Brasilien: Frauen besetzen Nestlé-Hauptquartier, Protest gegen Wasserprivatisierung

Donnerstag, 22. März 2018

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22.03.2018 Brasilien / Politik / Umwelt / Wirtschaft

Aktivistinnen von der Landlosenbewegung MST besetzten den Nestlé-Sitz in São Lourenço, Brasilien
Aktivistinnen von der Landlosenbewegung MST besetzten den Nestlé-Sitz in São Lourenço, Brasilien
São Lourenço, Brasilien. Der Hauptsitz von Nestlé im brasilianischen São Lourenço ist am Dienstagmorgen von 600 Frauen besetzt worden. Die Aktivistinnen von der Landlosenbewegung MST protestierten gegen die Privatisierung von Wasser und verurteilten die Wasserlieferungen an internationale Konzerne durch die De-facto-Regierung von Michel Temer. Mit Sorge machten sie auf die Verhandlungen aufmerksam, die derzeit beim Internationalen Wasserforum in Brasília stattfinden.
"Stellen Sie sich vor, Sie sind gezwungen, das Wasser in Flaschen zu kaufen, um den Durst zu stillen. Niemand würde das ertragen. Genau das wollen aber die Unternehmen in diesem Moment bei diesem Forum”, erklärte Maria Gomes de Oliveira von der MST-Leitung. "Es ist sehr schlimm, ein internationales Forum für die Vermarktung unserer Wasserreserven zu schaffen. Sie sind nicht da, um das Management von irgendetwas zu diskutieren, sie machen eine Aktion, um das Land zum Preis von Bananen zu verkaufen”, sagte sie weiter.
Im Januar dieses Jahres trafen sich Temer und Nestlé-Chef Paul Bulcke, um über die Ausbeutung des Guaraní-Wasservorkommens zu diskutieren. Das Reservat umfasst vier Länder. Nach den Siegen der Konservativen in Argentinien und den parlamentarischen Staatstreichen in Paraguay und Brasilien könne nur Uruguay die Privatisierung verhindern. “Je mehr der Putsch sich vertieft, desto deutlicher wird der Einfluss großer Wirtschaftsgruppen auf die Politik und ihr Interesse an der Ausbeutung unserer natürlichen Reichtümer”, so Oliveira.
Der Nestlé-Konzern, der 10,5 Prozent des weltweiten Wassermarktes kontrolliert, sitzt seit 1994 in der Stadt, als es die Quellen und den Wasserpark São Lourenço kaufte. Seit 1997 protestiert die lokale Bevölkerung gegen die Ausbeutung des Mineralwassers, das vor der Privatisierung für medizinische Behandlungen genutzt wurde. Die Strömung hat sich reduziert und der Geschmack des Wassers geändert. Die Mineralsalze gehen verloren.
Die Vermarktung geschieht unter zwei Namen: São Lourenço und Pure Life. Letzteres geschah zwischen 1999 und 2004 ohne staatliche Lizenz, bis die Regierung Aécio Neves (PSDB) diese der Firma schenkte. Eine Zivilklage gegen Nestlé stellte allerdings fest, dass das produzierte Wasser nicht nur den Quellboden öffnete und die Magnesiumquelle austrocknet, sondern auch insgesamt illegal war. Nestlé hat alles Mineral mittels eines chemischen Prozesses aus der Flüssigkeit entfernt, um dann Mineralsalz hinzuzufügen, das sein eigenes Patent besitzt. Nach offiziellen Angaben werden pro Jahr 19 Millionen Liter Wasser abgefüllt.
Der Süden von Minas Gerais ist auch bekannt für den Kaffeanbau. Nestlé kontrolliert 22 Prozent der weltweiten Kaffeemarken. Viele davon kommen aus dieser Region. Die konventionelle Plantage, die hohe Mengen an Pestiziden braucht, beschäftigt jährlich Tausende von irregulären Arbeitern. Bezüglich der Missstände in den Kaffeeplantagen gibt es keine Kontrollen. 2015 mussten zwei Teenager, einer 14 und ein anderer 15-jährig, aus Plantagen gerettet werden, die Nestlé gehören.
Die Frauen der Landlosen-Bewegung gedachten bei ihrer Aktion auch Marielle Franco, die kürzlich in Rio de Janeiro ermordet wurde und fordern die Bestrafung der Verantwortlichen.
Nach der Demonstration im Hauptquartier von Nestlé stoppten Polizisten in einer Straße die Busse mit den Frauen, beschlagnahmte die Schlüssel von neun Fahrzeugen verhinderten Foto- und Filmaufnahmen und drohten, Mobiltelefone ebenfalls zu beschlagnahmen.