Mexiko: Eskalation im LehrerInnenstreik in Oaxaca

Sonntag, 19. Juni 2016

... und vor dem Artikel noch eine Email des Autors:
Die Polizei hat zwar die Raffinerie deblockiert, war dann aber am Samstag in der Konfrontation mit der Bevölkerung von Ixtepec (nachmittags) und Salina Cruz (Mitternacht) machtlos:
Ausserdem wird gemeldet, dass zwei Militärflugzeuge in Ixtepec gelandet sind. Nachbarn in Tehuantepec und Juchitan organisieren sich gegen Plünderungen und nehmen öffentlichen Raum wieder in Anspruch (vor wenigen Wochen herrschte noch wegen der narco-Gewalt de facto Ausgangssperre).
 

https://amerika21.de/2016/06/154643/traenengas-lehrerstreik-oaxaca

Lehrerstreik in Mexiko unter Beschuss

CNTE-Barrikade in Zócalo, Oaxaca nach den Verhaftungen von Francisco Villalobos und Rubén Nuñez
CNTE-Barrikade in Zócalo, Oaxaca nach den Verhaftungen von Francisco Villalobos und Rubén Nuñez
Lizenz: CC by 4.0
Oaxaca-Stadt. In Mexiko ist ein Konflikt zwischen der Lehrergewerkschaft CNTE und der Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto am Freitag eskaliert. Tausende Polizisten sind im südlichen Bundesstaat Oaxaca im Einsatz. Sie versuchen, die über 50 Blockaden auf Überlandstraßen zu räumen. Diese wurden von protestierenden Lehrern mit Unterstützung von Eltern, sozialen Bewegungen und indigenen Gemeinden errichtet, nachdem die führenden Gewerkschafter Francisco Villalobos und Rubén Nuñez am vergangenen Wochenende verhaftet worden waren.
Vollständig blockiert ist seit mehreren Tagen die wirtschaftlich wichtige Region Isthmus von Tehuantepec, auch deren Verbindungen in die Bundesstaaten Chiapas und Veracruz sind unterbrochen. Seit Freitag gibt es im Tourismusort Huatulco keine Tankstelle mehr, die noch über Benzin verfügt. Die Erste-Klasse-Busunternehmen haben alle Busreisen im Bundesstaat gestrichen.
Statt auf einen Dialog mit den seit fünf Wochen streikenden Lehrern zu setzen, sendet die Regierung immer mehr Polizei in die südlichen Provinzen. Diese Polizeieinheiten konnten jedoch aufgrund der Blockaden, insbesondere einer Sperre der Autobahn bei Nochixtlan in der Mixteca-Region, nicht mehr auf dem Landweg nach Oaxaca gelangen. Die Bundespolizei begann deshalb damit, ihre Einheiten über den zivilen Flughafen Oaxaca-Stadt und über den Militärstützpunkt in Ciudad Ixtepec einzufliegen.
Einen ersten Großeinsatz hatte die Polizei am Freitagnachmittag durchgeführt. Unter Tränengaseinsatz räumten zirka 1.000 Polizisten mehrere Straßenblockaden im Isthmus. Es folgten Räumungen in Zanatepec nahe Chiapas sowie in den Ortschaften Ciudad Ixtepec, Mixtequilla und Tehuantepec. Nach dem Einsatz in Zanatepec warnten die Kirchenglocken in den umliegenden Ortschaften die Bevölkerung vor der Polizei, nach deren Abzug die Anwohner die Straße erneut blockierten.
Wenige Kilometer entfernt befinden sich die Stadt Juchtián sowie der wichtige Industriehafen Salina Cruz, wo das Erdölunternehmen Pemex eine Ölraffinerie betreibt. Aktivisten in Juchitán berichten von Gruppen bewaffneter Zivilisten, die der Regierungspartei PRI zugerechnet werden. Die Polizeiaktion wird durch Militärlogistik unterstützt und von Helikoptern und Drohnen begleitet. Um 22 Uhr, zehn Stunden nach Beginn der Operation, aktualisierte die Zivilschutzbehörde die Liste der Blockaden. Von den elf Straßensperren bestanden noch neun. Wobei die Bevölkerung von Mixtequilla ankündigte, dass sie ihre Blockade am nächsten Morgen wieder einzurichten gedenke.
Die Aktivistinnen und Aktivisten der CNTE befürchten gezielte Provokationen und Falschmeldungen von staatlicher Seite im Verlaufe der nächsten Stunden und Tage. So wurden im benachbarten Chiapas, das sich ebenfalls seit Mitte Mai in Aufruhr befindet, nach einer Demonstration ein Supermarkt geplündert. In der Hauptstadt Tuxtla Gutiérrez begingen Unbekannte zwei Anschläge auf staatliche Einrichtungen, von deren Täterschaft sich die CNTE öffentlich distanzierte.
Für Furore sorgte ein Video, in dem zu sehen ist, wie in Comitán, Chiapas, Lehrerinnen und Lehrern öffentlich wegen angeblichen Verrats der Streikenden das Haar geschoren wurden. Es stellte sich heraus, dass die Täter keine streikenden Pädagogen waren, wie Bildungsminister Aurelio Nuño voreilig behauptet hatte. Im Gegenteil: Sie gehören einer der Regierungspartei PRI nahestehenden Organisation von Straßenhändlern an. Das Video der Tat, die international Aufsehen erregte, war offenbar eine Propagandaaktion von Regierungskreisen.
Indes fand am Freitag in Mexiko-Stadt eine Großdemonstration zur Unterstützung der CNTE statt, an der zehntausende Lehrer, aber auch solidarische Personen aus sozialen Bewegungen, Kunst und Kultur teilnahmen. Der Demonstration wurde der Zugang auf den zentralen Platz, den Zócalo, verweigert. Die Lehrer kampieren seit einem Monat zu Tausenden in der Hauptstadt.
Die Lehrergewerkschaft CNTE, als oppositionelle Strömung innerhalb der staatsnahen Gewerkschaft SNTE Ende der 70er Jahre entstanden, kämpft seit 2013 gegen Strukturanpassungsmaßnahmen im Bildungsbereich, die erkämpfte Arbeitsrechte annullieren und die Lehrer prekarisieren. Auch andere von Strukturanpassungen betroffene Arbeiter und Angestellte, etwa im Gesundheitswesen oder beim Erdölunternehmens Pemex unterstützen die Lehrer.

