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[Südmexiko-Soli-Newsletter] Februar 2022 - Wichtige Updates

Mittwoch, 16. Februar 2022

 

AUSERORDENTLICHER NEWSLETTER

Uns erreichen diese Tage eine grosse Anzahl trauriger Nachrichten aus
Mexiko, was uns veranlasst, diesen Kurznewsletter zu verschicken.
Dabei haben wir längst nicht alle Verbrechen, die jüngst vom Norden
bis in den Süden Mexikos begangen wurden, berücksichtigt. Wir rufen
daher zu kritischer Beobachtung auf und zur Teilnahme an Aktionen –
wie der Unterschriftensammlung für das Haus der Pueblos oder der
Aktion für Samir Flores. Je mehr mitmachen, desto mehr können wir
erreichen!
 
 
EILAKTION - RÄUMUNG HAUS DER PUEBLOS IN CHOLULTECA

           

Die mexikanische Regierung lässt das "Haus der Pueblos" räumen -
Aufruf zur Solidarität!

Ein großes Kontingent der Nationalgarde und der Gemeindepolizei sind
um 1.30 in der Nacht auf Dienstag, dem 15. Februar, in das ehemalige
Bonafont-Fabrikgelände eingedrungen, welches am 8. August 2021 von den
Pueblos Unidos, einem Zusammenschluss von organisierten Gemeinden der
Region Cholulteca (Puebla) besetzt und in das "Haus der Pueblos",
Altepelmecalli umgewandelt wurde. Der Besetzung ging einer
fünfmonatigen Blockade der Firma von der Bewegung voraus, um den
systematischen Wasserdiebstahl der Firma Bonafont, welche dem
französischen Lebensmittelkonzern #Danone gehört, zu beenden und
stattdessen einen Ort für kommunitäre Bildung, Gesundheit, Ernährung
und Organisation von unten links zu schaffen. Im März 2021 fiel der
Wasserstand der Ziehbrunnen der Bewohner:innen auf einen
rekordmässigen Tiefstand ab.

Alle Menschen der Bewegung vor Ort sind unverletzt geblieben und bis
zum momentanen Zeitpunkt wurde niemand verhaftet. Wie es den Tieren
geht, die Teil der Kooperative sind und sich auf dem Gelände befinden,
ist unklar.

Die Pueblos Unidos betonen in ihrem Communiqué, dass dieser Angriff
auf ihre Autonomie und Selbstorganisation als Teil der momentanen
Gewaltwelle gegen /pueblos originarios/ in Mexiko gesehen werden muss,
und dass es einen weltweiten Krieg um Wasser, gegen die /pueblos
originarios/ und die Menschheit gibt. So wurden alleine diese Woche
compañeros und compañeras des Itsmo de Tehuantepec, Ayotzinapa,
Mactumatzá und Nahuatzen angegriffen. Vergangene Woche wurde Francisco
Vázquez, ein Aktivist aus Morelos, der Teil des Widerstandes gegen
eine elektrotermische Anlage in Huexca, Morelos, ist, umgebracht.

Die Pueblos Unidos bitten um maximale Aufmerksamkeit und rufen die
(inter-)nationale Gemeinschaft dazu auf, sich solidarisch zu zeigen
und das aktuelle Geschehen in Puebla in den kommenden Tagen kritisch
zu beobachten.

Unter Anderem rufen sie uns auch hier in Europa dazu auf, sich vor den
mexikanischen Botschaften und den Sitzen von Danone zu mobilisieren!

Hier zum Video der Pressekonferenz der Pueblos Unidos:
https://www.facebook.com/watch/live/?ref=notif&v=304848581527827&notif_id=1644960139423347&notif_t=live_video

Hier geht es zu Unterschriftensammlung (Unterschriften bitte direkt im
Dokument eintragen):
https://docs.google.com/document/d/1UA-8_zORDBofHZLfxc8vpj38wUCwntgEYn5uytQudcg/edit?usp=sharing

Diese # sollen auf Twitter benutzt werden:

#DANONECRIMINAL
#FueraBonafont
#BonafontNoVuelve
#AltepelmecalliSeQueda
#PueblosUnidosCholultecas
#altepelmecallivive
#AmloNoCumple
#NetzderRebellion

Aktuelle Artikel auf Spanisch:

https://www.lajornadadeoriente.com.mx/puebla/desalojan-planta-de-bonafont-en-juan-c-bonilla/?fbclid=IwAR04O1M4T83UUnAXj34O9j6cx1fcQ4DBOrsLg_9cF5ofc5Pj9n_9vkpWEyM

https://www.somoselmedio.com/2022/02/15/casa-de-los-pueblos-es-tomada-por-guardia-nacional/

