Argentinien - Was noch kommt: Hyperinflation und mehr Abhängigkeit von den USA

Donnerstag, 23. November 2023

https://estrategia.la/2023/11/21/lo-que-vendra-hiperinflacion-adios-a-los-bric-y-china-y-mas-dependencia-de-eeuu/

Die Analyse des Wirtschaftswissenschaftlers Horacio Rovelli

21. November 2023

Horacio Rovelli, ein prominenter argentinischer Wirtschaftswissenschaftler, sieht "die schlimmste aller Welten voraus, denn in Argentinien steuern wir auf eine Hyperinflation wie 1989 zu". "Alberto Fernández war immer ein Taugenichts, sein Wirtschaftsminister Sergio Massa ist zurückgetreten und der gewählte Präsident Javier Milei sagt, dass er abwerten und die öffentlichen Ausgaben reduzieren wird. Das einzige, was uns erwartet, ist eine Katastrophe", sagte er.

Rovelli hat einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften und ist Professor für Wirtschaftspolitik, monetäre Institutionen und regionale Finanzintegration an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften (UBA). Er war nationaler Direktor für makroökonomische Programmierung und ist leitender Analyst beim Lateinamerikanischen Zentrum für strategische Analysen (CLAE).

Der Wirtschaftswissenschaftler bezog sich auf die Annäherung zwischen La Libertad Avanza und dem ehemaligen neoliberalen Präsidenten Mauricio Macri, die für die Wahlentscheidung von grundlegender Bedeutung war, und betonte, dass "Macri und Milei beide dasselbe Ziel verfolgen: die die argentinische Wirtschaft an das grosse internationale Kapital, das sich bereits in Argentinien befindet. auszuverkaufen Der Plan, der auf das Land zukommt, ist der Plan dieser grossen Wirtschaftsgruppen. Sie sind nur daran interessiert, so viel rauszuholen, wie sie können.

Einer von Mileis Leitsätzen war, dass Argentinien nicht mit Kommunisten verhandeln wird. Das Land wird seine Beziehungen zu den Schwellenländern verlagern, um sich stärker an die USA zu binden: "China und Brasilien sind unsere beiden besten Handelspartner. Argentinien tritt den BRICS-Staaten nicht mehr bei, und Milei hat bereits Nein gesagt. Argentinien hat eine komplementäre Wirtschaft mit Brasilien und Brasilien. Argentinien hat eine komplementäre Wirtschaft mit Brasilien und China. Das war unsere wirtschaftliche Zukunft, und jetzt werden wir den USA untergeordnet. Wir befinden uns in einer extremen Situation, in der wir tun werden, was das US-Kapital will", sagte er.

Hier ist der Fragebogen:

Wie sehen Sie die mögliche Wirtschaftspolitik der neuen Regierung? Welche Szenarien gibt es?

Erstens, ein "Marktputsch", der bei dem Treffen am 7. und 8. September 2023 in Greenwich und New York vorbereitet wurde. Dario Epstein und Juan Ignacio Napoli, Vertreter von Javier Milei, haben sich mit den Bossen des "Finanzmarktes" auf den Preis des Dollars in Argentinien geeinigt.

Dabei handelt es sich um die Manager und Eigentümer der Banken HSBC, UBS und JP Morgan, BlackRock, Vanguard Group, Fidelity, PIMCO, Franklin Templeton, Allianz SE, FMR, Capital Group, Credit Agricole Group, NN Group, Intesa Sanpaolo, Global Evolution, Ashmore Group, TCW Group und andere.  Sie alle beabsichtigen, in Argentinien für die Hälfte dessen zu kaufen, was doppelt so viel wert ist.

Zweitens, ein starker Anstieg der Preise und damit ein ebenso starker Rückgang der Reallöhne und Renten, grössere Armut für die Bevölkerung und grössere Macht für diejenigen, die durch Exporte oder Kedite an sich selbst[1] Dollars generieren.

Drittens, ein chaotisches Ende der Regierung Alberto Fernández, das die Situation für einen harten Plan zur Anpassung des Binnenkonsums, der Abwertung und der Budgetanpassung von Javier Milei vorbereitet.

Wie analysieren Sie das wirtschaftliche Profil des designierten Präsidenten?

