Venezuela: Weiter Konflikt um Wahlergebnis

Donnerstag, 18. April 2013

18. Apr 2013 | Venezuela | Politik

Maduro kündigt "Regierung der Straße" an. Übersicht über Tote und Verletzte während der Übergriffe. PSUV will alle 39.000 Belege der Wahltische online stellen

Venezuela: Organisierung gegen den Putschversuch

17. Apr 2013 | Venezuela | Politik | Soziale Bewegungen

Soziale Bewegungen gründen Front zur Verteidigung der Revolution

DruckversionEinem Freund senden
Caracas. Am gestrigen Dienstag haben mehr als 50 Basisorganisationen auf einer Pressekonferenz in Caracas die Gründung der "Volksfront zur Verteidigung der Revolution und des Friedens" bekannt gegeben. Sie wiesen auf die latente Gefahr eines "langsamen Staatsstreiches" hin. Die Sprecher des neuen Bündnisses riefen zur "Einheit der revolutionären Kräfte" auf und forderten die Gründung von "Kommandos und Komitees zur Verteidigung der Revolution".
Des Weiteren unterstrichen sie ihre Unterstützung für den gewählten Präsidenten Nicolás Maduro, den Wahlrat CNE und dessen Vorsitzende Tibisay Lucena. "Der Genosse Nicolás Maduro wird derjenige sein, der gemeinsam mit uns die nächsten sechs Jahre regiert", sagte einer der Sprecher vor den Kameras des staatlichen Fernsehsenders VTV.
"Wir unterstützen bedingungslos den Nationalen Wahlrat (CNE), der Garant für den Aufbau der partizipativen Demokratie ist und der, dank dem sichersten und transparentesten Wahlsystem der Welt, dem Volk das Vertrauen in seine Wahlstimme zurückgegeben hat."

In dem verlesenen Kommuniqué richteten sie sich an Präsident Maduro, die Streitkräfte, den Parlamentspräsidenten Diosdado Cabello und weitere Personen der Regierung, sowie an die verschiedenen Parteien, die den politischen Prozess unterstützen, aber auch an die Kommunalen Räte (Consejos Comunales) und die internationale Gemeinschaft.
Die Kollektive verurteilten die Gewaltakte der letzten Tage, für die sie Henrique Capriles Radonski, dessen Mitarbeiter im Wahlkampfstab, Leopoldo López, und den "Tisch der Demokratischen Einheit" (MUD) verantwortlich machten. "Wir stehen hinter Paralamentspräsident Diosdado Cabello und den Maßnahmen die die Nationalversammlung treffen wird", sagten sie in Bezug auf eventuelle rechtliche Schritte gegen den unterlegenen Kandidaten Capriles wegen seiner möglichen Verstrickung in die Gewaltakte.
Die organisierte Bevölkerung solle versuchen, mit Unruhestiftern zu reden, sie von der Unrechtmäßigkeit und latenten Gefahr ihres Handelns überzeugen, sobald erneut gegen öffentliche Einrichtungen, Ärztehäuser oder ähnliches vorgegangen werden sollte. Die Kollektive unterstrichen damit die Wichtigkeit des Dialogs. "Das bolivarische und chavistische Volk ist friedlich aber vor dem Hintergrund der Empörung die diese Akte auslösen, sollte es seine Erfolge, seine Sicherheit, sein Leben und das Leben des Vaterlandes verteidigen."
Die neu gegründete Front forderte weitergehend die Regierung auf, allen Unternehmen die sich an dem am Montag angedrohten Generalstreik beteiligen sollten, die Möglichkeit zu entziehen über die staatlichen Mechanismen Devisen zu erhalten. In diesem Zuge riefen sie die Fabrikeigentümer und Händler des Landes auf, die Auslieferung der Waren zu gewährleisten.

