Putschversuch: Bericht über CIA in Ecuador

Freitag, 1. Oktober 2010

1. Okt 2010 | Ecuador | USA | Militär | Politik

Putschversuch: Bericht über CIA in Ecuador

Informanten, Ausbildung, Ausrüstung und Operationen: Untersuchung belegte schon 2008 Kontakte des US-Geheimdienstes mit der Polizei

DruckversionEinem Freund senden
Kurz vor Putschversuch in Ecuador: US-Diplomat Arturo Valenzuela
Caracas/Quito. Nach Angaben des kanadischen Journalisten Jean Guy Allard hat der Auslandsgeheimdienst der USA seit Jahren die ecuadorianische Polizei infiltriert. Der im Internet verbreitete Bericht bestätigt entsprechende Vermutungen, die nach dem Putschversuch gegen die Regierung von Präsident Rafael Correa am Donnerstag laut wurden. Die Aktivitäten der US-Dienste, so Allard, seien schon in einem Bericht des ecuadorianischen Verteidigungsministeriums aus dem Jahr 2008 festgestellt worden.
In diesem Dokument wurde nachgewiesen, wie verschiedene Mitglieder des Polizeikorps eine "Abhängigkeit" gegenüber der US-Botschaft in Ecuador entwickelt haben durch "Bezahlung von Informanten, Ausbildung, Ausrüstung und Operationen". Allard zitiert auch den ehemaligen CIA-Agenten und Kritiker des Geheimdienstes, Philip Agee, der diese Vorgehendweise bei mehreren Gelegenheiten angeprangert hat.
In einem offiziellen Bericht über die Aktivitäten der US-Dienst habe der ecuadorianische Verteidigungsminister Javier Ponce vor zwei Jahren erklärt, wie US-Diplomaten Polizei und Offiziere der Streitkräfte Ecuadors korrumpieren. Allard weist nun darauf hin, dass besonders in den letzten Monaten "US-Funktionäre in Ecuador aufgetaucht sind". Sie seien mit der Begründung in das südamerikanische Land gekommen, die Beziehungen zwischen Quito und Washington zu vertiefen.
Unter den US-Funktionären, die nach Ecuador reisten, befand sich der Lateinamerika-Beauftragte des US-Außenministeriums, Arturo Valenzuela.  Allard schreibt, dass Valenzuela – ein erklärter Kritiker der anti-neoliberalen Regierungen in Lateinamerika – bei seiner Ecuador-Reise von Tedd Stern begleitet wurde, dem Sonderdelegierten für den Klimawandel. Auch Sterns Verbindungen zur CIA seien bekannt, so Allard.

Ecuador: Putsch nicht beendet

(zas, 1.10.10, 03:30) Im Moment ist es von hier aus nicht möglich, die Situation in Ecuador einzuschätzen. Handelt es sich um eine limitierte Aktion von Teilen der Polizei, die aber durchaus in der Ermordung des Staatspräsidenten Rafael Correa münden können, den sie im 5. Stock des Polizeispitals festhalten? Ist es im Gegenteil ein in den Sicherheitskräften breit abgestützter Putsch mit genau abgesprochener Rollenteilung? Fidel Castro schrieb vor wenigen Stunden, der Putschversuch sei faktisch schon gescheitert. Peru und offenbar auch Kolumbien haben die Grenze zu Ecuador dicht gemacht (was sich auf den wichtigen bilateralen Handel Peru/Ecuador negativ auswirkt). 

Um 00:30 meldete sich Correa aus dem Spital telefonisch bei Telesur. „Von hier werde ich als Präsident oder als Leiche herauskommen … Unter Druck werde ich nichts unterschreiben, ich werde nicht einknicken“. Drei Polizeidelegationen hätten ihn aufgesucht, aber er habe ihnen klar gemacht, dass er nichts unterschreiben werde. Aber die Gelegenheit genutzt, ihre offensichtliche Desinformiertheit bzgl. des „Gesetzes über den öffentlichen Dienst“ klarzustellen: „Der Arbeitsminister wird die Entschädigungen festlegen, das wussten sie nicht, das Gesetz ist super gut, aber so wird alles manipuliert“.

Die Abgeordnete María Agusto Calle von „Alianza País“ (Bündnis um Correa) betonte ihrerseits, dass es mit den Putschisten keine Verhandlungen geben werde, solange der Präsident gefangen sei.

Eine Nachricht von Telesur sprach davon, dass Armeekräfte die Polizeieinheiten, die den internationalen Flughafen von Quito besetzt haben, geräumt haben.

Ca. 50 Rechte sind in die Räume des staatlichen Fernsehsenders Ecuador TV, angeleitet vom Anwalt des früheren Diktators und Präsidenten Lucio Gutiérrez. Das erhärtet die These von Correa und „Alianza País“ über die politische Steuerung der Vorkommnisse durch die Kräfte um Gutiérrez. 

Vor kurzem gab Admiral Jorge Gross, Kommandant einer Task Force 2, eine Pressekonferenz, in der er erklärte, der von der Regierung für fünf Tage verhängte Notzustand beginne zu greifen. So habe die Armee ihrem Verfassungsauftrag gemäss in Guayaquil (der Wirtschaftsmetropole des Landes), die Kontrolle über Tankstellen, wichtige Strassen, den Flughafen und  die Kommunikationsinfrastruktur übernommen. Dies werde weitergehen und in fünf Tagen, nach Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung,  werde die Armee Correa die Macht zurückerstatten. Der nationale Polizeichef, Juan Ruales, gab seinerseits bekannt, es sei gelungen, die Kontrolle über die Polizei wiederherzustellen. In Guayaquil seien einige Chaoten verhaftet worden.

Bis zur Stunde (03:15) geht die Demo vor dem Polizeispital weiter. Die Polizei hat bisher mit massivem Einsatz von Tränengas eine Befreiung des Präsidenten verhindern können. Vor einigen Stunden schon gab Sicherheitsminister Carvajal den Tod eines Demonstranten bekannt. Es ist unklar, ob die Putschisten auch Schusswaffen eingesetzt haben.

Zwei Bemerkungen: Die Reaktion der Leute erinnert sehr stark an jene in Honduras, nur dass es hier schon ganz am Anfang an mehr sind, die auf die Strasse gehen. „Für einen Präsidenten“, von dem wir seit Monaten vor allem gehört haben, wie selbstherrlich und von seiner eigenen Basis entfremdet er sei.

Dafür berichten „unsere“ Medien jetzt präzis. Die ARD schilderte vor einer Stunde eine Situation, in der sich correa in einem Spital verschanzt habe, vor dem protestierende Polizisten demonstrieren. BBC strahlte zur gleichen Zeit einen Bericht über die Polizeiproteste gegen die „Sparmassnahmen“ der Regierung Correa aus. Praktisch die gleiche Lüge brachte die „New York Times“ vor wenigen Minuten auf ihrer Homepage. Diese Art von dreister Desinfo dämpft die Hoffnung, es könne sich um eine unkoordinierte, begrenzte Aktion handeln. Warum, wenn dem so ist, lügen die „massgeblichen“ Medien wie im Fall von Honduras (dort mit der erdichteten Sesselkleberei des gestürzten Präsidenten Zelaya) derart penetrant zugunsten der Putschisten? Einfach aus Instinkt?

Ecuador: Kurze Infos zum Putsch

Donnerstag, 30. September 2010

Telesur-Infos

Hugo Chávez (ca. 22h Schweizer Zeit): 
Hat soeben mit Rafael Correa telefoniert, der „entführt“  in einem Spital ist, nur mit 3-4 Vertrauensleuten zusammen. Correa fürchtet um sein Leben. Chávez verweist die These eines „Protestes“ wegen Besoldungsfragen ins Reich der Propaganda: Viele Flughäfen Ecuadors sind militarisiert, Resultat einer lange vorbereiteten Aktion. Correa sagt ihm auch, dass die militärischen Befehlshaber keinen Kontakt mit ihm aufgenommen haben.
Die OAS-Sondersitzung zum Putsch ist für die Katze. Lippenbekenntnisse wie beim Putsch in Honduras. Wichtig ist Unasur (südamerikanische Länder); die Präsidenten der Mitgliederländer brechen in diesem Moment nach Buenos Aires zu einer Sitzung auf.
Correa hat ihm bestätigt: „Ich bin bereit zu sterben“.
Chávez: Sein Leben ist in Gefahr, und wo sind die „loyalen Mitglieder der Armeeführung“?


Kurz darauf Evo Morales:
Eine Gruppe von Unasur-Präsidenten wird morgen Freitag versuchen, nach Ecuador zu fliegen, um das Leben von Rafael Correa zu retten.
Es handelt sich um „einen Putsch der ecuadorianischen Rechten mit Unterstützung der USA gegen Unasur“.


Sprecher des Generalstabes (vermutlich Ernesto González) verliest um 22:35 eine Erklärung, in der sich die Armeeführung erneut verfassungstreu   darstellt, hofft aber, dass die Regierung die vorgesehene Besoldungsreform revidiert (gibt also dem Vorwand der Putschisten Legitimität).

Ca. 23h:
Seit einiger Zeit einige tausend DemonstrantInnen vor dem Polizeispital, indem Correa gefangen ist. Die Leute wollen ihn befreien. Polizei schon mehrmals massiv Tränengas eingesetzt. Die Polizeikräfte werden von zivilen Faschokräften unterstützt.
Gerücht, dass putschistische Polizeikräfte mit Correa zurzeit verhandeln.

Demos auch in vielen anderen Städten.

23:30
Demo vor Spital bis zu Eingang vorgedrungen. Reaktion: massive Tränengaseinsätze.

________


Bemerkung ZAS:
Ein Putschversuch, kein Zweifel. Unklare Situation. Im Gegensatz zur Situation in Honduras im Juni 2009 äussert sich hier die Armeeführung gegen den Putsch (dem Vernehmen auch die Führung der Polizei); handelt aber nicht. Es sind bis jetzt laut Liveberichterstattung von Telesur keine Truppenbewegungen zur Rettung von Correa und zur „Neutralisierung“ des Putsches festzustellen. Zwei Möglichkeiten: Die Führung(en) ist (sind) faktisch ausgebootet oder es handelt sich um eine weitere Verwirrungspirouette im neuen kontinentalen Putschdrehbuch. In Washington soll die Administration Obama ein Statement publiziert haben, in dem die Gewalt bedauert und der „Polizeiaufstand“ kritisiert wird, ohne dabei aber das Wort Putsch zu gebrauchen – Honduras remake.
Die NZZ bringt es fertig, auf ihrer Homepage eine ddp-Depesche zu veröffentlichen, mit dem Titel: „Ecuadors Präsident von Demonstranten verletzt“, Subtitel: „Schwere Unruhen als Reaktion auf drastisches Sparprogramm“.

