Drogenkrieg: Neue Vollmachten für Washington

Montag, 23. Mai 2016



(zas, 23.5.16) Am vergangenen 16. Mai setzte Barack Obama ein neues Gesetz in Kraft, den Transanational Drug Trafficking Act. Die US-Medien haben dem im Senat von Dianne Feinstein und Chuck Grassley parteiübergreifend vorgespurten Gesetz bisher geschlossen keine Beachtung geschenkt. Im Gegensatz zu kolumbianischen Medien. Denn die Neuerung besteht in einer Bestimmung, die theoretisch auch einfache Coca-BäuerInnen mit der Auslieferung in die USA bedroht. Feinstein sagt in einer Pressemitteilung: „Drogengrosshändler von Ländern wie Kolumbien oder Peru benutzen oft mexikanische Drogenhändlerringe als Maultiere, um illegale Drogen in die USA zu bringen“. Solche Dealer, so Feinstein und Grassley, haben sich bisher mit der Schutzbehauptung, sie hätten nicht gewusst, dass die Ware in die USA ginge, der Auslieferung entziehen können.  Damit sei jetzt Schluss. 

Letzten Oktober, als die Vorlage im Senat angenommen wurde,  zitierte das kolumbianische Blatt El Tiempo aus dem Gesetz, dass „jede Person, die eine kontrollierte Substanz (aus der Liste verbotener Substanzen) oder eine Chemikalie herstellt,  die weiss, vorhat, oder Grund zur Annahme hat, dass diese Substanz oder Chemikalie illegal in die USA (…) eingeführt werden wird“, von der US-Justiz zur Auslieferung ausgeschrieben werden kann. „Diese Änderung ist bedeutsam“, so das Blatt weiter, „denn sie erlaubt die Auslieferung jeder Person in Kolumbien, die Coca sät oder produziert, auch wenn sie selber gar nicht direkt in die USA exportiert“.  El Tiempo sieht dieses Gesetz im Widerspruch zu den auch vom kolumbianischen Präsidenten Santos unterstützen Bestrebungen, von der gescheiterten Linie des Drogenkriegs made in USA wegzukommen. Der kolumbianische Justizminister verweist dagegen darauf, dass für eine Auslieferung ein Teil des Delikts in den USA begangen sein müsse, was beim Coca-Pflanzen nicht der Fall sei.
Quelle: Colombia Reports
 Colombia Reports zitiert den bekannten Lobbyisten und Analytiker aus dem Dunstkreis der Demokratischen Partei, Adam Isaacson vom Washington Office on Latin America, mit etwas genaueren Hinweisen: „Die grösste Wirkung dieses Gesetzes könnte darin bestehen, US-Auslieferungs-Gesuche für Kader von bewaffneten Gruppen zu erleichtern“, die Isaacson als „FARC, ELN und Bacrim“ (heutige Umschreibung für Para-Militärs) identifiziert. Ein Sprecher der Coca-PflanzerInnen in Nordost-Kolumbien nennt das Gesetz „gefährlich“: „Es geht gegen die Abkommen in Havanna und trägt in tausende von kolumbianischen Familien Unruhe, die als einzige Alternative den Coca-Anbau hatten“ (id.).
Das Gesetz birgt tatsächlich einen gewissen Sprengsatz für die Friedensverhandlungen der Guerillas mit der Regierung. Eine Bedingung für die Waffenniederlegung der FARC ist natürlich, dass keinem US-Auslieferungsgesuch stattgegeben werde. Beim ELN wird das nicht anders sein. Die US-Drogenbehörde DEA, in Kolumbien, wo man sie kennt, mit denkbar schlechtem Ruf ausgestattet,  hat reichlich Erfahrung darin, den von ihr gelenkten Drogenhandel Missliebigen anzuhängen. Vermutlich wird das die Verhandlungen in Havanna, die kurz vor Abschluss zu stehen scheinen, nicht beeinträchtigen. Aber es wäre ein probates Mittel in den Händen Washingtons, bei allfälligem späteren „Ungebührlichkeiten“ ehemaliger Guerillas nicht wirklich für law, aber für order zu sorgen.