Javier Milei wiederholt bis zum Überdruss, was der Amerikaner Murray Rothbard (1926-1995) geschrieben hat, dem es oblag, den modernen Libertarismus zu definieren und eine Form des Anarchismus und der freien Märkte zu popularisieren. In seinem Buch "Society without a State" (Gesellschaft ohne Staat) verteidigte Rothbard seine Theorie: "Ich definiere eine anarchistische Gesellschaft als eine Gesellschaft, in der es keine rechtliche Möglichkeit für Zwangsangriffe gegen die Person oder das Eigentum einer Person gibt.

Anarcholiberale lehnen den Staat ab, da er sein Wesen in einer solchen Aggression hat, d.h. der Enteignung von Privateigentum durch Besteuerung, dem zwangsweisen Ausschluss anderer Dienstleister von der Verteidigung ihres Territoriums und allen anderen Plünderungen und Nötigungen, die auf diesen beiden Schwerpunkten des Eingriffs in die individuellen Rechte beruhen".

Das heisst, in einem Land wie dem unseren, in dem die Steuern auf das Kapital minimal sind, selbst im Hinblick auf unsere eigene Geschichte (was viel aussagt), predigt Milei, dass das Zahlen von Steuern Diebstahl ist und dass der Staat nicht existieren sollte, während in Argentinien die bisher grösste Herausforderung in diesem Jahrhundert die Covid-Pandemie war und die Geissel durch Krankenhäuser und öffentliche Gesundheitseinrichtungen bekämpft wurde.

In einem Land, in dem die Grundbesitzer nur 0.3 % des BIP an Grundsteuer zahlen, während die Mehrwertsteuer, die wir alle zahlen, wenn wir Waren oder Dienstleistungen kaufen, 9.6 % des BIP ausmacht.  Dass in jeder einzelnen Provinz mehr Geld aus der Kfz-Zulassung oder der städtischen Grundsteuer eingenommen wird als aus der Grundsteuer auf dem Land.

Dass die Summe der Exportabgaben[2] für die ersten zehn Monate des Jahres 2023 nur 0.7 % des BIP ausmacht, und die Mesa de Enlace sagt, das sei ein Raub.

Es ist ein Hohn, dass in diesem Land das Ende des Staates propagiert wird, wo doch nur durch eine gezielte staatliche Politik die Produktion gesteigert, Vollbeschäftigung erreicht und Preisstabilität erreicht werden kann.  Wenn der Staat nicht im Namen aller für die Zukunft plant, werden es die Finanzkonzerne (für die Milei arbeitet) sein, die für uns planen.

- Mit welchen wirtschaftlichen Herausforderungen wird die Regierung von Javier Milei nach dem 10. Dezember konfrontiert sein und welche Bedingungen wird sie vorfinden?

Das Beratungsunternehmen Ecolatina (unter der Leitung von Roberto Lavagna, ehemaliger argentinischer Wirtschaftsminister unter Duhalde und Néstor Kirchner) schätzt, dass die Regierung zwischen 2024 und 2026 Fälligkeiten von mehr als 53 Milliarden Dollar (ohne nicht übertragbare Wechsel, garantierte Wechsel und Garantien) zu bewältigen hat, d.h. durchschnittlich mehr als 17,8 Milliarden Dollar pro Jahr, Beträge, die für den Staat unbezahlbar sind und die Auslandsschulden zu einem Mittel machen, um das Land unter Kontrolle zu halten und seine Ressourcen zu plündern.

Wie sehen Sie die Beziehungen zu China nach dem Sieg von Milei? Auf politischer und wirtschaftlicher Ebene (Milei sagte, dass es den Geschäftsleuten freisteht, mit China Handel zu treiben).

Schlecht: Argentinien ist nicht Mitglied der BRICS und jedes Abkommen mit China wird zuerst vom US-Aussenministerium geprüft.

- Welche Auswirkungen könnte die liberale Politik Mileis auf den Swap mit China oder die Neue Seidenstrasse-Initiative haben?

Ich wiederhole: Die Regierung Milei wird sich dem US-Aussenministerium unterordnen und die Swaps mit China aushandeln, um sie so schnell wie möglich zu bezahlen, wobei sie immer den Interessen des grossen internationalen Finanzkapitals, das sich in Argentinien befindet und das ich im ersten Punkt erwähnt habe, zustimmen wird.

