Lateinamerika: Die Saat geht auf

Donnerstag, 26. März 2020



(zas, 26.3.20) Rechte Regimes kommen in der Corona-Epidemie zu gleichen Schlüssen.
Honduras
Hier gab es gestern offiziellen Angaben zufolge 52 an Covid-19 erkrankte Menschen und 500 Verhaftete, die das landesweit verhängte Ausgangsverbot missachtet haben sollen, wie die bekannte honduranische Menschenrechtsorganisation COFADEH heute mitteilte. Die Verhafteten werden, so COFADEH, «von den Streitkräften in verschiedenen Städten gefoltert». In der Hauptstadt Tegucigalpa und den Städten San Pedro Sula, Comayagua, Ceiba, Choluteca. Ceiba, sowie in Puerto Cortés und Santa Cruz gelten zwei- bis dreitägige absolute Ausgangssperren.
Aus diesen und anderen Städten, schreibt COFADEH, «kommen auch Berichte über willkürliche Verhaftungen mit Schlägen, ‘Moralpredigten’, vulgären Beleidigungen und grausamen Folterungen an isolierten Orten. Im besten Fall werden [diese] Personen nicht innerhalb der verfassungsmässigen Fristen freigelassen, aber der polizeiliche Entscheid ist meistens, sie gefangen zu halten ‘bis der Notstand vorbei ist’ (…) In den letzten Tagen gingen Aufnahmen aus einem Polizeiposten in der Hauptstadt und einem Sportgelände in Siguatepeque viral, in denen die Militärpolizei die Verhafteten zu militärischem Übungen und Zwangsarbeit zwingt.»


El Salvador
Seit letztem Sonntag ist eine vom Präsidenten verhängte landesweite Ausgangssperre in Kraft (ausgenommen gewisse Berufskategorien, Esseneinkauf durch eine Person, Arztbesuch). Die Sperre verhängte der Präsident im Rahmen eines von ihm verlangten und von der rechten Parlamentsmehrheit akzeptierten Ausnahmezustands. Heute früh Ortszeit sprach die Polizei von 664 Festnahmen wegen Verletzung des Ausgehverbots. Schon letzten Montag tweetete Präsident Bukele: «Diese [damals] 269 Personen hätten die 30 Tage Quarantäne bei sich zuhause mit ihren Angehörigen verbracht. Heute beginnen sie Tag 1 (von 30) in Quarantänezentren, inmitten von Unbekannten.»
In den ersten Tagen bestanden diese «Quarantänezentren» aus eh überfüllten Polizeiposten, unterdessen sind viele Festgenommene im Nationalen Sportinstitut Indes einquartiert. Der Begriff Quarantänezentren soll a) kaschieren, dass diese Personen real Gefangene sind, ohne dass ein Staatsanwalt seinen Mund dazu hätte öffnen können. Einzig die die Polizei und die Armee entscheiden über die Haft. Und b) soll er eine «volksgesundheitlich» motivierte Zwangsquarantäne im Kampf gegen die Epidemie vorgaukeln – in überfüllten Polizeistationen und dem Indes, in dem grosse Mengen von Eingesperrten Schlange stehen für ein Stück Brot oder eine Tortilla, die laut einem Video aus dem Indes von Privaten gespendet werden.
Es zirkulieren viele Handyvideos von Misshandlungen von Menschen, die real oder angeblich die Ausgangssperre verletzt haben. Im Falle eines Mannes, der in Santa Rosa Quachipilín im westlichen Department Santa Ana Ein Mann von einem Agenten auf der Strasse zusammengeschlagen wurde, engagierte sich die staatliche, aber regierungsunabhängige Ombudsstelle für Menschenrechte (PDDH), sogar der Generalstaatsanwalt meinte, dies sei nicht rechtens. Laut Ortsansässigen soll es sich bei dem Geschlagenen um einen älteren Campesino handeln, der einmal im Tag zu seinen beiden Kühen gehe.
 Wie in Honduras vermitteln die Uniformierten auch in El Salvador Bürgersinn. Siehe dieses Video.
Der Junge muss repetieren: «Ich darf in der Ausgangssperre nicht raus»:


Ecuador
Auch in Ecuador bedienen sich die Sicherheitskräfte der gleichen Methoden wie ihre Pendants in Honduras und El Salvador:
Das Regimeblatt El Universo titelte gestern: «In den Social Media gehen angebliche militärische Strafaktionen für die Respektierung der Ausgangssperre viral.» «Angebliche»? El Universo teilt nicht mit, wer denn sonst in Uniformen und Gruppen so die Zeit verbringen könnte – mitten in der Ausgangssperre. Dafür zitierte das Blatt Amílcar Villavicencio, Chef Maritime Operationen: «Mit Vernunft oder mit Gewalt werden wir das Leben der Bürger retten.»
Quelle: El Universo