Putschversuch in Ecuador

30. Sep 2010 | Ecuador | Militär | Politik

Putschversuch in Ecuador

Eskalation bei Protesten von Polizei und Armeeeinheiten. Armeechef und General Luis González verteidigt Regierung

DruckversionEinem Freund senden
Rafael Correa: "Wenn ihr den Präsidenten töten wollt: Hier bin ich!"
Quito. Mehrere Polizeieinheiten und Verbände der Armee haben sich am heutigen Donnerstagnachmittag (Ortszeit) gegen die Regierung von Präsident Rafael Correa erhoben. Nach Berichten ecuadorianischer Medien und internationaler Nachrichtenagenturen kam es zu zunächst lokal begrenzten Aufständen in der Hauptstadt Quito und in der Stadt Guayaquil.
Nach ersten Berichten begann der Aufruhr mit Protesten gegen ein neues Gesetz zur Regelung des Öffentlichen Dienstes. Nach Meinung der Demonstranten aus Polizei und Armee wird diese Neuregelung erhebliche Nachteile für Mitglieder der bewaffneten Staatsorgane mit sich bringen. Die Situation eskalierte, als einzelne Armeeverbände den Flughafen und die größte Polizeikaserne der Hauptstadt besetzten.
Als Präsident Correa die Besetzer der Kaserne des Regiments Quito 1 besuchte, um ihnen die seiner Meinung nach falsche Interpretation der Gesetzreform zu erklären, wurde er nach Augenzeugenberichten mit Steinen und Tränengasgranaten attackiert. Die Leibwächter mussten den Staatschef in Sicherheit bringen. Nach zunächst unbestätigten Berichten wurde der Präsident jedoch eingekreist und am Verlassen der Kaserne gehindert.
Nach Darstellung lateinamerikanischer Medien und internationaler Nachrichtenagenturen ist das Geschehen in Ecuador als Putschversuch zu werten. Der Korrespondent des lateinamerikanischen Fernsehsenders Telesur, Cristian Salas, beschrieb die Lage als "chaotisch". Nach Angaben des Nachrichtendienstes "Resúmen Latinoamericano" gingen in Quito und Guayaquil am Nachmittag Bürger in Unterstützung der Regierung auf die Straßen.
Der Oberkommandierende der Armee, General Luis González, stellte sich indes vor die Regierung. Mitglieder der Armee hätten ihrem Oberbefehlshaber, Präsident Correa, zu gehorchen, sagte der General. "Ecuador ist ein Rechtsstaat", fügte er an.
Der Parlamentsabgeordnete der regierenden "Alianza País", Gabriel Rivero, machte indes Regierungsgegner um den ehemaligen Präsidenten Lucio Gutiérrez für den Aufstand verantwortlich. Rechte Putschisten hätten sich unter die protestierenden Polizisten und Soldaten gemischt, um einen Umsturz anzuzetteln, so Rivero. Auch Präsident Correa sprach von einem Putschversuch. In einer emotionalen Rede von den Aufständischen sagte er: "Wenn ihr den Präsidenten töten wollt: Hier bin ich!"
Auch international sorgte das Geschehen für Aufsehen. Die argentinische Regierung zeigte sich nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa "tief beunruhigt" über das Geschehen in Ecuador. Vertreter der Fraktion der Vereinigten Linken im Europaparlament verurteilten den Putschversuch.
Ein Video der Geschehnisse findet sich auf unserem Partnerportal weltnetz.tv

EL SALVADOR – MARA-FANTASY VERDECKT DESTABILISIERUNG

Montag, 27. September 2010

(zas, 27.9.10). Von der NZZ bis zu linken deutschsprachigen Blogseiten war man sich einig: Die Strassengangs (Maras) haben vor drei Wochen in El Salvador mit einem dreitägigen Streik im landesweiten Transportsystem ihre Muskeln spielen lassen und den Staat herausgefordert.

Tatsächlich war es kein Streik der Maras, sondern einer der Handelskammer. National eingebettet in eine aggressive Destabilisierungspolitik gegen eine Regierung, die trotz schwerer interner Spannungen auf einigen Gebieten positive Arbeit leistet, zum Teil auch im Bereich der öffentlichen Sicherheit. Die Rechten versuchen, das zu verhindern und ihre gefährdeten Felle ins Trockene zu bringen.

International eingebettet in eine Strategie Washingtons, Zentralamerika und die Karibik zu einer Grosszone „gescheiterter Staaten“ zu erklären, wie dies die US-Aussenministerin Clinton so eben vor dem Council on Foreign Relations verdeutlicht hat.

Pseudolinke Undifferenziertheit in der allerdings unabdingbaren Kritik an der salvadorianischen Regierung und ein voyeurhafter Blick auf eine „Chaoszone El Salvador“ im Stile eines billigen Science-Fiction-Filmes tragen schlicht zum Gelingen des imperialen Rollbackversuches bei.


Weiterlesen

Südmexiko Soli-Newsletter September 2000

Montag, 20. September 2010

Newsletter September 2010
--- Direkte Solidarität mit Chiapas ---
20. September 2010

CHIAPAS

1. Zaptistische Unterstützungsbasis vertrieben
In Chilón wurden 170 Zapatistas vertrieben, weil sie autonome Schule gründeten. Die Familien aus San Marcos Avilés und Pamala waren daran, eine eigene Schule für ihre Kinder aufzubauen. Die Nachbarn, welche in verschiedenen politischen Parteien organisiert sind, wollten sie daran hindern. Darauf wurden den Zapatistas 30 ha Land enteignet und am 9. September 2010 mit Waffengewalt vertrieben. Der Rat der Guten Regierung von Oventik denunzierte die gewaltsame Vertreibung und unterstützt die Vertriebenen.

Communiqué Oventik:
http://www.chiapas.indymedia.org/article_176342
Weitere Infos:
http://www.chiapas.indymedia.org/

Am 13. September fanden verschiedene Protestaktionen gegen die Repression in Chiapas statt, so auch in der Gemeinde Mitzitón:
http://www.youtube.com/user/CIEPAC#p/u/0/s1_2cLxI0E4



2. Nuevo Juan de Grijalva ein Jahr nach der Einweihung

Ein Jahr nach der Einweihung der „nachhaltigen Landstadt“ Nuevo Juan de Grijalva denunzierten die BewohnerInnen, dass aufgrund der starken Regenfälle die ersten Schäden an den Häusern auftreten. Die BewohnerInnen sind Überlebende der Überschwemmungskatastrophe von 2007, ihre neue Stadt soll ein Modell für die Überwindung der Armut sein. Der Gouverneur Sabines will damit die UNO-Milleniumsziele erfüllen. Wie die Realität aussieht, zeigen die Videos zu Nuevo Juan de Grijalva:
http://www.youtube.com/user/CIEPAC#p/u/3/WuGVelBzn5U
http://www.youtube.com/user/CIEPAC#p/u/2/q60oh7fNdVM

Inzwischen wird die zweite „nachhaltige Landstadt“ fertiggebaut, deren Häuschen aus Sperrholz nicht nachhaltig zu überzeugen mag, wie dieses dritte Video von Ciepac zeigt:
http://www.youtube.com/user/CIEPAC#p/u/4/Wijv-AkY2o4

Und eine dritte ist in Chenalho, nahe San Cristobal, geplant, dagegen organisieren lokale Kirchenvertreter einen ersten Protest:
http://chiapasdenuncia.blogspot.com/2010/08/creyentes-de-chenalho-rechazan-proyecto.html



OAXACA und GUERRERO

3. Vernetzungstreffen gegen Grossprojekte, welche die Umwelt zerstören
Im Bezirk Ocotlan, unweit von Oaxaca Stadt, fand ein mehrtägiges nationales Treffen der von Grossprojekten betroffenen Gemeinden und Organisationen statt. Der Ort ist symbolträchtig, weil in Ocotlan ein Grossteil der EinwohnerInnen gegen die dort ansässige Goldmine kämpft. Infos zum Treffen und zum Widerstand in Ocotlan:
http://www.educaoaxaca.org/index.php?option=com_content&view=article&id=178:en-oaxaca-concluyen-trabajos-de-la-anaa&catid=45:la-minuta&Itemid=55

http://www.oeku-buero.de/nachrichtenleser/items/konflikt-um-goldmine-muendet-in-hetzjagd-auf-befreiungstheologen.html



4. Paramiliärischer Angriff und Entführung von Víctor Ayala überschatten Unabhängigkeitsfeiern

Die groß angelegte Unabhängigkeitsfeier des so genannten „Bicentenario“ diente in den südlichen Bundesstaaten Oaxaca und Guerrero offensichtlich zum Übertünchen von Angriffen auf soziale Bewegungen. Während die Scheinwerfer auf die Festlichkeiten zum 200. Jahrestag der Unabhängigkeit gerichtet waren, haben in den Unruheregionen Oaxaca und Guerrero schwere Übergriffe auf soziale Bewegungen stattgefunden. Weiterlesen:

http://npla.de/de/poonal/3001-paramiliaerischer-angriff-und-entfuehrung-von-victor-ayala-ueberschatten-unabhaengigkeitsfeiern

In den letzten Tagen und Stunden hat sich die Situation in Copala nochmals dramatisch zugespitzt. Die drei im Artikel erwähnten schussverletzten Frauen wurden zwar von einem Polizeiaufgebot evakuiert und können medizinisch versorgt werden. Gleich nach dem Abzug der Polizei wurde jedoch ein weiterer Indigena des autonomen Bezirks vor der Kirche von Copala ermordet. Wieder rückte die Polizei in das Dorf ein, um die Leiche zu bergen. Sie übergab diese jedoch nicht der Familie, sondern den Paramilitärs. Und wenige Stunden darauf geschah ein weiterer Mord an einem jungen Indigena des autonomen Bezirks, zudem gelten zwei Frauen und zwei Männer verschwunden. Die Vertreter des autnomen Bezirks befürchten ein Massaker in den nächsten Tagen. Sie rufen zu Mobilisierungen und Solidaritätsaktionen auf. Die lokale Kirche versucht mit einem Verhandlungsangebot den Konflikt zu entschärfen. Solange die Mörder jedoch ungestraft und auf freiem Fuss sind, ist eine Verhandlungslösung schwierig. Dass es keine Strafverfolgung gibt mussten die mexikanischen Behören bei einem Hearing in Brüssel zugeben, welches wegen dem Mord am finnischen Beobachter Jyri Jaakkola letzte Woche stattfand.

Segundo asesinato en un día de miembros del MULTI en Copala
http://www.jornada.unam.mx/2010/09/20/index.php?section=politica&article=022n1pol

Bruselas: Debate sobre San Juan Copala
http://www.proceso.com.mx/rv/modHome/detalleExclusiva/83503



SCHWEIZ

5. Spendenkampagne für zapatistisches Gesundheitswesen

In Chiapas hat die indigene Bewegung der Zapatistas die Gesundheitsversorgung in die eigenen Hände genommen. Hebammen und lokale PromotorInnen arbeiten mit engagierten FachärztInnen zusammen. Mehr Infos und die Bitte um private Spenden oder Spendenanlässe auf medico.ch. Gerne können auch Flyers bestellt werden oder weitere Auskünfte erteilt werden, wenn ihr einen Anlass organisieren wollt! Übrigens unterstützt medico international in Deutschland die zapatistischen Kliniken ebenfalls.