USA/Kuba: Die Katze lässt das Mausen nicht

Samstag, 18. Juni 2016



(zas, 18.6.16) Einer Email der dänischen Kubasoliorganisation Dansk –Cubansk Forening von letztem Mittwoch ist zu entnehmen, dass sie einen Online-Shop betrieb, über den mit dem Zahlungssystem PayPal der Kauf von Materialien zu Kuba wie Bücher und die Zahlung von Mitgliederbeiträgen der Gruppe abgewickelt wurden. Das ging fast vier Jahre so. Doch jetzt fror PayPal den Shop ein (und gleich auch noch etwas Geld der Soliorganisation). „Das PayPal-Unternehmen verweist direkt auf ihre Pflicht, die US-Gesetze und damit die Blockadengesetze gegen Kuba zu befolgen“, schreibt Dansk-Cubansk Forening. Und weiter: „18 Monate nach Obamas sweet talk über die Normalisierung der Beziehungen mit Kuba und der Aufhebung der Blockade hat er wenig gemacht. Er kann auch nicht alle Schuld dem US-Kongress zuschieben. Obama hat die Präsidialvollmachten, um Teile der Blockade zu beenden und die Verwaltung anderer Teile zu entschärfen.“

Debatte in Venezuela: Hunger-Unruhen oder gezielte Provokationen?

https://amerika21.de/2016/06/154565/hunger-proteste-venezuela
18.06.2016 Venezuela / Medien / Politik

