Argentinien: TINA … oder Cristina (vorerst)

Dienstag, 13. August 2019


(zas, 13.8.19) Was war ich doch wieder mal schwer von Begriff heut früh! Ich suche im ersten, im Auslandbund der NZZ, nach der Klage über die Vorwahlniederlage von Mauricio Macri in Argentinien. Nichts! Nicht mal in den Kurzmeldungen. Endlich dämmert es: Wirtschaftsbund! Wo sonst? Tatsächlich: «Investoren fürchten sich vor Kirchner-Revival». Und wir mit ihnen, denn weise ist ihre Führung. Haben sich die Geierfonds unter Präsident Macri doch an der Verarmung in der Gesellschaft nach all den Cristina-Jahren endlich sättigen können; schwingt Washingtons IWF, unter Néstor Kirchner und dann Cristina Fernández de Kirchner (CFK) schmählich zum Land herauskomplimentiert, wieder das Schwert der Wirtschaftsvernunft; wurde zur Animierung der Investoren doch das Finanz- und Devisensystem so dereguliert, dass die Investoren (ink. transnationalisierte Bourgeoisie) mit einfachen Spekulationen gegen den sorgsam zum Absturz geleiteten Peso tolle Gewinne ins Ausland verschieben konnten! Und jetzt, im obligatorischen Probelauf zu den Präsidentschaftswahlen Ende Oktober, dies: Cristina droht zurückzukommen!
Klar, nur als Vizepräsidentin. Denn Im Wissen um ihre «tiefen Popularitätswerte» hat sie einen klar rechts von ihr stehenden Peronisten Alberto Fernández, zum Präsidentschaftskandidaten gemacht. Der Schreiber meint: Niemand im politischen Argentinien ist so populär wie sie, aber sie ist bei denen verhasst, für die er schreibt, und die mit Schaujustiz und Mediendominanz die gewünschte Sicht der Dinge in viele Köpfe zu nageln verstehen. Selbst die Gruppe um den noch weiter als Alberto Fernández rechts stehenden Ex-Peronisten Sérgio Massa kam an Bord des Bündnisses Frente de Todos (Front von Allen), Cristina Kirchner hat das etwas anders als der NZZler begründet: Ein Wahlsieg ohne die rechten Fraktionen des Peronismus wäre zwar möglich gewesen, doch die liebe Regierbarkeit danach …  (s. dazu: «Pass auf dich auf!», Correos 194).
Es gilt reihum als sehr schwer, dass Macri bis Ende Oktober die Trendwende schaffen könnte. Allerdings sind die Hedgefonds, imperialistischen Zentralen, die transnationale Oligarchie, die grossen Medien, die Diktatur-affine Justiz etc. bestimmt nicht bereit, auf ihren Mann in der Casa Rosada (Regierungssitz) nur wegen Wahlen zu verzichten. An extrem schmutzigen Tricks wird es in den kommenden Wochen nicht fehlen. Die US-geleiteten Justizorgane werden wie wild auf der «Antikorruptions»-Klaviatur spielen, um Cristina Fernández de Kirchner vielleicht doch noch ausschalten zu können. Oder als weitere von mehreren Möglichkeiten: brutaler Wirtschaftsterrorismus, sollte er als einträglicher Modus taxiert werden. Anzeichen gibt es schon jetzt. Nach Bekanntgabe der Vorwahlresultate stieg gestern der Dollar dank der Deregulierungspolitik der letzten Jahre wieder ungehindert, trotz des extrem hohen $ 57-Milliarden-Kredits des IWF an die Regierung Macri. Drei Aussagen des Präsidenten dazu: «Heute ist der Dollar angesichts des für den Kirchnerismus vorteilhaften Resultats wieder gestiegen. Wir stehen vor dem Problem, dass die Alternative keine Glaubwürdigkeit besitzt. Der Kirchnerismus müsste eine Selbstkritik üben.» Weiter: «Das ist nur ein Vorspiel zu dem, was passieren kann, wenn der Kirchnerismus gewinnt. Es ist schrecklich, was passieren kann.» Und noch: «Der Markt glaubt nicht an diesen (kirchneristischen) Vorschlag.»  
Erinnern wir uns des neoliberalen Machtwortes: TINA, there is no alternative. Der von unter 40 auf über 60 Pesos gestiegene Kurs für einen US-Dollar bedeutet Teuerung und grössere Schuldenlast – für das Gros der Gesellschaft. Nicht für die in- und ausländischen Bonzen, im Gegenteil, die die IWF-Devisen dafür benutzten, angesichts des Zusammenbruchs des macristischen «Wirtschaftswunders» ihre Beute ins Ausland zu transferieren – mit dem Segen des Fonds für eine entsprechende Abänderung der eigenen Norm, die solches verhindern soll … theoretisch.
Der Frente de Todos ist natürlich keine schöne linke Kraft. Die kirchneristische Politik war widersprüchlich gewesen, eine Regierung von Alberto Fernández wird deutlich weniger progressive Elemente beinhalten. Und hoffentlich lässt sich sein Lager nicht schon jetzt in der einen oder anderen Form kaufen oder erpressen. Das Imperium jedenfalls wird eine Reihe «innovativer Optionen» durchspielen. Allerdings weiss das linksperonistische Lager um die ehemalige Präsidentin um die Fiesheit der globalen Gegenseite, und in Argentinien lassen sich viele Leute weniger schnell ins Bockshorn jagen als auch schon.Zur dramatischen sozialen Lage, zum «Absturz» des neoliberalen Wirtschaftsmodells und zur «Antikorruption» als lawfare siehe den für uns Nicht-ArgentinierInnen geschriebenen Artikel: «Weinen um Argentinien» von Juana Leguizamón. Und während Offshore-Businessman Macri diese gewinnende lächelnde Coolness seiner Klasse ausstrahlt, bricht bei Cristina Kirchner immer wieder eine verdächtige menschliche Note durch, die sie ja auch zum Zielobjekt macht. Ein Beispiel, wie sie in diesem Kurzvideo von ihrer Ankunft gestern im Flughafen von Buenos Aires ihren Bodyguards davon rennt, um die Leute zu grüssen:


