Feministinnen in Mexiko fordern Strategie gegen Feminizide

Mittwoch, 19. Februar 2020

 

Feministinnen in Mexiko fordern Strategie gegen Feminizide

Frauen gehen auf die Straße wegen vieler Morde. Enttäuschung über Reaktion von Präsident López Obrador nach jüngsten Feminiziden
Die Zahl der Morde an Frauen ist in Mexiko extrem hoch. Dies führte in den vergangenen Tagen zu vielen Protesten
Die Zahl der Morde an Frauen ist in Mexiko extrem hoch. Dies führte in den vergangenen Tagen zu vielen Protesten
Mexiko-Stadt. Zwei besonders brutale Fälle von Frauenmord haben in der mexikanischen Hauptstadt erneut für Proteste von Feministinnen gesorgt. Am Valentinstag demonstrierten sie vor dem Nationalpalast und vor Medienhäusern, die entwürdigende Fotos nach der Ermordung einer 25-Jährigen veröffentlicht hatten. Besonders enttäuscht waren die Frauen von der Antwort von Präsident Andrés Manuel López Obrador auf das Problem. Am Wochenende dann wurde der Mord an einem siebenjährigen Mädchen bekannt, der zu weiteren Demonstrationen führte.
"Frauenmordender Staat" (Estado feminicida) stand am Ende der ersten Demonstration am vergangenen Freitag, dem "Tag der Liebe", in riesigen blauen Lettern auf der Tür des Nationalpalasts in Mexiko-Stadt. Die Rufe der rund 200 Frauen, die sich schon um sechs Uhr morgens vor dem Gebäude versammelt hatten, waren auch drinnen zu hören, wo López Obrador seine morgendliche Pressekonferenz abhielt. Doch der Präsident wirkte von den wiederkehrenden Fragen danach, wie er die Zahl von zehn getöteten Frauen pro Tag senken will, eher genervt. "Ich bin gegen jede Form von Gewalt. Frauen muss man respektieren. Der Machismus ist ein Anachronismus", erklärte er.
Diese Antworten stellten die Frauen nicht zufrieden. Am Abend gingen sie erneut für Ingrid Escamilla auf die Strasse. Die 25-jährige war am 9. Februar auf brutale Art und Weise von ihrem 46-jährigen Lebensgefährten getötet worden. Besondere Empörung rief hervor, dass Bilder vom Tatort schon am nächsten Tag in der Presse zu sehen waren. In Mexiko kommt es häufig vor, dass Beamte von Polizei und Staatsanwaltschaft solche Fotos illegal weiterverkaufen. Jeden Tag sind in den Boulevardblättern Leichen zu sehen. Doch die Fotos von Ingrid, die von ihrem Mörder teilweise gehäutet wurde, waren selbst für mexikanische Maßstäbe zu viel.

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"Eine Machete für den Machismus"
"Eine Machete für den Machismus"
"Ich verurteile die Tat und diejenigen, die Bilder des Verbrechens veröffentlicht haben, aufs Äußerste", erklärte Innenministerin Olga Sánchez Cordero einen Tag nach der Publikation. Und auch weitere Institutionen meldeten sich zu Wort. Das Frauenministerium rief die Medien dazu auf, nach ethischen Maßstäben zu handeln. "Das Verbreiten von Bildern, die Verbrechen entschuldigen oder nur aus Sensationslust veröffentlicht werden, verharmlost die Gewalt und verletzt Würde und Integrität der Opfer und ihrer Familien", hieß es in einer Presseerklärung.
Die Staatsanwaltschaft der Stadt Mexiko gab bekannt, dass sie Ermittlungen gegen sechs Beamte von Polizei und Staatsanwaltschaft aufgenommen hat, die im Verdacht stehen, die Bilder vom Tatort durchgestochen zu haben. Ihnen könnten sowohl beamten- als auch strafrechtliche Konsequenzen drohen, erklärte Staatsanwältin Nelly Montealegre. Allerdings ist bisher kein Fall bekannt, in dem Polizei- oder Justizfunktionäre tatsächlich bestraft wurden. "In meiner Laufbahn als Richterin habe ich noch nie einen solchen Fall gesehen", sagte Celia Marín, Richterin am Obersten Gericht in Mexiko-Stadt, der Agentur Cimacnoticias.
Auch im Fall der Medien, die diese Fotos veröffentlichen, haben die Behörden bisher nicht durchgegriffen. Das Innenministerium, laut "Gesetz über das Recht der Frauen auf ein gewaltfreies Leben" zuständig für die Aufsicht, kündigte eine Untersuchung an. "Fälle wie der von Ingrid Escamilla dürfen sich nicht wiederholen. Wo die Würde der Opfer verletzt wird, hat die Pressefreiheit eine Grenze", erklärte die Behörde. Welche Sanktionen möglich sind, ist aber unklar. Laut Pressegesetz werden "Attacken gegen die Moral und die öffentliche Ordnung" mit umgerechnet zwischen einem und 50 Euro bestraft. Davon dürften sich Boulevardblätter allerdings kaum abschrecken lassen.