Gemeindegesundheit und Pflanzenmedizin in Chiapas / Mexiko
http://www.medicointernational.ch/content/view/251/103/



ZEITSCHRIFTEN online

6. Tierra y Libertad
Willkommen auf der neuen Seite der Tierra y Libertad. Ab sofort findet ihr hier Informationen zu den Tierra y Libertad-Heften. Das neue Heft kann bestellt, ältere Hefte herunter geladen werden.
http://www.tierra-y-libertad.de/


7. Desinformemonos
Zweimonatliche Zeitschrift von unten, Nummer 8 August, September 2010
http://desinformemonos.org/wp-content/uploads/2010/08/desinformemonos8aleman.pdf



VORSCHAU Chiapas-Filme auf Tournee in der Schweiz

In der zweiten Oktoberhälfte werden mehrere Veranstaltungen mit den Filmen des zapatistischen Videoprojekts Promedios gezeigt. Wir werden im Oktober rechtzeitig über die Daten informieren. Video-Auswahl siehe: http://www.promediosmexico.org/

Direkte Solidarität mit Chiapas

Mexiko: Festivitäten verdecken massive Angriffe

Samstag, 18. September 2010

Dieser Artikel ist erschienen in Poonal Nr. 913

Paramiliärischer Angriff und Entführung von Víctor Ayala überschatten Unabhängigkeitsfeiern

Freitag, den 17. September 2010
von Philipp Gerber

(Berlin, 17. September 2010, npl).- Die groß angelegte Unabhängigkeitsfeier des so genannten „Bicentenario“ diente in den südlichen Bundesstaaten offensichtlich zum Übertünchen von Angriffen auf soziale Bewegungen. Während die Scheinwerfer auf die Festlichkeiten zum 200. Jahrestag der Unabhängigkeit gerichtet waren, haben in den Unruheregionen Oaxaca und Guerrero schwere Übergriffe auf soziale Bewegungen stattgefunden.

In Oaxaca eskalierte der Konflikt um San Juan Copala, wo sich drei indigene Organisationen um die Vorherrschaft der symbolträchtigen Gemeinde der Triqui-Indigenen streiten. Unabhängige Quellen über die Situation liegen nicht vor, da die Gemeinde seit November 2009 von Bewaffneten der Nachbardörfer El Rastrojo und La Sabana belagert wird.

Laut Jorge Albino, dem Vertreter des autonomen Bezirks, drangen in der Nacht zum 13. September rund 500 Bewaffnete der Organisationen Vereinigung für das Gemeinwohl der Region Triqui UBISORT (Unión de Bienestar Social de la Región Triqui) und Bewegung zur Vereinigung des Kampfes der Triqui MULT (Movimiento de Unificación de Lucha Triqui) nach einer zweistündigen Schießerei bis zum Gemeindesitz vor und konnten ihn einnehmen. Die beiden Organisationen stehen der Partei der Institutionellen Revolution PRI (Partido Revolucionario Institucional) nahe. Die wenigen Familien, je nach Quellen sollen es zwischen 20 und 50 sein, die nach der monatelangen Belagerung der Gemeinde noch zum Projekt des autonomen Bezirks halten, wurden aufgefordert, sich innerhalb von 24 Stunden zu ergeben, sonst würden sie niedergemetzelt. Drei Frauen wurden in den letzten Tagen durch Schüsse verletzt: María Rosa Francisco (35), María Rosa López (55) und Macaria Merino Martínez (85). Diese können nicht medizinisch versorgt werden.

Störfaktor Mahnwache
Erst zu Wochenbeginn hatte die Regierung von Oaxaca den im Exil mit einer Mahnwache demonstrierenden Triqui-Frauen versprochen, dass ein Krankenwagen nach San Juan Copala entsandt werde und dort Polizeipatrouillen stattfinden sollten. Doch diese Versprechen erwiesen sich, ebenso wie die Zusage, dass die hungernden Familien zehn Tonnen Mais geliefert bekämen, als Finte. Denn die kleine Gruppe von rund zwei Dutzend Indigenas hatte sich auf dem Hauptplatz in Oaxaca-Stadt dauerhaft installiert und war dadurch ein Störfaktor für die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag. Nach einer polizeilichen Räumungsdrohung und mit den ausgehandelten Versprechen hatten sich die Triqui darauf eingelassen, für die Dauer der Feiern auf einen alternativen Platz zu gehen.

Nicht viel besser erging es protestierenden Triqui auf dem Hauptplatz in Mexiko-Stadt: Die Stadtregierung der Partei der Demokratischen Revolution PRD (Partido de la Revolución Democrática) entsandte Polizisten, die den dortigen Protest während der Feierlichkeiten hermetisch abriegelten – stundenlang wurde niemand herein und niemand herausgelassen. Während also die MestizInnen ihre 200-jährige Unabhängigkeit von Spanien feiern, sind die Indigenen im Land immer noch in Repression und Armut gefangen.

„Es gibt nichts zu feiern“
„Es gibt nichts zu feiern, wir sind immer noch eine Kolonie“, fasste ein Demonstrant in Chilpancingo, Guerrero, diese Stimmung zusammen. In Guerreros Hauptstadt versuchte der Gouverneur Zeferino Torreblanca (PRD), die nächtliche Unabhängigkeitsfeier anzuführen. Doch kaum auf der Bühne, wurde er von einem Großteil des Publikums lautstark niedergeschrien. Nach erstem Zögern verkündete er dann doch die Worte des Priesters Hidalgo, mit denen der Kampf gegen die Spanier vor 200 Jahren begonnen hatte. Das anschließende Glockengeläut, Teil des Rituals, wurde dann aber wegen der allgemeinen Verwirrung über den Volkszorn vergessen.

Bauern-Aktivist Víctor Ayala Tapia entführt
Schon tagsüber hatten am 15. September 17 Organisationen gegen die Kriminalisierung des sozialen Protests im Bundesstaat Guerrero protestiert. Jüngstes Beispiel ist das Verhaften und Verschwindenlassen des Aktivisten Víctor Ayala Tapia am 14. September. Der Anführer der Bauernorganisation „Frente Libre Hermenegildo Galeana“ wurde nach längerer polizeilicher Überwachung seines Hauses just nach dem Abzug der Patrouillen von bewaffneten Männern in einen Wagen ohne Nummernschild gezerrt und gilt seither als verschwunden. Seine Ehefrau bekam in der Nacht nach der Tat ein Dutzend Drohanrufe der Entführer und am Morgen darauf Besuch von der Polizei, die sie zu der Aussage zwingen wollte, dass die Polizei nichts mit dem Verschwinden ihres Ehemannes zu tun habe.

Weitere Informationen:
* Radio-Interview mit Jorge Albino: http://www.chiapas.indymedia.org/article_176434
* Eilaktion des Kollektivs gegen Folter wg. des Verschwindenlassens von Víctor Ayala de Guerrero: http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2010/09/16/el-colectivo-contra-la-tortura-llama-a-una-accion-urgente-por-el-companero-victor-ayala-de-guerrero/

Falsche Berichterstattung über Venezuelas Wirtschaft

Mittwoch, 15. September 2010

Kommentar von Mark Weisbrot zur Desinformation betreffs Venezuela, deutsch auf amerika21.de: Falsche Berichterstattung über Venezuelas Wirtschaft

Kuba: „Heilige und würdige Arbeit“/ Fidel zur europäischen Jagd auf Roma

Wer sich für derartige Begriffe begeistern kann, kommt in der Erklärung der kubanischen Gewerkschaft CTC zur angekündigten Streichung einer halben Million staatlicher Arbeitsplätze und ihrem angeblichen Ersatz im Privatsektor voll auf seine/ihre Rechnung. Siehe dazu: »Das Prinzip der sozialistischen Verteilung wiederbeleben« auf http://womblog.de.

Wem das Herz bei solcher Begrifflichkeit nicht gleich überfliesst, bleibt nach der Lektüre des CTC-Statements etwas ratlos. Es wird genauere Angaben über die anvisierte „Transition“ (zu was?) und ihre Umsetzung brauchen, um eine Einschätzung haben zu können. Eine Sache ist unbestreitbar, wie Franco Weis in seinem Artikel über die „Reformen“ in Kuba im demnächst erscheinenden „Correos“ festhält, dass damit auch „umstrittene Massnahmen vom Ende der Sechzigerjahre rückgängig gemacht werden, als auch noch der letzte Coiffeursalon und die letzte Imbissbude sozialisiert wurden“. Und eine andere ist die Koppelung solcher Schritte an Produktivitätsdiktate, Unverdrossenheitsbekundungen und Lohndifferenzierung.
______
Zunehmend geraten Repressionsvorgänge in Europa ins Visier trikontinentaler Menschenrechtsgruppen. Kürzlich sprachen sich lateinamerikanische MenschenrechtlerInnen gegen die Verfolgung eines deutschen Anti-NATO-Aktivisten aus, dieser Tage brachte die mexikanische Zeitung La Jornada eine Serie über die Verfolgung von Roma und Sinti in Europa, gestern und heute. Fidel Castro hat dazu einen Text geschrieben, auf deutsch auf der Kuba-Soliseite http://www.cuba-si.ch: Die grenzenlose Scheinheiligkeit des Westens.

Honduras: Morden gegen Widerstand

Dienstag, 14. September 2010

(zas, 14.9.10) Am Freitag, den 10. September 2010, gab Gilberto Ríos vom Food International Action Network (FIAN) die Ermordung des 55-jährigen Francisco Miranda Ortega bekannt. Miranda, Mitglied der bäuerischen Bewegung MUCA in der umkämpften Region Bajo Aguán radelte an diesem Nachmittag in seine Kooperative La Aurora zurück, als ihn fünf oder sechs hinter Palmen versteckte Attentäter erschossen. Dieses Mal hatten AnwohnerInnen den Mord beobachtet. Der gleichen Vorgehensweise fielen am 17. August Manuel Mata Oliva (40), Sergio Magdiel Amaya (18) und Rodving Omar Villegas (15) zum Opfer (s. Honduras: Drastische Verschlechterung der Lage).

Der Infodienst der Volkswiderstandsfront FNRP fasste am gleichen Tag zusammen, dass seit Dezember 2009 12 Bäuerinnen und Bauern, darunter auch mehrere Kinder, umgebracht worden sind. Die meisten dieser Morde fanden in der Gegend des unteren Laufes des Aguán-Flusses statt, wo einige Grossgrundbesitzer um Putschmeister Miguel Facussé ihr Totalmonopol auf Ölpalmen (Agrosprit)  gegen die Kooperativen des MUCA durchzusetzen versuchen.

