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https://amerika21.de/analyse/277316/machado-frieden-bedeutung-verloren
Als ich die Schlagzeile "María Corina Machado erhält den Friedenspreis" sah, hätte ich fast über die Absurdität gelacht. Aber ich habe es nicht getan, denn es ist nichts Lustiges daran, eine Person auszuzeichnen, deren Politik so viel Leid verursacht hat. Wer weiß, wofür sie steht, erkennt, dass an ihrer Politik nichts auch nur annähernd Friedliches ist.
Wenn dies im Jahr 2025 als "Frieden" gilt, dann hat der Preis selbst jegliche Glaubwürdigkeit verloren. Als Venezolanerin und US-Amerikanerin kenne ich genau, wofür Machado steht.
Sie ist das lächelnde Gesicht der Washingtoner Regimewechselmaschine, die gewandte Sprecherin für Sanktionen, Privatisierung und ausländische Interventionen, präsentiert im Gewand der Demokratie.
Machados Politik ist von Gewalt durchdrungen. Sie hat zu einer ausländischen Intervention aufgerufen und sich sogar direkt an Benjamin Netanjahu, den Kopf hinter der Vernichtung Gazas, gewandt, um unter dem Banner der "Freiheit" mit Bomben zur "Befreiung" Venezuelas beizutragen. Sie hat Sanktionen gefordert, jene stille Form der Kriegsführung, deren Auswirkungen – wie Studien in The Lancet und anderen Fachzeitschriften gezeigt haben – mehr Menschenleben gefordert haben als bewaffnete Konflikte, indem sie ganze Bevölkerungsgruppen von Medikamenten, Nahrungsmitteln und Energie abgeschnitten haben.
Machado hat ihr ganzes politisches Leben damit verbracht, Menschen zu spalten, die Souveränität Venezuelas zu untergraben und somit der Bevölkerung das Recht zu verweigern, in Würde zu leben.
Das ist die wahre Maria Corina Machado:
Machado gehörte zu den politischen Köpfen hinter La Salida, der Oppositionskampagne von 2014, die zu eskalierenden Protesten einschließlich der sogenannten Guarimba-Taktiken aufrief. Das waren keine "friedlichen Proteste", wie die ausländische Presse behauptete, sondern organisierte Barrikaden, die das Land lahmlegen und den Sturz der Regierung erzwingen sollten. Straßen wurden mit brennendem Müll und Stacheldraht blockiert, Busse mit Arbeiter:innen wurden in Brand gesteckt, und Menschen, die verdächtigt wurden, Chavist:innen zu sein, wurden geschlagen oder getötet. Sogar Krankenwagen und Ärzt:innen wurden angegriffen.
Einige kubanische medizinische Brigaden wurden beinahe lebendig verbrannt. Öffentliche Gebäude, Lebensmitteltransporte und Schulen wurden zerstört. Ganze Stadtteile wurden durch Angst in Geiselhaft genommen, während Oppositionsführer:innen wie Machado von der Seitenlinie aus jubelten und dies als "Widerstand" bezeichneten.
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Sie lobt Trumps "entschlossenes Vorgehen" gegen das, was sie als "kriminelles Unternehmen" bezeichnet, und stellt sich damit auf die Seite desselben Mannes, der unter Aufsicht der US-Einwanderungsbehörde ICE Kinder von Migrant:innen in Käfige sperrt und Familien auseinanderreißt, während venezolanische Mütter nach ihren Kindern suchen, die infolge der US-Migrationspolitik verschwunden sind.
Machado ist kein Symbol für Frieden oder Fortschritt. Sie ist Teil einer globalen Allianz zwischen Faschismus, Zionismus und Neoliberalismus, einer Achse, die Herrschaft mit der Sprache von Demokratie und Frieden rechtfertigt.
In Venezuela hat diese Allianz zu Staatsstreichen, Sanktionen und Privatisierungen geführt. In Gaza bedeutet sie Völkermord und die Auslöschung eines Volkes. Die Ideologie ist dieselbe: der Glaube, dass manche Leben entbehrlich sind, dass Souveränität verhandelbar ist und dass Gewalt als Ordnung verkauft werden kann.
