Wofür das „Modell Libyen“ steht

Montag, 10. Oktober 2011



(zas, 10.10.11) AGI, die Agenzia Giornalistica Italiana, ist keine linke Nachrichtenagentur, sondern eine des Mainstreams. Was ihren Beitrag vom 8. Oktober 2011, LIBIA: JALIL, NONOSTANTE SBAGLI COLONIALISMO MEGLIO DI GHEDDAFI, zu einer Pressekonferenz des britischen und des italienischen Kriegsministers, Liam Fox und Ignazio La Russa, und des Chefs des „Übergangsrates“, Mustapha Abdel Jalil, nicht des Interesses beraubt. Den laut Angaben der globalen Kriegsherren moderaten Politiker Jalil zitiert AGI so:

‚Die Libyer wissen genau, dass die Periode des Kolonialismus in Übereinstimmung mit einer Ära grosser Bauten und Entwicklung erfolgte …. Alle wissen, dass die grossen Gebäude in Tripolis, Benghasi und anderen Städten italienisch sind. Wir denken, dass in jener Zeit das Gesetz einem natürlichen Lauf folgte, einer gerechten Sache, gerechten Prozessen. Und es gab eine Agrarentwicklung’.

Während, so Jalil weiter, die Zeit von Ghadhafi

‚… das genaue Gegenteil darstellt. Alle Werte und Prinzipien wurden zerstört. Die libyschen Ressourcen wurden nie für die Libyer benutzt. Trotz aller Fehler kann der Kolonialismus nie mit Ghadhafi gleichgesetzt werden.’

„La Russa“,  schreibt AGI, „unterstrich diesen Aspekt der Völkerfreundschaft, also des fehlenden Grolls des libyschen Volkes auf Italien. Er schätzte die Worte Jalils bezüglich der Geschichte der Beziehungen zwischen den beiden Nationen, mit dem Kolonialismus, der keinen Grund für Groll oder Bruch darstellt, sondern es im Gegenteil einen Impuls

‚für eine stets stärkere Freundschaft gibt’“.

Währenddessen bombt die NATO Sirte in Schutt und Asche. Die zivilen Ermordeten wird die Medienschmiere umstandslos den „Schergen Ghadhafis“ anrechnen. Und die linke Kriegsbefürwortung à la Ignacio Ramonet (Le Monde Diplomatique), Gilbert Achcar, Santiago Alba (und anderer bei der einflussreichen rebelion.org) oder Gabriele del Grande (Forteresse Europe) etc.pp. steigert sich zu immer neuen Höchstleistungen der Heuchelei. Nie, aber nie, hatten sie nach der NATO gerufen, nein, bloss nach einer (von einer interstellar-emanzipatorischen Luftwaffe durchgesetzten) Flugverbotszone gegen den „Völkermord“ Ghadhafis stand ihnen der Sinn. Dieses Modell „linker“ Scholastik und Kriegsbegleitung, das über Libyen hinaus beliebig anderen quer stehenden Regierungen und Bevölkerungen droht, bedarf einer grundsätzlichen Untersuchung und Bekämpfung. Es reiht sich ein in ein neues Arsenal zur Umzingelung unbotmässiger Kräfte weltweit – das „Linke“ daran macht das nur noch perverser.