Honudras: ein Verhandlungsmord

Samstag, 21. Januar 2012


(zas, 21.1.12) Gestern Freitag wurde Matías Valle von zwei Personen auf einem vorbeifahrenden Motorrad erschossen, als er beim Weiler Quebrada de Arena in der Gemeinde Tocoa auf den Bus wartete. Valle war ein wichtiger Aktivist der BäuerInnenvereinigung MUCA, eine von mehreren Landorganisationen, die seit zwei Jahren einen erbitterten Widerstand gegen ihre von drei Palmöl-Mogulen betriebene Vertreibung aus dem im Agrarkonfliktgebiet Bajo Aguán  führt. In den letzten zwei Jahren sind hier 45 BäuerInnen ermordet worden.

Matías Valle. Bild: resistenciahonduras.net

Matías Valle war in den Worten von MUCA-Generalsekretär Yoni Rivas „ein total mit den Kampf identifizierter Genosse und fundamental für den Verhandlungsprozess mit der Regierung und den Palmölgrossgrundbesitzern“.  2010 verhandelte die Putschregierung II von Porfirio Lobo mit den Agrarkooperativen eine Lösung des Bodenproblems im Bajo Aguán, dem sich jedoch die Grossgrundbesitzer um Miguel Facussé verweigerten (zur Rolle von Facussé im Drogenhandel vgl. den mit dieser Notiz zusammen publizierten Artikel aus Correos 167 (September 2011). Der Mord an Valle steht für das MUCA klar im Zusammenhang mit einer soeben erfolgten Gesprächsrunde: „Es besteht kein Zweifel daran, dass dieser neue Mord mit dem Landkonflikt zusammenhängt. [Die Grossgrundbesitzer] wollen uns dazu bringen, den Vorschlag der Regierung und der Privatbanken für den Landkauf zu akzeptieren“.  Dem MUCA zufolge würde dieser Vorschlag eine unbezahlbare Schuld bei Privat- und Staatsbanken von fast 2 Mrd. Lempiras ($105 Mio.) mit sich bringen.

Nach einer Mordserie an widerständigen BäuerInnen wurde das Gebiet des unteren Aguán-Flusses militarisiert (mit der letzten September begonnen Operación Xatrach). Seither sind 9 Bauern und eine Bäuerin ermordet worden.

Miguel Facussé, Drogenhändler


aus Correos 167 (September 2011)

Radio La Primerísima

(Tegucigalpa, 3.9.11)  Ein von Wikileaks veröffentlichtes Kabel des US-State Departments belegt, dass die USA schon seit Jahren über die Verbindungen des honduranischen Magnaten Miguel Facussé mit dem Drogenhandel im Bilde waren. Laut dem als geheim klassierten Kabel der US-Botschaft in Tegucigalpa vom 4. März 2004 (TEGUCIGALPAPAooo672) landete ein mit einer Tonne Kokain beladenes Flugzeug auf dem Land von Facussé, wo es entladen und danach verbrannt wurde, um den Anschein zu wecken, der Industrielle habe nichts damit zu tun. Zudem enthüllt das Kabel, dass das Botschaftspersonal von zwei anderen, mit Facussés Eigentum verbundenen Drogenaffairen von Anfang und Mitte 2003 wusste.

Der Investor und Grossgrundbesitzer Miguel Facussé ist eine der mächtigsten Personen im Land. Sein Neffe, der ehemalige Staatspräsident Carlos Flores, ist ein Pressemagnat. Facussé gilt als Vertreter der „faktischen Mächte“, ausserinstitutionelle Sektoren mit grossem Einfluss in der Gesellschaft, die den Putsch vom 28. Juni 2009 gegen Präsident Manuel Zelaya initiierten. Teile dieser Mächte sind die Narkostrukturen, die zur Beunruhigung der Experten vor allem in den letzten zehn Jahren die honduranische Gesellschaft  durchdringen.

Das Botschaftskabel mit dem Titel „Drug plane burned on prominent honduran’s property“ beschreibt Angaben über einen Unfall eines zweimotorigen Flugzeuges am 18. März 2004 in der Gegend von Farallones an der honduranischen Ostküste. „Es sieht nicht so aus, ob irgend ein Flugzeug am 18. März abgestürzt sei“, steht im Kabel. Weitere Botschaftsabklärungen ergaben, so das Kabel, dass es der Besitzer des Grundstücks, in dem sich die Flugzeugreste fanden, Facussé selbst, war, der am 17. März die Polizei benachrichtigte, dass seine Angestellten am Vortag auf das Flugzeug, das ohne Bewilligung gelandet war, geschossen und so in Brand gesteckt haben.

Tatsächlich hatte die Botschaft gute Gründe, an dieser Version zu zweifeln. Das Kabel erwähnt, dass die Taktische Analysegruppe der Joint Interagency Task Force South des US-Südkommandos am 14. März die honduranische Luftwaffe (HAF) über ein mit einer Tonne Kokain gefülltes Flugzeug aus Kolumbien informiert hatte, das Gegenstand einer vergeblichen Abfangoperation gewesen war. Und die Polizei informierte die Botschaft, dass der gesuchte Flieger am gleichen 14. März problemlos auf Land von Facussé gelandet war. Nach den Polizeiquellen der Botschaft „wurde die Ladung des Flugzeugs in einer von 30 schwer bewaffneten Männer bewachte Wagenkolonne umgeladen“. Die honduranische Polizei habe mehrere Angestellte und AnwohnerInnen der Hacienda befragt. „Es ist offensichtlich, dass diese Zeugen wussten, was vorgefallen war, aber aus Angst die Behörden nicht aufklärten“, steht im Kabel.

Ausserdem war der Botschaft zufolge das Landstück von Facussé schwer bewacht, was die Version „fragwürdig“ mache, dass Fremde die Landepiste ohne Einwilligung hätten benutzen können. Laut dem Kabel „gibt es absolut keinen Hinweis darauf, dass die HAF in irgendeiner Weise mit dem Endresultat dieser Fluglinie zu tun gehabt hätte, ausser das Post (die Botschaft) es für unwahrscheinlich hält, dass ein HAF-Abfangflieger das auf dem Boden brennende Flugzeug nicht bemerkt hätte“. Zuletzt erwähnt die Botschaft, dass „bei diesem Vorfall Drogenhändler zum dritten Mal in den letzten 15 Monaten mit Eigentum von Mr. Facussé verbunden sind. Im Juli 2003 fuhr ein Schnellboot in einen Wellenbrecher auf dem gleichen Besitztum und es kam zu einem Gefecht mit Kräften der Nationalpolizei. Zwei bekannte Drogenhändler wurden gefasst und 420 k Kokain beschlagnahmt. Früher  im gleichen Jahr endete ein anderer Flug auf dem gleichen Landstück und scheint die gleiche Piste benutzt zu haben“.

Natürlich hat Facussé einige unbequeme Fragen zu beantworten. Aber auch die USA täten gut daran zu erklären, warum sie, während mehr als acht Jahren im Besitz dieser Information, nicht gehandelt haben.

