BND: Nach wie vor wird Colonia Dignidad gedeckt

Montag, 26. September 2011

(zas, 27.9.11) Die bekannte Journalistin Gaby Weber berichtet soeben in „Der BND und die für Folter und Kindesmissbrauch bekannte Colonia Dignidad“ über eine Aktenvernichtung der besonderen Art durch den deutschen Geheimdienst BND. Sie hatte den Dienst auf gerichtlichem Wege gezwungen, ihr Akten über die berüchtigte deutsche Folter- und Kindsmissbrauchsiedlung Colonia Dignidad in Chile herauszurücken. Was sie in der Folge erhielt, bestand insbesondere aus der Mitteilung, der BND habe die Akten, die über die jahrzehntelange enge Kooperation des pinochetistischen Folterzentrums mit den deutschen Behörden hätten Auskunft geben können, bei einer „Notvernichtungshandlung“ zerstört.

Seit der von den US-Diensten und dem Vatikan nach dem 2. Weltkrieg betriebenen „Rattenlinie“ – Fluchtorganisation für Nazis nach Lateinamerika - sind Verbindungen bundesdeutscher Regierungsinstitutionen, insbesondere auch des Bundesnachrichtendienstes BND (unter US-Leitung aus der nazistischen Organisation Gehlen heraus gegründet) mit den in Sicherheit gebrachten Nazis und den von diesen im US-Auftrag ausgebildeten Repressionsapparaten in Lateinamerika bekannt. Typisch und erschreckend etwa der Fall von Klaus Barbie, des Gestapo-„Schlächters von Lyon“ und nachmaligen CIA-assets in Bolivien, von dem kürzlich nachgewiesen worden ist, dass er dort (auch) vom BND bezahlt worden ist (Die Akte Klaus Barbie, taz, 9.2.11).

Nach über 60 Jahre also sollen, wie wir dem Artikel von Gaby Weber entnehmen müssen, solche Zusammenhänge mittels der Politik des Verschweigens weiter verdeckt bleiben. Dies nicht einfach aus „Nostalgie“, sondern weil die Komplizenschaft nach wie vor aktuell ist. Hier ist der Fall jenes Christian Lüth anzusiedeln, den Harald Neuber kürzlich geschildert hat (BRD/Honduras: Putsch-Verteidiger soll Entwicklungshilfe leiten). Lüth vertrat die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung (FNS) in Zentralamerika. Er outete sich in dieser Zeit als aktiver und hartnäckiger Unterstützer des Putsches in Honduras. Unter seiner Mitwirkung durfte die FNS auch die honduranische Putschpolizei „beraten“, zusammen mit deutschen PolizeivertreterInnen (Honduras: Deutschland putscht weiter). Sein Wechsel ins Entwicklungsministerium BMZ bedeutet vermutlich, dass die Repressionskooperation künftig verstärkt werden wird.

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