Posts mit dem Label Eliten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Eliten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Honduras bremst Privatstädte aus

Montag, 25. April 2022

 https://amerika21.de/2022/04/257763/honduras-bremst-privatstaedte-aus

 

Honduras / Politik / Wirtschaft

Kongress annulliert einstimmig Gesetz über Sonderzonen für Arbeit und Entwicklung. ZEDE Próspera beansprucht 50-jährigen Bestandsschutz und droht mit internationalem Schiedsverfahren


Jahrelang leisteten soziale Organisationen in Honduras massiv Widerstand gegen die ZEDE
Jahrelang leisteten soziale Organisationen in Honduras massiv Widerstand gegen die ZEDE

Tegucigalpa. Die Träume libertärer internationaler Investor:innen, staatsfreie Privatstädte aufzubauen, haben in Honduras einen herben Rückschlag erfahren. Alle 128 Abgeordneten des Kongresses beschlossen das 2013 unter der Regierung von Juan Orlando Hernández (JOH) verabschiedete Gesetz über die Sonderzonen für Arbeit und wirtschaftliche Entwicklung (ZEDE) aufzuheben.

Das ZEDE-Gesetz und weitere Regularien aus den Jahren 2014 und 2021 "verletzte das Staatsgebiet, die Souveränität und die Unabhängigkeit der Republik, verdrängte die Souveränität des Volkes und riss die drei Gewalten des Staates an sich, indem exklusive Institutionen für private Zonen und private Unternehmen geschaffen und einer Gruppe von Personen zum Nachteil aller Honduraner Privilegien gewährt wurden." Das ZEDE-Regime sei mit Befugnissen ausgestattet, die verfassungsmäßig einzig der Exekutive und der Legislative zustehen. Außerdem werde in den ZEDE das honduranische Rechtssystem durch Rechtssysteme anderer Staaten ersetzt, was ebenfalls der honduranischen Verfassung widerspreche, so der am 21.April im Amtsblatt veröffentlichte Aufhebungsbeschluss (im Anhang) .

Die ideologische Basis der ZEDE als halbautonome "Privatstädte" beruht auf rechtslibertärem Gedankengut, gemäß dem Grundsatz, Gesellschaft lasse sich besser über Marktkräfte organisieren denn über demokratische Teilhabe.

In Honduras existieren mittlerweile drei ZEDE: Die Vorreiterin ZEDE Próspera auf der Karibikinsel Roatán, mit einem Ableger nahe dem Hafen der Küstenstadt La Ceiba; Morazán City im Industriegürtel der Weltmarktfabriken nahe der Großstadt San Pedro Sula; und die auf Agrarexport spezialisierte ZEDE Orquídea im Süden des Landes unweit der Grenze zu Nicaragua.

Die Betroffenen haben nun zwei Wochen Zeit, ihre Einwände bei der Verfassungskammer des Obersten Gerichtshofes vorzubringen, die noch mit einer Mehrheit von Getreuen der JOH-Regierung besetzt ist. Sie kann vom Parlament Modifikationen verlangen.

Außerdem muss der Beschluss des Kongresses in der neuen Legislaturperiode, die im Januar 2023 beginnt, von mindestens 96 Abgeordneten ratifiziert werden, um endgültig in Kraft zu treten.

Beobachter:innen hatten erwartet, dass dieses Prozedere nur für die Rücknahme der illegalen Verfassungsänderungen zugunsten der ZEDE gelten würde, nicht aber für die Aufhebung der Gesetze selbst.

Immerhin sei nun klar, dass potentielle neue Investor:innen ab sofort wissen, dass sie keine Klagen wegen entgangener Gewinne etc. mehr anstrengen können, sagte die honduranische Juristin Andrea Nuila gegenüber amerika21. Erstaunlich sei allerdings, dass der Kongress keine Übergangsbestimmungen, keine Überprüfung bestehender Verträge, nichts zur Kontrolle und Rechenschaftspflicht des immer noch völlig intransparenten ZEDE-Aufsichtsgremiums CAMP beschlossen habe.

Im Amtsblatt ist zu lesen "dass der Widerruf von Bestimmungen, Verträgen, Konzessionen usw., die mit den ZEDE in Verbindung stehen ... keinerlei Entschädigung für natürliche Personen, Unternehmen und Investoren nach sich zieht. Denn keine natürliche Person, kein Unternehmen und kein Investor hat das Recht, Anspruch aus einem illegalen Geschäft abzuleiten, das durch diesen exzessiven Verstoß gegen unsere Verfassung, gegen die Souveränität und die Würde aller Honduraner stammt."

ZEDE Próspera, die ihren Unternehmenssitz in Delaware, USA hat, sieht das anders. Am 21.April kündigte sie in einer Pressemitteilung an, weiterzumachen. Man sei weiterhin durch die honduranische Verfassung geschützt, beanspruche 50-jährige Bestandsgarantie und sei durch das Freihandelsabkommen CAFTA-DR sowie durch ein bilaterales Investitionsschutzabkommen zwischen Honduras und den USA gut abgesichert.