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(zas, 23. 11. 23) Rovelli, in Marxismus und Keynesianismus beheimatet, erläutert das Thema im Artikel Anarco-Capitalismo (www.elcohetealaluna.com) im klassischen Kontext der Auseinandersetzung zwischen Werttheorie und Grenznutzentheorie und schildert kurz verschiedene Etappen des «Liberalismus» (inklusive Militärdiktatur) in Argentinien.




[1] A. d. Ü.: Praxis von Multis, deren Mutterhäuser ihren Filialen im Ausland überteuerte Kredite gewähren.

[2] A. d. Ü.: für Agrarmultis.

 

Millionenklage wegen Verstaatlichung: Bolivien verliert gegen Glencore

Mittwoch, 22. November 2023

 https://amerika21.de/2023/11/266868/bolivien-verliert-gegen-glencore

Bolivien / Wirtschaft / Politik

Zinnproduzent Metalúrgica Vinto wurde am 9. Februar 2007 verstaatlicht. Dagegen klagte Glencore und gewann
Zinnproduzent Metalúrgica Vinto wurde am 9. Februar 2007 verstaatlicht. Dagegen klagte Glencore und gewann

La Paz. Im Schiedsverfahren mit dem multinationalen Großkonzern Glencore muss Bolivien 253 Millionen US-Dollar wegen Verstaatlichungen zahlen. Insgesamt laufen gegen den plurinationalen Staat derzeit zehn internationale Schiedsverfahren in Höhe von einer Milliarde US-Dollar.

Glencore, die weltweit größte im Rohstoffhandel und Bergwerksbetrieb tätige Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in der Schweiz, reichte beim US-Bezirksgericht von Columbia eine Klage gegen Bolivien ein, um das Urteil des Ständigen Schiedsgerichtshofs mit Sitz in Den Haag durchzusetzen und die Zahlung von 253 Millionen US-Dollar zu erwirken. Bolivien verlor das Schiedsverfahren und muss nun für die Verstaatlichungen zahlen, die zwischen 2007 und 2012 unter der Regierung von Evo Morales stattfanden. Konkret handelt es sich dabei um die Verstaatlichung der Colqui-Mine und des Unternehmens für Zinnproduktion, Metalúrgica Vinto.

Der Leiter der bolivianischen Behörde für die Staatsvertretung bei Rechtstreitigkeiten, César Siles, unterstrich, dass der geforderte Betrag 68 Prozent unter der anfangs geforderten Summe des Unternehmens liege. Er kündigte zugleich an, dass die Möglichkeit einer Aufhebung des Schiedsspruchs und einer Aussetzung der Vollstreckung geprüft werde.

Der von Glencore eingeleitete Prozess begann bereits 2017 mit einer Forderung von 675 Millionen US-Dollar, die dann auf 778 Millionen US-Dollar angehoben wurden.

Siles erklärte weiter, dass gegen Bolivien insgesamt zehn internationale Schiedsverfahren wegen Rechtsstreitigkeiten in Höhe von insgesamt einer Milliarde US-Dollar offen sind. In drei Fällen liege bereits ein Schiedsspruch vor, dagegen wurde Berufung eingelegt.

Ein Schiedsverfahren mit dem US-Bergbauunternehmen Minera Orlandini hat Bolivien unlängst gewonnen und die Forderung von ebenfalls 253 Millionen US-Dollar wurde abgewiesen (amerika21 berichtete).

Noch ausstehende internationale Schiedsverfahren laufen unter anderem mit der Zurich Insurance Group und der Zurich South America Invest AB, Eigentümer des Pensionsfonds-Verwalters Futuro de Bolivia. Sie verklagten Bolivien im Jahr 2020 wegen der Verstaatlichung des Rentensystems vor dem Ständigen Schiedsgerichtshof in Den Haag. Consorcio Cementero del Sur SA hat wegen der Enteignung seiner Anteile an der Fábrica Nacional de Cemento SA geklagt.

Ein weiteres Verfahren wurde vom Shell-Konzern gegen das staatliche Erdöl- und Erdgasunternehmen Boliviens YPFB (Yacimientos Petrolíferos Fiscales Bolivianos) wegen angeblicher Schulden bei der Produktion angestrengt. Dazu sagte Siles, dass die Hauptanhörung bereits stattgefunden habe und auf eine weitere Anhörung gewartet werde, bei der das Datum der Schiedsspruchverkündigung bekannt gegeben wird.

Laut Siles hat der bolivianische Staat zehn internationale Anwaltskanzleien sowie weitere im Inland für insgesamt 16 Millionen US-Dollar beauftragt, um sich in den Schiedsverfahren vertreten zu lassen.

