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| Wenn auf der Kneipenrechnung steht: "MigrantInnen machen America gross ... und kochten und serviertenm Ihr Essen." |
USA: Auch das ist Widerstand
Samstag, 22. Juli 2017
Venezuela: Die Resultate vom Sonntag: Reifer Chavismo, medial aufgeblasene Rechte
Montag, 17. Juli 2017
Als
Einleitung zu den beiden Texten aus Venezuela unten:
(zas,
17.7.16) Die Medienmaschine fängt gerade zu rollen an. In Venezuela herrscht
heute ein Zahlenkrieg zwischen dem rechten Parteienbündnis MUD (Tisch der
Demokratischen Einheit) Rechten und dem Chavismus über die jeweilige
Beteiligung am rechten „Plebiszit“ und dem chavistischen Übungsdurchgang für
die Wahl der Konstitutante am 30. Juli. Die MUD ventiliert bei angeblich 95 %
der ausgezählten Wahlstimmen eine Beteiligung von fast 7.2 Millionen, die
mutmasslich auf etwas über 7.5 Millionen gehoben werden wird. Damit liesse sich
auf jeden Fall behaupten, sie lägen über der Zahl der Präsidentschaftsstimmen
von Maduro bei den letzten Wahlen. Der für die Konstituantenübung zuständige
Nationale Wahlrat CNE will bis morgen definitive Zahlen vorlegen.
Beide
Seiten üben sich in Triumphalismus. Bei den Rechten sind ihre 7+ Millionen mit
Bestimmtheit gelogen. Dies lässt sich nicht nur aufgrund ihres unbändigen
historischen Drangs zur Wahlmanipulation sagen (zuletzt beim Sammeln für das
Abberufungsreferendum gegen Maduro, bei dem sie „unnötigerweise“ zehntausende
von „Unstimmigkeiten“ und offenen Betrugsmanövern plazierte). Sondern auch
aufgrund des absoluten Mangels an Kontrollmöglichkeiten (nur schon gegen
Mehrfachwählen zählt sie auf das „Gewissen“ der Leute) und der klaren Unmöglichkeit,
in nur zwei Wochen eine solche Abstimmung sauber organisieren zu können. Daran
ändern fünf rechtsradikale ehemalige lateinamerikanische PräsidentInnen sowie fünf
RektorInnen militant antichavistischer Universitäten – die sogenannten „GarantInnen“
– keinen Deut. (Der ehemalige mexikanische Präsident Fox meinte
gestern an einem Meeting im wohlhabenden Osten von Caracas: „Dieser Kampf ist schon gewonnen. Schritt
für Schritt, Stimme für Stimme wird der Diktator gehen“.) Ein wenig
schlauer ist der Chef des rechten Umfrageinstituts Datanális, Luis Vicente
León, der die Plebiszitbeteiligung zwar als „spektakulär“
bezeichnet,
um danach aber anzufügen, ihn interessierten weniger die absoluten Zahlen, als
was „mit den Stimmen, die es gab“,
gemacht werde.
Klar
scheint bisher einzig, dass die von den Rechten zuvor als erwartet ventilierte
Stimmbeteiligung deutlich unterschritten wurde. Nun wird es weniger die MUD
sein, die entscheidet, welche Schlüsse daraus zu ziehen seien, dafür mehr Washington.
Wir werden in den nächsten Tagen sehen, ob sie in die geplante Richtung der
Steigerung der Gewalt bis zum 30. Juli und der Ausrufung einer „Gegenregierung“
etc. gehen, oder ob ein Schwenker in Richtung temporäre Deeskalation angesagt
ist. Doch offizielle Stellungsnahmen aus Spanien und Deutschland weisen schon in
die entgegengesetzte Richtung. Sollte sich die venezolanische Regierung
erfrechen, trotz „Plebiszit“ an ihrem Vorhaben einer Konstituante festzuhalten,
forderte
der spanische Aussenminister Alfonso Dastis von der EU gezielte
Sanktionsmassnahmen. Die Vizesprecherin des deutschen Auswärtigen Amtes, Maria
Adebahr, schlug
in die gleiche Kerbe: „Aus unserer Sicht
hat das Plebiszit klar den Willen des Landes zum Ausdruck gebracht“: Maduro
habe, so die Dame weiter, auf das Vorhaben einer Konstitutante verzichten. Mit
solch internationalem Rückenwind ruft der rechte Parlamentspräsident Julio Borges
schon für heute den Beginn der „Stunde
Null“ aus, „die nichts anderes als
eine ‚Eskalation‘ der Proteste ist, ‚damit die Regierung ‚den Schrei eines
ganzen Landes‘ hört“, wie ihn die rechte Zeitung El Universal zustimmend
zitiert und erläutert.