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Die demonstrierenden Frauen empfinden das hauptsächliche Schweigen von Präsident López Obrador als "kriminell"
Die demonstrierenden Frauen empfinden das hauptsächliche Schweigen von Präsident López Obrador als "kriminell"
Ein allgemein anerkannter Pressekodex existiert nicht. Es gibt zwei "Pakte zur Abschaffung von Gewalt gegen Frauen in den Medien", doch die sind freiwillig. Einen dieser Verträge hatte auch "La Prensa" unterschrieben, die am 10. Februar Fotos von Ingrid Escamilla auf dem Titelblatt veröffentlichte. Deshalb marschierte der Demonstrationszug junger Frauen am Abend des 14. Februar auch zu deren Verlagsgebäude. Doch die Zeitung hatte das Gebäude vorsichtshalber früher als üblich geschlossen und alle Türen verriegelt.
Die Demonstrationen der Frauen waren auch am Montag noch Thema, nachdem ein neuer brutaler Mord die Stadt erschütterte. Die siebenjährige Fátima war am 11. Februar aus der Schule heraus entführt worden. Am Wochenende wurde ihre Leiche in einem Plastikbeutel gefunden. Mexikos Präsident antwortete in seiner morgendlichen Pressekonferenz erneut mit Allgemeinplätzen: "Am Verlust unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts ist der Neoliberalismus Schuld ist. So etwas löst man nicht mit Polizei und Gefängnis. Nur wenn wir gute Menschen sind, sind wir glücklich", war seine Reaktion.

[rojavaagenda] Newsletter Nr. 13: Krieg ohne Ende - der Widerstand geht weiter

Dienstag, 18. Februar 2020

Liebe Freund_innen und Genoss_innen
Krieg ohne Ende – Das Motto "alles, nur kein fortschrittliches Projekt"
scheint die imperialistischen Mächte zu einen.

Der Krieg gegen das Projekt Rojava geht unvermindert weiter, auch wenn
es aus der Tagespresse verschwunden ist. Es sind nicht mehr die massiven
Luftschläge die Menschen zur Flucht zwingen sollen, sondern die Zunahme
der Gewalt in Form von Angriffen auf ihre Lebensgrundlage,
Verschleppung, Folterungen und direkten Artillerieangriffen durch die
türkische Armee und ihren Dschihadistischen Verbündeten. (Siehe zum
Beispiel
https://anfdeutsch.com/rojava-syrien/artillerieangriffe-auf-Sehba-und-til-temir-17225
oder
https://anfdeutsch.com/rojava-syrien/tuerkische-proxys-greifen-doerfer-bei-minbic-an-17332)
Das Ziel dieser Angriffe ist klar, es darf in der Region keine autonom
organisierte Gesellschaftsform geben, in welcher die Menschen Teil der
Gesellschaft sind und sie gemeinsam aufbauen.
https://civaka-azad.org/die-furcht-vor-dem-demokratischen-oekologischen-und-geschlechterbefreiten-gesellschaftssystem/
Für alle Kriegsparteien scheint die Vorstellung einer
basisdemokratischen Struktur so „gefährlich“ zu sein, dass ihnen sogar
jede Dschihadistische Gruppe - trotz ihren immer wieder gefilmten
Gräueltaten - lieber sind, wie Besê Hozat, Ko-Vorsitzende des
Exekutivrats der Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK) in
einem Interview erklärt:
https://anfdeutsch.com/hintergrund/bese-hozat-dschihadisten-werden-vorgezogen-16957

Doch der Aufbau von selbstverwalteten Strukturen mit Doppelspitze geht
in allen kurdischen Gebieten weiter, auch wenn in Nordkurdistan genau
dieses System des Ko-Vorsitzes als „terrorverdächtig“ gilt (Rojava:
https://anfdeutsch.com/frauen/armenierin-an-spitze-der-autonomieverwaltung-in-euphrat-region-17224
und Bakur:
https://anfdeutsch.com/aktuelles/hrw-wahlsiege-der-hdp-de-facto-annuliert-17142).