ZEDE Próspera verwies auf ein 20-seitiges Gutachten des Londoner Anwalts Alejandro Escobar, der unter anderem zahlreiche Schiedsgerichtsverfahren als Präzedenzfälle aufführt.

Bereits im Februar gab es Drohungen, dem honduranischen Staat könne ein Schaden von 1,3 Milliarden US-Dollar entstehen.

Kurz vor der Kongresssitzung kündigte ZEDE Próspera an, auf Roatán weiter bauen und weitere 60 Millionen US-Dollar investieren zu wollen. Bisher ist dort dem Augenschein nach noch nicht allzu viel passiert. Allerdings ist das E-Citizen-Programm angelaufen und am 7. April kündigte ZEDE Próspera an, dass Bitcoin und andere Kryptowährungen in ihrem Zuständigkeitsbereich als gesetzliches Zahlungsmittel gelten.

Im Mai will die speziell für die Geldgeschäfte der ZEDE in Honduras gegründete Seshat-Bank ihren Betrieb aufnehmen.

Kongresspräsident Luis Redondo von der Mitte-Rechtspartei Salvador de Honduras bezeichnete indes die Unternehmer:innen, die ZEDE vorantreiben, bei einer Pressekonferenz am 21. April als "Verbrecher".

Rodolfo Pastor, Staatssekretär im Präsidialamt von Xiomara Castro von der Links-Partei Libre kündigte am 22. April an, die Regierung werde Verhandlungen mit den Betreiber:innen der bestehenden ZEDE zum Schutz ihrer Investitionen aufnehmen.


AnhangGröße
PDF Icon 21_de_abril_2022_gaceta_no._35902.pdf635.71 KB

 

Correos 199, 8. Dezember 2020

Mittwoch, 6. Januar 2021

 


 

Correos 199

8. Dezember 2020

Ganzes Heft

 

oder die einzelnen Artikel

 

Titelblatt

 

Zentralamerika

Honduras unter Wasser

"Die staatliche Untätigkeit ist der Hauptverbündete des Hurrikans Eta"

Giorgio Trucchi

 

Nicaragua: Sturmhorror und Solidarität

Sturmhorror und grosse und kleine Solidarität

Dieter Drüssel

 

Bolivien

El pueblo unido…

 

«Der Staatsterrorismus gebrauchte eine spezifische Grausamkeit gegen die Körper der Frauen»

Die ehemalige bolivianische Gesundheitsministerin beleuchtet das Spannungsfeld institutionelle Politik/soziale Bewegungen, betont die Notwendigkeit einer gegenseitigen Verständigung angesichts der kontinentalen Reaktion und thematisiert die antikoloniale und antipatriarchale Essenz des Kampfs für Befreiung.

Roxana Sandá befragt Gabriela Montaño

 

Das Schicksal Boliviens bleibt offen

Auszüge aus einem Interview mit dem vor einem Jahr gestürzten Vizepräsidenten von Bolivien Álvaro García Linera.

Mario Santucho befragt Álvaro García Linera

 

Brasilien

„Es scheint, dass einige Leben weniger wert sind als andere“

Zwei Lehren aus Erfolgen und Rückschlägen im Kampf gegen die Pandemie in der Favela Paraisópolis von São Paulo: Es braucht eine Basisorganisierung und ihre staatliche Unterstützung.

Gabriel Brito interviewt Victor Nisida

 

In Rio wächst die Macht der Killer

Eric Nepomuceno

 

El Salvador

«Kriminelle Governance»

Dieter Drüssel

 

USA

Von Jim Crow zu Josef Mengele

Zur Zwangssterilisierungen von gefangenen Migrantinnen schreibt die jüdisch-multiethnische Organisation Never Again is Now: «Sache ist nicht nur, dass unsere Regierung das Nazi-Skript gebraucht. Sache ist, dass sie das schon zur Hälfte umgesetzt hat.»

Abby Zimet

 

Den Putschmoment  verpasst

Allan Nairn

 

Von Freude, Rassismus und einem Raubvogel

Dieter Drüssel

 

Global

Dank der Pandemie reicher als vorher

Sergio Ferrari

 

 «Schöpferische Zerstörung»

Dieter Drüssel

 

Haiti

Die schwarzen Polen und eine unvermutete Heimat

1802 schickte Napoleon die polnische Brigade los, um eine Revolution in er reichen karibischen Kolonie Saint-Domingue zu ersticken. Dort wechselten die Polen die Seite und auch die Hautfarbe. Dies ist die Geschichte der «schwarzen Weissen»», die eine unvermutete Heimat eroberten.

Lautaro Rivara

 

Kolumbien

Feudalfaschismus

José Bermúdez

 

Venezuela

Welcher Wechselkurs zieht den anderen?

