Wird humanitäre Hilfe in Venezuela politisch missbraucht?

Freitag, 8. Februar 2019

https://amerika21.de/2019/02/221890/venezuela-humanitaere-hilfe-maduro-guaido

Selbsternannter "Interimspräsident" Guaidó kann US-Hilfsgüter nicht ins Land bringen. UNO und EU beklagen politische Instrumentalisierung

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Gesperrte Brücke zwischen Kolumbien und Venezuela
Gesperrte Brücke zwischen Kolumbien und Venezuela
Caracas. Im Zuge der Krise in Venezuela nimmt der Streit über humanitäre Hilfslieferungen für die Bevölkerung des südamerikanischen Landes zu. Die venezolanischen Behörden haben offenbar eine mehrspurige Brücke zum Nachbarland Kolumbien blockiert, über die der selbsternannte "Interimspräsident" Juan Guaidó Hilfsgüter aus den USA einführen wollte, um sie dann verteilen zu lassen. Beobachter gehen davon aus, dass der Disput über diese Hilfsgüter den auch international ausgetragenen Konflikt weiter anheizen könnte. Die UNO und Vertreter der EU warnten indes vor dem Missbrauch humanitärer Hilfe durch politische Akteure. Die USA bezeichnen die wirtschaftliche und soziale Krise in Venezuela als Gefahr für die regionale Sicherheit und drohen mit militärischen Schritten.
Die Brücke Tienditas nahe der Grenzstadt Cúcuta zwischen Venezuela und Kolumbien wurde offenbar auf Weisung der Regierung mit dem Anhänger eines Tanklastzugs und zwei Containern sowie Gittern blockiert. US-Außenminister Mike Pompeo forderte Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro daraufhin auf, die Überführung freizugeben. "Das Maduro-Regime muss die Hilfe die verhungernden Menschen erreichen lassen“, so Pompeo auf Twitter. Die Tienditas-Brücke war 2016 zu Ende gebaut worden, sie wurde wegen des bilateralen Konfliktes zwischen Venezuela und Kolumbien jedoch nie in Betrieb genommen.
Der selbsternannte venezolanische "Interimspräsident" Guaidó hat angekündigt, humanitäre Hilfe von Kolumbien nach Venezuela schaffen lassen. Unklar bleibt allerdings, wie die Güter verteilt werden sollen. Sie wurden von der US-Agentur USAID nach Kolumbien geliefert und sollten offenbar von Anhängern des Gegenpräsidenten verteilt werden. Präsident Maduro hat das Vorhaben entschieden abgelehnt. Die humanitäre Hilfe sei lediglich ein Vorwand für eine US-Militärintervention in Venezuela, sagte er gegenüber dem russischen Auslandssender Russia Today. Die Regierung will Proteste gegen die ihrer Meinung nach politisch motivierte Aktion mobilisieren.
Die Vereinten Nationen haben indes davor gewarnt, dass die humanitäre Hilfe für Venezuela politisch missbraucht werden könnte. "Humanitäre Maßnahmen müssen unabhängig von politischen, militärischen oder anderen Zielen sein", sagte der Sprecher der Vereinten Nationen, Stephane Dujarric, gegenüber Pressevertretern in New York. "Wenn wir die aktuelle Krise betrachten, wird immer deutlicher, dass ernsthafte politische Verhandlungen zwischen den politischen Lagern erforderlich sind, um eine Lösung zu finden, die zu einem dauerhaften Frieden für die Bevölkerung Venezuelas führt", fügte er hinzu. Nach Angaben eines EU-Diplomaten haben auch Vertreter der EU-Kommission in internen Beratungen vor einem politischen Missbrauch humanitärer Hilfen in dem eskalierenden Konflikt zwischen der Regierung Maduro und Teilen der Opposition des südamerikanischen Landes gewarnt.
Venezolanische Medien verwiesen indes darauf, dass die Blockade der Maduro-Regierung gegen Hilfslieferungen aus den USA und der EU mehr mit dem politischen Agieren dieser Akteure zu begründen ist als mit einer grundsätzlichen Ablehnung solcher Hilfen durch die Regierung. Das regierungsnahe Internetmagazin misionverdad.com etwa weist darauf hin, dass die Panamerikanische Gesundheitsorganisation (Paho), die regionale Vertretung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), seit Jahren in die gesundheitspolitischen Planungen der venezolanischen Regierung eingebunden ist. Dies sei vor allem seit 2018 der Fall, als in erhöhtem Maße Malaria-, Diphtherie- und Masernausbrüche zu verzeichnen waren.
Auf der Website der Paho seien alle Hilfestellungen in Zusammenarbeit mit venezolanischen Behörden aufgeführt, schreibt misionverdad.com. Zudem sei erst im Juni letzten Jahres eine Vereinbarung über Zusammenarbeit bei der Lieferung von Medikamenten und Verhütungsmitteln sowie über die Schulung im Bereich der Seuchenbekämpfung unterzeichnet worden.
Im Januar dieses Jahres habe die Paho den venezolanischen Behörden Medikamente für rund 3.000 venezolanische Patienten zur Verfügung gestellt, zusätzlich zu drei Millionen Tabletten für die antiretrovirale Therapie. Im Zuge der Zusammenarbeit sei zugleich eine Impfrate von über 95 Prozent gegen Masern und Diphtherie erreicht worden.
Bereits im November 2018 hatten die Vereinten Nationen in Zusammenarbeit mit dem Zentralen Notfallreaktionsfonds (Common Emergency Response Fund, CERF) Mittel in Höhe von 9,2 Millionen US-Dollar für humanitäre Programme in Venezuela bereitgestellt. Ziel war eine Verbesserung der Gesundheits- und Ernährungsversorgung für schwangere Frauen, stillende Mütter nach Risikoschwangerschaften und Kinder unter fünf Jahren.
Dies seien "klare Beispiele dafür, dass die bolivarische Regierung keine humanitäre Hilfe abgelehnt, sondern akzeptiert hat, um einige der schwerwiegendsten Probleme zu lösen“, heißt es bei misionverdad.com. Deren Autoren führen die Krise im Gesundheitswesen und bei der Medikamentenversorgung auf die US-Sanktionen zurück.