Aber der Aufruf der Kjk macht klar, dass diese Angriffe nicht
hingenommen werden:
https://anfdeutsch.com/frauen/kjk-frauenorganisierung-gegen-patriarchal-faschistisches-system-17166
Und vor dem Veranstaltungshinweis hier noch ein Artikel über ein für die
PKK wichtiges Gerichtsurteil in Brüssel:
https://civaka-azad.org/bruesseler-gericht-pkk-keine-terrororganisation/
Veranstaltung von WomenDefendRojava am 19.2.20 18.30.h im feministischen
Streikhaus, Sihlquai 115
Frauen* die Kämpfen sind Frauen* die Leben – Zum aktuellen Widerstand in
Rojava
Für Frauen*, Lesben, Inter*, Trans* und genderqueere Personen
(siehe Flyer anbei und
https://rojavaagenda.noblogs.org/post/2020/02/14/frauen-die-kaempfen-sind-frauen-die-leben/)
Zum Schluss noch drei Lesetipps:
- Anlässlich des 21. Jahrestages der Verhaftung von Öcalan ein Bericht
seines Anwaltbüros zur Isolation:
https://anfdeutsch.com/hintergrund/anwaelte-von-Oecalan-veroeffentlichen-imrali-bericht-17317
- Zum gleichen Thema ein Interview mit Pervin Budlan, Ko-Vorsitzende der
HDP:
https://anfdeutsch.com/aktuelles/buldan-verschaerfung-der-krise-solange-isolation-anhaelt-17321
- Interview mit Cemal Şerik vom PKK-Zentralkomitee über den
demokratischen Konföderalismus:
https://anfdeutsch.com/hintergrund/das-nationalstaatsmodell-passt-nicht-zum-mittleren-osten-16424
Mit solidarischen und kämpferischen Grüssen
Rojava-Komitee Zürich
rojavaagenda.noblogs.org
Telegram-Kanal: t.me/rojavaagenda
Twitter: @AgendaRojka
#riseup4rojava