Kasten
Agrosprit, Kokain und Landkonflikte
(dd) Im Gebiet am unteren Verlauf des Flusses Aguán an der honduranischen Atlantikküste sind seit Anfang letztem Jahr schon 38 Bauern ermordet worden, fast alle Mitglieder von Kooperativen. Hintergrund: Das fruchtbare Land wurde im Rahmen einer beschränkten Agrarreform an bäuerische Kooperativen verteilt. Mit einer neoliberalen Gegenreform der 90er Jahre setzten einige Grossgrundbesitzer um Miguel Facussé gesetzliche Tricks durch, um sich die Kooperativländereien für ihren Anbau von Afrikanischer Palme (Agrosprit) anzueignen. Der Putsch von 2009 verhinderte, dass die Reformregierung von Mel Zelaya den Kooperativen helfen konnte. Facussé ist enger WWF-Partner an dessen Lobbyrunde für „nachhaltiges“ Palmöl der Multis. Im April 2011 konnte eine Kampagne von u.a. „Rettet den Regenwald“ das französischen Energieunternehmen EDF dazu zwingen, sein „Klima-Projekt“ mit Facussé zu beenden.
In der zweiten Augusthälfte wurden 12 Personen im Bajo Aguán umgebracht, die meisten von den Privatarmeen von Facussé. Danach schickte die Regierung 600 Militärs in die Zone. Bisher haben die staatlichen Repressionskräfte die paramilitärischen Verbände der Grossgrundbesitzer geschützt. Seit langem zirkuliert in Honduras die These, dass der Landkonflikt durch die Rolle von Facussé und anderen beim Transport von Kokain in die USA verschärft wird.

Minengegner in Oaxaca angeschossen

von Philipp Gerber

San José del Progreso, Mexiko. Bei einer Konfrontation zwischen Minengegnern und den lokalen Behörden im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca wurden am 18. Januar zwei Oppositionelle schwer verletzt. Die Auseinandersetzung im Ort San José del Progreso fand statt, als die Behörden den Bau einer Wasserleitung auf dem Boden von Minengegnern beginnen wollten. Dies berichteten diese an folgenden Tag in einer Pressekonferenz.

Während eine junge Frau mit einem Beinschuss relativ glimpflich davon gekommen zu sein scheint, schwebt ein 57-jähriger Mann den Angaben zufolge in Lebensgefahr. Auf die protestierenden Anwohner eröffneten Polizisten der lokalen PRI-Verwaltung das Feuer. Die Wasserleitung soll der Silbermine Cuzcatlán, die sich im Besitz der kanadischen Fortuna Silver befindet, den regulären Betrieb ermöglichen.

Die umstrittene Mine, 40 km südlich der Hauptstadt Oaxaca Stadt gelegen, wird seit dem September des vergangenen Jahres kommerziell betrieben. San José ist seit 2009 regelmäßig Schauplatz von Auseinandersetzungen, in deren Verlauf auch ein Gemeindepräsident und ein Gemeinderatsmitglied ums Leben kamen.

Das Minenprojekt wird sowohl von der PRI als auch von der Anti-PRI-Koalition des Gouverneurs Gabino Cué bedingungslos unterstützt. Eine Befragung der Lokalbevölkerung über das Grossprojekt fand nie statt. Aufgrund der erneuten Konfrontation fordern diverse soziale Organisationen Oaxacas, darunter die Lehrergewerkschaft, die Schließung der Mine.

https://amerika21.de/meldung/2012/01/45311/oaxaca-minengegner-verletzt

Zur Ergänzung der Kurzmeldung von amerika21: Bernardo Méndez Vásquez, welcher durch mehrere Kugeln in Brust, Bauch und Beine verletzt wurde, verstarb am 19.01. abends. Die Coordinadora de Pueblos Unidos del Valle de Ocotlán (COPUVO), welcher auch Bernardo Méndez Vásquez angehörte, ist sehr besorgt über das äusserst angespannte Klima in der Gemeinde. Die Behörden des Bundesstaates haben sich bisher darauf beschränkt, Polizeipräsenz im Ort zu erhöhen und eine in die Schiesserei involvierte Person zu verhaften.

Spanische Quelle (aus regierungsnaher Zeitung) mit Bild zum Angriff auf die Minengegner:
http://www.noticiasnet.mx/portal/principal/80605-muere-victima-balacera-san-jose-del-progreso

Mittwoch, 18. Januar 2012

Südmexiko-Soli-Newsletter Januar 2012





CHIAPAS

Nichts geht ohne Basisdemokratie: Internationaler Kongress rund um die Ideen der Zapatisten
Vier Tage diskutierten Intellektuelle und soziale Aktivisten aus Mexiko, Nord- und Lateinamerika auf dem »II. Internationalen Seminar: Planet Erde - antisystemische Bewegungen« über die aktuellen Herausforderungen für emanzipatorische Kräfte weltweit. Anlass war der 18. Jahrestag des Aufstands der Zapatistischen Befreiungsarmee EZLN vom 1. Januar 1994.
Weiterlesen: www.neues-deutschland.de/artikel/215138.nichts-geht-ohne-basisdemokratie.html


Communiqué vom Subcomandante Marcos (7. Dez. 2011): »Ein Tod... oder ein Leben«
Vierter Brief an Don Luis Villoro Toranzo im Briefaustausch über Ethik und Politik
Deutsche Version: www.chiapas.eu/news.php?id=6259



GUERRERO

Jagd auf Aktivisten
Am 12. Dezember griffen Polizisten verschiedener Einheiten in Chilpancingo, der Hauptstadt Guerreros eine Strassenblockade von 200 Studierenden auf der »Autobahn zur Sonne« genannten Strasse nach Acapulco an. Zwei 20-jährige Studenten starben im Kugelhagel der Polizei. Die Protestierenden machen eine Ausbildung zu Grundschullehrern in der Pädagogischen Hochschule von Ayotzinapa, die für ihre klassenkämpferische Grundhaltung bekannt ist. Diesmal mobilisierten die Schüler unter anderem, um eine bessere Verpflegung zu erreichen. Dem Internat stehen dafür gerade mal zehn Pesos (55 Cent) pro Tag zur Verfügung. Der neue Gouverneur Guerreros, wie sein Vorgänger von den linken Parteien PRD, PT und Convergencia gestellt, versprach eine Erhöhung des Kostgeldes auf 50 Pesos, doch diese und andere Verhandlungsresultate früherer Mobilisierungen blieben leere Versprechen.
Weiterlesen: http://www.neues-deutschland.de/artikel/213552.jagd-auf-aktivisten.html?sstr=Jagd

Weiterer Artikel: »Polizisten schießen auf demonstrierende Studenten. Zehn Beamte festgenommen»: http://www.jungewelt.de/2011/12-16/005.php


Verschwundene in Mexikoein »grauenhaftes Verbrechen«
Zwei Mitglieder der Bewegung für den Frieden in Gerechtigkeit und Würde MPJD werden seit dem 6. Dezember vermisst. Sie verschwanden spurlos in Guerrero. Javier Sicilia der Begründer der Bewegung fordert, dass beide lebend aufgefunden werden.

Im Bundesstaat Michoacán wurde ein 73-jähriger Anwalt ermordet, einen Tag nachdem er an einer Friedenskarawane teilgenommen hatte, aus welcher er von einer bewaffneten Gruppe entführt worden war.