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Ein Video der chavistischen Seite. Es ist natürlich kein Beweis für eine umwerfende Beteiligung an der Übung zur Konsituantenwahl. Es vermittelt dafür etwas von einem Geist, den die medialen Giftspritzen schon längst beerdigt glauben. Quelle: Resumen Latinoamericano.
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Die Resultate vom Sonntag: Reifer Chavismo, medial
aufgeblasene Rechte
Coordinación Nacional de la Corriente
Revolucionaria Bolívar y Zamorra*
16. Juli
2017
Die Rechte
verfügt über eine starke mediale Macht, die com Ausland finanziert und geleitet
wird. Das erlaubt ihr Strickmuster zu kreieren, zu zeigen, dass sie habe, was
sie in Wirklichkeit nicht hat. So beim Plebiszit von diesem Sonntag: eine hohe
Beteiligung, nur wenige Stunden anhielt, nur in den Morgenstunden. Die Strassen
strömten nicht über, wie die Rechten angekündigt hatten, sie stellten nicht
diese Mehrheit, die sie behaupten. So erlebten wir es in den 14 Depaqrtementen,
in denen wir präsent sind; so zeigten es die Social media.
Es ist
wichtig, das zu betonen, um sich nicht von den Zahlen täuschen zu lassen, die
sie verkünden werden. Wir wissen, dass die Lüge für die rechte Leitung eine
zentrale Form ist, Politik zu machen, um die Leute zu überzeugen zu versuchen.
Aus verscheidenen Gründen: Weil sie keine für die Vermittlung ausreichende
Wahrheit haben, weil die Täuschung im Medienkrieg für sie zentral ist. Aber
heute sah man klar, dass dass sie nicht die Anzahl Leute mobilisieren, die zu
mobilisieren sie behaupten.
Was den
Chavismus betrifft, haben wir uns in Mobilisierung, Disziplin und Reife geübt, um
uns einem Schlüsselmoment dieser Konfrontation zu stellen. Wir zeigten, dass wir
trotz der an den Tag gelegten Gewalt, der unbeantworteten ökonomischen
Schwierigkeiten, der Monate von Widerstand dort waren, wo wir zu sein hatten:
in den Warteschlangen, probewählend, zeigend, dass sie uns nicht besiegt haben,
dass wir Abertausende sind.
Wir dürfen
nicht in Triumphalismus fallen. Das wäre ein ernster Fehler. Für den 30. Juli
brauchen wir mehr als wir heute machten, denn das gäbe der Verfassungsgebenden
Versammlung die Autorität. Deshalb ist es entscheidend, mit den Versammlungen
im Territorium fortzufahren, mit den offenen Diskussionen in der Comunidad,
denen zuzuhören, die sauer sind, müde, kritisch, die sich entfernt haben. Und
nicht nur deswegen, sondern um die Vorschläge der Leute aufzunehmen: Was
ändern, modifizieren, vertiefen, hinzufügen? Es geht hier nicht um eine Übung
zwecks erleuchteter KandidatInnen, wie einige meinen. Es muss die Frucht
partizipativer und protagonistischer Demokratie sein.