Brasilien: ein kleines Lied

Sonntag, 22. Mai 2016

Cultura contra ditadura
Du willst kapieren, was in Brasilien passiert? Hier eine Einführung. Mitreissend, herzerwärmend.

Patria de Maíz - today

hier klicken
Wie es so ist, MigrantIn zu sein - Beat vom belgisch-salvadorianischen Duo Shaka y Dres und vielen anderen (und eine kleine Referenz an die nicaraguanische Liedikone Luis Enrique Mejía Godoy)

Dialog in Venezuela möglich, Kritik an deutscher Berichterstattung

https://amerika21.de/2016/05/152957/venezuela-maduro-dialog-ard

Unasur bietet Vermittlung an. Milizen und Armee bei Manöver. Oberstes Gericht gibt Dekret von Maduro statt. Kritik an Bericht der ARD über Proteste
Spaniens Ex-Premier Zapatero und Präsident Maduro nach den Beratungen über die Lage in Venezuela
Spaniens Ex-Premier Zapatero und Präsident Maduro nach den Beratungen über die Lage in Venezuela
Quelle: Minci
Caracas. Die Union südamerikanischer Nationen (Unasur) will zwischen der Regierung und der Opposition in Venezuela vermitteln, um die Krise in dem südamerikanischen Land zu lösen. Das berichten venezolanische Medien unter Berufung auf die Regionalorganisation. Zu dem Verhandlungsteam gehören demnach unter anderem der ehemalige spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero sowie die Ex-Präsidenten von Panama und der Dominikanischen Republik, Martín Torrijos und Leonel Fernández. "Ich werde die internationale Gemeinschaft bitten, das Ansinnen eines großen nationalen Dialogs (in Venezuela) zu unterstützen, damit wir in einem sinnvollen Zeitraum einen Plan erstellen können", sagte Zapatero auf einer Pressekonferenz in Caracas nach einem Treffen mit Präsident Nicolás Maduro. Der Weg hin zu solch einem Dialog werde aber "lang, hart und schwer" sein, prognostizierte der Sozialdemokrat. Wichtig sei, dass sich alle Seiten "an die demokratischen Regeln, den Rechtsstaat und die Verfassung halten".
Bei der Opposition traf das Angebot von Zapatero, der seit geraumer Zeit Kontakt zu beiden politischen Lagern unterhält, auf Interesse. In einem Kommuniqué bekräftigte das Oppositionsbündnis "Tisch der demokratischen Einheit" (MUD) seine Bereitschaft, an jeder Art von Dialog teilzunehmen, "der für das Land sinnvoll ist". Man werde sich aber an keinen Gesprächen beteiligen, "die von der Regierung als Ablenkungsmanöver benutzt werden", heißt es indem Dokument weiter. Das MUD-Bündnis werde bei etwaigen Gesprächen daher auf eine klare Tagesordnung bestehen.
Angehörige der Milizen beim Manöver "Unabhängigkeit 2016" in Venezuela
Die Gesprächsinitiative wurde publik, nachdem der Oberste Gerichtshof am Donnerstag den von Präsident Maduro ausgerufenen "wirtschaftlichen Notstand” für rechtens erklärt hat. Ein entsprechendes Dekret sei verfassungskonform, hieß es von dieser Seite. Angesichts des Wirtschaftsnotstandes werden die Armee und zivile Basiskomitees befugt, Lebensmittel zu verteilen und – bei Verdacht auf Hortung – zwangsweise auf den Markt zu bringen.
