El Salvador: Unterstützt medizinische Solidaritätsinitiative

Dienstag, 14. Juli 2020

Zürich, im Juli 2020

 

El Salvador: Selbstbestimmung in Zeiten der Pandemie

Ein Spendenaufruf

Die Pandemie in El Salvador verschärft sich erschreckend. Kaum ein Tag, ohne dass wir vom Tod oder von schwerer Krankheit von vertrauten und von unbekannten Compas hören. Deshalb wenden wir uns jetzt an Dich / an Sie als Stütze unserer Projekte mit der Bitte um einen Sonderbeitrag.

 

Solidarische Initiative

Ende Juni tauschten ein paar Frauen des FMLN, darunter auch Ärztinnen, Nachrichten über Compas mit Covid-Symptomen aus. Für viele von diesen ist schon der Kauf eines Schmerzmittels ein Problem. Der Beschluss wurde gefasst: Eine minimale medizinische Betreuung wird für die Compas organisiert. Gesagt, getan. Die betreuten Compas verbreiteten in ihren Kreisen die Botschaft: «Der Frente hat für uns eine Ärztebrigade organisiert.» Das ging rum wie ein Lauffeuer und wurde zum Handlungsauftrag.

Die Red Médica Solidaria, das solidarische ärztliche Netz, war geboren. Binnen Tagen hatten sich schon rund 50 ÄrztInnen gemeldet, um mitzumachen. Nachdem die Regierung die über drei Monate dauernde militarisierte Ausgangssperre hatte aufgeben müssen – eine weitere krasse Missachtung von entsprechenden Urteilen der obersten Justizorgane galt im State Department als wenig opportun  – sind Hausbesuche u. a. möglich geworden. Die «Red» ist von früh bis spät im Einsatz.

Ein ärztliches Team aus dem FMLN hatte angesichts der explodierenden Covid-19-Ansteckungsrate schon vorher eine Reihe von praktischen Regeln bei Verdacht auf Covid-Infektion über die Organisationsstrukturen in den Gemeinden und die Social Media verbreitet. Es geht dabei z. B. um Medikamente gegen Sekundärinfektionen, um die Behandlung von Wäsche von Erkrankten, um Distanzmassnahmen in oft engsten Wohnverhältnissen oder dem Umgang mit psychischen Belastungen.

Viele Reaktionen bezeugen die Erleichterung der Compas über die Solidaritätsaktion. Ältere erinnern sich an die Gesundheitsversorgung in der Guerilla.

All das vor dem Hintergrund, dass die Ansteckungswelle auch in El Salvador wie in grossen Teilen des Kontinents exponentiell wächst. Das Spitalsystem ist real schon kollabiert. Das Personal arbeitet meist mit unzureichendem Schutzmaterial, viele sind infiziert, einige sterben. Die Zustände sind dantesk (s. zum Beispiel elfaro.net: Diario de un doctor que se enfrenta a la pandemia en primera línea).

 

Perverse und zynische Regierung

Der bis auf die Knochen korrupte Clan um Präsident Nayib Bukele macht in seiner enormen Dauerhetze für seine katastrophalen «Fehlleistungen» alle ihm nicht dienstbaren Kräfte verantwortlich. Er lässt die Wände in bestehenden Spitälern neu streichen und spricht von Renovierung. Er kündet das «grösste Spital» Lateinamerikas mit Top-Standard an, statt wie z. B. in Costa Rica schnell provisorische Behandlungszentren zu errichten. Das Spital «funktioniert» Monate zu spät, prekär, zu einem minimalen Bruchteil seiner angeblichen Kapazität, allerdings nur, weil Personal und Ausrüstung aus anderen eh schon zusammenbrechenden Spitälern abgezogen worden sind. Bukele will Fachpersonal aus Guatemala und Nicaragua abwerben, obwohl es dort gebraucht wird. Eine Anfrage an das in Sachen Covid vorbildliche Kuba um die Entsendung einer Medizinbrigade verbietet Washington. Statt aufzuklären schürte Bukele psychotische Angst. Trotz des Einsperrens von Tausenden in veritablen Ansteckungslagern, brutalen Sicherheitskräften und der präsidialen Pose als Retter der Nation ist klar, dass das Virus nur von einer solidarischen, aufgeklärten, nicht drangsalierten Bevölkerung eingedämmt werden kann. Das aber kümmert das US-protegierte Regime oder seine soziale Basis im Heer der fundamentalistischen Sekten nicht.

