Mexiko: Nestlé, Werbung, Zynismus

Dienstag, 11. November 2014

(zas, 10.11.14) Crunch Mexiko gehört zu Nestlé und produziert Schokolade, bei deren Genuss es knirscht – von daher der Namen. Die Crunch ist in der ganzen Region bekannt. Nicht bekannt genug, fand vermutlich ein origineller Werber. Er tweetete im Crunch-Account:

„Denen von Ayotzinapa gaben sie Crunch“



Ayotzinapa - das hat in Mexiko einen sehr eigenen Klang. Dieser LehrerInnenschule für Indigene haben die 43 Studierenden angehört, die seit dem 26. September verschwunden sind. In jener Nacht hatte der Bürgermeister seine Polizei geschickt, die linken Studenten, von denen er eine Protestaktion befürchtete, abzuräumen. Vier von ihnen und zwei irrtümlich mit ihnen verwechselte Fussballer wurden in der gleichen Nacht ermordet, 43 offenbar an die Narcos des Bürgermeisters übergeben.  Von ihnen behauptet jetzt die Regierung Peña Nieto, die Narcos hätten sie brutal ermordet und ihre Leichen verbrannt und anschliessend in einem Fluss entsorgt. Niemand kann Gründe benennen, warum den Regierungsangaben dieses Mal zu vertrauen wäre.
Seit Wochen breitet sich die Protestbewegung im Land aus – basta ya mit dem Terror der Narcos, des Drogenkriegs, seiner amtlichen Nutzniesser und Anheizer. Das Entsetzen ist tief, und auch die bronca, die Wut. Am Samstag griffen Studierende von Ayotzinapa, unterstützt von den Eltern der Verschwundenen und anderen StudentInnen, in einer gut organisierten  Aktion das Regierungsgebäude In Chipalcingo, der Hauptstadt von Guerrero, in der Iguala liegt, an und setzten 20 staatliche Autos in Brand. Seit Wochen brodelt es im Land. Iguala steht für die tiefe Komplizenschaft der Behörden mit dem Terror der Narcos.  Niemand weiss, was das tiefe Erdbeben, das jetzt die mexikanische Gesellschaft erfasst hat, noch bewirken wird.
Und da kommt der „Spassvogel“ mit seinem Tweet. Hauptsache wohl dass von der Schokolade geredet wird. Sicher, das Unternehmen hat den Tweet bald gelöscht und versichert auf seiner Twitterpage, dass seine Marke nichts mit dem schrecklichen Ereignis gemein habe und es sich beim Tweet um einen „schlechten Scherz“ handle. Nach einem halben Tag liess man verlauten, der Tweet sei böswillig von aussen eingeflossen.