MEXIKO
Akte geschlossen: Der Kampf um die Rehabilitierung der mexikanischen Menschenrechtsanwältin Digna Ochoa (Teil 1)
»Manche Leute sagen, mein Handeln sei mutig. Ich habe eher Zorn empfunden, wenn ich andere leiden sah. Für mich ist Zorn eine Energie, eine Kraft. Unrecht und der Zorn darüber motivieren uns, etwas zu tun und Risiken einzugehen im Bewusstsein, dass die Dinge sich sonst nicht ändern. Zorn hat uns dazu gebracht, uns der Polizei und den Soldaten entgegen zu stellen.« Digna Ochoa
Zum Zeitpunkt ihres Todes am 19.Oktober 2001 war Digna Ochoa y Plácido eine der bekanntesten und international angesehensten mexikanischen MenschenrechtsverteidigerInnen. Die 37-jährige Rechtsanwältin stammte aus einer armen und kinderreichen Familie mit indigenen Wurzeln im Bundesstaat Veracruz. Digna war 16 Jahre alt als ihr Vater, ein oppositioneller Gewerkschafter, 1980 von der Polizei verhaftet und gefoltert wurde. Zusammen mit ihrem älteren Bruder Jesús kämpfte sie erfolgreich für seine Freilassung. Digna studierte später Jura und begann, in der lokalen Staatsanwaltschaft zu arbeiten. Dort entdeckte sie eineTodeslisteangeblicherRevolutionäre, auf der auch ihr Vater und ihr Bruder standen.
Ein Hintergrundartikel über Digna Ochoa:
www.quetzal-leipzig.de/lateinamerika/mexiko/digna-ochoa-menschenrechte-anwaeltin-19093.html


Urgent Action: Vertreibung guatemaltekischer Familien in Tenosique:
Am 9. Januar um 5 Uhr morgens haben staatliche Streitkräfte die guatemaltekischen Familien vertrieben, die sich im Grenzstreifen und angrenzend an das Gemeindeland »Nuevo Progreso« in der Region Tenosique, Tabasco, befanden. Dieser Übergriff stellt eine Verletzung der Menschenrechte dar. Laut Zeugenaussagen fuhren die Behörden mit mehreren Patrouillen in Lieferwagen und Bussen in das Flüchtlingslager und fingen an, es unter Gewaltanwendung zu räumen und zu zerstören. Als die BewohnerInnen des Lagers versuchten, die Zerstörung zu stoppen und um Rechtfertigungen für dieses Vorgehen baten, wurden viele von ihnen festgenommen.

Unterschreiben unter: http://www.chiapas.eu/ua2.php?id=112
Hintergrundinformationen:
»Die MigrantInnenherberge in Tenosique, Mexiko«:

»Erneute Vertreibung guatemaltekischer Flüchtlinge«: http://www.chiapas.eu/news.php?id=6299



HINWEISE

Dienstag, 24. Januar, 19.30 Uhr:
Was eine linke Regierung möglich macht: Das Gesundheitswesen El Salvadors im Umbruch

Eine Veranstaltung im Rahmen des 75-jährigen Jubiläums von medico international (früher CSS)
Michael Kleutgens, genannt Paco, Arzt und langjähriger Projektkoordinator in El Salvador, berichtet über die Herausforderungen und Chancen der tief greifenden Gesundheitsreformen unter der FMLN-Regierung. Mit Beispielen aus der Behindertenarbeit zeigt er auf, welche Veränderungen auf politischer und auf gesellschaftlicher Ebene nötig sind, um auch Menschen mit einer Behinderung ein Leben in Würde zu ermöglichen.
Anita Escher, Botschafterin El Salvadors in Deutschland und ehemalige Projektkoordinatorin von medico ermöglicht Einblicke in die politischen Debatten des Landes (provisorische Zusage).
Einleitung und Moderation: Maja Hess, Ärztin und Präsidentin von medico international schweiz.
Zentrum Karl der Grosse, Kirchgasse 14, 8001 Zürich
www.medicointernacional.ch


Samstag, 4. Februar: Roji Negro-Solidaritätsjass
Offenes Jassturnier mit Verpflegung, organisiert vom Guatemala Komitee und ZAS Zürich
Kulturmarkt, Aemtlerstr. 23, 8003 Zürich
www.rojinegro-jassen.ch


Freitag, 10. Februar bis Sonntag, 12. Februar: Anarchietage Winterthur
In der Alten Kaserne, der General-Guisan-Strasse 31 und im Restaurant Zum Widder
Programm und mehr Infos: www.anarchietage.ch


Peace Watch Schweiz: Nächste Vorbereitungskurse für Menschenrechtseinsätze in Guatemala, Mexiko und Kolumbien
26. - 29. April und 10. - 13. Mai 2012, Anmeldeschluss bis 31. März
(jeweils Donnerstag 18 Uhr bis Sonntag 16 Uhr, Quellenstr. 31, 8005 Zürich
www.peacewatch.ch



Reinhören!

Gewalteskalation und »Drogenkrieg« in Mexiko
Ein Beitrag von Christoph Fetzer vom 13.1.2012 auf Radio Z (Nürnberg):
Anhören unter http://www.freie-radios.net/45673

Angriffe auf soziale Bewegungen in Mexiko
Interview mit Wolf-Dieter Vogel auf Radio Z (Nürnberg) vom 13.1.2012.
Anhören unter: http://www.freie-radios.net/45674


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Nestlé vor Gericht wegen Überwachung von Attac

Freitag, 13. Januar 2012

Nestlégate

Nestlé vor Gericht wegen Überwachung von Attac

Am 24. und 25. Januar 2012 stehen der Nahrungsmittelkonzern Nestlé und die Schweizer Sicherheitsfirma Securitas in Lausanne (Schweiz) wegen Bespitzelung der globalisierungskritischen Bewegung Attac vor Gericht. Mit dem Prozess, der lange auf sich hat warten lassen, wird endlich der Schleier der Verschwiegenheit gelüftet, der sich über den Bespitzelungsskandal gelegt hat.

Nestlé und Securitas sind angeklagt wegen illegaler Überwachung und Persönlichkeitsverletzung von Attac und deren Mitgliedern. Die Anzeigen erfolgten, nachdem das Westschweizer Fernsehen TSR am 12. Juni 2008 publik gemacht hatte, dass eine Gruppe von Attac-Vaud, die an einem Buch über die Nestlépolitik arbeitete, von einer Securitasmitarbeiterin im Auftrag von Nestlé infiltriert und ausspioniert worden war. Die Frau war 2003 unter der falschen Identität „Sara Meylan“ der Attac-Gruppe beigetreten, hatte Arbeitssitzungen besucht (teilweise bei den Mitgliedern zuhause) und darüber detaillierte Berichte zuhanden von Nestlé erstellt. Als Mitglied der Gruppe hatte sie Zugang zu internen Informationen und Zugriff auf sämtliche Recherchen der Autor/-innen, auf ihre Quellen und Kontakte sowohl in der Schweiz als auch im Ausland.

Spioninnen während Jahren aktiv

Am 26. September 2008 haben die Kläger/-innen beim Untersuchungsrichter eine weitere Securitas-Spionin angezeigt, die unter ihrem richtigen Namen 2008 noch immer aktiv bei Attac war. Nestlé und Securitas hatten zunächst behauptet, dass die Bespitzelung mit dem Abgang von „Sara Meylan“ im Juni 2004 beendet worden sei. Als dann diese zweite Agentin entdeckt wurde, haben die Firmen erklärt, diese Agentin hätte nach 2005 keine vertraulichen Berichte mehr für Securitas/Nestlé verfasst.
Das Strafverfahren wurde nach einer mangelhaften Untersuchung am 29. Juli 2009 eingestellt. Der damalige kantonale Untersuchungsrichter übernahm die Darstellungen von Nestlé und Securitas und begründete die Einstellung des Verfahrens u.a. mit der dreijährigen Verjährungsfrist des Datenschutzgesetzes. Dies, obwohl die zweite Nestlé-Securitas-Agentin noch 2008 aktiv bei Attac war!