Venezuela: Stimmungslage

Mittwoch, 17. April 2013



Von einem indirekten Schweizer Bekannten aus Venezuela zwei Stimmungsberichte:

15.4.13

Guten Morgen!
So wie Du sehe ich es auch. Es bestaetigen sich mit dem Verhalten von H.Capriles meine besorgten Zeilen der letzten Woche, als ich  u.a. von den Aktivitaeten der hiesigen US-Botschaft  und der USA berichtete. 
Wie dieser Capriles als" friedliebendes Laemmchen"  die Menschen gestern im TV aufhetzte, spottet jeder Beschreibung! Selbst meine Frau, die fuer ihn gewaehlt hat - sie meint, er sei das kleinere Uebel und besser fuer die Wirtschaft- war fassungslos, als wir ihn hoerten, wie er den Frieden beschwor, die violencia ablehnte und zur gleichen Zeit seine Anhaenger in fast allen Staedten des Landes "Wahlbetrug" schrieen und Chaos auf die Strasse zu bringen versuchten. Bei einer kleinen Rundfahrt um mehrere Haeuserblocks herum in unserem Stadtteil Chacao gegen 9 pm stoerte uns nicht der Cazerolazzo ( Topfschlagen als Zeichen des Protestes gegen die Vorbereitungen im CNE (Consejo Nacional Electoral) - Maduro wurde dort von der Wahlbehoerde, den Ministern, den internationalen Wahlbeobachtern und vielen Diplomaten begruesst-  uns stoerte vielmehr,  dass unsere quasi Nachbarn erwartungsvoll in Richtung Hauptstrasse (Avenida Miranda) schauten, wo Muell und Autoreifen auf die Strasse geworfen wurden. In ihren Gesichtern spiegelte sich Siegesgewissheit vermischt mit Hass wider. Capriles hat es offen gesagt- er wird die Menschen in den naechsten Tagen " auf die Strasse bringen"-natuerlich immer " friedlich", um eine Nachzaehlung durchzusetzen -ein ganz grosser  Scharlatan! Am Freitag soll die Vereidigung von Maduro stattfinden. Was fuer eine Missachtung der Wahlbehoerde, des vorher weltweit gelobten Wahlsystems (Charter-Zentrum " ..das beste Wahlsystem der Welt"!) und der ueber 200 Wahlbeobachter! Ploetzlich soll ueberall im Land Capriles die meisten Stimmen gehabt haben. Man kann nur hoffen, dass die Vernunft den Hass dieser verfuehrten Menschen besiegt und die oeffentliche Ordnung mit allen rechtlichen Mitteln aufrecht erhalten bleibt.

Mit freundlichen Gruessen, auch von meiner Frau
____
17.4.13
Hallo, hier meine Antwort auf das Video mit den Toten: war
 Fuer die 7 Toten und das momentane Chaos ist niemand anders verantwortlich als der durch und durch  verlogene Aufhetzer H.Capriles Radonski ! Er sollte so schnell wie moeglich verhaftet werden! Das ist auch geplant - zusammen mit 3 anderen. Er war es,  der die Menschen am Sonntagabend  aufrief" ihre Stimme zu verteidigen", worauf sofort  das Chaos begann -unser Dienstmaedchen aus Petare konnte 3 Tage nichts einkaufen, weil die Anhaenger von Capriles die Strassen blockiert hatten,  sie traute sich auch nicht auf die Strasse wegen der Schiesserei. Tausende von armen Leuten waren wie sie von Sonntagabend bis Mittwochmorgen eingeschlossen, viele ohne Wasser. Sie klagt die Capriles-Anhaenger an, weil sie jetzt nicht mehr in den Gesundheitsposten der Kubaner gehen kann - 7 Zentren wurden im Land zerstoert, auch abgefackelt- dabei hatte Sarah fuer Capriles gewaehlt! Auch meine Frau sieht jetzt ein, dass sie fuer einen Fachisten erster Ordnung gewaehlt hat und verurteilt sein Verhalten. Uebrigens hat die Familie von Capriles bereits das Land verlassen. In New York hat C. eine Wohnung. Hoffentlich gelingt ihm nicht die Flucht!
 Diese Opposition muss mit ganz harter Hand angefasst werden, eine andere Sprache versteht sie nicht. Gluecklicherweise steht das Militaer voll zur Konstitution und damit zu den 7.505.338 Venezolanern, die Maduro gewaehlt haben.Ohne Hugo Chavez- die Verfassung ist sein Werk( und das des Volkes!!) waere das nicht moeglich gewesen .Und UNASUR ist auch ihm zu verdanken -ganz wichtig fuer die Solidaritaet der suedamerikanischen Laender! Die Bedeutung von H.Chavez fuer Lateinamerika ist ueberhaupt nicht zu unterschaetzen !