 

Unterstützung für die Selbsthilfe!

Die Red Médica Solidaria kann das öffentliche Gesundheitswesen nicht ersetzen, auch wenn dieses immer mehr am Virus erkrankte Menschen und andere mit chronischen Krankheiten faktisch aussperrt. Sie steht für einen Versuch, mit Solidarität und Selbstorganisation auf diesem neuen Kampfterrain – Bedrohung durch die Pandemie, Angstpsychose und neuer Faschismus – zu bestehen.

Wir haben die «Red» schon mit einem kleinen Beitrag unterstützt. Alle, die darin arbeiten, machen das unentgeltlich. Geld braucht es für Medikamente, einfache Sauerstoffflaschen, taugliche Schutzmasken u. v. m. Der extreme Lockdown hat beträchtliche Teile der Bevölkerung in eine sich vertiefende Armut getrieben. Tausende von Compas brauchen jetzt Unterstützung.

Selten ist der politische Kampf derart unmittelbar mit dem physischen und psychischen Überleben verknüpft.

 

 

Spenden an:

Unterstützungsverein Zentralamerika-Sekretartiat

Zürich

PC: 80-60518-0

IBAN CH10 0900 0000 8006 0518 0

Vermerk: Pandemie El Salvador

Evo Morales zu Terroranklage: Justiz in Bolivien hat Beweise "manipuliert"

Mittwoch, 8. Juli 2020

https://amerika21.de/2020/07/241432/bolivien-evo-moarles-anklage-terrorismus
Bolivien / Politik

Evo Morales zu Terroranklage: Justiz in Bolivien hat Beweise "manipuliert"


Evo Morales
Evo Morales

La Paz. Die Staatsanwaltschaft des Departamentos La Paz in Bolivien hat den ehemaligen Präsidenten (2006-2019) Evo Morales formell des Terrorismus angeklagt und Untersuchungshaft wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung an Protesten nach dem Putsch Ende vergangenen Jahres beantragt. Morales war damals aus dem Amt gedrängt worden, nachdem Polizei und Armee sich gegen ihn gestellt hatten. Die Opposition hatte ihm zuvor Wahlbetrug vorgeworfen.

Morales bezeichnete die Anklage der Staatsanwaltschaft als "illegal" und "verfassungswidrig". Über den Kurznachrichtendienst Twitter bekräftigte er, die Anschuldigungen seien "ein weiterer Beweis für die systematische politische Verfolgung der De-facto-Regierung". Morales weiter: "Demokratie und Rechtsstaatlichkeit werden bald nach Bolivien zurückkehren."

"Die formelle Anklage gegen Herrn Juan Evo Morales Ayma wegen der Verbrechen des Terrorismus und der Finanzierung des Terrorismus ist veröffentlicht worden. [...] Wir haben beantragt, diese Person in Untersuchungshaft zu nehmen", zitierte die bolivianische Nachrichtenagentur ABI indes den Staatsanwalt des Departamentos La Paz, Marco Antonio Cossío.

Die Anklage basiert fast ausschließlich auf einer Tonaufnahme, die im November 2019 von Innenminister Arturo Murillo veröffentlicht wurde. In der Aufnahme soll ein führender Vertreter der Koka-Bauern, Faustino Yucra, im Gespräch mit Morales zu hören sein. Morales soll Yucra zur "Belagerung" und "Aushungerung" von Städten aufgefordert haben. Yucra war bereits am 8. April unter dem Vorwurf des Terrorismus und des Aufruhrs sowie der Finanzierung von Terrorismus verhaftet worden.

Die Authentizität der Aufnahme ist umstritten und Morales bestreitet, die entsprechenden Gespräche geführt zu haben. "Die Staatsanwaltschaft versucht, mich rechtswidrig mit einer manipulierten Tonaufnahme anzuklagen", schrieb Morales auf Twitter.