Venezuela: Entgiftungshilfe

Montag, 4. Februar 2019


(zas, 4.2.19) Es wäre eine auch von Herkules nicht zu bewältigende Herausforderung, auch nsog. Präsidenten ur die wichtigsten täglichen «venezolanischen» Lügen der Nachplappermedien zu widerlegen. Fassungslos nimmt man etwa die manifestierte Empathie der Mächtigen und ihrer Propagandaapparate mit den «Flüchtlingen» aus Venezuela zur Kenntnis, und wie sie gleichzeitig darüber diskutieren, wie die Leute im Mittelmeer ersäuft, in der Sahelwüste mit Durst gekillt, in Osteuropa mit Kälte neutralisiert werden können. Salvini ist ein Fascho, sicher, hinter ihm stehen die Merkels und Macrons.
Deshalb ist es sinnvoller, sich zwischendurch mit strategischen Linien des globalen Terrorismus, der Kriegstreiberei auseinanderzusetzen. Zu Venezuela hilft dabei ein kleiner Artikel, Internal US Gov’t Document Outlines Program of ‘Economic Warfare’ on Venezuela. Der Autor Ben Norton bezieht sich auf eine Wikileaks-Tweet, der wiederum aus einem Handbuch der US Special Forces über den «Unkonventionellen Krieg» von 2008 zitiert. Darin geht es um Wirtschaftskrieg als Teil des «unkonventionellen Kriegs». Norton konkretisiert das am Beispiel der Figur des sog. Präsidenten Guaidó, die die ihr erteilten Anweisungen punkto verschärften Wirtschaftssabotage als Teil des grossen Kriegs auf Spanisch formuliert. Erregt akklamiert, logo, von den hiesigen MachtapologetInnen.
Nichts verrückt Neues, aber hilfreich als Komponente einer Entgiftungskur: Internal US Gov’t Document Outlines Program of ‘Economic Warfare’ on Venezuela

