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In barbarischen Zeiten

Freitag, 25. September 2026

(zas, 25.9.26) Früher wurden die Menschen in Städten und Burgen bis zu ihrer Unterwerfung ausgehungert. Später zerstörten die kolonialen Gebieter (seit einigen Jahrzehnten vertreten durch IWF, Weltbank und dgl.) in den unterjochten Gesellschaften des globalen Südens die lokale Landwirtschaft mit exportorientierten Monokulturen zwecks Beherrschung der Bevölkerungen. Bei Wohlverhalten winken Agrarprodukte aus den imperialen Monokulturen, bei Fehlverhalten droht die Hungersnot.

Die «technische» Planung der Vernichtung eskalierte in Gaza das mörderische Machbare. Etwa mit der in KI- und Datenbank-«Zauber» ausgegliederten Ermächtigung, mit einer 1-Tonne-Bombe nicht nur den ins Ziel genommenen Hamas-Mann, sondern seine Familie und alle anderen in einem Umkreis von rund 300 m zu killen (s. dazu die Berichte des jüdisch-palästinensischen Portals 972.mag. und des Guardian). Auch die systematische Zerstörung der sozialen, kulturellen und physischen Lebensgrundlagen (Landwirtschaft, Schulen Häuser, Spitäler, Wasserversorgung u.a. mehr) sind nicht zu trennen von der direkten Massenvernichtung in den Bombardierungen (s. dazu etwa die Berichte von Forensic Architecture, wie  Gaza – Techniken des Genozids).

Im Folgenden ein Blick auf eine erschreckende Bedrohung für Kinder in Gaza. Danach ein Blick darauf, wie Elemente zur «Schleifung» der palästinensischen Bevölkerung iauch n Cuba eingesetzt werden.

 

Wenn Kinder nicht wachsen

Mitte September wurde eine geplante Pentagon-Lieferung von schweren Bomben, inklusive 40‘000 1-Tonne-Bomben, an Israel bekannt. Washington setzt so erneut eine unter Biden gepflegte Tradition fort. Diese Bomben wurden in dicht besiedelten Zonen in Gaza (und danach im Libanon) eingesetzt – eines der Mittel des Genozids. Sie bewirken einen Krater von 15 m und sind in einem Umfeld von 300 m tödlich. Die New York Times schreibt: «Die Bewilligung des State Departments für eine grosse Ladung zerstörerischer Munition widerspiegelt Trumps anhaltende grosse Unterstützung für Israel, trotz seiner jüngsten Dispute mit Benjamin Netanyahu.»

Den Bevölkerungen in Iran, Libanon, Syrien, Palästina, Jemen … droht also, von Israel in seiner Funktion als regionale Hauptbulldogge des Westens heimgesucht werden.

Aushungern gehört zum Arsenal der Mordkräfte im globalen «Gaza». Mondoweiss brachte kürzlich einen Artikel ihres Gaza-Korrespondenten Tareq S. Hajjai -  Israel starved Gaza. Now doctors fear it has permanently damaged a generation:  

«In der Unterernährungsklinik des Nasser-Medizinkomplexes in Khan Yunis behandeln ÄrztInnen zunehmend mehr Kinder, die nicht nur mangelernährt sind, sondern auch nicht wachsen.

Einige wurden von Müttern geboren, die ihre Schwangerschaft in Zeiten schwerer Nahrungsmittelknappheit durchlebten; andere haben selbst Jahre ohne ausreichende Versorgung mit (…) für das Wachstum unverzichtbaren Nährstoffen verbracht. Die ÄrztInnen im Nasser-Spital berichten, dass sie allmählich erkennen, was, wie sie befürchten, zu einer der nachhaltigsten Folgen der Hungerkrise im Gazastreifen werden könnte: eine Generation, deren körperliches Wachstum und Entwicklung durch anhaltende Unterernährung dauerhaft beeinträchtigt oder gehemmt wurde.»

