Venezuela: Das Lügen in der Tagesschau heute

Sonntag, 28. Juni 2026

 

(zas, 28.6.26) Zynismus mag gedankenlos sein, widerlich bleibt er. Heute Abend weiss die SRF-Tagesschau, dass der Unmut der Bevölkerung mit der Regierung wächst. Denn die schickt keine Soldaten und kein schweres Gerät, um unter den Trümmern Begrabene zu retten. Eine interviewte Frau sagt, sie wisse nicht, ob die Regierung sogar Hilfe verhindert habe. «Aber die Regierung half nicht, es waren nur Privatpersonen.»

Danach ein Anruf an eine Compañera, die bei Rettungsoperationen mithilft. Natürlich sei der persönliche Einsatz der Leute enorm. So seien zum Beispiel landesweit Apotheken praktisch leer gekauft, da in diesem Land von Armen alle eine Hilfe in das Erdbebengebiet spenden wollen. Und es wird gebeten, für ein, zwei Tage keine Lebensmittel oder Kleidungstücke mehr zu schicken, da erst neue Warenlager errichtet werden müssen. Kein schweres Gerät, keine Armee im Einsatz? Unterwegs nach La Guaira (die am schwersten betroffene Hafenstadt nahe von Caracas, wo ihre Tochter im Einsatz ist) wimmelt es von Karawanen mit schwerem Gerät. Feuerwehr, Polizei, Spitalpersonal, Armee nonstop präsent in den Rettungsversuchen, der Behandlung der Überlebenden, der Verpflegung von Obdachlosen. Wichtig die Regierungsarbeit zur Koordination der immensen Hilfsbereitschaft. Das Anfangschaos nach den Beben vom 24. Juni ist weg. HelferInnen werden je nach Eignung zugeteilt zu Rettungsoperationen, zu medizinischer Hilfe, zur Betreuung im Obdachlosenlager etc. Ja, Viele sind verzweifelt, klagen, dass ihre Liebsten nicht gerettet werden, wo doch die Chance auf ein Überleben rapid abnimmt. Und bei jedem Nachbeben kollektive Todesangst, alle rennen los.

Vor allem ausländische JournalistInnen machen Kampagne und beleuchten mit Vorliebe die Rolle von «Korruption und Misswirtschaft» der Regierung bei den fürchterlichen Erdbebenfolgen.

Soweit die Mitteilung der Compañera, einer Frau, die sich viele Dinge der chavistischen Regierung seit längerer Zeit nicht erklären kann. In deren Stimme jedoch die Verachtung für die erwähnte Sorte internationaler Medienschaffenden durchbricht. Jener Schar, die brav den Skript von oben nachbetet, in den Mainstreammedien von Washington bis Zürich. Die «Korruption und Misswirtschaft» anklagt. «Misswirtschaft» - Bezeichnung für die Folgen des jahrelangen, extremen, mörderischen und andauernden Wirtschaftskriegs unter US-Regie, bei dem EU und auch die Schweiz mitmachen. Bis heute.

Lassen wir das mit «hätten sie einen Funken Anstand, würden sie…» sich mehr an die Wahrheit halten. Das Insistieren auf «Misswirtschaft» etc. mitten in der Katastrophe lässt immerhin annehmen, dass die Regierung in Caracas von den imperialistischen Mächten nicht als so untertänig angesehen wird, wie Trump & Co. sie darstellen.

Natürlich gibt es Kritik an der chavistischen Regierung. Ein Beispiel: Als sie vor allem nach der Verschleppung von Maduro und Cilia Flores reihenweise rechte Gefangene bedingt freiliess oder ihre Haftbedingungen erleichterte (auch für soziale Kriminelle), musste die Familie eines Gefangenen feststellen, dass ihr Angehöriger schon Monate zuvor verstorben war. Sie war nicht einmal informiert worden.

Schlimm. Legitimiert das, die westliche Verantwortung für eine enorme Verarmung der Bevölkerungsmehrheit und zehntausende Todesfälle den Angegriffenen in die Schuhe zu schieben? Die das verschweigen, reden umso lauter von Korruption.