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Venezuela: Das Leiden nimmt kein Ende (Video)

Samstag, 27. Juni 2026

  


 Letzte Angaben der Regierung: 920 Tote, 3360 Verletzte, 172 immer noch unter Trümmern Überlebende.

In den USA wittern sie grosse Geschäftschancen beim Wiederaufbau. Die venezolanische Regierung darf zwar beim US-Finanzministerium Gelder für Nothilfe und Wiederaufbau beantragen, aber hat immer noch keinen Zugriff etwa auf die $ 4.8 Milliarden ihres in der britischen Zentralbank beschlagnahmten Goldes oder die rund $ 5 Milliarden, die der IWF dem Land schuldet (während der Corona-Epidemie verweigerte, Venezuela zustehende Sonderziehungsrechte. Derweil sinniert etwa die CNN, dass der Zusammenbruch vieler Häuser mit chavistischer Korruption zusammenhänge. Anders gesagt: ob Pandemie oder Erdbeben - Schwein bleibt Schwein.

 

Apologie des Terrorismus

Mittwoch, 8. Februar 2023

 

(zas, 8. 2. 23) Das ist der Titel des Artikels (NZZ, 7. 2. 23):

Es geht erst um den Anschlag der pakistanischen Taliban auf eine Moschee mit über 100 Toten. Terror? Keine Frage. Anschliessend widmet sich der Schreiber der drohenden Finanzkrise:


Wir lesen weiter, wie die Inflation grassiert.

 

Danach lernen wir, wie die pakistanische Politik eine «Lösung» erschwert. Wo diese doch feststeht: Spardiktate des IWF. Nach den gigantischen Überschwemmungen müssen die Leute Vernunft annehmen. Schliesslich verlangen das die Finanzmärkte.

So viel zum gleichgeschalteten humanitären Gebrüll der internationalen Wertegemeinschaft.

Wahnsinn, Opfer, und ein «Skandal»

Dienstag, 15. Juni 2021

 (zas, 15.6.21) One Fair Wage ist eine US-Organisation, die etwa 200'000, von Trinkgeldern abhängige ArbeiterInnen im Dienstleistungssektor umfasst, vor allem in der Gastronomie, aber etwa auch in Coiffeurläden, Delivery-Sektoren von IT-Plattformen u. v. a. – einschliesslich ArbeiterInnen mit Behinderungen oder Gefangene. Ihr Ziel: den landesweiten Durchschnittslohn zu erhöhen. V (früher Eve Ensler), feminstische Aktivistin und Verfasserin u. a. der Vagina-Monologe, hat am 1. Juni im Guardian den Artikel Disaster patriarchy: how the pandemic has unleashed a war on women über die globale Angriffswelle auf Frauen während der Pandemie veröffentlicht. V hatte dafür Berichte von Frauen aus vielen Ländern in Nord und Süd verarbeitet, die das Bild einer extremen sexistischen Rollback-Offensive  auf diversen Ebenen ergeben - - von Unterdrückung in Fleischbetrieben bis zum «Intimterrorismus, geläufig als häusliche Gewalt», wie sie sagt. Amy Goodman interviewte sie wenige Tage später zu diesem Thema. Im Gespräch sagte die Frau:

«Ich arbeite seit Jahren mit One Fair Wage. Gerade letzte Woche habe ich mit ihnen demonstriert. Ihr Stundenlohn beträgt immer noch $ 2.13, seit 22 Jahren. Und jetzt gibt es eine neue, ‘Masken-Belästigung’ genannte Entwicklung. Männer beharren darauf, dass die sie im Restaurant bedienenden Frauen ihre Masken abnehmen, um ihre Gesichter anzuschauen und zu urteilen, ob sie hübsch genug für ein Trinkgeld sind. Das sind entsetzliche Dinge, und sie eskalieren in der Pandemie.»

One Fair-Wage-Protest in Philadelphia. Quelle: OFW.

