Das Jahr fängt nicht gut an: Verschwundene und Ermordete in Mexiko

Dienstag, 13. Februar 2018

https://www.npla.de/poonal/das-jahr-faengt-nicht-gut-an-verschwundene-und-ermordete-in-mexiko/

Das Jahr fängt nicht gut an: Verschwundene und Ermordete in Mexiko

Von Nina Aretz
v.l.n.r.: Carlos Domínguez Rodríguez, Guadalupe Campanur, Quintin Salgado Salgado, Agustín Silva Vázquez
(Berlin, 2.Februar, npl)-. Gerade 13 Tage war das Jahr 2018 alt, als in Mexiko der erste Journalist des Jahres ermordet wurde. Maskierte Unbekannte stoppten am 13. Januar 2018 das Auto des Journalisten Carlos Domínguez Rodríguez im Zentrum von Nuevo Laredo, Tamaulipas und erschossen ihn am helllichten Tag. Die Familienmitglieder, die sich im Auto befanden, mussten dem Mord tatenlos zusehen.
Der erste Mord an einem unabhängigen Journalisten
Carlos Domínguez Rodríguez war Journalist und Kolumnist bei der Tageszeitung Noroeste Digital und beim Nachrichtenportal Horizonte de Matamoros. 40 Jahre hat er als unabhängiger Journalist gearbeitet und sich durch seine kritische Haltung gegenüber lokalen Machthaber*innen ausgezeichnet. Einen Tag vor seinem Tod, veröffentlichte er einen Text mit dem Titel: „Die Gewalt im Vorfeld der Wahlen lässt den mexikanischen Erdboden erzittern“ in dem er die staatliche Sicherheitspolitik sowie die Straflosigkeit in den letzten 18 Jahren anprangert. Der Sohn von Carlos Domínguez Rodríguez gab an, dass einige lokale Staatsdiener*innen durch die investigative journalistische Arbeit seines Vaters ihren Posten verloren hätten.
Der Journalist Agustín Silva ist unauffindbar
Am 22. Januar 2018 meldete ein Anghöriger das Verschwinden des Journalisten Agustín Silva Vázquez im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca. Er arbeitet für die Zeitung El Sol de Istmo und El Sur. Am 16.Januar 2018 war er als Reporter bei einem Militäreinsatz anwesend: Dort verhaftete das Militär drei Personen und beschlagnahmte Waffen, Kokain und Crystal Meth. Lucio Silva, der Vater von Agustín Silva, gab an, sein Sohn sei einige Tage nach dem Militäreinsatz aufgefordert worden, Falschaussagen für die Verhafteten zu machen, was der Journalist aber wohl ablehnte. Zuletzt wurde er am Abend des 21.Januars 2018 gesehen, bevor er sich, nach eigenen Angaben, auf den Weg zu einem Informanten begab. Sein Auto wurde in 40km Entfernung von seinem Heimatort Matías Romero gefunden. Mittlerweile haben sich die internationale Organisation Article 19*, die Kommission für Menschenrechte von Mexiko-Stadt (Comisión de Derechos Humanos de la Ciudad de México) sowie die Ombudsstelle für Menschenrechte Oaxaca (Defensoría de los Derechos Humanos del Pueblo de Oaxaca) eingeschaltet und fordern den Bundesstaat Oaxaca auf, die Ermittlungen aufzunehmen und deren Stand zu veröffentlichen. Auch die Menschenrechtskommission der UNO forderte eine lückenlose Aufklärung des Verschwindens von Agustín Silva und solidarisierte sich mit der Familie.
Nach der Statistik von Reporter ohne Grenzen ist Mexiko mit elf ermordeten Journalist*innen im Jahr 2017, nach Syrien (zwölf Ermordete), das gefährlichste Land für Pressevertreter*innen.
Streikführer Quintín Salgado Salgado erschossen
Quintín Salgado, 37 Jahre, arbeitete als Kumpel in der Mine Media Luna der kanadischen Firma Torex Gold. Am 24.Januar 2018 erschoss ihn eine Gruppe Bewaffneter in Nuevo Balsas, Cocula, Guerrero. Das ist bereits der dritte Mord an (Ex-)Minenarbeitern, der im Kontext der Arbeitskämpfe und der Besetzung der kanadischen Mine Torex Gold geschehen ist: Am 18. November 2017 wurden die Brüder Víctor und Marcelino Sahuanitla Peña an einem Streikposten, der der Leitung der Mine den Zugang verwehren sollte, exekutiert. Torex Gold ist schon länger wegen Missachtung der Arbeitsrechte sowie Verstößen gegen Umweltauflagen in den Schlagzeilen. Seit dem 3.November 2017 befinden sich die Arbeiter im Streik, um u.a. den Abschluss eines Tarifvertrags zu erreichen.
