Sozialisten bei Gouverneurswahlen in Venezuela erfolgreich

Montag, 16. Oktober 2017

16.10.2017 Venezuela / Politik

Partei von Präsident Maduro gewinnt in 17 Bundesstaaten. Fünf gehen an die Opposition. Höhere Wahlbeteilgung als vor fünf Jahren
Für die Wahlen der Gouverneure für die 23 Bundesstaaten Venezuelas wurden mehr als 13.500 Wahllokale eingerichtet
Für die Wahlen der Gouverneure für die 23 Bundesstaaten Venezuelas wurden mehr als 13.500 Wahllokale eingerichtet
Quelle: @venanalysis
Caracas. In Venezuela sind am Sonntag die Regionalwahlen durchgeführt worden, mit denen die Gouverneure für die 23 Bundesstaaten des südamerikanischen Landes bestimmt werden. Kurz nach 22 Uhr Ortszeit gab die Wahlbehörde CNE erste Resultate bekannt. Demnach haben die Kandidaten der regierenden Vereinten sozialistischen Partei (PSUV) 17 von 23 Gouverneursposten erobern können. Fünf Bundesstaaten, darunter der an Erdölvorkommen wichtige und bevölkerungsreichste Bundesstaat Zulia, gingen an die Kandidaten des Oppositionsbündnisses Tisch der Demokratischen Einheit (MUD). Die Wahlbeteiligung lag mit 61,14 Prozent höher als bei den letzten Regionalwahlen von 2012.
Zum Zeitpunkt der Bekanntgabe waren noch nicht alle Stimmen ausgezählt. Allerdings veröffentlichte der CNE, wie in Venezuela gesetzlich vorgeschrieben, bisher nur Resultate für die Bundesländer, in denen die Auszählung schon so weit fortgeschritten war, dass die verbliebenen Stimmen den Trend nicht mehr umkehren können. Das Ergebnis für den wichtigen Bundesstaat Bolívar, wo das Zentrum der venezolanischen Schwerindustrie beheimatet ist, ist bislang noch offen.
In über 13.500 Wahllokalen im ganzen Land wurde die Abstimmung nach bisherigen Informationen geordnet durchgeführt. Die Behörden hatten 260.000 Sicherheitskräfte zum Wahltag aufgeboten. Im Vergleich zu den letzten abgehaltenen Abstimmungen, die das Oppositionsbündnis regelmäßig als "Betrug" qualifiziert hatte, blieb Kritik bis zur Stunde zurückhaltend. Der MUD drückte allerdings auf seiner Webseite in allgemeiner Form "ernsthafte Zweifel" am Wahlergebnis aus und betonte, keine Zahlen anzuerkennen, bevor nicht alle Stimmen ausgezählt seien.
In den letzten Tagen vor der Abstimmung hatte der CNE mit Argumenten der Sicherheit einige Wahllokale an neue Orte verlegt. Die Opposition monierte dies umgehend als eine Behinderung der Beteiligung an den Wahlen. Es handelte sich allerdings um Maßnahmen, die lediglich 1,48 Prozent aller Wahllokale betrafen.
Seit 2000 hatte in Regionalwahlen stets der Chavismus vorne gelegen. Die letzte Wahl der Gouverneure hatte 2012 stattgefunden, deren Ausgang der regierenden sozialistischen Partei die Führung in 20 Bundesstaaten übertrug. Die gestrigen Wahlen waren ursprünglich für den Dezember 2016 erwartet worden. Die Wahlbehörde CNE hatte sie jedoch, offiziell begründet mit ihrer Beanspruchung durch ein Abwahlreferendum der venezolanischen Opposition gegen Präsident Nicolás Maduro, mehrfach verschoben.
Das Ergebnis der Abstimmung war im Vorfeld von Beobachtern auch als Indikator sowohl für den Rückhalt der nationalen Regierung unter Führung der Sozialistischen Partei Venezuelas und ihres Präsidenten Maduro als auch für die Mobilisierungsfähigkeit des rechten Oppositionsbündnisses Tisch der Demokratischen Einheit (MUD) angekündigt worden. Die Basis des MUD zeigte nach Monaten von vielfach gewalttätigen Demonstrationen Enttäuschung über ihre Führung, die den versprochenen Sturz von Präsident Maduro nicht erreichen konnte. Insgesamt standen die Wahlen unter dem Vorzeichen der seit drei Jahren anhaltenden schweren Wirtschaftskrise, der starken politischen Polarisierung und gewaltsamen Konfrontationen mit mehr als 100 Todesopfern im Land.
Der Wahlkampf war seitens des MUD darauf ausgerichtet, einen breiten Protest gegen die Regierung Maduro zu demonstrieren und die oppositionelle Mehrheit im Parlament des Landes auch in den Regionalwahlen zu bestätigen. Die regierenden Sozialisten mobilisierten unter der Parole, eine Stimme für die nationale Regierung sei "eine Stimme für den Frieden." Das dem Chavismus nahestehende Informationsportal Venezuelaanalysis urteilte kritisch, dass die Sozialisten in ihrem Wahlkampf "das Selbe wie immer, nur mehr davon" angeboten hatten.
Der MUD musste in Vorfeld den Spagat meistern, trotz der selbst verbreiteten Infragestellung der Unabhängigkeit der Wahlbehörde die eigene Basis für den Urnengang zu gewinnen.
Für den Wahltag hatte die Regierung die schon traditionelle kostenlose Benutzung aller öffentlichen Verkehrmittel angeordnet, um die Anfahrt der Wähler zu erleichtern.

