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Rede des Präsidenten von Kolumbien vor der UNO

Montag, 26. September 2022

 

Kolumbien / Politik

Rede des Präsidenten von Kolumbien vor der UNO

amerika21 dokumentiert die Rede des kolumbianischen Präsidenten Gustavo Petro am 20. September bei der UN-Generaldebatte in New York

Ich komme aus einem der drei schönsten Länder der Welt.

Dort gibt es eine überschäumende Natur. Tausende bunter Arten in den Meeren, am Himmel, auf dem Lande. Ich komme aus dem Land der gelben Schmetterlinge und der Magie. Dort, von den Bergen und in den Tälern aller Grüntöne fließen nicht nur das reichlich vorhandene Wasser, sondern auch Ströme von Blut. Ich komme aus einem Land von in Blut getränkter Schönheit.

Mein Land ist nicht nur schön, es ist auch voller Gewalt. Wie passen Schönheit und Tod zusammen, wie kann die Artenvielfalt des Lebens erblühen inmitten von Todes- und Schreckenstänzen? Wer ist schuld, dass der Zauber durch Terror zerstört wird?

Wer oder was ist dafür verantwortlich, dass das Leben durch die Routineentscheidungen von Reichtum und Kapitalinteressen untergeht? Wer führt uns als Nation und Volk ins Verderben?

 

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Das Monster vor der Tür, Agrarindustrie, Pharma, Kolonialismus, Klassenkampf

Mittwoch, 18. März 2020


(zas, 18.3.20) Unbedingt zum Thema Corona und Kapitalismus zu lesen:

By Haymarket Books / March 12 2020
und
Ein Gespräch mit dem Evolutionsbiologen Rob Wallace über die Gefahren von Covid-19, die Verantwortung der Agrarindustrie und nachhaltige Lösungen zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten
Von Rob Wallace (Interview: Yaak Pabst) marx21
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Das Monster vor der Tür

In seinem Corona-Artikel geht er auf 3 Punkte ein:
1.       Die Kolonialismusfrage. Als die spanische Grippe 1918-1919 zwischen 1 – 2 Prozent der Weltbevölkerung dahinraffte, galt (und gilt bis heute) die mediale Aufmerksamkeit dem Geschehen in Europa. Davis dazu:
«Aber es wird selten gesagt, dass sich rund 60 Prozent der weltweiten Todesfälle in Westindien ereigneten, wo Kornexporte ins Vereinigte Königsreich und eine brutale Requisitionspraxis mit einer grossen Dürre zusammenfielen. Die daraus resultierende Nahrungsknappheit trieb Millionen an den Rand des Verhungerns. Sie wurden Opfer einer finsteren Synergie von Mangelernährung, die ihre Immunabwehr gegen Infektionen schwächte, und einer grassierenden bakteriellen und virologischen Lungenentzündung». Heute «weiss niemand, was in den kommenden Wochen in Lagos, Nairobi, Karachi oder Kalkutta passieren wird.»
Die Klassenfrage in den USA. Die Grippeepidemie 2018 hat
«den schockierenden Mangel an Spitalbetten nach 20 Jahren profitorientierter Streichung von Aufnahmekapazität (die bereichsspezifische Form von Just-in-time-Management) offengelegt … Die Alters- und Pflegeheimindustrie, die 2.5 Millionen ältere Americans warenhausmässig aufnimmt, ist seit langem ein Skandal. Der New York Times zufolge sterben jedes Jahr 380'000 PatientInnen in den Pflegeheimen wegen der mangelnden Kontrolle von Grundprozeduren der Infektionskontrolle. Viele Heime – vor allem in den Südstaaten – finden es billiger, Bussen für Hygieneverletzungen zu bezahlen als neues Personal anzustellen und auszubilden.»
2.       Der Coronaausbruch hat sofort die krassen Klassenunterschiede im Gesundheitswesen aufgezeigt:
«Die Leute mit guter Krankenversicherung und der Möglichkeit, von zuhause aus zu arbeiten oder zu unterrichten, sind angenehm isoliert, solange sie die Sicherheitsregeln befolgen. Staatsangestellte und andere Gruppen von gewerkschaftlich organisierten ArbeiterInnen mit akzeptabler Versicherung werden vor der schwierigen Wahl zwischen Einkommen und Schutz stehen. Während Millionen von DienstleistungsarbeiterInnen im Tieflohnsektor, LandwirtschaftsarbeiterInnen, temporär Angestellte, Arbeitslose und Obdachlose den Wölfen zum Frass vorgeworfen werden.»
3.       Die Pharmaindustrie. «15 der 18 grössten Unternehmen haben Forschung und Entwicklung von neuen Antibiotika und Virenmittel ganz aufgegeben.» Es gibt für sie lukrativere Bereiche wie «Herzarzneien, suchterzeugende Beruhigungsmittel und Behandlung von männlicher Impotenz». Ein genereller Impfstoff gegen Grippe allgemein wäre seit Jahrzehnten möglich, «also ein Vakzin, das die nicht mutationfähigen Teile der Oberflächenproteine des Virus angreift», aber war nie Priorität.