Nun kommt es am 24. und 25. Januar 2012 zur Verhandlung im Zivilverfahren. Der Prozess ist öffentlich und es ist somit eine einmalige Chance, dass Transparenz über das Handeln von Nestlé und Securitas hergestellt werden kann.

Der Prozess findet im Tribunal d’arrondissement de Lausanne im Palais de justice de Montbenon am Dienstag und Mittwoch, 24 und 25. Januar von 9 bis 17 Uhr statt.

Werden Sie aktiv!
Protestmail an Nestlé schicken
Solidaritätsmail an Attac schicken
Geldspende an Attac Schweiz für den Prozess
News zu Nestlégate
28.4.2010: Intervention von MultiWatch an der Nestlé-GV
7.12.2009: Buch erschienen zu Nestlégate
24.4.2009: ACTARES befragt Nestlé zu Spionageaffaire
22.8.2008: Brabeck findet Bespitzelung nicht in Ordnung
24.6.2008: Nestlé-Spionage - MultiWatch fordert lückenlose Aufklärung
17.6.2008: Nestlé spioniert Attac Waadt aus

Haiti - Weiter im Katastrophentext

Freitag, 6. Januar 2012

(zas, 4.1.12). Der Haiti-Artikel in der NZZ vom 31.12.11– Anzeichen für eine neuartige Dynamik in Haiti – ist gewissermassen eine Trouvaille. Sein Autor, Peter Gaupp, bedient gewohnte kolonialistische Stereotypen, um umso mehr den Staats- und den Ministerpräsidenten,  Michel Martelly und Garry Conille, zu loben, die beide, so Gaupp, den „Ausweg Wirtschaftsförderung“ aus der Notlage nach den Erdbeben vom Januar 2010 erkennen.

Gleich zu Beginn werden wir auf den bisherigen „haitischen Schlendrian“ eingestimmt: „Fast zwei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben vom 12. Januar 2010 sind Haiti und vor allem seine Hauptstadt noch immer von der Katastrophe gezeichnet. Von systematischem Wiederaufbau ist in Port-au-Prince wenig zu sehen.“ Später erfahren wir: „Ein Grossteil der Unterstützung versickerte von jeher ohne nachhaltige Wirkung im Sog von Armut, Schlendrian, Korruption und Inkompetenz.“ Gaupp füttert uns Halb- und Falschinfos. So sei Präsident Martelly gegen Zwangsräumungen der Notlager der Erbebenüberlebenden – dass es „trotzdem“ zu einer grossen Welle von Zwangsräumungen gekommen war, wird nicht erwähnt (s. Von New Orleans nach Port-au-Prince: Profitraserei gegen die Armen). Dafür sieht es bei der Schweizer Botschaft wieder fein aus: „Die Bürgermeisterin des … sozial gehobenen Vororts Pétion-Ville hingegen vermochte die Place St-Pierre, an der auch die bescheidene Schweizer Botschaft liegt, freizumachen, indem sie den Lagerbewohnern Geld für die Miete fester Häuser gab. Geholfen hat auch, dass der Präsident den Platz im November für eine politische Veranstaltung nutzen wollte.“ Um das zu interpretieren, nützt folgendes Zitat von Jeena Shah vom Institute for Justice & Democracy/ Bureau des Avocats Internationaux (USA/Haiti) aus dem gerade verlinkten Artikel: „ Die Offerte von kleinen Summen Geld kommt angesichts von in die Höhe schnellenden Mieten und dem Fehlen von günstigen Wohnmöglichkeiten und von Hilfe bei der Wohnungssuche einer wirtschaftlichen Zwangsausübung gleich“.

Gaupp lamentiert: Schwer sei es, die Leute auch nur ein wenig aus ihrer gewohnten Umgebung „zu locken“. Doch die 15 km ausserhalb der Hauptstadt gelegene neue Siedlung Corail-Cesselesse komme nicht auf Touren, obwohl sie eine schmucke Sache sei. Immerhin, ihm ist aufgefallen: „Arbeit gibt es jedoch wenig, die Stromversorgung ist erst im Entstehen, und Wasser muss aus Tankwagen bezogen werden.“ Aus solchen Projekten laufen die „Begünstigten“ davon: no future, abgeschnitten von ihren sozialen Netzen und Einkommensquellen.

Dass die versprochenen internationalen Hilfsgelder nicht so richtig fliessen, erklärt sich unser NZZler mit den politischen Unsicherheiten vor der neuen Regierung. „Lobenswert“ sei jetzt aber, „ dass die neue Regierung  … aus dem Teufelskreis von Armut, Wohltätigkeit und Abhängigkeit ausbrechen, die Almosenempfänger-Mentalität ablegen und vor allem die Wirtschaft entwickeln möchte.“ Selbst eine internationale Investorenkonferenz unter Führung der Interamerikanischen Entwicklungsbank IDB habe es gegeben und Baubewilligungen würden jetzt binnen zwei Monaten statt drei Jahren erteilt (soviel zu Abklärungen punkto sozialer und ökologischer Gefahren etwa der von Gaupp erwähnten Hotelprojekte…).
Bill Clinton amüsiert sich an der Investorenkonferenz von Ende November 2011

Inspirierend auch dies: „Der ländlichen Entwicklung dient eine von der IDB, Frankreich und der Clinton-Stiftung unterstützte Partnerschaft mit Nestlé und dem kolumbianischen Kaffeeproduzenten-Verband, die 10 000 haitianischen Kaffeepflanzern helfen soll, ihr Produkt zu verbessern und so höhere Preise zu erzielen.“ Nestlé soll also auch haitische Peones kriegen, nebst kolumbianischet Komplizenschaft.

Soweit die Lüge.

Und nun einige Angaben zur oft bemühten haitischen „Almosenmentalität“ aus dem Artikel Haiti After the Quake von Bill Quigley und Amber Ramanauskas vom 3.1.12 Eine rassistische Generalanschuldigung, die im Beispiel des NZZ-Artikels das lichte Businesskommando kontrastieren soll. Generell wird damit der „Fehlschlag“ genau dieser businessorientierten transnationalen „Hilfe“ verdrängt, Fehlschlag, wenn damit Hilfe für die Erbebenopfer gemeint wäre – und nicht für die Katastrophenprofiteure. Im Folgenden einige Zitate von Quigley und Ramanauskas:

Es stellt sich heraus, dass fast nicht von dem Geld, von dem die breite Öffentlichkeit annahm, es gehe nach Haiti, direkt nach Haiti gegangen ist. Die internationale Gemeinschaft zog es vor, das haitische Volk, die haitischen Nichtregierungsorganisationen und die haitische Regierung zu umgehen. Die Mittel gingen stattdessen an andere Regierungen, internationale NGOs und Privatunternehmen. Obwohl die HaitierInnen fast überhaupt keine Kontrolle über die Gelder hatten, werden sie, wenn uns die Geschichte einen Hinweis geben kann, in einer typischen „Schuld sind die Opfer“-Tour für die Fehlschläge verantwortlich gemacht werden.

