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El Salvador: Krise im Agrarsektor

Sonntag, 17. Mai 2026

 

Die Regierung behauptet Agrarsektor umfassend zu unterstützen. Expert:innen widersprechen und warnen vor sinkender Produktivität, steigenden Kosten und zunehmender Landflucht

Produktionsrückgänge und steigende Kosten deuten auf eine strukturelle Krise im Agrarsektor von El Salvador hin
Produktionsrückgänge und steigende Kosten deuten auf eine strukturelle Krise im Agrarsektor von El Salvador hin

San Salvador. Die Landwirtschaft in El Salvador steckt in einer tiefen Krise. Während Kleinproduzent:innen über steigende Kosten, zunehmende Unsicherheiten, sinkende Rentabilität und wachsende Konkurrenz durch Importe klagen, präsentiert die Regierung ihre Agrarpolitik als Erfolgsgeschichte.

Agrarminister Óscar Domínguez erklärte auf X: "Noch nie hat eine Regierung den Agrarsektor so umfassend unterstützt wie die von Präsident Nayib Bukele." Er verwies darin auf Programme zur Produktionssteigerung, der Schaffung von Anbauflächen für Grundnahrungsmittel, Subventionen, technologische Modernisierungen und staatliche Vermarktungsstrukturen landwirtschaftlicher Betriebsmittel "zu den niedrigsten Preisen".

Doch ein Blick auf die verfügbaren Daten und die Einschätzungen aus den betroffenen Sektoren zeigt ein anderes Bild. Der Ökonom César Villalona widerspricht den Aussagen von Domínguez deutlich. Aus seiner Sicht zeigen die offiziellen Statistiken keinen Aufschwung, sondern einen deutlichen Rückgang zentraler Produktionsbereiche.

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Chronik eines Sieges: In Mexiko ist der Anbau von Genmais verboten

Samstag, 3. Mai 2025

 https://amerika21.de/analyse/274994/mexiko-anbau-von-genmais-verbot

 

Das jetzt in der Verfassung verankerte Verbot ist das Ergebnis jahrzehntelanger Kämpfe
Verschiedene mexikanische Maissorten
Verschiedene mexikanische Maissorten

Am 17. März 2025 wurde endgültig in der mexikanischen Verfassung das Verbot des Anbaus von gentechnisch verändertem Mais auf dem gesamten Staatsgebiet verankert. Dies ist das Ergebnis jahrzehntelanger Kämpfe indigener Völker, Bauerngemeinschaften und -organisationen, der Zivilgesellschaft, Wissenschaftler:innen, Kulturschaffende und Umweltschützer:innen.

Die Änderungen in Artikel 4 der Verfassung erkennen an, dass in Mexiko als Zentrum der Herkunft und Vielfalt des Maises dieser ein Element der nationalen Identität, ein Grundnahrungsmittel des mexikanischen Volkes und die Lebensgrundlage der indigenen und afro-mexikanischen Völker ist. Es wird festgelegt, dass sein Anbau auf nationalem Gebiet frei von genetischen Veränderungen sein muss, die mit Techniken hervorgerufen werden, die die natürlichen Barrieren der Fortpflanzung oder Rekombination überwinden, wie gentechnisch veränderte Organismen.

Die Verabschiedung ist für Mexiko und für die Welt von großer Bedeutung. Es ist eine der Forderungen, die die Völker, die den Mais seit jeher anbauen, seit der nachgewiesenen Kontamination des einheimischen Maises mit transgenen Organismen im Jahr 2001 erhoben haben. Dies wurde auch in den Ergebnissen des ersten Forums zur Verteidigung des Maises festgehalten, das 2002 vom Centro de Estudios para el Cambio en el Campo mexicano (Ceccam) einberufen wurde.

Seitdem hat das Netzwerk zur Verteidigung des Maises unzählige Aktionen durchgeführt, um den einheimischen Mais, die Milpa und die Autonomie der Gemeinden, die sie erhalten, zu verteidigen, zu stärken und zu schützen. Es hat Prozesse und Workshops durchgeführt, um die gentechnische Kontamination zu analysieren, ihre Ursachen zu verstehen und Strategien zum Schutz und zur Dekontaminierung von Mais auszutauschen, sich auf nationaler und internationaler Ebene mit anderen Organisationen zur Verteidigung des bäuerlichen Maises zu vernetzen und das Verbot von gentechnisch verändertem Mais in Mexiko und Mesoamerika zu fordern, da er ein inakzeptables Risiko für die biologische Vielfalt und die Ernährungssouveränität weltweit darstellt.

