Gewaltsverherrlichung

Mittwoch, 20. September 2017



„Immobilienkrisen, das hat sich vor einigen Jahren in den USA oder in Spanien wieder gezeigt, rufen häufig grosse konjunkturelle Verwerfungen hervor. Beide Länder rutschten wegen geplatzter Immobilienblasen in eine schwere Rezession ab und brauchten lange, um sich zu erholen.“

NZZ, 20.9.17, Andrea Martel: Was kommt nach dem Immobilienboom?

(zas, 20.9.17) Es ist ja schon unerträglich oberflächlich, die Grossoffensive gegen die Unterklassen der halben Welt ab 2007 als Immobilienkrise zu bezeichnen. Doch ihre enorme Zerstörungskraft als „konjunkturelle Verwerfungen“ zu verkaufen, grenzt an Idiotie und/oder an Kriminalität. Welche Konstellation von Perversion gebiert die Idee, die zig Millionen Haushalte, die nur in den beiden genannten Ländern mit dem „Crash“ Loge und Job (und oft die Hoffnung) verloren haben; die seither eskalierende massenhafte Verschlimmerung von Arbeits- und Arbeitslosigkeitsverhältnissen; die damit verbundenen „Spardiktate“ etc. unter dem Begriff „Verwerfungen“ zu subsumieren?
Ach so, ja doch, man zeigt, dass man die VWL-Glaubenssätze gut verinnerlicht hat. Sind die Koordinaten der Unfehlbarkeit der Lehre erst einmal gegeben sind, darf man sogar „schwere Rezession“ sagen.
In ein ähnliches Kapitel gehört die Servilität des Diplomatie- und Strategie-„Experten“ von Radio SRF gestern Abend im Nachrichtenmagazin, als er Trumps UNO-Rede als überraschend diplomatisch, wenn auch noch nicht ganz staatsmännisch bezeichnete. Was beeindruckte den Typen, Steiger, der vor Jahren versucht hatte, sich in Delegationen an Weltsozialforen als Linker einzuschmeicheln und in jedem seiner Beiträge die Propaganda des Imperiums wiederkäut? Dass Trump die UNO nicht einfach zur Hölle wünschte. Dass Washington hartnäckig versucht, die UNO-Gremien unter Kontrolle zu bringen, kommt dem Simpel dabei nicht in den Sinn. Und so störten ihn die „total destruction“-Drohungen gegen Nord-Korea oder die Ankündigung einer Eskalation in ähnliche Richtung gegen den Iran auch nicht sonderlich.
Etwas Action hat ja der Diplomatie noch nie geschadet.
Solche Schweinereien/Stupiditäten sind Gewalt.