Venezuela: «Klappe zu» macht uns nicht schöner

Montag, 12. August 2019


Jessica Dos Santos*

Vor wenigen Tagen erfuhr ich, dass die Tochter einer Nachbarin Opfer zahlreicher Misshandlungen durch ihren Ehemann ist, weil «ohne ihn könnte ich in dieser schweren Krise nicht durchkommen, denn ich verdiene nur den Mindestlohn, und die Lösung bringt er, vor allem für die Medikamente der Tochter.»
Gleichzeitig kämpft eine ehemalige Arbeitskollegin für mehr Alimente seitens des Vaters ihrer Kinder. Das Gesetz legt einen Prozentsatz des Festlohns dafür fest, aber seine wichtigen Monatseinkünfte kommen aus dem informellen Sektor, was sie weiss, aber nicht beweisen kann.
Und jeden Tag müssen mehr und mehr KollegInnen ihren Versuch der wirtschaftlichen Unabhängigkeit an den Nagel hängen, um sich ganz der Hausarbeit und den Kindern zu widmen: nicht als (selbstverständlich absolut gültige) freie Wahl, sondern unter Zwang (es wird z. B. immer schwieriger, für die Kinderbetreuung aufzukommen). So übt die Wirtschaftslage einen immer massloseren und umfassenden Einfluss auf das Leben der Frauen aus.
Zuerst kam der Mangel an Hygieneartikeln bei Menstruation (Binden etc.), dann kamen die hohen Kosten für die Empfängnisverhütung (die immer mehr steigen), und heute bestimmt die sexistische Gewalt (in ihren verschiedenen Formen) die Szene.
Dazu liefert der venezolanische Staat seit langem keine Daten. Das Neueste, was wir kennen, war die knappe Erklärung von Staatsanwalt Tareck William Saab von letztem Dezember (als dank unserem Druck der Feminizid der venezolanischen Tänzerin Mayell Hernández in die Schlagzeilen kam): «In unserer Amtszeit kam es zu 96 Fällen von Feminiziden; 85 mutmasslich Verantwortliche bekamen Freiheitsentzug; es kam zu 78 Anschuldigungen und zu 73 Anklagen.» Danach gab es dazu keine weiteren Angaben mehr.
Wie war es vorher? Was kam danach? Wie sieht es heute aus? Müssen wir für eine Aktualisierung auf einen weiteren Mord warten?
Heute fällt es den Behörden leichter, von einem Nationalen Plan der humanisierten Geburt (parto humanizado)[i] zu reden, dessen Reichweite leider weniger gross als erwünscht und als im TV dargestellt ist, oder dem Plan der Boni (der ist ok, aber das reicht nicht mal für Windeln).
Unterdessen vertiefen sich einige von uns Frauen in die Debatte, ob wir nosotras, nosotros oder nosotres sagen sollen[ii] oder einige glauben, die Demontage des Konzepts der romantischen Liebe sei wichtiger als diese Wirklichkeit, die uns verschlingt: Sie bringen uns um, auch die mit theoretisch sehr klaren Konzepten.