Schwere Ausschreitungen in Cumaná dominieren politische Agenda. Medien sprechen von spontanen Aufständen, Beobachter vor Ort sehen Regierungsgegner am Werk
Verwüstete Ladenlokale in Cumaná
Verwüstete Ladenlokale in Cumaná
Caracas. Nach Ausschreitungen und Plünderungen in Cumaná im Nordwesten Venezuelas hat die Regierung von Präsident Nicolás Maduro der Bevölkerung mehr Lebensmittellieferungen und den geschädigten Geschäften Unterstützung beim Wiederaufbau zugesagt.
In der Hauptstadt des Bundesstaates Sucre sind nach Angaben der Handelskammer am Montag und Dienstag über 100 Geschäfte – darunter Optiker, Banken, Bäckereien, Elektrogeräte- und Spirituosenläden, Supermärkte, Autohändler und Restaurants – geplündert und teilweise ganz zerstört worden. Mehr als 400 Personen wurden festgenommen, 32 bleiben in Haft und sollen vor Gericht gestellt werden. Urheber der Gewaltaktionen sei eine große Gruppe junger Männer auf Motorrädern gewesen, die im Stadtzentrum vorgefahren waren und begannen, Geschäfte zu demolieren und zu plündern. Dem schlossen sich offenbar Passanten an. Der Gouverneur von Sucre, Luis Acuña, verhängte ein 72-stündiges Verbot für Motorräder in der Stadt, die Schulen bleiben bis zum Montag geschlossen. Unter welchen Umständen zwei Männer am Rande der Ausschreitungen ums Leben kamen, ist noch unklar.
Laut Acuña seien die Unruhen von "rechten Gruppen angezettelt worden, um die örtlichen Regierungskomitees zur Versorgung und Produktion  anzugreifen". Diese seit April im Aufbau befindlichen Bürgerkomitees (Clap) haben die Verteilung von Nahrungsmitteln übernommen und sollen die Versorgungslage verbessern sowie den Schwarzmarkt ausschalten.
Auch in den Bundesstaaten Mérida und Anzoátegui kam es vereinzelt zu Ausschreitungen.
Während die der Opposition nahestehenden nationalen und internationalen Medien einheitlich von "Hungerkrawallen" und "Hungerprotesten gegen die Regierung" im ganzen Land sprechen, bezeichnen Vertreter der sozialistischen Regierung und lokaler Bürgerorganisationen die Vorfälle als gezielte Provokationen rechtsgerichteter Kräfte, die   – ähnlich wie Anfang des Jahres 2014 – mit Gewaltaktionen versuchten, Chaos zu verbreiten und die Regierung zu stürzen.
Zahlreiche Ladenlokale wurden aufgebrochen
Das Internetportal Misión Verdad bestätigt dies nach Befragungen von Augenzeugen in Cumaná. Demnach waren vor allem organisierte Gruppen an den Zerstörungen und Plünderungen beteiligt, unter ihnen auch vermummte bewaffnete Männer. Ihnen hätten sich regierungskritische Passanten angeschlossen. Polizei und Nationalgarde seien viel zu spät vor Ort gewesen.
Ähnliches berichten Bewohner des Vortortes Lagunillas in Mérida. Dort war es am Mittwoch vor einem staatlichen Lebensmittelmarkt zu massiven Unmutsäußerungen gekommen, nachdem der zuvor zugesagte Verkauf von Milch nicht zustande kam. Die Situation sei von einer organisierten Gruppe genutzt worden, um brennende Barrikaden zu errichten. Auch griffen sie das Rathaus, einen Lastwagen der staatlichen Verteilerkette für Lebensmittel (PDVAL) sowie ein Lokalradio an und  verübten einen Brandanschlag auf den Sitz der regierenden sozialistischen Partei (PSUV). Am Rande von darauf folgenden Zusammenstößen zwischen Gewalttätern und der Polizei wurde der 17-jährige Jean Paul Omaña  erschossen. Die Generalstaatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen.
Venezuela kämpft seit Anfang 2014 mit großen Problemen bei der Versorgung mit bestimmten Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs. Während aus Unternehmerkreisen erklärt wird, dass die festgesetzten Preise in vielen Bereichen unterhalb der Produktionskosten lägen und die Wirtschaft lähmten, beschuldigt die Regierung Firmen und Zwischenhändler, Produkte zu horten oder sie zu überhöhten Preisen auf den Schwarzmarkt zu lenken. Ferner geben offizielle Schätzungen an, dass bis zu 40 Prozent der Lebensmittel, die für den heimischen Markt bestimmt sind, nach Kolumbien geschmuggelt und dort teurer verkauft werden.
Nach Angaben des in Venezuela lebenden Journalisten Lucas Koerner agitieren Regierungsgegner landesweit in den Warteschlangen vor den Lebensmittelgeschäften. Zugleich nehme die Unruhe in der Bevölkerung angesichts der tiefen ökonomischen Krise zu. Der Einbruch des Erdölpreises – die Quelle von 96 Prozent der Exporteinnahmen Venezuelas – ließ die Deviseneinnahmen des Landes nahezu auf Null fallen und zwang die Regierung, Importe zu reduzieren. Auch dies hat zum akuten Mangel bei Grundbedarfsgütern beigetragen. In den ersten Monaten dieses Jahres habe die Bevölkerung durch Weihnachtsgeld noch ein Polster gegen die steigende Inflation gehabt, aber seit April sei die Kaufkraft gesunken. Die von der Regierung Maduro ergriffenen Maßnahmen, um die Auswirkungen der Krise zu mildern, wie etwa die Bürgerkomitees oder andere staatliche Verteilernetzwerke, sind bislang unzureichend, so Koerner.