 Szenenwechsel: «Leck von Steuerdaten: Die reichsten Amerikaner sind kein Freiwild», schreit in der NZZ eine gequälte Seele gegen Unrecht auf. Sie heisst Christoph Eisenring und ist routinemässig engagiert im Kampf gegen … äh … also nicht die soziale Ungerechtigkeit, sondern das Reden darüber. Das Investigativteam von ProPublica hat nach Durchsicht zugespielter Unterlagen aus der US-Steuerbehörde IRS unter dem Titel The Secret IRS Files: Trove of Never-Before-Seen Records Reveal How the Wealthiest Avoid Income Tax eine Analyse des Steuergebarens der 25 reichsten Amis (Bezos, Soros, Bloomberg, Warren Buffett, Carl Icahn etc.) veröffentlicht. Kurz zusammengefasst: Sie zahlen auf Einkommen und Vermögen bezogen nur 3.4 % Steuern. Legal. Der Trick: Im Lauf der der vergangenen Jahrzehnte hat sich das US-Steuersystem schwergewichtig auf das Abschöpfen der Löhne konzentriert, die prozentual viel höher als Dividenden, Börsengewinne etc. versteuert werden. Einkommen (also vor allem Löhne) mit Vermögen zu kombinieren, diene, so der NZZ-Kämpe, bloss dazu, die «Steuerzahlungen der Reichen in einem möglichst ungünstigen Licht erscheinen zu lassen.» Kein Wunder, wenn ersichtlich wird, die Multimilliardäre ab und an null Steuern zahlen, da die Börse sie gerade etwas gekostet hat. Wichtig aber, so Eisenring: «In den USA wie praktisch überall auf der Welt» - gelobt sei der Herr! – «fallen (…) erst dann Gewinnsteuern an, wenn Aktien verkauft oder Dividenden bezahlt werden (…) Man fördert so die Kapitalbildung und geht den riesigen Bewertungsproblemen aus dem Weg, die sich stellen würden, müsste man jedes Jahr unrealisierte Gewinne versteuern.» Und wie halten sich die Umsichtigen bis Monatsende trotzdem über Wasser? ProPublica lässt das in einem Video einen fiktiven Banker erklären: «Ich leih dir $ 10 Millionen zu einem Zins von nur 3 %. Wenn du $ 10 Millionen Lohn von deinem Unternehmen beziehst, schuldest du dem IRS fast 37 %». So ist das «riesige Bewertungsproblem» einer Reichtumssteuer gelöst und Lifestyle, Luxusjacht und Immobilienimperium bleiben erhalten.

Andere haben andere Probleme. V resümiert im Guardian Weisen der Frauenunterdrückung in der Pandemie, vom Zwang für das Pflegepersonal, trotz Covid-Erkrankung zur Arbeit zu erscheinen, oder vom Schulausschluss von global 11 Millionen Mädchen mit der Folge, wie in Kenia, der Zunahme von Genitalverstümmelung (Mitgift statt Erziehung als Einkommen für den Vater) bis zur sexuellen Erpressung von Mieterinnen durch Vermieter oder der Extrembelastung in Lockdowns («Ich glaube, wir können das Niveau von Erschöpfung und Angst von Frauen, die ohne Unterbruch oder Zeit für sich selber für ihre Familien sorgen, nicht überbetonen. Das ist eine subtile Form von Wahnsinn.»). Sie hält fest: «Das Problem sind nicht die Lockdowns, aber was sie, und die Pandemie, die sie erforderlich macht, deutlich machten. Covid hat gezeigt, dass das Patriarchat gedeiht und sich in Zeiten der Krise neu durchsetzt.»

«Subtile Formen von Wahnsinn» als Opfer für die Herrschenden. No problem. Das US-Justizministerium und natürlich die Eisenrings erblicken dafür einen «Skandal» in der Veröffentlichung der Steuerdaten der Superreichen. Nicht in der gesetzlich kodifizierten grundlegenden «Korruption» der Eliten mit der Kehrseite von Hungerlöhnen und Unterdrückung.

Sterben für Pfizer & Co.

Samstag, 29. Mai 2021

 

 

«Es ist gut, dass die Todesfälle sich unter Alten häufen. Das wird unsere ökonomische Performance verbessern, da es das Rentendefizit vermindern wird.»

