UN-Menschenrechtsbericht zu Venezuela in der Kritik

Montag, 8. Juli 2019

 

Beiträge von Menschenrechtsgruppen aus Venezuela ignoriert. Regierung bemängelt "selektive und voreingenommene Sichtweise"

Logo des Büros des Hohen Kommissars für Menschenrechte der Vereinten Nationen
Logo des Büros des Hohen Kommissars für Menschenrechte der Vereinten Nationen
Caracas/Genf. Die Regierung von Venezuela hat die Ergebnisse des Berichtes in Frage gestellt, den die UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet vergangene Woche über die Lage in dem südamerikanischen Land vorgelegt hat. Menschenrechtsgruppen und Aktivisten aus Venezuela kritisieren, dass die von ihnen vorgelegten Informationen nicht berücksichtigt wurden.
Bachelet stellte den Bericht am vergangenen Freitag dem Menschenrechtsrat in Genf vor. Der Text besagt unter anderem, dass die venezolanischen Spezialeinheiten FAES und die Kriminalpolizei CICPC "für zahlreiche außergerichtliche Hinrichtungen" und andere Praktiken verantwortlich gewesen sind, die dazu dienten, "Angst zu verbreiten und soziale Kontrolle zu erlangen".
Der Bericht des Büros des Hohen Kommissars für Menschenrechte der Vereinten Nationen (United Nations High Commissioner for Human Rights, OHCHR), so die Bezeichnung von Bachelets Behörde, weist zudem auf Korruption und die Verschlechterung der öffentlichen Dienstleistungen sowie auf Schwierigkeiten beim Zugang der Bevölkerung zu Nahrungsmitteln und Gesundheitsversorgung hin und äußert gleichzeitig "die Sorge", dass die venezolanische Migration weiter zunehmen wird.
Das UN-Menschenrechtsorgan spricht abschließend eine Reihe von Empfehlungen aus, darunter die Aufforderung an die Regierung, schwere Menschenrechtsverletzungen zu untersuchen, die FAES aufzulösen und die Einrichtung eines ständigen OHCHR-Länderbüros zu ermöglichen.
In einer Stellungnahme weist die Regierung von Präsident Nicolás Maduro auf die ihrer Auffassung nach "selektive und offen voreingenommene" Darstellung der Menschenrechtssituation in Venezuela hin und fordert "Korrekturen von 70 Fehlern" in dem Bericht. "Die verzerrte Sichtweise des Berichts ist das Ergebnis der erheblichen Mängel in der dahinter stehenden Vorgehensweise", heißt es in der Erklärung. Kritikpunkte sind unter anderem, dass von den 558 UN-Befragungen 460 nicht in Venezuela durchgeführt und Informationen der Regierung nicht berücksichtigt worden seien.
Zudem spiele der Bericht die Folgen der US-Sanktionen herunter und ignoriere Untersuchungen zu diesem Thema. So finde eine aktuelle Studie des Washingtoner Center for Economic and Policy Research keine Erwähnung, die zu der Einschätzung kommt, dass seit 2017 mindestens 40.000 Menschen an den Folgen der Zwangsmaßnahmen der USA gestorben sind.
Das US-Finanzministerium hat seit dem Jahr 2015 mehrfach Sanktionen gegen Regierungsfunktionäre und verschiedene Bereiche der Wirtschaft verhängt sowie venezolanische Vermögenswerte im Ausland eingefroren. Besonders betroffen ist die Erdölindustrie, die Haupteinnahmequelle des Landes. Ein im Januar verhängtes Embargo hindert Venezuela daran, Rohöl in die USA zu exportieren und Verdünnungsmittel zu importieren, die für die Kraftstoffherstellung und Raffinierung von schwerem Rohöl zu exportfähigen Qualitäten benötigt werden.
Die Sanktionen haben auch zu einem drastischen Rückgang von Importen geführt, da sie die Deviseneinnahmen der Regierung reduzieren, den Zugang zu den Finanzmärkten einschränken und Handelsgeschäfte behindern. Laut dem Chefökonom von Torino Capital, Francisco Rodríguez, sanken die Importe im April auf nur 303 Millionen US-Dollar, was einem Rückgang von 64 Prozent gegenüber dem Vorjahresdurchschnitt und einem Rückgang von 93,2 Prozent gegenüber 2012 entspricht.
Obwohl das OHCHR anerkennt, dass die US-Sanktionen "die Wirtschaftskrise verschärfen", enthält der Bericht keine Empfehlung zur Aufhebung der Strafmaßnahmen.
Bachelet hielt sich kürzlich zu einem dreitägigen Beusch in Caracas auf, wo sie mit Vertretern der Regierung und der Opposition zusammentraf. Sie sprach außerdem mit Mitgliedern von Menschenrechsorganisationen und Aktivistengruppen.
Einige von ihnen zeigten sich nun enttäuscht darüber, dass ihre Stimmen nicht in den Bericht aufgenommen wurden. Das Komitee der Guarimba-Opfer vertritt Personen, die bei gewaltsamen Protesten der Opposition von 2014 bis 2017 verletzt oder getötet wurden. "Bachelets Bericht macht die Opfer unsichtbar und beschützt die Verantwortlichen für die Gewalt, die dem Land so großen Schaden zugefügt hat", heißt es in einer Stellungnahme des Komitees. Fundalatin, die Lateinamerikanische Stiftung für Menschenrechte und soziale Entwicklung in Venezuela, beklagt, die Informationen von zwölf Nichtregierungsorganisationen seien ignoriert worden. Bachelet seien unter anderem 123 dokumentierte Fälle von Menschen übergeben worden, die von Anhängern der Opposition "gelyncht, geköpft und ermordet wurden". Diese finden im Bericht der Hochkommissarin keine Erwähnung. Auch werde die US-Blockade nicht verurteilt. Der Bericht führe zudem die Fortschritte im Bereich sozialer Rechte im Land nicht auf.
Auch der US-amerikanische Völkerrechtler Alfred de Zayas kritisierte den Bericht als "grundsätzlich fehlerhaft und enttäuschend" und bezeichnetet ihn als eine "verpasste Gelegenheit". Zayas war von 2012 bis 2018 UN-Sonderberichterstatter für die Förderung einer demokratischen und gerechten internationalen Ordnung und besuchte in dieser Funktion auch Venezuela.
"Es ist unprofessionell, dass die UN-Mitarbeiter die Beiträge von [Menschenrechtsorganisationen] Fundalatin, Grupo Sures, dem Red Nacional de Derechos Humanos und die konkreten Antworten der Regierung ignorieren oder nicht angemessen gewichten", schrieb de Zayas und beklagte gleichzeitig die geringe Aufmerksamkeit, die den gegen Venezuela verhängten Sanktionen im Bericht geschenkt wurde.