Wenn Henry Kissinger einen Friedenspreis gewinnen konnte, warum dann nicht auch María Corina Machado? Vielleicht verleihen sie ihn im nächsten Jahr an die "Gaza Humanitarian Foundation" für "Mitgefühl unter Besatzung".
Jedes Mal, wenn diese Auszeichnung an Architekt:innen der Gewalt verliehen wird, die sich als Diplomat:innen tarnen, ist das ein Schlag ins Gesicht all jener, die tatsächlich für den Frieden kämpfen: palästinensische Sanitäter:innen, die Leichen aus den Trümmern bergen, Journalist:innen, die in Gaza ihr Leben riskieren, um die Wahrheit zu dokumentieren, und humanitäre Helfer:innen der Flottille, die mit nichts als Mut und Überzeugung auslaufen, um die Blockade zu durchbrechen und hungernden Kindern in Gaza Hilfe zu leisten.
Aber echter Frieden wird nicht in Sitzungssälen ausgehandelt oder auf Bühnen verliehen. Wahrer Frieden wird von Frauen geschaffen, die während Blockaden Netzwerke zur Lebensmittelversorgung aufbauen. Von indigenen Gemeinschaften, die Flüsse gegen Rohstoffabbau verteidigen. Von Arbeiter:innen, die sich weigern, sich durch Hunger gefügig machen zu lassen. Von venezolanischen Müttern, die sich mobilisieren, um die Rückkehr ihrer unter der US-Migrationspolitik und dem ICE verschleppten Kinder zu fordern. Und von Nationen, die Souveränität über Unterwerfung stellen. Das ist der Frieden, den Venezuela, Kuba, Palästina und alle Nationen des Globalen Südens verdienen.
* Michelle Ellner ist Koordinatorin der Lateinamerika-Kampagne von Codepink
Italien, 3. Oktober 2025
07.10.2025 online redaktion EU-Europa, International, Schlagzeilen
sit. Die Antwort auf die militärische Aktion
der israelischen Armee gegen die Aktivist:innen der Sumud Global Flotilla war
gigantisch: Über zwei Millionen Menschen machten den Generalstreik zu einem
historischen Erfolg. Ein beeindruckender Akt der Solidarität kam von den
Inhaftierten des Gefängnisses Dozza bei Bologna.
Es waren dramatische Stunden am Abend des 2. Oktober. Um 20.29 Uhr berichteten Aktivist:innen der Flotilla: «Israelische Streitkräfte befinden sich an Bord des Bootes Alma und haben die Mitglieder der Crew festgenommen.» Das Schiff war eines der ersten, das isoliert wurde und dessen Kommunikation blockiert war. An Bord befanden sich Mitglieder der Leitung der humanitären Aktion. Was dann folgte, ist bekannt: Unter anderem mit dem Einsatz von Wasserwerfern stürmte die israelische Armee alle Schiffe der Flotilla, nahm alle 452 Aktivist:innen fest, sperrte sie in ein Gefängnis ein, nannte und behandelte sie als Terrorist:innen – getan und gesagt von einem Staat, der gerade dabei ist, einen Genozid zu begehen. Von demselben Staat, der soeben auf internationales Recht gespuckt hatte. Denn der Angriff auf die Flotilla erfolgte in internationalen Gewässern, fernab des Hoheitsgebiets Israels.
Von historischem
Ausmass
Was dann folgte, ist von
historischem Ausmass – man kann es nicht anders bezeichnen, auch wenn mit dem
Wort «historisch» vorsichtig umzugehen ist. Gleich nach dem Bekanntwerden kam
es in Mailand, Rom und Neapel zu den ersten Solidaritätskundgebungen, an denen
Tausende von Menschen teilnahmen. In Neapel wurde der Bahnhof blockiert. Zu
spontanen Demonstrationen kam es auch in Berlin, Barcelona und Istanbul. Die
Basisgewerkschaft USB (Unione Sindacale di Base) rief – wie bereits angekündigt
– zum Generalstreik für den 3. Oktober auf. Und siehe da: Die grösste
italienische Gewerkschaft, die CGIL, schloss sich dem Generalstreik an. Dann
kam der 3. Oktober. «Mehr als 2 Millionen Menschen gingen auf die Strasse, um
an den Demonstrationen in über 100 italienischen Städten teilzunehmen, die im
Rahmen des landesweiten Generalstreiks zum Schutz der Flottille, der
verfassungsmässigen Werte, zur Beendigung des Völkermords und zur Unterstützung
der Bevölkerung von Gaza stattfanden. 300 000 Menschen zogen durch die Strassen
der Hauptstadt», informierte am späteren Nachmittag die CGIL. In Mailand waren
es 100 000, in Florenz 70 000, in Neapel 50 000, um nur drei Städte zu nennen.