Gleich nach dem Erdbeben  stellten die USA $379 Mio. als Hilfe zur Verfügung und entsandten 500 Militärs. Die Associated Press entdeckte, dass die meisten Mittel der ursprünglichen versprochenen Hilfe von $379 Mio. nicht wirklich direkt, in einigen Fällen nicht einmal indirekt, nach Haiti gelangten. Sie dokumentierten im Januar 2010, dass von jedem dieser US-Dollars für Haiti 33 Cents direkt in die USA gingen, um uns für die Entsendung der Militärs zu entschädigen. 42 Cents jedes Dollars gingen an private und öffentliche Nichtregierungsorganisationen wie Save the Children, das UNO-Werternährungsprogramm und die Panamerikanische Gesundheitsorganisation. Fast nichts ging direkt an die HaitierInnen oder ihre Regierung. Die von den USA insgesamt als Hilfe bereit gestellten $1.6 Mrd. wurden einem Bericht des Congressional Research Office vom August 2010 weitgehend nach dem gleichen Muster ausgegeben.

Auch die internationale Hilfe folgte diesem Muster. Der UNO-Sondergesandte für Haiti berichtete, dass von den $2.4 Mio. humanitären Geldern 34 Prozent an die von den Gebern eingesetzten eigenen zivilen und militärischen Organisationen für die Katastrophenbekämpfung zurückgingen. 28 Prozent gingen an die UNO oder an von NGOs ausgeführte spezifische UNO-Projekte, 26 Prozent an private Unternehmen und andere NGOs, 5 Prozent an die die internationalen und die nationalen Rotkreuzgesellschaften und 0.4 Prozent an haitische NGOs.

Weniger als 1 Prozent der US-Hilfe ging laut Associated Press an die Regierung von Haiti. Gleiches gilt für andere internationale Geber. Die haitische Regierung wurde von der US-Regierung und der internationalen Gemeinschaft bei der Hilfe völlig umgangen.

Das American Red Cross erhielt $486 Mio. für Haiti geschenkt. Es sagt, zwei Drittel des Geldes seien für Verträge für Hilfe- und Aufräumarbeiten verpflichtet worden, obwohl es schwierig ist, an genaue Details zu kommen. Die CEO des American Red Cross verdient im Jahr über $500'000 […] „Die NGOs müssen punkto ihre Buchführung immer noch Red und Antwort stehen, denn es geht um viel Cash“, meinte Nigel Fisher, der leitende humanitäre UNO-Funktionär in Haiti. „Was ist mit den ungefähr $1.5-2 Mrd., welche das Rote Kreuz und andere NGOs von normalen Leuten erhalten haben und die von den Regierungen verdoppelt wurden? Was lief mit diesem Geld? Und da ist es sehr schwierig, die Spur dieser Mittel zu verfolgen“.

Weniger als einen Monat nach dem Beben sandte US-Botschafter Kenneth Mertens ein Kabel mit dem Titel „THE GOLD RUSH IS ON“ nach Washington. In diesem von The Nation, Haiti Liberté und Wikileaks veröffentlichten Dokument vom 1. Februar 2010 berichtete Botschafter Merten, dass der haitische Präsident ein Treffen mit dem früheren General Wesley Clark hatte, bei dem es um die Verkaufspromotion eines Unternehmens in Miami ging, das Schaumkern-Häuser baut. Lewis Luke, ein hochrangiger Hilfekoordinator der [staatlichen Entwicklungsagentur] USAID traf sich unmittelbar nach dem Beben zweimal in seiner Eigenschaft als USAID-Vertreter mit dem haitischen Premier. Er verliess danach die USAID und heuerte für $30'000 im Monat beim Florida-Unternehmen Ashbritt, bekannt für seine grossen Katrina-Verträge ohne Ausschreibungen, und einem prosperierenden haitischen Partner an, um für Katastrophenverträge zu lobbyieren. Locke sagte: „Es wurde uns klar, dass, wenn richtig damit umgegangen wird, das Erdbeben ebenso eine Chance wie ein Unglück darstellt“. Ashbritt und ihr haitischer Partner bekamen rasch einen $10 Millionen-Vertrag ohne Ausschreibung.

Fast zwei Jahre nach dem Beben ist von den für Infrastrukturwiederaufbau vorgesehenen $412 Mio. der US-Regierung weniger als ein Prozent ausgegeben worden.

Und dann kommt ein Gaupp, schwafelt von „Almosenempfänger-Mentalität“, fant für weitere Unternehmerinitiative und pinselt den gängigen RassistInnen hierzulande Bauch und Kamm! (Und kein Wort zu der von den UNO-Truppen eingeschleppten Cholera-Verheerung). Das Krepieren derer unten dort als Vorlage für die ideologische Selbstvergewisserung der MitläuferInnen hier.

„Missverständnis über die redaktionelle Unabhängigkeit“

Mittwoch, 4. Januar 2012


Dieser Tage kleidet sich der Mainstream in Deutschland und anderswo schick in Medienfreiheit. Anlass: Des Tölpels im deutschen Präsidentenpallais offenbarer Versuch, die Bild-Zeitung zu einer netten Berichterstattung zu verpflichten. Gross ist die Empörung allenthalben!

Doch staun, worüber man nebenbei stolpert:

http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Storz
Wolfgang Storz (* 4. Oktober 1954 in Tuttlingen) war von 15. Oktober 2002 bis zum 16. Mai 2006 Chefredakteur der Frankfurter Rundschau.
[…]
Ende 2000 bis November 2002 war Stolz stellv. Chefredakteur und anschließend Chefredakteur der „Frankfurter Rundschau“.[1]
Am 16. Mai 2006 gab die Gesellschafterversammlung des Druck- und Verlagshauses Frankfurt bekannt, dass sie sich mit sofortiger Wirkung von Wolfgang Storz als Chefredakteur der Frankfurter Rundschau trennt. […]
Vorausgegangen war ein Konflikt der SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier mit Wolfgang Storz, welchen Storz als den „entscheidenden Grund“ für seine Kündigung ansieht. Wettig-Danielmeier hatte eine Veränderung der Berichterstattung über Die Linke im Wahljahr 2005 empfohlen, Storz lehnte dies als Einflussnahme ab. Wettig-Danielmeier warf Storz wegen der Ablehnung ein „Missverständnis über die redaktionelle Unabhängigkeit“ [Hervorhebung ZAS] vor
[…]
 Mit einem Vergleich zu Gunsten von Wolfgang Storz wurde die Trennung zum 30. Juni 2007 rechtskräftig.[5]

Honduras: Keine Bewegungsfreiheit für deutsche ParlamentarierInnen

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Pressemitteilung des Lateinamerika-Portals amerika21.de

29.12.2011

Deutsche Abgeordnete dürfen Krisenregion nicht sehen

Tocoa/Tegucigalpa, Honduras, 29.12.2011. Das De-facto-Regime in Honduras hat offenbar eine Reise deutscher Bundestagsabgeordneter in die Krisenregion Bajo Aguán verhindert. Insbesondere in dieser Region im Norden des mittelamerikanischen Landes gehen Armee und Paramilitärs mit zunehmender Gewalt gegen organisierte Kleinbauern vor. In den vergangenen Monaten sind mehrere Dutzend von ihnen getötet worden. Wie das Lateinamerika-Portal amerika21.de berichtet, wurde Anfang Dezember die geplante Reise einer Delegation des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung des Deutschen Bundestages in das Gebiet von höchsten Regierungsstellen verhindert.