Videobotschaft aus dem Erdbebengebiet Oaxaca

Samstag, 14. Oktober 2017

http://medicointernational.ch/

In einer kurzen Videobotschaft berichtet der medico-Partner Codigo DH über die Auswirkungen des Erdbebens in Süd-Mexiko und die Nothilfe-Aktivitäten und lässt die Menschen vor Ort zu Wort kommen. Schätzungen zufolge sind alleine im Istmus von Tehuantepec 800'000 Menschen vom Erdbeben betroffen. Die Hilfe von Codigo DH konzentriert sich vorallem auf die Verteilung von Hilfsgütern und medizinische und psychologische Hilfe.
Schauen Sie hier das Video auf Spanisch (5:36)


Galeano: Die Bibel und das Land

Donnerstag, 12. Oktober 2017

R


Sie kamen. Sie hatten die Bibel und wir das Land.
Und sie sagten uns: "Schliesst die Augen und betet."
Und als wir die Augen wieder öffneten, hatten sie das Land und wir die Bibel.


Mexiko: HSBC feiert die Conquista



(zas, 12.10.17) Sie heisst Marichuy Patricio und ist Präsidentschaftskandidatin der indigenen Koalition rund um das EZLN. Ein Fehler, wie die Bank HSBC sie belehren musste. Dort konnte die Compañera nämlich bislang kein Konto eröffnen. Angeblich weil sie Mitglied der PRI-nahen Organisation Antorcha sei. Was erstens nicht stimmt, und zweitens kein Hinderungsgrund für eine Kontoeröffnung sein sollte, schon gar nicht bei einer Bank, die mit dem Opiumhandel gross geworden und dieser Berufung (zusammen mit anderen kriminellen Tätigkeiten im Umfeld der Steueroase) bis heute treu geblieben ist.

Marichuy Patricio

 

Ihr Fehler natürlich: Indígena zu sein, Zapatista zumal. Ein schöner Reminder für das 525. Jahr der Kolonisierung des Kontinents, auf dem sie lebt.

Quelle: El País.

12. Oktober - 525 Jahre später

Mittwoch, 11. Oktober 2017

12. Oktober - nichts zu feiern.
Amerika wurde nicht entdeckt, sondern überfallen und ausgeplündert.
Tag des indigenen Widerstands.