U.S. Sanctions Block Medicine from Venezuela, Killing Thousands

Mittwoch, 3. Juli 2019

https://therealnews.com/stories/u-s-sanctions-block-medicine-from-venezuela-killing-thousands
Ein eindrückliches 6-Minuten-Video Wie Massenmord heute funktioniert.

[rojavaagenda] # Newsletter Nr. 5 # Veranstaltung "10 Monate Rojava

Montag, 1. Juli 2019

Von: rojka@riseup.net
Datum: 27 Jun 2019 20:14:18 +0200 (CEST)
An: rojavaagenda@lists.riseup.net
Betreff: [rojavaagenda] # Newsletter Nr. 5 # Veranstaltung "10 Monate Rojava"
Liebe Freund_innen
In verschiedenen Städten wird es die Veranstaltungen geben, bei denen einer von unserem RojavaKomitee über seine Erfahrungen aus Rojava berichten wird.
Morgen Freitag in Zürich 19h, RAF (Kochareal), Flüelastrasse 54
Checkt auf rojavaagenda.noblogs.org weitere Orte folgen

Schwerpunkte Juni
1 Wahlergebnisse, Analyse
2 Feldbrände als neue Kriegstaktik
3 Operationen in Europa gegen die Kurden

1 Bei den Neuwahlen in Istanbul am 23.6. erfuhr die AKP eine weitere Niederlage. Hier eine Analyse:

2 Als neue Kriegstaktik werden von dem türkischen Milität und IS-Schläferzellen Zehntausende Hektaren Weizenfelder angezünden:

3 In Deutschland intensiviert sich die Kriminalisierung der Kurden weiter:

Verschiedenes
- Empfehlenswertes Video zum vergangenen Hungerstreik:
- Newsletter von der Internationalistischen Commune von Rojava und Make Rojava Green Again:

Veranstaltungen
- Film-Premiere
Am 13. Juli wird der Kurzfilm *De Töfflibueb vo Qamischlo*. Ein dokumentarischer Film über die Revolution in Rojava (25min./deutsch). 
Komm am Samstagnachmitag 13.7. ins Kino Xenix in Zürich. Bring deine Freund*innen mit. *um 14Uhr* im Kino Xenix, Zürich.
Solidarisch,
RojavaKomiteeZürich
rojavaagenda.noblogs.org


Video: 
200 Tage erfolgreicher Hungerstreik - und keinen interessiert es.
https://youtu.be/7L77ke9245Q

Südmexiko-Newsletter Juni – Juli 2019

CHIAPAS
EZLN beklagt „Politik des Terrors“ in Mexiko
Innerhalb von vier Wochen sind im südmexikanischen Bundesstaat Guerrero vier Nahua-Indigene, Umweltaktivisten und Mitglieder des Indigenen Regierungsrats (CIG) und des Nationalen Indigenen Kongresses (CNI) ermordet worden.

Communiqué des CNI-CIG und der EZLN angesichts der ungezügelten Gewalt gegen die Pueblos Originarios

Kongress der Agrarökologie in Mexiko setzt auf Kleinbauern und Nachhaltigkeit
Mitte Mai ist in San Cristóbal de las Casas der erste Mexikanische Kongress zur Agrarökologie zu Ende gegangen. Sechs Tage lang hatten Wissenschaftler, kleinbäuerliche Produzenten und Aktivisten aus dem In- und Ausland über Möglichkeiten, Praktiken und Herausforderungen für eine Zukunft der Landwirtschaft nach traditionellem kleinbäuerlichen Vorbild und im Sinne der Ernährungssouveränität diskutiert. Mehr als 300 Vorträge auf 50 thematischen Panels brachten laut Aussage der Veranstalter in etwa 1.000 Teilnehmende in Austausch und Dialog.

Soziale Teilhabe und staatliche Verantwortung
Überlegungen zur zapatistischen Gesundheitsversorgung von Joel Heredia Cuevas, Koordinator von SADEC, Palenque/Chiapas, aus dem Bulletin von medico international. Im November war er u.a auch in Zürich anwesend.


OAXACA
3 Jahre Nochixtlán: Keine Gerechtigkeit, und Wunden, die nicht heilen
Am 19. Juni 2016 wurden in Nochixtlán Demonstranten von Polizei- und Armeeeinheiten angegriffen, die schon länger gegen die Schulreform protestierten. Dabei wurden 8 Personen getötet, Dutzende Personen verwundet und andere festgenommen und verhört. Auch 27 Personen wurden festgenommen, die gerade dabei waren, einen Verwandten zu beerdigen. Doch seither ist nichts geschehen, um den Ereignissen auf den Grund zu gehen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Am 19. Juni 2019 sind nun Tausende auf die Strasse gegangen und haben u.a. die Verhaftung des Ex-Präsidenten Peña Nieto gefordert.


Kurzvideo auf Spanisch: A 3 años del masacre de Nochixtlán (3 Min):



GUERRERO
Erneut Morde an Umweltaktivisten – Eugenio Máximo Hilario
Anfangs Juni ist erneut ein Nahua-Indigener, Aktivist und Mitglied der selbstorganisierten Gemeindepolizei im mexikanischen Bundesstaat Guerrero ermordet worden. Eine bewaffnete Gruppe schoss auf Eugenio Máximo Hilario, als er im Auto unterwegs war.