Wir werden
diese Übung in Partizapation in einem Umfeld machen müssen, das gewalttätiger
sein wird. Das hat die Rechte angekündigt, das zeigen die Analysen. Um
forzufahren, werden sie die Lügen ihres Plebiszits als Legitimationsausweis gebrauchen,
vorallem international. Wir müssen aufpassen und Zeugnisse von Intelligenz,
Organisation, Einheit und Protagonismus beim Schutz unserer Territorien
ablegen, wie dies schon die Brigadas de Defensa Popular Hugo Chávez mit einer Karawanne
am 22. Juli von Santa Barbára nach Socopó im Staat Barinas angefangen haben. Am
30. Juli müssen wir viele sein, Millionen.
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Plebiszit-Rechnungsaufgabe
Misión Verdad*
Verbrannte Hefte. Im besten pyromanischen Stil hat die MUD
(rechtes Parteienbündis) bekannt gegeben, dass sie nach dem Plebiszit die
Hefte, in denen die TeilnehmerInnen an diesem Prozess notiert sind, verbrennen
wird. Diese Aktion gibt dem ganzen
Prozess eine enorme Inkonsistenz, denn sie verhindert eine Nachprüfung, also
die Schlussauszählung der TeilenhemerINnen und der stimmen. Es werden nur die
Stimmzettel in den Schachteln gezählt, ohne sie mit der Anzahl Beteiligter
vergleichen zu können. Ungefähr so wie den Betrug machen und den Beweis
verbrennen.
Zahlen, die nie aufgehen. Nehmen wir an, eine Wahltisch sei 12
Stunden lang geöffnet, von 8 früh bis 8 spät. Und nehmen wir, dass jede Person
eine Minute für die Stimmabgabe brauche, obwohl wir wissen, dass dies bei jeder
schnellen, automatisierten Wahl länger geht. Aber nehmen wir dies für eine
Minute an.
An einem
Wahltisch kann während 12 Stunden maximal 720 Stimmende fassen (wenn dabei
nicht eine Minute verloren geht). In der Mehrheit der Wahlzentren der MUD gibt
es nur einen Wahltisch, andere aber haben bis zu drei Tische. Nehmen wir zugunsten
der MUD an, jedes Zentrum habe drei Tische. Wenn jede/r Abstimmende in einer
Minute abstimmt, kann jedes Zentrum mit drei Tischen 2160 Abstimmende fassen.
Mehr nicht.
Die MUD
kündete am Morgen des 16. Juli mit Pauken und Trompeten die Eröffnung von
landesweit 2030 Wahlzentren an. Multiplizieren wir 2030x2160, kommen wir auf 4‘284‘800
Abstimmende. Die MUD hat die Beteiligung von 10 Millionen vorausgesagt.
Lynchjustiz
Donnerstag, 13. Juli 2017
Basem Tajeldine*
Gestern war ich an einer Lnychaktion präsent. Ich habe mit
eigenen Augen gesehen, was wir seit langem denunzieren: Die venezolanische
Rechte hat ihr Ziel erreicht, in relevanten Sektoren der venezolanischen
Gesellschaft Hass und Mordlust zu verankern.
Das, was ich sah, war entsetzlich. Ein makabres, die Grenzen
überschreitendes Fest der Nekrophilie. Nachdem der Unglückliche gefangen war,
kamen die Jugendlichen des Stadtteils Lomas de Avila aus ihren Appartements,
die Baseballschläger in der Hand, um ihren Hass und ihr Ressentiment an dem auszulassen,
von dem einige sagen, er habe einen Raub begangen. Niemand überprüfte dies. Der
Arme, schon angeschossen, blutend und geschlagen von den ersten, die zur
Lynchaktion herbeieilten, war danach bewusstlos. Jetzt begann das sadistische Lynchen
mit den Baseballschlägern. Einer nach dem anderen und manchmal mehrere zusammen
schlugen sie ihm auf den Kopf und die Rippen. Schliesslich kam einer der Mörder
und schoss eine Salve auf den Armen ab, der weder Zeit hatte zur Reue noch um
Milde zu bitten. Der Tote war schon richtig tot und doch gingen die Schläge einige
Minuten lang weiter. Niemand wollte die Chance auslassen, seine Wut raus zu
lassen. Viele Nachbarn feierten, pfiffen und schlugen Pfannen zu den Rufen: «Tötet den Dieb! Sicher ein Chavista! Fester
drauf! Er soll sterben!»
Da rief eine empörte Nachbarin laut: «Diesen Wahnsinn kann niemand rechtfertigen.» Doch was nützte ihr
ihre berechtigte Empörung! Ihre Nachbarn beleidigten sie und schrien: «Hau ab, verdammte Chavista! Krepier auch
du!»
