Kolumbien/Alarm: Sie morden in Cali

Samstag, 8. Mai 2021

 

Die in den sozialen Medien, vor allem auf der Facebookseite Univalle Unida zirkulierenden Videos zeigen die barbarischen Akte, die bewaffnete Gruppen gestern Nacht gegen TeilnehmerInnen des nationalen Streiks begingen.

Sie greifen in der Dämmerung an, aus dem Hinterhalt, feige, und schiessen wahllos aus rasch vorbeifahrenden Pick-Ups.

Der letzte Angriff fand um ca. 8 h nachts an diesem Freitag, dem 7. Mai 2021, im Sektor La Luna statt. Es gab einen Toten und drei Verletzte.

Sie setzten den Aktionsplan um, den die ultrarechte Politik, parfümierte soziale Kreise und makabre Sektoren der Streitkräfte öffentlich vorgeschlagen und privat ausgearbeitet haben: dieses nationale Aufbegehren liquidieren.

Ich habe die Demonstrationen journalistisch abgedeckt. Alle waren friedlich. In keiner sah ich Aufrufe zu Gewalt, zu Vandalismus, zu Zerstörung. Die Gesichter der Männer und Frauen, die meisten jung, widerspiegeln Liebenswürdigkeit und in ihren Augen sieht man die Hoffnung auf eine bessere Welt.

Warum schiessen sie auf sie? Warum ermorden sie sie?

Duque, verhandeln Sie mit dem Streik. Benutzen Sie nicht diese schmutzige Strategie, um die Leute fertigzumachen, die Stadt de Vandalen auszuliefern, um Stimmung gegen den sozialen Protest zu machen; eine Tragödie an den Tankstellen zu forcieren; und vor allem zuzulassen, dass aus kriminellen Händen Tod, Terror und Repression gegen ein Problem kommt, das mit REDEN und den Comunidades ZUHÖREN gelöst werden kann.

Die sozialen Organisationen, die Berufsvereinigungen, alle kolumbianischen Schichten, die Kirche, die ehrlichen Medien, die NGOs, die internationale Gemeinschaft, und vor allem die Jungen, die nicht den Tod suchen, nur weil sie von einem anständigen Land träumen, verlangen dies.

SCHLUSS MIT DEN MORDEN!

Cali, 8. Mai 2021.

Rául Ramírez

Journalist

 

Mit Kriminellen gibt es kein Verhandeln.

 

Landesstreik in Kolumbien

 Monica Granda*

 2019 verkündete die Regierung Duque eine Reform, um die kolumbianische Oligarchie von der Steuerbezahlung auszunehmen, du. Die Folge: leere Staatskassen, die es wieder zu füllen gilt. Also hat Duque dieses Jahr eine zweite Steuerreform vorangetrieben, zulasten der Mittelschicht und der Lohnabhängigen. Grundsätzlich solle die Reform die Mehrwertsteuer auf allen Konsumgütern erhöhen und sogar die Renten besteuern und damit beschneiden, während die grossen Vermögen weniger Steuern bezahlen sollten.

 Die Demonstration vom 28. April war vom nationalen Streikkomitee, einem Zusammenschluss von Gewerkschaftbünden und wichtigen unabhängigen Einzelgewerkschaften, organisiert worden.  Schätzungsweise 5 Millionen Leute waren vom ersten Tag an mobilisiert, nicht nur in den grossen Städten wie Bogotá, Cali, Medellín oder Barranquilla, sondern auch in den kleinsten Ortschaften. Und wer nicht auf die Strasse gehen konnte, nahm zum Beispiel mit einem cacerolazo (Pfannendeckel schlagen) am Fenster oder auf dem Balkon teil. Die Bauern haben sich der Bewegung angeschlossen: Auf dem Land wird auf dem Moto, zu Pferd oder zu Fuss auf den Wegen demonstriert. Die Verbindungsstrassen wie die Panamerica werden von solidarischen Camionneuren und Taxis blockiert. Die in der Minga oder im CRIC (Comité Regional Indígena del Cauca) organisierten indigenen Comunidades sind nach Cali gezogen. Aus den Spitälern kommen Fotos der Pflegenden mit Unterstützungsbotschaften für den Streik.