Nach Aussage des Grünen-Bundestagsabgeordneten und Delegationsleiter Thilo Hoppe war die zweitägige Reise und die Flüge von Tegucigalpa in die Nähe von Bajo Aguán bereits mit Unterstützung der
deutschen Botschaft vor Ort organisiert worden. Ungefähr eine Woche vor dem geplanten Besuch erhielt die Delegation jedoch die Nachricht, dass die Flüge genau an den beiden gebuchten Tagen ausfallen würden. Gegenüber amerika21.de sagte Hoppe, es sei während des Aufenthaltes in Honduras deutlich geworden, "dass die honduranische Regierung nicht daran interessiert war, internationale Beobachter in die Region zu lassen". Bereits in der ersten Jahreshälfte war einer 16-köpfigen Botschafterdelegation die Erlaubnis verweigert worden, nach Bajo Aguán zu reisen, um dort mit den betroffenen Menschen zu sprechen.

Die Repression und die Angriffe gegen organisierte Kleinbauernbewegungen in Honduras gehen indes in unverminderter Härte weiter. Nach Informationen des lokalen Menschenrechtszentrums versuchten Unbekannte am Morgen des 24. Dezember, den Kleinbauern Juan José Peralta, Präsident der Kooperative Luz y Esperanza in Rigores, und dessen Familie zu töten. Vor allem gegen die Ansiedlungen Rigores und La Marañones finden ununterbrochen Militäroperationen statt. In den vergangenen Tagen wurden mindestens fünf organisierte Kleinbauern ohne Grund verhaftet

Inhaltsverzeichnis Correos 168

Samstag, 24. Dezember 2011


Inhaltsverzeichnis Correos 168
23.11.11


(Diese und andere Artikel zu den Wahlen in Nicaragua sind schon seit längerem auf unserem Blog gepostet).
Nicaragua
Der Sandinismus besiegt die Ultrarechte
Vom «christlich-sozialistsch-solidarischen» Wahlsieg des Frente Sandinista de Liberación
Nacional zur assoziativen Ökonomie.
Sergio Ferrari

Matagalpa am Tag vor den Wahlen
Eine sandinistische Wahlkampagne mit üblen Elementen. Und dennoch, einmal mehr, wissen
die Sandinistas, dass sie einen wichtigen Kampf führen. Ein Bericht aus dem Zentrum des
nördlichen Departements Matagalpa.
Gérald Fioretta

Ein ruhiges Land
Die Rechten, ihre Medien und ihre EU-Mission echauffieren sich über einem nicht erfolgten
Wahlbetrug. Das gemeine Volk hat mehrheitlich seinen Sieg gefeiert und geht jetzt wieder
seinen Alltagbelangen nach.
Gérald Fioretta

Kein Wahlbetrug
William Grigsby


Drogen und Justiz in Panama
Die US-Invasion von Panama 1989 folgte einem altbewährten Muster des US-Krieges «gegen»  den Drogenhandel: Es wurde nachher mehr gedealt als vorher. Dafür wurden tausende von Menschen massakriert. Die Auswirkungen sind noch heute spürbar.
Belén Fernández

Eine neue Variante des Massenmordes
Der Staatspräsident hat sich nach Angaben des Autors, der an der Universidad Nacional de
Panamá forscht, eine besonders zynische Kampagne für die Privatisierung der öffentlichen
Spitäler einfallen lassen: Schlepp gefährliche Bakterien in die Notfallstation ein, sabotiere
ihre Bekämpfung!
Mauro Zúñiga Araúz


Guatemala
Zwischen Mafia und Militär
Otto Pérez Molina, der Ex-Militär, gewann am 5. November mit 2,3 Millionen Stimmen
(53,78 %) die Präsidentschaft von Guatemala gegen den smarten Jungunternehmer mit
Mafiakontakten, Manuel Baldizón (46,22 %). Dem Land stehen vier Jahre unter einer Regierung bevor, die mit «harter Hand» Ordnung und Sicherheit im Land herstellen will. Man muss das Schlimmste befürchten, wenn man weiss, wo Pérez Molina sein Handwerk gelernt hat. Und selbst die Tatsache, das Guatemala zum ersten Mal eine Vizepräsidentin wählte, hat einen bitteren Beigeschmack, wenn man die Biografie von Roxana Baldetti liest.
Barbara Müller


El Salvador
Eine andere Mentalität
Wer heute El Salvador sagt, denkt meist an Maras, Gewalt, Ohnmacht. Eine Realität, aber
nicht die einzige. Delmi Dubón, eine leitende Ärztin im Gesundheitsministerium und ehemalige Guerillera, erzählt von Reformanstrengungen und wie sie einen Mentalitätswechsel auch bei ursprünglichen GegnerInnen der Veränderung bewirken. Eine neue Haltung, die bei den Überschwemmungen geholfen hat, Leben zu retten.
Dieter Drüssel interviewt Delmi Dubón


Mexiko
Die Verdammten in den Gefängnissen
Die Spirale der Gewalt auf den Strassen betrifft auch das Leben im Knast.
Philipp Gerber


Haiti
Haiti – Ein besetztes Land
Eduardo Galeano


USA
Obdachlos in Amerika
Barbara Ehrenreich weiss vom Süden im Norden. In diesem Artikel schlägt sie liebevoll und
voll realistisch einen Bogen zwischen Occupy Wall Street und den Zeltstädten der Obdachlosen in den USA.
Barbara Ehrenreich


(alle Bolivien-Artikel dieses Heftes online)
Tipnis-Konflikt: eine Einleitung
Dieter Drüssel

Die hartnäckige Potenz der Dekolonisierung
Die Tipnis-Auseinandersetzung steht für den Konflikt zwischen indigenem «gut Leben»
und westlichem Entwicklungsproduktivismus. Not tut eine Debatte in den Unterklassen.
Die Rechte? – vernachlässigbar!
Raúl Zibechi

Zwischen Fortschritt und Entzauberung
Der argentinische Ökonom und Journalist Pablo Stefanoni lebt seit einigen Jahren in Bolivien.
Im Interview geht er anhand der Tipnis-Problematik auf den ethnisierenden Mythos der «reinen Indígenas» ein.
Marc Saint-Upéry interviewt Pablo Stefanoni

Hintergründe zur Tipnis-Problematik
Der Autor hinterfragt auf der Webseite boliviarising.blogspot.com seit einiger Zeit die modische Vorstellung vieler Linker vom Gegensatz zwischen «produktivistischer» Regierung
und «guter» Basis. In Teil I folgen Auszüge aus seinem Artikel: «Bolivia: Amazon protest –
development before environment?» vom 9. September 2011, in Teil II aus «Bolivia: NGOs
wrong on Morales and Amazon» vom 25. September 2011. Zusammenfassungen in
[…]-Klammern.
Federico Fuentes

Umweltpolitik – Evo Morales gegen die «Bewegung»?
Die Lobbyorganisation Avaaz hat international wesentlich zu einer zumindest schiefen Sicht
auf den Tipnis-Konflikt beigetragen. Sie gibt sich als radikal umweltschützerisch und scheut
sich gleichzeitig nicht, mit BP und anderen anerkannten Grössen der Umweltzerstörung
zusammen die Interessen der Multis zu fördern.
Cory Morningstar

Natur, Wälder und indigene Völker – wir stehen nicht zum Verkauf!
Während die Regierung von Evo Morales im Tipnis-Konflikt angeblich ihr wahres, von Profitsucht gezeichnetes Gesicht gezeigt habe, haben einige tonangebende Strukturen des Protestmarsches die Einführung eines vom Staat unabhängigen CO2-Ablasshandels in Bolivien gefordert. In einem Schreiben vom September 2010 erklärte Evo Morales, warum die CO2-Zertifikate nicht akzeptiert werden können.
Evo Morales

«Die soziale Bewegung stösst den politischen Wandel an»
Kreative Spannungen und rechte Instrumentalisierungsversuche gehören für den bolivianischen Vizepräsidenten zum Wesen des revolutionären Prozesses.
Paul Wander interviewt Álvaro García Linera

Indigenes Business
Einige Infos aus bolivianischen Medien.