Agrarindustrie
Auszug aus dem Interview mit Wallace:
Du erforschst Epidemien und ihre Ursachen seit mehreren Jahren. In deinem Buch "Big Farms Make Big Flu" versuchst du, die Zusammenhänge zwischen industriellen landwirtschaftlichen Methoden, Ökolandbau und virusbedingter Ansteckungskrankheiten aufzuzeigen. Was sind deine Erkenntnisse?
Die eigentliche Gefahr jedes neuen Ausbruchs ist das Versagen, oder, besser gesagt, die zweckdienliche Weigerung zu begreifen, dass jeder neue Covid-19-Fall kein Einzelfall ist. Das vermehrte Auftreten von Viren steht in engem Zusammenhang mit der Nahrungsmittelproduktion und der Profitabilität der multinationalen Unternehmen. Wer verstehen will, warum Viren immer gefährlicher werden, muss das industrielle Modell der Landwirtschaft und insbesondere der Viehzucht untersuchen. Gegenwärtig sind nur wenige Regierungen und wenige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dazu bereit. Ganz im Gegenteil: Wenn die neuen Virusinfektionen ausbrechen, sind die Regierungen, die Medien und sogar die meisten medizinischen Einrichtungen so auf jeden einzelnen Notfall konzentriert, dass sie die strukturellen Ursachen, die dazu führen, dass mehrere eher marginale Krankheitserreger nacheinander zu plötzlicher weltweiter Berühmtheit gelangen, außer Acht lassen.
Wer ist daran schuld?
Ich habe industrielle Landwirtschaft gesagt, aber es gibt einen größeren Rahmen dafür. Das Kapital erobert weltweit die letzten Urwälder und die letzten von Kleinbauern bewirtschafteten Flächen. Diese Investitionen treiben die Entwaldung und damit eine Entwicklung voran, die zur Entstehung neuer Krankheiten führt. Die funktionelle Vielfalt und Komplexität dieser riesigen Landflächen wird so vereinheitlicht, dass zuvor eingeschlossene Krankheitserreger auf die lokale Viehzucht und die menschlichen Gemeinschaften überspringen. Kurz gesagt, die Metropolen des globalen Kapitals, Orte wie London, New York und Hongkong, müssen als Krisenherd für die wichtigsten Krankheiten betrachtet werden.
Bei welchen Krankheiten ist das der Fall?
Es gibt derzeit keine "kapitalfreien" Krankheitserreger. Selbst die Weltabgeschiedensten sind betroffen, wenn auch in entfernter Weise. Ebola, Zika, die Coronaviren, das Gelbfieber, verschiedenste Vogelgrippen und die afrikanische Schweinepest bei Schweinen sind nur einige der vielen Erreger, die aus dem entlegensten Hinterland in Stadtrandgebiete, in die regionalen Hauptstädte und schließlich in das globale Reisenetz gelangen. Es braucht nur wenige Wochen von den Flughunden in Kongo, die vermutlich das Ebolavirus übertragen, bis zu den Sonnenanbetern in Miami, die an dem Virus sterben.
(…)
Durch Züchtung genetischer Monokulturen von Nutztieren werden alle eventuell vorhandenen Immunschranken beseitigt, die die Übertragung verlangsamen könnten. Eine große Tierpopulation und -dichte fördert hohe Übertragungsraten. Solche beengten Verhältnisse beeinträchtigen die Abwehrkräfte des Immunsystems der Tiere. Ein hoher Durchlauf von Tieren, der Teil jeder industriellen Produktion ist, versorgt die Viren mit ständig neuen Wirtstieren, was die Ansteckungsfähigkeit der Viren fördert. Mit anderen Worten: Die Agrarindustrie ist so auf Gewinn ausgerichtet, dass die Entscheidung für ein Virus, das eine Milliarde Menschen töten könnte, das Risiko wert zu sein scheint.