 

Mexiko: 30 Jahre nach dem Aufstand organisieren sich die Zapatistas neu

Dienstag, 21. November 2023

 https://www.medicointernational.ch/regionen-projekte/mexiko/hintergruende/chiapas-die-zapatistas-organisieren-sich-neu.html

Am 17. November 2023 feiert die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) ihr 40-jähriges Bestehen. Knapp 30 Jahre ist es her, seit die EZLN im Januar 1994 mit einem bewaffneten «Aufstand der Würde» weltweit Aufmerksamkeit erregte. Heute suchen die Zapatistas angesichts der zunehmenden Gewalt und der Präsenz krimineller Organisationen im Bundesstaat Chiapas neue adäquate Formen, um ihre Gemeinden autonom zu regieren.

Alice Froidevaux & Philipp Gerber

Chiapas, der südlichste Bundesstaat Mexikos, in dem die indigenen Gemeinden am 1. Januar 1994 einen bewaffneten Aufstand wagten, befindet sich heute in einer Gewaltspirale. Gruppen der organisierten Kriminalität mischen sich mit den paramilitärischen Strukturen, welche in den 90er-Jahren zur Aufstandsbekämpfung eingesetzt wurden. Sie terrorisieren die Bevölkerung insbesondere an der Grenze zu Guatemala.

Nun haben die Zapatistas in einer Reihe von Communiqués bekanntgegeben, wie sie auf die neuen Herausforderungen reagieren werden. In der Erklärung «Novena Parte: La Nueva Estructura de la Autonomía Zapatista» bekräftigen sie, dass sie in Zukunft die indigene Autonomie noch stärker auf die Gemeinden fokussieren: «Jede lokale Selbstverwaltung kontrolliert ihre autonomen organisatorischen Ressourcen (wie Schulen und Kliniken) und die Beziehungen zu den benachbarten nicht-zapatistischen Gemeinden».

Auch der Aufbau und die Organisation der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) wurden reorganisiert. Dies mit dem Ziel, die Verteidigung und Sicherheit der Dörfer und der Mutter Erde im Falle von Aggressionen und Angriffen zu erhöhen. Zu den akuten Gefahren zählen die Zapatistas globale Kriege, die Militarisierung der Region, die Invasion durch Unternehmen, die die Natur zerstören, und die Klimakrise. Mesoamerika ist vermehrt von Dürren und ungewöhnlich starken Hurrikans betroffen, wie kürzlich der Hurrikan Otis im Bundesstaat Guerrero gezeigt hat.

Die Neuorganisation der autonomen Strukturen sei das Resultat einer zehnjährigen, selbstkritischen Reflexion und die Umsetzung brauche Geduld. «Wir haben uns darauf vorbereitet, dass unsere Völker überleben», betont die EZLN. Sie denken dabei in langen Zeiträumen und wollen die Existenz der Gemeinden für die nächsten Generationen sichern: «Nur wenn wir weit zurück und nach vorne blicken, können wir den jetzigen Schritt verstehen». Mit dem Slogan «Más de 500, 40, 30, 20, 10 años después» erinnert die zapatistische Bewegung auch an die vorherigen Schritte in ihrer Geschichte: Vor 20 Jahren gründeten die Zapatistas die bisherige Autonomiestruktur, vor 30 Jahren überraschte der zapatistische Aufstand die Welt, vor 40 Jahren, am 17. November 1983, gründete eine kleine Gruppe von Guerrilleros die EZLN im lakandonischen Urwald, und seit über 500 Jahren befinden sich die indigenen Völker Lateinamerikas im Widerstand!

Autonome Basisgesundheit

Seit vielen Jahren unterstützt die medico-Partnerorganisation Salud y Desarrollo Comunidario (SADEC) die Zapatistas in der Stärkung der selbstorganisierten Gesundheitsversorgung. Sie bieten Aus- und Weiterbildungskurse für indigene Gesundheitsverantwortliche und Hebammen an, koordinieren und begleiten ein Programm von jungen Ärzt*innen, die ihren Sozialdienst in zapatistischen Landkliniken absolvieren, und ermöglichen den Zapatistas einen vergünstigten Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten. Auch wenn direkte Spitalüberweisungen aus ländlichen Gemeinden notwendig sind, funktioniert SADEC als unterstützende Schnittstelle zwischen den autonomen zapatistischen Gemeinden und staatlichen Gesundheitsinstitutionen. 