Communiqué des indigenen und populären Rates von Guerrero (CIPOG-EZ) gegen die Belagerung narco-paramilitärischer Gruppen und die Versäumnisse der Regierung
Der CIPOG-EZ bekräftigt die Allianzen zum indigenen Kongress (CNI), den Zapatistas, solidarischen Gruppen, den «ehrlichen Medien» und weiteren Akteuren und ruft dazu auf, ihren Widerstand zu unterstützen. Der Rat fordert die Narco-Paramilitärs auf, den Krieg zu beenden und belangt die Regierungen der verschiedenen Ebenen für ihre Versäumnisse, welche den indigenen Völkern Elend gebracht hat und Tote fordert. Zudem verlangt der CIPOG-EZ Respekt gegenüber ihrer Erde und den gemeinschaftlichen Ländereien, Respekt gegenüber ihrer Autonomie, den Organisationsstrukturen und den autonomen Räten.



MEDIEN UNTER BESCHUSS
Erneut Journalistin in Mexiko ermordet
Die Reporterin Norma Sarabia wurde Medienberichten zufolge in der Stadt Huimanguillo im Bundesstaat Tabasco erschossen. Es ist in diesem Jahr bereits der sechste Journalistenmord in Mexiko.


MEXIKO - MIGRANTEN
Keine US-Strafzölle zum Preis der Militarisierung der Südgrenze
Mexiko atmet auf: Am gestrigen Freitagabend, 20 Uhr Ortszeit, gab der mexikanische Außenminister Marcelo Ebrard auf seinem Twitter-Account bekannt, dass doch noch ein Abkommen mit der US-Administration erreicht wurde. Nach einer Woche intensiver Gespräche in Washington konnte somit die Drohung Donald Trumps, ab dem kommenden Montag Strafzölle auf alle Produkte aus dem Nachbarland zu verhängen, in letzter Minute abgewendet werden.

Neue restriktive Massnahmen gegen Migrantinnen
Mexiko geht mit neuen restriktiven Maßnahmen gegen Migrant*innen aus Mittelamerika vor. Das Innenministerium hat die Busunternehmen des Landes in einem Brief darauf hingewiesen, dass diese vor der Reise die Papiere ihrer Passagiere prüfen müssten. Dazu seien sie durch das Migrationsgesetz verpflichtet. Der Brief wurde zwar schon im April verschickt, der Druck auf die Firmen aber seit Anfang Juni erhöht. Am 7. Juni hat Mexiko in den USA eine „Migrationsvereinbarung“ unterzeichnet, um von US-Präsident Trump angekündigte Strafzölle abzuwehren.

Massenverhaftete in Mexiko: Geflüchtete im Untergrund ohne medizinische Versorgung
Razzien und Massenverhaftungen von Migrantengruppen an der Südgrenze Mexikos nehmen zu. Sie drängen Menschen dazu, unsichere Fluchtwege zu wählen, treiben sie in die Arme krimineller Netzwerke und hindern sie am Zugang zu medizinischer Versorgung. In der vergangenen Woche haben die Teams von „Ärzte ohne Grenzen“ in Coatzacoalcos und Tenosique Massenverhaftungen von Migranten miterlebt. Eine Razzia in Coatzacoalcos fand statt, als die Mitarbeitenden Geflüchtete gerade medizinisch und psychologisch betreuten und Hygienesets verteilten.

Mexiko verstärkt Grenzkontrollen
400 Beamte der mexikanischen Bundespolizei wurden an die Südgrenze nach Guatemala verlegt, um dort gemeinsam mit der Nationalen Migrationsbehörde INM die Grenzkontrollen zu verstärken. Die Regierung gab den Befehl, nachdem eine weitere Karawane von Migrant*innen aus Zentralamerika die mexikanische Grenze überschritten hatte, während sich deren Anzahl in der Grenzstadt Tapachula, Chiapas, verringert hat. Dort wurden viele Menschen festgenommen und abgeschoben.


MEXIKO
Spionage im Drogenkrieg - Wie Mexikos Kartelle ganze Städte überwachen
Mexikanische Drogenkartelle haben sich mit Überwachungstechnologie hochgerüstet. Mit Videokameras, Spionagesoftware und Drohnen spähen sie Rivalen und Sicherheitskräfte aus - und beschäftigen eigene Teams von IT-Experten.



HINWEISE UND VERANSTALTUNGEN
 
5.Juli Klimastreik Winterthur, 12.30 – 17 Uhr, Stadtpark Winterthur
Mehr Infos zu Klimastreiks und -demos: https://climatestrike.ch/events/

Sa & So 6. & 7. Juli, Kick für Toleranz. Tag & Nacht Reitplatz Töss
Soli-Fritten/Samosa-Bude vom Infoladen Rabia am 11. antirassistischen Grümpi «KICK FÜR TOLERANZ». Kommt vorbei, tschuttet, esst & trinkt!


Do, 22. August: Dokfilm über soziale Aufstände und Straffreiheit in Guerrero: „Guerrero“ (2017) von Ludovic Bonleux. Organisiert von PBI, aki, Alpeneggstrasse 5, Bern. Apéro ab 18 Uhr, Film ab 19 Uhr.Spanisch mit dt. Untertiteln, 114 min.

22.-25. August, FEMWO, antikapitalist queer feminist weekend, Grenchen. Anmelden bis 31. Juli. Mehr Infos: www.femwo.ch

USA/weltweit: Bahn frei für Repression

Die Jagd auf Julian Assange markiert eine Zeitenwende: Journalisten werden auch im »liberalen« Westen zum Feind erklärt. Mit allen Konsequenzen