Angesichts der zunehmenden Gewalt bei Demonstrationen der Opposition und einer mutmaßlichen Einflussnahme auf die Proteste aus dem Ausland haben Regierung und Armee des südamerikanischen Landes zu einer großangelegten Übung aufgerufen. Nach Angaben der unabhängigen Tageszeitung Últimas Noticias nehmen mehr als 1.500 Mitglieder der Milizen an dem Manöver "Unabhängigkeit 2016" teil. Dabei gehe es darum, die Nationalen Bolivarischen Streitkräfte zu unterstützen. Das Manöver sei notwendig, "weil einige Gruppen die Unabhängigkeit und Souveränität Venezuelas mit gewalttätigen Aktionen angreifen wollen, um so eine ausländische Intervention zu rechtfertigen", sagte Verteidigungsminister Vladimir Padrino López.
Von der massiven Gewalt gegen Sicherheitskräfte ...
Quelle: El Informador
Bei den Protesten von Regierungsgegnern wurden nach Angaben venezolanischer Medien mehrere Einsatzkräfte verletzt. Nach mehreren heftigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei wurde ein führender Funktionär der Opposition festgenommen. Der Mann soll für Angriffe auf Vertreter der Bolivarischen Nationalpolizei (PNB) am Mittwoch verantwortlich sein. Bei dem Inhaftierten handelt es sich um Ángel Coromoto Rodríguez, den Sicherheitschef von Parlamentspräsident Henry Ramos Allup von der sozialdemokratischen Partei Demokratische Aktion (Acción Democrática, AD).
Für Kritik sorgte indes auch die deutsche Berichterstattung über die Proteste in Venezuela. ARD-Korrespondent Peter Sonnenberg hatte am Freitag von einer Demonstration in Venezuela berichtet, bei der offenbar auch eine Kamerafrau seines Teams von einer Tränengasgranate getroffen wurde. Nach Darstellung Sonnenbergs griff die Polizei demonstrierende Studenten und Demonstranten ohne Grund an. In dem Beitrag heißt es:
... sah ARD-Korrespondent Peter Sonnenberg nichts
Quelle: tagesschau.de
Und von einem Moment auf den anderen kriegen wir die Staatsgewalt zu spüren. Als alles noch ganz friedlich erscheint, kommt eine der Demonstrantinnen auf mich zu. (...) Wahrscheinlich fliege hier gleich Tränengas, sagt sie. Oft schießen die Polizisten in die Luft, mit scharfer Munition. Im nächsten Moment hören wir Tumult von der Straße. Die Polizei kesselt Studenten ein und kurz darauf fliegen Tränengasgranaten auf uns Journalisten und auf absolut friedliche Demonstranten.
Von einer anderen Kameraeinstellung aus wird jedoch ersichtlich, dass die Polizei keine Studenten eingekesselt hat, sondern selbst zum Ziel heftiger Attacken von Demonstranten wurde. Dabei kam eine Polizistin zu Fall und wurde von mehreren Vermummten mit Steinen, Stöcken und Tritten traktiert. Erst daraufhin sind Detonationen – mutmaßlich von Tränengasgranaten – zu hören und die Angreifer ziehen sich zurück. Das Handyvideo wurde unter anderem von der Seite "El Informador" ins Netz gestellt und von Medienaktivisten mit dem ARD-Beitrag zusammengeschnitten. Die Darstellung des ARD-Beitrags zeugt "von mangelnder journalistischer Professionalität und Berufsethik", heißt es von dieser Seite.

Brasilien: … und das ist erst der Anfang

Freitag, 20. Mai 2016



Sozialprogramme
„Temer kritisierte Lulas eingeengten Blick und seinen exzessiven Fokus auf Sozialnetzprogramme, die Wachstum und wirtschaftliche Entwicklung nicht fördern“.
aus US-Botschaft Brasilien, 11. Januar 2006, in Wikileaks: PMDB leader ponders party’s electoral options.
Temer hatte seine Freunde aus dem Norden gerade über seine danach enttäuschte Hoffnung aufgeklärt, bei den nächsten Wahlen aus der Allianz mit dem PT auszusteigen. Er musste sich noch etwas gedulden. Die US-Offiziellen kommentierten ihre Auskunftsquelle so: „with friends like these…“