SITRAUNAH
Letzten August traf es die LehrerInnen: Ihre Demos wurden mit brutaler Gewalt angegriffen (s. den oben erwähnten Blog-Eintrag). Am 5. September waren die streikenden Angestellten der Nationaluni UNAH an der Reihe. Seit Ende April 2010 kämpfen sie, seit drei Monaten auch mit einem Hungerstreik, für die Wiedereinstellung von 124 aus politischen Gründen  Entlassenen. Die pro-putschistische Rektorin Julieta Castellanos, überdies noch Mitglied der offiziellen „Wahrheitskommission“ des Putschpräsidenten II, Porfirio Lobo, liess Spezialeinheiten der Polizei das Unigelände stürmen – in Lateinamerika mit seiner altehrwürdigen Tradition der universitären Autonomie mit ihrem strikten Verbot von polizeilichen oder militärischen Einsätzen auf dem Campus ein speziell verletzender Vorgang.  Im ganzen Uni-Gelände wurden GewerkschafterInnen der SITRAUNAH gejagt, 28 wurden verhaftet, alle ihrer 22 Führungsmitglieder sind zur Verhaftung ausgeschrieben, mehrere der Verhafteten sind – wegen eines Arbeitskonfliktes! – immer noch im Knast, SITRAUNAH-Präsident René Andino ist untergetaucht.

15. September des Widerstandes

Die Repression fand zwei Tage vor einem erfolgreichen, landesweiten Tag des zivilen Ungehorsams statt, den die LehrerInnengewerkschaften und der FNPR gemeinsam organisiert hatten. Dabei kam es zu Strassen- und Brückenblockaden, zu einer von José Baquedano vom Gewerkschaftsdachverband CUTH als Grosserfolg eingestuften Demo in Tegucigalpa, an der die Scheiben von zwei Hetz-Fernsehkanälen und des putschistischen staatlichen „Menschenrechts“-Büros in die Brüche gingen, und zu einer Reihe von anderen Protestaktionen. Bei den Forderungen ging es einerseits um die Anliegen der LehrerInnenorganisationen (Stopp dem Rentenklau, keine Privatisierung im Schulwesen) und  um Inhalte wie die Anhebung des Mindestlohnes, andererseits auch wie stets um die für den Widerstand zentrale Forderung nach einer Verfassungsgebenden Versammlung mit realer Volksbeteiligung.

Die Mobilisierung vom 7. September diente als Auftakt für einen „15. September des Widerstandes“. An diesem Tag feiern die zentralamerikanischen Länder die 1821 erreichte Unabhängigkeit von der spanischen Krone. Letztes Jahr verblasste die von den Putschisten organisierte Militärparade vor der massiven Strassenpräsenz mit Volksfestcharakter der Resistencia. Der Widerstand versucht, an diesen Erfolg anzuknüpfen, auch als eine weitere Etappe hin zum Ziel eines landesweiten Generalstreikes gegen das autoritäre Regime. Gerade wurde bekannt, dass der Erziehungsminister jenen drei Schulen, die am aktivsten an den offiziellen Militärparaden teilnehmen werden, über $ 20'000  plus eine Reihe von IT-Hardware und Blackberries schenken will.

IWF
Bei soviel demokratischem Eifer kann sich selbstverständlich auch der IWF nicht zurückhalten. Zwar hat die Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) trotz Kommando aus Washington und eifrigster Botengängerei insbesondere des salvadorianischen Präsidenten Mauricio Funes das Putschregime II in Tegucigalpa immer noch nicht als legitim anerkannt. Damit fehlt dem IWF eigentlich die selbstdeklarierte Voraussetzung für die Rückkehr zur Normalität, doch schliesslich geben Washington und Brüssel den Ton an. Also hat er gestern Montag, den 13. September 2010, mit Tegucigalpa ein Stand-by-Abkommen für $196 Mio. Budgethilfe abgeschlossen. Das IWF-Communiqué begründet den freudigen Akt mit so hehren Dingen wie „Wiederherstellung der makroökonomischen Stabilität … der Erneuerung des Investorenvertrauens … Strukturreformen zur Verbesserung der Effizienz im staatlichen Sektor … Kontrolle der öffentlichen Ausgaben einschliesslich der Löhne … Verbesserung der Fokussierung  der Sozialausgaben für die Armen“ (auf deutsch: ihre massive Kürzung) und andere Evergreens der neoliberalen Attacke,

US-Truppen im Einsatz
Und wo Gottes ökonomische Stimme der Vernunft spricht, handelt auch sein bewaffneter Arm. In einem Interview von Mario Casasús sagt Bertha Cáceres, Leiterin der Indígenaorganisation COPINH, vor wenigen Tagen: „Wir haben angeprangert, dass es im ganzen Land eine Militarisierung gibt, und zwar nicht nur von Seiten der honduranischen Armee und Polizei, sondern auch der US-Truppen, die ihre gemeinsamen Manövern zusammen mit kolumbianischen Truppen auf den Islas de la Bahía (in der Karibik) durchziehen. Sie wollen eine Akzeptanz für den Militarismus ähnlich wie in Kolumbien erzielen. Wir sind in den indigenen Comunidades Opfer der Nachstellungen der US-Truppen von [der US-Militärbase] Palmerola gewesen, [aber] so etwas haben wir noch nicht gesehen, dass US-Truppen kommen, um unsere Büros zu kontrollieren! Wir haben Staatsterrorismus, sie haben unsere compañeros von COPINH umgebracht, andere halten sie gefangen, sie haben uns Dokumente beschlagnahmt, haben uns geschlagen, vertrieben und unterdrückt. Auf all das lautet die würdige Antwort der indigenen Völker: mehr Widerstand, mehr Organisation, mehr Organisation und mehr Vorschläge“.

Erfolgreiche Unterschriftensammlung
Vorgestern Sonntag, den 12. September, gab der FNPR ein stolzes Resultat bekannt: Just vor dem Widerstandstag vom 15. September hat er das hoch gesteckte Ziel von über 1.25 Millionen Unterschriften unter eine Petition für die Abhaltung einer Verfassungsgebenden Versammlung und die Rückkehr von Ex-Präsident Mel Zelaya und den anderen ausser Landes Getriebenen erreichen können. Unter den Bedingungen der systematischen Repression und Einschüchterung und bei einer Gesamtbevölkerung von weniger als 8 Millionen eine beeindruckende Zahl.
Und, hast du schon unterschrieben?

El Salvador: Das Recht auf Vergiften

Sonntag, 12. September 2010

(zas, 12.9.10) Im Correos sind wir hin und wieder auf die sogenannten internationalen "Investoren-Staats-Tribunale" eingegangen, eine wichtige rechtliche Komponente des globalen Diktaturregimes der Multis. Ebenso haben wir zum Widerstand in El Salvador gegen ein kanadisches Minenproekt berichtet (El Salvador: Wieder Morde an UmweltkämpferInnen).
Im Juli 2010 hat das US-Portal "The Progressive" einen Artikel zum kanadischen Minenunternehmen Pacific Rim gebracht, das die Regierung von El Salvador mittlerweilen vor dem Investorengericht der Weltbank (ICSID, International Center for the Settlement of Investment related Disputes, spanisch: CIADI) für $77 Mio. eingeklagt hat, weil es nicht wie erhofft das Grundwasser und die BewohnerInnen im Department Cabañas und darüber hinaus vergiften darf. Eine andere kanadische Minengesellschaft hat ein weiteres Verfahren gegen das Land angestrengt.

Der Progressive-Artikel ist auf deutsch auf der Seite des österreichischen El Salvador-Solikomitees zu lesen:
"Ist der Freihandel eine Goldmine?"

Hintergrundinfos zur globalen Diktaturjustiz der Multis bieter immer noch das Papier
"NAFTA'S Threat to Sovereignty and Democracy: The Record of NAFTA Chapter 11 Investor State Cases 1004-2005"

von Mari Bottani und Lori Wallach, 2005 für die US-NGO "Public Citizen" verfasst.
In Correos 144 (Dezember 2005) haben wir die wesentlichen Punkte des Papiers zusammengefasst:
"Diktatur der Multis"
(für gute Lesbarkeit auf das +-Zoom-Zeichen klicken).

Fidel Castro: "Beendet die Diffamierung von Juden"

8. Sep 2010

Revolutionsführer warnt Iran vor den Konsequenzen antisemitischer Ideologie

Von Malte Daniljuk
Havanna. Der ehemalige Präsident von Kuba, Fidel Castro, fordert den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad auf, die Diffamierung der Juden zu beenden. In einem Interview in der amerikanischen Zeitschrift The Atlantic warnte Castro, dass die iranische Regierung die Konsequenzen antisemitischer Ideologie bedenken müsse.
"Ich glaube nicht, dass irgend jemand mehr beschimpft wurde als die Juden. Ich würde sagen, viel mehr als die Muslime" so der ehemalige kubanische Staatschef in dem Interview mit dem Journalisten Jeffrey Goldberg. Der Iran müsse "verstehen, dass die Juden von ihrem Land vertrieben wurden, verfolgt und misshandelt auf der ganzen Welt." An dem Existenzrecht Israels könne es nicht den geringsten Zweifel geben.
Das Interview, das unmittelbar vor dem heutigen jüdischen Neujahrsfest Rosch Haschana veröffentlicht wurde, ist das erste aus einer Folge, die in den nächsten Wochen veröffentlicht werden soll. Goldberg hatte in Havana ein fünf stündiges Gespräch mit dem 84 jährigen Fidel Castro geführt.
Castro verwies darin auf die zweitausend Jahre, in denen Juden schrecklichen Verfolgungen und Pogromen ausgesetzt waren. "Man hätte denken müssen, sie würden untergehen, aber ihre Kultur und Religion hielten sie als Nation zusammen." Seiner Ansicht nach ist das Schicksal der jüdischen Bevölkerung härter gewesen, als das jedes anderen Volkes: "Es gibt nichts, was mit dem Holocaust verglichen werden kann", sagte er.
Ausdrücklich erklärte der Revolutionsführer, dass er dies dem iranischen Präsidenten auch persönlich sagen würde. Castro betonte, er verstehe die Angst des Iran vor einem Angriff von Seiten Israels und der Vereinigten Staaten. In dem Gespräch ließ Castro auch dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu eine klare Botschaft zukommen: "Israel wird nur dann Sicherheit erlangen, wenn es auf seine Atomwaffen verzichtet."

