Nicaragua: Verbotene Organisationen und eine Stellungsnahme

Mittwoch, 19. Dezember 2018


https://amerika21.de/2018/12/219358/nicaragua-verbote-ngo
Nicaragua / Politik

Nicaragua: Neun NGO die Rechtspersönlichkeit entzogen, Besitz beschlagnahmt

Regierung wirft Nichtregierungsorganisationen vor, einen versuchten Putsch gegen Präsident Daniel Ortega aktiv unterstützt zu haben

nicaragua_cenidh_protest_verbot.jpg

Cenidh-Aktivisten bei der Pressekonferenz nach dem Parlamentsbeschluss. Dritte von Links: Vilma Núñez, die langjährige Präsidentin. Sie wurde 2017 vom US-Außenministerium mit dem "Internationalen Preis für mutige Frauen" ausgezeichnet
Cenidh-Aktivisten bei der Pressekonferenz nach dem Parlamentsbeschluss. Dritte von Links: Vilma Núñez, die langjährige Präsidentin. Sie wurde 2017 vom US-Außenministerium mit dem "Internationalen Preis für mutige Frauen" ausgezeichnet
Brüssel/Managua. Die Außenbeauftragte der Europäischen Union, Federica Mogherini, hat den Entzug der Rechtspersönlichkeit von Organisationen der Zivilgesellschaft in Nicaragua als "weiteren Schritt gegen die Rechtsstaatlichkeit" kritisiert. Es liege in der Verantwortung der nicaraguanischen Behörden, eine lebendige Zivilgesellschaft und eine freie Presse zu gewährleisten und zu schützen. Nur durch Dialog, echte Reformen, freie und faire Wahlen werde eine nationale Aussöhnung möglich, heißt es weiter in ihrer Stellungnahme.
In der vergangenen Woche hatte das Parlament Nicaraguas acht Nichtregierungsorganisationen (NGO) wegen ihrer Beteiligung an dem Putschversuch gegen die Regierung von Präsident Daniel Ortega im Frühjahr und Sommer dieses Jahres ihre Rechtspersönlichkeit entzogen. Nachdem der Gesundheitsorganisation Cisas nach der Ausweisung der Direktorin Ana Quiros nach Costa Rica bereits am 29. November die Organisationsrechte entzogen worden waren, folgte in der vergangenen Woche das Prozedere für acht weitere Organisationen. Neben dem Institut für Strategische Studien und öffentliche Politik (IEEPP), dessen Direktor Félix Maradiaga wegen Terrorismus und organisierter Kriminalität angeklagt wurde, der Menschenrechtsorganisation Cenidh, die eine rechtliche Vertretung und Unterstützung von Aktivisten und ihre Familien im Zusammenhang mit dem Aufstandsversuch organisiert hatte, wurde auch der Popol Na-Stiftung der international bekannten Kritikerin Ortegas, Mónica Baltodano, und den Organisationen Hademos, Cinco, Ipade, Instituto de Liderazgo de las Segovias und der Fundación del Río die Rechtspersönlichkeit entzogen.
Laut der Erklärung der Innenministerin María Amelia Coronel hätten sie gegen das Gesetz 147 für gemeinnützige Organisationen verstoßen. Die NGO seien aktiv an dem gescheiterten Putschversuch beteiligt gewesen und hätten den Terrorismus gefördert, Hassdelikte begangen und die Zerstörung öffentlicher und privater Institutionen unterstützt. Tausende Familien seien durch die demütigende und verunglimpfende Behandlung, durch Bedrohung, Folterung und Entführung in ihren Menschenrechten und ihrer Würde verletzt worden, so das Ministerium. Laut der Entscheidung der Nationalversammlung werden alle Vermögenswerte der neun Organisationen an den Staat übertragen. Aus diesem Vermögen soll ein Fonds für die Betreuung und Wiedergutmachung für Opfer der gewaltsamen Proteste eingerichtet werden.
Pablo Abrao, der Exekutivsekretär der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) warf der Regierung von Nicaragua vor, dass mit dem Verbot von Protesten und einer Gesetzgebung, die ermögliche, NGO zu schließen, ein neuer Prozess der Verfolgung und Kriminalisierung der Opposition begonnen habe. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, forderte die Regierung Ortegaa auf, "die Verfolgung von Menschenrechtsaktivisten, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Journalisten und regierungskritischen Medien unverzüglich einzustellen".
Nach der Schließung von Cenidh protestierten auch die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler, und deutsche Unterstützer der betroffenen NGO gegen die als "willkürlich" bezeichnete Aufhebung des Rechtsstatus von Menschenrechtsorganisationen.
____

https://www.oeku-buero.de/details-28/stellungnahme-des-oekumenischen-bueros-fuer-frieden-und-gerechtigkeit-zur-aktuellen-situation-in-nicaragua.html

