https://amerika21.de/2020/04/239422/kuba-aerzte-medikamente-corona
Fachpersonal für Soforthilfe
bei Katastrophen und Epidemien weltweit im Einsatz. Erste Erfolge bei
Eindämmung des Virus in Kuba erreicht
Havanna. Mehr als 1.450 kubanische Mediziner sind inzwischen in 22 Ländern im Kampf gegen das neuartige Coronavirus im Einsatz. Dies
berichtet
die Nachrichtenagentur Prensa Latina. Sie sind Teil der 2005 von Fidel
Castro ins Leben gerufenen Hilfsbrigade "Henry Reeve", die auf
Katastrophensituationen und schwere Epidemien spezialisiert ist und
seitdem weltweit zum Einsatz kommt. Zuletzt startete ein Kontingent aus
217 Ärzten und Pflegekräften nach Südafrika. In Europa arbeiten
kubanische Mediziner neben Italien inzwischen auch im Fürstentum Andorra
an der Bekämpfung des Virus.
Bereits Mitte März machten sich Brigadisten auf nach Italien, das
sich damals auf dem Höhepunkt der Pandemie befand. Wenige Tage zuvor, am
11. März, wurden auf Kuba selbst die ersten Corona-Fälle entdeckt,
verursacht durch Touristen aus der Lombardei.
Die umfangreichsten Einsätze laufen derzeit in Katar, wo ab dem 15.
April 229 Fachleute gelandet sind, sowie in Angola mit 219 Ärzten und
Pflegekräften. "Kubanische Ärzte sind exzellent, wir haben positive
Erfahrungen gemacht",
erklärte
der Co-Direktor des nationalen pandemischen Programms in Katar,
Abdullatif Al Khal. Der Golfstaat habe vor einigen Wochen um
medizinische Unterstützung gebeten und Kuba habe "als freundliches Land
seine Hand ausgestreckt", so Al Khal.
Neben den genannten Staaten sind viele kleinere Kontingente der
Henry-Reeve-Brigade derzeit in Lateinamerika und der Karibik im Einsatz,
unter anderem in Mexiko, Honduras, Jamaica, Barbados, Haiti und Belize.
Die sozialistische Insel reiht sich zudem in die Liste der Staaten
ein, die eine Therapie zur Behandlung von Covid-19 entwickeln. Bisher
ist vor allem sein rekombinantes
Interferon Alpha-2B bekannt,
das ursprünglich für andere Anwendungszwecke entwickelt wurde, in China
jedoch auch zur Behandlung von Corona-Patienten eingesetzt wird.
Studien zu dessen Wirksamkeit sind derzeit im Gange.
Mit einer lokal applizierbaren Immuntherapie (
amerika 21 berichtete)
unter dem Namen "CIGB-2020" hat Kuba zudem ein Mittel zur Aktivierung
der angeborenen Immunabwehr gegen Covid-19 entwickelt, das seit kurzem
im Rahmen einer klinischen Studien überprüft wird. Vorläufige Ergebnisse
belegen offenbar eine Zunahme der Makrophagen und Lymphozyten im Blut
der Probanden, bis zur möglichen Zulassung stehe jedoch noch ein
längerer Weg bevor. Darüber hinaus
testet Kuba
auch den Neuraminidase-Hemmer Oseltamivir, der normalerweise zur
Behandlung der gewöhnlichen Grippe eingesetzt wird und hierzulande unter
dem Handelsnamen "Tamiflu" bekannt ist.
Kubas Mediziner richten ihre Blicke derzeit jedoch vor allem auf das
HIV-Medikament Kaletra, das eine Kombination der beiden Präparate
Lopinavir und Ritonavir darstellt und trotz einer eher
ernüchternden Studie aus China von russischen Medizinern für vielversprechend
gehalten wird.
Das Mittel ist Gegenstand der großen WHO-Studie "Solidarity", bei der
vier verschiedene Medikamentenkombinationen auf ihre Wirksamkeit zur
Behandlung von Covid-19 untersucht werden sollen. Kaletra hätte ebenso
wie Oseltamivir den Vorteil, dass es von Kuba selbst in größerer
Stückzahl hergestellt werden könnte. Wie die Parteizeitung Granma
berichtet,
konnte das Pharmaunternehmen Novatec erste Chargen von Kaletra auf der
Insel produzieren. Es habe "gute Ergebnisse" bei der Behandlung gezeigt.
Auf Kuba selbst wurden mittlerweile erste Erfolge bei der Eindämmung
des Virus erreicht. Bis Dienstagabend sind 1.467 Personen positiv auf
SARS-CoV-2
getestet
worden, 575 Personen gelten als geheilt. Die Anzahl der aktiven Fälle
ist seit dem 24. April rückläufig und beträgt derzeit 802. Bisher sind
auf der Insel 58 Personen an den Folgen der Erkrankung verstorben.
Bei der Bekämpfung des neuartigen Coronavirus setzt die Insel vor
allem auf "Abstandhalten" und die gezielte Verfolgung von
Infektionsketten durch Gesundheitspersonal. Bereits Anfang März war der
Bevölkerung zudem das Tragen von Mundschutzmasken angeraten worden.
In fast allen Provinzen sind Quarantänezonen zur Eindämmung der 39
bekannten lokalen Übertragungsketten eingerichtet worden. Aktuell ist
dabei Centro Habana in den Fokus gerückt, vor allem die Gegend um Los
Sitios. Risikogruppen und Gesundheitspersonal werden dort mit dem
Impfstoff
Vamengo-bc gegen
Mengingokokken
geimpft, was die allgemeine Immunität stärken soll. Die jüngsten
Quarantänegebiete sind auf der Insel der Jugend eingerichtet worden, wo
am vergangenen Mittwoch vier Wohngebiete mit über 3.000 Bewohnern unter
strikte Quarantäne
gestellt wurden.
Nach Santiago de Cuba hat jetzt auch die Provinz Pinar del Río eine nächtliche Ausgangssperre
verhängt,
nachdem sich in der Gegend von „La Ceiba“ (Gemeinde Guane) ein
Infektionsherd gebildet hatte. Die Wohnung darf in der Provinz zwischen
20 Uhr und 6 Uhr morgens nur noch für den Gang zum Arzt verlassen
werden.
Wie der epidemiologische Leiter des Gesundheitsministeriums, Dr.
Francisco Durán, erklärte, bewege sich das Land inzwischen in Richtung
des "best case"-Szenarios unter den drei nationalen Modellen zum Verlauf
der Pandemie. Der Gipfelpunkt wird für die erste Maiwoche
erwartet.
Durán warnte davor, "jetzt die Regeln zu lockern oder bei der Disziplin
nachzulassen". Danach sieht es bisher nicht aus: Die Ende März
beschlossenen und seitdem mehrfach verschärften Maßnahmen, darunter auch
die vollständige Grenzschließung, wurden um weitere 30 Tage bis Ende