 

«Dr. Ahmad al-Farra, Leiter der pädiatrischen Abteilung des Nasser-Krankenhauses, behandelt täglich Dutzende Fälle im Krankenhaus. ‘Wir sehen uns mit einem Phänomen konfrontiert, das seit Kurzem auftritt: Fälle von Kleinwuchs’, sagte al-Farra. ‘Wir beginnen nun, die katastrophalen Folgen der Unterernährung zu erkennen.’“

 

«Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist ’Wachstumsverzögerung das Ergebnis langfristiger Ernährungsentbehrung und führt oft zu einer verzögerten geistigen Entwicklung, schlechten schulischen Leistungen und verminderter intellektueller Leistungsfähigkeit.’ Al-Farra sagt, die Auswirkungen der anhaltenden Ernährungskrise seien nach der Phase schwerer Hungersnot, die sich im März 2025 verschärfte und bis in den September 2025 andauerte, sichtbar geworden.»

 

«Isra al-Najjar, Leiterin der Abteilung für klinische Ernährung am Nasser Medizin-Komplex, sagt, dass die Einrichtung in letzter Zeit einen Anstieg der Fälle von Wachstumsverzögerungen verzeichnet habe.

(…) ’Die Zahl der Fälle steigt von Monat zu Monat’, sagte Najjar. ‘Bei jedem täglichen Besuch in der Ernährungsklinik des Nasser Medical Complex werden mittlerweile zwischen drei und zehn Fälle von Wachstumsverzögerung festgestellt’, eine Zahl, die sie als deutlich höher als vor dem Krieg beschreibt.»

 

Ein bitterer Kommentar von Omar Hajjaj, Vater der 10-jährigen Jana, die Wachstumsstörungen aufweist:

«Manchmal hatten wir für einen oder zwei Tage nur ein Essen. Manchmal ass ich nichts, damit meine Kinder essen können. Ich weiss nicht, ob ich dankbar sein oder Angst haben soll. Von meinen sechs Kindern hat nur eines eine zu Wachstumsverlust führende schwere Unterernährung entwickelt. Die anderen haben keine vergleichbare Wachstumsstörung. Die Auswirkungen können später kommen, und wir wissen nicht, was uns die Zukunft in Gaza bringen wird.»

 

Cuba im Würgegriff

Mitte September schrieb die New York Times:

«Tausende von Containern mit Nahrungsmittel, Medikamenten und anderen für Cuba bestimmte Güter sind irgendwo in der Karibik gestrandet, nachdem zwei Schifffahrtsgiganten ihre Lieferungen gestoppt haben, um harte US-Sanktionen zu vermeiden. Die in verschiedenen Häfen gestrandete humanitäre Hilfe schliesst Solarpanels, Medikamente oder Beuteln für künstliche Darmausgänge ein. Darunter sind auch Dutzende von verschiedenen UN-Agentur erworbene Hilfscontainer. Die US-Sanktionen haben zudem den Luftfrachtverkehr beeinträchtigt und die Weltgesundheitsorganisation dazu gezwungen, geplante Lieferungen von Krebsmedikamenten zu streichen.»

 

Der Artikel beschreibt etwa, wie das SpeditionsunternehmenHapag Lloyd zwar eine $ 500'000 teure Fracht (Wiederbelebungskits, Darmausgangsbeutel, Intravenenschläuche) des britischen, von der kubanischen Ärztin Valia Rodríguez geleiteten Hilfswerks Aid for the Caribbean nach Cuba transportiert hatte, aber dort angekommen, in vorauseilendem Gehorsam gegenüber den erst einen Tag später überhaupt in Kraft tretenden neuen US-Sanktionen die Entladung der Container gestoppt hatte. Diese wurden nach Panama gebracht. Rodríguez: «Jetzt benutzen die Leute in Cuba Einkaufstaschen, da es keine Kolostomiebeutel gibt.»

Weiter die Times: «Obwohl die US-Regierung ausdrücklich erklärt hat, dass ihre Sanktionen nicht darauf abzielen, die Lieferung von Lebensmitteln und medizinischen Hilfsgütern zu unterbinden, sagte Francisco Pichón, der UN-Koordinator in Kuba, dass die Sanktionen die Hilfsbemühungen der Organisation behindern, da die Spediteure kein Risiko eingehen wollten.»

Und: «Trotz monatelanger Bemühungen gelangten Tausende gespendete Ampullen eines Krebsmedikaments namens Doxorubicin nicht auf die Insel, nachdem mehrere Fluggesellschaften ihre Flüge nach Kuba eingestellt hatten, wie die Panamerikanische Gesundheitsorganisation mitteilte».