Der Colmo: Ein Deutsch-Venezolaner sagte mir heute, es muesste noch viel mehr passieren. Warum? Damit wir" aus diesem Chaos rauskommen"- was fuer eine hirnverbrannte Logik.Und der will mir weismachen, die Chavisten haetten selber die 7 Gesundheitsposten zerstoert und die kubanischen Aerzte verpruegelt.! Dummheit und Blindheit kennt einfach keine Grenzen!!

Noch eine ( fast) lustige Notiz zum Schluss: In einer Waescherei,  2 Minuten von uns entfernt- sie gehoert Capriles- verkaufen sie neuerdings rote Hemden,  die Verkaeufer/Innen ziehen aber abends zum Cazerolazzo (Topfdeckelschlagen) weisse Hemden  an-was fuer Feiglinge !!! Ahnen sie, dass ihre Zeit abgelaufen ist?



Gruesse!

Venezuela: Erfolg, nicht Schlappe

Montag, 15. April 2013



(zas, 15.4.13) Der Sieg von Nicolás Maduro hätte grösser ausfallen dürfen, keine Frage.  In den kommenden Tagen werden  wir genauere Analysenelemente haben: Wer ging jetzt warum nicht wählen, im Gegensatz zum Oktober 2012 (Wahlsieg von Chávez); wer wechselte warum  die Seite, etc.?
Ein paar Dinge lassen sich jetzt schon sagen:
1.            Maduro, die Linke, hat gewonnen, nicht die Rechte! Der hiesige Medientenor verdreht diesen „lästigen Umstand“ in sein Gegenteil: Maduro sei nicht legitimiert, für das Projekt zu regieren, für das er angetreten ist. Er müsse auf den erneuten Wahlverlierer Capriles „zugehen“, auch auf Washington. Nicht etwa diese auch auf ihn – oh no! Aber, trotz dieser Stimmungsmache: Die Chavistas haben gesiegt, die Veränderung geht weiter.
2.            Nach Berichten von FreundInnen in Venezuela war diese Wahlkampagne trotz ihrer Kürze die bisher gewalttätigste, vor allem in den Volksquartieren. Psychische Gewalt; rechte Stosstrupps in den Armutszonen mit der Botschaft an die Unterklassenleute der chavistischen Partei PSUV: „Dein Chef ist schon gestorben, du hast keine Führung mehr“. Dazu Sabotagen in den Tagen vor der Wahl vor allem am Stromnetz, gezielte Unterversorgung mit Grundbedarfsartikeln im gleichen Zeitraum. Ein Klima der Angst, der Bedrücktheit sollte geschaffen werden, dazu dienten die vielleicht absichtlich „geleakten“ Pläne für Strassengewalt gegen einen chavistischen Wahlsieg. Ins gleiche Kapitel gehören die offenbar aus dem Ausland kommenden, anhaltenden Angriffe (DoS) auf die Webseite des Nationalen Wahlrates CNE.
3.            Natürlich ist das kein Thema für „unsere“ Medien. Heute Abend im SRF-Magazin  „Echo der Zeit“ etwa ein Journalist, der locker einen Teil der rechten Opposition in Venezuela noch rechts überholt und dummdreist lügt, was das Zeugs hält: Für das Schweizer Staatsradio ist die venezolanische Armee mit „kubanischen Offizieren“ durchsetzt (das hört man selbst in Venezuela in dieser Unbedarftheit meist nur von Seiten der Ultrarechten); das chavistische Geld für die eigenen Sozialprogramme, aber auch die in anderen Ländern, werde zurückgehen, da es schlicht nicht mehr vorhanden ist – ach? Venezuela hat tatsächlich wirtschaftliche Probleme, im Gegensatz natürlich zu Europa und seiner weisen Führung, aber die sind weit davon entfernt, mit dieser geradezu apokalyptischen Schwarzmalerei etwas zu tun zu haben, die heute fast jedes Blatt und fast jeder Sender in Sachen Venezuela aufzutischen weiss (für seriöse makroökonomische Angaben vgl. Venezuela’s Economic Recovery: Is it Sustainable?, von Mark Weisbrot und neuere Artikel von ihm auf der Seite des Center for Economic and Policy Research. Auf der gleichen Homepage auch: Venezuelan Economic and Social Performance Under Hugo Chávez, in Graphs).