Jürgen Heiser

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In den USA löste eine Kongressabgeordnete der Demokratischen Partei gerade »einen Feuersturm der Kritik aus«, wie das Onlinemagazin Counterpunch berichtete. Alexandria Ocasio-Cortez hatte Anfang voriger Woche US-Haftanstalten für sogenannte illegale Einwanderer als »Konzentrationslager« bezeichnet. Richtete sich die folgende Kritik etwa gegen die Migrationspolitik der Regierung? Nein, weit gefehlt! Im Fadenkreuz stand Ocasio-Cortez, die es gewagt hatte, Dinge beim Namen zu nennen, und sich obendrein weigert, ihr Mandat niederzulegen, wie es ihre Gegner fordern.
Diese Vorgänge sind bezeichnend für die sich nicht nur in den USA verschärfende Verfolgung von allen, die öffentlich die gesellschaftlichen Verhältnisse kritisieren. Verfemt und verfolgt wird, wer in Medien berichtet, was Realität ist und Dokumente über kriminelle Machenschaften von Behörden und Unternehmen veröffentlicht. Im Brennpunkt dieser weltweiten Auseinandersetzung steht weiterhin der Wikileaks-Gründer Julian Assange.
Nach seinem siebenjährigen Exil in der ecuadorianischen Botschaft in London hält ihn die britische Justiz aus fadenscheinigen Gründen weiter in Haft. Erst im Februar 2020 soll darüber verhandelt werden, ob der Whistleblower an die USA ausgeliefert wird. Dort halten Staatsanwälte eine Anklage mit 18 Vorwürfen parat, darunter 17 angebliche Verstöße gegen das US-Spionagegesetz. Allein die Tatsache, dass Wikileaks Dokumente über Kriegsverbrechen der USA in Irak und Afghanistan publizierte, die die Whistleblowerin Chelsea Manning der Öffentlichkeit zugänglich machen wollte, soll aus Assange einen Spion machen. Dafür drohen ihm nach Angaben der Ankläger bis zu 175 Jahre Haft.
Würde die US-Justiz seiner habhaft werden, wäre der Australier der erste Journalist, der wegen der Veröffentlichung von Fakten nach diesem Gesetz aus der Zeit des Ersten Weltkriegs vor Gericht gestellt wird. Assange erklärte deshalb kürzlich, sein Leben stünde »auf dem Spiel«, wenn das Vereinigte Königreich einem Auslieferungsersuchen der USA stattgeben würde.
Inzwischen haben sogar bürgerliche Zeitungen erkannt, dass es künftig auch ihnen an den Kragen gehen könnte. Darunter auch der britische Guardian und die New York Times (NYT), die zwar Wikileaks-Dokumente für ihre Zwecke nutzten, sich aber gleichzeitig nicht scheuten, »Fake News« über Assange zu kolportieren und ihm den Status als Journalist abzusprechen. Eine veränderte Haltung zeigen aktuelle Äußerungen von James Goo da le, dem ehemaligen Chefsyndikus der NYT. Sollte die US-Regierung mit ihrer Verfolgung von Assange Erfolg haben, bedeute dies, »dass der Prozess des Sammelns von Fakten zur Berichterstattung in der Presse unter Strafe gestellt wird«, warnte Goodale.
Im Interview mit dem US-Nachrichtensender Democracy Now schaute der Jurist kürzlich auf ganz andere Zeiten zurück. Denn 1971 hatte er die Redakteure seines Blattes ermuntert, die »Pentagon Papers« des Whistleblowers Daniel Ellsberg über den Vietnamkrieg zu veröffentlichen. Ellsberg und die Zeitung blieben damals straflos. Was jedoch jetzt gegen Assange laufe, so Goodale, bedeute, dass jeder, der heute Gleiches tue, »ins Gefängnis kommt«. Deshalb sei der »Fall Assange« aus journalistischer Sicht »von außerordentlicher Bedeutung«.
Der australische Journalist und Dokumentarfilmer John Pilger brachte die Verfolgung seines Kollegen als »Krieg gegen Assange« auf den Punkt. In einem von der investigativen US-Onlineplattform Consortium News am 14. Juni veröffentlichten Radiointerview kommentierte Pilger die einleitende Bemerkung seiner Interviewpartner Dennis J. Bernstein und Randy Credico, die Verfolgung von Assange sei »der Beginn des Endes der modernen investigativen Berichterstattung, wie wir sie kennen«, mit der Feststellung, das geschehe gerade überall auf der Welt. »Und zwar gerade in dem Teil der Welt, der sich selbst als der »aufgeklärte« ansehe. Dieser »globale Krieg gegen den Journalismus« ziele auf »Whistle­blower und Journalisten, die die Wahrheit sagen«, aber insgesamt »auf Andersdenkende«. Bemerkenswert sei die Geschwindigkeit, mit der sich das entwickle. Seit Assange am 11. April 2019 von der Polizei aus der ecuadorianischen Botschaft geschleppt wurde, sei die Polizei in den USA, in Australien und sehr spektakulär in Lateinamerika gegen Journalisten vorgegangen«, so Pilger. Das alles geschehe jetzt, »als hätte jemand grünes Licht gegeben«.
Der Präzedenzfall Assange sei »anders als alles, was wir erlebt haben«. Die USA wollten ihn nicht nur wegen der Enthüllungen in die Hände bekommen, sondern »weil er seine Quelle schützt«. Und die ursprünglich zu 35 Jahren Haft verurteilte Chelsea Manning sei jetzt wieder in Beugehaft genommen worden, »weil sie sich als Quelle geweigert hat, Lügen über Assange zu erzählen und ihn der Verschwörung zu beschuldigen«. Beider Handeln sei beispielhaft, und die Behörden befürchteten, »dass es da draußen noch einige Chelseas gibt«, auch wenn die vielleicht »nicht ganz so mutig wie Chelsea« seien, deren Enthüllungen »das gesamte System der Kriegführung« der USA geschwächt habe. Pilger schloss sein Plädoyer für Assange mit den Worten, er sei einem »unvorstellbaren Druck ausgesetzt«. Deshalb brauche er jede Unterstützung und Solidarität. »Mehr noch, er hat sie verdient!«
Den Artikel finden Sie unter: https://www.jungewelt.de/artikel/357633.solidarität-bahn-frei-für-repression.html

Bericht über unsere Gespräche in Nicaragua Mai 2019

Sonntag, 30. Juni 2019

(zas, 30.6.19) In Jena gibt es eine offizielle Städtepartnerschaft mit der nicaraguanischen Stadt San Marcos. Der folgende Text stammt aus ihrem Umfeld. Wir erhielten ihn von der Städtepartnerschaft Biel-San Marcos
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Das erste, was vielen Sandinisten zu Beginn der Krise auffiel, war eine große Verunsicherung, es gab und gibt viel Desinformation, Manipulation, vor allem über die sog. Sozialen Netzwerke.
Der entscheidende Punkt scheint mir die Desinformation, Verwirrung, Manipulation zu sein. Vor allem über die „sozialen Medien“ wurde viele Desinformationen verbreitet, die vor allem die Jugend erreicht haben. Zum Beispiel gab es auf beiden Seiten schwarze Listen und die Namen einiger Leute tauchten auf beiden auf. Eine Studentin war in Europa, soll aber antisandinistische Aktivitäten angeführt haben.
Im April 2019 hat das Internationale Rote Kreuz seinen Bericht korrigiert (Quelle: Nicanotes): statt über 1.000 gab es „nur“ 290 politische Gefangene, von denen 200 bereits wieder aus dem Gefäng­nis (im Hausarrest) sind. Es gibt auf oppositionsnahen Blogs (Confidential, Trinchera de la noticia) nachweislich falsche Daten und Behauptungen; regierungsnahe Blogs (Informe Pastrán) blenden bestehende Probleme weitestgehend aus.