Solange Vieira, Chefin der brasilianischen Regulierungsbehörde für Privatversicherungen

(zas, 29.5.21) Reuters teilte im Mai letzten Jahres Interessantes mit[1]. Als die WHO die Welt in Sachen Covid-19-Epidemie alarmierte, stand der Epidemiologe Julio Croda der Epidemieabteilung des brasilianischen Gesundheitsministeriums vor. Das Ministerium, so lesen wir, antwortete damals mit sinnvollen Massnahmen (Quarantäne für Einreisende u. a.) auf die Warnung. Für zwei Tage. Danach übernahmen andere die Leitung der Pandemiebekämpfung, so der Superwirtschaftsminister Paulo Guedes, berüchtigt für seine Beteiligung an Milton Friedmans sozialem Kahlschlag in Chile Pinochets. Jetzt war Schluss mit wirtschaftsschädigenden Massnahmen wegen einer vorübergehenden Grippewelle. Eine seiner MitstreiterInnen war Solange Vieira, Chefin der brasilianischen Regulierungsbehörde für Privatversicherungen (Susep). Sie war 2019 zentral an der Rentenkonterreform unter Bolsonaro beteiligt, die in den gehobenen Blättern der «internationalen Gemeinschaft» als wichtiger Schritt in die richtige Richtung gefeiert worden war. Als sie im März letzten Jahres von Fachleuten des Gesundheitsministeriums auf die mutmassliche hohe Zahl von Toten bei Nicht-Eindämmung des Virus hingewiesen wurde, kommentierte sie laut dem von Reuters zitierten Epidemiologen Croda die Sache so: «Es ist gut, dass die Todesfälle sich unter Alten häufen. Das wird unsere ökonomische Performance verbessern, da es das Rentendefizit vermindern wird.»

Das Portal brasilwire.com, aus dem die Hinweise auf den erwähnten Reuters-Artikel und die nachher behandelte Recherche des Bureau of Investigative Journalism stammen, zitierte am 14. März 2021 aus dem Kapitel «Der Kampf gegen unheilvolle Einflüsse in den Amerikas» im Jahresbericht des US-Gesundheitsministeriums für 2020 zur Rolle des OGA (Office of Global Affairs):

«OGA gebrauchte diplomatische Kanäle, um die Versuche von Staaten wie Kuba, Venezuela und Russland zu mindern, die daran arbeiten, ihren Einfluss in der Region zulasten der US-Sicherheit auszuweiten. OGA koordinierte sich mit anderen US-Regierungsagenturen, um die diplomatischen Beziehungen zu stärken und technische und humanitäre Hilfe anzubieten, um Länder der Region davon abzuhalten, Hilfe dieser übel gesinnten Staaten anzunehmen. Beispiele sind etwa der Einsatz des Büros des OGA-Gesundheitsattachés, um Brasilien von der Ablehnung des russischen Covid-19-Impfstoffes zu überzeugen oder das Angebot von technischer Hilfe der CDC (Centers for Disease Control) an Panama, statt die Offerte kubanischer ÄrztInnen zu akzeptieren.»[2]

Ein weiterer Artikel auf brasilwire.com vom letzten 3. Mai beschreibt detailliert, wie das Regime von Jair Bolsonaro der «Orientierung» aus Washington nachgekommen ist. Während immer mehr Menschen im Land am Coronavirus starben, weigerte sich die Militärregierung lange, gegen die «kleine Grippe» Impfstoffe einzusetzen. Als 14 Gouverneure versuchten, auf eigene Faust Sputnik 5 zu besorgen, wollte der ferngeleitete Bolsonaro dies vergeblich per Oberstes Gericht verbieten lassen. Sein zweiter Versuch aber gelang. Die Regulierungsbehörde für den Gesundheitssektor, Anvisa, verweigerte die Zulassung von Sputnik 5. Angeführter Grund: Ihre Untersuchungen hätten ergeben, dass im Impfstoff die Gesundheit bedrohende Adenoviren vorhanden sein könnte. Es stellte sich heraus, dass Anvisa keine Untersuchungen angestellt hatte, sondern aus den vom russischen Gameleya-Institut auch nach Brasilien gelieferten Unterlagen Dinge falsch übernommen hatte. Das Institut hatte von einzelnen Dosen mit Adenoviren berichtet. Diese könnten offenbar eine leichte Erkältung auslösen.