Beteiligt sind vor allem unorganisierte Menschen, die spontan den Aufrufen in den Social Media gefolgt sind. Jede und jeder hat ein Instrument, ein selber gemachtes Transparent oder eine Verkleidung beigetragen. Sie mussten sich schnell gegen die Repression organisieren, die vom ersten Tag an schlimm war und seither stets zunimmt, vor allem seit dem Ruf von Ex-Präsident Álvaro Uribe nach Einsatz der Schusswaffen gegen die Mengen. Am 1. Mai militarisierte Duque die Städte; aus Helikoptern werden die Leute mit scharfer Munition beschossen, Panzer kreuzen auf den Strassen, die Soldaten schiessen auf die Fenster der Wohnungen, Cali und die Umgebung werden wortwörtlich belagert. Die Bilanz ist schon am 2. Mai gravierend: 26 Tote (offizielle Angaben), die meisten um die 20, aber auch ein 11-jähriges Kind; 56 Fälle von Verschwindenlassen; 761 willkürliche Verhaftungen; 9 Vergewaltigungen und 17 Menschen, denen ein Auge ausgeschossen wurde.

Im Mass, wie die Bewegung anhält und sich im Lauf der Tage verbreitert hat, sind die Forderungen radikaler geworden. Statuen wurden gestürzt, jene des spanischen Konquistadors Sebastián de Belalcázar, des ehemaligen Präsidenten Pastrana oder des faschistischen Politikers Gilberto Alzate Avendaña. Tatsächlich wird die ganze Regierung Duque in Frage gestellt. Das war schon vorher so, aber Duques katastrophales Management der Pandemie hat die Unzufriedenheit nur noch vergrössert. Vergessen wir nicht, dass, als sich die soziale Bewegung zu organisieren begann, zahlreiche Politiker unter einem Vorwand nach Miami flogen, um sich dort impfen zu lassen. Also nicht einmal die korrupte Elite konnte auf die ersten Dosen zählen…

Am 2. Mai wurde die Steuerreform zurückgenommen, aber die Bewegung geht weiter. Finanzminister Alberto Carrasquilla trat am folgenden Tag zurück, aber das half nicht, das Volk ist weiter auf der Strasse. Man fordert jetzt die Abschaffung der Gesundheits- und Rentenreform, einen Sozialplan auf dem Land, den Stopp der Glyphosatbesprühungen auf den Cocafeldern und auch die Umsetzung der Friedensabkommen von Havanna. Denn im Land herrscht kein Frieden, im Gegenteil: Allein dieses Jahr gab es bis zu den aktuellen Mobilisierungen 79 Politmorde und 35 Massaker.

Die soziale Lage in Kolumbien ist dramatisch. Wir haben nach Honduras die zweitgrösste Ungleichheit im Kontinent. Und doch ist das Land reich: Erdöl, Metalle, Palmöl, Bananen, Viehzucht – alles für den Export, der die Profite der Multis alimentiert. Die Leute haben sehr wenig davon, ein Fünftel der Bevölkerung hat nicht genug zu essen. Das Budget geht zu 24 Prozent in den Schuldendienst und zu 13 Prozent in die Sicherheitskräfte. Weniger als 4 Prozent der Bevölkerung sind geimpft (Chile 36 Prozent), doch die Regierung will fast € 4 Milliarden für den Erwerb von Kampfflugzeugen für den Krieg gegen das eigene Volk ausgeben. Der Staat hat die ländlichen Gebiete, und da vor allem die Kinder, total aufgegeben. Im Vergleich zu den Armeeausgaben sind die Budgets für Gesundheit und Erziehung (11 respektive 15 Prozent) jämmerlich. Frankreich etwa gibt 3 Prozent seines Budgets für Verteidigung und mehr als 77 Prozent für Gesundheit, öffentliche Dienstleistungen und soziale Absicherung aus.