Viele Leute sind bis heute sehr unzufrieden, und das war eine der Ursachen der Unruhen. Der Hauptgrund ist die Korruption. Beispiel: ein Betrieb wird seit Jahren von einem alten Kader gut geführt. Plötzlich wird der entlassen und durch einen Menschen aus dem engeren Kreis des Präsidenten ersetzt, der verdient jetzt 2.000 $ statt 800. Rafael Solis (Richter am Verfassungs­gericht, der sich der Opposition angeschlossen hat) war einer der korruptesten Funktionäre.


Gespräche:
Ein Kassierer in einem Mikrobus: Wir werden alle aufpassen, dass so etwas nicht wieder passiert. Früher sind wir 4-5 Mal am Tag nach Managua gefahren, heute manchmal nur zwei Mal. Als es die Straßensperren gab, mussten wir riesige Umwege fahren, um die Arbeiter in die Hauptstadt zu bringen, obwohl viele Gringos und Japaner ihre Firmen geschlossen haben und viele Menschen arbeitslos wurden. In La Concha mussten wir 300 C$ zahlen, um durchgelassen zu werden. Wir haben uns nicht bewaffnet, aber viele Frauen und Jugendliche waren sehr wütend wegen der Situation. Es ist gut, dass die Armee nicht eingegriffen hat, nur die Polizei und die Paramilitärs. Azul y Blanco ist eine Erfindung der CIA.


Eine Studentin: Ich war während der heißen Phase nicht in Nicaragua, habe mich währenddessen über soziale Netze informiert, und als ich zurückgekommen bin, hat sich meine Meinung über die Unruhen total gewandelt. Das war keine Revolution und kein Aufstand. Jetzt glaube ich, dass diese Bewegung keine wirkliche Opposition ist, es ist eine Mischung aus Kriminellen, Söldnern und sehr wenigen Leuten, die politisch etwas ändern wollen.
Die tranques waren anfangs ein Ausdruck der Unzufriedenheit der Leute, sie wollten den Transport und die Wirtschaft stören, um die Regierung auf sich aufmerksam zu machen. Zu Beginn waren Studenten an den Straßensperren, später kamen NROs und haben Führer eingesetzt, diese bezahlt und auch Waffen verteilt.


Ein Liberaler: das, was ihn während der Einnahme von Masaya am meisten beeindruckt hat: es waren unglaublich viele Drogen und viel Geld im Umlauf. In einigen Städten wurden die Stadtver­wal­tungen abgefackelt; das hat nur diejenigen erfreut, deren Heiratsunterlagen jetzt weg sind.


Ein katholischer Pfarrer: Die meisten Gruppen der Opposition sind so weit von der Realität ent­fernt, dass sie nicht an einer Einigung interessiert sind. Es gibt viel Angst und Repression, im Moment herrscht ein Zustand der gespannten Ruhe. Der Bischof hat angewiesen, dass die sozialen Projekte der Kirche nicht gestoppt werden sollen; sie sollen das wenige Geld, das sie haben, für das Volk einsetzen (RH: zumindest in San Marcos gibt es keine sozialen Projekte der Kirche, sondern von Bibelkreisen etc.=Zivilgesellschaft). Nicht die Kirche hat die Regierung ange­griffen, sondern die Regierung die Kirche. Die Regierung hat am 19. 07. 2018 ihren Angestellten verboten, in die Kirche zu gehen (zwei Katholiken sagen mir, dass das eine Lüge ist). Der Pfarrer spricht von friedlichen Protesten, ohne zu erklären, wer Polizeistationen angegriffen und Stadtver­waltungen niedergebrannt hat.
In einer katholischen Gemeinde in Corinto: Sie haben einen eigenen Fernsehkanal, dessen Sen­dungen lokal ausgestrahlt werden. Sie haben auch Programme, die live gesendet werden und bei denen jeder sprechen kann, der will. Es gibt keine Beschränkungen, lediglich redaktionelle Kom­men­tierungen.


Ein ehemaliger Bürgermeister (FSLN): Die Leute waren unzufrieden, weil Posten (Lehrer, Ärzte) mehr nach Parteibuch als nach Fähigkeit besetzt wurden. An der Atlantikküste wurde viel gemacht (Straßen, Hospitäler, Schulen), aber das hat auch Glücksritter, Holzhändler usw. angelockt. Die Regierung hat beim Waldbrand im Naturschutzgebiet Indio Maíz zu spät und falsch reagiert. Im Moment gibt es keine Bewegung, weil sich beide Seiten in ihren Positionen eingegraben haben. Die Zusammensetzung von Azul y Blanco ändert sich ständig. Wenn es vorgezogene Wahlen gäbe, schätzt er das Ergebnis 50:50, wenn die Opposition wie 1990 eine Union bildet.


Ein aktiver Politiker (FSLN): Solange Daniel an der Macht ist, gibt es ein einigermaßen konstruk­tives Verhältnis mit den USA: der Handel floriert, es gibt Frieden und Sicherheit, die Eigentumsver­hältnisse im Land werden nicht angetastet.
Die Alianza Civil wird vom Volk auch deshalb nicht respektiert, weil sie keine der ursprünglichen Forderungen der Demonstrationen (Änderungen im Sozialsystem, Umweltschutz) in den Dialog mit der Regierung eingebracht hat.


