Ein trauriger Bericht aus Teheran

Freitag, 7. August 2026

 

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Von der Facebook-Seite von Hasan Mortazavi, Übersetzer in Teheran

30. Juli 2026

Ein lieber Freund fragte mich vor einigen Tagen: „Wie verbringst du diese Tage?“ Als ich diese Worte auf dem Computerbildschirm sah, wusste ich ehrlich gesagt nicht, was ich antworten sollte. Sollte ich ihm von der höllischen Hitze in Teheran erzählen? Von der erzwungenen Isolation der letzten Wochen, weil wir bei der Arbeit die Klimaanlage nicht einschalten können, da der Strom im Gebäude abgeschaltet wird? Oder von meinen wirren Gedanken über diese Zeit, in der wir leben, in der sich drei Gefühle – das Warten, die Ungewissheit und die Angst – unaufhörlich miteinander verflechten, bis man im wahrsten Sinne des Wortes gelähmt ist?

Unter diesen Umständen zu leben, ist eine seltsame Erfahrung: zwischen Sorge, Angst und Schrecken zu existieren, ohne einen Horizont, der auch nur den kleinsten Hoffnungsschimmer bietet. Da sind die Wut, die Ohnmacht, das Gefühl, dass diese Situation – die weder Krieg noch wahrer Frieden ist, sondern ein endloser Zermürbungskampf – weiterhin das Wenige verschlingt, was uns vom Leben noch bleibt. Wie lange noch?

Und dennoch liest, schreibt und schaut man weiter. Doch weder das Lesen noch das Schreiben noch das Betrachten schaffen es, diese lebendige, intensive und pulsierende Verbindung zum Dasein wiederherzustellen. Es ist, als trüge man eine Aufgabe auf den Schultern, die man einfach erfüllen muss.

In den Nächten, in denen Trump Zerstörung verspricht, wache ich immer wieder mit Schrecken auf. In der Stille höre ich das Dröhnen eines Motors, der in der Ferne weiterfährt, oder das Getöse von Lastwagen, die Schutt abladen; Geräusche, die unweigerlich an Explosionen oder immense Verwüstungen erinnern. Die Art und Weise, wie diese Geräusche in unseren Geist eindringen und unsere innere Welt verändern, ist erschreckend.

Vierzig Tage und vierzig Nächte ununterbrochener Bombardements haben aus uns irrlichternde Seelen gemacht. Meine Träume sind bruchstückhaft und angespannt: die Angst, einen geliebten Menschen zu verlieren, irgendeinen Menschen; zerfetzte Fleisch- und Hautfetzen; endlose Stürze in Tiefen des Feuers; mich an einen Menschen klammern, wohl wissend, dass er bereits tot ist. Ich kann mir vorstellen, dass all diese Symptome denjenigen vertraut sind, die jemals unter ähnlichen Umständen gelebt haben. Deshalb sind sie eigentlich nichts Aussergewöhnliches.

Immer wieder frage ich mich, wie es möglich ist, die Tage und Nächte inmitten von so viel Angst, so viel Ungewissheit und so viel Schwebezustand zu ertragen. Durchhalten kann kein künstlicher Akt sein, wenn das, was die Unruhe auslöst, so real ist. Woran kann man sich festhalten, damit der Sinn des Lebens selbst nicht letztendlich bedeutungslos wird? Vielleicht ist das meine grösste Anstrengung in diesen Tagen der Lähmung. Und was für ein schwieriger Kampf das ist! In der Hoffnungslosigkeit zu leben, aber zu akzeptieren, weiterzuleben, in der Hoffnung, dass sich die Hoffnungslosigkeit eines Tages zurückzieht.

 

Auch wir sind viele.

Auch wir

werden uns eines Tages

wieder versammeln.

Aus allen Strassen

werden wir die Dunkelheit vertreiben.

 

Auch wir

werden, wie das Leben selbst,

die Hoffnungslosigkeit

im Zeichen der Multiplikation auslöschen.

 

Am Ende

werden wir die Freiheit

unter uns allen teilen.

 

Gib mir jetzt deine Hand.

Komm mit mir auf das Podium.

Schreib an die Tafel:

„Regen“ und „Veilchen“.

 

Hier

hat jeder Mensch

das Recht,

einen Traum zu haben.

(Gedicht von Seyed Ali Salehi)