Peru: von Pizarro zu Ayuso

Freitag, 24. Januar 2025

 

Anlässlich des 490. Jahrestages der Gründung Limas hat der rechtsextreme Bürgermeister Rafael López Aliaga die Wiederaufstellung der Statue des Conquistadors Francisco Pizarro angeordnet, um die prehispanische und spanische Vergangenheit der peruanischen Hauptstadt zu würdigen. Im Jahr 2003 wurde das Denkmal nach Protesten gegen die Verherrlichung des Völkermords von der Plaza de Armas entfernt und in den nicht wenig frequentierten Parque de la Muralla versetzt. López Aliaga beschloss jedoch nicht nur, die Statue wieder im Herzen des Landes aufzustellen, sondern lud auch Isabel Díaz Ayuso, die Präsidentin der Gemeinde Madrid und eine der berüchtigtsten VerfechterInnen der Ausrottung der amerikanischen Indigenen durch die spanische Armee, zu der Zeremonie ein.

Ayuso liess die Gelegenheit nicht aus, um konservative Klischees über die Beziehungen zwischen Lateinamerika und der ehemaligen Metropole zu wiederholen. In ihrer Rede betonte sie, dass die Versetzung der Statue viel mehr als nur die Erweiterung des Stadtbildes symbolisiere; sie sei ein weiterer Schritt hin zum Respekt unserer gemeinsamen Geschichte. Einige Tage zuvor zeigte sie sich verwundert, wie in Peru die Opfer der durch den Kolonialismus geschaffenen strukturellen Ungleichheit in Armut leben und dennoch fröhlich seien - ein Zeichen für die Gefühllosigkeit und Ignoranz, die die heutigen Rechten auf der iberischen Halbinsel und in allen Breitengraden kennzeichnet.

López Aliaga, Ayuso und alle, die die Conquista romantisieren, seien daran erinnert, dass Pizarro kein anderes Verdienst zukommt als das, der erfolgreichste Entführer der Geschichte zu sein: Seine Eroberung des Inkareichs war nicht das Ergebnis militärischen Talents, sondern der Entführung des Herrschers Atahualpa, für die er ein Lösegeld von schätzungsweise 13’000 Kilogramm Gold und einer nicht geringeren Menge Silber forderte. Als blutrünstiger Söldner, der er war, ermordete er seine Geisel, nachdem er die Beute eingesammelt hatte. Auch die Gründung des peruanischen Vizekönigreichs kann ihm nicht zugeschrieben werden, da er nur sechs Jahre nach der Gründung Limas bei einem Aufstand starb, der auf die exzessive Gewalt und Gier zurückzuführen war, mit der er seine Macht ausübte.

Angesichts des rassistischen Revisionismus ist darauf hinzuweisen, dass es keine gemeinsame Geschichte gibt, weil die Spanier keinen Dialog des Wissens geführt, sondern Hunderte von Kulturen zerstört haben, um ihre eigene durchzusetzen. Es gibt keine gemeinsame Geschichte, weil Pizarro das kulturelle Erbe der 12 Millionen EinwohnerInnen von Tahuantinsuyo nicht bewahrte: Er schickte es nach Spanien, wo die beeindruckendsten Kunstwerke, die durch die Verarbeitung von Gold geschaffen wurden, zu Barren eingeschmolzen wurden, um den Leichtsinn der Höflinge und die Kriege der Habsburger zu finanzieren, in denen Hunderttausende von Europäern starben, die grosse Mehrheit von ihnen arme Bauern, die von den Monarchen als Kanonenfutter benutzt wurden. Es gibt keine gemeinsame Geschichte, weil die Eroberer und ihre Nachfahren ein Kastensystem schufen, das Weisse, Indigene, Afrikaner und Menschen anderer Herkunft in getrennten Welten leben liess, verbunden nicht durch brüderliche Bande, sondern durch Peitsche, Fesseln und eine Religion, die entstellt wurde, um die Privilegien der einen und die Ausbeutung der anderen zu rechtfertigen. Es gibt keine gemeinsame Geschichte, denn die prächtigen Kathedralen, glanzvollen Paläste, jahrhundertealten Universitäten, Strassen, Klöster und anderen Gebäude und Einrichtungen, die die Hispanophilen als Beweis für die Zivilisation anführen, die sie auf diese Seite des Atlantiks gebracht haben, wurden mit der Sklavenarbeit von Indigenen und Schwarzen errichtet, denen der Zutritt zu den von ihnen errichteten Bauwerken meist verwehrt war, einem Werk, bei dem sie Hände und Leben verloren.