Die Neuwahlen in Bolivien nach dem Putsch sind vom De-facto-Regime bereits mehrfach verschoben worden. Die Vorwürfe gegen Morales wegen Wahlbetrugs, die Ende 2019 zum Putsch geführt hatten, sind inzwischen von US-Wahlexperten der Universitäten von Pennsylvania und Tulane detailliert widerlegt worden. Das De-facto-Regime in Bolivien und die US-nahe Organisation Amerikanischer Staaten, die den Putsch unterstützt hatte, reagierten mit harscher Kritik an den wissenschaftlichen Untersuchungen und den Berichten der US-Tageszeitung The New York Times.

Bolsonaros Welle

Dienstag, 30. Juni 2020

Bild: Fkraft-ew/CC BY-SA-3.0

Deutsche Welle feuert Schriftsteller J.P. Cuenca wegen dessen Kritik an Brasiliens Präsidenten. Auf Telepolis antwortet Cuenca der Sendeleitung

Mehr als 100 Erstunterzeichner aus Deutschland und Brasilien haben in einem offenen Brief an die Deutsche Welle den Rausschmiss des brasilianischen Schriftstellers João Paulo Cuenca scharf kritisiert. Zuvor sprach der Auslandssender dem 42-Jährigen ohne vorherige Rücksprache und öffentlich die Kündigung einer regelmäßigen Kolumne im portugiesischsprachigen Angebot aus, nachdem er auf seinem privaten Twitter-Account den rechtsradikalen Präsidenten des südamerikanischen Landes, Jair Bolsonaro, kritisiert hatte. Die Deutsche Welle warf Cuenca daraufhin "Hassrede und Aufstachelung zur Gewalt" vor; der so Geschasste wehrte sich ebenfalls auf Twitter.

Während die Entlassung im Bolsonaro-Lager für Begeisterung sorgte, formiert sich Widerstand gegen die Entscheidung der Sendeleitung. Der offene Brief wurde von zahlreichen Journalisten und dem Vizepräsidenten des PEN-Clubs Deutschland, Ralf Nestmeyer, unterzeichnet.

Dabei ist nicht unwahrscheinlich, dass die Verantwortlichen im Hauptsitz des Senders in Bonn erstens einer Kampagne der brasilianischen Rechtsextremisten auf dem Leim gegangen sind und zweitens den Tweet nicht verstanden haben. Denn Cuenca schrieb über den Kurznachrichtendienst: "Die Brasilianer werden erst frei sein, wenn der letzte Bolsonaro an den Gedärmen des letzten Pfarrers der Universalkirche erhängt wird."

Harter Tobak, sicher, aber eben auch die Paraphrasierung eines historischen Zitats. Anfang des 18. Jahrhunderts hatte der Franzose Jean Meslier, der sich vom katholischen Priester zum Religionskritiker gewandelt hatte und der frühen Aufklärung zugerechnet wird, das Zitat in seinem Werk "Mèmoire" angeführt: "Il serait juste que les grands de la terre et que tous les nobles fussent pendus et étranglés avec les boyaux de prêtres", also etwa: "Es wäre gerecht, dass alle Großen der Erde und alle Adligen mit den Gedärmen der Priester erhängt und erwürgt werden sollten."

Cuencas Bolsonaro-Abwandlung bezog sich - ähnlich motiviert - auf die massive Unterstützung der amtierenden brasilianischen Regierung für die Igreja Universal do Reino de Deus. Diese sektenähnliche evangelikale Massenbewegung gehört zu den wichtigsten Unterstützern der Bolsonaro-Führung - und wurde dafür unlängst mit Millionenmitteln aus der Staatskasse bedacht.

Cuencas Kritik daran grämte die Bolsonaro-Führung offenbar ebenso, wie sie sein öffentlicher Rauswurf freute. Der Kongressabgeordnete und Präsidentensohn Eduardo Bolsonaro beglückwünschte den deutschen Auslandssender auf Twitter persönlich zu der Entscheidung. Zuvor hatten Vertreter des Bolsonaro-Lagers eine massive Kampagne gegen Cuenca gestartet.