Panama – die Invasion. Nicht vergessen!

Mittwoch, 21. Dezember 2011



aus otramerica.com: Panamesiche Gefangene und US-Soldaten
  (zas, 21.12.11) Heute vor 22 Jahren lancierten die USA die Invasion von Panama, offiziell mit dem Ziel, den Drogenhandel zu bekämpfen. Natürlich war das Resultat entgegen gesetzt. In den Jahren nach der Invasion und unter den US-hörigen Regierungen, deren erste praktischerweise vom US-Invasionskommandanten gleich auf der US Air Base vereidigt wurde, steigerte sich der Deal um ein Mehrfaches.

Bei diesem Krieg kam es zu grossen Massakern, vor allem im Armutsquartier Chorillo in Ciudad de Panamá. Insgesamt sind vermutlich zwischen 3000-5000 Menschen den US-Waffen zum Opfer gefallen. Die hiesigen Medien berichteten von 20, einige von 30 Todesopfern … Ich erinnere mich immer noch an den Artikel eines von der US-Army geladenen Tagesanzeiger-Journalisten kurz nach der Invasion, der die „offizielle“ Totenzahl verbreitete und als Hauptproblem im Land eine mangelhafte Müllabfuhr ausmachte… In den gleichen Tagen lief in Rumänien der Aufstand gegen die „realsozialistische“ Ceaucescu-Regierung. Hier waren die Opfer auf der „richtigen“ Seite, der Mainstream legte sich ins Zeugs. In der Stadt Timisoara seien bei einer Demonstration mindestens 14'000 Menschen umgebracht worden, eine Zahl, die später auf mehrere Dutzend Tausende erhöht wurde. Im Strafverfahren zwei Jahre später, unter der neuen Regierung, ging es um 96 Tote.

„Zahlenspiele“, wie sie die Herrschenden auch heute betreiben – dort wird mit unüberprüften Opferangaben für einen nächsten „humanitären“ Krieg geworben, hier fallen die realen Toten aus dem Raster. Unerträgliches Beispiel vor wenigen Tagen: Die tragischen Stimmen der NachrichtensprecherInnen, wenn sie von den 4500 im Irak gefallen US-Soldiers berichteten. Die eine bis vielleicht zwei Millionen Irakis, die erst unter dem westlichen Embargo seit 1991, seit 2003 unter der Besatzungsarmee umkamen, werden kollateral entsorgt – am Besten durch Nichterwähnung. 2006 veröffentlichte die Fachzeitschrift Lancet die erste seriöse Untersuchung der Zahl der Kriegsopfer im Irak. 600'000 hatte die Studie ergeben.

Als Gegengift zur herrschenden Indoktrinierung hier der Link zum Artikel Drogen und Justiz
in Panama von Belen Fernández aus dem Correos 168 vom 23. November 2011.

Zentralamerika: Nierenkrankheit bringt Tausende von ZuckerarbeiterInnen um

Dienstag, 13. Dezember 2011

Die reichen Nationen interessierter an Biotreibstoffen als an Lösungen

aus: La Nación (Costa Rica) (Epidemia de mal renal mata a miles de jornaleros de la caña en el Istmo)

(La Isla, Nicaragua, 12.12.11) Maudiel Martínez ist 19 und lächelt schüchtern. Ihr schwarzes Haar ist verknäuelt, ihr Körper nach Jahren der Arbeit in den Zuckerfeldern mager und muskulös. Die meiste Zeit ihrer Adoleszenz war sie gesund und stark und schnitt die Cañna (Zuckerrohr) mit ihrer Machete. Jetzt leidet Martínez an einer Krankheit, die ihre Gemeinschaft (ebenso wie Dutzende anderer in Zentralamerika) zerstört und die Reihen der ErntearbeiterInnen dezimiert. Die Krankheit tötete ihren Vater und ihren Grossvater, drei ältere Brüder leiden daran. “Diese Krankheit frisst unsere Nieren von innen auf. Wir wollen nicht sterben und moralisch geht e suns schlecht, da wir wissen, dass es für uns keine Hoffnung gibt”, erklärte die Frau.

Die Krankheit von Martínez ist der neuralgische Punkt eines tödlichen Geheimnis und die Hinterlassenschaft von Vernachlässigung durch die Indstrie und die Regierungen, einschliesslich jener der USA, die sich gegen Petitionen sperren, das Uebel agressiv zu bekämpfen und eine Lösung zu finden. Die reichen Nationen priorisieren die Produktion von Biotreibstoffen und grosse Zuckerexporte an die US-KonsumentInnen vor der Beachtung der schwierigen Situation der ErntearbeiterInnen.
Taglöhner im Zuckerrohr

Die in anderen Weltgegenden kaum wahr genommene chronische Niereninsuffizienz (spanisches Kürzel: IRC) beschäftigt dagegen eine der ärmsten Bevölkerungen der Welt entlang der zentralemrikanischen Pazifikküste von 1120 km in sechs Ländern. Ihre Opfer sind FeldarbeiterInnen, die mehrheitlich in der Caña arbeiten.

Nach den jüngsten Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO, welche das International Consortium of Investigative Journalists erlangt hatte,  starben von 2005 bis 2009 2800 Männer in Zentralamerika an Nierenversagen. Allein in El Salvador und Nicaragua hat sich die Zahl der Männer, die einem Nierenversaagen erlagen, in den letzten beiden Jahrzehnten verfünffacht. Heute sterben mehr Männer daran als an AIDS, Diabetes und Leukämie zusammen.

“Im 21. Jahrhundert sollte niemand mehr an einer Nierenkrankheit sterben”, urteilt der salvadorianische Arzt Ramón Trabanino, der die Krankheit während 10 Jahren studiert hat. Das Phänomen belastet die Spitäler, erschöpft die Budgets für Gesundheitsversorgung und hinterlässt eine Spur von Witwen und Waisen in ländlichen Gemeinschaften. In El Salvador stellt die IRC die zweitgrösste Todesursache für  Männer dar. In Guanacaste (Costa Rica) musste das Spital von Liberia ein Dialyseprogramm an einem geeigneten Ort einrichten, da es derart von IRC-Patienten überlaufen war, dass es an Betten für andere PatientInnen zu mangeln began.

Das Sterben von Männern überzieht einige ländliche Gemeinden von Nicaragua. Die Comunidad von Maudiel Martínez, La Isla (Die Insel), wird heute La Isla de las Viudas (Die Insel der Witwen) genannt.

Ein Rätsel. In den USA sind Diabetes und Bluthochdruck die Hauptgründe für die IRC, aber die Krankheit, die einen voranschreitenden Verlust der Nierenfunktion verursacht, kann im Allgemeinen kontrolliert warden. Die AerztInnen verstehen ihre Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten. Aber in Zentralamerika liegen die Ursachen für die Krankheit im Dunkeln und sie verursacht eine höhere Sterblichkeit. Im Allgemeinen haben die Arbeiter in den Zuckerrohrfeldern in der Pazifikregion weder Zucker noch Bluthochdruck.