Diese Mobilisierung bedeutet an sich schon einen echten Sieg. Es handelt sich um die zweite grosse Massenmobilisierung seit 1977. Die Forderungen sind radikal, ebenso die Aktionen: Banken sind im Visier, ebenso die Mautstellen, Symbole für die Fiskalreforn. Eine soziale Bewegung dieses Ausmasses in Gang zu halten, ist schwierig, vor allem in einem Land, in dem 40 Prozent der Arbeitenden vertragslos sind, und in dem für viele von ihnen die Strasse der Arbeitsplatz ist. Die Streikkomitees müssen sich deshalb erweitern, um die Kämpfe breit abstützen und der Situation aller, die das Land verändern wollen, Rechnung tragen zu können. Standhaftigkeit wird nötig sein, gegen die Repression und die Versuche, die Bewegung zu schwächen. Man wird auch darauf gefasst sein müssen, dass die Regierung das Land an die Wand fahren will und gewisse Regionen von der Versorgung abgeschnitten sein werden. Bekannt ist auch der Rückgriff auf professionelle (in jedem Fall bezahlte) Vandalen. Das Volk wird sich auch gegen die Repression organisieren müssen. Seit Anfang Mai häufen sich die Berichte über die Präsenz von Paramilitärs auf den Strassen. Die Rücknahme der Steuerreform reicht nicht, das ist den Kolumbianerinnen und Kolumbianern klar. Sie verlangen den Sturz der Regierung, das Ende der Herrschaft der Oligarchie und die Erlangung der Demokratie. Das wird nicht ohne eine organisierte Bewegung möglich sein, denn der Feind ist organisiert. Die Herausforderung ist gross, aber auch die Fähigkeit des kolumbianischen Volkes.

 

·         Mitglied des Gemeinderates von Genf.

Proteste in Kolumbien unaufhaltsam: Verhängung des Ausnahmezustands möglich

 https://amerika21.de/2021/05/250350/ausnahmezustand-kolumbien-moeglich

37 Tote. Große Demonstrationen am Mittwoch. Brutale Angriffe in Medellín. Internet-Blockaden. Sicherheitskräfte von Neo-Nazi unterrichtet
Trotz der massiven Polizeigewalt strömen die Protestierenden weiterhin auf die Straßen

Bogotá/Medellín. Oppositionelle haben am Mittwochabend über eine bevorstehende Erklärung des Ausnahmezustands durch Präsident Iván Duque berichtet. Die Informationsquelle sei vertrauenswürdig, teilte der Abgeordnete David Ravelo mit. Menschenrechtler:innen befürchten, dass die extreme Gewalt der letzten Tage gegen die Protestbewegung dadurch aufrechterhalten wird. Seit dem ersten Tag des Generalstreiks hat die Polizei Berichten zufolge landesweit 37 Personen getötet und 87 sind verschwunden.

Zwar hat Duque am Mittwoch einen "nationalen Dialog" angefangen, jedoch nicht mit Sprecher:innen des Generalstreiks. Mit ihnen will er sich am Montag treffen. Aufgrund dessen erhob der Senator Iván Cepeda die Frage, ob die Regierung "einen echten Dialog mit der sozialen Bewegung will oder ein nutzloses Gespräch, um den Streik zu schwächen, während er das Dekret zum Ausnahmezustand vorbereitet".

Trotz der starken Polizeigewalt der Vortage strömten am Mittwoch wieder Gewerkschaften, Studierende, Indigene, Kleinbäuer:innen und viele Jugendliche friedlich auf die Straßen und Plätze des Landes. Sie lehnten die "schlechte Regierung Duques" ab, forderten das Ende der staatlichen Gewalt, die Abschaffung der Sonderpolizeieinheit Esmad sowie die Rücknahme der Gesundheitsreform, die sie genauso problematisch sehen wie die Steuerreform, die den Generalstreik in Gang setzte.