Pasqualina Curcio

 

Kuba/Schweiz

 «Basler Kantonalbank und Bank Cler handeln gesetzeswidrig und verletzen Neutralität»

Pressemitteilung von mediCuba-Suisse und Vereinigung Schweiz-Cuba

USA/Migration: Gesprächskultur des Herrenmenschen

Freitag, 19. Juli 2019


(zas, 19.7.19) Nachdem er den MigrantInnenknast in McAllen, Texas, besichtigt hatte, teilte US-Vizepräsident Mike Pence mit: «Jede Familie, mit der ich sprach, sagte mir, für sie werde gut gesorgt. Und (..) unsere Customs and Border Protection (CBP, Zoll- und Grenzschutz) tun ihr Möglichstes, um diesen Familien mitfühlende Pflege zu gewähren, so wie es das amerikanische Volk erwartet.»
Hier ein kurzer Ausschnitt aus den Gesprächen:

Video (1 Min.): https://youtu.be/sZVJb1_nM8I
Und das beobachtete Washington Post-Journalist Josh Dawsey: «Der Vizepräsident sah, wie 384 Männer auf Beton schlafen, ohne Kissen/Matratzen. Sie sagten, sie haben seit Wochen nicht mehr geduscht, wollten Zahnbürsten, Essen. Gestank war überwältigend.»

Oligarchie – in USA und Europa

Freitag, 13. Januar 2017



Es ist bekannt und erwiesen, dass die politische Ordnung der United States eine erbärmliche Finanz- und Unternehmensplutokratie ist – eine Oligarchie von den und für die Wenigen Reichen. Fragen wir nur die liberalen Establishment-Politwissenschaftler Martin Gilens (Princeton) und Benjamin Page (Northwestern). Bei der Auswertung von über 1800 Politinitiativen im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert ermittelten Giles und Page, dass reiche und gut vernetzte Eliten das Land steuerten, unabhängig vom und gegen den Willen der US-Mehrheit und ungeachtet dessen, welche der grossen Parteien das Weisse Haus und/oder den Kongress kontrollieren. ‘Der zentrale Befund, der sich aus unserer Forschung ergibt, ist, dass die ökonomischen Eliten und Interessensverbände substantielle unabhängige Auswirkungen auf die US-Regierungspolitik ausüben.’ Wie Gilens vor zwei Jahren im liberalen Online-Journal Talking Points Memo erklärte, ’haben normale BürgerInnen so gut wie keinen Einfluss auf das, was ihre Regierung in den USA tut.’

Zitat aus dem Artikel «Hillary Clinton and the Installation of Authoritarian Right-Wing Regimes in the Americas» vom 6. Januar 2017 auf counterpunch.org, verfasst von Paul Street.  Der Autor geht dabei auf die Logik ein, die sowohl Hillary Clintons Unterstützung für den Putsch 2009 in Honduras wie auch die Strategie der Parteiführung der Dems leitete, die zugunsten des neoliberalen Angriffsmodells Trump den Weg ins Weisse Haus bereitete. Clinton und ihre Parteiführung hatten mit allen Kräften und üblen Tricks einen Sieg Bernie Sanders in den demokratischen Vorwahlen verhindert, um dann eine den Status Quo lobpreisende Kampagne zu lancieren. Sanders hatte allen Umfragen zufolge (solange er im Rennen war) die weitaus besseren Chancen gegen Trump als Clinton.
Es wäre «Antiamerikanismus» zu meinen, dieser Grundzustand der Entrechtlichung der Massen sei ein spezifisches US-Ding. Nehmen wir die EU, genauer Italien: Hierzulande kaum registriert, untersagte vorgestern das italienische Verfassungsgericht eine anstehende Referendumsabstimmung. Das Referendum war vom Gewerkschaftsbund CGIL lanciert worden, um einige der aggressivsten Weichenstellungen vor allem der Regierung Renzi («Jobs Act») für die Prekarisierung der Arbeitsbedingungen rückgängig zu machen. Nach dem «No» zu einer von Renzi (und Berlusconi und zuvor von P2-Faschist Primo Gelli…) angestrebten Verfassungsreform in Richtung eines autoritären Präsidialsystems war nämlich überhaupt nicht mehr sicher, dass die «Vernunft» obsiegen würde. Besser, die Kindchen, den «Souverän», gar nicht erst abstimmen zu lassen. Ein Minister der renzianischen Regierung Gentilotti hatte die Idee ventiliert, bei einem «falschen» Verdikt des Verfassungsgerichts sofort Neuwahlen anzusetzen, die ebenfalls eine Referendumsabstimmung verhindert hätten. Dies immerhin angesichts der konkreten Möglichkeit, dass die 5 Stelle des faschistoiden Komikers Beppe Grillo diese Neuwahlen gewinnen könnten.
Lieber einen Trump im Weissen Haus als einen fortschrittlichen Sozi, lieber Wahlen als Ausbeutungsprivilegien verlieren.