Ausser der Reihe: „Aufruf der ersten Generalversammlung der gelben Westen“

Samstag, 2. Februar 2019

https://www.nachdenkseiten.de/?p=48777

Ein interessantes Dokument zum Aufstand in Frankreich: „Aufruf der ersten Generalversammlung der gelben Westen“
Ein Artikel von: Redaktion
Am Sonntag erschien in der französischen Zeitschrift Humanité ein Aufruf einer Versammlung der gelben Westen aus dem ganzen Land. Sie nennen sich Generalversammlung. Das Dokument – siehe unten – ist ausgesprochen intelligent geschrieben und interessant. Es zeigt deutlich, dass es in Frankreich um einen Klassenkampf geht, wie überall übrigens. Marco Wenzel, unser Lothringer und NachDenkSeiten-Macher in Thailand, hat dieses Dokument gefunden und übersetzt. Danke vielmals. Albrecht Müller.
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.


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Darüber, wie der Klassenkampf im konkreten Fall ausgehen kann und wird, kann man streiten, beiseite stehen können wir nicht. Wir haben in der Redaktion darüber gestritten. Es gab die Meinung, dass zum Beispiel die Überschrift meines Artikels vom 23. Januar “Mit brutaler Gewalt wird der Klassenkampf von oben gewonnen. Das ist absehbar.” viel zu pessimistisch ausgefallen sei. Wenn man keine Hoffnung habe, dann könne man gleich aufgeben. Ich verstehe diesen Einwand. Was meinen Sie?
Liebe Leserinnen und Leser, bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir in dieser Zeit so viele Texte und Dokumente darüber veröffentlichen, was sich in unserem Nachbarland abspielt. Das hat einen einfachen Grund. Dort versammeln sich nunmehr seit zwölf Wochen die von der neoliberalen Ideologie und Praxis geschundenen Menschen. Sie stehen auf gegen diese Ideologie und gegen die damit verbündete Staatsmacht. Und diese schlägt zurück. Beides haben die NachDenkSeiten kontinuierlich dokumentiert und sind damit auch zu einer wichtigen deutschen Quelle zur Information über die Entwicklung in Frankreich geworden.
Wenn Sie Freunde und Bekannte haben, die sich für Frankreich oder auch nur für die Chance eines Aufstands gegen die herrschenden Verhältnisse interessieren, dann informieren Sie diese bitte über Ihren Mailverteiler. Hier finden Sie Links zu Artikeln, die in den letzten Tagen auf den NachDenkSeiten erschienen sind:
Hier nun der Aufruf der ersten Generalversammlung der gelben Westen
Sonntag, 27. Januar 2019
Wir, die Gelben Westen von den Kreisverkehren, Parkplätzen, den Demonstrationen und aus den Versammlungen, haben uns am 26. und 27. Januar 2019 zu einer Versammlung der Versammlungen getroffen. Etwa hundert Delegationen sind so dem Aufruf der Gelben Westen aus Commercy gefolgt.
Seit dem 17. November haben wir uns vom kleinsten Dorf, vom ländlichen Raum bis zur größten Stadt gegen diese zutiefst gewalttätige, ungerechte und unerträgliche Gesellschaft erhoben. Wir lassen das nicht weiter so geschehen! Wir lehnen uns gegen die hohen Lebenshaltungskosten, die Unsicherheit und die Armut auf. Wir wollen in Würde für unsere Lieben, unsere Familien und unsere Kinder leben. 26 Milliardäre besitzen so viel wie die Hälfte der Menschheit, das ist inakzeptabel. Teilen wir den Reichtum anstatt das Elend! Lasst uns der sozialen Ungleichheit ein Ende setzen! Wir fordern eine sofortige Erhöhung der Löhne, der sozialen Mindeststandards, der Zulagen und Renten, ein bedingungsloses Recht auf Wohnung und Gesundheit, Bildung und kostenlose öffentliche Dienste für Alle.
Dafür besetzen wir täglich den Kreisverkehr und organisieren Aktionen, Demonstrationen und Debatten überall. Mit unseren gelben Westen melden wir uns wieder zu Wort, wir, die das Wort sonst nie haben.
Und was ist die Antwort der Regierung darauf? Unterdrückung, Verachtung, Verunglimpfung, Tote und Tausende von Verwundeten, der massive Einsatz von Waffen, Schüsse, die uns verstümmeln und erblinden lassen, uns verwunden und traumatisieren. Mehr als 1000 Menschen wurden bereits willkürlich verurteilt und inhaftiert. Und jetzt soll das neue so genannte “Anti-Randalierer”-Gesetz uns auch noch darin hindern, dass wir weiterhin demonstrieren. Wir verurteilen jede Gewalt gegen Demonstranten, sowohl durch die Polizei als auch von kleinen gewalttätigen Gruppen. Nichts von allem davon wird uns aber aufhalten! Demonstrieren ist ein Grundrecht. Schluss mit der Straflosigkeit für die Ordnungskräfte! Amnestie für alle Opfer der Unterdrückung!