Der Kampf gegen gentechnisch veränderten Mais in Mexiko umfasst ein breites Spektrum. Beteiligt sind sowohl die Völker, die den Mais vor 10.000 Jahren kultiviert haben und ihn als integralen Bestandteil ihrer Lebensweise und Kultur weiterhin pflegen, als auch Hunderte von sozialen, ökologischen, pastoralen, kulturellen und wissenschaftlichen Organisationen, die mit Aktionen, Anzeigen und Dokumenten dazu beigetragen haben. Die Kämpfe umfassten lokale, ländliche und städtische Aktionen, Proteste und internationale Anzeigen in verschiedenen Foren der Vereinten Nationen, was beispielsweise dazu führte, dass das Übereinkommen über die biologische Vielfalt die mexikanische Regierung wegen des mangelnden Schutzes des Getreides in seinem Ursprungsgebiet zur Rede stellte.1

Die gentechnisch veränderten Pflanzen werden von vier transnationalen Konzernen kontrolliert: Bayer (Eigentümer von Monsanto), Syngenta, Corteva (Fusion von DuPont und Dow) und BASF. Angesichts der bevorstehenden Genehmigung der kommerziellen Aussaat von gentechnisch verändertem Mais durch die Regierung zu Gunsten dieser Unternehmen erklärte das Netzwerk zur Verteidigung des Maises zusammen mit Studenten-, Bauern- und Wissenschaftlerorganisationen im Jahr 2012 nachdrücklich, dass sie dies nicht zulassen würden, und riefen ein Volksmoratorium gegen gentechnisch veränderten Mais aus.

Im Jahr 2013 wurde eine Sammelklage von 52 Personen und 22 Organisationen eingereicht, um die Freigabe von gentechnisch verändertem Mais im Land zu stoppen. Die "Demanda Colectiva Maíz" erreichte eine rechtliche Aussetzung, die bis heute Bestand hat, obwohl sie einen ungleichen Kampf gegen mehr als 100 Anfechtungen und rechtliche Angriffe seitens der transnationalen Konzerne führen musste.

Von 2011 bis 2014 fanden im Rahmen des Ständigen Tribunals der Völker, Sektion Mexiko, sechs Sitzungen mit Hunderten von Menschen und nationalen und internationalen Experten statt, die sich mit der Gewalt gegen die Maisvölker und den Bedrohungen für den einheimischen Mais und die Ernährungssouveränität befassten.

Im abschließenden Urteil dieses Tribunals wird gefordert, dass der mexikanische Staat seine Verantwortung gegenüber vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Generationen als Ursprungsland des Maises übernimmt und alle notwendigen Maßnahmen ergreift, um die Erhaltung des einheimischen Maises als Hauptnahrungsquelle und als kulturelles Element des sozialen Zusammenhalts und der sozialen Struktur zu gewährleisten. Aufgrund der schwerwiegenden Risiken, denen der Ursprungsort des Maises, der Lebensgrundlage der Völker, die ihn zum Wohle der gesamten Menschheit geschaffen haben, ausgesetzt ist, und da Mexiko das genetische Reservoir dieses Pfeilers der weltweiten Ernährungssicherheit ist, muss der Anbau von gentechnisch verändertem Mais im Land verboten werden.

Es finden sich immer mehr Belege in wissenschaftlichen Artikeln für die Schäden, die gentechnisch veränderte Pflanzen und die damit verbundenen Agrochemikalien für die Umwelt und die Gesundheit verursachen. Die vom [Consejo Nacional de Humanidades, Ciencias y Tecnologías] Conahcyt im Jahr 2024 zusammengestellte wissenschaftliche Studie über gentechnisch veränderten Mais und seine Auswirkungen sammelt viele dieser Belege.

Vor dem Hintergrund des massiven Widerstands und Drucks der Bevölkerung erließ die mexikanische Regierung 2020 und 2023 zwei Dekrete, die den Anbau und Verzehr von gentechnisch verändertem Mais in Mexiko einschränkten. Obwohl sie begrenzt waren und obwohl Mexiko das Recht, die Argumente und die Vernunft auf seiner Seite hatte, zwangen die US-Regierung und die transnationalen Konzerne die mexikanische Regierung unter Ausnutzung der Mechanismen des Freihandelsabkommens T-Mec [USA, Kanada, Mexiko] zur Aufhebung dieser Dekrete.

Das verfassungsmäßige Verbot des Anbaus von gentechnisch verändertem Mais in Mexiko ist ein wichtiger Schritt. Die wirksame Verteidigung des Maises durch seine Völker wird fortgesetzt werden ‒ wie immer.

  • 1. Ich habe versucht, zwei Jahrzehnte des Kampfes, der Debatten und der Konfliktparteien in meinem Buch "Maíz, transgénicos y transnacionales" (Mais, Gentechnik und transnationale Konzerne) darzustellen

 

Mexiko: Förderung von Kleinbauern soll die Ernährungssouveränität stärken

Donnerstag, 17. April 2025

 https://amerika21.de/2025/04/274697/mexiko-foerdert-kleinbauern

 

Präsidentin Claudia Sheinbaum spricht vor Kleinbauern und -bäuerinnen in Zinapécuaro
Präsidentin Claudia Sheinbaum spricht vor Kleinbauern und -bäuerinnen in Zinapécuaro

Mexiko-Stadt. Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum hat den Start des neuen staatlichen Programms "Souveränität ernten" (Cosechando Soberanía) verkündet, das die Selbstversorgung des Landes mit Grundnahrungsmitteln verbessern soll.

Mehr Eigenständigkeit im Agrar- und Lebensmittelsektor sei "die beste Verteidigung gegen jegliche Zölle", welche die Regierung von Donald Trump verhängt habe, betonte Sheinbaum vor Tausenden von Bauern und Bäuerinnen am vergangenen Samstag in Zinapécuaro, einem indigenen Ort im Bundesstaat Michoacán.

