich ging es um eine von den rechten Organisatoren und privaten Medien vorbereitete Provokation. Die beiden früheren Staatschefs wissen, dass sie in Kuba nicht willkommen sind. Als ihnen wie auch Jaime Bellolio, einem Abgeordneten der von Anhängern des Diktators Augusto Pinochet 1983 gegründeten chilenischen Rechtspartei »Unabhängige Demokratische Union« (UDI), am Flughafen José Martí von Havanna erwartungsgemäß die Einreise verweigert wurde, schlachteten westliche Medien und Politiker dies als Beleg für die »repressive Politik« Havannas aus.
 
Das kubanische Außenministerium konterte am Donnerstag mit einer Erklärung, in der es den Zurückgewiesenen vorwarf, sich in die inneren Angelegenheiten Kubas einmischen zu wollen, um dem Ansehen des Landes und dessen diplomatischen Beziehungen zu schaden. Die Behörde wies auf die Verbindungen der beteiligten aus- und inländischen Contra-Gruppen zum US-Dienst »National Endowment for Democracy« (NED) hin und erklärte, die Aktion sei Teil »der imperialistischen Offensive gegen die Völker Lateinamerikas und der Karibik«.
Das Argument ist nicht von der Hand zu weisen. Prominente IDEA-Mitglieder sind unter anderem der spanische Expräsident José María Aznar, der sein Land in den Irak einfallen ließ und 2002 den Putschversuch gegen Hugo Chávez in Venezuela unterstützt hatte. Auch Panamas frühere Präsidentin Mireya Moscoso, die 2004 am letzten Tag ihrer Amtszeit den verurteilten CIA-Agenten und Massenmörder Luis Posada Carriles aus dem Gefängnis entlassen hatte, gehört der IDEA an. Genauso wie der mit faschistischen Paramilitärs paktierende ehemalige Staatschef Kolumbiens, Álvaro Uribe, und der in die USA geflohene und derzeit in Miami einsitzende Expräsident von Panama, Ricardo Martinelli. Sie sind ebenso wie Pastrana und Quiroga aktiv in der IDEA.
In Kuba, folgerte die Zeitung Granma der dortigen KP am Donnerstag, würden beide zu Recht als Persona non grata gelten. »Politiker und Personen, die sich für Manipulationen gegen Kuba hergeben und die schmutzige Arbeit für Washington zu einem Zeitpunkt erledigen, in dem man versucht, den zugunsten der Einheit und der Integration Lateinamerikas und der Karibik erreichten Fortschritt zu zerstören, kann man nicht willkommen heißen«, kommentierte die Zeitung.
https://www.jungewelt.de/artikel/328820.provokation-in-havanna.html