Nur ein Beispiel: Im Mai wurde Melissa Sidney Arcilas Ruiz mit zwölf Messerstichen ermordet, durch José Gregorio Pérez, seit einem Jahr ihr Ex-Partner (und Vater ihrer zwei Kinder). Melissa verbrachte die zwölf Monate seit der Trennung mit Anzeigen gegen den Aggressor, der ihr in zwei früheren Gewalttaten schon die Nase gebrochen hatte. Wie wurde sie von den Behörden behandelt? Ihren Angehörigen zufolge mit Nicht-Beachtung, vom «weil uns die Tinte für den Druck des Wegweisungsbefehls fehlt», über «du musst den blauen Fleck, die Wunde bringen» bis zur Festnahme des Typen und seiner Freilassung wenige Stunden später.
Also?
2014 erreichten wir mit einem anstrengenden Kampf, dass Feminizid und Anstiftung zu Selbstmord als Delikte typisiert wurden. Dies gestattete, die Anzahl von Fällen geschlechtsspezifischer Gewalt sichtbar zu machen.
Ich erinnere mich, dass die Berechnungen für die Jahre 2015 und 2016 ergaben, dass deswegen alle drei Tage eine Frau starb. Wie viele sind es heute? Denn, ich weiss nicht, wie das bei Ihnen ist, aber ich erfahre jeden Tag von einem neuen Fall (viele, sehr viele, mit vorausgegangenen Anzeigen). Ebenso lässt uns eine oberflächliche Mediendurchsicht, für Juni mindestens 13 Feminizide zu erkennen und eine ähnliche Zahl für Juli (auch wenn die Medien immer noch von einem Delikt aus Leidenschaft reden).  Die Mehrheit dieser Fälle ereignet sich im privaten Raum, die Täter sind die Partner oder Ex-Partner.
Und eine einfache Medienlektüre (die viele von uns machen und dann die Stimme erheben) erlaubt uns, mehr als 40 im Ausland ermordete Venezolanerinnen zu zählen, nachdem sie in die Netze des Frauenhandels gerieten.
Soll so viel Blick-Abwenden uns bedeuten, es sei Zeit, dass wir uns aus dem öffentlichen Raum zurückziehen, nachhause gehen und die Klappe halten, denn so sehen wir hübscher aus oder können uns mindestens sehen?
Wir müssen zahllose Probleme des täglichen Überlebens lösen und gleichzeitig müssen wir eine neue Kampfagenda entwerfen, trotz aller Differenzen, um zu verhindern, dass diese Dinge sich weiter ereignen. Wir müssen uns in der Aktivierung wieder begegnen.
* 15yultimo.cm, 7.8.19: Calladitas nos vemos más bonitas.


[i] A.d.Ü.: Ein vor zwei Jahren lanciertes Programm rund um die Schwangerschaft zugunsten vor allem von verletzlichen Frauen mit Schwerpunkt im Kinder-/Frauenspital Hugo Chávez in Caracas.
[ii] «Nosotras» ist von Feministinnen für das früher einzig dominierende, männlich geprägte «nosotros» für «wir», bei dem Frauen «mitgedacht» werden», eingeführt worden. «Nosotres» gibt das «wir» für beide oder mehrere Geschlechter wieder. 

Südmexiko-Newsletter Juli/August 2019

www.chiapas.ch
IN EIGENER SACHE: FIESTA
Wir feiern diesen Herbst 20 Jahre Café RebelDía!
Dazu laden wir alle Interessierten und Solidarischen ein, mit uns am So, 22. September zu feiern,
und zwar im Infoladen Rabia in Winterthur (Bachtelstrasse 70).
Ab 14 Uhr, mit Musik, Speis und Trank. Für Anmeldungen sind wir dankbar.
Genauere Infos folgen auf unserer Homepage.
Wir freuen uns auf euch!


