(zas, 25.9.26) Früher wurden die Menschen in Städten und Burgen bis zu ihrer Unterwerfung ausgehungert. Später zerstörten die kolonialen Gebieter (seit einigen Jahrzehnten vertreten durch IWF, Weltbank und dgl.) in den unterjochten Gesellschaften des globalen Südens die lokale Landwirtschaft mit exportorientierten Monokulturen zwecks Beherrschung der Bevölkerungen. Bei Wohlverhalten winken Agrarprodukte aus den imperialen Monokulturen, bei Fehlverhalten droht die Hungersnot.
Die «technische» Planung der Vernichtung eskalierte in Gaza das mörderische Machbare. Etwa mit der in KI- und Datenbank-«Zauber» ausgegliederten Ermächtigung, mit einer 1-Tonne-Bombe nicht nur den ins Ziel genommenen Hamas-Mann, sondern seine Familie und alle anderen in einem Umkreis von rund 300 m zu killen (s. dazu die Berichte des jüdisch-palästinensischen Portals 972.mag. und des Guardian). Auch die systematische Zerstörung der sozialen, kulturellen und physischen Lebensgrundlagen (Landwirtschaft, Schulen Häuser, Spitäler, Wasserversorgung u.a. mehr) sind nicht zu trennen von der direkten Massenvernichtung in den Bombardierungen (s. dazu etwa die Berichte von Forensic Architecture, wie Gaza – Techniken des Genozids).
Im Folgenden ein Blick auf eine erschreckende Bedrohung für Kinder in Gaza. Danach ein Blick darauf, wie Elemente zur «Schleifung» der palästinensischen Bevölkerung iauch n Cuba eingesetzt werden.
Wenn Kinder nicht wachsen
Mitte September wurde eine geplante Pentagon-Lieferung von schweren Bomben, inklusive 40‘000 1-Tonne-Bomben, an Israel bekannt. Washington setzt so erneut eine unter Biden gepflegte Tradition fort. Diese Bomben wurden in dicht besiedelten Zonen in Gaza (und danach im Libanon) eingesetzt – eines der Mittel des Genozids. Sie bewirken einen Krater von 15 m und sind in einem Umfeld von 300 m tödlich. Die New York Times schreibt: «Die Bewilligung des State Departments für eine grosse Ladung zerstörerischer Munition widerspiegelt Trumps anhaltende grosse Unterstützung für Israel, trotz seiner jüngsten Dispute mit Benjamin Netanyahu.»
Den Bevölkerungen in Iran, Libanon, Syrien, Palästina, Jemen … droht also, von Israel in seiner Funktion als regionale Hauptbulldogge des Westens heimgesucht werden.
Aushungern gehört zum Arsenal der Mordkräfte im globalen «Gaza». Mondoweiss brachte kürzlich einen Artikel ihres Gaza-Korrespondenten Tareq S. Hajjai - Israel starved Gaza. Now doctors fear it has permanently damaged a generation:
«In der Unterernährungsklinik des Nasser-Medizinkomplexes in Khan Yunis behandeln ÄrztInnen zunehmend mehr Kinder, die nicht nur mangelernährt sind, sondern auch nicht wachsen.
Einige wurden von Müttern geboren, die ihre Schwangerschaft in Zeiten schwerer Nahrungsmittelknappheit durchlebten; andere haben selbst Jahre ohne ausreichende Versorgung mit (…) für das Wachstum unverzichtbaren Nährstoffen verbracht. Die ÄrztInnen im Nasser-Spital berichten, dass sie allmählich erkennen, was, wie sie befürchten, zu einer der nachhaltigsten Folgen der Hungerkrise im Gazastreifen werden könnte: eine Generation, deren körperliches Wachstum und Entwicklung durch anhaltende Unterernährung dauerhaft beeinträchtigt oder gehemmt wurde.»
«Dr. Ahmad al-Farra, Leiter der pädiatrischen Abteilung des Nasser-Krankenhauses, behandelt täglich Dutzende Fälle im Krankenhaus. ‘Wir sehen uns mit einem Phänomen konfrontiert, das seit Kurzem auftritt: Fälle von Kleinwuchs’, sagte al-Farra. ‘Wir beginnen nun, die katastrophalen Folgen der Unterernährung zu erkennen.’“
«Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist ’Wachstumsverzögerung das Ergebnis langfristiger Ernährungsentbehrung und führt oft zu einer verzögerten geistigen Entwicklung, schlechten schulischen Leistungen und verminderter intellektueller Leistungsfähigkeit.’ Al-Farra sagt, die Auswirkungen der anhaltenden Ernährungskrise seien nach der Phase schwerer Hungersnot, die sich im März 2025 verschärfte und bis in den September 2025 andauerte, sichtbar geworden.»
«Isra al-Najjar, Leiterin der Abteilung für klinische Ernährung am Nasser Medizin-Komplex, sagt, dass die Einrichtung in letzter Zeit einen Anstieg der Fälle von Wachstumsverzögerungen verzeichnet habe.
(…) ’Die Zahl der Fälle steigt von Monat zu Monat’, sagte Najjar. ‘Bei jedem täglichen Besuch in der Ernährungsklinik des Nasser Medical Complex werden mittlerweile zwischen drei und zehn Fälle von Wachstumsverzögerung festgestellt’, eine Zahl, die sie als deutlich höher als vor dem Krieg beschreibt.»