Auf den Rausschmiss und den Jubel bei Brasiliens Rechtsextremisten reagierten nun deutsche und brasilianische Wissenschaftler, Journalisten, Künstler sowie Aktivisten. Man könne darüber diskutieren, ob Cuencas Spiel mit dem historischen Zitat gelungen oder geschmacklos, schlecht formuliert oder schlecht kontextualisiert war, schreiben sie in dem offenen Brief, der Telepolis vorab vorlag: "Wenn man das Werk von João Paulo Cuenca kennt, kann dieser Satz jedoch nicht als Aufstachelung zum Hass interpretiert werden. Aus diesem Grund hat die einseitige Entscheidung der Deutschen Welle bei uns Besorgnis in Bezug auf Meinungsfreiheit und Zensur ausgelöst." Die Deutsche Welle solle ihre Entscheidung überdenken, schließlich sei Cuenca eine "unverzichtbare Stimme, um die Verbrechen gegen die Menschenrechte, antidemokratische Maßnahmen und Machtmissbrauch brasilianischer Politiker anzuprangern".

Telepolis bat Cuenca, seine Version der Geschehnisse aufzuschreiben. Hier seine Replik an die Deutsche Welle, exklusiv und erstmals auf Deutsch:


Wenn sich ein Sendechef an den Gedärmen eines Schriftstellers erhängt, hat der brasilianische Faschismus gewonnen

João Paulo Cuenca

1. Am Dienstag vorletzter Woche, am 16. Juni, las ich, dass die brasilianische Bundesregierung 30 Millionen Reais (gut 4,88 Millionen Euro) für Radio- und Fernsehsender evangelikaler Pastoren freigegeben hat, die Präsident Jair Bolsonaro unterstützen. Und bevor ich mir einen Kaffee machen ging, postete ich auf Twitter, zwischen Anführungszeichen: "Der Brasilianer wird erst dann frei sein, wenn der letzte Bolsonaro in den Gedärmen des letzten Pastors der Universalkirche erhängt wird."

Für die Zwecke der Satire habe ich eine bekannte Redewendung aus dem 18. Jahrhundert paraphrasiert, die Voltaire und Diderot, zwei Vertretern der Aufklärung, zugeschrieben wird. Eigentlich aber wurde sie von dem französischen Abt Jean Meslier (1664-1729) verfasst. Der Satz, der sich ursprünglich auf Könige und Priester berief, wurde mehrfach abgewandelt wieder aufgegriffen. Er wurde zum geflügelten Wort, das sich Anarchisten, Liberale, Anarchokapitalisten, Umweltschützer - Menschen von links und rechts - aneigneten.

Einige brasilianische Beispiele. Im Jahr 2015 veröffentlichte der linke Intellektuelle Vladmir Safatle in der Folha de São Paulo diese Variante: "Sie (die Korruption) wird erst dann enden, wenn der letzte korrupte PT-Politiker in den Gedärmen des letzten korrupten PSDP-Politikes erhängt wird."

Eine schnelle Google-Suche zeigt, dass der Hauptideologe des Bolsonarismus, der rechtsextreme Denker Olavo de Carvalho, die Konstruktion mindestens zweimal verwendet hat: "Der Kapitalismus wird erst dann überwunden sein (...), wenn der letzte Marxist an den Gedärmen des letzten 'homo oeconomicus' erhängt wurde." Und: "Die Welt wird erst dann glücklich sein, wenn der letzte Bildungsminister an den Gedärmen des letzten Funkeiro (DJ des in Favelas beliebten Rio-Funk) erhängt wird."

In Internetforen des Ubuntu-Betriebssystems gibt es eine kuriose Version: "Computer werden erst an dem Tag frei sein, an dem der letzte Windows-Nutzer in den Gedärmen des letzten Mac-Benutzers aufgehängt wird." Ebenfalls aus dem Jahr 2018 stammt der Tweet: "Brasilien wird an dem Tag ein entwickeltes Land sein, an dem der letzte YouTuber an den Gedärmen des letzten Unternehmer-Coaches erhängt wird."

Mein Favorit ist keine dieser Varianten, sondern eine Version, die im Mai 1968 in den Straßen von Paris zu lesen war: "Nachdem wir den letzten Bürokraten an den Gedärmen des letzten Soziologen erhängt haben, werden wir dann immer noch Probleme haben?"

