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Mexiko stoppt Öllieferungen nach Kuba
Mexiko-Stadt/Havanna. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum hat am Dienstag bestätigt, dass ihr Land die Öllieferungen an Kuba eingestellt hat. Sie bezeichnete die Entscheidung als "souverän". Auf die Frage von Journalisten, ob der staatliche Ölkonzern Pemex seine Lieferungen wegen zunehmenden Drucks aus Washington eingestellt habe, erklärte Sheinbaum, es handele sich um eine Entscheidung, die mit allgemeinen Marktschwankungen zusammenhänge.
"Die Aussetzung ist eine souveräne Entscheidung und wird getroffen, wenn es notwendig ist", sagte die Präsidentin während ihrer regulären Pressekonferenz. Pemex treffe Entscheidungen auf Grundlage seiner vertraglichen Beziehungen mit Kuba.
Sheinbaum ließ offen, ob es sich um eine vorübergehende oder dauerhafte Maßnahme handelt. Sie betonte jedoch, Mexiko werde sich weiter solidarisch mit Kuba zeigen. "Kuba ist seit zu vielen Jahren einer Blockade ausgesetzt. Und diese Blockade hat Versorgungsprobleme auf der Insel verursacht", sagte Sheinbaum. "Mexiko hat immer Solidarität gezeigt und wird dies weiterhin tun." Welche Art von Unterstützung ihr Land dem Karibikstaat künftig leisten könnte, ließ sie unbeantwortet.
Laut der Finanznachrichtenagentur Bloomberg hatte Pemex ursprünglich geplant, im Januar eine Lieferung nach Kuba zu schicken, war davon aber wieder abgerückt. Mexiko lieferte in der zweiten Jahreshälfte 2025 rund 7.000 Barrel pro Tag und war zum wichtigsten Öllieferanten Kubas geworden, nachdem die USA Anfang Januar die Lieferungen aus Venezuela blockiert hatten.
Trump hatte nach der Entführung des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro durch einen US-Militäreinsatz Anfang Januar die wirtschaftlichen Daumenschrauben gegen Kuba angezogen. "Es wird kein Öl oder Geld mehr nach Kuba gehen – null!", schrieb Trump am 11. Januar auf Truth Social. Die kubanische Regierung stehe kurz vor dem Zusammenbruch. Am Dienstag erklärte Trump vor Reportern, Kuba werde "sehr bald scheitern". Venezuela habe zuletzt weder Öl noch Geld nach Kuba geschickt.
Nach Angaben von Schifffahrtsdaten und internen Dokumenten des venezolanischen Staatskonzerns PDVSA hat Venezuela seit etwa einem Monat weder Rohöl noch Treibstoff nach Kuba geliefert. Kuba ist in seiner sich verschärfenden Energie- und Wirtschaftskrise stark auf ausländische Hilfe und Öllieferungen von Verbündeten wie Mexiko, Russland und bis vor kurzem Venezuela angewiesen. Die Insel erlebt bereits seit mehreren Jahren eine schwere Energiekrise, die sich durch den Druck der US-Regierung weiter zu verschärfen droht.
Die Nachrichtenagentur Reuters hatte vergangene Woche berichtet, die mexikanische Regierung prüfe, ob sie die Öllieferungen nach Kuba fortsetzen solle. Innerhalb von Sheinbaums Regierung wachse die Sorge, dass eine Fortsetzung der Lieferungen das Land in Konflikt mit den USA bringen könnte. Zugleich wurde über die Sichtung von US-Drohnen vor der mexikanischen Küste berichtet, die jenen ähnelten, die vor den Angriffen auf Caracas eingesetzt wurden.
Erst vor wenigen Tagen erlebte Kubas Energieversorgung einen weiteren Rückschlag. Laut Medienberichten wurde ein aus Togo kommendes Schiff, das mit 300.000 Barrel Erdöl in Richtung Havanna beladen war, ohne Angabe von Gründen in die Dominikanische Republik umgeleitet.