Neues von der Lawfare-Front in Argentinien: Der Fall Amado Boudou

Montag, 17. Februar 2020

Argentinien / Politik

Kronzeuge soll hohe Geldsumme für Aussage bekommen haben. Rache für Rückverstaatlichung der Rentenfonds vermutet
Amado Boudou war maßgeblich beteiligt an der Rückverstaatlichung der privaten Rentenfonds in Argentinien
Amado Boudou war maßgeblich beteiligt an der Rückverstaatlichung der privaten Rentenfonds in Argentinien
Buenos Aires. In Argentinien wurde letzte Woche ein skandalöses Detail zu dem Verfahren gegen den ehemaligen Vizepräsidenten Amado Boudou bekannt: Wie das Portal El Destape berichtet, wurde die Aussage des Kronzeugen Alejandro Vanderbroele offenbar erkauft.
Boudou war von 2009 bis 2011 Wirtschaftsminister unter Cristina Fernández de Kirchner und in ihrer zweiten Regierungsperiode bis 2015 Vizepräsident.
Zuvor war er von 2006 bis 2009 erst Generalsekretär und dann Präsident des Staatlichen Rentenfonds (ANSES). In dieser Funktion war er maßgeblich beteiligt an der Rückverstaatlichung der privaten Rentenfonds (AFJP). Diesen wurde vorgeworfen, unverhältnismäßig hohe Kommissionen von ihren Teilnehmern zu kassieren, und sie hatten trotz hoher Betragszahlungen in einem Jahr ein Sechstel ihres Kapitals verloren. Nach der Verstaatlichung wuchsen die zu einem Reservefonds zusammengelegten Investitionen dieser Fonds bis Oktober 2014 um 392 Prozent.
Der Ex-Vizepräsident wurde 2018 in einem umstrittenen Prozess zu fünf Jahren und zehn Monaten Gefängnis sowie lebenslangem Verbot zur Ausübung öffentlicher Ämter verurteilt. Die Anklage lautete auf "Bestechlichkeit" und "mit dem Amt unvereinbare Verhandlungen", im zweiten Punkt wurde er schuldig gesprochen
Bei dem Fall ging es um den Verkauf der einzigen Druckerei Argentiniens, die über die Technik verfügte, Geldscheine zu drucken: Ciccone Calcográfica. Diese Firma hatte im Februar 2012 Konkurs angemeldet und wurde anschließend von einer Gruppe Investoren übernommen, unter denen sich der Geschäftsmann Alejandro Vanderbroele und der Bankier Raul Moneta befanden. Die Finanzbehörden hatten in diesem Zusammenhang eine Erleichterung der Zahlungsbedingungen der ausstehenden Steuerschulden erlaubt und damit die Firmenrettung ermöglicht.
Boudou war in der Sendung des Journalisten Jorge Lanatas von der Ex-Frau Vanderbroeles beschuldigt worden, hinter diesem Geschäft zu stecken: Ihr Ehemann sei ein Strohmann Boudous gewesen. Dieser bestritt dagegen immer, Vanderbroele überhaupt gekannt zu haben. Vanderbroele seinerseits wies lange Zeit die Anschuldigungen zurück, wurde jedoch ebenfalls angeklagt und nahm nach einiger Zeit in Haft die ihm angebotene Kronzeugenregelung an. Er sagte aus, der Vizepräsident habe hinter den steuerlichen Erleichterung gesteckt und dafür 70 Prozent der Aktien der Firma erhalten.
Die Verteidigung bemängelte, dass zu dieser Aussage nie entsprechende Beweise geliefert wurden und in keiner Weise festgestellt wurde, dass Boudou tatsächlich in Besitz von Aktien der Druckerei sei oder irgendeinen anderen Vorteil aus dieser Affaire gezogen hätte. Das Urteil bezog sich aus diesem Grund auch nur auf "mit dem Amt unvereinbaren Verhandlungen" und nicht auf Bestechlichkeit, für die materielle Beweise hätten vorliegen müssen. Parallele Prozesse wegen vermeintlicher Bereicherung im Amt oder Geldwäsche waren aus demselben Grund ins Leere gelaufen: Boudou konnten nie irgendwelche unrechtmäßigen Einkünfte, unerklärte Konten oder Ähnliches nachgewiesen werden.
Kritik gab es auch an der Zusammensetzung der Strafkammer, die das Urteil in zweiter Instanz bestätigte, sowie an der Tatsache, dass der Vorsitzende der Kammer, Richter Pablo Bertuzzi, direkt nach dem Urteil von der Regierung in irregulärer Form zum Kassationsgericht befördert wurde.
Die Verteidigung hatte insgesamt fünf Mal gefordert, dass ihr die Details der Verhandlungen der Staatsanwaltschaft mit dem Kronzeugen vorgelegt würden, was jedoch nie geschah. Auch der ehemalige Richter des obersten Gerichtshofes und aktuelles Mitglied des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte, Raul Zaffaroni, bemängelte als Amicus Curiae in einem Schreiben das Verfahren und verlangte, dass das Urteil aufgehoben wird.
Der frühere Außenminister Rafael Bielsa erklärte kürzlich in einem Interview, dass die juristische Verfolgung Boudous eine Rache für die Rückverstaatlichung der Rentenfonds sei. Der Medienkonzern Clarin, der die Beschuldigungen sehr aktiv verbreitete, war von der Verstaatlichung seinerzeit stark betroffen. Insgesamt hat es zehn Verfahren gegen Boudou gegeben, von denen die meisten jedoch aus Mangel an Beweisen oder gar Inexistenz einer Straftat eingestellt werden mussten oder er freigesprochen wurde.
Wie nun bekannt wurde, ist Vanderbroele nicht nur Straffreiheit versprochen, sondern nach der Verurteilung Boudous als Prämie eine hohe Summe Geld bezahlt worden, mit der er sich ein Hotel in einer touristischen Gegend in Mendoza kaufte. Man habe Zugang zu Geheimdokumenten, die „dieses Manöver“ der Regierung von Präsident Mauricio Macri und die "zweideutige Beziehung des Justizministeriums zu einigen Reuigen" enthüllten, um bestimmte Fälle im eigenen Interesse zu lenken, so El Destape.
Richter Ariel Lijo nahm die Untersuchungen dieser neuen Facette des Falles auf.
Ein Antrag von Verteidigern mehrerer Angeklagter in diesem Verfahren, nach den Enthüllungen das gesamte Urteil zu überprüfen, hat das Gericht inzwischen abgelehnt.