«In einem Bericht über die Auswirkungen der US-Ölblockade sagte die cubanische Regierung, dass 100’00 Menschen, davon 12'000 Kinder, auf eine Operation warten.»

In Democracy Now sagt Valentín Parra, ein interviewter Einwohner: Die Lage «ist sehr schlecht für alle, denn wer verzweifelt nicht in einem Haus ohne Wasser und ohne Licht? Sowas sieht man sonst nirgends auf der Welt, nur hier. Und wenn die Leute kein Wasser haben – schau, ich war selber für 15 Tage ohne Wasser, ohne Wasser und ohne Licht während 15 Tagen. Ich hatte Glück, dass ich mich hier drüben und dort drüben waschen konnte. Aber sag mir: Was machst du, wenn du diese Möglichkeit nicht hast?»

 

Nachts in der Stadt in Cuba

Die cubanische Journalistin Rosa Miriam Elizade begann kürzlich ihren Artikel Son niños, no números  in der mexikanischen Jornada mit diesen Sätzen:

«Im Jahr 2003, bevor die Vereinigten Staaten den Krieg im Irak auslösten, zeigte eine Webcam stundenlang einen festen Bildausschnitt von Bagdad. Der Titel der Seite war wichtiger als die Technologie: ‘Das sind keine Zahlen’. Dort gab es keine Militärkarten und keine Kriegsberichte, sondern eine Strasse, Autos, Fussgänger, Menschen, die noch immer in einer Stadt hin und her gingen, die kurz davor stand, bombardiert zu werden. Die Kamera hat die Invasion nicht aufgehalten. Dennoch hat sie etwas Unverzichtbares geleistet. Sie hat denjenigen ein Gesicht gegeben, die bald zu blossen Statistiken reduziert werden sollten.»

 

……………

 

«Gaza» ist Teil der alten Massakerkette des Kolonialismus. Wir wissen das. Und sollten nicht vergessen, dass sich heute jede rebellische Formation, vor allem im globalen Süden, mit der Frage befassen muss, ob in Venezuela, Cuba, Rojava…: Wie ein «weiteres Gaza» verhindern? Ohne dabei erneut unter die Räder kommen? Wenn nämlich die Mächtigen dir sagen, du wirst nicht bombardiert, aber du gehörst zum Ausschuss der Weltbevölkerung und stirbst, weil du Essen, Wohnung und Medizin nicht bezahlen kannst. Oder weil im cubanischen Kinderspital wegen der Ölblockade der Inkubator nicht funktioniert. Elemente von Antworten können wir nur in gemeinsamen Kämpfen entwickeln, die sich auch an Menschen orientieren wie jenen in Gaza, die ihre wegen des Bombenlärms weinende Kinder mit Gutnachtliedern beruhigen wollen; den Nachbarn in Donezk und Kiew, die gemeinsam das Überleben organisieren; den Angehörigen und FreundInnen in El Salvador, die nicht nachlassen, für ihre im schwarzen Loch der Gefängnisse Verschwundenen einzustehen.


Palästina: Generalstreik und Demos in Italien

Sonntag, 12. Oktober 2025

 

Italien, 3. Oktober 2025

07.10.2025 online redaktion EU-Europa, International, Schlagzeilen

sit. Die Antwort auf die militärische Aktion der israelischen Armee gegen die Aktivist:innen der Sumud Global Flotilla war gigantisch: Über zwei Millionen Menschen machten den Generalstreik zu einem historischen Erfolg. Ein beeindruckender Akt der Solidarität kam von den Inhaftierten des Gefängnisses Dozza bei Bologna.

Es waren dramatische Stunden am Abend des 2. Oktober. Um 20.29 Uhr berichteten Aktivist:innen der Flotilla: «Israelische Streitkräfte befinden sich an Bord des Bootes Alma und haben die Mitglieder der Crew festgenommen.» Das Schiff war eines der ersten, das isoliert wurde und dessen Kommunikation blockiert war. An Bord befanden sich Mitglieder der Leitung der humanitären Aktion. Was dann folgte, ist bekannt: Unter anderem mit dem Einsatz von Wasserwerfern stürmte die israelische Armee alle Schiffe der Flotilla, nahm alle 452 Aktivist:innen fest, sperrte sie in ein Gefängnis ein, nannte und behandelte sie als Terrorist:innen – getan und gesagt von einem Staat, der gerade dabei ist, einen Genozid zu begehen. Von demselben Staat, der soeben auf internationales Recht gespuckt hatte. Denn der Angriff auf die Flotilla erfolgte in internationalen Gewässern, fernab des Hoheitsgebiets Israels.

