Massendemo zur Unterstützung des progressiven Präsidentschaftskandidaten Inácio Lula da Silva
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Tomaz Silva / Agência Brasil
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https://amerika21.de/analyse/291312/stichwahl-brasilien-letzten-metern
Die brasilianische Linke ist wieder in einem Ausmaß auf die Straße gegangen, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Von dieser Energie und davon, was sich in den kommenden Tagen daraus machen lässt, hängt ab, ob der Bolsonarismus am 25. Oktober besiegt werden kann.
Die Massendemonstrationen zur Unterstützung von Lula haben den brasilianischen Wahlkampf grundlegend verändert. Zwar haben die Ultrarechten in der Stichwahl um das Präsidentenamt weiterhin die besseren Chancen, doch der Ansturm von Millionen Menschen auf die Straßen zeigt, dass der Vorsprung des Kandidaten Flávio Bolsonaro aufzuholen ist. Diese Tage sind entscheidend.
In den letzten Tagen hat sich etwas Seltenes, Außergewöhnliches, Kolossales und Mitreißendes ereignet. Am Freitagabend, dem 9. Oktober, in Belo Horizonte, am Sonntag auf der Avenida Paulista in São Paulo und am Montag, einem Feiertag, in Copacabana, Rio de Janeiro, strömten Hunderttausende Menschen verschiedener Generationen auf die Straßen.
Mit ihrer aktiven Beteiligung, ihren Plakaten und unermüdlichen Sprechchören waren die Studierenden, Erwachsenen und Senioren bei diesen Demonstrationen ein eindrucksvoller Beweis für ihre Kampfbereitschaft. Die brasilianische Linke hat in den letzten 35 Jahren, also einer ganzen Generation, nichts Großartigeres auf die Beine gestellt.
Was diese Demonstrationen laut und deutlich verkündeten, war, dass man diese Wahlen nicht kampflos verlieren werde. Die soziale Basis der brasilianischen Linken kleidete sich in Rot und trat öffentlich in Erscheinung, um dem Land zu zeigen, dass sie nicht aufgibt. Am ehesten vergleichbar waren die Tage im Juni 2013, wenngleich diese Mobilisierungen von politischen Einschränkungen und sozialen Widersprüchen geprägt waren, die letztlich zur historischen Katastrophe von 2015 und 2016 beitrugen, als die Rechte die Initiative zurückgewann und es schaffte, Dilma Rousseff ihres Amtes zu entheben.
Die Demonstrationen der letzten Tage waren so beeindruckend, dass sie die extreme Rechte in die Defensive drängten und Flávio Bolsonaro dazu zwangen, die Abstimmung über die Abschaffung des 6×1-Arbeitsmodells zu unterstützen, einer Regelung, die sechs Arbeitstage pro Ruhetag vorschreibt und deren Abschaffung zu einem wichtigen Anliegen der brasilianischen Arbeiterbewegung geworden ist (amerika21 berichtete).
Viele junge Menschen, die zum ersten Mal gemeinsam mit der Linken auf die Straße gingen, entdeckten die Freude daran, ein kollektives politisches Projekt miteinander zu teilen. Viele Erfahrene wiederum erinnerten sich an die Wirkung der großen Demonstrationen von "Diretas Já" (Direktwahlen jetzt), der Kampagne für direkte Präsidentschaftswahlen, die das Ende der Militärdiktatur in den 1980er Jahren begleitete, sowie an die Bewegung "Fuera Collor" (Collor raus), die 1992 die Amtsenthebung von Präsident Fernando Collor de Mello vorantrieb.
Die Millionen Menschen, die sich trotz ihrer Besorgnis angesichts der Gefahr mit solcher Kraft mobilisiert haben, wissen, dass sie Gründe haben, bis zum Schluss zu kämpfen, und glauben, dass ein Sieg noch möglich ist. Es ist dieser Wille, der bis zur Stichwahl am Sonntag, dem 25. Oktober, alles verändern kann.