Torex Gold entließ Quintín Salgado im Jahr 2016, da er sich mit den Fischer*innen solidarisiert hatte, die die Mine besetzt hielten, um eine Entschädigung zu erhalten. Sie können ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen, da der Fluss Balsas durch den Goldabbau mit Zyanid verseucht ist. Auch nach seiner Entlassung engagierte sich Quintín Salgado weiterhin stark im Arbeitskampf der Minenarbeiter.
Schon der dritte Mord im Zusammenhang mit den Arbeitskämpfen bei Torex Gold
Alle drei Morde werden dem Unternehmen Torex Gold und ihren Handlangern, dem größten mexikanische Gewerkschaftsbund CTM (Confederación de Trabajadores Mexicanos), zugeschrieben. Roberto Hernández Mojica, Generalsekretär der Abteilung 17 der Gewerkschaft für Bergbau und Metall SNTMMSSRM (Sindicato Nacional de Trabajadores Mineros, Metalúrgicos, Siderúrgicos y Similares de la República Mexicana) gab an, dass der Mord an Quintín Salgado im Zusammenhang mit seiner Unterstützung für die Streikenden stehe. Der Gewerkschafter Napoleón Gómez Urrutia fügt hinzu: „Das Attentat, verübt von den Killern der CTM und geschickt von Torex Gold, wurde auf heimtückische und brutale Art und Weise ausgeführt. Es reiht sich in die Aggressionen und Willkür dieser unternehmerischen und gewerkschaftlichen Mafia ein.“
Guadalupe Campanur, Waldschützerin und indigene Aktivistin der p’urhépecha, erdrosselt
Die Leiche der 32-jährigen Guadalupe Campanur, wurde am 16. Januar 2018 auf der Landstraße zwischen Carapan und Playa Azul in der Gemeinde Chilchota im Bundesstaat Michoacán aufgefunden. Die Aktivistin kämpfte seit 2011 für die Rückgabe des Gemeindelandes Cherán in Michoacán, war Mitbegründerin der Selbstverwaltung der Gemeinde (Ronda Comunitaria) und Teil der Waldschutzgruppe.
Seit 2011 kämpft die indigene p’urhépecha Gemeinde Cherán gegen illegale Abholzung, die mit Hilfe der Drogenmafia und der lokalen Polizei vorangetrieben wird. Nachdem die Holzfäller 2011 zwei Dorfbewohner ermordet und weitere verletzt hatten, beschlossen die p’urhépecha ein eigenes Sicherheitskonzept aufzubauen. Sie benötigen für ihr Leben das Holz, den Harz und medizinische Pflanzen, die ihnen der bereits stark dezimierte Wald zur Verfügung stellt.
Einschüchterungen gegen widerständige Gemeinde
Carolina Lunuen, Freundin von Guadalupe Campanur, schreibt: „Den Mord kann man auch als Einschüchterungsversuch interpretieren, um die zum Schweigen zu bringen, die, mit ihren über den Widerstand hinausgehenden Gemeindeaktivitäten, das Leben wirklich verbessern wollen. Es ist auch eine Form des Terrors gegen Frauen und zeigt schließlich die Methode des Ethnozids, um den Kampf für das Leben durch die p’urhépecha Gemeinde von Cherán, zurückzudrängen.“
Aktivist*innen, Journalist*innen, Familie und Freunde haben eine Kampagne unter dem Hashtag #JusticiaparaLupita ins Leben gerufen, in der gefordert wird, dass der Mord an Guadalupe Campanur nicht ungestraft bleibt.
Der Mord an Campanur geschah fast ein Jahr nach dem Mord an dem Waldschützer Isidro Baldenegro, der für seinen unermüdlichen Kampf für die Wälder der Sierra von Chihuahua den Goldman-Umweltpreis erhielt.
Der Bericht „Die Erde verteidigen“ (Defender la Tierra) von Global Witness gibt an, dass im Jahr 2016 mit 201 Fällen die meisten Morde an Umweltschützer*innen in 24 Ländern registriert wurden. 60 Prozent der Ermordeten, wurden in Lateinamerika getötet. Besonders betroffen sind Brasilien (49), Kolumbien (37), Honduras (14) und Nikaragua (11). In Mexiko gab es im Jahr 2016 drei registrierte Fälle. Auch in Guatemala (6) und in Peru (2) kam es zu Morden an Umweltschützer*innen.
*Unabhängige britische Organisation, die es sich seit 1987 zur Aufgabe macht den Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte auf Meinungsfreiheit zu verteidigen.