Auch für SADEC bringt die neue Gewalt in Chiapas zusätzliche Herausfoderungen und fordert eine laufende Reevaluation von Strategien und Arbeitsformen. Zum Jahrestag des EZLN und zum Jubiläum des zapatistischen Aufstandes ist das Team von SADEC dankbar, Teil dieses gemeinsamen Lernweges zu sein: 

Desde Sadec saludamos este 30 aniversario zapatista con el respeto que la lucha digna merece, desde la palabra que teje, que da forma y crea; la mirada que va un paso más allá, la rebeldía que hace posible el caminar, el dolor que fortalece, la alegría que da vida y por la oportunidad de caminar y aprender de esta lucha. Entre otros, desde la otra salud se ha trazado una ruta de aprendizaje colectivo; desde otros dolores, otros sentires, otras prácticas, otros modos; sumando saberes y conocimientos, modos y formas; ampliando la mirada más allá de la enfermedad, semilla que ha quedado en decenas de jóvenes médicas y médicos que han tenido la oportunidad de caminar esta experiencia. Saludamos esta nueva etapa de lucha por la vida, aunque con muchos retos, llena de la experiencia acumulada. Un privilegio estar en este momento histórico. SADEC, noviembre 2023

Wir von SADEC feiern diesen 30. zapatistischen Jahrestag mit dem Respekt, den der würdige Kampf verdient. Ein Kampf, der auf dem Wort beruht, das webt, das formt und schafft; auf dem Blick, der einen Schritt weiter geht, auf der Rebellion, die das Gehen ermöglicht, auf dem Schmerz, der stärkt, auf der Freude, die Leben schenkt, und auf der Möglichkeit, diesen Kampf zu gehen und daraus zu lernen. Unter anderem über «die andere Gesundheit» haben wir einen kollektiven Lernweg beschritten; geprägt von anderen Schmerzen, anderen Gefühlen, anderen Praktiken, anderen Wegen; gegründet auf dem Zusammenbringen von Wissen, von Wegen und Formen; auf dem Erweitern des Blicks über die Krankheit hinaus. Ein Samen, der in Dutzenden von jungen Ärzt*innen gepflanzt wurde, die die Gelegenheit hatten, diese Erfahrung zu machen. Wir freuen uns auf diese neue Etappe im Kampf um das Leben, die zwar viele Herausforderungen mit sich bringt, aber auch auf eine Fülle von Erfahrungen zurückgreifen kann. Es ist ein Privileg, an diesem historischen Moment teilzuhaben. SADEC, November 2023

 

I Joined Gaza’s Trail of Tears and Displacement

Montag, 13. November 2023

After weeks of reporting on Israel’s war from Gaza City, I was one of thousands of Palestinians who fled south on Friday.

 

Die israelische Linke hat das falsche Ziel im Visier

Odeh Bisharat*

Nov 13, 2023 12:26 am IST

In dieser schwierigen Zeit, in der so viele die Bewohner:innen der Grenzgemeinden des Gazastreifens unterstützen wollen, haben ein paar verachtenswerte Menschen die Situation ausgenutzt und Häuser und Bauernhöfe geplündert. So ist das Leben. Einerseits weckt Mitgefühl den Stolz auf die Menschheit, andererseits schämt man sich für das Verhalten der anderen, ein Teil der menschlichen Rasse zu sein.

Ein ähnlich verachtenswertes Verhalten, das gegen alles Gute im Menschen verstösst, ist in der Regierung zu beobachten.

Der erste Fall ist Finanzminister Bezalel Smotrich, der die Katastrophe, die über das Land hereingebrochen ist, als Gelegenheit sieht, das Westjordanland zu plündern. Die Siedler, die seine messianische Ideologie teilen, haben begonnen, ihre Pläne zur Säuberung des Gebiets von der palästinensischen Bevölkerung in die Tat umzusetzen. Smotrich selbst fordert, dass die Palästinenser an der Olivenernte gehindert werden, um die Sicherheit der Kriminellen zu gewährleisten, die die Aussenposten errichtet haben, die selbst nach Ansicht der Regierung illegal sind.