CHIAPAS
Präsident López Obrador besucht EZLN-Region in Chiapas
Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador (Amlo) hat zusammen mit dem Gesundheitsminister und der Ministerin für Soziale Entwicklung den südmexikanischen Bundesstaat Chiapas besucht.Während seines Besuches in einem staatlichen Krankenhaus in Las Margaritas, dem politisch bedeutendsten Ort für die EZLN, sprach López Obrador über die EZLN: "Was habe ich den Zapatisten zu sagen? Wir respektieren diese Bewegung sehr. Wir können verschiedene Meinungen haben, sind aber respektvolle Menschen." Amlo betonte die Rolle der EZLN für die Verteidigung besserer Lebensbedingungen indigener Völker in Mexiko. Gleichzeitig appellierte er an sie, "uns nicht weiter zu streiten". López Obrador erklärte, dass es zwei Wege gebe, um Veränderungen im Land zu schaffen: Einerseits den demokratischen Weg durch Wahlen und andererseits den bewaffneten Weg. "Wir haben uns für den demokratischen Weg entschieden", folgerte er. Weiterlesen: Artikel von Leticia Hillenbrand: https://amerika21.de/2019/07/228832/mexiko-amlo-ezln

Amlo in Chiapas: Nachricht an die EZLN
Die Tojolabal-Gemeinde Guadalupe Tepeyac in Chiapas ist emblematisch. Nicht umsonst schickte Präsident Andrés Manuel López Obrador am 6. Juli von dort eine Botschaft an die Zapatisten. Vor etwa 300 Kleinbauern drückte der Regierungschef den Rebellen seinen Respekt aus und rief zur Einheit auf. Der präsidentielle Aufruf fand im Kontext einer verstärkten Militarisierung in den zapatistischen Territorien statt. Mehr noch, der Ankunft des Präsidenten in Guadalupe Tepeyac ging ein Truppentransport in die Gemeinde voraus. Zwei, drei Tage zuvor erhöhten sich die Patrouillengänge. Soldaten befragten Personal des örtlichen Krankenhauses. Laut dem Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de las Casas hat sich seit Ende 2018 die Zahl der Armeestreifzüge in La Realidad, einem der "Caracol" genannten Sitze der Zapatisten, verdoppelt. Dazu gab es Tiefflüge über die Gemeinden. Ebenso verstärkten sich die Aktionen paramilitärischer Gruppen, die unter der Bevölkerung morden und sie vertreiben. Der Regierungschef leugnet, dass die Anprangerung dieser Situation durch das Menschenrechtszentrum der Wahrheit entspricht.
Weiterlesen: Artikel von Luis Hernández Navarro: https://www.npla.de/poonal/amlo-in-chiapas-nachricht-an-die-ezln/
Weiterlesen: Artikel von Magdalena Gómez: https://www.npla.de/poonal/praesidentenbotschaft-an-die-ezln/

Huehuetán, Chiapas: Communiqué gegen geplantes Wasserkraftwerk
Seit 2012 wehren sich mehrere Gemeinden im Südwesten Chiapas gegen den Bau von Wasserkraftwerken: “Wasserkraftwerke weltweit haben sich unter den falschen Versprechen wie “Entwicklung und Modernität”, “Generierung von Arbeitsplätzen” oder “Wirtschaftsmotor” auf dem Land der Urvölker bauen lassen. Doch wir sind zum Schluss gekommen, dass sich sowohl bei den staatlichen als auch privaten Kraftwerken nur gewisse Gruppen bereichert haben: Firmen, öffentliche Funktionäre und Konsumenten in entfernten Ländern, ABER NICHT die Bevölkerung, dort wo die Kraftwerke stehen. Unsere Entwicklung für Gemeinwohl wird marginalisiert, unsere Umwelt zerstört, uns ausgeplündert. Das ist wildes Gebahren.“


OAXACA
Indigene gegen Windparkanlagen
Anlässlich des 55. Jahrestages der staatlichen Anerkennung kommunaler Landbesitzrechte des Verwaltungsdistriktes Juchitán solidarisieren sich soziale Organisationen mit indigenen Miteigentümern (Comuneros) des südmexikanischen Bundesstaates Oaxaca im Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen durch Windparkanlagen.

10. Jahrestag des Widerstandes gegen Bergminen in Oaxaca vom 22. Juli
Die Gemeinden von Valles Centrales in Oaxaca luden zu einem Austausch und Fest ein, um nach zehn Jahren den gemeinsamen Kampf gegen den Bergbau zu feiern.