Venezuela/Kolumbien: Der Angriff kommt ins Rollen

Sonntag, 11. Februar 2018



(zas, 11.2.18) Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos setzt den Marschbefehl um, den er von US-Aussenminister Rex Tillerson erhalten hat. Am 8. Februar gab er auf Twitter neben strengeren Grenzkontrollen bekannt, 3000 zusätzliche Militärs und Polizeiangehörige an die venezolanische Grenze zu verlegen. Der Präsident des Landes mit den weltweit meisten internen Vertriebenen (8 Millionen), die vom Staat (und seinen Paraorganen) verjagt wurden und danach null Hilfe erhalten, sorgt sich um die humanitäre Lage im Nachbarland. Weshalb er an der Konferenz mit Tillerson letzten Dienstag bekundete: „Es ist dringend notwendig, die demokratische Ausrichtung Venezuelas wieder herzustellen, denn es sind seine Bürger, die unter den Folgen einer gescheiterten Diktatur leiden.“ Deshalb bereitet sich seine Regierung auf neue „Flüchtlinge“ von dort vor: Mit der UNO zusammen werde an der Grenze ein Betreuungszentrum für anfangs 2000 Personen erstellt. Was könnte dramatischer die verzweifelte Lage im Land der Maduro-Diktatur aufzeigen? Wie mit Flüchtlingen effizient umzugehen sei, hat letzten Sommer eine hochkarätige Regierungsdelegation um Sicherheitsberater Juan Carlos Restrepo in Erfahrung gebracht. In der Türkei nämlich. Logisch: Der strategische NATO-Partner Kolumbien lernt von NATO-Mitglied Türkei. (Bestimmt von grösstem Interesse ist, wie die Türkei Afrin „entkurdisieren“ will, um danach die mutmasslich bald aus Idlib vertriebenen Al-Kaidas und sonstige Verbündete dort anzusiedeln, unter deren Regime dann auch die in die Türkei Geflüchteten dorthin entsorgt werden sollen.)
Nun, die 3000 zusätzlichen Militärs an der Grenze haben Gesellschaft. Vorgestern schrieb Sergio Rodríguez Gelfenstein Folgendes:

„Die Vorbereitung des Kriegs [gegen Venezuela} hat schon begonnen. Im Catatumbo im Departement Norte de Santander an der Grenze zu Venezuela haben illegale bewaffnete Gruppen in den Ortschaften Tibú und Tarra die Sicherheitskontrolle übernommen, ohne dass Armee, Polizei oder andere staatliche Institutionen eingeschritten wären, wie sich aus den Anklagen der Opfer dieser Banden ergibt. Diese terroristischen Gruppen nutzen das Verschwinden der Front 33 der FARC aus, die in dieser Gegend operiert hat. In der 90‘000-Seelen-Stadt Villa de Rosario im gleichen Departement kämpfen die bewaffnete Gruppe Los Pelusos und die sogenannten Autodefensas Gaitanistas de Colombia  (AGC) um die Vorherrschaft in sechs Quartieren (Galán, La Palmita, Pueblito Español, Montevideo, Primero de Mayo und San José) um die Vorherrschaft. Sie sind unter den Augen der Armee dorthin gegangen, um die Invasion von Venezuela vorzubereiten. Die Paramilitärs kontrollieren auch Los Patios, Villa de Rosario, San Cayetano, La Parada, Juan Frío, Uchema, Palo Gordo y Ragonvalia und Puerto Santander. Das Kommando führt Cochas alias  Luis Jesús Escamilla Melo, Chef des Ejército Paramilitar del Norte de Santander (EPN). In der Grenzstadt operieren auch die paramilitärischen Rastrojos. In Venezuela haben sie schon Basen in Llano Jorge und San Antonio del Táchira. Trotz der massenhaften Appelle der BürgerInnen an die nationale Regierung und die regionalen und kommunalen Behörden, drücken diese beide Augen zu.“

aus: rebelion.org, 9.2.18: La orden de combate fue dada: La guerra de Santos contra Venezuela