Von historischem Ausmass
Was dann folgte, ist von historischem Ausmass – man kann es nicht anders bezeichnen, auch wenn mit dem Wort «historisch» vorsichtig umzugehen ist. Gleich nach dem Bekanntwerden kam es in Mailand, Rom und Neapel zu den ersten Solidaritätskundgebungen, an denen Tausende von Menschen teilnahmen. In Neapel wurde der Bahnhof blockiert. Zu spontanen Demonstrationen kam es auch in Berlin, Barcelona und Istanbul. Die Basisgewerkschaft USB (Unione Sindacale di Base) rief – wie bereits angekündigt – zum Generalstreik für den 3. Oktober auf. Und siehe da: Die grösste italienische Gewerkschaft, die CGIL, schloss sich dem Generalstreik an. Dann kam der 3. Oktober. «Mehr als 2 Millionen Menschen gingen auf die Strasse, um an den Demonstrationen in über 100 italienischen Städten teilzunehmen, die im Rahmen des landesweiten Generalstreiks zum Schutz der Flottille, der verfassungsmässigen Werte, zur Beendigung des Völkermords und zur Unterstützung der Bevölkerung von Gaza stattfanden. 300 000 Menschen zogen durch die Strassen der Hauptstadt», informierte am späteren Nachmittag die CGIL. In Mailand waren es 100 000, in Florenz 70 000, in Neapel 50 000, um nur drei Städte zu nennen. Ein Massenprotest vom Aostatal bis nach Sizilien und Sardinien – mit einer Anzahl von Menschen, wie das Land sie noch nie gesehen hatte.?«Ein gelungener, kraftvoller Generalstreik gegen die Komplizenschaft der italienischen Regierung mit dem Terrorstaat Israel», erklärte ein Vertreter der USB in einem Video. Er wiederholte die Forderungen: keine Waffenlieferungen nach Israel, Abbruch der wirtschaftlichen Beziehungen und ein Protest der italienischen Regierung gegen die illegalen Verhaftungen der Aktivist:innen der Flotilla. Diese drei Forderungen und die Barbarei des Genozids in Palästina vereinten über zwei Millionen Menschen.

Ein Danke aus Ramallah
Aussagekräftig ist auch die Reaktion der italienischen Regierung. Die faschistische Premierministerin Giorgia Meloni meinte am Vorabend, die Gewerkschaften hätten nur «Lust auf ein verlängertes Wochenende». Sie sei auch an dieser Stelle daran erinnert, dass die Arbeiter:innen durch den Streik einen Tageslohn verloren haben. Meloni meinte dann auch, der Streik würde dem «palästinensischen Volk überhaupt nichts bringen». Eine Behauptung, die wir handfest widerlegen können. Dem vorwärts liegt eine WhatsApp-Nachricht eines Freundes aus Ramallah im Westjordanland vor. Er schreibt: «Diese Proteste tragen dazu bei, ein Gleichgewicht und Zusammengehörigkeitsgefühl für menschliche Werte und Konzepte zu schaffen, die angesichts der Realität jener schmerzhaften Szenen, denen das palästinensische Volk im Allgemeinen ausgesetzt ist, ins Wanken zu geraten schienen. Diese Proteste helfen uns, uns von Gefühlen der Hilflosigkeit, Isolation und Einsamkeit zu lösen und das Gefühl zu bekommen, dass wir nicht verlassen sind und  unsere Schmerzen und Leiden gehört werden.» Er fügt hinzu: «Dies schafft in uns mit jedem Protestschrei gegen das, was geschieht, neue Hoffnung. Ungerechtigkeit und Tyrannei haben Erfolg, wenn sie einen Menschen von seinen Mitmenschen isolieren und ihm glauben machen, dass er allein ist. … Danke.»