Mit dem Programm können kleine und mittlere Landwirte günstig verzinste Kredite mit technischer Unterstützung sowie Beratung erhalten, um ihre Produkte auf den Markt zu bringen. Insbesondere Mais, Bohnen, Kaffee, Kakao und Honig werden gefördert. Für diese Produkte sollen "faire Preise" garantiert werden.

Tags zuvor hatte Landwirtschaftsminister Julio Berdegué Sacristán erklärt, dass die Kredite einen Höchstzinssatz von 8,5 Prozent haben werden, rund die Hälfte des marktüblichen Zinses. Die Kredite sind gekoppelt an eine Versicherung gegen klimatisch bedingte Produktionsausfälle.

Berdegué räumte ein, dass gegenwärtig drei Viertel des im Land konsumierten Reises importiert werden. Auch rund die Hälfte des verbrauchten Maises stammt aus Importen. Wichtigstes Herkunftsland für beide Produkte sind die USA. Der von dort stammende genveränderte Mais wird in Mexiko jedoch hauptsächlich als Futtermittel verwendet.

Ohne Moos nix los

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2025 werden die Kosten für das Programm voraussichtlich 54 Milliarden mexikanische Pesos betragen, rund 2,4 Milliarden Euro. Dieses Jahr sollen 300.000 kleine und mittelgroße Produzenten von Mais, Bohnen, Reis, Kakao und Honig unterstützt werden, bis 2030 dann 750.000 Landwirte. Fünf Prozent ihrer Produkte will der Staat aufkaufen, um sie in den 25.000 staatseigenen Verkaufsstellen zu subventionierten Preisen in den bedürftigsten Regionen des Landes anzubieten.

Bereits die Regierung von Andrés Manuel López Obrador (2018-2024) ließ verlauten, dass sie an der Selbstversorgung des Landes arbeite. Im damaligen Staatshaushalt wurden jedoch nur geringe Mittel dafür zur Verfügung gestellt. Der Anteil des nationalen Budgets für den Agrarsektor ist indes auch 2025 mit rund 1,25 Prozent relativ niedrig.

Vergangenes Jahr stiegen die Importe von Grundnahrungsmitteln auf ein historisches Hoch. Laut dem Branchenverband der Agromärkte GCMA stieg die Einfuhr von Getreide 2024 um 16,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 46,7 Millionen Tonnen an. Mehr als die Hälfte des konsumierten Getreides stammte aus Importen. Einer der Gründe für die sinkende landwirtschaftliche Produktion Mexikos ist die anhaltende Dürre, die besonders den Norden des Landes seit Jahren im Griff hat.

Im Süden des Landes, wo Kleinbetriebe die Landwirtschaft prägen, beraten derzeit viele Gemeinden über die Umsetzung von Sheinbaums neuem Programm.

Brasilien: Landlosenbewegung kritisiert Stillstand der Agrarreform unter Lula

Dienstag, 17. Dezember 2024

 https://amerika21.de/2024/12/272925/brasilien-landlosenbewegung-mst-kritik

 

 

São Paulo. Zum Jahresende sind die Landlosenbewegung Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra (MST), ihre Unterstützer:innen und Minister:innen der brasilianischen Regierung zusammengekommen. Beim diesjährigen "Treffen der Freundinnen und Freunde" wurde für 2024 eine Bilanz des politischen Kampfes gezogen und Prognosen für das nächste Jahr vorgestellt.

Scharfe Kritik wurde am Stand der Agrarreform geübt, die trotz Politikwechsel seit zwei Jahren mit dem linksgerichteten Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva ins Stocken geraten sei.

Für João Pedro Stedile, Mitglied der nationalen Führung der Bewegung, ist die Zwischenbilanz für die Landreform negativ. Zwar sei politischer Wille unter Lula da, dennoch habe die Regierung Schwierigkeiten, reale Maßnahmen umzusetzen. "Wir brauchen die Regierung, um die strukturellen Probleme anzugehen, denn Propaganda allein funktioniert nicht", so Stedile.

"Wir müssen viele Dinge in der Regierung Lula in Ordnung bringen, sonst werden wir viele bittere Früchte ernten", warnte Stedile. Er fordert mehr Tatendrang seitens Lula zugunsten der Landarbeiter:innen. "Wir wollen mehr als Produktionsanreize, wir wollen eine Agrarreform! Und die ist nur mit der Enteignung der Latifundien möglich, was sich auf die produktive Struktur auswirkt."

Auch João Paulo Rodrigues, ebenfalls von der nationalen Führung der Bewegung, bemängelte die aktuelle Lage und den fehlenden Dialog zwischen der MST und Lula, auf den die Bewegung seit drei Monaten warte. Es brauche konkrete Maßnahmen für die Landarbeiter:innen, wie die Neuregelung von Krediten und Schulden, aber auch Wohnraum, Bildung sowie eine generelle Verbesserung der Lebensbedingungen.