Deutschland/Argentinien: Kameradschaften erneuern

Freitag, 17. Juni 2016



(zas, 16.6.16) Wende in Lateinamerika, so der Titel eines Artikels von german-foreignpolicy-com, den amerika21.de gestern übernommen hat.  Darin wird dargestellt, wie die deutsche Regierung aktiv den rechten Wahlsieg in Argentinien und den kalten Putsch in Brasilien zwecks Förderung der eigenen Agenda (Freihandelsvertrag EU/Mercosur, Isolierung des bolivarischen Lagers, Konkurrierung Chinas) betreibt. Das „neue Momentum“ nutzen, nennt das der Berliner Aussenminister Steinmeier von der SPD. 
Diese Linie stellt eine Kontinuität deutscher Politik in Brasilien und Argentinien dar. Mit Nazifreund Juan Domingo Perón, der schon von 1946-55 das Land im Cono Sur regierte, liess sich die sog. Rattenlinie gut unterhalten. Tausende von Nazis und Ustascha-Faschisten wurden dabei unter Leitung der US-Dienste und mithilfe des Vatikans (und etwa des liechtensteinischen Fürstenhauses) nach Argentinien und anderen Ländern der Region geschleust. Der NS-Konzern Daimler-Benz konnte seine Exporte nach Argentinien und danach den Aufbau eines eigenen Werks im Land mit in der Schweiz gelagerten Nazigeldern finanzieren und so sein Imperium bedeutend ausbauen, wie Gaby Weber in ihrem Buch „Daimler-Benz und die Argentinien-Connection – Von Rattenlinien und Nazigeldern“ (Verlag Assoziation A, 2004) nachwies. S. dazu auch die Rezension von Gert Eisenbürger und dieses Interview mit Gaby Weber, das ursprünglich in der Jungen Welt erschienen ist.

Eine weitere, ebenfalls zuerst in der Jungen Welt publizierte Rezension (Deutschland, deine Leichen), bezieht sich auf das Buch »Daß du zwei Tage schweigst unter der Folter!«, von Willi Baer/Karl-Heinz Dellwo, Laika Verlag, Hamburg 2010. Sie beleuchtet kurz die enge Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik von Kanzler Helmut Schmidt  und Aussenminister Hans-Dietrich Genscher, der nach seinem Tod als „grosser Liberaler“ ebenso gefeiert wurde wie sein Chef kürzlich als grand old man der deutschen Politik. Wie Steinmeier heute wusste damals auch Genscher das „neue Momentum“ zu nutzen: Nach dem Putsch 1976 verdoppelten sich die deutschen Exporte ins Diktaturland binnen dreier Jahre, die deutschen Investitionen brauchten dafür vier Jahre. Deutsche Linke wurde von den Militärs ermordet, der „grosse Liberale“ störte sich nicht daran. Der Artikel hält fest: „Während fast im gesamten Land die Todesschwadronen der »Triple A« wüteten, hatte der Menschenschlächter General Massera beim Tennisspiel mit Kastl in der deutschen Residenz geplaudert. Daraufhin riet ihm Kastl, Genschers Mann in Buenos Aires: »Exekutionen ohne eine legale Grundlage sind undenkbar, sondern in diesem Falle brauchen Sie Standgerichte und den Ausnahmezustand. Dann begreift das Ihr Volk, und das begreift dann auch das Ausland.«
 
Mit Macri in der Präsidentschaft, darf wieder mit richtig grosser Kelle angerichtet werden. Kontinuität ist angesagt.