Ein Wort noch zum “Flüchtlingsdrama” an der Grenze: Es ist unzweifelhaft, dass tatsächlich mehr VenezolanerInnen (anscheinend in ihrer Mehrheit mit kolumbianischer Doppelbürgerschaft) nach Kolumbien ziehen. Dennoch ist bei den entsprechenden Zahlenangaben höchste Vorsicht am Platz, nicht nur, weil sich die jeweiligen Behörden entlang ihrer Parteilinie über die Zahlen streiten, was grundsätzlich ein schlechtes Licht auf die Sache wirft. Als am Freitag die kolumbianischen Behörden die Kontrollen beim Grenzübertritt in die Stadt Cúcuta verschärften, kam es zu einem medial die „humanitäre Katastrophe belegenden“ Riesenstau. Denn einerseits versuchten viele VenezolanerInnen angesichts der angekündigten Massnahmen, sich in Kolumbien noch schnell mit Gütern des Alltagbedarfs inkl. Medikamenten einzudecken, die in Venezuela oft nur zu horrenden Schwarzmarktpreisen zu ergattern sind. Und andererseits kam es auch zum Stau in der Gegenrichtung, weil viele VenezolanerInnen auf Einkauf in Kolumbien von den neuen Massnahmen auf dem falschen Fuss erwischt wurden. 
Stau an der Grenze. Foto: Últimas Noticias.
 Nach Angaben von Jonathan García, Chef des Parlaments des venezolanischen Gliedstaats Táchira, der an Kolumbien grenzt, überqueren täglich 35‘000 Menschen, fast auschliesslich aus Venezuela, die Grenze in beiden Richtungen.
Die „Flüchtlingskatastrophe“ an der Grenze, die von den Rechten in beiden Ländern originellerweise auch zum Anheizen von Xenophobie benutzt wird, ist Teil eines kontrollierten Prozesses. Ihre Ergänzung findet sie im realen wirtschaftlichen Desaster in Venezuela, dessen Ursachen einfach strikt ausgeblendet und umgeleugnet werden. Da kann sich Kader vom State Department mal verplappern und stolz den einschlägigen Erfolg der Wirtschaftsblockade verkünden - no news. Die Medien vergiessen widerliche Krokodilstränen über das Leid der Menschen in Venezuela und hecheln für das „grosse Aufräumen“. Das ist ihre Funktion, no fake.

