Mexiko: EZLN gestärkt, Ungewissheiten bleiben

Montag, 19. August 2019


(zas, 19.8.19) Am 17. August verlas Subcomandante Moises (Marcos) eine Erklärung des EZLN über ein beträchtliches Wachstum der autonomen zapatistischen Gemeinden über ihre bisherigen «klassischen»  Zonen hinaus. Während drei Jahren haben, so die Erklärung, sowohl das EZLN wie der pro-zapatistischen Consejo Nacional Indígena (CNI) diese «Offensive» im Stillen betrieben und dabei die Überwachungsmechanismen der vergangenen Regierung des PRI wie auch der jetzigen von AMLO überlistet. Wichtig dafür sei auch die Schaffung des vom CNI lancierten Consejo Indígena de Gobierno (CIG, Indigener Regierungsrat) gewesen. Damit  

«und mit der Ernennung zur CIG-Sprecherin von Marichuy hat der CNI sich der Aufgabe gestellt, die Botschaft des Alarms und der Organisation den Brüdern und Schwestern auf dem Land und in der Stadt zu vermitteln.»
(Marichuy hatte bei den letzten Präsidentschaftswahlen kandidiert.)

Marcos sagte weiter:  

«Der Antritt einer neuen Regierung hat uns nicht in die Irre geführt. Wir wissen, dass der Herrschsüchtige kein Vaterland jenseits des Geldes kennt und in der Welt und der Mehrheit der Fincas, die ‘Länder’ genannt werden, dominiert … Wir wussten und wissen, dass unsere Freiheit nur unser Werk sein kann, jenes der Urvölker. Mit dem neuen Vorarbeiter in Mexiko gingen auch Verfolgung und Tod weiter. Binnen weniger Monate wurden zehn Compañeros des CNI-CIG, soziale Kämpfer, ermordet. Unter ihnen auch ein von den zapatistischen Völkern sehr geschätzter Bruder: Samir Flores Soberanes, hingerichtet, nachdem er vom Vorarbeiter genannt worden ist. Ein Vorarbeiter, der zudem die neoliberalen Megaprojekte weiterführt, die ganze Dörfer verschwinden lassen, die Natur zerstören und das Blut der Urvölker in Profite für das Grosskapital verwandeln.»


«Wir haben die Umzingelung durchbrochen»

«Wir sind raus gegangen, ohne um Erlaubnis zu bitten. (…) Wir gingen auf Wegen und Routen, die keine Landkarten und keine Satelliten verzeichnen, die sich nur im Denken unserer Ältesten befinden (…) Draussen trafen wir auf Unterkunft, Ernährung, Gehör und Wort. Wir verstanden uns, wie das nur die tun, die nicht nur den Schmerz, sondern auch die Geschichte, die Empörung, die Rebellion teilen. Wir verstanden so nicht nur, dass Umzingelung und Mauern dem Tod dienen, sondern auch, dass der Ankauf/Verkauf der Regierungen von Überzeugungen stets unnützer wird. (…) So gingen wir hinaus. Von weitem sahen wir den Rücken des Herrschsüchtigen mit seinen Guardias Nacionales, Soldaten, Polizeien, Projekten, Hilfen und Lügen. «

Und, führte der Zapatistas-Sprecher weiter aus, jetzt ist die Zeit der Information und Rechenschaftsablegung gegenüber den Urvölkern gekommen, wie sich die politische Organisationsarbeit in neuen zapatistschen Selbstverwaltungsgebieten niedergeschlagen hat, die einzeln aufgeführt werden. In den nächsten Tagen will das EZLN Details zur Organisierung mehrerer nationaler und internationaler Treffen etwa zur Frage «Verteidigung des Territoriums und der Mutter Erde» oder zum Bereich von Kultur, Wissenschaft und Leben bekanntgeben. Auch international wird eine Intensivierung des Kampfes («ohne zu hegemonisieren») angegangen. Die Erklärung richtet sich explizit auch an LGBTI-Kollektive.
Bei der Verlesung des Communiqués. Bild: La Jornada.