El Salvador: Der FMLN im Tief

Samstag, 10. März 2018



(zas, 9.3.18) Die Ergebnisse der Gemeinde- und Parlamentswahlen in El Salvador lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Ein massiver Stimmenverlust der linken Regierungspartei FMLN ermöglichtz. B.  eine fast uneingeschränkte Dominanz der Rechten und insbesondere der früheren Regierungspartei ARENA im Parlament bei gleichzeitigen beträchtlichen Gewinnen auf Gemeindeebene (z. B. in der Hauptstadt).
Zunächst die Zahlen: Bei den letzten Kommunal- und Parlamentswahlen 2015 gewann ARENA (auch dank Koalitionen) mit 885'373 Stimmen (38.9 %) insgesamt 35 Sitze im 84-köpfigen Parlament. Dieses Jahr errang sie einer ersten Auszählung aller Wahlakten zufolge mit 823'197 Stimmen (42.6 %) 37 Parlamentssitze, davon einige wenige wieder in Allianzen. Der FMLN seinerseits erzielte vor drei Jahren 847'289 Stimmen (37.23 %), dieses Mal aber nur 475'265 (24.61), ohne Koalitionsstimmen, die das Bild aber nicht gross aufhellen. Reichte es damals für 31 Sitze, so dieses Mal bloss für 23 oder, mit Reststimmenglück, 24 Abgeordnete.
Dies bedeutet, der FMLN hat sein Minimalziel von 29 Abgeordneten (ein Drittel plus 1) klar verfehlt. Diese wären aber nötig, um in wichtigen Fragen wie Budget, Wahlen 2. Grades (parlamentarische Wahl von Mitgliedern des Wahlgerichts, des Rechnungshofs, des Obersten Gerichts und des Generalstaatsanwalts) eine institutionelle Verhandlungsmasse zu haben. Vetos des noch bis Mai nächsten Jahres amtierenden Staatspräsidenten etwa gegen Massenentlassungen von Staatspersonal oder Annullierung von Fortschritten in der Steuergesetzgebung kann ARENA zusammen mit den anderen Rechtsparteien überstimmen.
ARENA selber hat trotz ihres Siegs ein wenig Stimmen verloren. Wahlentscheidend war der enorme Einbruch von rund 370'000 Stimmen beim FMLN. Die Gründe dafür werden in der Linken kontrovers diskutiert. Am Wochenende wird der FMLN landesweit Diskussionstreffen organisieren. Einige Punkte lassen sich schon skizzieren. Darunter fallen etwa die deutliche Rechtsentwicklung in der Nachbarschaft (Guatemala, Honduras, Costa Rica) und generell in Lateinamerika sowie die permanenten Attacken Trumps gegen El Salvador (salvadorianische MigrantInnen = Mara-Mitglieder). Doch zweifellos stehen die Politik des FMLN und die seiner Regierung im Zentrum.
Einer in den FMLN-Reihen seit längerem verbreiteten Einschätzung zufolge haben sich Regierung und Teile der Partei von der Basis entfremdet. So leben die wichtigsten FMLN-Kader entweder von ihrem Partei- oder ihrem Staatslohn. Insbesondere die Regierung steht in der Kritik. Viel zu reden gibt ihre «schlechte Kommunikation», die es nicht schaffe, wichtige Veränderungn in der Bevölkerung zu vermitteln. Stellvertretend für letztere sei auf eine kürzlich publizierte Untersuchung des Gesundheitsministeriums mit Unicef, WFP und anderen hingewiesen, wonach die Schulkinder seit 2009 im Schnitt gesünder sind und um über zwei Zentimeter mehr wachsen als zuvor. Ursache: Das Gratisessen in der Schule und eine unvergleichlich bessere medizinische Versorgung.