Von der Jugendrebellion zur Massenmobilisierung
Es bestand die Möglichkeit, dass die Jugenddemonstrationen, die in der Nacht zum Montag, dem 5. Oktober, begannen, der Funke zur Entzündung der sozialen Basis der Linken sein könnten. Sie entstanden spontan und aus eigener Initiative. Keine der Gewerkschaften, Volksbewegungen oder politischen Organisationen der Linken hatte dazu aufgerufen. Sie entstanden von unten, als Reaktion auf die Ergebnisse des ersten Wahlgangs, in dem Flávio Bolsonaro einen Vorsprung vor Lula errungen hat.
Es war möglich, aber niemand konnte sich dessen sicher sein. Nicht selten spielen studentische "Aufstände" eine Vorreiterrolle in der Gesellschaft, verlieren dann aber an Schwung, bevor die breiten Massen auf den Plan treten. Diesmal war das nicht der Fall. Das Gefühl der Dringlichkeit angesichts der Gefahr brachte Millionen von Menschen in Bewegung.
Am Dienstag, dem 6. Oktober, rief die Nationale Studentenvereinigung (UNE) morgens zu einer landesweiten Aktion auf. Das Erwachen der neuen Generationen erfasste das ganze Land, und bereits am Abend desselben Tages besetzten Studierende der Presbyterianischen Mackenzie-Universität, einer privaten Hochschule in São Paulo, an der reaktionäre Kräfte eine lange Tradition haben, die Maria-Antônia-Straße, nachdem ihnen die Abhaltung einer Versammlung untersagt worden war. Der Ort ist wegen der Zusammenstöße zwischen linken Studierenden und rechten Gruppen während der Militärdiktatur im Jahr 1968 symbolträchtig.
Ab dem darauffolgenden Mittwoch erschütterte eine Jugendlawine das ganze Land. Doch das Spektakulärste kam erst danach, als die Mobilisierungen einen qualitativen Sprung machten. Arbeiter, Frauenorganisationen, LGBT-Gruppen, Black-Power-Bewegungen, Umweltschützer und Künstler traten auf den Plan, und alles nahm eine neue Dimension an.
Darauf zu setzen, dass der Funke der Studierendenbewegung große Massendemonstrationen entfachen könnte, erwies sich als die beste Taktik. Die Leitung von Lulas Wahlkampf erkannte, dass es notwendig war, die jungen Führungskräfte, die zu Bundesabgeordneten gewählt worden waren, an die Spitze zu bringen, und dass es entscheidend war, Lula über die sozialen Netzwerke wieder in direkten Kontakt mit der Bevölkerung zu bringen.
Die Reaktion des Wahlkampfs von Lula kam allerdings mit einer gewissen Verzögerung auf den Aufruf der Straße, wenn auch noch rechtzeitig, um die Dynamik des Widerstands zu nutzen und Lulas Anwesenheit in São Paulo sicherzustellen. Es war ein Fehler, seine Teilnahme in Rio de Janeiro am darauffolgenden Montag nicht zu gewährleisten.
Doch diese Unentschlossenheit schmälert nicht die Tatsache, dass die Kampagne einen beeindruckenden Sieg errungen hat. Wir erleben derzeit einen fieberhaften, linken Aktivismus in den sozialen Netzwerken. Diese Kraft, die die Straßen und die Netzwerke erobert hat, darf nicht verschwendet werden. Die letzten zehn Tage vor der Stichwahl könnten so viel wert sein wie ganze Jahre.