Venezuela/Mexiko/Honduras - eine Art Schweizer ranking

Dienstag, 10. Oktober 2017



(zas, 10.10.17) Wenn es eilt, eilt es. Ein Schweizer Journalist in Venezuela festgenommen – am letzten Freitag, und frei gelassen erst zwei Tage später! NZZ-Brühwiller ist keiner, den so etwas kalt lassen könnte. Noch am Sonntag veröffentlichte er einen Artikel auf der Homepage seines Blatts. „Ein weiterer Fall von Angriffen auf die Pressefreiheit in Venezuela“, erfahren wir schon im Lead. Ihrer drei waren es, die den Zuständen in einem Gefängnis im Gliedstaat Aragua auf die Spur kommen wollten und, statt eine Besuchserlaubnis zu erhalten, deshalb verhaftet wurden. Sagt die NZZ. Nun ja, ich geb’s zu, meine Empörung wurde ein wenig weniger, als ich las, für wenn der Tessiner Filippo Rossi schreibt – für den italienischen Il Giornale. Seit ich vor gut 10 Jahren im Berlusconi-Blatt eine Serie über einen Angriff kommunistischer italienischer PartisanInnen auf deutsche Besatzungstruppen gelesen hatte, habe ich …Vorbehalte zu diesem Organ. Artikeltenor von Il Giornale: Terroristen, Meuchelmörder, haben das internationale Recht gebrochen, schliesslich waren die Deutschen damals die legale Ordnungskraft im Land. Dass ein mit verhafteter italienischer Kollege für das gleiche Medium arbeitet, und der dritte Verhaftete für das „äusserst regierungskritische Online Medium ‚Dolar Today‘“, liess mich auch nicht aufheulen vor Wut über die chavistische Diktatur. Dolar Today ist von der ganz üblen Sorte (von Brühwiller folgerichtig mit einem Link auf einen kleinen Jubelartikel versehen), ein wichtiges Instrument im Wirtschaftskrieg.
Fast lustig wird die NZZ übrigens, wenn sie, unter Berufung auf die berüchtigten „Reporter ohne Grenzen“ schreibt: „Inzwischen gibt es kaum noch unabhängige Medien in Venezuela. Die Berichterstattung in Venezuela wird stark von den staatlichen Rundfunkanstalten dominiert.“ Das stimmt, wenn man von den grossen Zeitungen und Sendern mal absieht.
Was es nun mit den 2-Tages-Verhaftungen auf sich hat, weiss ich nicht. Quelle, auch für drei Berichte im Tages-Anzeiger, ist die rechte Mediengewerkschaft SNTP.
Aber zum Beispiel dies sollten wir wissen:
Am letzten 6. Oktober, also am Tag der von Brühwiller geschilderten Verhaftung in Venezuela, berichtete die Zeitschrift Proceso über den Mord am Journalisten Edgar Daniel Esqueda in San Luis Potosí, Mexiko. Tags zuvor war der Fotoreporter von Männern, die sich als Mitglieder der Policía Ministerial des Gliedstaates auswiesen, aus seiner Wohnung mitgenommen worden, zu der sie sich gewaltsam Zugang verschafft hatten. Am nächsten Tag wurde seine Leiche in der Nähe des Flughafens gefunden. In der Regierungszeit von Peña Nieto wurden vor Edgar Daniel Esqueda schon 36 JournalistInnen ermordet. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen war Esqueda am vergangenen 13. Juli von Mitgliedern der Policía Ministerial bei der Ausübung seines Berufs als Kriminaljournalist bedroht worden. Weder Brühwiller noch seine Pendants beim Tages-Anzeiger, fühlten sich bisher bemüssigt, ein Wort zu dieser Sache zu verlieren, ungeachtet dessen, dass sie international Aufsehen erregte. Vermutlich müssen sie sich demnächst doch zu einer „kritischen“ Beanstandung gedrängt sehen, nachdem offenbar die EU, Norwegen und die Schweiz in einem gemeinsamen Communiqué von der mexikanischen Regierung Aufklärung zum Mord verlangt haben, wie desinformemonos.org heute berichtet. Die Webseite zitiert aus dem auf der EDA-Page nicht auffindbarem Communiqué Folgendes: „Der Tod von Herrn Esqueda Castro kommt zu mindestens zehn weiteren in diesem Jahr bisher ermordeten Journalisten hinzu, was das besorgniserregende Ausmass an Gewalt und Einschüchterung aufzeigt, mit dem viele Journalisten in Mexiko konfrontiert sind.“

Und auch dies ist „wissenswert“:
Der ehemalige Exekutivsekretär der Lateinamerikanischen JournalistInnen-Föderation FELAP, Ernesto Carmona, schrieb gestern, dass der honduranische Journalist Osmín Antonio España Chávez (50) im Department Copán an den Folgen eines Kopfschusses starb. Die Polizei schliesse ein Raubmotif aus, da sie in der Tasche des in Copán offenbar beliebten Medienmitarbeiters eine grössere Menge Geld gefunden habe. Carmona: „Mit dem Tod dieses in Santa Rosa de Copán sehr beliebten TV-Präsentators sind in Honduras zwischen 2001 und 2017 laut Angaben des JournalistInnenverbands Colegio de Periodistas de Honduras 72 Medienmitarbeitende ermordet worden.“ Anzufügen ist, dass die Mehrzahl seit dem Putsch von 2009 ermordet wurde, und von diesen war wiederum die Mehrzahl klar oppositionell.
Osmín Antonio España Chávez

In Venezuela gab es m. W. seit Jahren keinen Mord an Medienschaffenden. Für Brühwiller macht das vielleicht „den venezolanischen Präsidenten Maduro zu den schlimmsten Feinden der Pressefreiheit weltweit“.