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Paulo Teixeira, Minister für landwirtschaftliche Entwicklung und Familienlandwirtschaft, verteidigte die Führung Lulas und die aktuelle Agrarreform. Ihm zufolge sind für das Jahr 2025 fünf Enteignungen von Landgütern für die Ansiedlung von Familien im Rahmen der Agrarreform geplant. Dazu zählt auch Campo do Meio im Bundesstaat Minas Gerais, wo Familien seit mehr als 20 Jahren auf eine endgültige Regelung warten. Auch die finanziellen Förderungen und Schulden der Landarbeiter:innen sollen neu verhandelt und reguliert werden.

Nicht nur Teixeira, auch der Leiter des Generalsekretariats Márcio Macedo hob die Bedeutung der MST für die Demokratie und für die Agrarreform hervor – insbesondere, wenn es darum gehe, Druck auf die Entscheidungsträger:innen des Staates auszuüben. Er appelliert an die Zusammenarbeit zwischen der Bewegung und dem Staat. Für ihn sei es "von grundlegender Bedeutung, im Kampf gegen die Ultrarechte Seite an Seite zu stehen, aber mit allem gebührenden Respekt und unter Gewährleistung der Autonomie der Bewegungen".

Die MST wurde 1984 gegründet und setzt sich seitdem für eine gerechte Landreform, den Zugang zu Land für landlose Arbeiter:innen und eine nachhaltige Agrarwirtschaft ein. Neuesten Erhebungen des Nationalen Instituts für Kolonisierung und Agrarreform (INCRA) zeigen auf, dass es landesweit rund 101.000 landlose Familien gibt.

Vergangene begann die MST ihre Kampagne "Weihnachten mit Land", um Druck auf die Regierung Lula auszuüben, die Agrarreform voranzutreiben. Am 3. Dezember besetzten 170 Familien zwei Farmen in Pedras Altas, in Rio Grande do Sul. Andere Familien protestierten vor dem Sitz des INCRA in Porto Alegre. In Pará blockierten mit der MST verbundene Familien die Carajás-Eisenbahnlinie, die dem Bergbauunternehmen Vale gehört, und prangerten die Auswirkungen großer Bauprojekte und die Untätigkeit der Behörden an.

Correos 206

Mittwoch, 7. Februar 2024

 (sorry, um ein paar Monate zu spät hochgeladen)




Correos 206

24 August 2023

 

Inhaltsverzeichnis

 

Das ganze Heft

 

Edito

 

El Salvador

"Es gibt genügend Anhaltspunkte, um El Salvador wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit strafrechtlich zu verfolgen"

Die Menschenrechtsorganisation Cristosal veröffentlichte einen erschütternden Bericht des von Zaira Navas geleiteten Untersuchungsteams zu schweren Regimeverbrechen im ersten Jahr des seit März 2022 andauernden «Ausnahme»-Zustands. Der Bericht konzentriert sich auf die Zustände in den Gefängnissen.

Julia Gavarrete befragt Zaira Navas

 

Wahlen, Irrlichter und üble Games

Dieter Drüssel

 

Brasilien

«Sukzessive Annäherungen» des Oberkommandos

Jeferson Miola

 

 

Kolumbien

Folgt Kolumbien auf die Ukraine?

Ein wichtiger Blick auf die Mechanik der US-Bedrohung in Lateinamerika, wenn auch in Bezug auf den nur gestreiften Krieg in der Ukraine ausschliesslich auf den Westen fixiert.

Aram Aharonian

 

Argentinien / IWF

IWF-Rezepte für Inflation und Rezession

Wer sucht, findet – die Dollarreserven der Zentralbank bei den Grossunternehmen

Claudio della Croce

 

Südamerika / EU

Fragiles neokoloniales Abkommen

Kritik am Strategischen Assoziierungsabkommen Mecosur- EU

Sergio Ferrari

 

Haiti

"Die Banden sind ein geplanter Terror, um den 'Status quo' aufrechtzuerhalten".

Mario Hernández interviewt Henry Boisrolin vom Comité Démocratique Haïtien

 

Fort Jacques gegen den Bandenterror

Alterpresse

 

Die Rache

 

 

Ukraine

Landraub «nebenbei»

Russische Agrarunternehmen eignen sich ukrainische Güter an. Das ist geläufig. Kaum thematisiert wird hingegen die westliche Grossoffensive zur fortschreitenden Unterwerfung der ukrainischen Landwirtschaft. Das erfordert Bauernopfer - findet auch die Schweiz.

Dieter Drüssel

 

Ukraine: Der Landraub «nebenbei»

Montag, 5. Juni 2023

Russische Agrarunternehmen eignen sich ukrainische Güter an. Das ist geläufig. Kaum thematisiert wird hingegen die westliche Grossoffensive zur fortschreitenden Übernahme der ukrainischen Landwirtschaft. Das erfordert Bauernopfer. Vertritt auch die Schweiz.