Die autoritäre Gefahr und die Verantwortung der Linken
Am Wochenende kam es zu einer beispiellosen Krise im Obersten Wahlgericht (TSE), der für die Überwachung der brasilianischen Wahlen zuständigen Behörde. Der Konflikt begann, als Kassio Nunes Marques, Präsident des TSE und ursprünglich von Jair Bolsonaro für den Obersten Bundesgerichtshof (STF) ernannter Richter, die Sperrung des WhatsApp-Kanals "Ejército de Lula" (Die Armee Lulas) anordnete, der vom Bundesabgeordneten André Janones verwaltet und zur Mobilisierung von Millionen von Anhängern des Präsidenten genutzt wurde.
Die Entscheidung erging nach einer Beschwerde des Wahlkampfteams von Flávio Bolsonaro, das dem WhatsApp-Kanal vorwarf, Falschmeldungen zu verbreiten. Die Beschwerde enthielt jedoch keine Beweise dafür, dass die beanstandeten Inhalte über diesen Kanal verbreitet worden waren. Der Generalwahlbeauftragte Ricardo Villas Bôas Cueva hob die Sperre auf, doch Nunes Marques ordnete erneut an, den Kanal zu sperren. Diese Abfolge widersprüchlicher Entscheidungen führte zu einem schweren Streit innerhalb des TSE selbst.
Ein solcher Machtmissbrauch zeigt, wie weit die autoritäre Gefahr bereits vor der Stichwahl reicht, und lässt erahnen, was auf uns zukommen könnte. Nunes Marques selbst weigerte sich, eine Untersuchung zu den mutmaßlichen Einmischungen von Donald Trump und den Manipulationen durch die großen Technologiekonzerne im Wahlprozess zu genehmigen.
Nicht weniger wichtig ist zudem die Haltung der liberalen Kreise der brasilianischen Bourgeoisie, die sich angesichts der Gefahr eines Sieges der Bolsonaristen dafür entschieden haben, sich herauszuhalten. Die großen kommerziellen Medien haben die Bedeutung der gigantischen Massenmobilisierungen zur Unterstützung Lulas heruntergespielt. Diese Gleichgültigkeit ist jedoch keine journalistische Neutralität, sondern ein politisches Kalkül mit Blick auf den Ausgang der Wahl: Man will eine Konfrontation mit dem Bolsonarismus vermeiden, um sich vor möglichen Repressalien zu schützen, sollte Flávio Bolsonaro an die Macht kommen.
Niemand mit auch nur einem Mindestmaß an Urteilsvermögen kann ignorieren, dass die Grundfesten der demokratischen Ordnung im Falle einer Niederlage Lulas und der Machtübernahme einer radikal ultrarechten Strömung unter der Führung einer faschistoiden Gruppierung bedroht wären. Aus diesen Ereignissen können wir nur dramatische Schlussfolgerungen ziehen. Die Linke trägt die Verantwortung, alle seit dem Ende der Diktatur errungenen wirtschaftlichen und sozialen Errungenschaften, einschließlich der demokratischen, zu verteidigen. Die herrschende Klasse, selbst jene Sektoren, die keine Bolsonaristen sind, hat sich angesichts der drohenden Katastrophe ergeben.
Wie sich die Lage letztendlich entwickeln wird, kann niemand vorhersagen. Doch auch wenn es sehr schwierig ist, hat sich gezeigt, dass es möglich ist, den Kurs der reaktionären Welle umzukehren. In diesen Tagen wird die Rolle der Wahlkampfleitung von Lula entscheidend sein. Es bleibt keine Zeit, Fehleinschätzungen zu korrigieren.
Der Schuldenerlass für einzelne Kleinstunternehmer, also kleine Selbstständige, die von einer vereinfachten Steuerregelung profitieren, war eine kluge Notmaßnahme. Nun gilt es auch, die neuen Vorwürfe über die Verbindungen des Unternehmers Daniel Vorcaro, einer zentralen Figur im Finanzskandal1 um die Banco Master, zu Persönlichkeiten des Bolsonarismus wie Nunes Marques zu nutzen.