Eine Lektion in Sachen Solidarität
Die Arroganz der Ministerpräsidentin erhielt auch eine beeindruckende Antwort von einer Seite, von der man es nicht erwartet hätte: von den Insassen des Gefängnisses Dozza bei Bologna, die im Rahmen des Wiedereingliederungsprogramms FID (Fare Impresa in Dozza) arbeiten. In ihrem Brief schrieben sie: «Für uns Inhaftierte bedeutet zur Arbeit zu gehen, einen Moment der Freiheit aus dem Gefängniskontext, in dem wir leben. Dennoch verzichten wir auf einen Tag Freiheit und auf unseren Lohn.» Und weiter: «Diese Entscheidung wurde getroffen, um unsere ganze Empörung über den laufenden Völkermord auszudrücken und um die Menschen der Flotilla zu unterstützen, die mit der einzigen Schuld verhaftet wurden, Botschafter:innen der Menschlichkeit zu sein. Das ist das Mindeste, was wir tun können.»?Der Brief der Gefangenen wurde an der Demonstration in Bologna von Michele Bulgarelli, dem Generalsekretär der CGIL Bologna, vorgelesen. «Es ist ein sehr bewegendes Dokument, das von einer Geste von grossem Wert zeugt», sagte er über das Schreiben. Der Verzicht auf einen Tag ausserhalb der Gefängnismauern und auf den Tageslohn sei eine «Entscheidung, die tiefen Respekt verdient und eine starke Botschaft mit sich bringt», hielt Bulgarelli weiter fest. «Ich halte es für notwendig, die grosse Lektion hervorzuheben, die uns von ihnen erreicht: Sie erinnern uns daran, dass der Streik ein fundamentales Recht ist, ein Akt der Würde und kollektiven Solidarität. Und dass diejenigen, die sich für einen Streik entscheiden, immer Gehör und Respekt verdienen.»

Warum plötzlich?
Eine Frage bleibt offen: Wie kam es zu diesen Massenprotesten im ganzen Land? Sicher, die Empörung über den Genozid in Gaza ist gross. Immer mehr Menschen schreien laut: basta, es reicht! Wir wollen nicht auf der Seite der Barbarei stehen. Aber reicht das? Auf diese wichtigen Fragen werden wir vertieft in der Printausgabe eingehen, die am 21. Oktober erscheinen wird. So viel sei aber verraten: Nein, Wut und Bestürzung allein reichen nicht aus. Es braucht mehr, um zwei Millionen Menschen auf die Strasse zu bringen.

 

Den Oslo-Abkommen geht es bestens (und ein Lesehinweis)

Donnerstag, 2. Oktober 2025

 

https://www.haaretz.com/opinion/2025-09-30/ty-article-opinion/.premium/the-oslo-accords-are-alive-and-well-and-perpetuating-the-israeli-occupation/00000199-9744-d4f2-a3b9-d765

 Amira Hass

30. September 2025

Den Oslo-Abkommen geht es bestens, und unser Volk profitiert täglich weiter von ihrer reinen Logik. Alle Krokodilstränen der Rechten können nicht die Tatsache auslöschen, dass dies eine der grössten Errungenschaften ist, die jemals von der jüdischen Entität zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer erreicht wurde.

Wenn es ihm passt, beschliesst Israel, dass das Abkommen in Kraft ist und dass die andere Seite es verletzt, sodass sie bestraft werden muss – zum Beispiel durch den systematischen Diebstahl aller Einnahmen der Palästinensischen Autonomiebehörde aus Zöllen auf aus dem Ausland importierte Waren.

Und wenn es ihm passt, beschliesst Israel, dass das Abkommen von der Erde verschwunden ist – daher hat es das Recht, die Landvereinbarungen durch einen weiteren Trick zu ändern, der es Juden ermöglicht, Land zu übernehmen, oder den einzigen Grenzübergang zu schliessen, der den PalästinenserInnen im Westjordanland zur Verfügung steht.

Wenn man jedoch die vergangenen Jahre, die Lippenbekenntnisse zum Frieden und die juristischen Details der Bestimmungen und Umsetzungsmechanismen des Abkommens ausser Acht lässt, treten die Grundprinzipien hervor, die bis heute in der Westbank gültig sind.

■ Israel wird weiterhin als Besatzungsmacht über die PalästinenserInnen herrschen und ihre natürlichen Ressourcen, ihre Bewegungsfreiheit, ihre Wirtschaft usw. kontrollieren. Es wird jedoch eine internationale Befreiung von seiner Verpflichtung erhalten, für das Wohlergehen der besetzten Nation zu sorgen. Die Verantwortung für die Lösung der wirtschaftlichen und gesundheitlichen Probleme, die diese feindselige Fremdherrschaft mit sich bringt, wird vollständig den PalästinenserInnen und ihren VertreterInnen übertragen, zusammen mit den europäischen Steuerzahlenden und in der Vergangenheit auch den amerikanischen.