Brasilwire.com schreibt: 

«Am Ende eines Monats, in dem schon 100'000 BrasilianerInnen gestorben waren, lehnte Anvisa einen vom britischen Medizinjournal Lancet als sicher taxierten und zu 91.6 % wirksamen Impfstoff ab.»

 

Erpressung

Das mit auch prominenten Leuten aus der US- und britischen Medienwelt bestückte Bureau of Investigative Journalism recherchierte zum Vorgehen des US-Unternehmens Pfizer in Brasilien, Argentinien und einem nicht identifizierten dritten Land in Lateinamerika. Der Multi verlangte etwa von diesen Ländern eine Immunität vor Entschädigungsklagen im Fall von medizinischen Impf-Komplikationen. Und zwar eine umfassende Immunität. Die bedeutet, erklären die Bureau-AutorInnen,

«dass das Unternehmen im Fall von seltenen negativen Wirkungen oder für eigene Handlungen der Nachlässigkeit, des Betrugs oder des bösartigen Vorsatzes nicht haftbar gemacht werden könne. Das beinhaltet Auswirkungen der von Unternehmenspraktiken wie etwa, dass Pfizer den falschen Impfstoff liefere oder bei der Herstellung Fehlern beging».

WHO-Forscher Lawrence Gostin meint:

«Pharmaunternehmen sollten ihre Macht nicht gebrauchen, um lebensrettende Impfungen in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen zu limitieren. [Das] scheint genau das zu sein, was sie machen (…) «Ein gewisser Schutz vor Haftung ist gerechtfertigt, aber bestimmt nicht im Fall von Betrug, grober Nachlässigkeit, Missmanagement oder Nichtbeachtung ordentlicher Herstellungsverfahren.»

Pfizer-Partner BioNTech hatte von der deutschen Regierung schon $ 445 Milliarden für die Entwicklung des Pfizer-Impfstoffes erhalten, Pfizer von Washington im Voraus eine Abnahmegarantie im Wert von fast $ 2 Milliarden. Im Fall von Entschädigungsklagen sollten sich jetzt die Regierungen zur Bezahlung verpflichten.

In Argentinien begann Pfizer ihre erpresserischen Verhandlungen letzten Juni. Man forderte vollständigen Schutz vor Entschädigungszwängen. Das Bureau schreibt zu diesem Punkt:

«Obwohl dies zuvor nie gemacht worden war, verabschiedete das Parlament im Oktober ein zustimmendes Gesetz. Aber Pfizer war laut einer/einem Offiziellen aus dem Präsidentenstab mit dem Wortlaut unzufrieden. Die Regierung war der Meinung, Pfizer sollte die Verantwortung für alle nachlässigen oder bösartigen Handlungen tragen. Pfizer, so die/der Offizielle, war nicht einverstanden. Die Regierung bot an, das Gesetz umzuformulieren, um deutlich zu machen, dass mit «Nachlässigkeit» Probleme in der Verteilung und Lieferung der Vakzine gemeint sei. Aber Pfizer war nicht zufrieden und verlangte ein Präsidialdekret, was [Präsident Alberto} Fernández ablehnte. Argentinien könnte für Nebenwirkungen der Impfungen aufkommen, aber nicht, wenn Pfizer einen Fehler macht. Was sollte beispielsweise passieren, wenn Pfizer unabsichtlich die Kältekette des Impfstoffes (- 70 Grad Celsius bei Transport und Lagerung) unterbräche und von BürgerInnen angezeigt würde? Es wäre nicht fair, dass Argentinien für die Fehler von Pfizer zahlen müsste (…) Statt in einigen Punkten nachzugeben, verlangte Pfizer stets mehr.»

Im Dezember stellte Pfizer, so das Bureau,

«eine unerwartete Forderung: Die Regierung müsse Staatsvermögen – das zum Beispiel Zentralbankreserven, Botschaftsgebäude oder Militärbasen beinhalten könne – zur Besicherung verpfänden.»