Und was für eine Schande, diese große nationale Debatte, die in Wirklichkeit nichts anders ist als eine Kampagne der Regierung, unseren Willen und unsere Entscheidungen für sich zu instrumentalisieren! Wahre Demokratie wird in unseren Versammlungen, in unseren Kreisverkehren praktiziert, weder im Fernsehen noch in den von Macron organisierten Pseudo- Rundtischgesprächen gibt es sie.
Nachdem er uns beleidigt und uns wie Dreck behandelt hat, präsentiert Macron uns nun als eine faszinierende und fremdenfeindliche Menge aus Hassgefühlen. Aber wir sind genau das Gegenteil: wir sind weder rassistisch, sexistisch noch homophob, wir sind stolz darauf, trotz und mit all unseren Unterschieden untereinander zusammengekommen zu sein, um eine Gesellschaft der Solidarität aufzubauen.
Wir sind stolz auf die Vielfalt in unseren Diskussionen, hunderte von Versammlungen erstellen ihre Vorschläge und stellen ihre eigenen Forderungen auf. Es geht um echte Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Steuergerechtigkeit, um die Arbeitsbedingungen, um ökologische und klimatische Fragen und um ein Ende der Diskriminierung. Zu den am häufigsten diskutierten strategischen Forderungen und Vorschlägen gehören: die Beseitigung der Armut in all ihren Formen, die Transformation der Institutionen (RIC, Verfassung, Ende der Privilegien der Abgeordneten….), der ökologische Wandel (Energiesicherheit, industrielle Umweltverschmutzung….), die Gleichstellung und Gleichberechtigung aller Menschen unabhängig von ihrer Nationalität (Menschen mit Behinderungen, Geschlechtergleichstellung, Ende der Benachteiligung von Arbeitervierteln, ländlichen Gebieten und Überseegebieten…).
Wir Gelbwesten laden jeden ein, sich uns anzuschließen, entsprechend seinen Möglichkeiten und unabhängig von seiner finanziellen Lage. Wir rufen zur Fortsetzung der Aktionen auf (Akt 12 gegen polizeiliche Gewalt vor den Polizeistationen, Akt 13, 14….), zur Fortsetzung der Besetzung von Kreisverkehren und der Blockade der Wirtschaft. Wir rufen ab dem 5. Februar zu einem massiven und verlängerbaren Streik auf. Wir fordern die Bildung von Arbeiterausschüssen in den Betrieben, an den Schulen und überall sonst, wo es notwendig ist, damit unser Streik an der Basis von den Streikenden selbst geführt werden kann. Lasst uns unsere Geschäfte selber in die Hand nehmen! Bleibt nicht allein, schließt euch uns an!
Wir wollen uns demokratisch, autonom und unabhängig organisieren! Diese Versammlung aller Versammlungen ist ein wichtiger Schritt, der es uns ermöglicht, unsere Forderungen und unsere Handlungsmöglichkeiten zu diskutieren. Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, diese Gesellschaft zu verändern!
Wir schlagen allen gelben Westen vor, diesen Aufruf weiter zu verbreiten. Wenn eine Gruppe von Gelbwesten mit uns einverstanden ist, so schicke sie ihre Unterschrift an Commercy. Zögern Sie nicht, Vorschläge für die nächsten Versammlungen der Versammlungen, die wir bereits vorbereiten, zu machen und zu diskutieren.
Rücktritt von Macron!
Es lebe die Macht des Volkes, für das Volk und durch das Volk.
Aufruf vorgeschlagen von der Versammlung der Versammlungen in Commercy.
Er wird dann jeder Lokalversammlung vorgelegt werden
Quelle: Humanité
Freie Übersetzung aus dem Französischen von Marco Wenzel
29. Januar 2019