OAS/Venezuela: Gehoben informieren

Donnerstag, 16. Juni 2016



(zas, 16.6.16) Im Verlauf der Ministertagung der OAS in der Dominikanischen Republik traten die venezolanische Aussenministerin Delcy Rodríguez und ihr US-Pendant John Kerry gemeinsam vor die Presse. Sie gaben bekannt, dass die Gespräche zwischen den beiden Ländern wieder aufgenommen werden sollen. Washington plant, die nominelle Nr. 3 des State Departments, Tom Shannon, einen erprobten Intriganten z. B. für die Putschregime in Honduras 2009 und gerade eben in Brasilien, nach Caracas zu schicken. Seit vier Jahren wartet Venezuela auf die Akkreditierung seines Botschafters in Washington. Für das Schweizer Radio SRF ist die Sache klar: Caracas weicht seine Gesprächsverweigerung gegenüber den USA auf.
Wer denkt, in internationalen Organisationen werde „gehobener“ agiert, tut gut daran, die OAS-Homepage zu konsultieren. Heute, immerhin zwei Tage nach Abschluss der Konferenz in Santo Domingo, erfahren wir gleich zu Beginn, dass 15 MinisterInnen was zu Venezuela zu sagen haben.

Auf der Spanisch-sprachigen OAS-Seite lernen wir dies gleich drei Mal.

Es geht um ein Statement von USA, Kanada, Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Guatemala, Honduras, Mexiko, Panama, Paraguay, Peru und  - ja - Chile sowie Uruguay gegen Venezuela. Also von 15-OAS-Mitgliedsländern. Zentraler Inhalt ist, dass die sog. Demokratieklausel der OAS wieder Erwähnung findet, deren Anwendung gegen Venezuela OAS-Generalsekretär Luis Almagro als Auftakt zu einer Verschärfung der internationalen Blockade des Landes vehement vertritt. Damit ist er beim Treffen der OAS-BotschafterInnen wenige Tage zuvor aufgelaufen. Am 23. Juni soll sich das BotschafterInnengremium der OAS erneut mit Venezuela befassen, nachdem zwei Tage zuvor auf Antrag Venezuelas die drei auf Initiative des lateinamerikanischen Staatenbunds Unasur zwischen Chavismus und Opposition vermittelnden Ex-Präsidenten von Spanien, Dominikanischer Republik und Panama angehört werden.  (Man kann sich die dieser Tage laufende Erpressungspolitik des friendly neighbor in the north ein wenig vorstellen.)
Was die OAS-Homepage dagegen schlicht unterschlägt (jedenfalls hat auch langes Suchen inkl. Visionierung der VV-Videos keinen Hinweis darauf zu Tage gefördert), ist der kleine Umstand, dass am 13. Juni 19 OAS-Mitglieder gegen 12 einen Antrag von Venezuela angenommen haben, wonach Almagros regelwidriges Verhalten gegen Venezuela untersucht werden soll. Almagro betont, dass es den 19 nicht gelungen sei, diese Erklärung zu einer Resolution der Vollversammlung zu machen. Vermutlich soll das auch erklären, warum die OAS dies mit Schweigen quittiert. Warum dann aber die Meinungsäusserung von weniger Mitgliedsländern penetrant propagieren? Ah, weil der Boss darunter ist. Wie es der Che seinerzeit formulierte: Die OAS ist das „Kolonialministerium der USA“. Oder wie es die venezolanische Aussenministerin sagt: „In der letzten Zeit kreiert die internationale Rechte eine Art Konjunktur mit Venezuela als Speise eines Banketts, in dem alle Welt Meinungen zum Besten gibt und Unterweisungen und Befehle erteilt“.