Migration in Mexiko
Espacio Social heisst der alle vierzehn Tage erscheinende Podcast der Organisation EDUCA aus dem südmexikanischen Oaxaca. Während es in der Regel um die soziale Kämpfe und Verteidigung von Territorium von indigenen Gemeinden geht, wurde diese Sendung der mexikanischen Migrationspolitik gewidmet, die sich in jüngster Zeit merklich verschärft hat.
Knut Hildebrand von npla.de macht die Sendung auf Deutsch zugänglich:



GUERRERO
Hoffnung auf mehr Aufklärung im Fall Ayotzinapa
Sergio Mazari Hernández alias El Carrete, der mutmassliche Anführer der als "Los Rojos" bekannten kriminellen Gruppe, ist anfangs August im mexikanischen Bundesstaat Guerrero festgenommen worden. Felipe de la Cruz, Sprecher der Familien der 43 entführten Studenten aus Ayotzinapa und ihr Anwalt, Vidulfo Rosales, äusserten die Hoffnung, dass die Verhaftung helfen könnte, den Ort ausfindig zu machen, wo sich die verschwundenen Studenten befinden.


MEDIEN - JOURNALISTEN UNTER BESCHUSS
Journalismus in Mexiko – Das Gift des Misstrauens
Präsident Andrés Manuel López Obrador versprach den Kampf gegen Korruption und Mord in der „vierten Transformation“ seines Landes. Doch in Mexiko nimmt die Gewalt gegen Journalisten auch unter der neuen Regierung kein Ende.

Und wieder wird ein Journalist in Mexiko ermordet
Bereits zum achten Mal in diesem Jahr ist ein Journalist in Mexiko getötet worden. Der Chef des regionalen Nachrichtenportals «Guerrero al Instante», Rogelio Barragán, wurde tot im Kofferraum seines Autos gut 100 Kilometer südlich von Mexiko-Stadt gefunden. Sein Mitarbeiter Israel Diáz Acosta erklärte am Mittwoch im Interview des Radiosenders Aristegui Noticias, Barragán sei am Montag entführt und seine Leiche am Dienstag entdeckt worden. Die Hintergründe der Tat waren zunächst unklar. Díaz Acosta zufolge hatte Barragán nie von Drohungen gegen sich gesprochen.

Vom Umgang der mexikanischen Regierung mit den Medien
Der Wahltsunami vom 1. Juli 2018 liess die mexikanischen Parteien, die in Opposition zur Morena-Partei standen, in einer tiefen Krise versinken. Die Wahlen vom 2. Juni 2019 in sechs Bundesstaaten verschärften diese Tendenz noch. Seitdem sind die landesweiten Führungsfiguren der Parteien und ihre wichtigsten Abgeordneten zu kläglichen Phantomen mit wenig Einfluss auf die grossen nationalen Debatten geworden. Die Niederlage hat sie in der Anonymität verschwinden lassen. Ihre Präsenz begrenzt sich auf die parlamentarischen Räume und Winkelzüge. Im Alltag der Mitte-Rechts-Opposition gegen die Regierung der sogenannten Vierten Transformation (4T) sind sie kein relevanter Bezugspunkt. Weiterlesen:



MEXIKO
Indigene Völker und Wohlfahrtsprogramme
Unter der Regierung AMLOs sollen gemäss seiner Aussage indigene Völker so viel Aufmerksamkeit bekommen wie noch nie. Die indigenen Völker wehren sich jedoch gegen eine paternalistische Haltung und kritisieren die Missachtung ihrer Rechte, etwa im Bezug auf Volksbefragungen im Kontext von Bauprojekten.

Keine Konzession für Bergbauprojekt in Baja California Sur
Das Goldminenprojekt "Los Cardones" im mexikanischen Bundesstaat Baja California Sur hat keinen Anspruch auf ein dafür erforderliches Gelände im Naturschutzgebiet Sierra La Laguna. Wie am 9. Juli im Bundes-Amtsblatt verkündet wurde, ist der Nationalen Kommission für Naturschutzgebiete das Grundstück mit einer Fläche von 751 Hektaren zugesprochen worden.


INTERNATIONAL
AktionärInnenversammlung H&K
Am 12. Juli 2019 fand die diesjährige Aktionärsversammlung von "Heckler & Koch" in Rottweil statt. Die „Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre“ nutzten ihr Rede- und Fragerecht. Auch der Fall Ayotzinapa wurde erwähnt, bei dem illegale G36-Sturmgewehre von Heckler und Koch benutzt wurden.


