Kuba: Twitter spielt seine Macht aus

Dienstag, 25. September 2018


US-Kurznachrichtendienst blockierte erneut Nutzerkonto des Onlineportals Cubadebate
Volker Hermsdorf
Twitter-Nutzer in Kuba erfuhren im September zum zweiten Mal in diesem Jahr, was die westliche Wertegemeinschaft unter Meinungs- und Pressefreiheit versteht. Der US-Internetkonzern »Twitter« sperrte den Account des meistgelesenen Onlineportals Cubadebate.cu – ohne Angabe von Gründen – vom 6. bis zum 11. September. Nach massenhaften Protesten wurde der Informationsfluss erst am Dienstag vergangener Woche – ebenfalls ohne jeden Kommentar – wieder freigegeben.
Bereits im Mai hatte das Unternehmen mit Sitz in San Francisco die Nachrichten von Cubadebate für rund 24 Stunden blockiert. Damals hatte die Redaktion nach dem Absturz eines Flugzeuges beim Start in Havanna extra einen Sonderservice eingerichtet, um Angehörige und Bürger über die Rettungsarbeiten, sowie die Namen von Opfern und Überlebenden informieren zu können. Durch die Sperrung wurde dies ausgerechnet in der kritischsten Phase verhindert. Die von US-Diensten unterstützte Bloggerin Yoani Sánchez nutzte die Blockade durch Twitter für einen Generalangriff auf die »offiziellen« kubanischen Medien, denen sie »Geheimniskrämerei«, »fehlende Seriosität« und »fehlerhafte Darstellung von Informationen« vorwarf.