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Soweit zur Erklärung. Den «Vorarbeiter» - also AMLO – macht das EZLN wie zuvor Umwelt- und indigene Gruppen direkt für die Ermordung des indigenen Aktivisten Samir Flores verantwortlich. Er war engagiert gegen das Projekt eines Heizkraftwerks mit Schwerpunkt im Gliedstaat Morelos, aber Verästelungen nach Puebela und Tlaxcala hinein. Er wurde am 20. Februar dieses Jahres beim Verlassen seines Hauses in Cuautla (Morelos) von bis heute nicht dingfest gemachten Tätern niedergeschossen. Die untersuchende Staatsanwaltschaft von Morelos gab zuerst bekannt, der Mord stehe nicht im Zusammenhang mit dem Widerstand gegen das Stromprojekt, die dabei benutzte Technik deute vielmehr auf «kriminelle Strukturen» (man verstehe: Abrechnung unter Narcos o. ä.) Später musste sie das zurücknehmen, gab dafür aber an, ein Untersuchungs-«Beweisstück» sei verloren gegangen. Trotz aller Forderungen, dass die nationale Generalstaatsanwaltschaft das Verfahren an sich ziehe, sei diese aber untätig geblieben, wie der Frente de Pueblos (FPDTAA) , dessen Aktivist Samir Flores war, zwei Monate nach dem Mord denunzierte.  

Umstrittene Consulta
Das Stromwerkprojekt hat AMLO von der Vorgängerregierung übernommen. Zwar machte seine Administration offenbar einige Konzessionen, doch im Wesentlichen hielt sie am Projekt fest.  AMLO hatte Anfang Februar in Cuautla (Morelos), wo Flores danach am 20. April umgebracht wurde, für den 24. und 25. Februar eine konsultative Abstimmung in den betroffenen Gemeinden der drei Gliedstaaten anberaumt, deren Ausgang bindend sein würde. Das Resultat der Consulta erbrachte 60 % Zustimmung und 40 % Ablehnung. Im hauptsächlich betroffenen Osten Morelos kam es zu aktivem Widerstand gegen die Abstimmung (Verbrennung von Urnen u. a.); insgesamt verkaufte eine Regierungssprecherin aber das Ganze in inhaltsleerem Smarttalk als guten Lernerfolg. Tatsache ist, dass dort, wo die Anlage dereinst stehen soll, das «Nein» überwog. Oppositionsgruppen, die sich im Gegensatz zum Frente de Pueblos an der Abstimmung beteiligt hatten, kündigten an, das Resultat anzufechten, u.a. wegen ungenügender Informiertheit der Abstimmenden. Der Frente de Pueblos, der den Boykott/die Sabotage der Abstimmung organisiert hatte, gab bekannt, auf jeden Fall den Bau des Kraftwerkes zu verhindern.
Einige der gegen das Projekt ankämpfenden Organisationen wie die bäuerische Bewegung CNPA wiesen die angekündigte Abstimmung als «rassistisch» zurück, offenbar mit dem Argument, dass nicht-indigene Gemeinden beschliessen sollten, ob indigenen Comunidades Land enteignet werden soll.  