Argentinien: Die Schulden bezahlen – dem Volk

Donnerstag, 13. Februar 2020


(zas, 13.2.20) Die IWF-Delegation reiste an, um zu schauen, wie die klar die unbezahlbare Schuld, die der IWF und die neoliberale Regierung Macris der Bevölkerung aufgehalst hatten, für weitere Zurichtungskommandos verwendet werden kann. Im Jargon des Fonds: Umschuldungsgespräche. Die neue Regierung unter Alberto Fernández hatte schon vor dem Wahlsieg deutlich gemacht, dass sie erst bezahlbar sei, wenn die Leute wieder anständig zu essen haben und die Wirtschaft zu brummen ansetze. Also kam die Fondsgruppe in Buenos Aires an. Eine Stunde später machte das Empfangskomitee seine Aufwartung: waren Zehntausende auf der Strasse, mobilisiert von einem Bündnis um die UTEP, die Gewerkschaft der ArbeiterInnen der Volksökonomie, kleine Gewerbetreibende, informeller Sektor, Hausangestellte etc. Im Bündnis die beiten Gewerkschaftsverbände der CTA, autonome und linksperonistische Basisorganisationen, die KP, Segmente des «gemässigten» Gewerkschaftsverbandes CGT. «La deuda es con el pueblo» - «dem Volk verschuldet», das war die gemeinsame Losung auf der Strasse. Vorgetragen als Unterstützung von Fernãndez, aber auch als Warnung an die Regierung, nicht nachzugeben. Unterstrichen von vielen Kräften mit der Forderung nach einer Überprüfung der unter Macri wieder orchestrierten Verschuldung. Denn ein Grossteil fällt in die Kategorie «illegitime Schulden». 

Die Regierung von Alberto und Cristina Fernández redet nicht von illegitimen Schulden, «nur» von ihrer Unbezahlbarkeit. Das ist interpretierbar, lässt aber die Tür für weitere Zugeständnis an die transnationalen Raubbarone offen.
Dennoch, vorerst klare Worte des Chefs des Wirtschaftskabinetts, Martín Guzmán: «Das ist eine Krise, in der alle Beteiligten Verantwortung tragen: Argentinien, die Fondsgesellschaften – die sich das Risiko eines Fehlschlags mit hohen Zinsen vergüten liessen – und der IWF, der den grössten Kredit in seiner Geschichte sprach, aber nicht für die Stärkung der nationalen Produktionskapazität, sondern im Gegenteil für Schuldenzahlung [Anm. zas: an die Geierfonds] und die Expatriierung von Kapitalien.» Guzmáns Schlussfolgerung vor dem Parlament: «Der IWF ist verantwortlich.»

