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Aus: Ausgabe
vom 03.11.2020, Seite 7 / Ausland
US-Wahl
Möglicher US-Präsident Biden wird »sanfte«
Destabilisierungspolitik Obamas fortsetzen. Inselrepublik hofft auf leichte Entspannung
Von Volker Hermsdorf

REUTERS/Alexandre Meneghini
Gegen US-Blockade: Kinder in Havanna zeichnen die Flaggen
Kubas und der USA, durch eine Mauer getrennt (18.10.2017)
Für Kuba geht es bei der heutigen US-Wahl an diesem Dienstag darum, ob mit
Donald Trump erneut jemand gewinnt, der versucht, die Wirtschaft der Insel »zu
erdrosseln«, oder ob mit Joseph Biden ein Mann ins Weiße Haus einzieht, der
zwar eine »Rückkehr zu Obamas Entspannungspolitik« ankündigte, damit aber vor
allem die »Konterrevolution auf Filzlatschen« meint. So nannte einst der
frühere DDR-Außenminister Otto Winzer das sozialdemokratische Konzept vom
»Wandel durch Annäherung«. Dennoch hoffen viele Bürger der Inselrepublik auf
einen Sieg von Biden und dessen Vizekandidatin Kamala Harris und auf eine
Lockerung des Würgegriffs, mit dem die derzeitigen US-Machthaber Kubas
Bevölkerung in die Knie zwingen wollen. Biden und Harris, so die Erwartung,
würden die Rückkehr von Kreuzfahrtschiffen und US-Touristen nach Kuba erlauben
sowie die Einschränkungen für Überweisungen in die Republik und für
Familienbesuche aufheben.
Kuba war am Donnerstag auch das beherrschende Thema der Wahlkampfauftritte
von Trump und Biden im Schlüsselstaat Florida. In Tampa warf der Präsident
seinem Kontrahenten vor, »die Vereinigten Staaten in ein kommunistisches Kuba
oder ein sozialistisches Venezuela« verwandeln zu wollen. Es gehe deshalb um
die »Wahl zwischen dem amerikanischen Traum und einem sozialistischen
Alptraum«. Unter dem Jubel seiner Anhänger versprach Trump: »Wir werden die
Diktaturen in Kuba, Venezuela und Nicaragua weiter unnachgiebig bekämpfen.«
In Coconut Creek versicherte Biden am selben Tag: »Während meiner gesamten
Karriere war ich gegen Diktaturen der Linken und Rechten.« Dann warf er Trump
nicht etwa – wie die Vereinten Nationen – den völkerrechtswidrigen Charakter
der Sanktionen vor, sondern behauptete: »Kuba ist heute nicht näher an Freiheit
und Demokratie als vor vier Jahren.« Er griff die Argumentation von Expräsident
Barack Obama auf, der im Dezember 2014 zur Blockade nur erklärt hatte: »Die
Isolation Kubas hat nicht funktioniert.«
Trotz der Wiederaufnahme diplomatischer
Beziehungen und des Abbaus von Sanktionen stand Obama für weitere
Destabilisierungsversuche. Erst in seiner letzten Rede zur Lage der Nation
forderte er den Kongress am 12. Januar 2016 auf: »Erkennen Sie an, dass der
Kalte Krieg vorbei ist und heben Sie das Embargo auf.« Außerdem appellierte er
an die Abgeordneten, das US-Gefangenenlager in Guantánamo zu schließen. »Es ist
teuer, es ist unnötig, und es dient nur unseren Feinden zur Rekrutierung.«
Soweit will das Gespann Biden/Harris
offenbar nicht gehen. Gegenüber der spanischen Agentur Efe kündigte Biden zwar an, »Trumps gescheiterte Kuba-Politik
umzukehren« und die Linie Obamas wieder zu verfolgen, betonte jedoch zugleich,
vor allem »die Freilassung der politischen Gefangenen zu fordern und die
Menschenrechte zum zentralen Element« seiner Kuba-Politik zu machen. Harris
will sich nicht festlegen. Im Efe-Interview
erklärte sie, dass »die Aufhebung des Embargos gegen Kuba eine entfernte
Möglichkeit wäre«, fügte aber hinzu: »Das Embargo ist das Gesetz, und es bedarf
einer Kongressentscheidung, um es aufzuheben, oder es bedarf eines Präsidenten,
der feststellt, dass Kuba eine demokratisch gewählte Regierung hat.« Von Biden
ist das nicht zu erwarten. Seine »Vision« einer »sicheren, bürgerlichen und
demokratischen Hemisphäre« klingt eher nach einem Signal für die
antikommunistischen Hardliner in seiner Partei als nach der Bereitschaft, sich
vom Ziel einer Destabilisierung Kubas, Venezuelas und Nicaraguas zu
verabschieden.
Aber es gibt auch einen Hoffnungsschimmer.
So redete Bidens Kampagnenberater für Florida, Christian Ulvert – anders
als sein Chef – Klartext, als er die jüngsten US-Finanzsanktionen, die zur
Schließung der Western-Union-Büros auf der Insel geführt haben, scharf
kritisierte. »Es den Kubanoamerikanern inmitten einer globalen Pandemie zu
verbieten, ihre Familien zu unterstützen, ist eine grausame Handlung, die
insbesondere älteren und den am meisten gefährdeten Menschen schadet.«