(zas, 5. 6. 23) Das Papier War and Theft: The Takeover of Ukraine’s Agricultural Land des Oakland Institute von Februar 2023 ist hochspannend - und provoziert Wut. Die von Frédéric Mousseau und Eve Devillers verfasste Analyse beleuchtet, wie die bäuerische Landwirtschaft in der Ukraine seit den Maidan-Ereignissen von 2014 sukzessive unter das Diktat der «internationalen Märkte» gezwungen wird. Insbesondere ging und geht es um die sog. Agrarmarktliberalisierung, also das Kommando transnationaler Agarunternehmen und Investmentfonds etc. über den extrem fruchtbaren Boden und die BäuerInnen. Diese spezielle Liberalisierung traf aber auf breiten Widerstand in der Bevölkerung, der sie über Jahre in wichtigen Teilen blockieren konnte. So blieb, trotz massiver Erpressungsmanövern von EU, IWF und Weltbank, der Erwerb ukrainischen Landes durch ausländische Investoren grundsätzlich verboten. Diese fanden allerdings auch so Wege zum Besitz, etwa durch Minderheitsbeteiligungen an Agrarunternehmen der ukrainischen Oligarchie. Laut dem Bericht des Oakland Institute befinden sich rund 28 % Prozent des anbaufähigen Landes im Besitz von «Oligarchen, korrupten Individuen und grossen Agrarunternehmen». Auf diesen 28 % weiden schon Investmentfonds wie Vanguard oder von Goldman Sachs, grosse US-Pensionskassen oder etwa der staatliche norwegische Ölfonds. Diese oligarchischen Agrarunternehmen haben bei der zwischenstaatlichen Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (engl. EBRD), gegründet Anfang der 90-er Jahre zwecks Vermarktwirtschaftlichung von Osteuropa, bei der Europäischen Investitionsbank und beim Privatsektor-Arm der Weltbank, der International Finance Corporation (IFC), grosse Schulden aufgenommen und tanzen folglich nach deren Melodie.


 

Die anderen Teile des ukrainischen Agrarlandes sind im Besitz von rund 8 Millionen ukrainischen BäuerInnen.  Der «klassische» Konflikt also: umweltzerstörende, dafür kapitalistisch profitable grosse Monokulturen versus bäuerische Landwirtschaft. Das Oakland Institute schreibt: «Es sind die kleinen und mittleren BäuerInnen der Ukraine, die die Ernährungssicherheit des Landes garantieren, während die grossen Agrounternehmen auf die Exportmärkte ausgerichtet sind». Die Grausamkeit der Lage lässt uns das Institute mit diesem Zitat der Professorin Olena Borodina erahnen: «Heute kämpfen und sterben tausende von Landjungen- und Mädchen im Krieg. Sie haben alles verloren. Die Regeln für freien Verkauf und Erwerb von Land werden zunehmend liberalisiert und annonciert. Das bedroht das Recht der UkrainerInnen auf ihr Land, für das sie ihr Leben geben, wirklich.»

2020 verankerte die Regierung Selenski den Auftrag aus Washington und Brüssel zur Schaffung eines Agrarlandmarktes in einem Gesetz, das, 2021 in Kraft getreten, den vorerst abgestuften und getarnten, ab 2024 offenen Besitztransfer auch an ausländisches Kapital ermöglicht. Der damals neue Präsident Selenski hatte die «Gunst der Stunde» genutz: Die Covid-Pandemie wütete im Land im Lockdown, grosse Strassenmobilisierungen gegen die Liberalisierung wie noch zu Jahresbeginn waren damit vom Tisch. (Den gleichen «Trick» benutzten Selenski & Co. letztes Jahr, um die vom «solidarischen Westen» geforderte brutale Aushebelung von Arbeitsrechten mit Kriegsrecht durchzudrücken.)  

Die Ukraine ist heute der drittgrösste Schuldner beim IWF (nach Argentinien und Ägypten). Das schlägt sich nicht nur im transnationalen Landraub nieder. IWF-Massnahmen seit dem Maidan wie Rentenkonterreform oder Erhöhung der Tarife für staatliche Dienstleistungen haben die Armut explodieren lassen: von 28.6 Prozent 2016 auf 41.3 % im Jahr 2019, wie das Institute Angaben von Unicef wiedergibt.

CH-Komplizenschaft

Dem Institute-Bericht ist ein Hinweis auf die Schweizer Beteiligung am Landraub zu verdanken. Und zwar im Zusammenhang mit den sogenannten «crop receipts» (Ernteschuldscheinen). Der Begriff meint, die BäuerInnen erhalten einen Kredit, wofür sie aber ihre zukünftige Ernte als Garantie einsetzen müssen. In ihrer Mitteilung vom 3 Februar   2020 - IFC and Switzerland Partner to Help Agricultural Capital Markets in Ukraine, Benefiting Small Farmers – schreibt die IFC, was Sache ist: «Da die Ukraine sich dieses Jahr für den Bodenmarkt öffnet, werden BäuerInnen mehr Arbeitskapital für den Anbau benötigen». Mit anderen Worten: «Wir brachten sie in die Bredouille». Die smarte Lösung: «Um die zusätzliche Finanznachfrage der BäuerInnen zu managen, werden auch Kreditgeber neue Instrumente fordern.  In diesem Kontext wird die IFC unter Benutzung ihres Vierjahres-Projekts Ukraine Agricultural Capital Markets mit der Regierung arbeiten, um die lokalen Finanzinstitute mit dem nötigen Instrumentarium und Wissen auszustatten. Das wird ihnen beim Zugriff auf Kapitalmarktliquidität helfen, dank Wertpapieren, die auf einem innovativen, «corn receipts» genannten Instrument beruhen.»