Am Abend griff die Polizei die Proteste in Medellín massiv an: "Bevor uns die Polizei im Bereich des Parks der Wünsche angriff, wurde der Strom in der Umgebung abgeschaltet. Die Polizei griff uns dann im Schutze der Dunkelheit brutal an", sagt eine Demonstrantin gegenüber amerika21. "Es gab so viele Verletzte“, erzählt ein Rettungssanitäter diesem Portal. Die Polizei hat "mit Tränengasgranaten auf die Verletzten und Sanitäter geschossen. Selbst die Personen, die sich schon innerhalb des Krankenhausbereiches befanden, wurden von der Polizei mit Tränengas attackiert."

Auch ein Notarzt aus Medellín berichtet gegenüber amerika21, dass an dem Abend "eine schwangere Frau von Sicherheitskräften der Polizei geschlagen" wurde, weil sie versucht hat, ihre minderjährige Schwester vor der Polizei zu schützen.

Des weiteren haben Demonstrierende erzählt, dass sie zivile bewaffnete Personen auf den Straßen beobachtet haben, die nicht von der Polizei kontrolliert wurden. In der Stadt Pereira haben Bewaffnete am Mittwoch die Protestteilnehmer Lucas Villa und Miguel Ciro erschossen.

Die Benutzung von Feuerwaffen gegen Menschenversammlungen ist in den letzten Tagen zur Gewohnheit geworden. Auch aus Helikoptern hat die Polizei auf die Bevölkerung geschossen, wie die Bewohner:innen der Stadt Buga am Mittwoch dokumentierten. Am Dienstag hatte der Senator Alexander López in Siloé, einem Viertel von Cali, ebenfalls Angriffe mit Feuerwaffen "aus der Luft und am Boden" angeprangert.

Seit dem 28. April hat die Menschenrechtsorganisation "Erdbeben" (Temblores) landesweit über 1.700 Fälle von Polizeigewalt registriert. Dazu zählen unter anderem zehn Fälle sexueller Gewalt, 22 Fälle von Augenverletzungen, über 830 willkürliche Festnahmen und über 220 Verletzte.

Darüber hinaus gibt es seit Dienstag immer wieder unerklärliche Internetausfälle. Es geht dabei um Zensur, schrieb das Nachrichtenportal Colombia Informa: "Sie unterbrechen das Internet-Signal, um zu verhindern, dass die Leute die polizeiliche Brutalität durch Liveübertragungen weiter anprangern." Die britische Organisation NetBlocks, die die Internetfreiheit weltweit nachverfolgt, bestätigte diese Information. Echtzeit-Netzwerkdaten zeigten, dass das Internet in Cali gestört wurde, "während die Protestierenden Opfer tödlicher Gewalt durch die Behörden wurden".

Auch Reporter ohne Grenzen und die Stiftung für Pressefreiheit (Fundación para la Libertad de Prensa, FLIP) berichteten über "ein noch nie dagewesenes Ausmaß an Gewalt gegen die Presse" seit Beginn des Generalstreiks. Die Organisationen registrierten 40 Fälle von Polizeigewalt gegen Journalist:innen. Diese seien keine Zufälle, sondern "Angriffe, um die Presse einzuschüchtern, Angst zu erzeugen und sie zu zensieren".

Oppositionelle werfen Álvaro Uribe, dem ultrarechten Politiker, Ex-Präsidenten und Mentor des amtierenden Präsidenten Duque vor, mit seinen Tweets zur Eskalation der Gewalt aufgerufen zu haben. Zuletzt hat er eine Liste von Empfehlungen gepostet. Dazu gehören "die Stärkung der Streitkräfte", "die Anerkennung, dass der Terrorismus größer ist als gedacht" und Widerstand gegen "die zerstreute molekulare Revolution" zu leisten.