Schweiz rettet Südamerika

Donnerstag, 9. Januar 2020


(zas, 9.1.20) Swissmem-Chef Hans Hess versucht heute in der NZZ eine Argumentation für den Schweiz/EFTA-Freihandelsvertrag mit dem südamerikanischen Handelsblock Mercosur. Leider werde das Vertragswerk nach dem Riesenbrand im Amazonasgebiet in Frage gestellt. Zu Unrecht, weiss der Spitzenmann der Metall- etc. Industrie. Denn erstens käme die Schweiz ohne Freihandelsabkommen gegenüber der EU ins Hintertreffen, und zweitens verfüge die Schweizer Industrie über Mittel, «um die Klimabelastung zu reduzieren». (Schönes Wort, nicht? Klimabelastung …) Deshalb: «Ich bin (…) überzeugt, dass ein Freihandelsabkommen mit der Schweiz einen positiven Beitrag zur Nachhaltigkeit in Südamerika leisten würde.»
Denn: kein Freihandelsabkommen = Zölle. Die Leute in Südamerika würden weniger von der Schweiz profitieren. Und in der dortigen Industrie und Dienstleistung würden auch dank eines solchen Abkommens Arbeitsplätze geschaffen. Das würde den Regenwald freuen. Überhaupt: «Studien zeigen, dass eine positive wirtschaftliche Entwicklung nicht nur zu mehr Wohlstand, sondern auch zu mehr Nachhaltigkeit führt.»
Weshalb Klima-Engagierte das Freihandelsabkommen begrüssen sollten.
Als vor einigen Wochen EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen eine Politik des new green deal skizzierte, gab es ein grosses Ah und Oh in den Medien. Europa einmal mehr ganz vorne in der Rettung der Welt. Blöd, hatte ich gerade einen Bericht von Grain zum vorgesehenen EU-Mercosur-Freihandelsvertrag (EU-Mercosur trade deal will intensify the climate crisis from agriculture) gelesen, der anderes nahelegte. Sollte der Vertrag zustande kommen, würden allein die im Agrobusinessbereich vorgesehenen Handelssteigerungen sehr konservativ gerechnet zusätzliche 9 Millionen Tonnen Treibhausgase pro Jahr bewirken, fast so viel wie der Gesamtausstoss der 3.9-Millionenstadt Belo Horizonte. 34 % mehr pro Jahr im Vergleich zum Ist-Zustand.
Hess und von der Leyen wissen, wie Kohle zu machen ist. Nicht die traditionelle Kohle. Ihre ist unvergleichlich zerstörerischer.

