Haiti: Bandenterror vor der Nase der Polizei

Montag, 8. Mai 2023

(zas, 8. 5. 23) Das Portal AlterPresse veröffentlichte vorgestern den Artikel Haïti : Les activités de gangs armés s’intensifient aux portes de l’Académie nationale de police. Er beleuchtet Aspekte, die von Henry Boisrolin in "Die Banden sind ein geplanter Terror, um den 'Status quo' aufrechtzuerhalten" genannt worden sind.

In AlterPresse lesen wir:

«Die Aktivitäten der bewaffneten Banden, die die Bevölkerung terrorisieren, haben sich in den letzten Wochen im Osten der Hauptstadt intensiviert und finden jetzt vor den Toren der Académie Nacionale de la Police in Pernier/Frères (Ortsteile von Pétion-Ville im östlichen Rand statt. AnwohnerInnen beklagen gegenüber AlterPresse die anhaltende Absenz der Polizei in diesen ihnen zufolge komplett den Banditen überlassenen Zonen.»

«Die Akademie sei von einem Gürtel der Banden eingeschlossen, deren Mitglieder schwer bewaffnet auf den Strassen zirkulieren und die Bevölkerung erpressen, die nicht weiss, bei welchem Heiligen Schutz zu suchen. Laut übereinstimmenden Aussagen geraten Pernier, Chateaublond und Torcelle seit Monaten immer mehr unter die völlige Kontrolle der Banditen, die sich dort jederzeit unmaskiert bewegen, ohne dass die Polizei sichtbar werde.»

«Banditen haben das Subkommissariat der Polizei in Pernier am letzten 28 Januar zerstört. Seit kurzem sind diese, berichtet ein erzürnter Handwerker, in Zonen eingedrungen, die vorher ausserhalb ihrer Hochburg lagen. Er versichert, dass die Übeltäter nicht weit von der Nationalen Polizeiakademie entfernt Punkte eingerichtet haben, an denen sie alle PassantInnen erpressen. ‘Das geschieht unmittelbar vor der Polizei, zwei Minuten von der Akademie entfernt’».

«In den Social Media kann man auch Posts von Personen lesen, die wegen der Bedrohung aus Pernier geflüchtet sind. ‘Es gibt Tage, an denen ich einfach nach Pernier zurück will’, schreibt eine Frau und fragt sich, ob sie einzig die Alternative habe, das Land zu verlassen. Sie begleitet ihre Sätze mit Fotos von Fruchtbäumen und anderen Pflanzen, die sie in ihrem ‘Hof’ gepflanzt hatte.»

«Vor ungefähr sechs Monaten wurde am Nachmittag von Freitag, dem 25. November 2022, der Direktor der Nationalen Polizeiakademie, Divisionär Harington Rigaud, auf der Route des Frères, wenige Meter vom Ausbildungszentrum entfernt, ermordet. Die nationale haitische Polizeigewerkschaft Synapoha hatte damals die Passivität des Zentralstaates und des Polizeigeneralstabs denunziert, die ‘kein Sicherheitsdispositiv für die Kontrolle der Zone’ ausgearbeitet haben.»

«Der Verkehr und die meisten Handelstätigkeiten bleiben gelähmt und der Zugang zu Grundbedarfsartikeln in den wörtlich belagerten Quartieren wird von Mal zu Mal schwieriger.»

«Seit der Nacht auf den 24. April ist infolge des Versuchs von Gangs, mehrere Quartiere der Hauptstadt wie Debussy, Turgeau, Pacot und Canapé-Vert unter Kontrolle zu kriegen, eine grosse Wut explodiert, die in einigen Quartieren der Hauptstadt und anderer Städte zu einer wichtigen Antigang-Mobilisierung geführt hat. Erbitterte EinwohnerInnen von Canapé-Vert haben am Morgen des 24. Aprils mehr als zehn von der Polizei festgenommene Bewaffnete ermordet und ihre Leichen verbrannt. Mehrere andere Banditen, deren Zahl nicht feststeht, sind in Debussy und anderen Quartieren getötet worden.»

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Das UNODC (UN Office on Drugs and Crime) hielt letzten März in einem Bericht fest, dass die meisten Waffen der Gangs, darunter zahlreiche schwere, aus den USA stammen. Ein weiteres Element, das eine verbreitete Annahme bestätigt; nämlich dass dem paramilitärischen Bandenterror freien Lauf gewährt wird, um als Argument für eine erneute, von Washington gewünschte militärische Besetzung der Insel zu dienen. Begleitet von einem humanitär-medialen Chor, der in solchen Momenten Tränen für das arme Haiti vergisst. Ziel des Terrors und seiner möglichen internationalen Folge: die haitische Revolte gegen das internationale Diktat der zunehmenden Verelendung zu brechen.

Quelle: AlterPresse