Lassen wir den Begriff «innovativ» für die alte Verschuldungsmasche mit deinem zukünftigen Arbeitsprodukt als Pfand, das du, wenn es für dich schief läuft, an andere verlierst – meist zusammen mit deiner Existenzgrundlage. Lesen wir weiter:

«Ernteschuldscheine, von der IFC 2015 eingeführt, erlauben es ukrainischen BäuerInnen, zukünftige Ernten als Sicherheit anzubieten. Das half bis jetzt mehr als 4000 BäuerInnen, Finanzierung von fast $ 1.3 Milliarden zu erhalten. Das ist signifikant für ein Land, in dem die Landwirtschaft ein entscheidender wirtschaftlicher Treiber und ein grosser Arbeitsgeber ist.  Aufbauend auf dem Erfolg des IFC-Crop-Receipt-Projekts in der Ukraine wird das in Partnerschaft mit dem Seco [Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft] umgesetzte neue IFC-Projekt helfen, einen sekundären Markt für diese Schuldscheine zu schaffen. Das wird mit der Verbriefung dieser landwirtschaftlichen Forderungen, die[also] an der Börse handelbar sind, erreicht werden und zusätzliche Liquidität in den Sektor bringen.»   

Was sollen auch ukrainische Finanzinstitutionen mit den mit IFC- und anderen westlichen Geldern erworbenen Schuldscheinen anfangen? Etwa selber Getreide aussäen? Besser, sie verkaufen sie an das ukrainische oder transnationale Agrobusiness. Und da kauft man diese Dinger nur, wenn sie Profit versprechen, sei es über den Kreditzins oder dass die «begünstigten» BäuerInnen in genügendem Ausmass bankrottgehen. Das bedeutet der Begriff Verbriefung (die Schuldscheine handelbar machen).

Nicole Ruder, damals Kooperationschefin in der Schweizer Botschaft in der Ukraine, heute zu «Vize-Direktorin der DEZA und Leiterin der Abteilung Multilaterales und NGO» aufgestiegen, verklärt den Raubzug in der IFC-Mitteilung zum Halleluja für unten und oben: «Während die Verbriefung von grossen Kreditoren und Marktplayers umgesetzt wird, werden die Endbegünstigten die KleinbäuerInnen sein. Ein erweiterter Zugang zu Finanzen der KleinbäuerInnen wird folglich die landwirtschaftliche Produktivität ankurbeln, Innovation im Bauern fördern und das Wirtschaftswachstum stärken.»

In einer weiteren IFC-Mitteilung vom 23. April 2020, erklärt SECO-Mann Lukas Schneller, vorgestellt als «Vizechef der Privatsektorförderung»: «Der Erfolg des Instruments liegt in seiner Diversifizierung. Viele Segmente jenseits der traditionellen Landwirtschaftsprodukte haben sich für die Ernteschuldscheine registrieren lassen, einschliesslich Gartenbau, Nischen und Bioanbau. Diese Diversifizierung hilft speziell Kleinst- und KleinbäuerInnen.» Man weiss, wo der Hebel anzusetzen ist.

Agrarmilizen in Rondônia an der Macht

Donnerstag, 1. Dezember 2022

Die brutale Gewalt gegen die Bauern geht auf die Zeit der Militärdiktatur zurück, hat aber mit der extremen Rechten an der Spitze des Präsidentenamtes zugenommen.

Murilo Pajolla*

Auf der einen Seite stehen 16’000 Familien von landlosen ArbeiterInnen, die sich seit drei Jahrzehnten im Kampf für eine Agrarreform organisiert haben. Auf der anderen Seite eine ländliche Miliz aus Schlägern und Polizisten, ausgestattet mit einem Budget von 450 Millionen R$ ($ 87 Millionen) und unter dem Kommando des grössten Landräubers in der Geschichte der Region. Dies sind die beiden Seiten im ungleichen Landkrieg in Rondônia[i], wo sich die Leichen der bäuerischen Führungen Bauernführer unter Zustimmung der traditionellsten Familien in Politik und Justiz anhäufen.

Der Ursprung der Konflikte liegt in der von der Militärdiktatur geförderten Landkonzentration, die den reichen Anhängern des Regimes die Erlaubnis gab, grosse Teile von Land im Bundesstaat zu besetzen. Die Machtübernahme von Jair Bolsonaro (PL), der die Landlosen als "terroristische Gruppe" bezeichnet hat, hat die Agrarmilizen und die dahinterstehenden Grossgrundbesitzer gestärkt.

Am 17. November zerschlug eine Operation der Polícia Federal (PF, Bundespolizei) eine Agrarmiliz, die sich aus Zivil- und Militärpolizisten zusammensetzte und an den meisten Morden an Landlosenkadern in Rondônia beteiligt war.

Bei der Aktion wurden 32 Haftbefehle und fünf Durchsuchungs- und Beschlagnahmebeschlüsse und Entlassung aus dem öffentlichen Dienst umgesetzt. Die Namen der Festgenommenen wurden von der Bundespolizei nicht veröffentlicht.

Die in diesem Monat eingeleitete PF-Operation bestätigt die Anschuldigungen der Volksbewegungen auf dem Lande, die einen relativen Rückgang der Gewalt voraussagen, zumindest bis sich die Miliz wieder organisiert.