Venezuela: Mit Herrchen lügen

Donnerstag, 15. Dezember 2016



(zas, 15.12.16) An … ab; an … ab. So folgsam ist die transnationalisierte  „Berichterstattung“ zu Venezuela. Als die rechte Opposition auf einen Dialog mit der Regierung einwilligen und die Existenz eines Wirtschaftskriegs gegen das chavistische Venezuela zugeben musste, waren die Scheinwerfer gerade ausgeschaltet. (S. Melancholie, verschweigen, nur nicht die Wahrheit sagen). Ergebnis: Die Freimedien konnten die Sache verschlafen, um danach im gewohnten Stil weiter zu machen. Am letzten Novemberwochenende wurde der Schalter wieder umgestellt, für alle bemerkbar mit einer Doppelseite in der New York Times, welche die höllischen Zustände in Venezuela und seinem Gesundheitswesen „beleuchteten“. Und das Kesseltreiben setzte wieder munter ein.  Gestern ein Bericht des Imperium-Mundstücks Achermann im offiziellen Schweizer Radio, heute ein Reisser mit dem Titel „Venezuela lässt sein Kinder sterben“ von Brühwiller in der NZZ. Beide wissen: Für die Menschen in Venezuela ist das Leben entsetzlich. Achermann oberflächlich, dumm, wie gewohnt; Brühwiller triebhaft aggressiv, wie gewohnt.
Vorweg: Ja, es gibt schlimme Situationen in Venezuela. Auch im Gesundheitswesen. In der Versorgung mit Esswaren, mit Medikamenten… In welchem Ausmass? Wir können uns kein Urteil anmassen. Aber wenn wir wissen, dass Bekannte ihren Angehörigen drüben Toilettenartikel oder schmerzlindernde Mittel schicken mussten, ist klar, dass die Lage ernst ist.
Dies das eine. Etwas anders die Lüge.
Sie kommt auf verschiedenen Tatzen daher.
Nr. 1: Verschweig die Täter und Täterinnen, schieb die Schuld auf die Angegriffenen.  Warum fehlt es manchmal an lebensrettenden Medikamenten? Wegen chavistischer Gier und Misswirtschaft. In diesem Blog und im Correos haben wir immer wieder veröffentlicht, dass anderes im Spiel ist: etwa wenn Tonnen staatlich subventionierter Medikamente und medizinischer Instrumente in Silos von Privatunternehmen gehortet werden.  In Privatunternehmen, die zu dem von ein paar Pharmamultis kontrolliertem monopol-artigem Pharma-Verteilnetz gehören. Oder wenn die Importpreise für Medikamente oder Basissubstanzen explodieren.
Nr. 2: Mal alles tiefschwarz. Dantes Inferno ist die Venezuela-Blaupause für jedes Schwatzmaul in den Medien. Darunter läuft nichts. Also: Es gibt nur infernalische Zustände in den Spitälern. Ist eine Krankenzimmerwand mal nicht kotverschmiert, wähnt sich das müde journalistische Auge schon fast in einer Oase. Das ist Lüge. Die nicht glaubhafter wird, weil noch jede Schreib- oder TV-Kanaille auch noch einen persönlichen Leidensweg von Don Manuel oder Doña Irma mitzuteilen weiss. Im benachbarten Kolumbien, im Grenzdepartement  Guajira sind nach offiziellen, die reale Lage massiv beschönigenden Berichten „von 2008 bis 2013 4112 Kinder an Unterernährung und verhinderbaren Kinderkrankheiten gestorben“ (s. Kolumbien: Genozid, nicht Natur). Da Glencore und andere Minenmultis das Wasser der indigenen Comunidades brauchen, sterben die Kinder und die Erwachsenen weiter. Wir schrieben am 22. September 2016: „Vor zwei Tagen berichtete die kolumbianische Zeitung El Tiempo, dass in diesem Jahr nach offiziellen Angaben 53 Kinder an Unterernährung gestorben seien und 20 Minderjährige in Intensivstationen wegen seit Juli fehlender Medikamente für die Akutbehandlung von Unterernährung sterben können.“ Guajira grenzt an Venezuela. Wie verlogen das „humanitäre Entsetzen“ ist, das die einschlägigen Medienschaffenden vorweisen, zeigt der kleine Umstand, dass sie es nicht ein Mal schaffen, ihren … kritischen Blick in das El Dorado der kolumbianischen Boomökonomie zu richten. Sie lügen, sie verschweigen.

Zwei Beispiele:
Brühwiller behauptet heute, indirekt gebe die Regierung Maduro eine humanitäre Krise zu, indem sie, zur Vertuschung des „Versagens des Staates“ einen „Kanal der Solidarität“ aufbaue, also internationale Hilfe empfange. Es stimmt, es gibt diesen Kanal. Was einer wie Brühwiller vermutlich aus Kalkül verschweigt, einer wie Achermann eventuell gar nicht weiss, da ihm das seine üblichen rechten Gewährsleute nicht zu stecken für nötig hielten, ist, dass dieser Kanal nicht „aufgebaut“ werden muss, sondern seit langem existiert. Aber Brühwiller muss anbringen, was die US-finanzierte weit rechts stehende Partei Voluntad Popular von sich gibt, dass nämlich an einem Treffen vom letzten 8. Dezember der Regierung Maduro mit UNO-Organisationen die diskutierte Benutzung dieses Kanals das Eingeständnis einer humanitären Krise im Land darstelle. Nun, dieser Kanal ist ein viel benutzter Rotationsfonds der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation OPS, Teil der WHO, über den Regierungen des Südkontinents verbilligt zu Impfstoffen und Medikamenten gelangen. Der chilenische Gesundheitsminister sagt: „Dieses Abkommen erlaubt dem Gesundheitsministerium, in optimaler Zeit Medikamente für kritische Programme zu erwerben, von garantierter Qualität und zu einem effizienterem Preis, als er im chilenischen Markt erzielt werden könnte.“  Der gleiche Abgeordnete von Primera Justicia, der auch NZZ-Brühwiller als Auskunftsquelle diente, verbreitet die Version, der Fonds sei für „Nationen in Krise“ da. Chile wird zwar tatsächlich von Krisen geschüttelt, etwa wegen des Feldzugs gegen die Mapuche oder der Verweigerung einer guten Ausbildung für alle, doch bisher ist dieses Land nicht dafür bekannt, in den Augen der Brühwillers und ihrer Bosse als humanitäre Katastrophe zu gelten. Aber der NZZ-Schreiber muss auf Linie bleiben: Schliesslich hat kein geringerer als der damalige US-Oberkommandierende des Südkommandos gegen Lateinamerika (Southcom), im Oktober 2015 das Gerede von der „humanitären Krise“ in Venezuela auf die Tagesordnung gebracht. Er teilte damals mit, er bete jeden Tag dafür, dass Venezuela wegen seiner enormen wirtschaftlichen Probleme nicht kollabiere. Im Falle einer dadurch bewirkten
„humanitären Krise […] könnten wir reagieren und täten dies via Organisationen wie die UNO, die OAS oder die FAO.“ Darum geht es, nicht um Kinder. Die sind der Mediengang ziemlich wurst, siehe das o. e. Beispiel des Desinteresses zum Fall der Wayuu in Kolumbien.

