Kolumbiens Pacto Histórico erkennt vorläufiges Ergebnis der ersten Wahlrunde nicht an

Montag, 1. Juni 2026

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Ultrarechter Kandidat führt. Vorwürfe ausländischer Einmischung vor der ersten Wahlrunde. Stichwahl im Juni

Bogotá. Die Kandidat:innen für die Präsidentschaft und Vizepräsidentschaft Kolumbiens des linken Pacto Histórico (Historischer Pakt), Iván Cepeda und Aída Quilcué, haben das vorläufige Wahlergebnis nicht akzeptiert. Es gebe eine Diskrepanz von 885.000 Wahlberechtigten im Wahlregister, die von den Aufsichtskommissionen überprüft werden müsse, sagte Cepeda in seiner Rede nach der Veröffentlichung der vorläufigen Ergebnisse durch die Nationale Wahlbehörde.

Laut der vorläufigen Auszählung lag der ultrarechte Kandidat der Organisation Defensores de la Patria (Verteidiger des Vaterlands), Abelardo de la Espriella, der mit seinem Vizepräsidentschaftskandidaten José Manuel Restrepo antrat, mit 43,7 Prozent der Stimmen vorn. Er erhielt 10,3 Millionen Stimmen, rund 660.000 mehr als Cepeda, für den 40,9 Prozent der Stimmen abgegeben worden sein sollen. Da keiner der beiden Kandidaten die absolute Mehrheit erreichte, findet am 21. Juni die Stichwahl statt.

An dritter Stelle lag Paloma Valencia, Kandidatin der ultrarechten Partei Centro Democrático (Demokratisches Zentrum), mit 6,9 Prozent der Stimmen. Sie gratulierte De la Espriella zu seinem "beeindruckenden Erfolg" und kündigte ihre Unterstützung für seine Wahlkampagne an. "Kolumbien wird nicht in die Hände des Kommunismus fallen", sagte sie und rief dazu auf, Cepeda in der Stichwahl zu besiegen.

Die Kandidat:innen Sergio Fajardo und Claudia López, die sich als Vertreter:innen der politischen Mitte verstehen, erhielten 4,9 und 0,9 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 57,8 Prozent, wahlberechtigt waren 41,1 Millionen Menschen. 

Präsident Gustavo Petro zweifelte ebenso wie Cepeda die vorläufigen Wahlergebnisse an. Er warte auf die amtliche Endauszählung, nachdem die Aufsichtskommissionen der Parteien die vorläufige Schnellauszählung überprüft haben, äußerte er auf X.

Cepeda und Quilcué bedankten sich bei den sozialen Bewegungen, Gewerkschaften und Basisorganisationen, die die Wahlkampagne unterstützt hatten. Cepeda erklärte, sie hätten "trotz Fälschungen zehn Millionen Stimmen" erhalten, und wertete dies als Erfolg. Er warnte vor dem "mafiösen Faschismus" von De la Espriella. "Wir werden Kolumbien dem einheimischen Faschismus nicht überlassen", sagte er. "Der Kampf geht weiter, wir werden gewinnen", versicherte der linke Kandidat.

Vor den Wahlen hatte die Senatorin des Pacto Histórico, Isabel Zuleta, vor einer Mobilisierung von Mitgliedern der militärischen Reserve gegen Cepedas soziale Basis nach den Wahlen gewarnt. Sie stützte sich dabei unter anderem auf eine Videoaufnahme eines Treffens von Reservisten, in dem diese einen landesweiten Einsatz von 4.000 Personen gegen angebliche "Zellen" von Cepeda-Anhänger:innen planen. Diese würden den "sicheren" Sieg De la Espriellas nicht anerkennen, hieß es bei dem Treffen der Ex-Militärs.

Solche Vorhaben seien Paramilitarismus, würden Gewalt gegen gesellschaftliche Mobilisierungen fördern und gingen auf die Wahlkampagne von De la Espriella zurück, beklagte die Senatorin. Sie zeigte zwei führende Reservisten bei der Staatsanwaltschaft an.

Parallel dazu mischten sich auch internationale Akteure in die Debatte über die Wahlen ein. Der republikanische US-Senator für Ohio, Bernie Moreno, fungierte als Wahlbeobachter. Er sagte bei einem Treffen der Denkfabrik Atlantic Council vor den Wahlen, dass die USA die Wahlergebnisse anzweifeln oder gar nicht anerkennen könnten, wenn der Wahlprozess durch Einschüchterung durch bewaffnete Gruppen beeinträchtigt würde.

Moreno kritisierte zudem die Friedenspolitik der Regierung Petro. "Mit Drogenhändler:innen schließt man keinen Frieden", sagte er. Sollte Kolumbien bei diesen Wahlen den "falschen Weg einschlagen", würden sich "alle schlechten Akteure, die sich heute in Kuba, Venezuela und Nicaragua aufhalten, nach Kolumbien verlagern", so Moreno.

Der US-Senator, der bereits in der Vergangenheit die Regierung Petro offen angegriffen hat, rief außerdem die beiden ultrarechten Kandidat:innen De la Espriella und Valencia dazu auf, ihre Kräfte zu vereinen, und kündigte ein Treffen mit ihnen am 1. Juni unmittelbar nach Wahlen an.

Präsident Petro forderte Moreno dazu auf, keine Äußerungen jenseits seiner Wahlbeobachtungsmission zu tätigen. Diese verstießen gegen das gesetzliche Verbot für solche Missionen, sich im Wahlprozess parteiisch zu äußern, kritisierte auch Progressive International.

Auch Ecuadors Präsident Daniel Noboa geriet wegen mutmaßlicher Einmischung in den Wahlkampf in die Kritik. Bei einem öffentlichen Gespräch mit dem ultrarechten Kandidaten Abelardo de la Espriella kündigte er zwei Tage vor der Wahl die Abschaffung der verbliebenen Zölle auf kolumbianische Produkte seitens Ecuadors an. Petro wertete dies als Einmischung in den Wahlkampf. Die kolumbianische Regierung betonte, die Maßnahme gehe auf Vorgaben der Andengemeinschaft zurück und nicht auf eine politische Vereinbarung zwischen Noboa und De la Espriella.