Marketing gegen Kommunikation
Und doch hört man allenthalben, dass sich im Land nichts wirklich verbessert habe. Diese «Wahrnehmung» ist nicht einfach auf mangelndes Marketing zurückzuführen – «die Regierung verkauft ihre Erfolge schlecht». Da gibt es andere Gründe. Beispiel: Vor den Wahlen explodierten die Rechnungen des staatlichen Wasserwerks ANDA in manchen bescheidenen Haushalten trotz gleichbleibendem Konsum; in den Unterklassenbezirken der Hauptstadt sollte sogar die Wasserversorgung auf ein Minimum reduziert werden. Gleiches erreignete sich seit 2009 stets vor Wahlen. Verantwortliche dafür bleiben im Amt – bis heute, mutmasslich aus Gründen des Politschachers mit kleineren Rechtsparteien, deren Stimmen der FMLN brauchte, um im Parlament überhaupt Sozialreformen durchzubringen. Das nährt den (falschen) Verdacht auf Komplizenschaft.  Anderes Beispiel: Das staatliche Jugendinstitut Injuve betreibt unter Einsatz von engagierten StudentInnen u. a. ein Programm, das SchulabgängerInnen erlaubt, ihren Bildungsstand in kurzer Zeit zu verbessern. Die Freiwilligen erhalten eine Kostenentschädigung von 250 Dollar. Doch nicht so im Januar und Februar. Zuerst, weil das Finanzministerium aufgrund der systematischen Fiskalblockade durch die parlamentarische Mehrheit und die Verfassungskammer des Obersten Gerichts wieder Liquiditätsprobleme hatte. Als der Finanzminister endlich den Zahlungsauftrag erteilte, fand ein untergeordneter Funktionär keine Zeit, seine Unterschrift unter den Zahlungsauftrag zu setzen. Letztes Beispiel: Immer wieder kommt es vor, dass Eltern ihre Kinder von der Schule nehmen, weil sie die 20 Dollar für die Köchin des «Gratisessens», die ein lokaler Funktionär illegalerweise einfordert, nicht aufwerfen können.  Der Funktionär bereichert sich und sabotiert  das Programm. Alltag!
Statt dass nun RegierungsexponentInnen hinstehen und sagen: «O.k., Leute, einiges läuft schlecht», wird la vie en rose gemalt. Resultat: Glaubwürdigkeit im Eimer. Das rächt sich, wenn die gleichen FunktionärInnen von der Finanzblockade durch die Rechte reden. Die Hälfte hört dann schon nicht mehr hin und «weiss»: «Die sind alle gleich.» Eine Botschaft, der sich die hegemonialen Medien und eine Reihe von Thinktanks seit Beginn der ersten FMLN-Regierung hingebungsvoll widmen, unterstützt von einer Schar unglaublicher cooler Mittelstands-Kids in den Social Media.
Als Reaktion auf die Ankündigung der Administration Trump, bis zu 190'000 SalvadorianerInnen, die seit vielen Jahren dank eines provisorischen Spezialstatuts in den USA legal lebten, auszuweisen, wusste der Präsidentensprecher freudig mitzuteilen, der Emir von Katar habe dem salvadorianischen Aussenminister Interesse an den «freigestellten Arbeitskräften» signalisiert. Der einzige Trost angesichts dieser sozialtechnokratischen Ungeheuerlichkeit: die Empörung in manchen FMLN-Zirkeln (nicht nur in den USA). Es gibt in der Regierung minoritäre Elemente, die es darauf abgelegt zu haben scheinen, zu beweisen, dass «alle gleich» sind. Was die Partei betrifft, gibt es auch her Leichen im Keller. Wenn z. B. FMLN-Strukturen Gelder aus einer Joint Venture mit der früheren (korrupten und kriminellen) Leitung der venezolanischen Erdölgesellschaft Pdvsa mutmasslich in Offshore-Kanälen Riesenbeträge … verloren haben, wird die Partei nicht umhin können, auch zum Preis innerer Verwerfungen, die Sache aufzuklären und damit ihre moralische Autorität, die sie bei einem Teil der Bevölkerung verloren hat, wieder zu erlangen.

«Sie sind alle gleich» und Nullstimmen
«Sie sind alle gleich» - der Schlachtruf, mit dem der noch amtierende, unter FMLN-Flagge gewählte Bürgermeister der Hauptstadt San Salvador, der Unternehmer Nayib Bukele, seit Monaten eine erfolgreiche Kampagne gegen den FMLN führt. Als letztes Jahr klar wurde, dass die FMLN-Leitung ihn nicht als Präsidentschaftskandidaten 2019 portieren würde, machte er sich mit Unterstützung der hegemonialen Medien und der Social Media-Empörten zum Bannerträger der Erneuerung ggen Parteienwillkür. Eine gewisse Diskreditierung der rechten Parteien ist für di oligarchischen Eliten und die Botschaft des Imperiums durchaus verträglich – ihre eigentlichen Machtinstrumente sind z. B. ökonomischer Art. (ARENA erhält ihre deklarierten Einkünfte zu über 90 % von Grossunternehmen, der FMLN von individuellen BürgerInnen). Für eine linke Kraft aber ist moralische Diskreditierung tödlich.
Bürgermeister Bukele, der seine eigene Partei - Nuevas Ideas – formiert, hatte zur ungültigen Stimmabgabe gegen den «Parteiklüngel» aufgerufen. Nach den vorläufigen Resultaten sind beinah 180'000 Stimmzettel ungültig (besudelt etc.) eingelegt worden, rund 130'000 mehr als 2015. Dieses Plus ist grossenteils der medial zelebrierten Bukele-Kampagne zuzuschreiben. Das Resultat: Die Rechte dominiert in ungeahnten Ausmass. Für die Bukele-Gruppe ist klar, dass sie, um sich als Alternative zu ARENA darstellen zu können, den FMLN möglichst klein machen muss. Möglich, dass ihr dabei Geschäftemacher aus dem FMLN und klassische «moderate» ExponentInnen wie der Vizepräsident zur Hand gehen wollen.