Letzteres ist ein Begriff der Militärdoktrin des chilenischen Neo-Nazis Alexis López. Der Chilene hat in letzter Zeit die kolumbianischen Streitkräfte unterrichtet. Auch die Polizei benutzt den Begriff. Soziale Ausbrüche wie in Chile und Kolumbien, die sich molekular – also wie verstreute Störungen – verhalten, seien Teil eines Zerstörungsplans. Dahinter steckten bewaffnete Kräfte wie die Guerillas. Eine entsprechende Aussage kam vom Verteidigungsminister Diego Molano, dass es in den Mobilisierungen "einen städtischen, vorsätzlichen und systematischen Terrorismus" gebe.

 

Kolumbien: Ein Konzert (Video)

Donnerstag, 6. Mai 2021

 


Gesichter des Faschismus (El Salvador, Kolumbien, Schweiz)

 

Gesichter des Faschismus (El Salvador, Kolumbien, Schweiz)

(zas, 6.5.21) Der Faschismus hat viele Gesichter. In Kolumbien werden protestierenden Kids auf der Strasse von einer entfesselten Soldateska/Polizei erschossen (31 Tote sind bisher bestätigt). Die Leute sind unverschämt und versuchen sich zu wehren. In Bogotá sind 16 Polizeiposten angegriffen und einer (berüchtigt wegen der Vergewaltigung einer Gefangenen) in Brand gesteckt worden. Worauf die Stadt militarisiert wurde. Wie die Bürgermeisterin meinte: Die Armee beschützt die Polizei. In Cali dringen die Sicherheitskräfte in Wohnhäuser ein und terrorisieren die Menschen. Besorgnis macht sich in Investorenkreisen breit: Verliert die Regierung die Kontrolle über die Lage, drohen gar die Profite im offiziellen NATO-Partner zu schwächeln?

………..

In El Salvador nimmt der zum Faschismus tendierende Prozess im Moment surreale Züge an. Wie berichtet, hat Regierung am 1. Mai via ihre Mehrheit in dem erstmals in neuer Zusammensetzung tagenden Parlament die Verfassungskammer und den Generalstaatsanwalt putschartig mit gehorsamem Personal ersetzt. (Ein Motiv für die Eile : Die Verfassungskammer hatte gerade Unterlagen einer von der OAS geleiteten Kommission über korrupte Praktiken im Pandemiezusammenhang zu bearbeiten begonnen). Internationale Kritik an der Aushebelung des als Gewaltenteilung bekannten Mechanismus kam auf. Präsident Nayib Bukele rief darauf die BotschafterInnen im Land zu einer Aussprache am Donnerstag ein. Alle kamen, ausser dem US-Vertreter. Es war ein erklärtermassen privater Anlass ohne Aufnahme. Überraschung: Am Mittwoch mussten alle TV- und Radiostationen einen Mitschnitt des Treffens ausstrahlen. Diplomatisches Geschirr ist zerbrochen. Man konnte sehen, wie er die BotschafterInnen zusammenscheisst für ihre «tendenziösen» Berichte nachhause. Message an seine Fan-Gemeinde: Seht, wie ich denen in unser aller Namen die Stirn biete. Soit. Für einmal ist einem ehemaligen deutschen Botschafter im Land, Heinrich Haupt, zuzustimmen. Bukele hatte am Treffen in Bezug auf die westliche Kritik an seinem Handeln gemeint: «Ein Freund kann irren. Auch viele Freunde können irren. Dass fünf das Gleiche denken, heisst nicht, dass sie recht haben. In Deutschland haben Millionen, Dutzende von Millionen gedacht, dass es gut sei, Juden in den Öfen zu verbrennen.» Haupt antwortete: «#BukeleDictator verletzt das Gedenken an die unschuldigen Opfer der Nazis, wenn er sich mit ihnen vergleicht.»