 

Wer ist der Anführer? 

Die PF (Bundespolizei) gab die Namen der an der Miliz beteiligten Personen nicht bekannt, aber Brasil de Fato fand heraus, dass der Hauptanführer der kriminellen Organisation der Grossgrundbesitzer Antônio Martins dos Santos, genannt Galo Velho (alter Hahn), ist. Nach Angaben der PF ist er der Anführer eines Plans zur Invasion und illegalen Besetzung von öffentlichem Grund und Boden unter häufigem Einsatz von Bewaffneten. Galo Velho wurde bereits im Jahr 2020 unter diesem Verdacht verhaftet, lebt aber heute ein angenehmes Leben in Brasilia.

Dank der Abschaffung des Bankgeheimnises fanden die Ermittler heraus, dass die Miliz 450 Millionen R$ umgesetzt hat. Der Betrag ist fast 30-mal höher als das Budget der Polícia Militar (PM)[ii] von Rondônia für 2022. Diese Zahl erstaunt selbst diejenigen, die die gewalttätigen Aktionen der Miliz genau verfolgen.

"Das ist eine beeindruckende Summe", sagt Valdirene Oliveira, allgemeine Ombudsfrau des Büros für staatliche Pflichtverteidigung (DPE-RO). "Aber wenn wir die gigantischen, zu Tage geförderten Besetzungsprojekte anschauen, wird klar, dass dieser Betrag der für das Gebiet vorgesehenen Ausweitung der Landwirtschaft und Viehzucht entspricht", erklärt sie.

Im Jahr 2020 wurde bei der ersten PF-Operation gegen Galo Velho die Beteiligung des Bundesrichters Herculano Martins Nacif aufgedeckt, der 2015 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Der Richter entschied zugunsten des Grileiro[iii] Landräubers) bei betrügerischen Klagen und dem Erhalt von Entschädigungen mit überhöhten Beträgen.

 

Putsch gegen Dilma stärkte Miliz

Nach Angaben der DPE-RO ist dies das erste Mal, dass eine polizeiliche Untersuchung auf eine direkte Beteiligung von Polizeibeamten an den Milizen hinweist. Die Berichte von BäuerInnen und Volksorganisationen thematisierten wiesen jedoch bereits seit mindestens sechs Jahren diese Realität.

"Das Narrativ über die Beteiligung von Staatsbediensteten an der Miliz hat seit dem Regierungswechsel im Jahr 2016 an Konsistenz und Ausmass gewonnen", erklärt die Ombudsfrau.

Die Massnahmen der DPE-RO betreffen 16,5 Tausend Familien, die in Rondônia von Räumung bedroht sind: 9,2 Tausend in ländlichen Lagern und 7,3 Tausend in städtischen Gebieten. Sie sind auf 62 Gebiete in 22 Gemeinden verteilt. "Nicht mitgezählt sind die, die von Volks- oder Privatanwälten betreut werden", sagt Valdirene.  

Sie erinnert daran, dass Michel Temer[iv] im Juli 2017 ein Gesetz gebilligt hat, das die Vergabe von endgültigen Titeln an Grileiros von Unionsland erlaubt. In der Praxis bedeutete eine Ermächtigung für die Grossgrundbesitzer, mit Gewalt gegen die Volksbesetzungen in Rondônia vorzugehen.

Im Jahr 2021 führte der Bundesstaat die Zahl der gewaltsamen Todesfälle aufgrund von Konflikten auf dem Lande mit 11 Todesopfern an. Nach Angaben der Pastoral-Land-Kommission (CPT) wurden die Verbrechen weder untersucht noch geahndet. Es wird vermutet, dass die meisten von ihnen von der Miliz von Galo Velho begangen wurden.

"Die Schuldigen werden nicht bestraft", sagt CPT-Mitglied Maria Petronila aus Rondônia. "Mehr noch als die Morde beunruhigt die Tatsache, dass die Täter selbst Polizisten waren, laut deren Aussagen es sich um eine Konfrontation gehandelt habe. Aber wir haben bei diesen «Zusammenstössen» nie Polizisten gesehen, die mit irgendwelchen Verletzungen weggegangen wären", sagt sie.

Zu den ständigen Zielscheiben der Gewalt gehören die Bewohner des Lagers Tiago dos Santos in Nova Mutum (RO), in dem zweitausend Familien der Liga dos Camponeses Pobres (LCP, Liga der armen Bauern), einer im Bundesstaat tätigen Landlosenorganisation, leben. Das Lager befindet sich auf einem von Galo Velho  angeeigneten Land; Galo Velho besitzt einen Hof von der doppelten Grösse der Stadt Porto Velho in Rondônia.

 

Polícia Militar im Landlosencamp Nova Mutu,

Bolsonaro droht, dann wird massakriert

Am 7. Mai 2021 war Bolsonaro in Rondônia, um eine Brücke einzuweihen, die den Bundesstaat mit Acre verbindet. Der Präsident sprach eine Drohung aus, die er Monate später mit Hilfe des Força Nacional  de Segurança Pública  (FNSP)[v] wahrmachen wollte.