Doch die größte Herausforderung bleibt bestehen. Es gilt, ehrlich und selbstkritisch ein mutiges Reformprogramm zu präsentieren: mehr Reformen, mehr Zukunft, mehr Hoffnung. Der Wahlkampf muss konsequent die katastrophalen Folgen eines Sieges der Bolsonaro-Anhänger anprangern, um die Ablehnung der extremen Rechten unter den Unentschlossenen zu verstärken.
Es gilt, alles geduldig zu erklären, im Fernsehen, in den sozialen Netzwerken und in alltäglichen Gesprächen. Dabei braucht es Einfühlungsvermögen und Verständnis für die Zweifel und das Zögern dieser Bevölkerungsgruppen. Gleichzeitig muss eine mutige Wahlkampfstrategie die Mobilisierung durch große Massendemonstrationen aufrechterhalten. Ohne solche Initiativen wird es schwierig sein, die Wahlenthaltung in Lulas Wählerbasis zu verringern, die für den Wahlausgang entscheidend ist.
Das Unvorhersehbare quält uns, aber wir müssen bis zum Schluss kämpfen.
Artikel aus a21 und angehängt Link zu Video, aufgrund dessen wahrscheinlich der Mord erolgte.
Guatemala-Stadt. Am Samstagmorgen ist der Jurist und politische Aktivist Juan Francisco Solórzano Foppa in Guatemala-Stadt erschossen worden. Die Tat ereignete sich auf einem Sportplatz in der Zone 5 der Hauptstadt. Neben Foppa kam eine zweite Person ums Leben, die als Gustavo Adolfo Aguilar Gamarro, ein hauptamtlicher Mitarbeiter der Judo-Föderation in Guatemala, identifiziert wurde. Nach Presseangaben hatten insgesamt vier Täter bis zu 40 Schüsse auf die beiden Opfer abgegeben und flüchteten anschließend auf Motorrädern.
Nach Polizeiangaben wurden zwei mögliche Täter zehn Minuten nach der Tat verhaftet, bei ihnen wurden Schusswaffen sichergestellt. Es soll sich um die beiden Brüder Rigoberto C. und Daniel C. handeln. Rigoberto C. hatte nach Presseangaben von 2017 bis 2019 bei der Armee gedient und war auf eigenen Wunsch ausgeschieden. Beide bestreiten, mit der Tat irgendwas zu tun zu haben.
Der Jurist Foppa arbeitete zwölf Jahre bei der Staatsanwaltschaft. Unter anderem war er mit Ermittlungen im Fall La Línea betraut. Der Korruptionsskandal hatte Guatemala 2015 erschüttert und zu monatelangen Massenprotesten geführt. Später wurde unter anderem der ehemalige rechtsgerichtete Staatspräsident Otto Pérez Molina in diesem Korruptionsverfahren zu 16 Jahren Haft verurteilt. 2016 bis 2018 leitete Foppa die Steuerbehörde SAT und ging auch hier gegen Korruption innerhalb der Institution vor.
2023 übernahm Foppa die Verteidigung des Journalisten José Rubén Zamora, der ebenfalls Korruption aufdeckte. Im Zuge seiner Verteidigung, auf dem Höhepunkt der willkürlichen Verhaftungen von Journalisten und Juristen, wurde Foppa selbst im April 2023 wegen "Behinderung der Strafverfolgung" verhaftet. Er saß bis Juni 2023 im Gefängnis und wurde zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe verurteilt, die in eine Geldstrafe umgewandelt wurde. Rubén Zamora hatte damals wegen der Repression gegen seine Verteidiger diese gebeten, das Mandat niederzulegen, und sich selbst verteidigt.