Opposition in Venezuela bricht Dialog ab, Präsident unterzeichnet Abkommen

https://amerika21.de/2018/02/195181/venezuela-abkommen-regierung-opposition

11.02.2018 Venezuela / Politik
Oppositionsbündnis verweigert Unterschrift zum vereinbarten Dokument "für demokratisches Zusammenleben". Maduro ruft Bevölkerung zur Unterstützung auf
Der Präsident von Venezuela ruft die Bevölkerung auf, das Abkommen mit der Opposition zu unterstützen
Der Präsident von Venezuela ruft die Bevölkerung auf, das Abkommen mit der Opposition zu unterstützen
Quelle: albaciudad.org
Caracas/Santo Domingo. Nach dem abrupten Abbruch der Gespräche durch die Opposition hat Venezuelas Präsident Nicolás Maduro die Bevölkerung des Landes aufgerufen, ein mit dem Oppositionsbündnis Tisch der demokratischen Einheit (MUD) ausgehandeltes Abkommen mit ihrer Unterschrift zu unterstützen. Maduro hatte das nach fast zweijährigen Verhandlungen unter internationaler Vermittlung beschlossene Dokument über Rahmenbedingungen für ein friedliches Zusammenleben am 7. Februar unterschrieben und erneut die Umsetzung aller Vereinbarungen zugesagt.
Die Bürger Venezuelas haben nun die Möglichkeit, das fünf Seiten umfassende Dokument mit dem Titel Abkommen über demokratisches Zusammenleben für Venezuela am 17. und 18. Februar zu unterzeichnen. "Ihr könnt für oder gegen die Opposition sein, aber zuerst unterschreibt das Dokument der Dominikanischen Republik. Tut es für das Land", sagte Maduro am Donnerstag.
Politiker des MUD hatten zuvor die Unterschrift verweigert und die Gespräche abgebrochen. Dies bestätigte der Präsident der Dominikanischen Republik, Danilo Medina, am vergangenen Mittwoch. Der Dialogprozess sei auf unbestimmte Zeit ausgesetzt, so Medina, dessen Regierung eine Vermittlerrolle bei den Verhandlungen innehatte. Man habe die Treffen mit der Absicht eines Vertragsabschlusses begleitet, was die Opposition offenbar nicht begriffen habe. Stattdessen verlange sie nun mehr Zeit zur Durchsicht des von beiden Seiten ausgearbeiteten Dokuments, sagte Medina bei einer Pressekonferenz.
Beide Seiten hatten sich unter anderem auf die Durchführung von Präsidentschaftswahlen am 22. April geeinigt und die Respektierung des Wahlergebnisses zugesagt. Der MUD-Sprecher und Parlamentspräsident Julio Borges behauptet dagegen jetzt, die Regierung habe den Wahltermin einseitig festgelegt. Laut dem Abkommen wird die Regierung Maduro bei diesen Wahlen erstmals auch ein Team von Wahlbeobachtern der Vereinten Nationen zulassen. Die Opposition verpflichtete sich, gemeinsam mit der Regierung auf ein Ende der Sanktionen der USA, der Europäischen Union und Kanadas hinzuwirken. Auch wurde eine konkrete Zusammenarbeit bei sozialen und wirtschaftlichen Fragen vereinbart, um die schwere Krise im Land zu lösen. Man einigte sich zudem auf die Bildung einer Wahrheitskommission, die "zu Versöhnung, Wiedergutmachung für die Opfer, Frieden und Gerechtigkeit" beitragen soll.
Sichtlich konsterniert: Spaniens Ex-Ministerpräsident Zapatzero (links) und der Präsident der Dominikanischen Republik, Medina, bei der Pressekonferenz am Mittwoch
Quelle: albaciudad.org
Die Opposition bestreitet seit dem Abbruch der Gespräche am vergangenen Dienstag, dass man sich bereits einig gewesen sei und beschuldigt die Regierung – entgegen der Aussagen der Vermittler – das Dokument einseitig abgeändert zu haben. Auf seiner Webseite präsentierte der MUD nun ein alternatives Dokument. Darin fordert das Bündnis unter anderem die Neubesetzung der Wahlbehörde und die Freilassung des rechtskräftig verurteilten Politikers Leopoldo López, der zu gewalttätigen Protesten zum Sturz der Regierung aufgerufen hatte und derzeit im Hausarrest eine 14-jährige Strafe verbüßt. Außerdem wird verlangt, dass der Staat während des Wahlkampfes alle Radio- und Fernsehübertragungen einstellt.
Die Regierung Maduro beschuldigt indes die USA, hinter dem Scheitern des Abkommens zu stecken, um weiterhin einen Machtwechsel in Venezuela herbeizuführen. US-Außenminister Rex Tillerson habe Parlamentspräsident Borges angerufen, um ihn von einem Verhandlungsabbruch zu überzeugen und ihm Weisungen erteilt, so Jorge Rodríguez, Kommunikationsminister und Regierungsvertreter beim Dialog. Tillerson hatte vergangene Woche bei seinen Staatsbesuchen in Mexiko, Argentinien, Peru, Kolumbien und Jamaika bereits angekündigt, das die US-Regierung die Präsidentschaftswahlennicht anerkennen und zudem ein härteres Vorgehen lateinamerikanischer Länder gegen die sozialistische Regierung in Venezuela gefordert.
Auch der ehemalige spanische Ministerpräsident José Zapatero, der die Verhandlungen stets als Vermittler begleitet und sich bislang nicht öffentich geäußert hatte, kritisierte die Opposition für ihr Verhalten. Er finde es schockierend, dass das Dokument von der Opposition nicht unterzeichnet wurde und sei mit den Umständen und Gründen nicht einverstanden, heißt es in seinem offenen Brief. Er wolle sich weiterhin für ein "historisches Abkommen unter den Venezolanern" einsetzen. Zapatero appellierte an die Opposition, ihre Haltung zu überdenken und dem Abkommen im Namen von "Frieden und Demokratie" zuzustimmen, es sei eine "echte Hoffnung für die Zukunft Venezuelas".

Honduras: Keine Ruhe nach Amtsantritt von Präsident Hernández

Donnerstag, 8. Februar 2018

https://amerika21.de/2018/02/194991/honduras-keine-ruhe-amtsantritt
08.02.2018 Honduras / Politik