Gestern war Radio-Achermann fassungslos. Der Maduro erfindet immer wieder neue absurde Anschuldigungen, um von seinem wirtschaftlichen Versagen abzulenken. Er redet auch stets von Wirtschaftssabotage, ha! Und so ist ihm eingefallen, jetzt die 100-Bolívares-Note aus dem Verkehr zu ziehen. Was den armen Wahrheitsfinder von Radio SRF künftig dazu zwinge, beim Restaurantbesuch einen Plastiksack von Geldbündeln mitzuschleppen. Macondo im Quadrat! Was soll kleinkrämerische Detailreiterei, wenn es gilt, das grosse Bild zu vermitteln?  Und warum soll Ignoranz nicht bestechen? Seit 2000 hat die kolumbianische Zentralbank mit ihrer Resolution Nr. 8 ein doppeltes Kursregime seines Pesos zum venezolanischen Bolívar eingeführt. Im Grenzgebiet zu Venezuela war der Bolívar für 2.54 Pesos zu erhalten, im Landesinnern für 300.58 Pesos. Eigenartig, nicht? Nicht für die Achermänner. Aber für Juan Carlos Tanus, Sprecher der Organisation Colombianos y Colombianas en Venezuela. Er erklärt der venezolanischen Nachrichtenagentur AVN, wie das funktioniert (¿Cómo opera el ataque al bolívar en Colombia?). Die imperialen Mafias im kolumbianischen Grenzgebiet kaufen in industriellem Ausmass Hundert-Bolívares-Scheine. (Das zwingt en passant die chavistische Regierung, Geld zu drucken, und verschönert so die Inflationsrate.) Die für 254 Pesos erworbenen Scheinchen werden in Bogotá in 30'058 Pesos zurückgetauscht. Die Pesos werden im nächsten Schritt in US-Dollars eingetauscht, für 3'000.8 Pesos gegen $ 10. Die $ 10 werden in Venezuela zum Schwarzmarktkurs in 42'540 Bolívares verwandelt, die zu einem beträchtlichen Teil für den Kauf von subventionierten Gütern verwendet werden, welche dann nach Kolumbien geschmuggelt werden. AVN zitiert Präsident Maduro so: „Man schätzt, dass 300 Milliarden Bolívares im Besitz von aus Kolumbien geleiteten Mafias sind; sie sind Teil des wirtschaftlichen Putschs.“
Wechselstube in Cúcuta
 
Nun ja, wofür auch erwähnen, dass die venezolanische Regierung ihr kolumbianisches Pendant aufgefordert hat, den Doppelkurs abzuschaffen? Oder dass die Wechselhäuser im kolumbianischen Schmuggelzentrum von Cúcuta jammern, jetzt auf 2 Milliarden Bolívares sitzen zu bleiben, mit denen sie nichts mehr anstellen können? Weshalb die kolumbianische Regierung helfend eingreifen müsse. Denn – Gott sei es geklagt – Venezuela sperrt die Grenze mit Kolumbien und untersucht Massenimporte von 100-Bol’ivares-Scheinen auf ihre Rechtmässigkeit. Wenn das nicht totalitär ist, was dann?
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Wer gerne eine realistische Sicht auf die Probleme in Venezuela (Versorgung, Gesundheitsdienste) hat als die der Imperiumsmedien, lese den kleinen Artikel auf venezuelanalysis.com vom 10. Dezember: Community-Delivered Food, Clean Clinics, and Queue-Less Banks: A Glimpse into VA’s Week in Venezuela.