Widersprüche hüben und drüben
Dass AMLO in Cuautla Samir Flores genannt haben soll, dürfte nicht stimmen, ohnehin nicht, dass er ihn zum Abschuss freigeben wollte. In Artikeln zu seiner Rede, auch in solchen mit Anti-AMLO-Bewegungsbackground, stand davon bis nach dem Mord nichts. AMLO richtete sich in Cuautla so an eine Gruppe gegen sein Projekt Protestierender: «Hört, ihr Linksradikalen, für mich seid ihr bloss Konservative. Wenn wir das Heizkraftwerk des staatlichen Stromwerkes CFE nicht gebrauchten, müssten wir den Strom weiter bei ausländischen Unternehmen einkaufen, statt ihn für ganz Morelos zu haben.»
Möglicherweise war der ermordete Compañero tatsächlich unter den DemonstrantInnen, die AMLO als «Konservative» kritisierte. Doch darauf dann die Falschdarstellung der namentlichen Nennung von Flores durch AMLO zu begründen, ist manipulativ. Es passt dafür in den EZLN-Diskurs von von AMLO als dem grössten Unheil, das Mexiko zustossen konnte. Es dient aber nicht der Klärung der Fronten, die wohl dringend ist.
AMLO ist vom ersten Tag seiner Regierung mit einem Kabinett angetreten, dessen einer Teil der kapitalistischen Horrorshow entsprungen ist. In Bezug auf die Migrationspolitik ist klar, dass die mexikanische Regierung sich von Washington zu massiver Repression hat erpressen lassen (tausende von Guardias an der Grenze mit Guatemala, deren Einsatz gegen die MigrantInnen definitiv nicht mit Ausflüchten zu «erklären» ist). Mag sein, dass jede mexikanische Regierung gegen die Erpressung mit den Zöllen auf mexikanischen Exporten keine andere Möglichkeit gehabt hätte, als sich zu unterwerfen. (Die oft gezogene Schlussfolgerung, dass sie dann eh nichts nütze und nur der Revolution im Wege stehe, wird damit nicht richtiger.) Kann auch sein, dass das Zusammentreffen der urplötzlich das Bild beherrschenden Karawanen aus Zentralamerika mit der Regierungsübernahme von AMLO kein Zufall war. (Nach allem, was wir wissen, sind diese Karawanen nicht Ergebnis einer Basisinitiative. Sie widerspiegeln aber die Lebensbedingungen der Leute, deren Recht auf eine bessere Zukunft anderswo auch in den Amerikas brutal unterdrückt wird.) All das ändert nichts an der Kapitulation der Regierung von López Obrador in dieser Sache.
Die berüchtigten Megaprojekte, zu denen auch das Heizkraftwerk gehört, gegen das Samir Flores gekämpft hat, bedürfen tatsächlich einer anderen Darlegung als der der Regierung. Beispiel: der Tren Maya. In verschiedenen Staaten des Südwestens Mexikos soll eine Zuglinie den TouristInnen eine bequeme Rundreise zu verschiedenen grossen Ruinenzentren ermöglichen. Die Zapatistas gehören zu den entschiedenen GegnerInnen dieses Vorhabens. Am 7. August bekräftigte AMLO an einer Pressekonferenz erneut: «Wir werden mit grosser Umsicht vorgehen, wir wollen überzeugen, nicht aufzwingen. Wir sehen die Zapatistas nicht als Gegner, geschweige denn als Feinde. Wir denken, ihnen fehlen einige Informationen.» AMLO’s Aussage, die Zugstrecke von insgesamt 1300 km führe nur über 100 km durch Gebiet in Chiapas, irritiert. Glühender Lokalpatriotismus ist definitiv nicht Triebkraft des EZLN. Wenn wahr, ist diese Versicherung AMLO’s spannender: «Es geht nicht darum, Bäume zu fällen, etwas zu zerstören (...) Wo ist der Schaden, wenn die Gleise schon seit 70 Jahren existieren? Klar, ginge es um eine (Weiterführung der) Zuglinie von Palenque nach San Cristóbal, dann - ja.»
Die Gleise gibt es seit 70 Jahren, aber die Züge fahren seit vielen Jahren nicht mehr. Wer lebt heute dort, was bedeutet eine Instandsetzungsarbeit für diese Leute? Es wäre schön, aber wohl nicht zu haben, dass zapatistische Kreise dies ausführen. Wichtiger scheint die umfassende Feindeserklärung. Eine gewisse Unsicherheit kommt hoch: Hat AMLO den danach Ermordeten namentlich denunziert? No, aber es passt ins Schema, also hat er es gemacht. Andererseits: Seit Jahrzehnten kämpfen bäuerische, indigene und andere Gruppen unter grossen Opfern gegen die Megaprojekte, riesige Infrastrukturvorhaben für eine «modernisierte Entwicklung». Wenn jetzt im o. e. Fall des Heizkraftwerks bekannt wird, dass nicht das Wasser eines lokalen Flusses für die Kühlung der Generatoren benutzt werden soll, sondern nach Alternativen wie Ventilatoren gesucht wird, ist das sicher positiv. Aber das ändert beispielsweise nichts daran, dass das Kraftwerk selber sowie die Gaspipeline im Gefährdungsbereich des Vulkans Popocatépeti liegen ... Und beantwortet auch nicht die Frage bzw. Versicherung, dass indigene Comunidades vertrieben werden sollen.
Ob AMLO und Linke in seiner Regierung faktisch schon die Waffen gestreckt haben, müssen die Bewegungen in Mexiko klarkriegen. Oder ob immer noch Räume für emanzipatorische Kräfte offen sind. Was wir in der Ferne mitbekommen, ist weniger Diagnose als Propaganda.