Stellungnahme des Ökumenischen Büros für Frieden und Gerechtigkeit zur aktuellen Situation in Nicaragua

Declaración en español
München den 18.12.2018
Wir, das Ökumenische Büro für Frieden und Gerechtigkeit, sind seit den 1980er Jahren mit der nicaraguanischen Bevölkerung und (trotz einiger Kritik) auch mit der sandinistischen Revolution solidarisch verbunden.
Heute jedoch blicken wir mit Fassungslosigkeit darauf, was seit Beginn der Proteste am 18. April 2018 aus dem Land geworden ist. Wir trauern um die Opfer der Gewalt sowie um die verlorene Gelegenheit, die Konflikte in diesem Land mittels eines Dialogs friedlich beizulegen. Wir bedauern, dass unzählige Menschen im Zusammenhang mit den Protesten verhaftet wurden. Viele von ihnen werden wohl lange Jahre im Gefängnis verbringen müssen und deshalb keine Möglichkeit haben, ihr produktives Potenzial für die nicaraguanische Gesellschaft zu entwickeln.
Auch wenn wir in der Vergangenheit vor allem der Regierung die Verantwortung für diese Situation gegeben haben, wollen wir nicht verschweigen, dass auch Teile Opposition den Dialog unter Vermittlung der katholischen Kirche sabotiert haben. Auch tragen diejenigen Verantwortung, welche die Situation der in vielen Fällen friedlichen Proteste ausgenutzt haben und Zivilist*innen, Polizist*innen oder Mitglieder der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront bedroht, entführt, gefoltert oder ermordet haben.
Wir sind erschrocken über die Art und Weise, wie die Regierung im Augenblick versucht, jegliche Kritik im Land zu unterdrücken. Dass nun auch Organisationen wie das Menschenrechtszentrum CENIDH, mit dem wir seit vielen Jahren verbunden sind, sowie die Fundación del Rio in die Nähe des Terrorismus gerückt werden und ihnen ihre Rechtspersönlichkeit als gemeinnützige Organisation aberkannt wurde, ist für uns absolut nicht nachvollziehbar.
Bei aller Wut, Trauer und Fassungslosigkeit lehnen wir als solidarische Organisation aber auch jegliche äußere Intervention in die inneren Angelegenheiten Nicaraguas ab. In diesem Sinne halten wir die jüngst verhängten Sanktionen der Vereinigten Staaten für absolut inakzeptabel.
Angesichts der bedrückenden Lage fordern wir sämtliche Akteur*innen eindringlich dazu auf, ihre Taten der Vergangenheit kritisch zu hinterfragen und nach Möglichkeiten zu suchen, die Spirale von Gewalt, Gegengewalt und Repression zu durchbrechen.
Wir rufen die Regierung Nicaraguas dazu auf, das Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit, friedliche Demonstrationen sowie die Menschenrechte zu respektieren sowie einen nationalen Dialog zu fördern, der alle wichtigen Sektoren der Gesellschaft mit einschließt, damit dieses Weihnachten ohne politische Gefangene gefeiert werden kann.

Gerechtigkeit und Frieden für ganz Nicaragua !




Ausser der Reihe: „Unsere Werte“ – culture démocratique

Dienstag, 18. Dezember 2018


Mantes-La-Jolie, unweit Paris gelegen. Am 6. Dezember gingen hier SchülerInnen auf die Strasse, gegen eine „Reform“ der Regierung für eine weitere Verschlechterung des Erziehungswesens für Unterklassen. Und klar, angeturnt durch die gilets jaunes.

Da die Bilder der folgenden Repression noch vielen unbekannt sind – irgendwie schafften sie es hierzulande nicht wirklich in die seriösen Medien – etwas wie Autos waren im Ort abgefackelt worden, so die Polizei, sie habe sich mit einer Übermacht gewalttätiger und bewaffneter casseurs konfrontiert gesehen und deshalb die im Video gezeigte ordentliche Prozedur umgesetzt. Es seien ihrer bloss 12 Mann gegen Horden gewalttätiger und bewaffneter casseurs gewesen. Die französischen Regimemedien betonen natürlich diese Version. Irgendwie reflektieren die Bilder dieses Machtgefälle nicht. Et puis quoi?
Immerhin, der Justizminister verspricht eine Untersuchung. Er will wissen, welches Arschloch das Video publik gemacht hat. Jemand von der Polizei, ohne Zweifel. Man hört in nächster Nähe des Aufnahmehandys einen Bullen sagen: „Voici une classe qui se tient sage“ (eine Klasse, die sich klug verhält).
Videoquelle: Le Monde.