Foppas Verhaftung behinderte damals auch seine politischen Aktivitäten. Der Aktivist, der der linken Partei und ehemaligen Guerillaorganisation URNG (Vereinigte Nationale Revolutionäre Guatemalas) nahestand, hatte bei den Wahlen im Juni 2023 für ein linkes Wahlbündnis der Parteien URNG, Winaq und Semilla für das Bürgermeisteramt in Guatemala-Stadt kandidieren wollen und hatte nach Umfragen gute Chancen auf einen Wahlsieg gehabt. Im Zuge der Kriminalisierung linker Kräfte wurde er aber von der Kandidatur ausgeschlossen. Schon 2019 hatte Foppa für das Bürgerkomitee Mi Barrio (Mein Stadtteil) als Bürgermeister kandidieren wollen, auch damals folgte auf die geplante Kandidatur Ausschluss, Kriminalisierung und 2021 eine kurze Haftstrafe.
Zuletzt hatte Foppa wieder als Rechtsanwalt gearbeitet und sich sowohl juristisch als auch mit öffentlichen Videos der Bekämpfung der organisierten Kriminalität gewidmet. Immer wieder standen dabei Verbindungen des mutmaßlichen Führers der Bande Barrio 18, Aldo Ochoa, mit der Politikerin Sandra Torres im Fokus von Foppa. Torres, die 2023 bei der Stichwahl gegen den Sozialdemokraten Bernardo Arévalo unterlag, war bis Oktober 2025 Generalsekretärin der Partei UNE, der aktuell größten Oppositionspartei in Guatemala, und wird voraussichtlich 2027 erneut für das Präsidentenamt kandidieren.
In seinem letzten öffentlichen Video am Donnerstag war Foppa auf den Vorfall im Landkreis Huité Ende September eingegangen. Bei einer Militäroperation gegen mutmaßliche Drogenhändler waren acht unbewaffnete Zivilisten ums Leben gekommen, unter ihnen ein zehnjähriges Mädchen und ein 14-jähriger Junge. Der Vorfall hatte in Guatemala Empörung hervorgerufen, Arévalo hatte die Beteiligung der Armee eingeräumt. Foppa hatte in dem Video gesagt, nach seinen Recherchen seien neben den guatemaltekischen Soldaten auch Agenten des US-Geheimdienstes CIA an der Operation beteiligt gewesen.
Die URNG sprach in einer Erklärung den Angehörigen des "Genossen Foppa" ihr Beileid aus und forderte vollständige Aufklärung. Die linke Partei rief "soziale Organisationen und demokratische Kräfte" dazu auf, "öffentlich und friedlich" Gerechtigkeit zu fordern. Zahlreiche weitere Organisationen wie die Landarbeitervereinigungen Codeca, CUC und CCDA und der im Exil lebende ehemalige Menschenrechtsobman Jordán Rodas verurteilten den Mord und forderten Aufklärung.
Der Mord ereignete sich in einer Phase im Land, in der durch die Neubesetzung der Generalstaatsanwaltschaft und der Gerichte des Landes Hoffnung auf eine langsame Rückkehr zu rechtsstaatlichen Verhältnissen aufkam. In den Jahren seit 2014 hatten die Kreise um den sogenannten Pakt der Korrupten die Justizorgane systematisch unterwandert. Im Land wird jetzt spekuliert, inwieweit dieser Machtverlust und die Angst vor Aufklärung vergangener Verbrechen mit dem Mord im Zusammenhang stehen könnten.
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https://www.instagram.com/reel/DeigzZ7FX5a/?obrf=eDNobXI4YTk1YTF1
(zas, 15.11.26) Nur ein kleiner Kommentar zur tobenden Hatz auf MigrantInnen: Den Begriff Remigration vermeidet der Mainstream in Politik und Medien, da er doch zu offensichtlich Gemeinsames der Antiasylpolitik mit den Faschos evozieren würde. Nicht so im Agency Strategic Plan Fiscal Years 2026-2030 des State Departments.
Das Papier skizziert auf wenigen Seiten die beschlossene Unterordnung der Welt unter die USA für die kommenden vier Jahre. Darin (schon im Vorwort des Aussenministers) wird «Remigration» wiederholt als ein Ziel der Washingtoner Politik verwendet.