Venezuela: Basisaktivisten fordern Maßnahmen gegen Wirtschaftskrise

https://amerika21.de/2017/10/186753/basiskritik-verfassungskonvent-venezuela
10.10.2017 Venezuela / Politik / Wirtschaft
Kritik an Untätigkeit der verfassunggebenden Versammlung. Kleinbauern wollen Partizipation und legen Aktionsplan zur Förderung der Produktion vor
Amarelys Guzman, eine Sprecherin des Nationalen Netzwerkes der Kommunarden in Venezuela
Amarelys Guzman, eine Sprecherin des Nationalen Netzwerkes der Kommunarden in Venezuela
Quelle: albatv.org
Caracas. Landarbeiter und Vertreter ländlicher Kommunen und Kommunaler Räte verlangen von der unlängst eingesetzten verfassunggebenden Versammlung (ANC) effektive Initiativen, um die Wirtschafts- und Versorgungskrise des Landes in den Griff zu bekommen. Bei einer Kundgebung in der Hauptstadt Caracas legten sie Ende vergangener Woche ein 23 Punkte umfassendes Dokument vor. Es sieht unter anderem einen Aktionsplan zur Förderung der nationalen Produktion vor, der mit den Kommunen und sozialen Bewegungen umgesetzt werden soll. Ebenso werden "entschlossene Maßnahmen" angemahnt, um die Inflation und den Mangel an Medikamenten zu stoppen, die Korruption "frontal zu bekämpfen" und den Kommunalen Staat weiter aufzubauen.
Die ANC nahm am 4. August ihre Arbeit auf. Zunächst hatten die chavistischen Basisbewegungen die Versammlung begrüßt, aber nun wird zunehmend Kritik daran laut, dass sie bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise des Landes nicht aktiv werde.
Die meisten Demonstranten auf der Kundgebung kamen aus den ländlichen Bundestaaten Venezuelas, um nach einer Reihe von lokalen Treffen ihre Vorschläge an die ANC-Delegierten zu übergeben. "Wir sind hier, um uns Gehör zu verschaffen", erklärte Amarelys Guzman, eine Sprecherin des Nationalen Netzwerkes der Kommunarden aus dem Teilstaat Yaracuy. In den Verfassungskonvent seien zwar 24 Vertreter von Kommunen gewählt worden, aber sie hätten weder Vorschläge in den ländlichen Gemeinden gesammelt noch mit den Kommunarden dort diskutiert, so Guzman.
Andere Punkte des Dokuments verlangen staatliches Eingreifen in Regierungsinstitutionen, die der Blockade und Sabotage der produktiven Arbeit von Bauernkooperativen und Kommunen beschuldigt werden. "Wir kommen nicht voran, weil sie uns bei jedem Schritt blockieren", sagte Guzman. So seien mehrere Kleinbauern, die selbst produzierte Lebensmittel nach Caracas bringen wollten, wegen "Verdachts des Schmuggels" verhaftet worden. Die Landarbeiter fordern die umgehende Einrichtung der "Gran Comunal Alimentaria", eines Unternehmens, in dem 500 ländliche Kommunen zusammenarbeiten sollen, um die Lieferungen von Agraprodukten vom Land in die Stadt sowie ihre Verteilung zu organisieren. Dieses vom Netzwerk der Kommunarden vorgeschlagene Projekt hatte Präsident Nicolás Maduro bereits vor zwei Jahren genehmigt, es wurde jedoch bis heute von den zuständigen Institutionen nicht umgesetzt. Laut Yesmel Guanipa wäre es damit möglich, 17 Tonnen Fleisch pro Woche sowie Gemüse und Obst aus Apure, Barinas und Mérida in die Städte zu liefern. Die Bevölkerung müsste dann keine überhöhten Preise mehr bezahlen. "Die ANC muss handeln, damit wir beginnen können, Lebensmittel nach Caracas zu bringen", sagte Guanipa. In den vergangenen Jahren haben sich die Kommunen auf dem Land stark um die Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion bemüht, um die durch die Wirtschaftskrise und den Rückgang der Importe infolge des weltweiten Ölpreisverfalls verursachten Engpässe auszugleichen.
Die Kommunen in Venezuela sind Zusammenschlüsse mehrerer Kommunaler Räte (Consejos Comunales) auf lokaler Ebene. Gewählte Nachbarschaftsvertreter sind zur Planung und Haushaltsgestaltung in lokalpolitischen Angelegenheiten berechtigt. Diese Selbstverwaltung soll die Grundlage für den Kommunalen Staat bilden. Ziel der chavistischen Bewegung ist dabei die Selbstregierung des Volkes und die Überwindung des bürgerlichen Staates. Der verstorbene frühere Präsident Hugo Chávez bezeichnete sie als die "Zellen" eines neuen sozialistischen Staates und ihren Aufbau als wesentliches Element des bolivarischen Prozesses. Basisaktivisten kritisieren, dass die Entwicklung der Kommunen in den vergangenen Jahren für die nationale Regierung keine Priorität mehr gewesen sei. Sie fordern nun, dass diese Strukturen und ihr weiterer Aufbau in der Verfassung festgeschrieben werden.