Lateinamerika: Linke Kräfte koordinieren sich

Samstag, 28. August 2010

25. Aug 2010 | Amerikas | Europa | Politik

Nach Foro von São Paulo: Progressive Parteien und Organisationen wollen Arbeit abstimmen. Vereinbarung mit europäischen Teilnehmern geschlossen

DruckversionEinem Freund senden
Forum von Sao Paulo
Buenos Aires. Linke Parteien und Organisationen aus Lateinamerika, der Karibik, Europa und Asien wollen ihre Zusammenarbeit verbessern. Das ist das Ergebnis des 16. Forums von São Paulo, das vor wenigen Tagen in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires zu Ende ging. An dem Treffen nahmen nach Angaben regionaler Medien 600 Delegierte von 55 Parteien aus 33 Staaten teil. Neben der inzwischen im Internet veröffentlichten Abschlusserklärung unterzeichneten die lateinamerikanischen und karibischen Teilnehmer auch ein Abkommen mit der Linksfraktion im Europaparlament, GUE/NGL.
Im Zentrum der Debatten stand die fortschreitende Militarisierung des lateinamerikanischen und karibischen Raumes durch die USA. Ausdrücklich protestierten die Teilnehmer der Konferenz gegen die Einrichtung von sieben US-Militärbasen in Kolumbien. Auch die Präsenz von US-amerikanischen Truppen in Costa Rica und anderen Teilen der Region wurde kritisch bewertet. Man werde sich weiter dafür einsetzen, dass Lateinamerika eine "Region des Friedens" bleibe, heißt es in der Abschlusserklärung.
Zu den mittelfristigen Zielen gehören zudem: der Ausbau der Zusammenarbeit zwischen progressiven Kräften, der Widerstand gegen eine Gegenoffensive rechter Akteure, die Vertiefung des gesellschaftlichen Wandels in den links regierten Staaten, die Unterstützung linker Oppositionsparteien, die Vertiefung der regionalen Integration. Allgemein stellten die Teilnehmer eine "Gegenoffensiver der Rechten und der Oligarchie" gegen den Linksruck der vergangenen Jahre fest. Die Mitglieder des Forums von São Paulo befürworteten vor diesem Hintergrund die Etablierung von Strukturen wie dem Südamerikanischen Verteidigungsrat.
Solidarisch zeigten sich die teilnehmenden Parteien und Organisationen mit dem letzten demokratisch gewählten Staatschef von Honduras, Manuel Zelaya, der an dem Gipfel teilnahm. Zelaya war Ende Juni 2009 Opfer eines Staatsstreiches geworden. Der Widerstand gegen die amtierende De-facto-Regierung in dem mittelamerikanischen Land soll weiter unterstützt werden, hieß es in Buenos Aires.
Mit Vertretern der europäischen Linken wurde eine gesonderte Vereinbarung unterzeichnet. Demnach sollen Arbeitskämpfe und Widerstand gegen die in beiden Regionen herrschende neoliberale Politik koordiniert werden. Einen ersten Anlass dafür biete der EU-weite Aktionstag gegen as "Krisenpaket" Brüssels am 29. September dieses Jahres.
Mehr über: Amerikas | Europa | Politik

Honduras: Drastische Verschlechterung der Lage

Montag, 23. August 2010

(zas, 23.8.10)  Die Situation in Honduras verschärft sich, selbst im Verhältnis zur ersten Phase der Putschdiktatur unter Micheletti (28. Juni 2009 bis 27. Januar 2010) und sowieso im Gegensatz zur Mainstreamdarstellung. Sofern da überhaupt noch etwas zum Land kommt … Mittlerweilen wird auch der gesellschaftspolitische Grund für den Putsch immer deutlicher: die brutale Zurichtung von Honduras für das transnationale Kapital und die nationale Oligarchie, was die Liquidierung der unter Präsident Mel Zelaya in Gang gesetzten Reformdynamik zur Bedingung hatte. Harte Sozialkämpfe und eine verschärfte selektive Repression beleuchten die Bruchlinien. Im Zentrum stehen einerseits die Kämpfe im Erziehungswesen und der BäuerInnen für das Recht auf Land. Parallel wird die Lage der Menschenrechte noch schlimmer als unter Micheletti.

Vom LehrerInnenkampf zum Generalstreik?
In seinem Artikel „Los maestros siguen en pie de lucha“ vom 17. August geht Giorgio Trucchi, Korrespondent von Rel-Uita (Lateinamerikasektion der IUL, der internationalen Gewerkschaft der Lebensmittel-, Landwirtschafts- und HotelarbeitnehmerInnen), auf einige Hintergründe des riesigen Arbeitskonfliktes ein:
„Zwei Wochen der Arbeitsniederlegung, der permanenten Mobilisierung auf den Strassen der Hauptstadt und der friedlichen Besetzung des INPREMA (Renteninstitut der LehrerInnen) haben an der unnachgiebigen Haltung der Regierung nichts verändert. Laut Edgardo Casaña, Präsident der LehrerInnengewerkschaft COPRUMH, ist während des Putsches ein Gutteil der INPREMA-Fonds verschwunden. ‚Wir haben das Verschwinden der vom Lohn der Lehrerinnen und Lehrer abgezogenen Gelder denunziert. Auch die Regierungsbeiträge sind verschwunden. Während des Putsches haben sie diese Mittel eingezogen und umgeleitet, um beispielsweise die Repressionskräfte, den De-facto-Staatsapparat und die putschnahen Gruppen zu finanzieren’. Der Betrag ist beeindruckend. Mehr als 4 Mrd. Lempiras ($220 Mio.) haben sich während des Regimes von Roberto Micheletti und in den letzten Monaten in Luft aufgelöst.“

„’Wir protestieren auch dagegen, dass der Kongress ein Erziehungsgesetz vorantreibt, das die Aufsicht des Staates über das Erziehungswesen eliminiert, indem es diese Funktion den Gemeinden überträgt. Dies ist absurd’, sagte der Gewerkschafter, ‚denn die Gemeinden erhalten nur 5 Prozent des Staatshaushaltes und haben keine Möglichkeit, die Verantwortung für das Erziehungssystem zu übernehmen’.“
Am Mittwoch, den 18. August, gab es landesweit gemeinsame Grossmobilisierungen der LehrerInnen und der Nationalen Volkswiderstandsfront FNPR. Als Antwort ist es zu brutalen Einsätzen der Repressionskräfte gekommen, vgl. dazu die Berichte von Dina Meza, Mitarbeiterin der Menschenrechtsorganisation COFADEH, auf Defensores en Linea. Gezielt wurden dabei LehrerInnen, die zuvor von eingeschleusten Militärs als AktivistInnen identifiziert wurden, verhaftet, misshandelt und teilweise beinahe umgebracht.

Tegucigalpa, 18.8.10: Gefangene Lehrer. Quelle: Defensores en Línea.


 Choloma, 18.8.10: Kollegen tragen den halb ohnmächtigen Lehrer Ruy Díaz ins Auto. Díaz, ein bekannter Wiederstandsaktivist, war zuvor bei der Auflösung einer Brückenbesetzung von der Polizei verhaftet, abtransportiert, schwer misshandelt und, nachdem Aussenstehende seines Haftortes gewahr wurden, zurück transportiert worden. Quelle: Defensores en Línea.

Am letzten Freitag, den 20. August 2010, gaben die drei Gewerkschaftsföderationen und der FNRP die Bildung eines gemeinsamen Komitees für die Organisierung eines Generalstreikes bekannt. Dies ist bemerkenswert. Während die CUTH als weitaus grösster Dachverband links positioniert ist und sich von Anfang in der Widerstandsfront engagiert hat, sind die anderen beiden Verbände, insbesondere die christdemokratische, bisher eher mit Passivität oder gleich mit Putschsympathien aufgefallen.

Planelemente

Dieser Kampf der LehrerInnen steht zusammen mit den Landauseinandersetzungen im Bajo Aguán und anderswo (s.u.) an der Spitze der gesellschaftlichen Konfrontationen. Daneben gibt es weitere wichtige Kämpfe wie etwa jene der Gewerkschaft Sitraunah, der ArbeiterInnen an der zentralen Universität von Honduras. AktivistInnen befinden sich seit über drei Monaten im Hungerstreik gegen Entlassungen von 124 KollegInnen und die Abschaffung des Gesamtarbeitsvertrages, welche von den pro-putschistischen Rektorin Julieta Castellanos betrieben werden. Die Frau ist Mitglied der „überparteilichen Wahrheitskommission“ von Putschwahlengewinner Pepe Lobo, welche die „guten Absichten“ seiner Regierung verdeutlichen und damit die internationale „Normalisierung“ legitimieren soll. 

Gemeinsamer Hintergrund all dieser Kämpfe ist eine mit dem Putsch entfesselte Offensive von oben.  Ein anfangs Juli 2010 in einer einzigen Nachtsitzung des Parlaments durch gewinkter „Plan de Nación“ sieht etwa die schrittweise Privatisierung aller dezentralisierter Wassersysteme im Land bis ins Jahr 2022 vor. Dieser „Plan für die Nation“ entspricht den Vorgaben der durch IWF und Weltbank repräsentierten internationalen „Gebergemeinschaft“.  Ein Gesetzesvorschlag für Public Private Partnerships (PPP) dient nach Analyse des FNRP der Privatisierung des Service public. Gleichzeitig soll ein Dekret die Arbeitsgesetzgebung mit ihren Sozialleistungen und Mindeststandards aushebeln, indem Stundenarbeits- und Halbtagesverträge eingeführt werden sollen. (Auch in El Salvador betreiben Staatspräsident Mauricio Funes und sein rechtes Wirtschaftskabinett die Durchsetzung von PPPs im Rahmen weiterer, vom IWF angepeilter Privatisierungen. Ein von der Maquilaindustrie „vorgeschlagenes“ Arbeitsdekret ist am Widerstand der Arbeitsministerin Vicky de Avilés vom FMLN gescheitert. Es sah statt einer Arbeitswoche von 40 Stunden eine solche von 36 Stunden vor, verteilt auf nur noch 3 Tage! Das Ergebnis wäre gewesen: völlig kaputte ArbeiterInnen, Abschaffung von Sozialleistungen, Überstundenregelungen und anderem).  Dies vor dem Hintergrund, dass laut offiziellen Angaben letztes Jahr 180'000, unter Lobo (seit Februar 2010) weitere 50'000 Arbeitsplätze verloren gegangen sind.

Brutale Morde im Bajo Aguán

Am 18. August schrieb Giorgio Trucchi für Rel-Uita folgenden Artikel („Brutal asesinato a miembros del MUCA”)

 „Trotz der zwischen dem Movimiento Unificado Campesino del Aguán (MUCA) und der Regierung unterzeichneten Abkommen reist die Gewaltserie im Bajo Aguán nicht ab. Die mit Afrikanischer Ölpalme bebauten Ländereien sind erneut mit bäuerlichem Blut getränkt worden. Gestern Dienstag, 17. August 2010, wurden drei Mitglieder des MUCA im Alter von 40, 18 und 14 Jahren brutal ermordet. Victor Manuel Mata, Sergio Magdiel Amaya und Rodving Omar Villegas von der Comunidad San Esteban waren mit dem Wagen unterwegs in die Comunidad Paso Aguán (Tocoa, Colón), als sie von Unbekannten mit schwerkalibrigen Waffen durchsiebt wurden.“

’Zwei unserer Compañeros starben sofort’, wie Juan Chinchilla, Leitungsmitglied des MUCA und Mitglied im Exekutivkomitee der Nationalen Volkswiderstandsfront FNPR bewegt sagte, ‚der Dritte im Spital. Es hat sich um Mitglieder des MUCA gehandelt, ihre Grundstücke waren im Abkommen mit der Regierung inbegriffen. Im ganzen Bajo Aguán leben wir in einem angespannten Klima. In den Tagen vor diesem neuen Anschlag haben wir Bewegungen von Truppen und Polizeieinheiten festgestellt'.