Lebensrecht für alle? Funktioniert nicht.
In einem am 17. Mai 2016 in der Folha de S. Paulo veröffentlichten Interview sagt der [neue] Gesundheitsminister, dass der Staat aus finanziellen Gründen, auch wegen Missbrauch, den allgemeinen Zugang zum öffentlichen Gesundheitssystem nicht mehr garantieren könne. Der Folha fiel etwas auf:
„Was tun? Die Verfassung ändern, die Gesundheit als universelles Recht festlegt?“
Antwort:
„Was sagte Sarney [Staatspräsident 1985-90], als er die Verfassung verkündete? Dass Brasilien unregierbar würde. Warum? Weil es da nur Rechte gibt, keine Pflichten. Es wird uns nicht gelingen, die Rechte zu garantieren, die die Verfassung vorschreibt. In einem bestimmten Moment werden wir sie neu verhandeln müssen, wie in Griechenland, wo die Renten gekürzt wurden, oder in anderen Ländern, wo die Verpflichtungen des Staates neu ausgehandelt werden mussten, weil er sie nicht mehr garantieren konnte. Es bringt nichts, für Rechte zu kämpfen, die der Staat dann nicht erfüllen kann.“
Der ehemalige Bundesabgeordnete, dessen Wahlkampagne eine Privatversicherung finanziert hatte, sieht eine Lösung:
„Je mehr Leute privat versichert sind, desto besser. Denn so können sie die Pflege beanspruchen, für die sie selber aufkommen, was die entsprechenden Regierungsausgaben reduziert.“
Barros, reich, weiss und wie andere Kabinettsmitglieder in Korruptionsuntrsuchungen verwickelt


Warum auch wohnen?
„Die städtische Bewegung MSTS (Movimento dos sem teto) kritisiert die Interimregierung Temer, weil sie den Bau von 11‘250 Sozialwohnungen wegen der Wirtschaftskrise suspendiert hat. Das MSTS kündigte Strassenblockaden im ganzen Land an. Der neue Stadtentwicklungsminister Bruno Araújo informierte gestern, dass er den von Staatsbanken finanzierten Bau 11‘250 Wohneinheiten nicht bewilligen werde. Er erklärte, eine „Überprüfung“ und Neudefinition der „Prioritäten“ sei nötig, um das Sozialprogramm Minha Casa Minha Vida (Mein Haus, Mein Leben) an die Brasilien drückende Wirtschaftsnot anzupassen.
aus Resumen Latinoamericano, 18. Mai 2016: El recorte de Temer sigue por las viviendas
Temer, mal sachte!
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Justiz I
Am 12. Mai 2016 wurde die gewählte Präsidentin Dilma Rousseff ihres Amtes enthoben. Am Vortag hatte das Oberste Bundesgericht (STF) verfügt, gegen ihren im Oktober 2014 unterlegenen Widersacher Aécio Neves von der Rechtspartei PSDB eine Untersuchung wegen Korruption im Zusammenhang mit dem Petrobras-Skandal einzuleiten. Die Anschuldigung stützt sich auf Aussagen des geständigen Kronzeugen und ehemaligen PT-Senators Delcidio do Amaral. Seine Aussagen dienen seit Monaten dem Versuch der Justiz, Rousseff und Lula Korruption vorzuwerfen. Gilmar Mendes ist Richter am STF und seit letztem 12. Mai zudem Präsident des Obersten Wahlgerichts. Er leitet im STF den Versuch, Lula eine Wahlkandidatur 2018 zu verunmöglichen und ihn womöglich ins Gefängnis zu bringen. Ebenfalls am 12. Mai „suspendierte“, wie das Putschorgan Globo schrieb, Mendes die Beweissammlung gegen Neves, da „Aécio Neves neue Dokumente vorgelegt hat und Gilmar Mendes der Ansicht ist, diese Dokumente können beweisen, dass der Antrag [der Staatsanwaltschaft] für eine Verfahrenseröffnung ohne neue Beweise erfolgt ist.“