Die Frau versteckte sich verängstigt.
Wir erleben schwierige Zeiten kapitalistischer Barbarei. Wie
früher schon und während des 2. Weltkriegs feiern unheilvolle Ideologien
Urständ. Und wie stets ergreifen sie die «Mittelschicht», die ihre Rolle auf
dem Schachbrett spielt. Militärisch ausgebildete Gruppen, die auf Mord sinnen,
haben sich einiger Wohngebiete mit Unterstützung der AnwohnerInnen bemächtigt.
So fing der Paramilitarismus in Kolumbien an. Venezuela hat sich
«kolumbianisiert.» Ich bin traurig und schockiert. Vorallem aber fühle ich mich
so impotent, weil ich nicht habe machen können. Lomas del Avila ist eine von
gefährlichen paramilitärischen Gruppen, unterstützt von wutentbrannten Bürgern,
beherrschte Zone.
·
Resumenlatinoamericano.org,
11.7.17: Venezuela: Un nuevo asesinato fascjista tras bnrutal linchamiento. Der
Autor ist Militanter der sozialistischen Partei PSUV. Lomas del Avila befindet
sich im Osten von Caracas.
___
(zas, 13.7.17) Am 8. Juli tweetete
der venezolanische Ombudsmann, Tarek William Saab: «Um 2:07 erhielt ich einen Anruf von @FreddyBernal, dass in der
Siedlung Los Verdes des Stadtteils El Paraíso gelyncht werden soll.» Die
Guardia eilte zum Ort und konnte den Mann retten. Er war nackt an einen Pfosten
angebunden. «Wir stellten fest», so
Saab danach, dass die Täter «völlig
straffrei und am helllichten Tag agierten.» Er legte Fotos vor, die einige
der Täter zeigten, gleich «wie in Fällen
der Meuten im Einkaufszentrum CCCT und in der Mehrzahl der fast 30 gleich
gelagerten Fälle in den Monaten April und Mai. Die Täter bleiben unbehelligt.» (Im
CCCT kam es zwei Mal zu schlimmen Verprügelungen vermeintlicher Chavistas durch
Gruppen, die nach einer nahe gelegenen «Strassenblockade gegen die Diktatur» noch
shoppen wollten. Die «Chavistas»
entpuppten sich beide Male als AnhängerInnen der Opposition, die allerdings
entsetzt waren über das Vorgehen der «Freiheitskämpfer».)
Saab sagte weiter zum «Fall des geschundenen, an einen
Pfosten in El Paraíso gefesselten Herrn», dass die Guardia Nacional Bolivariana
ihn vor «diesen neuen Neonazis» noch
rechtzeitig retten konnte, «die jetzt für
einige zu «Helden» geworden sind. Wer
ihm das Seil um den Hals legt, und seine Komplizen, sind Mörder in spe und
müssen als solche behandelt werden. Diese Art von Neonazismus schreitet in Riesenschritten
in Venezuela voran, ohne dass die Justiz trotz vieler Beweise dieser Barbarei Einhalt
gebieten würde. Und morgen ist es schon sehr spät.»
In den Sozial Media zirkuliert ein Video einer aufgebrachten Bürgerin vom «Ereignis»,
die den Geschundenen als Dieb bezeichnet und meint, dies sei eine Lektion: In
ihrem Wohnbezirk dulde man keine Diebe.
Sabas Kritik an der Justiz bezieht sich hauptsächlich auf
die Generalstaatsanwaltschaft, deren Chefin jetzt als Kader der PutschistInnen
agiert. Gerade heute hat Maduro an einer Versammlung von Opfern der
Gewaltangriffe von 2014 gesagt,
es sei jetzt klar, warum gegen die damaligen Täter bis heute kein
Strafverfahren eingeleitet worden sei.