Kolumbien: Geständnis eines ehemaligen Chefs der Paramilitärs

Sonntag, 18. August 2019


Camilo Rengifo Marín*

Mitten in einer der schlimmsten humanitären Krisen Kolumbiens berichtete Jorge Iván Laverde, «El Iguano», ungeschminkt (und reuig?) über seine Aktivität im Norden des Landes. Er leitete den Frente Fronteras der paramilitärischen Autodefensas Unidas de Colombia (AUC) und ist bekannt, weil er Leichen von BäuerInnen in Öfen für die Herstellung von Ziegelsteinen verbrannt hatte.
Laverde ist verantwortlich für mindestens 5000 Ermordete im Departement Norte de Santander. Sein Auftritt am Treffen «Hablemos de Verdad» (Lasst uns von Wahrheit reden) in Cúcuta, das von der deutschen Botschaft in Kolumbien unterstützt wurde, gehörte zu den eindrücklichsten.
Er sagte: «Kein Blatt wurde ohne mein Wissen gewendet. Wir koordinierten unsere Aktionen mit der Polizei und der Armee. Es gab Strassensperren, gemeinsame Patrouillen, sie gaben uns Geheimdienstinformationen. Für niemanden ist es ein Geheimnis, dass wir alles infiltriert hatten: den Geheimdienst DAS, die Staatsanwaltschaft, die Sicherheitskräfte, die Gemeinde- und Departementsregierungen.»
Laverde hatte 13 Jahre in Gefangenschaft verbüsst und bat die Opfer des bewaffneten Konflikts, unter ihnen BäuerInnen im Catatumbo und Angehörige des indigenen Volks der Barí, um Verzeihung.
Er verpflichtete sich zur Nicht-Wiederholung und zur wahrheitsgetreuen Aussage. Die Wahrheit ist schon in über 800 Verfahren erzählt worden, doch das Land kennt sie nicht, weil die Generalstaatsanwaltschaft ihre Veröffentlichung nicht bewilligt.
Er bat auch die Opfer von gewaltsamen Verschwindenlassen um Vergebung, ein Delikt, das er als «das tragischste des bewaffneten Konflikts» bezeichnete. Er erklärte sein Handeln als Folge einer Orientierung in den Ausbildungsschulen. Sie hatten angenommen, dass die Familien das Verschwinden nicht denunzieren würden. Er sagte. «Leider muss man die Sachen bei ihrem Namen nennen, sie waren Zahlen. Es ging darum zu verhindern, dass die Medien die Zahl der Morde in den Gemeinden registrieren würden, und es ging darum, den Sicherheitskräften Probleme zu ersparen.»
«In einer Stadt, in der man an einem einzigen Tag 10, 20 oder sogar 40 Personen exekutiert, bringt das den Kommandanten der legalen Streitkräfte Probleme. Es waren die Sicherheitskräfte, die uns sagten: ‘Lasst sie verschwinden, lasst mir nicht alle diese Leichen, damit das nicht aktenkundig wird’», erläuterte Laverde.

Wer die Paras finanziert hat
Er forderte auch, dass die Zeugnisse von Paramilitärs im Gefängnis gehört werden, die noch nicht einmal ein Verfahren haben konnten. Er erklärte, dass mehrere Ex-Kommandanten ermordet wurden, um zu verheimlichen, wer den Krieg in Norte de Santander, einem strategischem Wirtschaftsgebiet, wie finanziert hatte. «Nachdem wir in das Departement kamen», versicherte er, «unterstützten uns viele Personen. Ja, viele Leute profitierten davon. Wenn die AUC Gebiete eroberten, kamen andere und kauften sie oder bauten Unternehmen darauf. Sie profitierten vom Schmerz und dem Blut der Personen, die gelitten haben. Von Beginn listeten wir die Namen derer auf, die uns, die AUC, finanziert hatten, und wie sie das gemacht hatten. Viehzüchter, Reisanbauer, Minenbetreiber, Händler. Dies wurde alles der Staatsanwaltschaft übergeben», die die Namen und Geständnisse nicht veröffentlicht hat.