„Das MUCA berichtet von 10 ermordeten Mitgliedern als Folge der letztes Jahr von den Repressionskräften und dem Sicherheitspersonal des Grossgrundbesitzers und Ölpalmenproduzenten Miguel Facussé Barjum begonnenen brutalen Repression. ‚Dieser neue Akt der Gewalt gegen unsere Organisation zeigt den fehlenden Willen von Miguel Facussé, den Konflikt im Bajo Aguán zu lösen’, sagt Chinchilla. ‚Wir wollen das mit der Regierung unterzeichnete Abkommen umsetzen, aber die Bedingungen dafür werden von Tag zu Tag schlechter’.“

„Am Mai 2010 hatte das Nationale Agrarinstitut INA dem MUCA die ersten 3000 ha von den im Vertrag mit der Regierung vorgesehenen 11'000 ha Land übergeben. Mehr als 2500 Familien siedelten sich in sechs Fincas an. Mehrere Bauern wurden in den letzten Wochen verhaftet und mehr als 200 Anklagen gegen Mitglieder der Bauernorganisationen sind vor Gericht hängig. Am letzten 28. Juli wurde der Rechtsanwalt des Widerstandes und Verteidiger des MUCA im Department Colón, Mario Portillo, widerrechtlich verhaftet.“

Das Land denen, die es bebauen!

Der Konflikt im Bajo Aguán, der etwa 600 km nordöstlich von Tegucigalpa gelegenen Region, steht im Zeichen der Konfrontation zweier gegensätzlicher Visionen oder Pläne. Facussé & Co. wollen fast ganz Honduras zur Anbauzone von Afrikanischen Ölpalmen machen (u.a. für die Agrospritgewinnung). Facussé, einer der entscheidenden Putschdrahtzieher, ist auch ein Businesspartner des WWF (s. Honduras/WWF: Komplizenschaften oder „Rettet die Pandabären“). Auf der anderen Seite haben in der gleichen Region die Kooperativen des MUCA, zuletzt mit Unterstützung der Regierung Zelaya, angefangen, ihren gesetzlichen Anspruch auf Land durchzusetzen und dabei eine Produktion zu entwickeln, die zumindest auch den Anbau von Grundnahrungsmitteln für hungrige Mäuler, nicht für leere Autotanks, beinhaltet (s. unsere Berichterstattung zum Bajo Aguán).  Seit dem Putsch sind sie immer mehr im Visier der Repression. So berichteten verschiedene Nachrichtenagenturen am 19. Juli 2010, dass laut Polizeiangaben ungefähr 20 Bauern in ein Ölpalmengrundstück eingedrungen seien und auf das anwesende Sicherheitspersonal geschossen haben, welches in Notwehr drei der Campesinos erschiessen musste (bei angeblich drei verletzten Sicherheitswachen).

Facussé wütet nicht nur im Bajo Aguán. Ein anderer Kristallisationspunkt seiner Aggression ist Zacate Grande im westlichen Departement Choluteca am Golf von Fonseca. Hier liess der Agrarkapitalist, wie gestern berichtet wurde, eine Gruppe von Leuten auf Kooperativmitglieder los, deren Familien schon seit über hundert Jahren das Land bebauen, was Facussé aber nicht daran hindert, es als sein eigenes zu bezeichnen. Die Angreifer gingen mit Steinen und Werkzeugen auf ihre Opfer los, von denen drei schon hospitalisiert sind. Ihr Motiv: Facussé hat ihnen den Bau einer Schule für ihre Kinder versprochen und erreicht, dass zum ersten Mal in langjährigen Landkonflikt Blut geflossen ist.

Natürlich gibt es nicht nur Facussé. Am 27. Juli 2010 berichtete der Infodienst des Widerstandes, die Red Morazánica de Información, 300 bis 400 Mitglieder des Sicherheitsapparates der Standard Fruit Company (Teil des US-Multis Dole) sowie mehrere Scharfschützen hätten sich in der Zone von Las Isletas, nahe des Bajo Aguán im Atlantikdepartement Colón, aufgestellt, um ungefähr 200 Familien der bäuerischen Kooperativunternehmung EACI daran zu hindern, ihr widerrechtlich von der Standard Fruit angeeignetes Land zurückzuholen. In diesem Fall kam es noch nicht zu Toten – aktuell soll gerade eine Vermittlungskommission der Regierung eingesetzt werden. Wie „fragil“ aber die Landsituation insgesamt ist, zeigt eine kleine Passage in einem Communiqué der Widerstandsfront vom 13. August 2010. Bezugnehmend auf die brutalen Repressionsumstände vor einem Jahr in der Gegend der Städte Comayagua und Siguatepeque im Zentrum des Landes betont der Frente, dass sich an dieser Situation nichts geändert habe, „wie der Mord an der Bauernführerin María Teresa Flores nahe von Siguatepeque zeigt, der zwischen dem 7. und dem 11. August statt fand. Ihr Körper wurde fünf Tage nach ihrem Verschwinden mit Spuren von Folter und Schüssen gefunden“.

Sicherheitspersonal der Standard Fruit. Quelle: La Prensa, 6.7.10

Der Herr des Landes
Die Red Morazánica de Información zitierte am 15. August Berta Oliva, die Koordinatorin der Menschenrechtsorganisation Cofadeh, mit diesen Worten: „Wir können nicht sagen,  dass die Menschenrechtsverletzungen zurückgehen. Es muss klar sein, dass in sechs Monaten des Regimes von Porfirio Lobo die Menschenrechtsverletzungen jene der sieben Monate des Militärputsches um 45 Prozent übertreffen“. Die Menschenrechtsverletzungen sind, so Berta Oliva, nicht nur „systematisch und selektiv“, sondern auch "lautlos".

Die gleiche Menschenrechtsverteidigerin erklärte letzten Freitag in Radio del Sur, einer Vernetzung von Radiosendern vor allem aus ALBA-Ländern, dass am Vortage in der Industriestadt San Pedro Sula mehr als hundert Leichen Unbekannter in einem Gemeinschaftsgrab beerdigt worden seien. Sie erklärt das als Ausdruck des Zusammenspiels von politischer Repression mit organisierter Kriminalität. (Während der Textbericht des Radio del Sur ungenau von einer „Entdeckung“ eines Massengrabes spricht, ergibt sich der reale Sachverhalt aus dem beigefügten Audioausschnitt aus dem Interview mit Berta Oliva.) Auch zu Facussé hat die Frau etwas zu sagen:
„Im Bajo Aguán gibt es nur einen Herrn, der sich dank politischer Vetternwirtschaft und wirtschaftlicher Macht auch die Hälfte des Landes angeeignet hat. Er klagt an, räumt und eignet sich an. Ihm dient eine Armee, die zahlenmässig grösser ist als die Polizei. Diese Leute sind bewaffnet haben die Lizenz zum Töten“.

Kolumbien: Bulle gesteht, „FARC-Beweise“ manipuliert zu haben

Donnerstag, 12. August 2010

(12.8.10) Die „Beweise“ für die massive Truppenpräsenz von FARC-Guerillas auf venezolanischem Boden hat der am Wochenende abgetretene kolumbianische Präsident Álvaro Uribe laut Medienberichten grossenteils aus Google und natürlich erbeuteten Computern von FARC-Kadern. Berüchtigt ist diesbezüglich vor allem „der Computer von Raúl Reyes“, dem FARC-Führungsmitglied, das zusammen mit einer Reihe von Guerillas und BesucherInnen im März 2008 bei einem Angriff der kolumbianischen Armee und mutmasslich von US-Bombenfliegern auf ein FARC-Camp in Ecuador umgekommen ist. Noch Ende letzte Woche musste dieser Computer für eine weitere Anschuldigung herhalten. Dieses Mal stützte sich die chilenische Polizei auf die von den kolumbianischen Behörden gelieferten Computer-„Unterlagen“, um zu behaupten, die widerständigen Mapuche-Comunidades hingen mit der FARC zusammen.

Die „Beweise“ aus dem Computer sind unerschöpflich. Von kolumbianischen Flüchtlingsorganisationen und solidarischen Gruppen in Europa über praktisch die ganze Linke im amerikanischen Südkontinent bis zu kolumbianischen Menschenrechtsorganisationen konnte so schon alles der FARC-Mittäterschaft „überführt“ werden. In Wirklichkeit stand schon sehr früh fest, dass es sich dabei um gezielte Propaganda handelt, die nicht dadurch besser wurde, dass Washingtons Mann an der Spitze von Interpol wider besseres Wissen die Lügen mit beweihräucherte (s. Correos 154, August 2008). Die Tausenden von FARC-E-Mails etwa, angeblich von Raúl Reyes gewissenhaft abgespeichert, die auch in den hiesigen Medien fröhlich als „Beweise“ zitiert wurden (und werden), gibt es schlicht nicht. Das hatte Capitán Ronald Coy von der Antiterrorabteilung der kolumbianischen Kripo (DIJIN) vor Gericht unter Eid ausgesagt (s. Correos 156, Dezember 2008).

Nun enthüllte der gleiche Spezialist vor Gericht, dass seine Einheit Files aus dem „Computer von Raúl Reyes“ manipuliert habe. Coy wurde als Zeuge im Verfahren gegen Liliana Obando befragt,  eine Genossin der Landgewerkschaftsunion FENSUAGRO, die seit August 2008 aufgrund von „Angaben“ im besagten Computer wegen FARC-Mitgliedschaft sitzt.

Ein Auszug aus dem Bericht „Un policía confiesa que manipuló los ordenadores de Raúl Reyes antes de entregarlos a la Fiscalía“ der spanischen Nachrichtenagentur Europa Press vom 5. August 2010:

Auf die Frage der Staatsanwaltschaft, ob „er die Information geöffnet und manipuliert habe, bevor sie unter Kontrolle der zuständigen Instanzen kam, ohne dass dafür damals eine legale Bewilligung dafür vorgelegen sei“, antwortete er: „Sí, Señor“. Der Verteidiger Eduardo Matías erklärte später dem Nachrichtendienst CM&, dass mit dem Geständnis von Coy die Anschuldigungen gegen Liliana Obando jegliche rechtliche Grundlage verloren haben.

Natürlich wird auch dieses Detail im Bewusstsein „unserer“ demokratiebesessenen LateinamerikakorrespondentInnen des Mainstreams nicht die geringste Spur hinterlassen. Sie werden sich bei nächster Gelegenheit wieder aus den gleichen Quellen aufmunitionieren lassen.

Kolumbien: „Die meisten Vertriebenen gab es unter der Regierung Uribe“

(12.8.10) Aus einem Interview mit Jorge Rojas. Leiter der NGO Consultoría para Derechos Humanos y Desplazados (CODHES, Beratungsstelle für Menschenrechte und Vertriebene), veröffentlicht am 8. August 2010 in der spanischen Zeitung Público ("El Gobierno Uribe es el que más personas ha desplazado").

Isabel Coello

Jorge Rojas (Quelle: Público).

Was halten sie von der Politik der demokratischen Sicherheit?
Wir fragen uns, wo die demokratische Sicherheit für die in den Uribe-Jahren, offiziellen Angaben zufolge, 2.4 Mio. Vertriebene blieb. Wir haben Sicherheit, für die Grossgrundbesitzer, die Industriellen, Bankers und ausländischen Investoren. Aber die, die ihre Heime wegen der Aktionen der Guerilla, der Paramilitärs und auch der Ordnungskräfte haben verlassen müssen, können das nicht von sich sagen.