Dazu nochmals die/der Offizielle:

«Es war eine extreme Forderung, von der ich nur im Zusammenhang mit einer Neuverhandlung internationaler Schulden gehört habe, aber in beiden Fällen haben wir sie sofort abgelehnt.»

Der damalige Gesundheitsminister Ginés González García kommentierte: Pfizers «Intoleranz uns gegenüber war enorm». Die Antwort des Unternehmens: Im Gegensatz zu den umliegenden Ländern erhält Argentinien keine Impfstoffe des Unternehmens. Wir erahnen, warum die Kontrakte der Länder mit den Impfmultis jahrelang der Geheimhaltung unterliegen.

Auch das brasilianische Gesundheitsministerium lehnte die Forderung nach Staatsvermögen als Kollateral für Pfizer ab. Ein/e Offizielle aus dem dritten Land, das wegen vertraglicher Verpflichtungen namentlich nicht  genannt werden darf, berichtete dem Bureau-Team, dass die Regierung nach dreimonatiger Verhandlung bei der Forderung nach umfassendem Schutz vor Haftbarkeit einknickte. Wir lesen:

«Einer der Gründe, warum die Regierung die Pfizer-Vakzine wollte, lag darin, dass das Unternehmen sagte, es könne rasch liefern. Aber im Vertrag wollte sich Pfizer das Recht reservieren, den Zeitplan zu ändern. Das war nicht verhandelbar. ‘Es war: take it or leave it’, sagte die/der Offizielle.»


[2] Interessanterweise führt der angegebene Link zum Bericht des Gesundheitsministeriums zur Meldung, die Seite existiere nicht (mehr). Dass der bekannte, für mehrere linke US-Medien tätige Journalist sich die Sache aus den Finger gesaugt hätte, ist höchst unwahrscheinlich. Offenbar hat die Administration Biden den Bericht der Trump-Ministeriums aus was immer für Gründen ersetzt.

Afrika und "seine" Impfdosen (bei AIDS 12 Millionen «unnötige Tote» wegen Medikamentenmangel)

Samstag, 6. Februar 2021

 (zas, 6.2.21) John Nkengasong leitet die Centers for Disease Control and Prevention der Afrikanischen Union. In einem Gespräch mit Amy Goodman von Democracy Now erklärte er, warum er in Bezug auf die Covid-19-Impfstoffe den Begriff der moralischen Katastrophe verwendet hatte. Die Interviewerin erklärt:

«Mehr als 40 afrikanische Länder sind jetzt von der zweiten Welle betroffen [mehrere von der als besonders gefährlich geltenden südafrikanischen Virusmutation], aber nur sechs haben relativ kleine Impfmengen erhalten.»

Nkengasong teilt mit:

«Wir sehen, dass diese zweite Pandemiewelle wirklich heftiger ist als was wir in der ersten beobachtet haben, mit einer höheren Sterblichkeitsrate als jene im globalen Durchschnitt. Und wenn wir die Todesrate nur innerhalb des letzten Monats anschauen, liegt sie beträchtlich über jener der ersten Welle. Wenn wir nicht rechtzeitig genügend Impfstoffe erhalten, befürchte ich, dass die zukünftige Lage sehr schwer zu managen sein wird.»

Hintergrund natürlich, was auch der im Bericht zitierte südafrikanische Präsident gesagt hatte:

«Einige [der reichen Länder] haben vier Mal mehr Impfdosen erworben als was die Bevölkerung braucht. Ziel dabei war, die Impfstoffe zu horten. Und das erfolgt zu Lasten anderer Länder, die Impfungen am meisten benötigen.»

Nkengasong verdeutlichte die Lage mit dieser Erfahrung:

«1996 waren Medikamente für die HIV-Behandlung verfügbar. Es brauchte zehn Jahre, bis diese Medikamente in Afrika zur Verfügung standen. Und zwischen 1996 und 2006 starben 12 Millionen AfrikanerInnen – unnötig, wie ich unterstreiche.»