____
Wir könnten von weiteren Mordfällen der letzten drei Tage berichten,
etwa vom Kandidaten für die Konstituante, der vorgestern an einem Meeting
erschossen wurde, oder vom Autofahrer, der ebenfalls gestern oder vorgestern das
tödliche Pech hatte, in eine Barrikadenfalle zu fahren. Doch legen wir den
Asbestanzug an und wenden uns einer dpa-Nachricht zu:
92 Tote in 100 Tagen bei Protesten in Venezuela(dpa) · Bei den Protesten gegen die sozialistische Regierung von Präsident Nicolás Maduro ist in Venezuela erneut eine Person ums Leben gekommen. Ein 16-Jähriger sei bei einer Demonstration in der Region Carabobo erschossen worden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft am Montag mit. Damit ist die Zahl der Todesopfer bei den seit 100 Tagen andauernden Protesten auf 92 gestiegen. Die Opposition rief für kommenden Sonntag zu einer Volksabstimmung gegen die von Maduro geplante Wahl zu einer verfassunggebenden Versammlung auf. Die Regierungsgegner lehnen die Wahl als verfassungswidrig ab. Sie werfen dem Staatschef vor, die Versammlung mit seinen Anhängern besetzen zu wollen, um seine Macht weiter zu festigen.
Eine seit Monaten repetierte Art von Meldung: Es wird wohlweislich
nicht direkt formuliert, aber so oft suggeriert, dass es längst schon zum
Allgemeinwissen gehört: Die Regierung ist schuld am Morden. Im Fall des
genannten 16-Jährigen stammt die «Information»
von zwei rechten Abgeordneten. Aus diesen Kreisen sind mehrmals von den «Freiheitskämpfern»
ermordete Unbeteiligte oder Chavistas als von der «Diktatur» ermordete Oppositionelle
hingestellt worden, wogegen dann deren Angehörige protestiert haben. Es kann
natürlich sein, dass es sich im vorliegenden Fall anders verhält. Für uns
entscheidend ist zu kapieren, dass sich die Nachrichtenagenturen und generell
der mainstreamisierte Medientross markant anstrengen müssen, einzig und allein
diese Nachricht mitzuschneiden und in die hiesigen Desinformatiosnkanäle zu speisen.
Einige dieser «kritischen Medienschaffenden» konsultieren wohl prinzipiell
ausschliesslich lokaler Imperiumsmedien, andere werden bewusst lügen.
Wer ein genaueres Bild über die Todesfälle haben will,
konsultiere eine detaillierte
Untersuchung vom 10. Juli in venezuelanalysis.com, mit Erläuterungen zu
jedem einzelnen Todesfall. Zwar ist eine
beträchtliche Anzahl ungeklärt oder umstritten, in den klaren Fällen aber «führt»
die Rechte als Urheberin von Morden. Man stelle sich eine Berichterstattung
vor, die etwas mit dieser komplexen Realität zu tun hätte! Doch regime change muss sein.
| aus der Untersuchung von venezuelanalysis.com |
Ein letztes noch: Viele in Venezuela sehen in diesen «Entgleisungen»,
von denen sich die Opposition nie distanziert, natürlich die Miserabilität
dieser Figuren und den allenfalls kommenden Terror im Falle eines rechten Sieges.
Darüber hinaus aber wird in vielen Berichten aus Venezuela betont, diese «Vorfälle»
seien integrierter Teil der Strategie der paramilitärischen Komponenten der «friedlichen
Bürgerrevolution». Angst und Hass sollen die Fundamente eines
gesellschaftlichen Zusammenlebens undenkbar machen. Deswegen komme es kaum je
auch nur zu einer halblauten Distanzierung der rechten Eliten.
Mehrere solcher «Vorfälle» auf Video erinnern an den weissen
Mob auf den Strassen von Santa Cruz 2008 in Bolivien. Er jagte und demütigte
damals Indígenas auf den Strassen der putativen Sezessionshauptstadt. Es war,
als habe die SA wieder marschiert.
Venezuela: Fahrplan für einen Einmarsch?
Montag, 10. Juli 2017
(zas,
9.7.17) Am kommenden Sonntag will die rechte Opposition ihr vor wenigen Tagen
lanciertes „Plebiszit“ zu folgenden
3 Fragen durchziehen:
1.
Lehnen
Sie die Einberufung einer von Nicolás Maduro vorgeschlagenen Verfassungsgebenden
Versammlung ohne vorgängigen Referendumsentscheid des venezolanischen Volkes ab
und missachten Sie sie?