Gestern nun tagte das neue Parlament zum zweiten Mal. Wieder ohne Diskussion verabschiedeten die rabiaten Antikorruptionskämpen auf Geheiss ihres als Präsident fungierenden Messias ein Gesetz, das restlos alle Vorgänge im Pandemiezusammenhang im ausgelöst vom Gesundheitsministerium (Einkäufe, Falschbehandlung von PatientInnen, BeraterInnen, ausländische Dealpartner u. v. m.) jeglicher zivil- oder strafrechtlichen Verfolgung entzieht. Einige der oben erwähnten Unterlagen betrafen millionenschwere Korruptionsvorgänge in dem von einem Cousin des Präsidenten geleiteten Gesundheitsministerium wie nur zum Beispiel einen $ 12-Millionen-Deal für medizinisches Schutzmaterial mit einem Autoersatzteilhändler in Spanien.

………..

In der Schweiz wie in anderen Kapitalzentren entsteht derweil Unruhe. Die Administration Biden spricht sich für eine temporäre Aufhebung des Patentschutzes bei Covid-19-Impfstoffen aus. Grauenhaft. Privatinitiative abgewürgt, die Zukunft der Menschheit auf dem Spiel. Und das alles nur, damit der grosse Teil der Menschheit deutlich vor 2024/25 Zugang zu einer Impfung erhält (falls tatsächlich je was wird aus der Ankündigung).  

Polizei in Kolumbien beschießt UNO, "Bürgerkriegsszenen" in der Stadt Cali

Mittwoch, 5. Mai 2021

 https://amerika21.de/2021/05/250284/polizei-uno-cali-kolumbien


Cali komplett militarisiert. Weiterhin Barrikaden. Massaker in Stadtteil Siloé. 31 Tote landesweit durch Polizeigewalt. Proteste gehen weiter
Die Bevölkerung in Cali ruft um Hilfe
Die Bevölkerung in Cali ruft um Hilfe

Cali. Die kolumbianische Polizei hat am 3. Mai eine Beobachtungsmission der Vereinten Nationen mit Schusswaffen angegriffen. Die Vertreterin des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, Juliette de Rivero, erklärte am folgenden Tag, es sei niemand verletzt worden. Ihre Kollegin Marta Hurtado sagte: "Wir sind zutiefst beunruhigt über die Entwicklungen in der Stadt Cali in Kolumbien, wo die Polizei über Nacht das Feuer auf Demonstranten eröffnete, wobei Berichten zufolge mehrere Menschen getötet und verletzt wurden. Unser Büro in Kolumbien arbeitet daran, die genaue Zahl der Opfer zu überprüfen und herauszufinden, wie es zu diesem schrecklichen Vorfall in Cali kam."

Seit dem 28. April befindet sich die drittgrößte Stadt des Landes im Ausnahmezustand. Zusammenstöße zwischen Demonstrierenden, Polizei und Militär forderten bereits mindestens 31 Tote. Cali liegt im südlichen Departamento Valle de Cauca. Dort sind fast alle größeren Städte blockiert und der Verkehr zwischen den Orten ist seit Tagen nicht mehr möglich.

Die UNO betonte, dass sich Ordnungskräfte stets an die Grundsätze der Legalität, der Vorsicht und der Verhältnismäßigkeit halten müssten. Schusswaffen dürften nur als letztes Mittel gegen eine unmittelbare Bedrohung des Lebens oder der schweren Verletzung eingesetzt werden.

Dementgegen rechtfertigte der ehemalige Präsident Álvaro Uribe am Freitag auf Twitter den Einsatz von Waffen gegen Demonstrierende. Er schrieb: "Wir unterstützen das Recht von Soldaten und Polizisten, ihre Waffen zu benutzen, um ihre Integrität zu verteidigen sowie um Menschen und privates Eigentum vor kriminellen Aktionen des Vandalismus-Terrorismus zu schützen." Twitter sperrte daraufhin das Profil des Expräsidenten wegen Aufruf zur Gewalt. Der amtierende Präsident Iván Duque argumentierte, dass die militärische Unterstützung "in der Verfassung verankert ist", und entsandte Hunderte Soldaten nach Cali.