Zwei alte Kumpels: Mendes und Neves bei einem Anlass 2009. Quelle: estadão.com
Justiz II
„Vor genau zehn Jahren, zwischen dem 12. und dem 20. Mai 2006, wurden nach einer Erhebung der Harvard-Universität mindestens 564 Personen im Staat São Paulo umgebracht, die Mehrheit in Situationen, die eine Beteiligung der Polizei dabei nahe legen. Die Mehrheit der Fälle, betonen Ermittler, gehören zu einer Racheaktion von Agenten der Sicherheitskräfte gegen angebliche Angriffe der Gruppe Primeiro Comando da Capital (PCC), die sich in den ersten beiden Tagen der Periode ereigneten. Das Gemetzel jenes Jahrs ist als Mai-Verbrechen bekannt, dem grössten im 21. Jahrhundert. Zehn Jahre später ist ein Beamter der Sicherheitskräfte für die Todesfälle verurteilt worden. Er hat rekurriert, ist frei und ist weiter bei der Militärpolizei im Einsatz[Sicherheitspolizei unter dem Kommando der jeweiligen StaatsgouverneurInnen].“
aus Brasil de Fato, 13. Mai 2016, Gisele Brito: Mães de Maio: a reação contra a violência do Estado
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Regierungsprogramm einer Diebesbande
aus rebelion.org, 11. Mai 2016, Juan Luis Berterretche: El programa de gobierno de la banda de ladrones.

„Sie stahl nichts, wird aber von einer Diebesbande abgeurteilt.“ New York Times, 15. April 2016
„Seit Beginn der zweiten Präsidentschaft von Dilma Rousseff mit dem 2014 gewählten Kongress – gewählt auf der Basis  eines Gesetztes, das die Unternehmensfinanzierung von Wahlkampagnen erlaubt – ging die Macht an eine Legislative über, die von ParlamentarierInnen, die ihre Stimme verkaufen, in Geiselhaft genommen wurde. Es handelt sich dabei um eine erdrückende Mehrheit in beiden Kongresskammern. Was die Times eines Diebesbande nannte, dominiert sowohl in der Abgeordnetenkammer wie im Senat.“
„Die Stimmen für den Putsch kamen von der Mehrheit der im Kongress vertretenen 28 Parteien, von denen keine fünf etwas aufweisen, das mit Nachsicht als „programmatisch“ bezeichnet werden könnte. Die verschiedenen Parteien, auf die sich die Evangelikalen aufteilen, finanzieren sich mit Offshore- Geldwaschgeschäften, durchgeführt von Multimillionen-schweren „Pastoren“ mit einem Glauben, der sich zur mittelalterlichen Intoleranz bekennt. Mehrere Dutzende Korrupte widmeten am „parlamentarischen“ Schmierenstück vom 17. April [in der Kammer] ihre Pro-Impeachment-Stimmabgaben Gott.“
„Der PMDB von Michel Temer ist eine Einheitsfront von einzelstaatlichen Oligarchien ohne irgendein programmatisches Ansinnen, das über die Verteidigung der in den Einzelstaaten und Regionen über die Jahre errungenen politischen und wirtschaftlichen Privilegien hinausginge. So dass eine neue Regierung Temer Geisel und Teil der Diebesbande sein wird, wo nicht existierende Programme oder Parteidisziplin niemanden kümmern. So dass alle parlamentarischen Abstimmungen wie bisher gekauft werden müssen, mit Geld, Posten und Pfründen.“
„Die nächste Regierung wird schlicht und einfach die Diktatur einer Diebesbande sein.“
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„In einer Nation, wo es jetzt schon zu Staatsterrorismus gegen Favela-BewohnerInnen kommt, speziell gegen junge Schwarze und Pardos [Begriff für Dunkelhäutige verschiedener ethnischer Herkunft], die im neuen Jahrhundert zu Hunderttausenden ermordet worden sind; in einer Gesellschaft mit einem strukturellen Rassismus gegen mehr als die Hälfte der Bevölkerung; in einem Brasilien, in dem Folter in den überfüllten Gefängnissen und in den Polizeistationen nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist; in ausgedehnten ruralen Gegenden, in denen die Justiz den Pistoleros der Grossgrundbesitzer, der Agroindustrie, der Waldabholzer, der Wasserstromwerke  und der Minenunternehmer Straffreiheit garantiert, wäre es ein schwerer Fehler, etwas auf einen demokratischen Dialog zu geben.“