US-geführter Putschversuch in Venezuela

Freitag, 1. Februar 2019


dario azzellini

www.azzellini.net

In Venezuela ist ein von den USA geführter Putschversuch im vollen Gange. Am
23. Januar ernannte sich der bis dato weitgehend unbekannte
Oppositionspolitiker Juan Guaidó selbst zum Präsidenten Venezuelas. Wie
mittlerweile bekannt wurde, handelte er auf Drängen der US-Regierung. Der
Putsch wurde in Geheimgesprächen mit der Anwesenheit Gesandter der
kolumbianischen Regierung in den USA vorbereitet. Auf die Selbsternennung
Guaidós erfolgte die sofortige Anerkennung durch die US-Regierung und die
kanadische Regierung. Auch die rechtsextremen Regierungen in Brasilien und
Kolumbien, sowie die rechte Regierung in Argentinien erklärten sofort ihre
Anerkennung Guaidós als Präsident. Diverse EU-Regierungen, darunter auch
Deutschland, Frankreich und Spanien haben Guaidó Unterstützung zugesagt und
Maduro ein Ultimatum gestellt innerhalb von acht Tagen Neuwahlen auszurufen.

Jenseits dessen wie die Regierung Maduros in Venezuela eingeschätzt wird,
sollte klar sein, dass es sich hierbei um einen US-Putsch handelt, um auch in
Venezuela eine rechte Regierung an die Macht zu bringen. Die Selbsternennung
Guaidós hat keinerlei legale oder verfassungsrechtliche Grundlage.

Eingefädelt wurde der Putsch von Vizepräsident Mike Pence, Außenminister
Mike Pompeo, des rechtsextremen Senator Marco Rubio und dem nationalen
Sicherheitsberater John Bolton. Letzterer gab in einem TV-Interview am 26.
Januar auch unumwunden zu es gehe darum US-amerikanischen Öl-Konzernen die
Hoheit über das venezolanische Erdöl zu geben.