Ein Massenprotest vom Aostatal bis nach Sizilien und Sardinien – mit einer
Anzahl von Menschen, wie das Land sie noch nie gesehen hatte.?«Ein gelungener,
kraftvoller Generalstreik gegen die Komplizenschaft der italienischen Regierung
mit dem Terrorstaat Israel», erklärte ein Vertreter der USB in einem Video. Er
wiederholte die Forderungen: keine Waffenlieferungen nach Israel, Abbruch der
wirtschaftlichen Beziehungen und ein Protest der italienischen Regierung gegen
die illegalen Verhaftungen der Aktivist:innen der Flotilla. Diese drei
Forderungen und die Barbarei des Genozids in Palästina vereinten über zwei
Millionen Menschen.
Ein Danke aus
Ramallah
Aussagekräftig ist auch die
Reaktion der italienischen Regierung. Die faschistische Premierministerin
Giorgia Meloni meinte am Vorabend, die Gewerkschaften hätten nur «Lust auf ein
verlängertes Wochenende». Sie sei auch an dieser Stelle daran erinnert, dass
die Arbeiter:innen durch den Streik einen Tageslohn verloren haben. Meloni
meinte dann auch, der Streik würde dem «palästinensischen Volk überhaupt nichts
bringen». Eine Behauptung, die wir handfest widerlegen können. Dem vorwärts
liegt eine WhatsApp-Nachricht eines Freundes aus Ramallah im Westjordanland
vor. Er schreibt: «Diese Proteste tragen dazu bei, ein Gleichgewicht und
Zusammengehörigkeitsgefühl für menschliche Werte und Konzepte zu schaffen, die
angesichts der Realität jener schmerzhaften Szenen, denen das palästinensische
Volk im Allgemeinen ausgesetzt ist, ins Wanken zu geraten schienen. Diese
Proteste helfen uns, uns von Gefühlen der Hilflosigkeit, Isolation und
Einsamkeit zu lösen und das Gefühl zu bekommen, dass wir nicht verlassen sind und
unsere Schmerzen und Leiden gehört werden.» Er fügt hinzu: «Dies schafft in uns
mit jedem Protestschrei gegen das, was geschieht, neue Hoffnung.
Ungerechtigkeit und Tyrannei haben Erfolg, wenn sie einen Menschen von seinen
Mitmenschen isolieren und ihm glauben machen, dass er allein ist. … Danke.»
Eine Lektion in
Sachen Solidarität
Die Arroganz der
Ministerpräsidentin erhielt auch eine beeindruckende Antwort von einer Seite,
von der man es nicht erwartet hätte: von den Insassen des Gefängnisses Dozza
bei Bologna, die im Rahmen des Wiedereingliederungsprogramms FID (Fare Impresa
in Dozza) arbeiten. In ihrem Brief schrieben sie: «Für uns Inhaftierte bedeutet
zur Arbeit zu gehen, einen Moment der Freiheit aus dem Gefängniskontext, in dem
wir leben. Dennoch verzichten wir auf einen Tag Freiheit und auf unseren Lohn.»
Und weiter: «Diese Entscheidung wurde getroffen, um unsere ganze Empörung über
den laufenden Völkermord auszudrücken und um die Menschen der Flotilla zu
unterstützen, die mit der einzigen Schuld verhaftet wurden, Botschafter:innen
der Menschlichkeit zu sein. Das ist das Mindeste, was wir tun können.»?Der
Brief der Gefangenen wurde an der Demonstration in Bologna von Michele
Bulgarelli, dem Generalsekretär der CGIL Bologna, vorgelesen. «Es ist ein sehr
bewegendes Dokument, das von einer Geste von grossem Wert zeugt», sagte er über
das Schreiben. Der Verzicht auf einen Tag ausserhalb der Gefängnismauern und
auf den Tageslohn sei eine «Entscheidung, die tiefen Respekt verdient und eine
starke Botschaft mit sich bringt», hielt Bulgarelli weiter fest. «Ich halte es
für notwendig, die grosse Lektion hervorzuheben, die uns von ihnen erreicht:
Sie erinnern uns daran, dass der Streik ein fundamentales Recht ist, ein Akt
der Würde und kollektiven Solidarität. Und dass diejenigen, die sich für einen
Streik entscheiden, immer Gehör und Respekt verdienen.»