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„Der kommende Präsident Michel Temer war drei Mal Sicherheitsminister in São Paulo gewesen, dem repressiven Zentrum der Diktatur. Er nahm dieses Amt war, um in der Transitionsperiode von der Diktatur zur Demokratie die Verbrechen und die Folter der zivilen und militärischen Polizei zu vertuschen. Als Dank dafür wurde er zwei Mal zum Abgeordneten der Kugelfraktion gewählt [unter bancada da bala werden die militaristischen und killfreudigen ParlamentarierInnen zusammengefasst] (…. ). Erinnern wir uns, um seinen Werdegang zu vervollständigen, dass er Zeuge der Verteidigung des Folteroberst Mörders der Militärdiktatur war: des Obersts Brilhante Ustra. Dem der jetzige Chef der Kugelfraktion, Jair Bolsonaro, seine Stimmabgabe für das Impeachment gewidmet hat.“
„Die enormen Mobilisierungen gegen die PT-Regierung rissen die Mehrheit der brasilianischen Mittelschicht und einen wichtigen Sektor von Arbeitern und Volkssektoren mit, die  von der Sparpolitik Rousseffs betroffen waren. Eine zu den Versprechen des PT in der Wahlkampagne von 2014 konträre Politik, die die Wirtschaft in eine Rezession stürzte, die als die schlimmste der letzten 116 Jahre gelten kann. Mit einem BIP-Rückgang von 3.8 % im letzten und von 3.5 % in diesem Jahr, wie die internationalen Organisationen projizieren. Mehr als 10 Millionen waren im Januar 2016 arbeitslos, ohne die Unterbeschäftigtem, Prekarisierten und nicht mehr Arbeitssuchenden miteinzuberechnen.“
„Die Priorisierung des Privatsektors als Motor der Wirtschaft und die radikale Reduktion des Gewichts des staatlichen Sektors  [unter Mendes] zielen vorallem auf die Zerstörung von Petrobras und die Privatisierung des Ölsektors in die Hände der imperialistischen Unternehmen, die den Pré-sal  [riesige Ölvorkommen in Küstennähe] privatisieren wollen. Diese Orientierung haben die PT-Regierungen mit dem Akzeptieren der Korruption in Petrobras zwecks Finanzierung von Wahlkampagnen oder Offshore-Konten übernommen. Mit dem Putsch soll die Privatisierung jetzt eine neue Dimension erhalten. Das geht viel weiter. Ihr Motto lässt sich in zwei Worten zusammenfassen: „Alles privatisieren“, wie dies José Olympio Pereira, Präsident von Credit Suisse Brasil, kürzlich in seiner Rede an der Brazil Conference in Boston ohne Umschweife gesagt hatte[1].“
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 [Realen Widerstand sieht der Autor einzig in der Welle von SchülerInnen- und LehrerInnenkämpfen gegen die Privatisierung des Erziehungssystems, die in den letzten Monaten in mehreren Einzelstaaten, vor allem aber in São Paulo, zu grossen Mobilisierungen, Besetzungen und Auseinandersetzung mit den Repressionskräften geführt haben. Zwar ordnet er Kräfte wie die Landlosenbewegung MST und die Stadtbewegung MSTS explizit als künftige Repressionsopfer ein, mehr aber nicht. In der Jugendbewegung, für die er aber Siegeschancen nur in langer Frist sieht, fällt ihm positiv das Agieren von trotzkistischen und anarchistischen Kräften auf. Der Autor gehört ins Lager jener, die im PT und nahestehenden Kräften bloss moderatere Formen der bourgeoisen Herrschaft mit der objektiven Funktion, radikaleren Kräften der Reaktion das Terrain zu bereiten, sehen.]
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Transozeanisches
„Die von Michel Temer angekündigten sozioökonomischen Massnahmen sind die gleichen, wie sie hier [Argentinien] Macri durchsetzt, dessen Finanzminister Alfonso de Prat-Gay den Regierungsverlust des PT in Brasilien feierte, denn so werde es möglich, den Mercosur dem Abkommen mit der EU und den Beitritt beider Länder zu der von den USA gepuschten Pazifischen Allianz zu vollziehen.“
„(… )  Vor 30 Jahren nahm Uruguay ein Gesetz über die Hinfälligkeit der Strafverfolgung des Staates am gleichen Tag an, als der argentinische Kongress das Gesetz des Punto Final (Schlussstrich) verabschiedete. Die Entschlossenheit der USA, die Strafverfolgung der Armeeverantwortlichen für die Verbrechen unter den beiden Diktaturen zu beenden, ist so gut dokumentiert wie die Intervention des damaligen [argentinischen] Präsidenten Raúl Alfonsín bei seinem uruguayischen Kollegen Julio María Sanguinetti und dem Sohn des Oppositionsführers Wilson Ferreyra Alduante. Diesem übermittelte Alfonsín eine Message der US-Botschaft bezüglich Putschwahrscheinlichkeit von 50 % für den Fall, dass die Prozesse nicht gestoppt würden.“
aus Página/12,  15. Mai 2016, Horacio Verbitsky: Usos de la corrupción
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Die Expertin made in USA
„[2013] schickte Barack Obama Liliana Ayalde als Botschafterin nach Brasilien. Sie ist Expertin für „weisse Putsche“, denn vor ihrem Antritt in Brasilien (wo sie weiter amtet), war sie bestimmt aus reinem Zufall Botschafterin in Paraguay, am Vorabend des „institutionellen“ Sturzes von Fernando Lugo.“
Atilio Borón, 12. Mai 2016: Asalto al poder
 