2.
Verlangen
Sie von den Bolivarischen Streitkräften, dass sie der Verfassung von 1999 gehorchen
und sie verteidigen und die Entscheide des Parlaments unterstützen?
3.
Stimmen
Sie damit überein, dass zur Erneuerung der staatlichen Gewalten gemäss den
Vorgaben der Verfassung, zur Abhaltung von Wahlen und zur Bildung einer
Regierung der Nationalen Einheit geschritten wird?
Nun: Ein
Plebiszit kennt die venezolanische Verfassung nicht. Wahlen und Referenden
werden vom Nationalen Wahlrat CNE organisiert, auf dessen Dienste das
Oppositionsbündnis MUD (Tisch der demokratischen Einheit) bisher auch stets für
seine internen KandidatInnenküren zurückgegriffen hatte. Als Chávez 1998 die
Wahl einer Verfassungsgebenden Versammlung einem Referendum unterstellte, folgte
er der damals noch geltenden Verfassung; dieses Erfordernis ist in der heutigen
Verfassung nicht mehr enthalten. Hingegen bedarf der zu erarbeitende Verfassungsvorschlag
aber eines Referendumsentscheids über seine Annahme oder Verwerfung. Alle
Wahlgänge und Referendumsabstimmungen sind laut Verfassung vom Nationalen Wahlrat
CNE durchzuführen, der dafür eine Vorbereitungszeit von mindestens 50 Tagen
braucht. Die Streitkräfte sollten eigentlich keine verfassungswidrigen Entscheide
der rechten Parlamentsmehrheit „unterstützen“, wenn diese klar putschistisch
sich etwa die Kompetenz anmasst, den Präsidenten per einfachen Beschluss abzusetzen
oder Entscheide des Obersten Gerichts strikt ignoriert. Usw. usf.
Wahlmodus als Selbstverteidigung
Diese paar
Bemerkungen sind einzig ein Reflex auf medial vorgebrachten Propagandalügen. Es
geht natürlich nicht um „Rechtsfragen“, sondern um politische Inhalte. Was den
Chavismus betrifft, so betrifft eine Frage in Sachen Konstituante wohl den
Modus ihrer Wahl. Alle BürgerInnen haben demnach zwei Stimmen. Die eine „territoriale“
wird für KandidatInnen des jeweiligen Wahlbezirks abgegeben. Dazu gibt es noch
die „sozial-sektorielle“ Stimme. RentnerInnen, UnternehmerInnen, Menschen mit
Behinderung, BäuerInnen und FischerInnen, ArbeiterInnen und StudentInnen wählen
die jeweiligen VertreterInnen ihrer Sektoren in die Konstituante, und zwar auf
einer landesweiten Liste. Ausnahme die der lokal gewählten VertreterInnen Concejos Comunales (Nachbarschaftsräte)
und die VertreterInnen der indigenen Comunidades, die ihr eigenes Wahlsystem benutzen.
Die sektorielle Zuordnung soll alle Menschen abdecken und auf staatlichen
Datenbanken wie der Sozialversicherung basieren. Tatsächlich dürfte der
sektorielle Modus weniger fortgeschrittener sozialer Demokratie als dem Schutz
vor einer Niederlage dienen.
Nur ist
dies nicht einfach der medial angeküdnigte Wahlbetrug. Es handelt sich eher um
eine heikle Verteidigungsmassnahme in einer extrem zugespitzten Situation, die
gekennzeichnet ist nicht durch „Bürgerproteste“, sondern durch die Entfaltung
eines paramilitärischen Destabilisierungsszenarios mit der Option einer ausländischen
Intervention, gekennzeichnet auch durch eine extrem brutale internationale und
oligarchische Offensive auf Wirtschaftsgebiet, die seit Jahren anhält,
unbeschadet von Fehlern und Komplizenschaft im chavistischen Apparat. Finanzielle
Strangulierung, andauernde Produktions- und Verteilblockade durch das nationale
und internationale Kapital, künstlich angeheizte Superinflation etc.: ein
brutaler und zynisch kalkulierter Angriff auf die Psyche und die Gesundheit der
Leute. Als vor dem Putsch 1973 eine ähnliche Offensive gegen die Regierung
Allende lief, waren die Mainstreammedien voller Gelächter über die
wirtschaftliche Inkompetenz der linken Regierung und die „abstrusen Verschwörungstheorien“.