Ist das Problem der Vertreibungen unter Uribe schlimmer oder besser geworden?
Nach den Regierungsangaben von Acción Social gibt es in Kolumbien 3.4 Mio. Vertriebene, 2.4 Mio., davon unter Uribe. Nimmt man statt der offiziellen unsere Zahlen, also die von CODHES und der Kirche, hat es in den 25 Jahren von 1985-2009 unter sechs Regierungen 4.9 Mio. Vertriebene gegeben. Mehr als die Hälfte davon unter Uribe. Die meisten Vertriebenen gab es also unter der Regierung Uribe. Ob man nun die offiziellen oder unsere Zahlen nimmt.

Wo kommt es zu Vertreibungen?
Uns besorgt, dass die Wirtschaft von den Unternehmen in den Bereichen Minen und Energieressourcen angetrieben wird und dass die Landkarte der Vertreibungen mit diesen grossen makroökonomischen Projekten übereinstimmt. Unternehmen bereichern sich mitten in einem Konflikt. Ich sage nicht, dass die Unternehmen in die Vertreibungen oder die Gewalt verwickelt seien, aber sie müssen wissen, dass ihre Operationen in Konfliktgebieten in einem Medium der Gewalt, der Entwurzelungen und der Aggressionen gegen die Zivilbevölkerung laufen.

Dutzende von AnführerInnen des Kampfes für die Landrückgabe wurden ermordet. Was vermittelt dies?
Dass es eine Intention der neuen paramilitärischen Gruppen gibt, den Landraub abzusichern und ein an die Intensivproduktion von Palmöl und anderen Erzeugnissen für die Herstellung von Agrotreibstoffen gekoppeltes ländliches Entwicklungsmodell durchzusetzen. […]

Wie steht es mit der Übergabe von Brachland an die Bauern, zu der die Regierung von Gesetzes wegen verpflichtet ist? Wie viel ist übergeben worden?
Die Mafias lassen es nicht zu, dass arme Bauern gutes Land erhalten. Der Staat versucht es. Ein Beispiel: eine Gruppe von Bauern erhielt vom Präsident selber Landtitel. Einem von ihnen sagte er: „Gehen Sie und geniessen sie es!“. Der Mann wollte gehen und sie brachten ihn um, danach einen weiteren, danach räumten sie die ganze Siedlung. Die Regierung hat von den Mafias 2 Mio. Hektaren beschlagnahmt, doch nur zwischen 48'000 und 70'000 Hektaren an die Bauern verteilt. Lächerlich. Wir haben eine in den Institutionen eingenistete Mafia, die jede Landrückgabe oder –verteilung verhindert. Die neuen paramilitärischen Gruppen sind hier, um das zu verhindern.

Entstanden diese Gruppen nicht in Opposition zur Guerilla?

Die paramilitärische Erfahrung der 90er Jahre wird als grosse Strategie zur Guerillabekämpfung dargestellt. Aber es gab wenig Kämpfe zwischen Paramilitärs und Guerillas, aber viele Massaker an der Zivilbevölkerung. Was die Paras machten, ist das Modell der School of the Americas [US-Militärschule für Lateinamerika]. Dem Fisch das Wasser abgraben,  desartikulieren, Terror ausüben, Tausende von Zivilpersonen unter der Anschuldigung, soziale Basis der Guerilla zu sein, ermorden, massakrieren, verschwinden lassen. Das hat sich nicht geändert. Erfolgten diese Massaker in den 90er Jahren, um die Kontrolle über die politische Institutionalität zu erlangen (was sie geschafft haben), so wollen die neuen paramilitärischen Gruppen den Raub absichern und die Kontrolle über Güter und Land ausüben.

Kolumbien: Geheimdfriedhöfe der "Demokratie"

(12.8.10) In Kolumbien kommt es aufgrund von Geständnissen von Paramilitärs immer wieder zur Entdeckung geheimer Massengräber, wo die Paras und die Armee die Leichen ihrer Opfer verscharrten. Das bislang grösste solche Massengrab wurde in La Macarena gefunden. Hier liegen vermutlich an die 2000 Leichen im Erdboden. Die bisherigen Untersuchungen haben nach Aussagen kolumbianischer Exilierter in der Schweiz ergeben, dass niemand der dort „Beerdigten“ vor 2008 ermordet worden war. Man stelle dies der damals üblichen Jubelpraxis der hiesigen Medien über die „demokratischen Reformen“ in Kolumbien gegenüber. Und der Ratifizierung des Freihandelsabkommens mit dem kolumbianischen Mordregime durch National- und Ständerat letztes Jahr.

Die italienische Nachrichtenagentur ANSA veröffentlichte am 5. August 2010 ein Gespräch mit dem Jesuiten Javier Giraldo zu dieser grauenhaften Realität (PEDIDO DE AYUDA INTERNACIONAL PARA IDENTIFICAR CADAVERES).

Bitte um internationale Hilfe bei der Identifizierung der Leichen

Alicia Rinaldi

Buenos Aires. Der Jesuit Javier Giraldo bat die internationale Gemeinschaft vor allem in Lateinamerika um Hilfe bei der Identifizierung tausender namenloser Leichen von La Macarena, denn in Kolumbien „will man alles verheimlichen“. Er sagte, der frisch gewählte Präsident Juan Manuel Santos punkto Menschenrechtsverletzungen „hat keine saubere Weste“. Giraldo leitet die Datenbank zu Menschenrechten und politischer Gewalt des vom Jesuitenorden gegründeten Centro de Investigación y Educaución Popular (CINEP).

Im Telefongespräch mit ANSA vom Dorf Granada im Departement Meta aus äusserte sich Giraldo über die „humanitäre Krise“. Es existieren tausende von Anzeigen wegen „falsos positivos“, also von den Militärs ermordete Zivilpersonen, die danach als „im Kampf gefallene Guerilleros“ präsentiert werden, für die sie eine Belohnung erhalten.

In La Macarena wohnte Giraldo am 22. Juli zusammen mit oppositionellen Abgeordneten und europäischen und US-amerikanischen ParlamentarierInnen einer öffentlichen Anhörung, wo Bauern Zeugnis ablegten und für ihre ermordeten und in Geheimfriedhöfen beerdigten Angehörigen Gerechtigkeit verlangten. […]

Giraldo kritisierte das „sehr manifeste Interesse von Staatsfunktionären an einer Verheimlichung der Realität“ inklusive einer „Manipulation“, welche ihm zufolge die Staatsanwaltschaft bei der Anzahl der als „NN“ [Namen unbekannt] Beerdigten begeht. Diese waldige Bauerngegend war während der Verhandlungen mit der Regierung einst eine FARC-Bastion gewesen. Hier verübte der Staat „sehr viele Fälle  von Hinrichtungen, Verschwindenlassen, Folter und Vertreibungen“. […]

Er äusserte sich besorgt Schäden, welche die Beweise für die Opfer beeinträchtigen können, da „der Boden sauer ist und so binnen weniger Zeit die DNA zersetzen kann. Zudem wurden Normen verletzt etwa betreffs Fingerabdrücken oder Fotos“. Er beklagte das „schwache Echo“ der öffentlichen Anhörung vom 22. Juli in den Medien seines Landes und verwies darauf, dass „die Medienpolitik auf das Verschweigen und Verheimlichen von all dem“ ausgerichtet ist.

Für Giraldo ist es unerlässlich, dass „die internationale Gemeinschaft eine Begleit- und Überwachungskommission für den ganzen Prozess der Exhumierungen ernennt, genau so wie die kolumbianische Zivilgesellschaft“. Der Priester hofft insbesondere auf die Beteiligung der forensischen Anthropologen aus Argentinien, die er über die Mütter und Grossmütter der Plaza de Mayo kennen gelernt hat.

Die Gräber von La Macarena: Nummerschilder, keine Namen

Zur Frage der Gerechtigkeit unter künftigen Regierung Santos meinte er, dass sich der ehemalige Verteidigungsminister von Álvaro Uribe „mit der Politik der Entlohnung“ für Uniformierte, die einen mutmasslichen Guerillero stellen, „die Hände bei den falsos positivos dreckig gemacht hat. Die Vergangenheit dieses Präsidenten gibt uns kaum viele Garantien“, fasste er zusammen. Auch gibt er sich „wenig Illusionen“ bezüglich der Justiz seines Landes hin,  denn „das Niveau der Straflosigkeit ist niederschmetternd, wie es die UNO und die OAS signalisiert haben“.

Giraldo meinte, er warte weiter auf einen Entscheid des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag, dem sie 2003 und 2004 erste Fälle von Menschenrechtsverletzungen vorgelegt haben. „Ich war in Den Haag und habe sie angefleht, eine Reihe von Fällen zu übernehmen, aber es kommt keine Antwort, noch ist es zu nichts gekommen, die Fälle häufen sich zu Tausenden und die Straflosigkeit grassiert weiter“. […]

 „Wir haben viele Informationen über andere Friedhöfe mit anonymen Leichen erhalten, wir entdecken, dass viele Friedhöfe in ausgedehnten Gebieten des Landes Abteilungen mit anonymen Leichen enthalten“ und dass „es nie zu Untersuchungen“ der Ursachen oder zu Exhumierungen kam, um so einen Abgleich mit den anzeigen betreffs Verschwundener zu machen.

Montag, 9. August 2010

aus

Die USA rüsten an der Grenze zu Mexiko auf

Ralf Streck 06.08.2010

Nationalgardisten werden an eine Grenze entsandt, an der jährlich mehr Menschen ums Leben kommen als in Jahrzehnten an der innerdeutschen Grenze

Um die Gemüter in der Grenzregion zu Mexiko zu beruhigen, hatte die US-Regierung schon im Mai beschlossen, Nationalgardisten in die Grenzregion zu schicken. Nun wurde mit der Auswahl begonnen, um die Stationierung voranzutreiben, denn die Einheiten sollen im September einsatzfähig sein. Die Ankündigung (1), 1.200 Nationalgardisten in den Süden zu entsenden, hatte die Regierung Obama ausgerechnet im Mai gemacht (2), nachdem Ende April im Bundesstaat Arizona das rassistische Gesetz in Kraft trat, wonach auffällig aussehende Menschen oder die mit einem besonderen Dialekt, ohne Grund angehalten und überprüft werden können.