Ein Sandinist: Nicaragua wird in den kommenden 3-5 Jahren ein sehr instabiles Land sein.
Die FSLN ist heute totalitärer als sie jemals war, es wird nichts mehr gemacht, was nicht von oben kommt. Die Jugend bekommt keine politische Bildung.
Daniel garantiert, dass es ein ruhiges Verhältnis mit den USA gibt. Für die FSLN-Mitgliedschaft ist der Erhalt der Errungenschaften der Revolution wichtiger als die Regierung.
In der zweiten Runde des Dialogs sind die Wortführer die Wirtschaft und die Banken; die ersten, die gesprochen haben, waren Vertreter der fünf reichsten Familien des Landes.
Daniel hat clever reagiert: er wusste, dass Studenten keine tranques machen und dass die Rechte nicht genug Leute dafür zusammenbekommt. Und wirklich erzählen die meisten Menschen, dass an den Straßensperren hauptsächlich Alkoholiker, Drogenabhängige, gewöhnliche Kriminelle usw. waren; Studenten hat man dort nicht gesehen. Bei einigen heißen die Oppositionellen nur „los vandálicos“. Auch bei einfachen Leuten gab es viel Ärger über die tranques und die Unruhen, weil sie nicht zum Studium kamen, ihre Geschäfte behindert wurden etc.


Eine Krankenschwester: natürlich geht es vielen Menschen hier besser als noch vor Jahren. Aber vieles von dem, was gemacht worden ist, würde von oben angeordnet und nicht mit den Leuten besprochen.


Ein Sandinist, der bei den Paramilitärs war: Alles kam so sehr überraschend, dass wir es uns nicht anders erklären können, als dass es vorbereitet war. Unzufrieden war nur die Mittelschicht, die Kin­der reicher Familien. Anfangs sind einfache Leute zu den Barrikaden gegangen, später waren es fast nur noch Kriminelle. Die ärmeren Menschen haben schnell gemerkt, dass sie unter den Straßensperren nur leiden und durch die Demonstrationen nichts gewinnen.
Die Polizei war weder in der Lage noch dafür ausgerüstet, die tranques zu beseitigen. Deswegen hat die Regierung nicht gleich mit den Räumung begonnen, damit es nicht so viele Opfer gibt.
Für die FSLN war die Krise ein Schock, von dem sie sich nur langsam erholt. Vor uns steht jetzt die Aufgabe, mit der politischen Bildung der Mitglieder, vor allem der Jugendlichen, zu beginnen. Wir müssen entscheiden, ob wir eine Kader- oder eine Massenpartei sein wollen.


Eine Deutsche, die seit Jahren in Nicaragua lebt: Die meisten Menschen haben unter der Krise gelitten, zeitweise gab es nicht genug Essen. Als die Straßensperren geräumt wurden, haben die Polizei und die Paramilitärs vorher in die Luft geschossen, damit jeder weiß, was passiert. So haben sie Opfer vermieden, nur an wenigen Orten gab es dabei Verletzte. Als die Sperren geräumt wurden, hat man gesehen, dass die Jugendlichen nicht in die benachbarten Stadtviertel geflüchtet, sondern weit weg gerannt sind; sie waren nicht in der Bevölkerung verankert.


Eine Verkäuferin auf dem Kunstgewerbemarkt Masaya: Im Juni ist hier fast der ganze Markt abgebrannt, weil es auf der benachbarten Straße eine Auseinandersetzung zwischen der Polizei und Azul y Blanco gab. Wer das Feuer ausgelöst hat, wissen wir nicht. Wir haben von der Regie­rung inzwischen einen Kredit bekommen, damit wir unsere Geschäfte wieder eröffnen können.
Ein paar Tage später wollte die Opposition den populären Markt in Masaya überfallen und anzün­den. Da haben die Verkäufer auf dem Markt sich mit Macheten und Knüppeln bewaffnet und ihre Stände rund um die Uhr verteidigt. Es gab viele Plünderungen von Geschäften und Supermärkten.


persönliche Zusammenfassung:
Es ist alles komplett anders, als es in der BRD in der Presse, auch der linken, berichtet wurde.
Aus eigentlich nichtigen Anlässen (eine Demonstration von Menschen, die von IWF-Maß­nahmen betroffen waren, wurde von der Polizei auseinandergetrieben; Demonstrationen gegen die zöger­liche Reaktion der Regierung auf einen Waldbrand im Naturschutzgebiet wurden verboten) hat sich in kurzer Zeit eine praktisch landesweite Krise entwickelt. Diese war sehr vielschichtig und hat viele unterschiedliche Akteure; es gibt dabei kein „Gut“ und kein „Böse“. Es war für alle über­raschend, wie schnell sich die Demonstrationen ausgeweitet haben und in Gewalt umgeschlagen sind. Zweifellos hat die Regierung unangemessen auf die Demonstrationen reagiert, was ein Symp­tom dafür ist, dass sie sich vom Volk entfernt hat. Der darauffolgende Gewaltausbruch wurde von den Rechten, von Reichen, teilweise von der Kirche gefördert - und es würde mich doch sehr wundern, wenn nicht auch die CIA über internationale NROs dahinterstecken würde.
Als eine Ursache für die Unzufriedenheit sehe ich die großen sozialen und wirtschaftlichen Unter­schiede, die es in Nicaragua noch immer gibt: vielen Leuten geht es besser als vor Jahren und es wurde viel für die Verbesserung der Infrastruktur und der Lebensbedingungen getan. Aber Wenige konnten ihren Reichtum extrem steigern, für Viele hat sich der Standard nur wenig verbessert. Da es dabei keine politische Bildung gibt, ist es für viele Leute nicht ersichtlich, wohin die Entwicklung geht. Die Gerechtigkeit, von der so viel gesprochen wird, bezieht sich m. E. weniger auf die von uns Europäern so hoch gehaltenen Menschenrechte (Presse- und Meinungsfreiheit usw.) als auf gleiche Entwicklungschancen für alle.