Jenseits allen Geredes von Demokratie, das von den meisten Medien und den
Regierungen, die den Putsch unterstützen, verbreitet wird, geht es in
Venezuela und geopolitische Interessen und den Zugriff auf immense
Ressourcen. Venezuela verfügt über die weltweit größten Ölvorkommen, die
zweitgrößten Goldvorkommen, die wahrscheinlich zweitgrößten
Coltan-Vorkommen, die achtgrößten Gasvorkommen, hinzu kommen umfangreiche
Vorkommen seltener Erden, diverser Erze, Diamanten und Wasser.
Ganz im Sinne der US-üblichen „Demokratisierung“ ernannte Außenminister
Pompeo dann auch Elliott Abrams zum Gesandten der US-Regierung für die
Demokratisierung Venezuelas. Abrams war in die Unterstützung
zentralamerikanischer Todesschwadrone in den 1980ern verwickelt und wurde
aufgrund seiner Verwicklung in die Iran-Contra Affäre (Waffen und
Drogendeals und -schmuggel zur Unterstützung der Contra in Nicaragua)
rechtsgültig verurteilt. Er wurde von Präsident George H.W. Bush begnadigt
und schwang sich zum lautstarken Vertreter des Irakkrieges auf. Nun kann
sich jeder selbst einen Reim darauf machen, wie eine von den USA angestrebte
„Demokratisierung“ aussieht.

Die Rechnung ist bisher nicht aufgegangen

Die Falken der US-Regierung hatten ein Szenario im Kopf bei dem sich das
Militär Venezuelas nach der Anerkennung Guaidós durch die USA von Maduro
abwendet und ein Aufstand ausbricht. Wie realistisch die Erwartungen waren
und ob die Pompeo & Co selbst daran geglaubt haben, sei mal dahingestellt.
Das Szenario ist jedenfalls nicht eingetreten. Das Militär in Venezuela hat
sich komplett hinter die Regierung Maduro gestellt, größere Proteste gab es
sowohl von der Opposition wie auch von der Bevölkerung, die den Putsch
ablehnt. Dabei kam es zu etwa 30 Toten und 700 Festnahmen. Ein Aufstand blieb
aus. In Venezuela herrscht mittlerweile angespannte Ruhe in der die meisten
Menschen ihrem gewöhnlichen Tagessgeschäft nachgehen. Auch in der
Opposition ist das Vorgehen Guaidós umstritten. Mehrere
Oppositionsvertreter, wie etwa die Leitung der Partie MAS oder der
historische Oppositionelle Claudio Fermín haben sich dagegen ausgesprochen.

Entgegen der allgemein gegenwärtigen Propaganda der international
„völlig“ isolierten Maduro-Regierung gelang es den USA und Kanada nicht
einmal in der sonst eher US-hörigen Organisation Amerikanischer Staaten
(OAS) eine Mehrheit für die Anerkennung Guaidós zu erzielen. Auch die
Bemühungen im UN-Sicherheitsrat scheiterten. Nicht nur Russland und China
legten ein Veto ein, auch die Mehrheit der vertretenen Länder folgte den USA
nicht. Außer Paraguay (das die Gelegenheit der Stunde nutzte, da es hohe
Schulden bei Venezuela hat) und den USA brach kein Land die diplomatischen
Beziehungen ab. Russland und China verurteilten den US-geführten
Putschversuch, warnten die USA eindringlich vor einer Intervention und
bekräftigten ihre Anerkennung der Maduro-Regierung. Dies geschah sicher
nicht aus ausufernder Sympathie für Maduro, sondern aufgrund handfester
geostrategischer Interessen und der umfangreichen Investitionen, die beide
Länder in Venezuela vorgenommen haben.