Dies ist ein Ausschnitt aus dem aktuellen Communiqué der Pueblos
Unidos auf Spanisch:

Hoy, 15 de febrero del 2022, el presidente de México, Andrés Manuel
López Obrador, el gobernador de Puebla, Luis Miguel Barbosa Huerta y
el presidente municipal de Juan C. Bonilla, José Cinto Bernal, se
coordinaron para defender a la empresa Bonafont del corporativo
DANONE, despojar a los pueblos de su agua y violentar la
autodeterminación de las comunidades originarias de la Región
Cholulteca. Con un megaoperativo con elementos de la Guardia Nacional,
del cuerpo de granaderos, de la policía estatal y de la policía
municipal orquestaron la entrada por la fuerza a las instalaciones de
Altepelmecalli, la Casa de los Pueblos, bastión de la organización en
defensa del agua a nivel nacional e internacional.

Das ganze Communique:
https://www.congresonacionalindigena.org/2022/02/15/llamado-de-los-pueblos-nahuas-de-la-de-la-region-cholulteca-a-movilizaciones-en-todos-los-territorios/
 

Correos 200

Montag, 10. Mai 2021

 

Correos 200

24. April 2021

 

Edito

Mexiko

Autonomie oder Neoindigenismus

“Sie verschwanden nicht” – zum Kampf der indigenen Völker.

Luis Hernández Navarro

 

Frauenkämpfe

Guatemala: Widerstand gegen Feminizide

"Es ist die Zeit der Angst. / Angst der Frau vor der Gewalt des Mannes und Angst des Mannes vor der Frau ohne Angst".

Barbara Müller

 

El Salvador: «Die Gewalt wird protegiert und darum herrscht eine grosse Straffreiheit»

Zu einer Untersuchung von Gewalt gegen Frauen der feministischen Organisation Las Mélidas.

Claudia Espinoza befragt Elisabeth Llamas

 

Venezuela: Vannesa Rosales und die Entkriminalisierung der Abtreibung

Der Fall einer jungen Aktivistin, die verhaftet wurde, weil sie einem 13-jährigen Vergewaltigungsopfer geholfen haben soll, die Schwangerschaft zu unterbrechen, rüttelt die feministischen Bewegungen auf.

Cira Pascual Marquina befragt Venus Faddoul

 

Venezuela

UN-Sonderberichterstatterin hält USA und EU Folgen ihrer Sanktionen in Venezuela vor

Forderung: Zwangsmaßnahmen aufheben, damit Venezuela seine Entwicklungsprogramme wiederaufnehmen kann

Marta Andujo

 

USA: «Keine Eile» Sanktionen zu mildern

«Obwohl Sanktionen keine physischen Kriegswaffen zu sein scheinen, sind sie ebenso tödlich, wenn nicht mehr (…) Die internationale Gesundheitscommunity sollte diese Sanktionen als Kriegsverbrechen begreifen.» (Amirhossein Takian, Azam Raoofi, Sara Kazempour-Ardebili)

Dieter Drüssel

 

Nicaragua

Solidarität mit den Sturmopfern – und dem Sandinismus

Gérald Fioretta

 

Schweiz: Kampfansage an Nicaragua

ZAS-Blog

 

«Treffen zwischen Brüdern»; Opposition in Nicaragua berät sich mit Juan Guaidó

 

Kevin Trauth

 

El Salvador

Diktatur gestärkt, FMLN vor Schicksalsfrage

Dieter Drüssel

 

Wasser

Wasser: die selbstmörderische Spekulation

Wasser wird zum Börsenspektakel gemacht. Über den Wahn des Kasinokapitalismus und seine zerstörerische Wirkung in Welt und Gesellschaft.

Luca Celada

 

Finanzordnung

Profite im Zeichen des Virus

Manuel Pérez-Rocha

 

USA/Zentralamerika

Zentralamerika: «Plan Biden» zur Stärkung der US-«Einflusszone»

Joe Bidens Reformagenda für Zentralamerika, dargelegt an einer Konferenz eines Washingtoner Thinktanks: Zentralamerika gehört den US-Unternehmen, und der Sandinismus muss weg.