Man kann nicht sagen, dass es sich bei den Demonstrationen, Straßensperren und Angriffen auf staatliche Einrichtungen um eine Oppositionsbewegung gehandelt hat. Aus einem Wutausbruch hat sich erstaunlich schnell organisierte Kriminalität entwickelt. Ebensowenig hat die Regierung adäquat reagiert. Die Niederschlagung von Demonstrationen, die Entlassung von Angestellten, die auf irgendeine Weise mit Azul y Blanco in Verbindung gebracht wurden, das Arbeitsverbot für Ärzte, die Verwundete auf beiden Seiten versorgt haben, das alles zeugt nicht von Souveränität. Was man der Regierung zugute halten kann, ist das lange Gewährenlassen der vandálicos an den Straßensperren und dass sie nicht - wie von einigen gefordert - sofort die Armee zur Säuberung eingesetzt hat. Heute muss man leider sagen, dass die Regierung das nicht beherzigt, was Che uns gelehrt hat: implacable en el combate, generoso en la victoria“.
Azul y Blanco ist keine Opposition, sondern eine Ansammlung Unzufriedener, vor allem aus der Mittelschicht. Sie sind nicht auf vorgezogene Wahlen vorbereitet, weil sie weder ein Programm noch Politiker und erst recht keinen Plan zur Lösung der Probleme des Landes haben. Die Forde­rung nach Daniels Rücktritt ist politisch genauso unreif wie die PEGIDA-Losung: Merkel muss weg! Vorgezogene Neuwahlen und ein Rücktritt des Präsidenten würden der Verfassung widersprechen und das Land ins Chaos stürzen. Ich frage mich, wieso das aus linker Sicht wünschenswert sein sollte. Bei allem, was an der Politik der FSLN zu kritisieren ist: es gibt keine progressive Alternative für das Land!
Bezeichnend ist, dass die Alianza Civil am 17. 04. 2019 zum Jahrestag der Unruhen in Managua eine Demonstration machen wollte, dafür aber nicht genügend Leute zusammengekriegt hat. Ähn­lich wie in der BRD wird hier den alten Politikern und Funktionären, den Parteien wie auch den Mas­senmedien weniger geglaubt als dem, was man in den sozialen Medien liest. Das ist vor allem bei den Jugendlichen so.

Venezuela/Schweiz: Kleine Nachricht des Terrors

Freitag, 28. Juni 2019


Die Schweizer Hyposwiss Private Bank schloss die Konten des Nahrungsanbieters Kabuco und fror die Zahlung von € 15.9 Mio. ein, die die für ein Schiff mit mehr als 90000 Tonnen Soya mit Ziel Venezuela bestimmt waren.
Twittermeldung des venezolanischen Aussenministeriums vom 29. Mai 2019.

Paraquat, El Salvador: Ein tödliches Rätsel ist gelöst

Freitag, 21. Juni 2019

Wie ein Wissenschaftler aus El Salvador mit der Hilfe von KollegInnen in Sri Lanka, Kuba und Belgien bewiesen hat, dass zwei Pflanzenvernichtungsmittel für den Tod von über 10 000 Menschen verantwortlich sind.
Von Toni Keppeler, San Salvador (Text und Fotos)
Warum sterben in El Salvador so viele junge Leute an Nierenversagen? Nach langen Feldstudien war dem Mediziner Carlos Orantes die Ursache klar.
Man weiss schon lange, dass das Pflanzenvernichtungsmittel Paraquat ein tödliches Gift ist. Wer auch nur einen Teelöffel dieses Herbizids schluckt, stirbt einen langen und qualvollen Tod. Erst krampfen sich die Gedärme, dann versagt die Niere, dann alle anderen Organe. Zwei oder drei Tage kann das dauern. Ein Gegengift gibt es nicht. In der Schweiz, der Europäischen Union, aber auch in armen Ländern wie Sri Lanka ist der Einsatz von Paraquat schon lange verboten. In Ländern, wo Paraquat noch erlaubt ist, bewirbt der Schweizer Chemie- und Saatgutkonzern Syngenta, einer der hauptsächlichen Produzenten, sein unter dem Markennamen Gramoxone vertriebenes Produkt als «effektiv und umweltfreundlich», geradezu «perfekt für nachhaltige Landwirtschaft».
Jetzt hat ein internationales Forschungsteam nachgewiesen, dass auch der in der Landwirtschaft übliche Einsatz von Paraquat tödliche Folgen hat. Das Ergebnis seiner zehnjährigen Arbeit war der WOZ vorab bekannt und wurde vom belgischen Nierenheilkundler und Toxikologen Marc De Broe am Freitag beim Jahreskongress der European Renal Association / European Dialysis and Transplant Association in Budapest vorgestellt. Danach dringt das Gift über die Haut und die Atemwege in den Körper ein, gelangt in die Niere, führt mit der Zeit zu einer unheilbaren chronischen Erkrankung und letztlich zu einem schmerzhaften Tod. Allein in Zentralamerika sind schon über 10 000 Menschen daran gestorben (siehe WOZ Nr. 49/2012).
Auch in Sri Lanka wurden Tausende von derselben Krankheit dahingerafft, obwohl dort kein Paraquat eingesetzt werden darf. Diese lange rätselhafte Epidemie kann die Studie auch erklären: Das in Sri Lanka wie in Europa und anderen Weltgegenden noch immer verwendete Glyphosat kann in der Niere dieselben krankhaften Veränderungen auslösen. Ähnliches gilt für Insektenvernichtungsmittel auf der Basis sogenannter Pyrethroide.

weiterlesen:  https://www.woz.ch/1925/paraquat-und-glyphosat/ein-toedliches-raetsel-ist-geloest