 

John Nkengasong

«Wenn wir nicht rechtzeitig genügend Impfstoffe erhalten»… Damit meint Nkengasong etwas «Simples». Zusätzlich zu 70 Millionen Impfdosen via Covax (WHO u. a.) sollten über eine mit der Afrikanischen Union liierte Afrikanische Impfallianz 700 Millionen Dosen nach Afrika (Gesamtbevölkerung: 1.3 Milliarden) gelangen. Nicht aufs Mal allerdings, sondern stufenweise, eventuell bis ins nächste Jahr. Er sagte auch:

«Wir müssen mit einem ausserordentlichen, historischen Effort bis Dezember 30 Prozent unserer Bevölkerung impfen, um in Afrika die Verbreitung der Pandemie bremsen zu können; sonst werden die Folgen sehr, sehr verheerend für unseren Kontinent sein.»

Correos 199, 8. Dezember 2020

Mittwoch, 6. Januar 2021

 


 

Correos 199

8. Dezember 2020

Ganzes Heft

 

oder die einzelnen Artikel

 

Titelblatt

 

Zentralamerika

Honduras unter Wasser

"Die staatliche Untätigkeit ist der Hauptverbündete des Hurrikans Eta"

Giorgio Trucchi

 

Nicaragua: Sturmhorror und Solidarität

Sturmhorror und grosse und kleine Solidarität

Dieter Drüssel

 

Bolivien

El pueblo unido…

 

«Der Staatsterrorismus gebrauchte eine spezifische Grausamkeit gegen die Körper der Frauen»

Die ehemalige bolivianische Gesundheitsministerin beleuchtet das Spannungsfeld institutionelle Politik/soziale Bewegungen, betont die Notwendigkeit einer gegenseitigen Verständigung angesichts der kontinentalen Reaktion und thematisiert die antikoloniale und antipatriarchale Essenz des Kampfs für Befreiung.

Roxana Sandá befragt Gabriela Montaño

 

Das Schicksal Boliviens bleibt offen

Auszüge aus einem Interview mit dem vor einem Jahr gestürzten Vizepräsidenten von Bolivien Álvaro García Linera.

Mario Santucho befragt Álvaro García Linera

 

Brasilien

„Es scheint, dass einige Leben weniger wert sind als andere“

Zwei Lehren aus Erfolgen und Rückschlägen im Kampf gegen die Pandemie in der Favela Paraisópolis von São Paulo: Es braucht eine Basisorganisierung und ihre staatliche Unterstützung.

Gabriel Brito interviewt Victor Nisida

 

In Rio wächst die Macht der Killer

Eric Nepomuceno

 

El Salvador

«Kriminelle Governance»

Dieter Drüssel

 

USA

Von Jim Crow zu Josef Mengele

Zur Zwangssterilisierungen von gefangenen Migrantinnen schreibt die jüdisch-multiethnische Organisation Never Again is Now: «Sache ist nicht nur, dass unsere Regierung das Nazi-Skript gebraucht. Sache ist, dass sie das schon zur Hälfte umgesetzt hat.»

Abby Zimet

 

Den Putschmoment  verpasst

Allan Nairn

 

Von Freude, Rassismus und einem Raubvogel

Dieter Drüssel

 

Global

Dank der Pandemie reicher als vorher

Sergio Ferrari

 

 «Schöpferische Zerstörung»

Dieter Drüssel

 

Haiti

Die schwarzen Polen und eine unvermutete Heimat

1802 schickte Napoleon die polnische Brigade los, um eine Revolution in er reichen karibischen Kolonie Saint-Domingue zu ersticken. Dort wechselten die Polen die Seite und auch die Hautfarbe. Dies ist die Geschichte der «schwarzen Weissen»», die eine unvermutete Heimat eroberten.

Lautaro Rivara

 

Kolumbien

Feudalfaschismus

José Bermúdez

 

Venezuela

Welcher Wechselkurs zieht den anderen?

Pasqualina Curcio

 

Kuba/Schweiz

 «Basler Kantonalbank und Bank Cler handeln gesetzeswidrig und verletzen Neutralität»

Pressemitteilung von mediCuba-Suisse und Vereinigung Schweiz-Cuba