■ Israel wird sich bereit erklären, seine Armee schrittweise abzuziehen, ohne feste Termine und ohne definierte Grenzen, und im Gegenzug werden die PalästinenserInnen sofort ihren Widerstand gegen die Besatzung      und ihre Diktate einstellen. Aber auch ohne Stützpunkte im Herzen palästinensischer Städte kontrolliert die Armee alles.

Israel und seine Kollaborateure aus rechten Organisationen haben der Öffentlichkeit eingetrichtert, dass jeder palästinensische Widerstand Terrorismus ist und jedes Mittel des Widerstands eine illegitime, ja sogar antisemitische Waffe ist. Nicht nur Bomben und Steine sind Terror, sondern auch Diplomatie und Volksproteste, Klagen vor internationalen Gerichten, Landwirtschaft, das Anlegen einer Wasserleitung, das Aufstellen eines Zeltes, der Ausbau einer Schule, der Anbau eines Balkons, Reden und blosse Worte.

■ Den PalästinenserInnen ist es verboten, sich zu verteidigen, sei es gegen bewaffnete Israelis in Armeeuniformen oder gegen bewaffnete jüdische ZivilistInnen. Diese eiserne Regel gilt sowohl für normale BürgerInnen als auch für die Sicherheitsbehörden der Palästinensischen Autonomiebehörde.

Ja, dank Oslo haben wir Rekorde aufgestellt, die jeden Tag gebrochen werden – für Angriffe, die von zufriedenen, koscheren Juden verübt werden, die ganze Gemeinden vertrieben haben und immer noch vertreiben. Und die Militärs schützen die Angreifer. Die Waffen sind vielfältig – von Pfefferspray und Gewehren bis hin zu Schafen, Traktoren und Minderjährigen, die geschickt werden, um Frauen in ihren Zelten zu missbrauchen. Und kein Abkommen, keine internationale Truppe und keine geistliche Autorität schreckt sie oder die RichterInnen ab, die sie freilassen, wenn sie verhaftet werden.

Bald werden diese Banden bewaffneter Juden in die Herzen palästinensischer Städte vordringen, und israelische Soldaten werden ihnen folgen, um sie vor der „gefährlichen“, „hasserfüllten“ palästinensischen Bevölkerung zu schützen. Dieses Szenario nähert sich seit nunmehr 20 Jahren seinem logischen Ende.

Was werden die palästinensischen Sicherheitskräfte dann tun? Wenn sie sich an die Vereinbarung halten und sich in ihren Büros verstecken, werden sie und die Palästinensische Autonomiebehörde, die sie beschäftigt, den letzten Rest ihrer Ehre und ihr zweifelhaftes Recht, sich als Führung zu bezeichnen, verlieren. Wenn sie jedoch einen Finger rühren, um ihr Volk zu verteidigen, werden die bewaffneten Israelis mit ihren überlegenen Fähigkeiten sie töten. Und wenn sie oder mutige ZivilistInnen einen der Eindringlinge verwunden oder töten, werden sie als Terroristen verhaftet und vor Gericht gestellt – weil sie gegen das Oslo-Abkommen verstossen haben.

Und dann hat Israel einen weiteren Vorwand, um Stadtviertel zu zerstören und die einheimische Bevölkerung zu vertreiben.

 

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Und ein Lesehinweis:

European recognition of a Palestinian state is not an act of solidarity but a betrayal of Palestinian liberation

Recent recognitions of a Palestinian state by several European countries are not acts of solidarity but a profound betrayal that undermines our struggle for liberation by legitimizing Zionism.

By Majed Abusalama September 27, 2025

 

Majed Abusalama

Majed Abusalama is a prominent political activist and researcher who grew up in the Jabalia refugee camp in Gaza. He currently serves as the president of Sumud Finland and the Coalition of Lawyers for Palestine in Switzerland. Abusalama is also the co-founder of Palestine Speaks among others in Germany and has been actively involved in the BDS movement, refugee rights, and anti-fascist struggles for over two decades.