HINWEISE
Sa, 17. August, Lukas Avendaño am 2. Performance-Openair St. Gallen. Avendaño ist Aktivist aus dem Bundeststaat Oaxaca in Mexiko. Er ist Aktivist und kämpft für Gerechtigkeit im Falle seines Bruders, einer der tausenden vermissten Personen in Mexiko. Dabei wird er auch von unserer Partnerorganisation Codigo DH unterstützt.
Mehr Infos zum Performance-Openair St. Gallen: https://openairperformancekunst.com/portfolio/1178/

Sa, 7. September, Solidaritätslauf für Sans-Papiers. Münsterplatz Bern. Erster Start um 14 Uhr. Mehr Infos: www.solidaritaetslauf.ch

So, 15. September: 18. Lauf gegen Rassismus. Bäckeranlage Zürich. Ab 10 Uhr. Anmeldung und weitere Info: www.laufgegenrassismus.ch

[rojavaagenda] # Newsletter Nr. 6 #

Donnerstag, 1. August 2019

27 Jul 2019
Liebe Freund_innen
Diesen Monat gab es einen guten Grund zum Feiern: Am 19. Juli fanden in der gesamten Föderation von Nord- und Ostsyrien Feiern zum siebten Jahrestag des Beginns der Revolution von Rojava statt. Auch wir gratulieren ganz herzlich. Pîroz be!
In diesen sieben Jahren ist wahnsinnig viel Bewegendes passiert – doch auch nach sieben Jahren müssen die Menschen in Nord- und Ostsyrien immer noch um ihr Leben fürchten. Auch wenn der IS kein Territorium mehr hat, bleibt es eine reale Bedrohung. Und vor allem droht die Türkei immer stärker damit, in Rojava einzumarschieren. Die internationale Kommune hat dazu einen eindringlichen Aufruf verfasst: Call for Day X: NO WAR ON NORTHERN SYRIA!
https://riseup4rojava.org/de/aufruf-zu-tag-x-no-war-on-northern-syria/ Und auf Englisch (sowie weitere Sprachen): https://riseup4rojava.org/day-x/
Wir hoffen, dass es leere Drohungen sind – werden aber im Ernstfall euch über geplante Demos und Aktionen in Zürich und in der Schweiz auf rojavaagenda.noblogs.org informieren.
Zur aktuellen Lage empfehlen wir folgende Analysen:
- Interview mit Mazlum Abdi, Generalkommandant der SDF, über die Angriffsdrohungen der Türkei, das Verhältnis zum Regime und die Präsenz internationaler Mächte in der Region: https://anfdeutsch.com/rojava-syrien/unsere-linie-ist-die-legitime-selbstverteidigung-12811
- Artikel vom Lower Class Magazine zur Situation Bashur (Südkurdistan), wo sich das türkische Militär immer mehr wie eine Besatzungsmacht in bester Kolonialmanier verhält: https://lowerclassmag.com/2019/07/24/erdogans-klaue-der-ignorierte-krieg-im-nordirak/

Unsere Veranstaltungsreihe geht weiter, nächstes Datum ist bereits diesen Montag, 29. Juli um 19 Uhr in Bern: 10 Monaten Rojava – Erfahrungen eines Internationalisten aus der Revolution in der Föderation Nord-Ostsyrien. Über Widerstand, Hoffnung, Liebe, Organisierung und Widersprüchen in die Augen schauen. Über Zusammenhänge zu hier, über Krieg und Verluste. Über die Unabdingbarkeit der Solidarität und über die Schönheit des Kämpfens füreinander – miteinander, für eine befreite Gesellschaft. https://publish.barrikade.info/10-Monate-Rojava-29-7-in-Bern-2438
Ausserdem findet im Rahmen des Klima-Camp ein Workshop von MakeRojavaGreenAgain: Am Samstag 3. August, am Nachmittag (Zeit noch nicht Fix). Über die aktuelle Situation in Rojava, über ökologische Herausforderungen und Projekte und wir werden gemeinsam in Kleingruppen verschiedene Aspekte der "Social Ecology" bearbeiten. Mehr Infos auf https://www.klima-festival.ch/programm. Flyer mit genauer Zeit folgt.
Hier noch die Bildergalerie aus Rojava von MakeRojavaGreenAgain: http://makerojavagreenagain.org/category/gallery/