Weitere Eskalation

Die USA setzen nun weiter auf eine Eskalation der Verhältnisse. Auf die
Ausweisung der US-Diplomaten in Venezuela reagierte die US-Regierung mit der
Erklärung das Personal bleibe dort, da Maduro nicht die Hoheit besitze es
auszuweisen. Es handelt sich wohl um den Versuch der US-regierung eine
Reaktion Venezuelas zu provozieren, um Konsequenzen, wie etwa ein
militärisches Vorgehen, zu rechtfertigen. Am Montagabend verkündete die
US-Regierung die Konten mit sieben Milliarden US-Dollar des venezolanischen
staatlichen Ölkonzerns PDVSA und der Raffinerien des Subunternehmens Citgo
in den USA zu sperren und nur noch Operationen zuzulassen bei denen die
erwirtschafteten Devisen auf ein Sperrkonto gehen. Citgo ist die wichtigste
Devisenquelle Venezuelas, doch die USA hatten bereits vor geraumer Zeit eine
Rückführung der erwirtschafteten Devisen nach Venezuela verboten.
Großbritannien weigert sich 1,2 Milliarden US-Dollar in Gold, die Venezuela
in GB gelagert hat, an Venezuela auszuzahlen. Damit soll die ohnehin desolate
wirtschaftliche Situation des Landes weiter zugespitzt werden, um einen Sturz
der Regierung voranzutreiben. Mexiko und Uruguay haben sich als Vermittler
angeboten um in Gesprächen zwischen der Regierung und Opposition eine
Lösung zu suchen. Die venezolanische Regierung hat das Angebot bereits
angenommen.

Wie geht es weiter?

Eine Kristallkugel habe ich leider auch nicht. Zunächst einmal ist
festzustellen, dass die venezolanische Regierung Zeit gewonnen hat und die
Pläne der US-Regierung bisher nicht aufgegangen sind. Es ist vorstellbar,
dass die venezolanische Regierung die für 2020 anstehenden Wahlen der für
illegitim und illegal erklärten Nationalversammlung vorzieht und in 2019
abhält. Ob das der Opposition und den Scharfmachern in den USA und der EU
ausreichen wird ist mehr als zweifelhaft. Es ist auch vorstellbar, dass
Kolumbien oder Brasilien eine Militäraktion einleitet. Der kolumbianische
Präsident Duque weil er im eigenen Land mit der Rücken zur Wand steht und
selbst die UNO festgestellt hat, dass es zu systematischen Morden an
Basisaktivist*innen kommt (fast 200 im Jahr 2018, 37% mehr als noch 2017) und
Zusagen aus dem Friedensabkommen mit der FARC nicht eingehalten werden und
sich Ex-FARC Guerilleros zunehmen wieder bewaffnen, während die
Verhandlungen mit der ELN abgebrochen wurden. Der brasilianische Präsident
Bolsonaro hingegen könnte eine Militärintervention in Venezuela für eine
national-faschistische Mobilisierung nutzen, um seine Position zu stärken.
Die problematische Lage Trumps hingegen macht auch die US-Regierung zu einem
schwer vorhersehbaren Akteur. Die juristische Schlinge um Trumps Hals wird
immer enger. Der Handelskrieg mit China, die Haushalsblockade und die
veränderten Mehrverhältnisse haben seine geplante Politik deutlich
erschwert, Erfolge hat er kaum vorzuweisen. Es wäre nicht das erste Mal,
dass ein US-Präsident seine Rettung in einem Krieg sucht.

Jenseits der katastrophalen Folgen für Venezuela und eines absehbaren
Blutbades, könnte eine Militärintervention in Venezuela auch dramatische
Folgen auf globaler Ebene haben. Sie würde Lateinamerika in eine
dunkle Phase der Dominanz rechtsextremer Regierungen stoßen und jede
Perspektive auf friedliche Optionen einer souveränen Politik zerstören. Sie
könnte auch weltweite Folgen haben. Wenn die USA oder ihre regionalen
Statthalter militärisch in Venezuela intervenieren, könnten Russland und
China entweder direkt eingreifen oder es ihnen im Sinne eines
Interessensausgleiches in anderen Weltregionen gleichtun.

Eine Positionierung einer Linken – ebenso wie jeder Kraft, die sich
demokratisch nennt, oder aus reiner Vernunft eine schwer einschätzbare
Eskalation aufhalten will - kann nur lauten sich mit aller Macht gegen die
von den USA, der EU und den rechten bis rechtsextremen Regierungen
Lateinamerikas forcierte gewaltsame Lösung in Venezuela entgegenzustellen.
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