Diejenigen, die mich verleumderisch beschuldigt haben, "die Hinrichtung des Präsidenten zu fordern", scheinen Schwierigkeiten mit dem Verständnis von zwei Dingen zu haben: erstens was eine Metapher ist, zweitens der metaphorische Aussage von Mesliers Satz: Die Kirche und der Adel (oder andere "Familien" wie sie) müssen sich im Namen des Volkes von der republikanischen Macht fernhalten.

2. Das Chaos, das meine sozialen Netzwerke rasch erfasste - eingeschlossen Drohungen von physischer Gewalt und von Gerichtsverfahren - ist das Ergebnis sozialer Mechanismen, die unter dem Bolsonarismus perfektioniert und konsolidiert wurden. Ein Ergebnis war die umgehend einsetzende und sehr erfolgreiche Diffamierungskampagne, die zu meinem Rausschmiss bei der Deutschen Welle Brasilien führte, wo ich bis dahin Kolumnen veröffentlichte.

Die Vertreter des Regierungskabinetts des Hasses und ihre (Internet-)Robots identifizieren ihre Ziele schnell und gehen umgehend zum Angriff über. Es handelt sich um einen relativ wirksamen und billigen Mechanismus der psychologischen Nötigung und Zensur. Es geht hier alleine darum, Gegenstimmen zum Schweigen zu bringen - und diesmal kann der brasilianische Neofaschismus sich auf die Komplizenschaft einer deutschen öffentlich-rechtlichen Anstalt stützen, der Deutschen Welle.

Da die redaktionellen Verantwortlichen in Bonn gebildete Erwachsene mit uneingeschränkten kognitiven Funktionen sind, die meine antifaschistischen Texte in den letzten Monaten gelesen und bearbeitet haben, glaube ich, dass sie wissen, was eine Metapher ist. Ich bot ihnen noch an, einen Text oder eine Notiz zur Klärung des Satzes zu verfassen. Aber sie kamen dem zuvor und veröffentlichten eine ungeschickte und verlogene Notiz, in der sie mich eines Verbrechens bezichtigten, das ich nicht begangen habe: Hassrede.

Daher bleibt nur ein Zweifel: Entweder haben sie dem Druck des Regierungskabinetts des Hasses in Brasilien nachgegebe, oder die Tentakel dieser Regierung reichen über das am besten ausgestattete (und am wenigsten gebildete) Außenministerium in der Geschichte des Landes bis nach Deutschland.

3. Der Lärm der faschistischen Horden, die nun die Entscheidung der Deutschen Welle feiern, zeigt auf, in welchem Maße die Botschaft falsch ist, die das Unternehmen aussendet. Noch gravierender: Sie macht Nötigung und Zensur für die Künstler und Intellektuellen, die sich gegen die Regierung stellen, zu einem Normalzustand, der für die andere Seite, die keine Wahlmöglichkeiten hat, nicht besteht.

Ganz im Gegenteil. Wie bereits erwähnt, unter anderem in Kolumnen für Deutsche Welle Brasilien, haben die Regierung Bolsonaro und ihre Unterstützer die Hassrede in Brasilien in die "neue Normalität" verwandelt. Es wäre ironisch, wenn es nicht tragisch wäre: Die gewählte Regierung, die versprach, auf Gegner zu schießen, und deren Mitglieder und Anhänger Parolen wiederholen und Nazi-Fahnen tragen, beschuldigte mich fälschlicherweise des Verbrechens, das sie täglich begeht.

Und nun hat sich die Deutsche Welle in den Chor ihrer Verleumdungskampagne eingestimmt.

How U.S. and Brazil Leadership That “Neglects Science” Led to Hemisphere’s Worst Coronavirus Crises

Samstag, 27. Juni 2020

On June 25th, a Democracy Now aired an interview with Marcia Castro, a brazilian professor at Harvard. Here some of Marcia Castro’s disturbing statements :

So, I just want to start by saying that the frustrating thing about this story is that Brazil could be teaching a lesson to the entire world on how to respond to a pandemic by leveraging its history, its network of primary care, which is one of the largest in the world, and by using its universal healthcare system. And yet, what we see in the country is a reflection of the leadership that we have, so a leadership that has and continues to downplay the importance of the virus, that neglects science — and that’s an important point, as well (…)

And it also is a failure because we could have our community health agents — and we have almost 300,000 of those — being the backbone of the response. And yet, the primary care and the community health agents are not being used as part of the response. So, Brazil is not testing enough, as you said. Well, we are not doing contact tracing, either. So, the community health agents could be doing the contact tracing. They could be identifying the elderly, the people that are more vulnerable. They could identify those people that don’t have water at home.