Der zweite Fall ist der Minister für nationale Sicherheit Itamar Ben-Gvir. Unmittelbar nach Bekanntwerden des verbrecherischen Hamas-Anschlags rief er zu einer Fortsetzung der arabisch-jüdischen Unruhen von 2021 auf, um das, was von der israelischen Demokratie noch übrig ist, zu vernichten.

Heute befindet er sich in einem Zustand der Ekstase, weil die Regierung ihm alles gegeben hat, was er wollte. Ihm unterstellte Milizen sind wie Pilze aus dem Boden geschossen, ausgerüstet mit Schusswaffen. Den Einwohnern von Tel Aviv bietet sich ein spektakulärer Anblick von bewaffneten Schlägern, die durch die Strassen der Stadt ziehen. Und als ob das noch nicht genug wäre, verhaftet die Gedankenpolizei auch noch den Staatsbürgerkundelehrer Dr. Meir Baruchin, weil er sich auf Facebook gegen die Operationen der Armee im Gazastreifen ausgesprochen und Mitgefühl für das Leiden der Palästinenser gezeigt hat.

Alle wissen, dass Ben-Gvirs erstes Ziel die arabischen Bürger:innen Israels sind. Die Maschinerie kam  schnell in Gang. Hunderte von Araber:innen werden schikaniert, es werden Anklagen erhoben, und die Richter:innen genehmigen zur Schande der Justiz Verhaftungen. Es wird nicht nur das Blut von Menschen vergossen, sondern auch das Blut der israelischen Demokratie - oder das, was davon übrig ist. Darum herum tanzt eine verrückte Bande fröhlich.

Der Angriff erreichte seinen Höhepunkt, als die Polizei Mohammed Barakeh, den Vorsitzenden des Higher Arab Monitoring Committee, nicht zu einem Gespräch über die schwierige Lage traf, sondern ihn zum Verhör festnahm. Alle Expert:innen loben das Verhalten der arabischen Bevölkerung in dieser dunklen Zeit; sogar der Polizeipräsident hat sich in diesem Sinne geäussert. Aber der Staat in Form von Ben-Gvir hat der arabischen Gemeinschaft den Krieg erklärt, und der israelische Mainstream hat kein einziges Wort der Kritik an diesem beschämenden Schauspiel geäussert.

Die Anführer:innen der Proteste gegen die Justizreform, insbesondere diejenigen, die sich selbst als "links" bezeichnen, führen einen Zermürbungskrieg gegen alle, die es wagen, Israels Angriffe auf den Gazastreifen zu verurteilen, selbst wenn diese zum Tod von 11’000 Menschen im Gazastreifen geführt haben. Doch während Israels faschistische Rechte die Demokratie aushebelt und auch sonst tut, was sie will, bittet unsere tugendhafte Linke die Welt um Ruhe.

Die faschistische Rechte kontrolliert die Hinterkanäle des Landes. Das Echo der Gräueltaten der Hamas im Gazastreifen ist in den Polizeistationen und Gefängnissen, auf den Strassen, in der Atmosphäre des Polizeiterrors und in den Übergriffen auf Demonstrant:innen zu sehen. Hinzu kommen die von den Faschisten geschwungenen Waffen.

Premierminister Benjamin Netanjahu bringt die Dinge wieder auf den Punkt. Vor einem Monat, vor dem Krieg, unterstützte er die Hamas als Gegengewicht zu Mahmoud Abbas, um einen palästinensischen Staat zu verhindern. Abbas, der für eine Verhandlungslösung eintrat, musste dafür teuer bezahlen, weil sein Volk ihn als schwach und erbärmlich ansah. Jetzt nutzt Netanjahu das Massaker der Hamas, um Ben-Gvir und Justizminister Yariv Levin in einem brutalen Angriff auf die Demokratie einzusetzen und eine regelrechte Diktatur zu errichten.

Anstatt also die Welt zu verdammen, sollten vernünftige Menschen in Israel ihre Aufmerksamkeit auf das richten, was hier im eigenen Land geschieht. Denn nach dem Krieg werden sie das Land, das sie zurückgelassen haben, nicht wiedererkennen. Lösen sie die Probleme hier, dann werden sich Israels Probleme mit der Welt von selbst lösen.

* Ha'aretz: The Israeli Left Is Aiming at the Wrong Target

 

https://www.haaretz.com/opinion/2023-11-13/ty-article-opinion/.premium/the-israeli-left-is-aiming-at-the-wrong-target/0000018b-c4d4-df10-adeb-d6f6a1bf0000?lts=16999099361