Auch nach Amtseinführung gehen Proteste gegen Wahlbetrug weiter. Wieder Demonstrant von Militärpolizei getötet. UN und OAS wollen Dialog mit neuer Regierung
Demonstranten in Honduras - unter ihnen Salvador Nasralla und Manuel Zelaya - forderten am Samstag erneut den Rücktritt von Präsident Hernández
Demonstranten in Honduras - unter ihnen Salvador Nasralla und Manuel Zelaya - forderten am Samstag erneut den Rücktritt von Präsident Hernández
Quelle: @EnAlianza
Choloma, Honduras. Bei der Räumung einer Straßensperre in Choloma nahe der zweitgrößten Stadt von Honduras, San Pedro Sula, ist am Montag der 40-jährige Ismael Hernández von Einheiten der Militärpolizei getötet worden. Laut Medienberichten blockierten Demonstranten mit einem Sattelschlepper die Schnellstraße, die San Pedro Sula mit dem Hafen in Puerto Cortes verbindet, als die Militärpolizei das Feuer auf sie eröffnete. Dabei wurde Hernández von mindestens vier Projektilen in den Rücken getroffen.
Am gleichen Tag demonstrierten in der Hauptstadt Tegucigalpa mehr als 1.000 Studenten der Autonomen Nationalen Universität und blockierten den Boulevard Suyapa. Die Protestaktion wurde ebenfalls von staatlichen Sicherheitskräften unter Einsatz von Tränengas geräumt.
Laut Menschenrechtsorganisationen wurden seit den Wahlen im November des vergangenen Jahres in Zusammenhang mit den landesweiten Protesten gegen den Wahlbetrug und die illegale Wiederwahl des Präsidenten Juan Orlando Hernández über 40 Personen ermordet.
Dennoch reißen die Proteste nicht ab, auch am vergangenen Samstagabend gingen in mehreren Städten wieder tausende Menschen auf die Straße. In der Hauptstadt Tegucigalpa waren der Ex-Präsidentschaftskandidat der Allianz gegen die Diktatur, Salvador Nasralla, und der im Jahr 2009 durch einen Putsch abgesetzte Ex-Präsident Manuel Zelaya beteiligt. Mit einem Gebet wurde der Toten gedacht, die bei den Demonstrationen und Straßenblockaden nach der Wahl überwiegend staatlicher Gewalt zum Opfer fielen. Nasralla betonte, dass die Proteste im ganzen Land weitergehen würden, bis Hernández entmachtet sei. Er kritisierte auch die jüngsten Äußerungen von Seiten der Vereinten Nationen (UN) und der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS). UN-Generalsekretär António Guterres hat Hernández zu seiner zweiten Amtszeit als Präsident gratuliert. Die UN möchte die honduranische Regierung zudem bei einem nationalen Dialog unterstützen. Zu diesem Zweck wurde am 7. Februar ein Expertenteam nach Honduras geschickt, dem Catalina Soberanis, Carlos Vergara und Marcie Mersky angehören. Sie sollen Gespräche mit Akteuren aus Politik und Zivilgesellschaft führen.
Die OAS hat derweil den guatemaltekischen Ex-Präsidenten Álvaro Colom in das mittelamerikanische Land entsandt, um mit der Regierung Gespräche über die zukünftige Bekämpfung der Korruption, demokratische Prozesse und Reformen des Wahlsystems zu sprechen. Ein jüngst im honduranischen Parlament erlassenes Dekret könnte die Arbeit der Internationalen Unterstützungsmission gegen Korruption und Straflosigkeit in Honduras (MACCIH) der OAS stark in ihrer Arbeit beschneiden und vermutlich Straffreiheit für bislang Beschuldigte bedeuten. Dies hat zu Verstimmung auf Seiten der MACCIH geführt. Salvador Nasralla erklärte, dass er Colom als Mediator akzeptieren würde. Seiner Auffassung nach sollte vor allem über Sanktionen gegen 65 korrupte Abgeordnete, unter ihnen Parlamentspräsident Mauricio Oliva, gesprochen werden. Wenn er selbst sich mit an den Verhandlungstisch setzen sollte, dann nur "unter der Bedingung, dass das Anliegen der Menschen auf den Straßen akzeptiert wird. Und das ist der Wahlbetrug", so Nasralla.
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(zas, 8.2.18) Für eine Teilnahme an der UNO-Vermittlung hat die Oppositionsallianz Bedingungen aufgestellt wie die Schaffung einer von der UNO geleiteten Untersuchungskommission mit Beteiligung beider Lager zu den «Morden, Angriffen und anderen Menschenrechtsverletzungen» während der Nachwahlzeit zwecks Anklageerhebung; kriminaltechnische Untersuchung der Wahlcomputer und -Server des Wahlgerichts, eine Wahlrechtsreform inkl. eines neuen WählerInnenregisters u. a. Es ist klar, dass das Regierungslager das nicht akzeptieren will.