Mordfall Marielle Franco: Milizenführer von Polizei in Brasilien erschossen

Brasilien / Politik

Wer ließ Marielle Franco ermorden?
Wer ließ Marielle Franco ermorden?
Esplanada, Bahia. Adriano Magalhães da Nobrega, Ex-Polizist und mutmaßlicher Anführer einer paramilitärischen Miliz in Rio de Janeiro, ist am vergangenen Sonntag im Bundesstaat Bahia von der Polizei erschossen worden. Die Miliz wird verdächtigt, den Mord an der linken afro-brasilianischen Stadträtin Marielle Franco geplant und durchgeführt zu haben. Franco wurde im März 2018 zusammen mit ihrem Fahrer Anderson Gomes in ihrem Auto im Zentrum von Rio de Janeiro erschossen. Die Stadträtin war Mitglied der linken Partei Sozialismus und Freiheit (PSOL). Unter anderem hatte sie stets die Verbrechen der paramilitärischen Gruppen in Rio de Janeiro angeprangert.
Der flüchtige Magalhães wurde von Spezialeinheiten der Polizei im Umland von Esplanada aufgespürt, einem Städtchen rund 170 Kilometer nördlich von Salvador, der Hauptstadt von Bahia. Dies teilte das Ministerium für Sicherheit des nordostbrasilianischen Bundesstaates mit. Bei seiner Festnahme habe er auf die Beamten geschossen und soll bei dem Schusswechsel so schwer verletzt worden sein, dass er kurz darauf im Krankenhaus starb, heißt es in der Mitteilung. In dem Haus, in dem er sich versteckt hielt, seien vier Schusswaffen und 13 Handys gefunden worden. Es gehöre einem Stadtrat der Partei PSL, über deren Liste Jair Bolsonaro zum Präsidenten Brasiliens gewählt worden ist.
Wer den Mord an Marielle Franco in Auftrag gegeben hat, ist noch immer nicht aufgeklärt. Allerdings verdächtigen die Behörden die paramilitärische Miliz „Büro des Verbrechens“ (Escritório do Crime). Dieser werden Verstrickungen in Geldwäsche und Schutzgelderpressung sowie Auftragsmorde vorgeworden – auch die an Franco und Gomes. Als Anführer dieser Miliz gilt der nun erschossene Adriano Magalhães da Nobrega. Er war früher Kommandeur der Polizei-Spezialeinheit BOPE und auch als „Capitán Adriano“ bekannt. Er war seit über einem Jahr auf der Flucht, wurde jedoch nicht im Mordfall Franco gesucht, sondern wegen anderer Delikte wie illegale Landaneignung und Schutzgelderpressung. Sein Anwalt, Paulo Preta, erklärte gegenüber der Presse, Magalhães habe sich nicht ergeben wollen, da er fürchtete, umgebracht zu werden, um Beweise zu vernichten.
Im Fall Franco war Magalhães zwar befragt worden, er galt aber nicht als tatverdächtig. In dem Mordfall sitzen zwei weitere Ex-Polizisten bereits in Haft. Der 48-jährige Ronnie Lessa soll auf Franco geschossen, der 46-jährige Elcio de Queiroz soll den Fluchtwagen gefahren haben.
Als Kommandeur des BOPE war Magalhães bereits 2004 unter Mordverdacht geraten und verhaftet worden. Im darauf folgenden Jahr bekam er jedoch auf Betreiben des ältesten Sohns des amtierenden Präsidenten, Flavio Bolsonaro, die Medaille Tiradentes verliehen, die höchste Auszeichnung des Bundesstaates Rio de Janeiro. Der ehemalige Abgeordnete und jetzige Senator Flavio Bolsonaro hatte zudem die Mutter und die Ex-Frau des jetzt getöteten Magalhães beschäftigt. Darüber hinaus steht Magalhães und der Präsidentensohn gemeinsam in Verdacht, in einen Korruptionsskandal verwickelt zu sein. Auch soll Magalhães mit dem ehemaligen Kabinettschef von Flavio Bolsonaro befreundet gewesen sein.

Was bringt die Zukunft für die Beziehungen USA-Bolivien?

Mittwoch, 12. Februar 2020


Mark Weisbrot*
Die klare Unterstützung der Trump-Administration des Militärputsches gegen die demokratisch gewählte Regierung von Evo Morales am 10. November erhellt am besten, wie sie sich in der kommenden Zeit zu Bolivien verhalten wird. Und niemand bestreitet, dass Morales demokratisch für die 2015 begonnene Amtszeit gewählt worden ist.
Mehr noch: Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), deren Führung unter Generalsekretär Luis Almagro stark von Präsident Trump und Senator Marco Rubio beeinflusst ist, spielte eine führende Rolle im Putsch, der diese gewalttätige, repressive, rassistische und anti-indigenistische Regierung an die Macht brachte. Die OAS tat das mit ihrer wiederholten Falschbehauptung oder auch nur mit dem Insinuieren, die Regierung Morales habe bei den Wahlen vom 20. Oktober betrogen.
136 ÖkonomInnen und StatistikerInnen sagten, die Anschuldigungen der OAS seien falsch. Mitglieder des US-Kongress verlangten von der OAS Stellungsnahmen wegen ihrer falschen Beschuldigungen. Auch Medienschaffende haben versucht, Antworten zu erhalten. Während  mehr als drei Monate hat niemand eine Antwort erhalten. Warum? Weil die OAS lügt und ihre Anschuldigungen nicht untermauern kann.
Wie viele in den USA domizilierte NGOs, die behaupten, «Menschenrechte» und «Demokratie» zu verteidigen, diese durchsichtigen Falschaussagen behandeln – Rechenkünste der 8. Klasse sind nötig, um sie zu durchschauen – ist schändlich. Das Gleiche gilt für die meisten US-Medien inklusive die Editorialredaktion der New York Times, die nach 17 Jahren zum ersten Mal wieder einen Militärputsch verteidigte – und damit eine wütende Antwort von mehr als 300 akademischen ExpertInnen provozierte. Die Wahrheit wird herauskommen.
·        Center for Economic and Policy Research, 5.2.20: What Does the Future Hold for US-Bolivia Ties?