Heute Konfliktgebiet
Norte de Santander gehört zu den Departementen, die nach den Friedensabkommen nicht eine Minute Frieden gehabt hatten. Während der heftigsten Konfliktphase (1999 – 2006) wies diese Grenzregion mit Venezuela die höchsten Zahlen von Morden, Vertreibungen und Massakern auf, die auf den Einmarsch und die Konsolidierung der paramilitärischen Gruppen zurückgingen. Den Krieg lebte man in den Vierteln von Cúcuta, in der Grenzregion und vor allem im Catatumbo-Gebiet. Zwischen 1999 und 2002 gab es mehr als 60'000 Vertriebene, ungefähr 300 Opfer von Antipersonen-Minen und 2002 allein im Catatumbo 877 Morde. In den folgenden Jahren gingen die Zahlen zurück, zum Teil wegen der Konsolidierung der Paras und später ihrer Demobilisierung.
Heute streiten sich inmitten der venezolanischen Migrationskrise rund 30 Gruppen und mit dem Drogenhandel, dem Schmuggel, dem Menschenhandel und dem illegalen Verkauf von Treibstoffen verbandelte kriminelle Gruppen um das Gebiet, das die FARC nach Friedensschluss aufgegeben haben.
«Der Krieg war ein schlimmer Fehler, eine entsetzliche Nacht. Für uns ist das extrem beschämend. Zum Gewehr greifen und anderen Bauern, die das Land bearbeiten, Schaden zuzufügen, ist beschämend. Seit 13 Jahren bin ich im (Wiedereingliederungs-) Programm Justicia y Paz, den Opfern gegenüberzustehen und versuchen, etwas zu erklären, das keine Erklärung hat, ist schwer. Ich weiss nur, dass das nie hätte geschehen dürfen», sagte der ehemalige Parachef. Am Schluss berichtete er am Treffen in Cúcuta von einem Fall der Vergebung: «Eine Mutter sagte mir, sie vergebe mir, dass ich ihr ihren Mann und ihren Sohn weggenommen habe. Sie erzählte mir auch, was nach jenem Einfall geschehen war. Die Comunidad bekam Angst, ihr zu helfen. Und so schleppte diese Frau ihren Sohn auf den Schultern einen Kilometer bis zu einem Weg. Danach kehrte sie für ihren Gatten zurück. So brachte sie sie zu dem Weg, an dem sie wohnte, um ihnen ein christliches Begräbnis zu geben.»
Die Mutter bat den Ex-Para, als sie sah, wie er litt, um eine Umarmung, die ihr helfe, ihm zu verzeihen. «Das hat mich gezeichnet.» Seither sagt er, dass die einzige Möglichkeit für eine Versöhnung darin bestehe, die Wahrheit zu erzählen, jene Wahrheit, die die Regierung von Präsident Iván Duque versucht zu unterdrücken.
·         estrategia.la, 16.8.19: Exjefe paramilitar colombiano relata masacres y acusa a quienes las financiaron para beneficiarse. Der Autor ist kolumbianischer Ökonom und Akademiker.
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Kontinuität des Mordens, Kontinuität des Lügens
(zas, 17.8.19) Am 15. hatte die Zeitung El Espectador das Treffen in Cúcuta organisiert. Sie zitierte danach u. a. diese Aussage Laverdes: «Wir nahmen Personen fest, richteten sie hin und beerdigten sie in Massengräbern. Bei einer Gelegenheit sagten uns Mitglieder der Staatsanwaltschaft, eine Kommission komme, um die Leichen auszugraben, und das werde einen Skandal geben. Da beschlossen wir, sie in den Ziegelsteinöfen zu verbrennen und den Ziegelsteinen beizumischen.»
Cúcuta, die Parastadt, war der Ort, wo die USA und ihre lateinamerikanische Seilschaft letzten Februar das widerliche Spektakel der «humanitären Hilfe» nach Venezuela zu inszenieren versuchten, inklusive Open-Air-Konzerte einer Reihe von Grössen aus dem Musikbusiness. Und Cúcuta ist die Stadt, wo jetzt Bürgermeisterwahlen anstehen. El Espectador bringt auch einen Video, in dem Laverde bestätigt, dass zwei der aktuellen Kandidaten seine Truppe mitfinanzierten. Der eine, der das Unternehmen El Palustre vertritt, kandidiert für die Partei Centro Democrático, die den aktuellen Präsidenten stellt, einen Laufburschen des faschistischen Ex-Präsidenten Álvaro Uribe. Der andere vertritt ein anderes Unternehmen. Beide Kandidaten und ihre Unternehmen waren offen in die Para-Finanzierung involviert.
Was Laverde sagt, ist bei weitem nicht das erste Geständnis dieser Art von Para-Seite. Das wird an der Mainstream-Darstellung des von den USA geleiteten Massenmordes im Zeichen des Plan Colombia nichts ändern. Diese Version ist simpel: Die FARC verkörperten das Böse, den Drogenhandel, die Unmenschlichkeit, aber auch die Paras waren keine Chorknaben. Doch unbeirrt von diesen Polen steuerte die Regierung unter Anleitung der internationalen Gemeinschaft einen Kurs für jährlich mehr Demokratie, Respekt der Menschenrechte und Wirtschaftsaufschwung. Vor allem dies: Mit den Paras hatten abgesehen von bedauerlichen Einzelfällen die Sicherheitskräfte nichts zu tun, und schon gar nicht die wirtschaftlichen Wohltäter der Bevölkerung, das trans/nationale Kapital.
Praktisch täglich werden heute AktivistInnen von sozialen Bewegungen, ermordet, zusammen mit demobilisierten FARC-Guerillas oder deren Angehörigen. Fast nie  ein Wort Wahrheit dazu (und wenn in homöopathischer Dosierung): Wieder streiten sich irgendwelche Kriminelle um die Drogenbeute, und die Regierung kämpft dagegen mit internationaler Hilfe. (Und sowieso ist Venezuela schuld.) Die mainstream-mediale Mordakklamation geht gut geölt weiter.
Laverde links. Zum Video:

Newsletter Nr. 7: Aufruf zu Aktion #7000TransparenteFürRojava

Freitag, 16. August 2019

#7000TransparenteFürRojava
 
Liebe Freund_innen
 
Die Lage in Rojava ist weiter ernst und von einer Entspannung kann keine Rede sein. Die Türkei droht weiterhin mit Einmarsch und dem Errichten einer «Sicherheitszone» in Nordsyrien. Gleichzeitig bauen sie mit der «Operation Klaue» ihre Präsenz im Nordirak aus, intensivieren den Krieg in den Bergen und engen damit den Spielraum Rojavas ein.

Darum starten wir ab Samstag, 24. August eine neue Transpi-Aktion «7000 Transparente für Rojava» nach dem gleichen Prinzip wie die Aktion «7000 Transparente gegen Isolation» für die Hungerstreikenden in der Türkei im April dieses Jahres.

In Rojava werden trotz aller Schwierigkeiten weiterhin emanzipatorische Projekte aufgebaut. Mit jedem neuen Tag zeigt sich die immense Kraft der Bevölkerung mit ihrer Erfahrung, Organisierung und dem entsprechenden Selbstvertrauen. Unterstützen wir sie hier!

Zeigen wir, dass wir viele sind, die in internationaler Solidarität Schulter an Schulter mit Rojava stehen! Hängt eine Botschaft aus eurem Fenster, in der Schule und am Arbeitsplatz, an das Velo und Auto, an eine Brücke und zwischen Laternen… irgendwo, wo es im öffentlichen Raum sichtbar ist.

Vorschlag für Botschaften:

•    Rojava ist auch unser Kampf!
•    kein Krieg gegen Rojava!
•    Überall ist Widerstand – Überall ist Rojava!

Schickt ein Foto von euren Transparenten per Signal, Whatsapp, Telegram an +41 77 991 29 42 /  per Mail an rojka@riseup.net / Twitter / Instagram mit den Hashtags #7000TransparenteFürRojava, #fight4rojava und #riseup4rojava

Am Samstag, 17. August und Sonntag, 18. August gibt es gemeinsame Basteltage. Kommt ab 14:00 Uhr im RAF (Kochareal) Flüelastrasse 54, 8047 Zürich vorbei.

Überall ist Widerstand – Überall ist Rojava!

Rojava Komitee Zürich, FIST, Beritan, Widerstandsvernetzung fight4rojava, MakeRojavaGreenAgain, Rojava Komitee Basel, Perspektiven bauen Bern.
 
 
PS: Und hier noch drei Lesetipps:
- Interview mit Mazlum Abdi, Generalkommandanten der Demokratischen Kräfte Syriens, zur aktuellen Situation in Rojava und zum Stand der Verhandlungen: https://anfdeutsch.com/rojava-syrien/mazlum-abdi-die-verhandlungen-gehen-weiter-13251
- Interview mit dem deutschen Politologe Axel Gehring in der aktuellen WoZ: https://www.woz.ch/1933/tuerkische-aussenpolitik/eine-militaeroffensive-ist-unwahrscheinlich
- Anlässlich des Jahrestages der Aufnahme des bewaffneten Befreiungskampfes durch die PKK vor genau 35 Jahren, Grussbotschaft der Freien Fraueneinheit YJA-Star: https://anfdeutsch.com/aktuelles/yja-star-der-erste-schuss-brachte-hoffnung-und-mut-6101 
 
Solidarische Grüsse
Rojava Komitee Zürich
rojavaagenda.noblogs.org
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