Haltet die Ohren steif! Bei Angriff auf die Strasse!
Solidarische Grüsse
RojavaKomiteeZürich
rojavaagenda.noblogs.org

Sechs chavistische Aktivisten in Venezuela getötet

https://amerika21.de/2019/07/229523/mord-chavisten-aktivisten-venezuela
 

Unter den Opfern ist auch die junge Frau Milaidy Navas González
Unter den Opfern ist auch die junge Frau Milaidy Navas González
Barinas, Venezuela. Im Dorf Antonio José de Sucre im venezolanischen Bundesstaat Barinas sind vergangenen Samstag sechs Mitglieder chavistischer Basisorganisationen ermordet worden. Die Gruppe aus fünf Männern und einer Frau wurden an einer Überlandstraße beim Reparieren eines Motorrads überfallen und erschossen.
"Die Vorgehensweise lässt darauf schließen, dass der feige Angriff von einer militärisch trainierten Gruppe durchgeführt wurde, wahrscheinlich bestehend aus kolumbianischen Paramilitärs, ehemaligen venezolanischen Polizisten und gewöhnlichen Verbrechern", schreiben die Organisationen Corriente Revolucionaria Bolívar y Zamora (CRBZ) und Brigadas de Defensa Popular Hugo Chávez (BDP) in einer Mitteilung. Laut Zeugen habe eine Frau mit kolumbianischen Akzent die tödliche Attacke angeführt, was diese These stütze. Die Basisorganisationen weisen auch darauf hin, dass die paramilitärische Gruppe "Autodefensas Colombo Venezolanas" (Kolumbianisch-venezolanische Selbstverteidigungseinheiten) in jüngster Zeit Einheiten der venezolanischen Streitkräfte angegriffen und Drohungen gegen Sicherheitskräfte und linke Basisaktivisten ausgesprochen hatte. Der Tatort liegt im westlichen Teil des Landes, rund 300 Kilometer von der Grenze zu Kolumbien entfernt.
Die Opfer José Geraldo Rojas, Manuel Cordero Benítez, Alexi Ontiveros Mora, Eudes Rojas Peña, Kebin Navas Rodríguez und Milaidis Navas González reihen sich ein in die Liste ermordeter Aktivisten im ländlichen Raum Venezuelas, wo Großgrundbesitzer regelmäßig eigene bewaffnete Einheiten unterhalten. Konflikte mit Bauern und Aktivisten aus der chavistischen Bewegung sind seit dem Amtsantritt des früheren Präsidenten Hugo Chávez im Jahr 1999 und einer Landreform zwei Jahre später an der Tagesordnung. Soziale Bewegungen gehen von mindestens 300 durch Auftragsmörder getöteten Menschen aus.
Auch der Vizepräsident der Vereinten Sozialistische Partei Venezuelas (PSUV), Diosdado Cabello, vermutet hinter dem Angriff kolumbianische Paramilitärs. Er sagte: "Diese Form der Gewalt wird aus Kolumbien eingeschleppt. Dort sind die Experten für den Export von Drogen und Gewalt." Weiterhin erklärte er sich solidarisch mit den Opfern und deren Angehörigen sowie mit den kleinbäuerlichen Organisationen in Venezuela. Er forderte Gerechtigkeit für die Opfer.
Auch die Defensoría del Pueblo (Ombudsstelle für Menschenrechte) fordert die zügige Aufklärung des Falls und Verurteilung der Verantworlichen.
Ebenfalls am vergangegen Wochenende verteilte die paramilitärische Gruppe Bloque Urabeño in den Städten Palotal und San Antonio del Táchira Flugblätter, in denen sie Ausgangssperren verhängen und jedem mit Mord drohen, der sich nicht an die Anweisungen hält. Zudem werden Aktivisten namentlich genannt und bedroht. Die venezolanischen Streitkräfte warnen vor kolumbianischen Paramilitärs und Dissidenten der Farc-Guerilla, die vor allem in den Grenzregionen ihr Unwesen treiben.
Bei einer bewaffneten Auseinandersetzung konnten venezolanische Soldaten Kriegswaffen sicherstellen. In dem Gefecht kamen unter anderem eine Venezolanerin ums Leben, die als Dissidentin der Farc gilt, sowie ein demobilisiertes Farc-Mitglied mit kolumbianischen Papieren.