Daran hat sich nichts geändert, im Gegenteil. Es ist in dieser Situation, dass
der Chavismus (unbeholfen?) zu diskutablen Mitteln greift. Wer diesen Kontext,
in dem bürgerlich-demokratische Sitten brutal ausgehebelt werden, ignoriert,
sollte das Maul halten.
Weiter kann
die Frage gestellt werden, ob die Mobilisierungen für die Konstituante es
schaffen, die chavistische Bewegung zu revitalisieren und enttäuschte Menschen
zurückzugewinnen. Dies auch im Hinblick auf die für Dezember angesagten
Gouverneurswahlen die für nächstes Jahr vorgesehenen ordentlichen
Präsidentschaftswahlen, deren Durchführung und Ausgang jetzt in den Sternen
steht.
Ein Putschist spricht Klartext
Wir haben
in diesem Blog immer wieder Momente der Angriffsstrategien skizziert, etwa die internationalen
Kräfteaufstellung via OAS oder US-Südkommando oder die Zersetzung der
Grundbasen von gesellschaftlichen Zusammenleben (die wiederholten, teilweise
gelungenen Versuche, mutmassliche Chavistas mit Benzin zu übergiessen und zu
verbrennen, oder bewaffnete Angriffe auf Spitaleinrichtungen). Vieles konnten
wir nicht oder kaum thematisieren. So etwa den intensivierten Angriff auf die
Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln durch militante, mit
Scharfschützen und Lynchmobs abgesicherten Blockaden wichtiger Transitrouten
von Lebensmitteltransporten aus den Agrargegenden in die grossen Städte in Kombination
mit bewaffneten Attacken auf Lebensmittellager.
An dieser
Stelle wollen wir auf eine Einschätzung des „Plebiszits“ durch den Abgeordneten
Juan Requesens von der rechten Partei Primero Justicia eingehen, die dieser am
5. Juli einem geneigtem Publikum an der Florida International University vorgetragen hat.
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| Requesens an der Florida International University |
Der 16. Juli soll die „Stunde
null“ für die „absolute Lähmung des
Alltagslebens des Landes“ werden mit Höhepunkt am 30. Juli, dem Tag an dem
die Wahl der Konstituante geplant ist (die ganze 32-minütige Rede oder
auch ein 8-minütiger
Ausschnitt sind auf Youtube zu sehen. Alba Ciudad hat am 7. Juli einen Artikel
dazu publiziert.) Was versteht Requesens unter absoluter Lähmung? „Es wird der Tag kommen, vor dem 30. Juli,
an dem wir diese Strassenblockaden nicht mehr für Stunden, sondern für Tage
ausrufen (…)Und es wird der Tag kommen, an dem wir die Versorgungswege der Verteilung
der Nahrungsmittel behindern müssen, denn das wird unsere Aufgabe sein.“
Lähmung
absolut als Ziel, also. Denn
„vom 16. Juli an bleiben 14 Tage bis zur Konstituante,
und es gibt nichts mehr zu verlieren.“ „Die
Regierung“, so der Abgeordnete weiter, „bringt
uns leider in einen Krieg. Wenn die Regierung einen Krieg will, geben wir ihr
einen. Wir werden Venezuela paralysieren."
Das
Plebiszit ist das Mittel zum Krieg: Es „bewirkt
einen zündenden und entfesselnden Effekt für die Lähmung des Landes“. Denn für
ein „Nein“ im Plebiszit lassen sich viel grössere Mengen an Menschen
mobilisieren als mit Demos. Dadurch sei es möglich zu „erreichen, dass die internationalen Organisationen das Plebiszit
anerkennen“.