Das passt zum Rest des Papers.
https://amerika21.de/2026/10/291019/politische-krise-bolivien
La Paz. In Bolivien hat die Polizei letzte Woche den Generalstaatsanwalt Roger Mariaca und 13 weitere Personen in Santa Cruz festgenommen. Die bolivianische Regierung wirft ihnen vor, eine kriminelle Organisation gebildet zu haben, um Drogenhändler zu schützen und den Drogenhandel zu fördern. Die Festnahme erfolgte zwei Tage, nachdem die US-Regierung unter Donald Trump Visa-Beschränkungen gegen Mariaca wegen mutmaßlicher Verbindungen zum Drogenhandel verhängt hatte.
Mariaca sieht darin den Versuch, seine Ermittlungen gegen den ultrarechten Wahlkampfstrategen Fernando Cerimedo zu behindern. Die bolivianische Staatsanwaltschaft ermittelte unter Mariacas Leitung gegen Cerimedo unter anderem wegen des Verdachts auf versuchten Femizid, unerlaubte Bereicherung und Geldwäsche (amerika21 berichtete). Cerimedo war zuvor als Berater des argentinischen Präsidenten Javier Milei tätig und hatte auch mit dem bolivianischen Präsidenten Rodrigo Paz zusammengearbeitet.
Die Regierung Trump verhängte die Sanktionen gegen Mariaca kurz nach einem Besuch von Paz in den USA. Paz traf im Rahmen der UN-Generalversammlung den US-Außenminister Marco Rubio und nahm an einem Treffen des Bündnisses "Shield of the Americas" teil. Vom 24. bis 27. September hielt er sich ohne offizielle Agenda in Florida auf.
"Wir wissen, dass die Arbeit, die wir bislang geleistet haben, bestimmten politischen Kreisen sowohl innerhalb als auch außerhalb unseres Landes missfallen hat", erklärte Mariaca nach dem Entzug seines US-Visums. Dabei bezog er sich auf den Fall Cerimedo. Weiter sagte er: "Kein nationaler oder internationaler politischer Druck darf die Aufklärung von Sachverhalten behindern, die untersucht werden müssen."
Die Polizei erklärte, bei einem Einsatz im Umfeld von Mariacas Wohnhaus Geld im Wert von mehr als 300.000 US-Dollar sichergestellt zu haben. In den folgenden Tagen meldeten die Behörden zudem den Fund von Waffen, Munition, Schutzwesten und weiterer taktischer Ausrüstung in einem von Mariaca genutzten Dienstwagen.
Die Vorwürfe gegen Mariaca beruhen großenteils auf Aussagen des an die USA ausgelieferten mutmaßlichen Drogenschmugglers Sebastián Marset. Paz forderte weitere Informationen aus Washington zu den Vorwürfen gegen Mariaca, der 2024 noch unter der linken MAS-Regierung von Luis Arce für sechs Jahre zum Generalstaatsanwalt gewählt wurde. Als Justizvertreter die Festnahme öffentlich als "rechtswidrig" und "Entführung" bezeichneten, besetzten vermummte Polizisten einer Spezialeinheit die Behörde, um sie zu durchsuchen, und nahmen die Justizangestellten fest.
Rubio begrüßte auf X Paz' "entschlossene und konsequente Maßnahmen zur Bekämpfung des Drogenhandels, der systemischen Korruption und der grenzüberschreitenden organisierten Kriminalität in Bolivien" und ergänzte: "Boliviens Maßnahmen zeigen jene Art von Führungsstärke, die notwendig ist, um unsere Hemisphäre sicherer, stärker und wohlhabender zu machen."
Der in Opposition zu Paz stehende Vizepräsident Edmand Lara kritisiert die Amtsenthebung Mariacas ohne verfassungsrechtliche Garantien. Er vermutet einen Versuch, Ermittlungen gegen Cerimedo und das Präsidentenumfeld zu stoppen. Cerimedo habe ein Büro neben Paz gehabt, Ministern Anweisungen erteilt und die Regierungskommunikation koordiniert.