Eine mögliche Stossrichtung
Der FMLN will nun abgesprungene WählerInnen zurückgewinnen. Er bekundet, übr die Bücher gehen und eine entschlosnere Linie pro Unterklassrn und Mittelschichten befolgen zu wollen. Was die Parteispitze zurzeit diskutiert – die Aufforderung an Präsident Sánchez Cerén, einige unfähige oder unwillige Minister etc. umgehend zu entlassen – könnte dabei als erster Schritt dienen. Einiges wird von den Versammlungen des FMLN abhängen. Forderungen wie die medial verbreitete nach sofortigem Abgang der Parteispitze, vorgetragen meist von «Analysten» diverser Couleur – ein Aufruf zur Köpfung des FMLN mitten in der Schlacht – werden kaum genügrnd fassen. Entscheidend aber wird sein, ob der FMLN und die Regierung sehr bald weitreichendere Schritte unternehmen.

Maras und Smartmatic
Zwei Dinge noch zu den Wahlen: In San Salvador ist mit Ernesto Muyshondt ein Mann zum Bürgermeister gewählt worden, der bei den letzten Präsidentschaftswahlen mit den Maras Verhandlungen für ihren Support für ARENA geführt hat, dokumentiert und ungestraft. «Support» meint massive Einschüchterung grosser Segmente der Unterklassen. Wohin diese Reise führen kann, zeigt ein Beispiel vom Wahltag aus dem Städtchen San Martín nahe der Hauptstadt. Die ganze offizielle ARENA-Vertretung an den Wahltischen kam uniformiert daher: mit einem T-Shirt mit der Aufschrift: «Comandos El Tigre». Wer war El Tigre? Ein Anführer der Mara-Bande 18, der letztes Jahr einen Polizisten umlegte und später von der Polizei erschossen wurde. Als die Polizei samt Staatsanwaltschaft anrückte, drängten sich die «Comandos» an den Ausgängen. Gestern wurde die Verhaftung des am Sonntag wieder gewählten ARENA-Bürgermeisters von San Antonio La Cruz im Department Chalatenango bekannt, wegen Frauen- und Drogenhandels.
Und zum Schluss noch das auf Wahlauszählung spezialisierte Unternehmen Smartmatic. Gegen den Widerstand des einzigen fortschrittlichen Magistraten in der obersten Wahlbehörde entschieden die vier rechten MagistratInnen dieses Organs, das US-Unternehmen unter Vertrag zu nehmen. Schon am Dienstag war klar geworden, dass mit einer Auszählung der Präferenzstimmen, basierend auf einem privaten, unkontrollierten Programmcode, etwas nicht stimmen konnte – auch von ARENA-Seite hagelte es auf Akten gestützte Beschwerden von KandidatInnen, die gegen andere Parteimitglieder den Kürzeren gezogen hatten. Dass es sich dabei nicht einfach um Fehler handelte, macht ein Blick auf die Parteilisten von ARENA und FMLN für die Hauptstadt klar, mit je 24 KandidatInnen in der von der Parteileitung gewünschten Reihenfolge. Dabei zeigte sich, dass auf beiden Listen genau die gleichen Positionen der KandidatInnen auf genau die gleichen neuen  Positionen verschoben wurden; also etwa die KandidatInnen von Rang 8-13 fanden sich nun wbei beiden Parteien in den Rängen 13-18 wieder, während Poition 1 und 2 unverändert, aber 4 und 6 . drei Positionen schön parallel runterrutschten. Heute nun sickert durch, dass es auch in anderen Auszählungsbereichen zu «Unstimmigkeiten» gekommen ist, die z. B. klare Vergleiche mit den Wahlen von 2015 erschweren.