Ben Norton

 

Plan Biden: Der Sicherheitsberater verdeutlicht

aus El Faro

Kolumbien/Schweiz: Glencore sagt: ‘Das wars’ und haut ab

Sonntag, 18. April 2021

 

(zas, 18.4.21) Wenn Glencore einen Entscheid trifft, kann es nicht gut kommen, sogar wenn der Beschluss ist, abzuhauen. Lehrbeispiel Glencore in Kolumbien: Am 2. April dieses Jahres gibt die Glencore-Filiale Prodeco bekannt, sich aus dem riesigen Komplex von Tagebau-Kohlenminen El Cerrejón im Departement Cesar zu verabschieden. El Cerrejón betrieben neben Glencore die Multis Drummond und Colombian Natural Ressources (CNR), eine Filiale des US-Kohlenunternehmens Murray Energy, heute American Consolidated Ressources. Grund für den angestrebten, den kolumbianischen Behörden vorliegenden Rückzug Glencores: Der Minenbetreib sei unrentabel.

Thomas Power erhellt uns einige Hintergründe und zitiert Flower Arias, Vertreter einer lokalen Organisation im Dorf Boquerón mitten im Kohlekorridor, erinnert sich an seine Kindheit: «Wir waren einfache Leute, nicht arm». «Das war», erklärt Power, als die Leute «die Campesino-Kultur hatten, Grundnahrungsmittel wie Yuca und Kochbanane zu anzubauen, bevor die Multis fünf grosse Tagebauminen in der Umgebung von Boquerón gruben und die Gegend für immer veränderten.» Nochmal Arias: «Krankheit, Umweltvergiftung, Diebstahl, sexuelle Gewalt – das sind die Erinnerungen, die die Minen hinterlassen».

Boquerón. Foto: Thomas Power

Zahlreiche kolumbianischen Organisationen und Abgeordneten schrieben in einer Stellungnahme: «Das Land riskiert, dass dieses Unternehmen gehen wird, ohne einen gesetzlich vorgeschriebenen Plan zur Stilllegung vorzulegen, und ohne die sozialen und Umweltprobleme, die es, wie Comunidades und Organisationen seit Jahren kritisieren, in der Zeit seiner Anwesenheit schuf, zu lösen.»

Eines dieser Probleme ist die Luftverschmutzung. 2010 wies das Umweltministerium die Multis an, deshalb die Gemeinden Boquerón und El Hatillo bis 2012 umzusiedeln. Die «Gespräche» dauerten sechs Jahre, bis die Unternehmen einen Umsiedlungsplan für 2018 für ein Dorf vorlegten. Power zitiert dazu die kolumbianische Organisation Pensamiento y Acción Social: «Während der sechsjährigen Verhandlungen benutzten die Unternehmen verschiedene Strategien, um die Communidad [von El Hatillo] auszulaugen, Ungewissheit zu generieren und das gemeinschaftliche soziale Gewebe zu brechen.» (Die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien erwähnt auch diesen Aspekt der Spaltung, ohne ihn allerdings zu situieren).

Doch die Luftverschmutzung ist nicht das einzige Übel der Multis. Da wäre die gravierende Wasserproblematik. Ana Rivera vom Gemeinderat von Boquerón sagt: «Wir haben eine Wasserleitung, aber das Wasser kommt nur alle der, vier oder fünf Tage aus dem Hahn.» Trinkwasser müsse zusätzlich gekauft werden. Das war nicht immer so. Früher floss ein Fluss durch die Gegend. Die Aktivistin Yolima Parra aus El Hatillo: «Den grössten Schaden bewirkte die Umleitung des Flusses, denn er garantierte für die Region eine ökonomische Stabilität», für Fischfang und anderes. Die Umleitung des Flusses Calenturitas für die Minen hatte die Umweltsbehörde 2009 bewilligt.  Die Umleitung eines weiteren Flusses, des Rio Ranchería, nach El Cerrejón hatte zum Tod von vielen Kindern aus den Wayuú-Gemeinschaften beigetragen (s. auch Kolumbien/Schweiz: Sie reden von Menschenrechten).

Drummond und Glencore haben, was sie natürlich abstreiten, aber alle in der Gegend und die Gewerkschaften bestens wissen, Paramilitärs benutzt, um Widerstand zu brechen. Power verweist auf eine umfangreiche Studie des AnwältInnenkollektivs José Alvear Restrepo vom Mai 2020. Aufschlussreich auch, wie ein aus Kolumbien in die Schweiz geflüchteter Drummond-Gewerkschafter den Zusammenhang von toyotistem Betriebsmanagement und Einsatz von Paramilitärs schildert (Correos 154 , August 2008).

Der Fluss ist weg, die Comunidades sind gespalten, die eh schon grosse Armut in der Gegend wird von der drohenden zusätzlichen Arbeitslosigkeit bald verschärft – Glencore sagt «Das war’s» und haut ab.

·        What will happen to Cesar, Colombia when the mines leave? Der Autor macht seinen Master in Politikwissenschaft an der Universidad Nacional de Colombia.