Warum plötzlich?
Eine Frage bleibt offen: Wie
kam es zu diesen Massenprotesten im ganzen Land? Sicher, die Empörung über den
Genozid in Gaza ist gross. Immer mehr Menschen schreien laut: basta, es reicht!
Wir wollen nicht auf der Seite der Barbarei stehen. Aber reicht das? Auf diese
wichtigen Fragen werden wir vertieft in der Printausgabe eingehen, die am 21.
Oktober erscheinen wird. So viel sei aber verraten: Nein, Wut und Bestürzung
allein reichen nicht aus. Es braucht mehr, um zwei Millionen Menschen auf die
Strasse zu bringen.
(zas, 6.10.25) Am letzten Freitag kam es in den USA zu zwei wichtigen Nachrichten betreffs Venezuela. Einerseits killte die US-Armee nach Angaben von Kriegsminister Pete Hegseth die vier Insassen eines Bootes «gleich vor der Küste Venezuelas», aber in internationalen Gewässern. Wie gewohnt, veröffentlichte der Mann ein Video, auf dem man Ungenaues seihet, ohne weitere Ortsangabe und ohne Zeitstempel. Drogenhändler, super klar, von einem Kartell, wofür muss ein rechter Kerl da noch so etwas wie Indizien vorlegen? Ganz Krieger – er hatte kürzlich am Treffen der leitenden US-Armee-Figuren, an der Trump die US-Städte als Terrain für Kriegsübungen bezeichnete, gebieterisch nach einem «Kriegerethos» für gut trainierte Soldaten gerufen (please keine Frauen mehr, und auch keine verweichlichten Computernerds, die kaum was taugen) – ganz Krieger also, wusste er markig aufzutreten: «Diese Schläge werden weitergehen, bis die Angriffe auf die Amerikaner zu Ende gehen!!!».
Sein Boss bezeichnete gestern die Mordstreifzüge seiner Truppen in der Karibik als «act of kindness», als wohltätigen Akt. Denn wie sein Jünger im Pentagon weiss er die USA im erklärten Krieg mit den Drogendealern. Hegseth hatte schon vorgespurt: «Wenn du nördlich von Venezuela bist und du willst Drogen in die United States bringen, bist du ein legitimes Ziel.» Trump zu den Morden: «Es ist eine ziemlich rauhe Sache, die wir machen». Aber die dabei vernichteten Drogen hätten tausende von Amerikanern umgebracht. «Schaut man die Sache so an, machen wir einen wohltätigen Akt.» Das Herz fliesst dem Typen über: Zu den «Schlägen» meint er: «Wir sind darin so gut, dass es keine Boote mehr gibt – nicht mal Fischerboote».
Zum andern sagt der der Supreme Court ebenfalls am letzten Freitag ok. zum Plan des Weissen Hauses, rund 300'000 VenezolanerInnen, die unter dem TPS (temporary protected status), einer Art vorläufiger Aufnahme für Menschen aus Ländern mit Krieg, schweren Naturkatastrophen u. ä. legal in die USA eingewandert waren, zu deportieren. (Eine Routineübung des Obersten Gerichts: Mach die Leute schon mal fertig, später befinden wir, ob das voll i. O. war.) Nicht wenige der Betroffenen sind Anti-Chavistas, aber viele vielleicht nicht: Wer beantragt schon in den USA oder in Europa Asyl mit der Begründung, man flüchte vor (der durch die westlichen Sanktionen entfachten) Armut? Weshalb der Mainstream sonst überall Emigration sieht, bei Venezuela aber regelmässig einzig Flucht. So oder so: Diese Leute sind jetzt in Gefahr, im schwarzen Loch des globalen Abschiebelabyrinths zu verschwinden. No more American dream.