Kolumbien (und anderswo): Wenn Blicke reden

Freitag, 9. März 2018


Südmexiko-Newsletter Februar – März 2018

Donnerstag, 8. März 2018

CHIAPAS
Mural Painting-Aktion vom 18. - 24. März
Die Zapatistas laden dazu ein, während einer Woche die Wände ihrer Schulen, Regierungsgebäude etc. zu verschönern:
http://www.schoolsforchiapas.org/store/trips/mural-painting-alternative-spring-break2018/

Keine Präsidentin Marichuy
In Mexiko wird es für die im Juli anstehenden Präsidentschaftswahlen keine parteiunabhängige Präsidentschaftskandidatin der linken und indigenen Bewegung geben. María de Jesús Patricio, »Marichuy« genannt, erreichte mit 267.115 Unterschriften lediglich 30,8 Prozent der für eine Zulassung notwendigen 866.593 Unterstützungserklärungen aus mindestens 17 der 32 Bundesstaaten. Nur wenn die vorgegebene Zahl bis zum 19. Februar erreicht worden wäre, hätte die Kandidatin des linken Nationalen Indigenen Kongresses (CNI) – die ideell auch von der EZLN unterstützt wurde – antreten können.
Weiterlesen: https://www.jungewelt.de/artikel/327578.keine-pr%C3%A4sidentin-marichuy.html

Zudem wurde Marichuy bei einem Autounfall verletzt. Der Zustand der Landstrasse war – wie viele andere in Mexiko – sehr schlecht.
Weiterlesen: https://amerika21.de/2018/02/195626/maria-de-jesus-patricio-autounfall


OAXACA
Attentat auf die indigene Organisation Codedi fordert 3 Tote
Am Abend des 12. Februar haben Bewaffnete im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca das Feuer auf ein Auto des Komitees für die Verteidigung der Indigenen Rechte (Codedi) eröffnet. Drei Mitglieder der Organisation wurden dabei getötet, deren Gründer Abraham Ramírez Vásquez überlebte das Attentat verletzt. Die Codedi-Vertreter unterbreiteten Stunden vor dem Angriff hohen Funktionären der lokalen Regierung in Oaxaca Stadt ihre sozialen Forderungen und befanden sich auf dem Rückweg in die Region Sierra Sur, als die Attentäter im Bezirk Miahuatlán zuschlugen.
Weiterlesen: https://amerika21.de/2018/02/195485/attentat-indigene-organisation-mexiko

Urgent Action: http://www.omct.org/es/human-rights-defenders/urgent-interventions/mexico/2018/02/d24732/

Indigene in Oaxaca wehren sich gegen Windpark
Die indigene Gemeinschaft der Zapoteken aus Unión Hidalgo in Oaxaca kämpft gegen einen Windpark, den der französische Konzern Electricité De France (EDF Group) auf ihrem Land errichtet. Die Zapoteken legten Beschwerde bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein, weil das Unternehmen die Rechte der Anwohner ignorierte und zu bauen begann, ohne sie zuvor weder zu konsultieren noch zu informieren.
Weiterlesen: https://amerika21.de/2018/02/195855/indigene-mexiko-gegen-windpark

5-jähriger erfolgreicher Widerstand gegen Bergbaumine wird gefeiert
Die indigene Gemeinde Magdalena Teitipac (Valles Centrales) in Oaxaca feiert den 5-jährigen Widerstand gegen die Gold- und Silberminen auf ihrem Land, die eine Tochtergesellschaft der Sunshine Silver Company (USA) ohne vorherige Konsultation errichten wollte. Von 2009 bis 2012 bohrte diese 17 tiefe Löcher, wobei auch das Grundwasser verschmutzt wurde. So formierte sich die Gemeinde 2013, um die Gesellschaft Minera Plata Real zu vertreiben. Seither arbeiten sie daran, weitere Strategien des Widerstandes zu entwickeln und sich mit anderen betroffenen Gemeinden zu vernetzen.
Auf Spanisch: Indígenas que expulsaron a tiempo la minería de su territorio festeja cinco anos de lucha cotidiana: https://avispa.org/21818-2/