Die massive Militarisierung der Stadt führte zum bisher traurigen Höhepunkt der Proteste in der Nacht vom 3. auf den 4. Mai. Offizielle Zahlen sind noch nicht bekannt, da nicht einmal Menschenrechtsorganisationen sich an die Orte der Auseinandersetzungen begeben können. Zeugenberichte gegenüber amerika21 gehen von mindestens 15 Toten aus. Alleine im Stadtviertel Siloé wurden sechs Menschen getötet. Laut Beobachtern spielen sich "Szenen wie im Bürgerkrieg" und "Massaker an der Zivilbevölkerung" ab.

Dies nimmt die internationale Öffentlichkeit wahr. Am 4. Mai bekundeten nicht nur die UNO sondern auch andere Menschenrechtsorganisationen ihre Kritik.

Das progressive politische Forum "Puebla-Gruppe" kritisierte die Gewalt der Polizei und der Armee und fordert Duque auf, das Recht auf friedlichen Protest zu respektieren. Die Organisation verurteilte auch den Einsatz von Waffen durch die Ordnungskräfte gegen die Bevölkerung und nannte dies einen "rücksichtslosen und unverantwortlichen" Akt.

"Von der ESMAD ermordet" wurde der Graffiti-Künstler am 2. Mai
"Von der ESMAD ermordet" wurde der Graffiti-Künstler am 2. Mai

Alle Zufahrten nach Cali sind weiterhin von Blockaden und Barrikaden versperrt, Autos und Lastwagen kommen weder in die Stadt hinein noch hinaus. Geschäfte und Apotheken öffnen unregelmäßig und bedienen nur durch kleine Fenster. Viele Menschen schließen sich ein und gehen seit Tagen nicht auf die Straße. Militär- und Polizei-Hubschrauber kreisen 24 Stunden am Tag über den Vierteln. Schüsse sind zu hören und Tränengas sowie Rauch hängen in der Luft. Busstationen liegen in Schutt und Asche, ausgebrannte Busse sind auf den Routen stehengeblieben, Banken sind entglast und in den Automaten ist kein Bargeld mehr vorhanden. Waren wie Eier werden knapp. Vor den wenigen offenen Läden bilden sich lange Menschenschlangen.

Trotzdem sind täglich Tausende Menschen auf Demonstrationen und bei den Blockaden. Vor allem Jugendliche und die Mittel- und Unterschicht verschaffen ihren Forderungen auf viele Arten Gehör. Obowhl Präsident Duque am Sonntag die Rücknahme der Steuerreform ankündigte und der Finanzminister am Montag zurücktrat, gehen die Proteste weiter.

Mittlerweile entlädt sich die massive Unzufriedenheit der Bevölkerung und die Angst vor Verarmung in der Forderung nach Duques Rücktritt und einem politischen Umsturz. Im letzten Jahr ist die Zahl der Menschen in Armut weiter gestiegen, heute leben 42 Prozent der Kolumbianer unter der Armutsgrenze.

Erst als am 2. Mai der Graffitikünstler Nicolás Guerrero, ein Verwandter des Bürgermeisters von Cali, Jorge Iván Ospina, von einer Kugel in den Kopf getroffen wurde und daraufhin verstarb, kritisierte der Amtsträger den unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt. Ospina berief in der Horrornacht vom 3. auf den 4. Mai gegen Mitternacht ein Treffen ein, bei dem allerdings keine Lösungsvorschläge vorgebracht wurden, sondern lediglich auf die Wichtigkeit der Räumung der Blockaden für die Wirtschaft hingewiesen wurde.