4.            Die Desinfo hat System, auch wenn es vielen ihrer eifrigen TäterInnen kaum bewusst sein wird. Die Selbstverständlichkeit, mit der der Wahlverlierer als eigentlicher Sieger und der Sieger als eigentlicher Verlierer adressiert wird, die Schwelgen in Vorstellungen von „Ende des Chavismus“ (das Gespenst ist endlich unter dem Boden), die knallharten Lügen und vielen Dummheiten in Sachen Wirtschaftsapokalypse usw. usf. bereiten den Boden für etwas vor, das unter den aktuellen Umständen – relativ knapper Sieg der Linken, Tod von Chávez -   rasch zu einer neuen Qualität der Aggression gegen das bolivarische Projekt in Venezuela und Lateinamerika führen kann. Anfang Oktober letzten Jahres haben wir ein Council on Foreign Relations-Papier des ehemaligen US-Botschafters in Caracas, Patrick Duddy, besprochen (Venezuela: Destabilisierungsoptionen der USA). Duddy thematisiert auch für den Fall von Neuwahlen nach einem damals noch hypothetischen Tod von Chávez die Möglichkeiten permanenter nationaler und internationaler Strategien zur Delegitimierung der venezolanischen Behörden bis hin zum Versuch, Teile der Armee für einen antichavistischen Putsch zu gewinnen (Anfang März musste Maduro zwei Mitarbeiter der US-Botschaft genau wegen solcher Kontaktaufnahmen mit venezolanischen Militärs des Landes verweisen). Duddy konzentrierte sich vor allem auf Szenarien mit einem relativ knappen Wahlausgang, wie wir ihn heute haben, die für seine Pläne speziell günstig wären. Es lohnt sich, sich diese Szenarien nochmals anzuschauen.
Der Oppositionskandidat Capriles hat sich dieses Mal, im Gegensatz zu Maduro, im Wahlvorfeld bis zuletzt strikt geweigert, die Resultate des Wahlrates CNE bedingungslos anzuerkennen. Das lässt hinter sein Gesuch, alle Stimmen nachzuzählen, ein Fragezeichen entstehen? Geht es ihm um eine legitime Nachzählung oder um mehr Zeit für einen allfälligen Entscheid für eine militantere Destabilisierungsphase? Capriles Weigerung, das Resultat anzuerkennen, entspricht jedenfalls einer Kardinalvoraussetzung für die im Papier des Council on Foreign Relations genannten Angriffszenarien.  (Der Vorschlag, alle Stimmen nachzuzählen, kam übrigens aus dem CNE selbst und wurde von Maduro auch sofort begrüsst. Tatsächlich haben selbst Missionen der EU oder der OAS die Professionalität und die Sicherheit des venezolanischen Wahlsystems wiederholt betont, Jimmy Carter, nicht gerade ein eingefleischter Kommunist, taxierte im letzten Herbst das venezolanische Wahlsystem als „das Beste der Welt“, dem der USA klar überlegen  - zu Letzterem braucht es allerdings kaum viel).
5.            Einen Punkt dürfen wir keineswegs übersehen: Zwar hat sich die Rechte stärken können, vermutlich, weil eine Reihe von WechselwählerInnen für Capriles gestimmt haben, was einer genauen Analyse und auf jeden Fall einer klaren Verbesserung der Regierungsgeschäfte bedarf. Aber der linke voto duro, also der Block der bewussten Stimmen für die Vertiefung des Prozesses, ist majoritär und hat sich auch nach dem Ableben des Comandante gehalten. Das ist eine Stärke, ein Ausdruck von realen Veränderungen in den Köpfen und Herzen vieler, die wir jetzt, im Trommelfeuer der gegnerischen Propaganda, nicht unterschätzen sollten.