Zentral in
der ganzen Sache ist, wie Requesens in seiner Rede im Einklang mit Äusserungen
anderer rechter ExponentInnen betonte, dass ein international legitimiertes Plebiszit
die Einrichtung einer „Übergangsegierung“ und anderer Staatsorgane (Oberstes Gericht,
Wahlrat u. a.) ermögliche. Nun wäre da noch das Detail, dass gleichzeitig die
legitime Regierung amtierte und dass trotz der angestrebten „Absoluten
Lahmlegung“ des Landes die Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung
stattfänden. In diesem Fall „kommt es zu
einem ausgewachsenen Krieg, meine Herren“ (guerra soberana). Doch da gibt
es ein Problem, wie Marco Teruggi gerade
analysiert
hat: Die Rechte scheint bisher weder mit ihren Putschaufrufen an die Armee
(gerade wieder in den drei „Plebiszit-Fragen“ enthalten) viel Erfolg
eingefahren zu haben; und ihre eigene militärische Schlagkraft scheint trotz zeitweiser
paramilitarisierter Kontrolle einiger limitierter Zonen im Land auch keinen
militärischen Sieg zu garantieren.
Wie dieses
Problem gelöst werden soll, verrät uns der Putschist mit folgender beiläufig
angebrachten Anekdote: Vor einer Stunde in einem anderen Forum habe ein Herr darauf
gedrängt, dass für den Fall, dass trotz Paralysierung des Landes die Regierung
die Konstituantenwahlen abhalte, ein Plan B aktiviert werden müsse.
„Welches ist der Plan B?“, berichtet Requesens, fragte er den
Herrn.
„Nun, dass sie uns invadieren“, habe der Mann geantwortet.
„Das ist gewagt“, fuhr Requesens schmunzelnd fort, „aber um zu einer ausländischen Intervention
zu kommen, müssen wir durch diese Phase durch. Das ist klar!“
Es ist dies
eine Konstante im Vorgehen der Rechten, die diesen Kurs natürlich nur mit
Rückendeckung bzw. Anleitung aus Washington und z. B. Kolumbien fahren können.
In dieses Schema passt die Planung intensivierter Sabotage der
Nahrungsversorgung. Die medialen Pagaien dürften in diesem Fall ihr Wehklagen
ob der tatsächlich kritischen Versorgungslage noch steigern, ganz im Sinn des
US-Südkommandos und des US-Kongresses, die mehrmals die Möglichkeit/Notwendigkeit
einer „humanitären Intervention“ thematisiert haben.
In diesem
Kontext sind diverse Massnahmen der Regierung und wohl auch des Obersten Gerichts
zu verorten. So haben Maduro und andere chavistische Grössen die „Belagerung“
des Parlaments durch chavistische Organisationen scharf verurteilt (auch wenn
die Sache sich offenbar doch ziemlich anders als im Mainstream dargestellt
verhalten hat, s. amerika21.de).
Auch die Überführung der seit 2015 einsitzenden Putschikone Leopoldo López in
Hausarrest auf Grund einer Gerichtsresolution dürfte dem Bestreben geschuldet
sein, nur ja nicht in die eine Intervention „legitimierende“ Falle von sich
zuspitzender Polarisierung zu laufen. (El País hat übrigens gestern darüber berichtet,
dass schon lange Verhandlungen zwischen López dem spanischen Ex-Premier Zapatero und der
Regierung gelaufen sind, die laut El País fast am Starrsinn Maduros gescheitert
wären, während chavistische Medien schon vor Wochen darüber berichtet haben,
dass die Hausarrestlösung, von López angestrebt, von den radikalen Kräften der
Opposition hintertrieben worden seien.) Das neue Haftregime López‘ dürfte mehr
auf internationale Resonanz denn auf die kaum zu beeinflussende interne
Opposition ausgerichtet sein. Immerhin hat Washington mit seinem
Interventionsaufbau (falls „nötig“) etliche Rückschritte erlitten, z. B. in der
OAS, wo, anders als in den hiesigen Medien kolportiert, die entscheidende
Resolution für eine internationale Pazifizierungsmission“ nur wenige Stimmen
auf sich vereinigen konnte, oder dieser Tage gerade in Caricom, dem karibischen
Staatenverbund. Und dann scheint nicht so klar zu sein, wie sich Russland im
Fall eines offenen Angriffs verhalten würde…
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