Lara behauptet, auch seine Festnahme werde vorbereitet: "Es werde offenbar erwogen, mir gefälschte Beweise unterzuschieben", um ihn mit "illegalen Handlungen" in Verbindung zu bringen. Er fürchte um sein Leben.
Cerimedos Expartnerin Nadia Beller zeigte die Regierung strafrechtlich an. Sie befürchtet, dass durch die Razzien Beweise gegen Cerimedo und Paz' Umfeld beseitigt werden und seine Freilassung ermöglicht werden soll.
Fotos zeigen Paz mit Cerimedo und Personen der Trump Administration. In Chile werden Cerimedos Verbindungen zu Präsident José Antonio Kast untersucht. In Argentinien wird er mit einem Korruptionsskandal unter Milei, in Peru mit Wahlkampfteam von Keiko Fujimori in Verbindung gebracht.
Der bolivianische Verteidigungsminister Ernesto Justiniano bot den USA in dieser Woche Mariacas die Auslieferung an.
https://amerika21.de/2026/10/291028/jamaika-kuba-gesundheitskraefte
Havanna/Kingston. Jamaika hat 157 kubanische Gesundheitsfachkräfte erneut angestellt und damit trotz Drucks der USA die Zahl der Kubaner im öffentlichen Gesundheitssystem des Landes auf 200 erhöht. Das hat Gesundheitsminister Christopher Tufton am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Kingston mitgeteilt. Die Rückkehrer sind demnach bereits im Einsatz.
Die 157 Ärzte und Pflegekräfte kommen zu den 43 kubanischen Fachkräften hinzu, die nach dem Ende des Regierungsabkommens in Jamaika geblieben waren. Ihnen hatte Kingston angeboten, auf Grundlage individueller Verträge weiterzuarbeiten.
"Wir haben ihnen im Grunde ein Angebot gemacht. Wir haben gesagt, wir können die Vereinbarung nicht fortführen wie bisher, aber wenn ihr zurückkehrt und es eure Entscheidung ist, würden wir euch direkt unter Vertrag nehmen", sagte Tufton laut Jamaica Observer. "Wir sind also nah an dem Stand, auf dem wir waren." Den Fachkräften, die diese Option gewählt hätten, dankte er: "Das System braucht sie."
Zum Zeitpunkt des Bruchs lag die Zahl der kubanischen Fachkräfte nach Angaben der Zeitung bei 277. Die größte Gruppe von 69 Fachkräften wurde der Gesundheitsbehörde der Region Südost zugeteilt. 28 arbeiten in der Region West, 26 in der Region Süd und 25 am Universitätsklinikum der Westindischen Inseln (UHWI). Neun sind im Gesundheitsministerium und in der Behörde der Region Nordost tätig.
Das bisherige Kooperationsabkommen war im Februar 2023 ausgelaufen. Die kubanischen Fachkräfte arbeiteten dennoch weiter, während über einen Nachfolgevertrag verhandelt wurde. Im März dieses Jahres kündigte Jamaika an, die Zusammenarbeit auf Regierungsebene zu beenden. Kubas Regierung warf Jamaika daraufhin vor, dem Druck der USA nachgegeben zu haben.
US-Außenminister Marco Rubio hat im Rahmen seiner Strategie des "maximalen Drucks" gegen Kuba seit Jahresbeginn auf ein Ende der bilateralen Verträge hingewirkt und medizinische Einrichtungen in Kuba sanktioniert. Rubio sprach auch direkt mit mehreren Regierungen, um diese zu drängen, die medizinische Kooperation mit Kuba aufzugeben, und drohte mit Sanktionen. Im Falle Jamaikas fand auch ein direktes Gespräch zwischen Rubio und Premierminister Andrew Holness statt.