Ein bitterer Kommentar von Omar Hajjaj, Vater der 10-jährigen Jana, die Wachstumsstörungen aufweist:
«Manchmal hatten wir für einen oder zwei Tage nur ein Essen. Manchmal ass ich nichts, damit meine Kinder essen können. Ich weiss nicht, ob ich dankbar sein oder Angst haben soll. Von meinen sechs Kindern hat nur eines eine zu Wachstumsverlust führende schwere Unterernährung entwickelt. Die anderen haben keine vergleichbare Wachstumsstörung. Die Auswirkungen können später kommen, und wir wissen nicht, was uns die Zukunft in Gaza bringen wird.»
Cuba im Würgegriff
Mitte September schrieb die New York Times:
«Tausende von Containern mit Nahrungsmittel, Medikamenten und anderen für Cuba bestimmte Güter sind irgendwo in der Karibik gestrandet, nachdem zwei Schifffahrtsgiganten ihre Lieferungen gestoppt haben, um harte US-Sanktionen zu vermeiden. Die in verschiedenen Häfen gestrandete humanitäre Hilfe schliesst Solarpanels, Medikamente oder Beuteln für künstliche Darmausgänge ein. Darunter sind auch Dutzende von verschiedenen UN-Agentur erworbene Hilfscontainer. Die US-Sanktionen haben zudem den Luftfrachtverkehr beeinträchtigt und die Weltgesundheitsorganisation dazu gezwungen, geplante Lieferungen von Krebsmedikamenten zu streichen.»
Der Artikel beschreibt etwa, wie das SpeditionsunternehmenHapag Lloyd zwar eine $ 500'000 teure Fracht (Wiederbelebungskits, Darmausgangsbeutel, Intravenenschläuche) des britischen, von der kubanischen Ärztin Valia Rodríguez geleiteten Hilfswerks Aid for the Caribbean nach Cuba transportiert hatte, aber dort angekommen, in vorauseilendem Gehorsam gegenüber den erst einen Tag später überhaupt in Kraft tretenden neuen US-Sanktionen die Entladung der Container gestoppt hatte. Diese wurden nach Panama gebracht. Rodríguez: «Jetzt benutzen die Leute in Cuba Einkaufstaschen, da es keine Kolostomiebeutel gibt.»
Weiter die Times: «Obwohl die US-Regierung ausdrücklich erklärt hat, dass ihre Sanktionen nicht darauf abzielen, die Lieferung von Lebensmitteln und medizinischen Hilfsgütern zu unterbinden, sagte Francisco Pichón, der UN-Koordinator in Kuba, dass die Sanktionen die Hilfsbemühungen der Organisation behindern, da die Spediteure kein Risiko eingehen wollten.»
Und: «Trotz monatelanger Bemühungen gelangten Tausende gespendete Ampullen eines Krebsmedikaments namens Doxorubicin nicht auf die Insel, nachdem mehrere Fluggesellschaften ihre Flüge nach Kuba eingestellt hatten, wie die Panamerikanische Gesundheitsorganisation mitteilte».
«In einem Bericht über die Auswirkungen der US-Ölblockade sagte die cubanische Regierung, dass 100’00 Menschen, davon 12'000 Kinder, auf eine Operation warten.»
In Democracy Now sagt Valentín Parra, ein interviewter Einwohner: Die Lage «ist sehr schlecht für alle, denn wer verzweifelt nicht in einem Haus ohne Wasser und ohne Licht? Sowas sieht man sonst nirgends auf der Welt, nur hier. Und wenn die Leute kein Wasser haben – schau, ich war selber für 15 Tage ohne Wasser, ohne Wasser und ohne Licht während 15 Tagen. Ich hatte Glück, dass ich mich hier drüben und dort drüben waschen konnte. Aber sag mir: Was machst du, wenn du diese Möglichkeit nicht hast?»
Die cubanische Journalistin Rosa Miriam Elizade begann kürzlich ihren Artikel Son niños, no números in der mexikanischen Jornada mit diesen Sätzen:
«Im Jahr 2003, bevor die Vereinigten Staaten den Krieg im Irak auslösten, zeigte eine Webcam stundenlang einen festen Bildausschnitt von Bagdad. Der Titel der Seite war wichtiger als die Technologie: ‘Das sind keine Zahlen’. Dort gab es keine Militärkarten und keine Kriegsberichte, sondern eine Strasse, Autos, Fussgänger, Menschen, die noch immer in einer Stadt hin und her gingen, die kurz davor stand, bombardiert zu werden. Die Kamera hat die Invasion nicht aufgehalten. Dennoch hat sie etwas Unverzichtbares geleistet. Sie hat denjenigen ein Gesicht gegeben, die bald zu blossen Statistiken reduziert werden sollten.»
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«Gaza» ist Teil der alten Massakerkette des Kolonialismus. Wir wissen das. Und sollten nicht vergessen, dass sich heute jede rebellische Formation, vor allem im globalen Süden, mit der Frage befassen muss, ob in Venezuela, Cuba, Rojava…: Wie ein «weiteres Gaza» verhindern? Ohne dabei erneut unter die Räder kommen? Wenn nämlich die Mächtigen dir sagen, du wirst nicht bombardiert, aber du gehörst zum Ausschuss der Weltbevölkerung und stirbst, weil du Essen, Wohnung und Medizin nicht bezahlen kannst. Oder weil im cubanischen Kinderspital wegen der Ölblockade der Inkubator nicht funktioniert. Elemente von Antworten können wir nur in gemeinsamen Kämpfen entwickeln, die sich auch an Menschen orientieren wie jenen in Gaza, die ihre wegen des Bombenlärms weinende Kinder mit Gutnachtliedern beruhigen wollen; den Nachbarn in Donezk und Kiew, die gemeinsam das Überleben organisieren; den Angehörigen und FreundInnen in El Salvador, die nicht nachlassen, für ihre im schwarzen Loch der Gefängnisse Verschwundenen einzustehen.