Einge WissenschaftlerInnen vermuten, dass das Ausgesetztsein an ein unbekanntes Gift während der Arbeit die Krankheit auslösen kann. Die ForscherInnen vermuten, dass die Dehydration und die Anspannung mutmassliche Hilfsfaktoren sind oder gar die Krankheit verursachen könnten. Die Erntearbeiter werden normalerweise nicht für die Stunde oder den Tag entlöhnt, sondern für das Volumen ihrer Ernte. Deshalb arbeiten sie oft bis zum Punkt schwerer Dehydation oder des Kollapses, und schädigen so möglicherweise jedes Mal ihre Nieren.

Mexiko: Massiver Anstieg der Gewalt gegen Menschenrechtler

Samstag, 10. Dezember 2011

Zahlreiche Entführungen und Morde in den vergangenen zwei Wochen in Mexiko. Regierung setzt Schutzmaßnahmen nicht um

Mexiko-Stadt. Die mexikanische Friedensbewegung hat einen massiven Anstieg der Gewalt gegen Menschenrechtler beklagt. Gleich drei Aktivisten, die mit der Friedensbewegung um den Dichter Javier Sicilia zusammenarbeiten, wurden am 6. Dezember entführt. Im Bundesstaat Michoacán stoppte ein Trupp bewaffneter Zivilisten die Friedenkarawane mit 18 Aktivisten, welche die indigene Gemeinde Santa María Ostula besuchen wollte. Der die Karawane begleitende 73-jährige Anwalt und Repräsentant der Gemeinde, Trinidad de la Cruz Crisóforo, wurde entführt und einen Tag später ermordet aufgefunden. Die Bundespolizei, welche zum Schutz der Karawane abgestellt war, sei zum Zeitpunkt des Überfalls gerade unauffindbar gewesen, beklagten Vertreter der Friedensbewegung auf einer Pressekonferenz. Sie erinnerten daran, dass zwei Monate zuvor Paramilitärs der Region einen Repräsentanten von Ostula ermordeten.
Ebenfalls am 6. Dezember verschwanden die beiden Waldverteidiger Eva Alarcón und Marcial Bautista de Valle auf einer nächtlichen Busfahrt. Bautista de Valle ist der Präsident der "Ökologischen Bauern der Sierra von Petatlán und Coyuca de Catalán". Beide Aktivisten waren auch in der Friedensbewegung Sicilias präsent. Ein weiterer Aktivist dieser Bewegung im Bundesstaat Guerrero, Joel Santana Villa, starb am 2. Dezember im Gefängnis von Iguala unter ungeklärten Umständen. Sein Vater, ein Mitgründer derselben Ökobauernvereinigung, wurde im Februar 2011 ermordet. Allein die Familie Santana betrauert in diesem Jahr sechs gewaltsame Todesfälle.
Der jüngsten Morde und Entführungen reihen sich ein in eine zunehmende Zahl von Angriffen auf die mexikanische Friedensbewegung, die sich in einem Schockzustand befindet. Erst am 28. November wurde der 56-jährige Nepomuceno Moreno in Sonoraerschossen. Er suchte seinen 2010 durch Uniformierte verschleppten Sohn und war einer der Repräsentanten der Opfer des Drogenkrieges bei den Gesprächen der Friedensbewegung mit Präsident Felipe Calderón. Am 2. Dezember begingen dann in Ciudad Juárez Unbekannte ein Attentat auf Norma Andrade, Mitbegründerin der Menschenrechtsorganisation "Unsere Töchter sollen nach Hause zurückkehren". Andrade überlebte das Attentat schwer verletzt. Die meisten ihrer Mitkämpferinnen gegen die Frauenmorde in der Grenzstadt sind bereits im Exil.
"In den vergangenen zwei Wochen haben wir eine akzentuierte Zunahme der Agressionen gegen Menschenrechtsverteidiger erlebt", mahnt die “Bewegung für einen Frieden mit Gerechtigkeit und Würde”. Diese Agressionen träfen auch Aktivisten, welche eigentlich aufgrund vorheriger Bedrohungen mit staatlichen Schutzmaßnahmen rechnen könnten. Diese würde aber oft nicht umgesetzt, urteilt die Friedensbewegung.

Honduras militarisiert öffentliche Sicherheit

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Nationalkongress stimmt mit breiter Mehrheit für Notstandsdekret. Weitreichende Polizeibefugnisse an Militär übergeben


Tegucigalpa. Die honduranische Regierung hat den Notstand der öffentlichen Sicherheit erklärt und damit dem Militär weitreichende Polizeiaufgaben übertragen. DasNotstandsdekret vom vergangenen Montag erlaubt dem Militär unter anderem Verhaftungen, Hausdurchsuchungen, Patrouillen in den Straßen und bewaffnete Aktionen gegen Bürger welche gegen Gesetze verstoßen. Bevor das Dekret in Kraft trat, war es dem Ministerrat von Verteidigungsminister Marlon Pascua vorgelegt worden. Die Maßnahme, welche vorerst für einen Zeitraum von 90 Tagen gilt, soll laut Regierungsvertretern die Polizei unterstützen und die Korruption und die Verbindungen zum organisierten Verbrechen innerhalb dieser bekämpfen. Aus den Reihen der Regierung äußerte einzige die Ministerin für Menschenrechte, Ana Pineda, Bedenken. Sie bezweifelt, dass die bewaffneten Streitkräfte auf die Übernahme von polizeilichen Aufgaben ausreichend vorbereitet sind.
Grundlage für das Dekret, welches Menschenrechtsorganisationen alsverfassungswidrig einstufen, war eine vergangene Woche stattgefundene Abstimmung des Nationalkongresses. Mit der Zustimmung von 110 Abgeordneten und zwei Enthaltungen wurde einer Interpretation des Verfassungsartikels 274 zugestimmt, welche es den Streitkräften ermöglicht polizeiliche Aufgaben zu erfüllen. Die Gültigkeit des Dekrets kann nach Ablauf der 90 Tage verlängert werden. So äußerte Pompeyo Bonilla, Minister für Sicherheit, bereits den Wunsch, die Dauer des Dekretes zu verlängern. 90 Tage seien nicht genug und es benötige mindestens zehn Jahre um die Probleme in Honduras zu lösen.
Menschenrechtsorganisationen kritisieren das Vorgehen der Regierung stark und befürchten eine Rückkehr der Verhältnisse der achtziger Jahre. Damals waren Todesschwadronen aus Militäreinheiten für die Entführung, Folterung und das Verschwindenlassen hunderter politischer Aktivisten verantwortlich. Laut Bertha Oliva, der Vorsitzenden der Menschenrechtsorganisation COFADEH, dient das Vorgehen der Regierung nur dazu, die Straffreiheit von Militäraktionen gegen die Bevölkerung zu legalisieren.
Seit dem Putsch im Juni 2009, an dessen Planung und Durchführung das Militär maßgeblich beteiligt war, ist eine starke Militarisierung des Landes zu beobachten. Militäreinheiten werden für eine Vielzahl der begangenen Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht. Dies zeigt sich besonders deutlich in der Region Bajo Aguán, wo bereits seit 2010 mehrere Tausend Soldaten im Einsatz sind. Dies führte jedoch nur zu einer weiteren Eskalation des Landkonfliktes, der bisher über 50 Opfer forderte. Zudem befürchten Beobachter eine ähnliche Entwicklung wie in Mexiko, wo der Kampf gegen die organisierte Kriminalität seit dem Einsatz des Militärs bereits über 60.000 Menschenleben kostete.