Unterbruch

Donnerstag, 20. Juni 2019

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Bericht aus Honduras



19.6.19, 22h45

Seit mehr als anderthalb Monaten erlebt Honduras intensive und tägliche Proteste der Plataforma en Defensa de la Salud y la Educación. Die Regierung setzte auf massive Repression, Spaltung und Manipulation der öffentlichen Meinung. Aber sie zog dabei weder die strukturelle Krise im Land noch den Kampfgeist der Bevölkerung in Betracht. Nach 45 Tagen hat sich der Eindruck selbst bei konservativen Medien verallgemeinert, dass sich die Krise verschärft hat und die Schwäche der Regierung offensichtlicher denn je ist und dass die Regierungshandlungen weder legitim noch legal sind. Täglich unterstützen weniger Organisationen und Leute [den Präsidenten] Juan Orlando Hernández.
Die Plataforma en Defensa de la Salud y la Educación ruft nach einem alternativen Dialog, damit die gesellschaftlichen Sektoren Übereinkünfte erzielen können, aber ruft auch dazu auf, die Strassenbesetzungen, Departementsversammlungen etc. nicht aufzugeben.
Seit zwei Wochen haben sich die Strassenbesetzungen intensiviert, täglich gibt es Berichte von neuen Besetzungen zentraler Verkehrswege, Protesten in fast allen Städten und willkürlicher Repression.
In dieser sich verschärfenden Krise haben Unternehmersektoren scharf Stellung gegen die Regierung bezogen. Die Krise erreicht jetzt den [Unternehmerverband] COHEP, der im Gegensatz zur bisherigen Praxis keine gemeinsamen Stellungsnahmen für die Regierung mehr zustande bringt.
Die sozialen Sektoren haben keine Einheit über die Forderungen der streikenden Berufsgremien hinaus erzielt. Sie haben aber in den Städten und Dörfern systematisch und koordiniert auf die Aufrufe der Lehrerinnen und Ärzte geantwortet. Der Transportsektor streikt für eigene Forderungen und hat sich den Strassenblockaden angeschlossen.
Tegucigalpa erlebt eine schwere Unterversorgung mit mit Benzin und in einigen Stadtteilen macht sich Nahrungsknappheit bemerkbar.
Heute haben die Spezialeinheiten der Polizei (die Cobras), die Policía Nacional Civil und und die Kripo einen nationalen Streik für mehr Lohn ausgerufen. Das hat nun über den Strassenkampf im ganzen Land hinaus zu Plünderungen und Verkehrszusammenbrüchen auf den grossen Strassen des Landes geführt. Die Zufahrten zu San Pedro Sula, Ceiba, Tocoa, Choloma, Cortes, Choluteca, Villanueva, La Esperanza etc. sind besetzt.
Um 22h30 suchte die Regierung in verzweifeltem Kampf um Zeitgewinn ein Abkommen mit dem Transportsektor. Sie verkündet, alles sei gelöst, während der «zivile Ungehorsam» die Strassen landesweit überflutet. Es gibt auch Berichte von Zusammenstössen bei den Besetzungen mit mehreren Schussverletzten in der Hauptstadt.
Die Gerüchte von Ausgangssperre und einem Staatsstreich machen wild die Runde.
Gesicherte Erkenntnisse gibt es keine. Eindeutig ist aber eine Truppenmobilisierung zur Verteidigung von Institutionen, Häusern von FunktionärInnen der Regierung und einigen Unternehmen. Eben so klar ist aber der Einbruch der Regierungsunterstützung seitens traditioneller Verbündeter wie der katholischen Kirche, die sogar das Volk zu Einheit gegen Ungerechtigkeit und Korruption aufgerufen hat, und sogar in der Regierungspartei, wo Kräfte um Ex-Präsident Lobo zum Sturz von Juan Orlando Hernández aufgerufen haben.
Das Szenario ist für die Regierung extrem kritisch; aber sie zählt aber weiterhin mit der Unterstützung der Streitkräfte und der USA. Vielleicht aber nur noch für kurze Zeit … Wir werden sehen, was morgen läuft.

* Coalición Contra la Impunidad Honduras, https://m.facebook.com/HnCCI: «De un Amigo desde Honduras»
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(zas, 20.6.19) Die Lage ist heute (Vormittag in Honduras) sehr wirr, es zirkulieren unbestätigte Gerüchte von Zusammenstössen zwischen der Polizei und der Armee. Einschätzungen aus der Bewegung gehen von erhöhter Repression in den kommenden Tagen aus. Laut einem Kommuniqué des Universitätsspitals von Tegucigalpa von heute früh sind gestern Nacht 12 Verletzte hospitalisiert worden, darunter drei Menschen mit Schussverletzungen. Der 29-jährige Luis Antonio Maldonado starb gestern Nacht im Spital an den Folgen eines Kopfschusses.
Als der Generaldirektor das Quartier der seit Dienstag Nacht streikenden Spezialeinheiten der Polizei (Cobras) besuchen wollte, antworteten ihm die Revoltierenden mit Tränengas und Schüssen.
Mel Zelaya, der Chef der Linkspartei Libre, antwortete auf ein Frage in einem Radiointerview, ob er seine beträchtliche Mobilisierungskapazität für eine Oppositionsallianz aller Parteien gegen JOH einsetzen würde, für Libre sei im jetzigen Moment eindeutig die Plataforma en Defensa de la Salud y la Educación massgeblich. Jeder andere Zusammenschluss könnte vom Regime als Mittel zur Spaltung des Volkes verwendet werden. Alle Militanten von Libre seien verpflichtet, sich den Mobilisierungen der Plataforma anzuschliessen. Heute wurde auch bekannt, dass gegen einen führenden Exponenten eines linken Flügels in Libre, Gilberto Ríos von der Organisation der Necios, Haftbefehl ergangen ist, da er als intellektuelle Figur hinter der Finanzierung von Mara-Aktivitäten stehe. 


http://www.resumenlatinoamericano.org/wp-content/uploads/2019/06/WhatsApp-Video-2019-06-20-at-00.29.52.mp4?_=7

Honduras: Chaotische Lage


(zas, 20.6.19) In Honduras wird die Lage chaotisch, wie unsere Kontaktleute aus der Bewegung mitteilen. Die Proteste gegen die Konterreformen in den Bereichen Gesundheit und Erziehung haben sich trotz taktischer Rückzieher der Regierung von Juan Orlando Hernández (JOH) ausgeweitet. Gleichzeitig haben sich die Kämpfe um die Universität UNAH verstärkt, wo die Sicherheitskräfte bisher mit brutaler Gewalt agiert haben. Doch gestern zogen sie sich zurück.


Das wird fast sicher mit einer Spaltung im Polizeikorps zu tun haben, von dem Teile nun ihre Mitmache an der Repression verweigern. ein ähnliches Phänomen gab es schon anlässlich der Proteste gegen den Wahlbetrug von JOH.


Die Kämpfe beschränken sich keineswegs auf die Hauptstadt Tegucigalpa. Hier ein Video aus der Pazifikstadt Choluteca.