Zwar wurde das Gesetz, das Einwanderer auch zwingen wollte, stets Ausweispapiere bei sich zu führen, um einen legalen Aufenthalt in den USA zu beweisen, letzte Woche durch eine Richterin ausgesetzt, doch dass nun mit der Entsendung der Nationalgarde begonnen wird, ist kein Zufall. Denn fast die Hälfte der Nationalgardisten wird nach Arizona entsandt (524), nach Texas kommen 286, nach Kalifornien 260 und 82 nach New Mexico. Die restlichen 48 sollen mit der Koordination untereinander beauftragt sein.
Zwar wird dieser Einsatz gerne auch mit der Angst begründet, dass die sich zuspitzende Gewalt aus dem mexikanischen Drogenkrieg ( Mexiko im Sog der Gewalt (3)) über die Grenze schwappen könnte, doch nach dem Anschlag auf US-Konsulatsangestellte in Ciudad Juárez passierte zunächst nichts. Dabei hatte sogar die Regierung Mexikos die US-Regierung zum gemeinsam Kampf gegen die Drogenkartelle aufgefordert, die auf beiden Seiten der Grenzen agieren und sich mit Waffen aus den USA versorgen ( Mexiko fordert mehr Einsatz der USA im Kampf gegen Drogenbanden (4)). Die Aufgabe der Nationalgardisten besteht nun aber allein in der Unterstützung der US-Grenzpolizei Border Patrol (5).
Der Senat hat am Donnerstag ein vom demokratischen Senator Charles Schumer eingebrachtes und von US-Präsident gewünschtes Eilgesetz angenommen (6), das 600 Millionen Dollar für die Sicherung der Grenze nach Mexiko vorsieht und damit die Ausgaben 2010 um 10 Prozent erhöht. Ein ähnliches Gesetz, das mehr als 700 Millionen Dollar vorsieht, hat bereits das Repräsentantenhaus passiert. Das Gesetz des Senats sieht die Anstellung von 1.000 zusätzlichen Grenzwächtern vor, die eine in kritischen Gebieten einsetzbare Eingreiftruppe bilden sollen. Neben weiteren Zollangestellten und Polizisten sollen auch Drohnen zur Überwachung gekauft werden.
Statt sich der weiteren Abschottung der Grenze zu widmen, sollte sich USA eher in Nothilfe üben, wenn man sich schon im State Department über "rassistische Vorurteile" bei spanischen Polizisten echauffiert (7). Schließlich kommen in einem Jahr an der Hochsicherheitsgrenze zwischen der ersten und der dritten Welt mehr Menschen ums Leben, als in Jahrzehnten an der innerdeutschen Grenze.
Denn wie bei der Einwanderung nach Europa führt die Abschottung nur dazu, dass die Menschen immer größere Risiken auf sich nehmen, weshalb der Blutzoll steigt ( 6000 Fl�chtlinge starben vor den Kanarischen Inseln (8)). Sogar nach Angaben der Border Patrol haben 2009 mehr als 400 Menschen das Leben beim Versuch verloren, von Mexiko aus die USA zu erreichen. Das Politikforschungsinstitut National Foundation for American Policy (9) geht davon aus, dass seit 1998 "mehr als 4.000 Männer, Frauen und Kinder" dabei ums Leben kamen. Auch das Institut geht davon aus, dass die Zahl der Toten sogar weiter steigt, auch wenn die Zahl derer zurückgeht, die die Grenze erfolgreich überwinden.
Der Blutzoll könnte nun noch deutlich zunehmen, weil es nach dem in Arizona in abgemilderter Form in Kraft getretene Gesetz nun sogar strafbar ist, illegale Einwanderer zu befördern oder bei sich aufzunehmen. Und ausgerechnet in die unwegsame Sonora-Wüste Arizonas führt der Weg vieler Einwanderer, in der auch kirchliche Hilfsorganisationen (10) auf der Suche nach den Menschen sind, die bei Temperaturen von über 40 Grad oft zu verdursten drohen. Nach dem neuen Gesetz dürfte diese Nothilfe nun sogar strafbar sein und der Verfolgungsdruck im Grenzgebiet durch die zusätzlichen Nationalgardisten zunehmen.

Links

(1) http://abcnews.go.com/Politics/immigration-national-guard-deploys-monitor-southwest-border/story?id=11304889
(2) http://www.heise.de/tp/blogs/8/147704
(3) http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32207/1.html
(4) http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32299/1.html
(5) http://www.cbp.gov/xp/cgov/border_security/border_patrol/
(6) http://www.huffingtonpost.com/2010/08/05/senate-border-bill-passes-600-million_n_672739.html
(7) http://www.heise.de/tp/blogs/8/148117
(8) http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24336/1.html
(9) http://www.nfap.com/pdf/0505brief-death-at-border.pdf
(10) http://www.evangelisch.de/themen/gesellschaft/us-grenze-zu-mexiko-todeszone-ohne-schießbefehl21357

Correos 162, 16. Juli 2010

Inhaltsverzeichnis hier

und

diese Online-Artikel:

Honduras Schweiz
„Die Equipe der Ermordeten“ - Presente!

Leute aus den Solizusammenhängen und Gruppen von lateinamerikanischen Exilierten, der Jusos und der linken Fussballfanszene sind anlässlich des WM-Matches Schweiz-Honduras aktiv geworden. Tatsächlich konnte es der Mainstream nicht unterlassen, auf das Spiel hin verlogenes Süssholz zu raspeln. Die Fussballbegeisterung in Honduras lasse die politischen Differenzen so gut wie verschwinden, die Leute seien heute alle glücklich vereint im nationalen Sporttaumel. Der Match fand am 25. Juni statt, am 28. Juni jährte sich der Putschtag. Und während der WM nahm das Regimemorden in Honduras wieder bitter zu. Unsere Aktion war ein kleiner, aber liebevoller Gruss an die Kämpfenden in Honduras.
Reto Plattner
______

El Salvador

Schmutziger Sozialkrieg
Passagiere werden in einem Kleinbus in einer Armutsgemeinde mit Benzin übergossen und lebendigen Leibes verbrannt. StrassenverkäuferInnen geraten dem rechtsradikalen Bürgermeister von San Salvador ins Terrorismusvisier, während er den Putschführer aus Honduras hofiert. Die Armee will immer mehr Kontrolle im Land. Die grosse Hoffnung: Der FMLN trägt den Kampf gegen die schleichende „Warlordisierung“ in die Armutszonen.
Dieter Drüssel und Mela Wolf

____

Kolumbien
Wahlen: Mehr vom gleichen

Am 20. Juni 2010 gewann der offizialistische Präsidentschaftskandidat die Wahlen in der 2. Runde. Ein Blick auf eine oft nur schwer verständliche Realität.
Yumaira Gil und Pedro Sandoval

_____

Nicaragua
Reiseeindrücke aus Nicaragua

Anlässlich des 31. Jahrestages der Sandinistischen Volksrevolution vom nächsten 19. Juli gilt es, eine vom Mainstream abweichende Stimme zu erheben. Hören wir auf die Leute in Nicaragua und versuchen wir, das „Einheitsdenken“ zu demaskieren, das in der Desinformationskampagne der internationalen Nachrichtenagenturen dominiert!
Gérald Fioretta
______

Nicaragua und Alba
Zu den Evergreens der antisandinistischen Propaganda gehört die dumme Lüge, die ganze Hilfe, die Nicaragua aus der Alba-Mitgliedschaft erwächst, versickere unkontrolliert in den Taschen der Familie Ortega und ihrer Entourage. Gerade auch ex-sandinistische Linke stimmen in diesen Chor ein, manchmal wohl ohne zu merken, das er vom „Transparenz“-Büro der US-Botschaft in Managua geleitet wird. Es existieren mittlerweile reichlich Informationen über einschlägige Geldflüsse aus den Botschaften der USA und der europäischen Länder in die „Zivilgesellschaft“. Doch noch wichtiger ist, sich überhaupt darüber zu informieren, was Alba in Nicaragua konkret bedeutet. Auf der Basis einer solchen Information wäre erst eine sinnvolle Diskussion über die politische Orientierung möglich – und in auch nötig.
Jorge Capelán

Wall Street: too big to fail im Drogenhandel

Donnerstag, 5. August 2010

aus Correos 163. September 2010 ein Artikel über Geldwäsche von Drogengeldern im Riesenstil in den USA und die unverkennbare Nähe von CIA-Parallelstrukturen zum mexikanischen Drogenbusiness:
Wall Street: too big to fail im Drogenhandel

Weiter Spannungen durch Kolumbien-Krise

Dienstag, 27. Juli 2010

26. Jul 2010

Venezuelas Staatschef warnt vor Konsequenzen bei Militäraktion Bogotás – im Land und auf internationaler Ebene

Klärt über Kriegsgefahr durch Kolumbien auf: Außenminister Nicolás Maduro

Caracas. Nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen Venezuelas mit dem Nachbarstaat Kolumbien bleibt die Lage angespannt. Unter Berufung auf Geheimdienstinformationen schloss Venezuelas Präsident Hugo Chávez am Sonntag die Gefahr einer militärischen Aktion der Nachbararmee nach wie vor nicht aus. Die scheidende Regierung des rechtsgerichteten kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe wirft Venezuela vor, bis zu 1500 Rebellen der Guerillaorganisationen FARC und ELN auf dem eigenen Territorium zu beherbergen. Venezuela bezeichnet die am Donnerstag vergangener Woche vor der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) vorgelegten Bilddokumente als unglaubwürdig.
Nach der OAS-Sitzung hatte Chávez den Abbruch der Beziehungen bekannt gegeben und die Truppen entlang der gut 2200 Kilometer langen Grenze in Alarmbereitschaft versetzt. Venezolanische Medien verwiesen auf die Vorgeschichte: In der Nacht zum 1. März 2008 hatten kolumbianische Streitkräfte im Kampf gegen die linksgerichteten Rebellen ecuadorianisches Gebiet bombardiert.
Angesichts der weiterhin angespannten Lage sagte Chávez eine geplante Reise nach Kuba ab, wo er am Montag zu den Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag erwartet wurde.
"Die Wahrscheinlichkeit einer militärischen Aggression gegen Venezuela aus Kolumbien ist so hoch wie nie zuvor seit vielleicht hundert Jahren", sagte Chávez nach Angaben der venezolanischen Nachrichtenagentur AVN auf einer Veranstaltung der regierenden Vereinten Sozialistischen Partei. Sollte es zu einer Attacke kommen, kündigte er zugleich weitreichende Konsequenzen an.
Nach Berichten der kubanischen Nachrichtenagentur Prensa Latina will der 55-jährige Präsident in diesem Fall die Erdöllieferungen in die USA stoppen. Venezuela wirft Washington vor, die aggressive Linie Bogotás aktiv zu unterstützen.
Auch werde man gegen "Gruppen der internen Opposition vorgehen, von denen die Kriegspläne unterstützt werden". Nach Meinung der Regierung in Caracas halten mehrere oppositionelle Gouverneure Kontakt zu rechtsgerichteten Militärs und paramilitärischen Gruppierungen in Kolumbien, so Prensa Latina. In Buenos Aires kam der frühere argentinische Präsident und amtierende Generalsekretär der Union Südamerikanischer Nationen (UNASUR), Néstor Kirchner, indes mit dem künftigen kolumbianischen Staatschef Manuel Santos zusammen. Die UNASUR will in dem Konflikt schlichtend eingreifen, nachdem die USA-nahe OAS Kolumbien unterstützt hatte. Im Verlaufe dieser Woche werden dazu die UNASUR-Außenminister in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito zusammenkommen. Venezuelas Außenminister Nicolás Maduro reist indes auch durch die UNASUR-Staaten, um vor der einer drohenden Kriegsgefahr durch die Politik Kolumbiens zu warnen, wie AVN berichtete.