Schweiz: Entsetzliche Zeiten

Samstag, 25. August 2012


So ein Erfolg erfreut des Reporters Herz! Mittagsnachrichten am Radio: Kaum ist die neue Regelung zur Asylverweigerung für Leute aus visumsbefreiten Balkanländer – Roma, verdeutlicht der Nachrichtensprecher für solche, die schwer von Begriff sind – in Kraft, schon zieht das Simulantenvolk seine Asylanträge zurück. Denn, so erfahren wir, jetzt dauert die Antragsprüfung noch ganze zwei Tage. Alleweil genug Zeit für die Allrounder im Amt gegen MigrantInnen, Geschiss von wegen Pogromgefahren und so zu klären.
Und noch besser: In Tunesien hat die Schweiz endlich wieder einen Ansprechpartner. Die fromme Repressionsregierung dort hat nicht nur einen „Rücknahmevertrag“ (für die Menschenpakete) mit der Schweiz abgeschlossen (das gibt einen Batzen von der Entwicklungshilfe), sondern ist sogar bereit, auch solche ohne Ausweise „zurückzunehmen“ (für dieses korrekte Besitzdenken gibt es bestimmt nochmals einen Extrabatzen von der DEZA). Das ist fein, freut sich Mario Gattiker vom Amt gegen MigrantInnen (und mit ihm der DRS-Mann), denn die von dort sind sowieso Wirtschaftsflüchtlinge.
Das mit den Wirtschaftsflüchtlingen und so ist im Moment bei Syrien grad etwas komplizierter. Weshalb Gattiker heute im Tagi sagt: „Manchmal ist es sinnvoll, bestimmte Gesuche ruhen zu lassen. Solche aus Syrien behandeln wir derzeit nicht, sondern warten ab, was im Land passiert, denn wir können die Menschen zurzeit ohnehin nicht zurückführen“.
Erst morgen wieder.
Gattiker war bei Caritas für die Flüchtlingsbetreuung zuständig, seine Chefin Sommaruga ist SP-AntimigrantInnenturbo. Die Bundesrätin und ihre Partei wollen natürlich, ganz Orwell, nur deshalb „knallhart vorgehen“ (O-Ton Gattiker), um richtigen Flüchtlingen zu helfen. Die kommen aber nicht aus Syrien, zum Beispiel. Und gelangen sowieso kaum mehr ins Land. Weil sie dafür nebst viel Geld für ein Flugticket meist ein Visum bräuchten, das sie – hehe – aber nicht bekommen, und die Tour, auf Schweizer Botschaften einen Asylantrag zu stellen, hat ihnen Sommaruga auch vermasselt.
Trotz dieser Fortschritte sind nicht alle Probleme vom Tisch, wie uns ein Artikel heute im Tagi Online schmerzlich klar macht. Das Geschreibsel fängt so an:

Asylbewerber als Druckmittel

Von Mario Stäuble. Aktualisiert am 25.08.2012 
Ein Wohnungseigentümer will die Verwaltung des Hauses auswechseln lassen. Er droht damit, Flüchtlinge in seiner Wohnung unterzubringen, und tut dies schliesslich. Die anderen Eigentümer sind entsetzt.
 
Entsetzliche Zeiten.