Kennt sich aus in weissen Putschen.

Das Vertrauen made in USA
„Natürlich verfolgen wir die Ereignisse dort. Diese Frage nach der Regierung und ihrer Zusammensetzung ist eine interne Angelegenheit, über welche das brasilianische Volk und die brasilianischen Behörden entscheiden. Wir sind zuversichtlich, dass sich Brasilien auf demokratische Weise den Herausforderungen stellen wird“.
Pressesprecher John Kirby an der täglichen Pressekonferenz des State Departments vom 13. Mai 2016.

Democracy (made in USA) - was sonst?
„US-Offizielle verteidigten zum ersten Mal die Legalität des Impeachment-Prozesses gegen Dilma Rousseff. In einer Debatte in der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) diesen Mittwoch sagte [US-Botschafter] Michael Fitzpatrick: ‚Ich glaube nicht an einen „weissen“ oder wie immer gearteten Putsch. Was in Brasilien geschah, erfolgte im Rahmen eines verfassungskonformen Prozesses unter völliger Respektierung der Demokratie.‘“
[Viel mehr war während der Monate des sich entwickelnden weissen Putsches aus Washington nicht zu hören. Diese „Kraft des Schweigens“ bezeugt diskrete Täterschaft, die jetzt sofort uzm business as usual übergeht.]


[1] Die Brazil Conference wurde letzten April von der Harvard-Universität und dem MIT organisiert. Zu Pereiras Vortrag, s. Brasil precisa de maciço programa de concessões, diz presidente do Credit Suisse.