Venezuela: Wahlkommentar

Maduro: 50,66 Prozent!

Dario Azzellini

Nicolás Maduro presidente! Das Ergebnis ist aber unerwartet knapp mit 50,66
Prozent für Maduro und 49,07 Prozent für den Oppositionskandidaten
Capriles. Die Wahlbeteiligung war mit 78,71 Prozent etwas niedriger als im
Oktober 2012 als Capriles gegen Chávez antrat. Capriles gelang es seine
Wählerschaft von 6,47 Millionen auf 7,27 Millionen zu steigern. Maduro
hingegen bekam 7,5 Millionen Stimmen, eine halbe Million weniger als Chávez.

Aber gewonnen ist gewonnen. Es bleibt abzuwarten, wie die Opposition
reagiert. In der ersten Stunde nach Bekanntgabe des Ergebnisses blieb sie
stumm.

In allen Wahllokalen des Landes waren WahlbeobachterInnen des
Oppositionsbündnisses MUD und der PSUV anwesend. Darüber hinaus waren
einigen Hundert internationale WahlbeobachterInnen im Land sowie eine Mission
der UNASUR. Capriles und das Oppositionsbündnis hatten sich dennoch nicht
darauf festlegen wollen das Ergebnis der Wahlen anzuerkennen, so wie Nicolás
Maduro es getan hat. Im Vorfeld der Wahl häuften sich die Hinweise darauf,
dass die Opposition den Wahlsieg nicht anerkennen würde und Aktionen und
Provokationen auf der Strasse vorbereiten würde. In den Wochen vor den
Wahlen hatte es zahlreiche Sabotageakte in der Stromversorgung gegeben und
mehrere Personen wurden beim Versuch die Stromversorgung zu sabotieren
festgenommen. Es wurden Waffenlager ausgehoben und bewaffnete Paramilitärs
Dingfest gemacht.

Am Morgen des Wahltags gelangte eine Rundmail der oppositionellen
Jugendorganisation "Aktive Jugend Einiges Venezuela" (JAVU) in die Medien. In
der e-mail erklärte die JAVU ihren Anhängern den  Destabilisierungsplan in
Folge des zu erwartenden Sieg von Nicolás Maduro: Nicht-Anerkennung des
Wahlsieges von Maduro; Straßenblockaden (mit der Aufzählung strategischer
Punkte); Besetzung von Regierungsgebäuden, Ausrufung einer
Parallelregierung. Der Plan zähle auf die Unterstützung großer Medien und
angeblich auch von Teilen der Armee. Weitere ähnliche Pläne gerieten im
Laufe des Tages an die Öffentlichkeit. Am Wahltag wurden diverse Webseiten
und Twitter-Accounts der Regierung oder von Regierungsanhängern gehackt,
darunter die Twitter-Accounts von Nicolás Maduro und der PSUV. Mehr als
45.000 Hacker-Angriffe auf die Homepage des Nationalen Wahlrates (CNE) und
das staatliche Telekommunikations-Unternehmen /CANTV/ wurden abgewehrt. An
diversen Orten griffen Oppositionsanhänger griffen bekannte Chavistas an,
ein Kamermann des Stadtteil-TV-Senders BarrioTV wurde von
Oppositionsanhängern angeschossen und verletzt, und auch auf
MitarbeiterInnen von Catia TV wurde von Oppositionellen geschossen.