Correos 192

Montag, 17. Dezember 2018





Correos 192 Inhaltsverzeichnis
9. November 2018
S. 3-10  Brasilien
«Wir haben die Schlacht verloren, haben uns aber für den weiteren Krieg gestärkt»
Die venezolanische Basisorganisation Corriente Revolucionaria Bolívar y Zamora befragte Edson Bagnara, Leitungsmitglied der brasilianischen Landlosenbewegung MST, zum Wahlsieg der Rechten in seinem Land. Wie andere Stimmen in Brasilien versichert auch er, dass die Linke in der letzten Zeit an Stärke wieder gewonnen habe. Hauptgrund für diese überraschende Einschätzung: Viele opportunistische Kräfte haben seit dem Putsch gegen Dilma Rousseff den PT verlassen, das Bewusstsein von der notwendigen Basisarbeit ist wieder gewachsen, die Linke ist geeinter als seit langem. Eine sich halbwegs an demokratische Usanzen haltende rechte Regierung hätte diese Tendenz nicht stoppen können. Deshalb versuchen es die Eliten mit einer rechtsradikalen Regierung, die eher bereit ist zum grossen Morden.
CRBZ befragt Edson Bagnara*
Bolsonaro, ein aufgebauter Führer für ein neues militärisches Machtprojekt
Marcelo Falak leitet die Auslandsredaktion des argentinischen Wirtschaftsblatts Ámbito Financiero. Er interviewte einen hohen brasilianischen Militär. Bolsonaro soll eine „neue Demokratie“ vorantreiben, in der die Militärs eine protagonistische Rolle spielen. Auf der Basis von politischem Konservatismus, wirtschaftlichem Liberalismus und dem Versprechen, die Linke auszuradieren. Die Leitung der Streitkräfte hatte Bolsonaro 2014 kontaktiert, um ihn aufzubauen.
Marcelo Falak*

 

«Du wirst im Gefängnis verfaulen»

Brasilien: Nach der Wahlniederlage
Die «neue Demokratie» der Militärs geniesst den Segen der Märkte. Sie kommt nicht aus einem dunklen Loch gekrochen, sondern ist eine Option in der imperialen Agenda. Schon geht die Rede von einer eventuellen NATO-Integration.
Dieter Drüssel
S. 11-12  Nicaragua
!Ay Nicaragua!
Vivanne Luisier*
Nicaragua – eine ungelöste Krise wartet auf eine politische Antwort
Kommuniqué von Schweizer Solidaritätsgruppen
S. 13-15  Nicaragua / Facebook
Facebook – eine Bedrohung unserer Nation
Auch progressive Medien sind sich nicht selten nicht zu blöd, die Story von Putins Macht zur Manipulation westlicher Wahlen für bare Münzen zu nehmen, haben doch nicht ein, sondern drei US-Geheimdienste diese Bedrohung zertifiziert – vox veritatis! Der folgende Beitrag eines orthodox-sandinistischen Autors enthält leider wenig Technologiekritik, dafür reichlich Linientreue, aber bietet den enormen Vorteil, den Blick auf die imperialistische Steuerung der Social Media in Nicaragua zu lenken.
Jorge Capelán, 28. September 2018*
Facebook weitet Kampf gegen Fake News bei Wahlen aus
Joseph Menn*
Brasilien: mit Whatsapp „die Demokratie hacken“
Redaktion RBA*
S. 16-20  Kolumbien
FARC-Mitglieder vor einer schwierigen Wahl
Jasmine Pétry*
Offener Brief an die Friedenskommission des Senats
„Es lohnt sich, das Unmögliche zu versuchen, denn um das Mögliche kümmern sich die Anderen jeden Tag.“ Zwei historische FARC-Kader zum verratenen Frieden.
Yván Márquez und Óscar Montero (El Paisa)*
Brief an die Parteileitung
Joaquín Gómez und Bertulfo Álvarez*
S. 21 Boliven
MAS gegen MES
Katu Arkonada*
S. 22-23 El Salvador
Zu den Präsidentschaftswahlen El Salvador
Ein etwas überarbeiteter Ausschnitt aus einer Einladung zu einer Wahlbeobachtungsdelegation von Anfang Oktober.
Zentralamerika-Sekretariat
Aus der Reihe tanzen?


Ausser der Reihe: Gilets jaunes - Zwei Stimmen aus den Banlieues

Sonntag, 9. Dezember 2018





und ein Video des Komitees #JusticePourAdama (auch französisch untertitelt)