That’s the other thing. So, Brazil is a country with lots of inequalities. We cannot expect that you’re just going to take whatever countries in Europe or high-income countries have done, and implement in Brazil and it’s going to work. It really has to be adapted to those inequalities of informal labor, people that can’t stop working; people that live in very high-density households, so there is no way they can do self-isolation; and people that don’t have access to water. And we keep going with inequalities — the number of hospital beds and physicians per population. Those numbers are worse in the states in the Amazon region. It’s not by chance that we see the regional pattern of deaths in cases in Brazil that we are observing.

(…)

Overall in the Amazon region, 43% of the population don’t have access to water. But in some states, it’s even higher than that. Then there is a completely separate healthcare for the Indigenous populations, and those have lost a lot of the physicians in the past few years when a large program that existed in Brazil that brought foreigner physicians to work in those underserved areas was completely dismantled. So, again, you keep adding those layers, right?

So, since this new president took term, there is not a lot of attention in terms of preserving the environment. In fact, last year, we saw rampant deforestation, a horrible fire season. And this year, we already overpassed the deforestation from last year, and we still have about a month and a half to go of the cutting season. So, whenever you have this deforestation, you have contacts of those people that want to exploit the land with Indigenous areas. We see that it’s exactly in the Indigenous reserves where we are seeing most of the damage. And those areas are supposed to be preserved, and then they used to be. So, you have Indigenous people dying because of this encounter, but, on top of this, now they are being infected because those — the people that come into the area may bring the virus, as well. They can bring any pathogen. And it’s not just deforestation, we have to remember. There’s also mining, which is another activity that exposed Indigenous people to that.

(…)

Overall in the Amazon region, 43% of the population don’t have access to water. But in some states, it’s even higher than that. Then there is a completely separate healthcare for the Indigenous populations, and those have lost a lot of the physicians in the past few years when a large program that existed in Brazil that brought foreigner physicians to work in those underserved areas was completely dismantled. So, again, you keep adding those layers, right?

So, since this new president took term, there is not a lot of attention in terms of preserving the environment. In fact, last year, we saw rampant deforestation, a horrible fire season. And this year, we already overpassed the deforestation from last year, and we still have about a month and a half to go of the cutting season. So, whenever you have this deforestation, you have contacts of those people that want to exploit the land with Indigenous areas. We see that it’s exactly in the Indigenous reserves where we are seeing most of the damage. And those areas are supposed to be preserved, and then they used to be. So, you have Indigenous people dying because of this encounter, but, on top of this, now they are being infected because those — the people that come into the area may bring the virus, as well. They can bring any pathogen. And it’s not just deforestation, we have to remember. There’s also mining, which is another activity that exposed Indigenous people to that.

(…)

Now, I also want to make a point that the fire season is about to start in about a month or so. And if we had this high level of deforestation, the fires will come, because that’s usually the process. The wood now is on the floor. Whatever they couldn’t sell, they are going to burn. And whenever we have the fire season, we have an increase in respiratory conditions. We have an increase in the demand for hospitalizations because of respiratory conditions. And we have an increase in the mortality of children under the age of 10. Now, this is a very — it’s a horrible combination. Increasing respiratory conditions may make people more susceptible to a severe COVID-19 infection.

(…)

when you see what’s being done in the Amazon now, we’re basically losing about 20 years of achievements, of really being able to make protected reserve forests, protected Indigenous areas. We had a forest code that was really a model. We were able to reduce deforestation to the lowest levels and maintain them there. And we are losing this. We are losing this at rampant rates. That’s bringing a lot of deaths. A lot of the deaths of local leaders, Indigenous peoples or people that are just trying to protect the forest are not even advertised.

So, the situation is very complicated, because those are big business people. They are making money by clearing the forest. And the local producers, the local communities, it’s very hard for them to fight against those people, especially when they are backed up by the government.