Maduro rief am Wahlabend nach Bekanntgabe des Ergebnisses vor Tausenden
AnhängerInnen vor dem Präsidentenpalast dazu auf, wachsam zu sein und nicht
auf Provokationen hereinzufallen. Er bekräftigte, was er bereits während des
Wahlkampfes versprochen hatte: „Kein Pakt mit der Bourgeoisie, sondern
Diskussion mit den Arbeitern und den Armenstadteilen“.  Er versprach eine
Fortsetzung und Vertiefung des Transformationsprozesses und forderte die
Bevölkerung zum Feiern auf.

Maduro ist der Sieger und damit auch ein politisches Projekt, das sich
fundamental von dem der Opposition unterscheidet. Daher sind alle Rufe, die
Opposition stärker zu berücksichtigen, verfehlt. Es kann nicht mehr
Souveränität und lateineramerikanische Integration und gleichzeitig
Privatisierung des Erdölsektors und Bindung an die USA geben. Und der
Versuch des Aufbaus eines sozialistischen Gesellschaftsmodells ist sicher
nicht mit einer neoliberalen Wirtschaft- und Sozialpolitik zu kombinieren.
Auch wenn der Sieg von Maduro viel weniger deutlich ausgefallen ist, als es
alle Umfragen vorausgesagt und auch die meisten Analysten es vermutet haben,
ist es ein bedeutender Sieg gegen Destabilisierungsversuche jeder Art und
gegen eine globale Medienkampagne. Dennoch gilt es sorgfältig zu analysieren,
wie Capriles seine Wählerbasis so ausweiten konnte. Und es gilt den
Transformationsprozess zu vertiefen, erfolgreich gegen Korruption vorzugehen.
Die Basis für den Transformationsprozess muss wieder ausgeweitet werden.

Wenn Gesundheit zum Luxus wird

Montag, 8. April 2013



(zas, 8.4.13) Im Post von gestern „Ein schmuckes Paar“ ging es um die kuschelige Nähe von zwei Reaktionären: dem Putschisten Franco aus Paraguay und dem Franquisten Rajoy aus Spanien. Die Entente der beiden hat ihren gemeinsamen gesellschaftlichen Grund im knallharten Unterdrückungswillen der jeweiligen Eliten. Umgekehrt leiden die unten an gemeinsamen Problemen. Dazu ein Bericht aus Spanien.
____


Wenn Gesundheit zum Luxus wird

Ralf Streck 01.04.2013

Immer mehr Menschen in Spanien können sich nicht einmal mehr Medikamente leisten

Die Einschnitte ins spanische Gesundheits- und Sozialsystem entfalten angesichts eines lückenhaften sozialen Netzes fatale Wirkungen. Das Land sei auf einem Niveau angekommen, dass man bisher nur aus der sogenannten Dritten Welt kannte, beklagen Hilfsorganisationen, die auch in der Entwicklungshilfe tätig sind. Hunger, Unterernährung greifen um sich und längst könne sich viele Menschen nicht einmal mehr Medikamente leisten.
Essen oder Medikamente bezahlen, das ist für viele nun auch in Spanien längst eine vitale Frage. "Viele Menschen haben nicht einmal mehr genug Geld, um sich Essen zu kaufen", stellt Patricia Ruiz fest. In Spanien greift bittere Armut um sich, hat auch die Caritas schon festgestellt (Kinderarmut nimmt über EU-Sparprogramme massiv zu). Deshalb können sich viele Menschen auch keine angemessene Gesundheitsversorgung mehr leisten, sagt die Sprecherin der Hilfsorganisation Médicos del Mundo in der nordspanischen Stadt Pamplona.
Auch hier unterhält die Organisation Räumlichkeiten. Sie sind für viele Menschen angesichts der tiefen Einschnitte ins Gesundheits- und Sozialsystem durch die konservative Regierung schon überlebenswichtig geworden. "Die Regierung hat hier eine Lage geschaffen, die man bislang nur aus Ländern der Dritten Welt kannte", beklagt sich die Ruiz. Die spanische Sektion erhält deshalb schon Geld von französischen Partnern. Diese Mittel seien früher zum Beispiel für Hungersnöte in der Sahelzone ausgegeben worden. "Spanien wird heute aber schon als Entwicklungsland betrachtet. So traurig ist das", meint Ruiz.