GUERRERO
Opfer eines „raubgierigen Unternehmens“: Streikanführer ermordet
Ein blutiger Bergbaukonflikt in Mexiko überschattet die NAFTA-Neuverhandlungen. Seit Anfang November wird eine Goldmine in Guerrero bestreikt, deren Arbeiter wollen aus dem Kollektivvertrag mit einer gelben Gewerkschaft aussteigen. Unternehmer und Staat reagieren mit Gewalt, bisher sind drei Arbeiter getötet worden, zuletzt ein Streikanführer. Und kürzlich wurde die Fabrik von Militär und Polizei besetzt. Die Gewalt gegen die Arbeiter der Mine Media Luna, im Besitz der kanadischen Torex Gold Resources, zeigt schonungslos die Lage der Arbeiter in Mexiko auf, und wird deshalb zum Fanal für die nordamerikanischen Gewerkschaften in den NAFTA-Neuverhandlungen.
Weiterlesen: https://www.chiapas.eu/news.php?id=9673

MEXIKO

Das Jahr fängt nicht gut an: Verschwundene und Ermordete in Mexiko
Der unabhängige Journalist Carlos Domínguez Rodríguez wurde am helllichten Tag in Tamaulipas erschossen. Der Journalist Agustín Silva aus Oaxaca ist unauffindbar. Der Streikanführer Quíntin Salgado, der um einen Abschluss der Tarifverträge mit der kanadischen Firma Torex Gold kämpfte, wurde erschossen (siehe „Opfer eines raubgierigen Unternehmens“).
Weiterlesen:
https://www.npla.de/poonal/das-jahr-faengt-nicht-gut-an-verschwundene-und-ermordete-in-mexiko/

Abschiebungen nach Mittelamerika: Mexikos Politik ist heuchlerisch
76.000 Mittelamerikaner wurden im vergangenen Jahr abgeschoben - viele, ohne jemals über ihre Rechte informiert worden zu sein, beklagt Amnesty International. Die Organisation wirft Mexiko schwere Menschenrechtsverletzungen und illegale, systematische Abschiebungen vor, die gegen internationale Prinzipien verstiessen. Danach darf niemand in sein Herkunftsland zurückgebracht werden, der dort Angst um sein Leben haben muss. Die Französin Garance Tardieu von Amnesty Mexiko hat an dem Bericht gearbeitet, für den unter anderem 300 Migranten befragt wurden, die in Abschiebehaft sassen. Bei 40 Prozent gab es Hinweise auf illegale Abschiebung.
Weiterlesen: http://www.tagesschau.de/ausland/mexiko-abschiebungen-105.html
Video (Tagesschau 14.Feb.): http://media.tagesschau.de/audio/2018/0214/AU-20180214-0659-3301.mp3

Veracruz: In sieben Jahren 346 geheime Gräber gefunden
Weiterlesen:
https://www.npla.de/poonal/veracruz-in-sieben-jahren-346-geheime-graeber-gefunden/


HINWEISE UND VERANSTALTUNGEN
Do, 8. März: Kundgebung: Lohngleichheit jetzt! Waisenhausplatz Bern
Sa, 10. März: Frauendemo: Frauen erkämpfen Freiheit – Frauen gegen rechte Hetze
13.30 Uhr Hechtplatz Zürich. Mehr Infos: http://www.frauenbuendnis-zueri.ch/
28. Feb. - 28. März: Ausstellung Rojava – Frühling der Frauen, Offener St. Jakob, Citykirche beim Stauffacher, Zürich
Mo, 2. April: Ostermarsch Bern - Gerechtes Wirtschaften für den Frieden

EXTRA: Urgent Action. Honduras: Fordere die Freilassung von Edwin Espinal!
Hier unterschreiben:
https://www.chiapas.eu/ua2.php?id=131

Vorschau in eigener Sache
Sa, 28. April: Theaterstück zu den Menschenrechten in Mexiko: Herz, begradige dich (im Rahmen des 1. Mai-Festes Zürich)
Interview mit dem Autor: http://www.hertz879.de/podcast/herz-begradige-dich/
CCTI – Unterstützung für Folteropfer und politische Gefangene in Guerrero, Mexiko
Input und Diskussion mit Felicitas Treue (organisiert von medico International Schweiz und der Direkten Solidarität mit Chiapas, ebenfalls im Rahmen des 1. Mai-Festes, Datum/Zeit wird noch festgelegt)