"LCP [Liga dos Camponesos Pobres], macht euch bereit. Was ihr tut, wird nicht kostenlos sein. Hier ist kein Platz für eine terroristische Vereinigung. Wir haben die Mittel, euch zu disziplinieren, damit ihr Gesetz respektiert", rief der Präsident.

Die Rede wurde von Bolsonaro-Anhängern, die bei der Veranstaltung anwesend waren, mitverfolgt. Darunter der gewählte Gouverneur von São Paulo, Tarcísio de Freitas (Republikaner), sowie der Gouverneur von Rondônia und Oberst der Militärpolizei (PM) Marcos Rocha (Union).

Im August desselben Jahres wurden bei einem Überfall, bei dem auch Hubschrauber Força Nacional zum Einsatz kamen, drei Bauern getötet: Amarildo Aparecido Rodrigues, sein Sohn Amaral José Stoco Rodrigues und Kevin Fernando Holanda de Souza. Nach Angaben der LCP war die Miliz von Galo Velho an der Aktion beteiligt.

 

Anwältin verteidigt Agrarreform

Für die bekannte Anwältin Lenir Correia, die die Familien von Tiago dos Santos verteidigt, war die von der Bundespolizei aufgelöste Miliz nicht nur für die Todesfälle, sondern auch für die Umzinglung der BäuerInnen des Lagers verantwortlich. Ausserdem verbrannten sie Hab und Gut der Familien, wie Autos, Motorräder und Häuser. "Wir hoffen, dass die Union eine Wiederaneignungsklage mit dem gerechten Ziel der Ansiedlung von mehr als 2.000 Familien, die bereits dort leben, einreicht", sagte die populäre Anwältin gegenüber Brasil de Fato.

In Rondônia sind nach Angaben des CPT 20 Personen von Angehörigen der Polizei und der Miliz mit dem Tod bedroht. Sie sind in das Schutzprogramm für MenschenrechtsverteidigerInnen aufgenommen. Eine von ihnen ist die Mutter eines der Opfer des Massakers auf der Tucumã-Farm, wo zwei Landlose von Bewaffneten ermordet wurden. "Diese Frau hat ernsthafte psychische Probleme", sagt Maria Petronila vom CPT. " Von ihrem Sohn immer noch keine Spur. Die Leiche des anderen Opfers wurde verbrannt, sie kam in einem Auto zum Vorschein. Aber ihr Sohn ist nie aufgetaucht", klagt sie.

 

Von der Diktatur zum Landraub

Die Ombudsfrau von Rondônia (DPE-RO) sagt, dass der Ursprung des Konflikts in den Landkonzessionen liegt, die von der Militärdiktatur 1964 an reiche Familien aus dem Süden und Südosten Brasiliens vergeben wurden. "Es waren Familien, die das Regime unterstützt haben", fügt Valdirene von der DPE-RO hinzu. Diese Landbesitzer, die die Diktatur politisch unterstützten, durften das Land im Rahmen der Kolonisierung des Amazonasgebietes nutzen, sofern sie die Entwicklung der Region förderten, was praktisch nicht geschah. "Die Familien hatten Beziehungen mit Politikern und Richtern", sagt die Ombudsfrau.

Indem sie mit diesen Gebieten wirtschaftlich spekulierten und sie ohne produktive Aktivitäten hielten, hielten sich die Konzessionäre der ländlichen Grundstücke nicht an die Klauseln in den mit der Bundesregierung abgeschlossenen Verträgen. Dennoch wurden sie nie bestraft und blieben Eigentümer des Landes.

Nach dem Ende der Diktatur setzten sich die Volksbewegungen, darunter auch das MST, für die Besetzung unproduktiver öffentlicher Ländereien ein, mit dem Ziel, diese für eine Agrarreform zu nutzen. Daraufhin gingen die Landbesitzer in die Offensive und setzten einen Kreislauf der Gewalt auf dem Land in Gang, der bis heute anhält. 

"Diejenigen, denen es gelang, diese Gebiete zu behalten, obwohl sie sich nicht an die Klauseln hielten, waren diejenigen, die zwangsläufig zu diesen schweren Konflikten innerhalb des Staates führten", sagt Valdirene.

"Sie beanspruchen das Eigentum an diesen Grundstücken, weil die Union ihnen damals die Nutzung der Grundstücke gestattet hat. Da sie aber diese soziale Funktion nicht erfüllten, sollten die [ländlichen] Grundstücke aus rechtlicher Sicht zurückgenommen werden. Aber das war nie der Fall", erklärte das Mitglied des Büros für Pflichtverteidigung.

Como as milícias rurais dominaram Rondônia e quem é o homem por trás da mais poderosa delas

 

·       brasildefato.com.br. 28. 11.22: Como as milícias rurais dominaram Rondônia e quem é o homem por trás da mais poderosa delas



[i] Nördlicher Bundesstaat in Brasilien.

[ii] Trotz des Namens zivile Polizeicorps unter der Leitung der Gliedstaatsregierung.

[iii] Grilagem: Landraub mit gefälschten Grundbuchangaben.

[iv] De-facto-Präsident nach dem institutionellen Putsch gegen Dilma Rousseff.

[v] Nationale Kraft der öffentlichen Sicherheit. Ein Organ unter Leitung des Justizministeriums, das Sicherheitskräfte auf nationaler Ebene koordinieren soll.