 

Die Beleidigung der indigenen Bevölkerung Perus, die sich auch darin zeigt, dass ihr Land von einer De-facto-Regierung unterworfen wird, die sich hinter den Leichen Dutzender Demonstrierender verschanzt, ist eine Erinnerung daran, dass der Kolonialismus die Unabhängigkeitsprozesse nicht beendet hat und dass die ursprünglichen Völker bereits seit einem halben Jahrtausend Widerstand gegen die Versuche leisten, ihre Kulturen zu vernichten.

·       La Jornada, 19.1.25: Perú: de Pizarro a Ayuso

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Die Conquista neu auflegen

(zas, 24.1.25) Am 18. Januar 2025 berichtete Europa Press kurz über ein anstehendes Treffen von Santiago Abascal, Führer der franquistischen Partei Vox, mit den Präsidenten Luis Abadiner (Dominikanische Republik), Santiago Peña (Paraguay), einer Delegation der Regierung von Panama und möglicherweise Javier Millei. Es fand im Vorfeld von Trumps Amtsantritt im Washingtoner Center for a Secure Free Society statt. Das CSFS gehört in den Sumpf der ultrarechten US-Thinktanks. Es gibt sich als relevante Grösse im Kampf gegen die von China und Russland geleiteten «Narkodiktaturen» in Kuba, Venezuela und Nicaragua. Entsprechend sollte auch das Treffen ausgerichtet sein, mit Fokus auf den Tren de Aragua, eine kriminelle Organisation in Venezuela, laut US-Propaganda ein Instrument des Chavismus, tatsächlich aber anders rum: Bei den Präsidentschaftswahlen von letztem August in Venezuela war der Tren de Aragua ein wichtiger Bestandteil im Versuch, die Regierung zu stürzen. Weitere Aufmerksamkeit sollte auch dem Foro de São Paulo, dem Zusammenschluss lateinamerikanischer progressiver und linker Parteien, und dem Grupo de Puebla, einem Zusammenschluss ehemaliger oder amtierender progressiver PräsidentInnen und führender linker Oppositionellen Lateinamerikas gelten. Über das Treffen selber scheinen keine weiteren öffentlichen Infos abrufbar. Vox bemüht sich seit Jahren, sich als bestimmender Teil einer faschistischen «hispanischen», also spanischen und lateinamerikanischen Allianz zu positionieren, stets natürlich in Absprache mit den entsprechenden Kräften in den USA. Ayuso (PP, nicht Vox) vertritt die gleichen Po

Mexiko registriert in 100 Tagen der Regierung Sheinbaum 4.000 Verschwundene

Montag, 20. Januar 2025

 https://amerika21.de/print/273393


Bewegung für unsere Verschwundenen in Mexiko: "Ich werde dich immer suchen ‒ im Himmel, zu Wasser und zu Land"
Bewegung für unsere Verschwundenen in Mexiko: "Ich werde dich immer suchen ‒ im Himmel, zu Wasser und zu Land"

Mexiko-Stadt. In den ersten 100 Tagen der Regierung von Claudia Sheinbaum haben die mexikanischen Behörden im Schnitt täglich 40 Fälle von vermissten Personen registriert, deutlich mehr als während der Vorgängerregierung.

Diese alarmierende Statistik des Nationalen Registers der verschwundenen und vermissten Personen gab der auf das Thema spezialisierte Blog "Wohin gehen die Verschwundenen" bekannt. Seit Sheinbaums Amtsantritt am 1. Oktober 2024 bis zum 8. Januar dieses Jahres gelten gemäß diesen offiziellen Zahlen 4.010 Menschen als verschwunden, darunter 1.259 Frauen.

Unter Sheinbaums Vorgänger Andrés Manuel López Obrador lag die Zahl der Opfer dieses Delikts im Tagesdurchschnitt bei 25 Personen. López Obrador ordnete 2023 eine Überprüfung der Datenbasis aller Verschwundenen an. Tatsächlich haben die Behörden von den damals insgesamt 110.964 Datensätzen ganze 16.681 Vermisste tot oder lebendig aufgefunden. Die politisch brisante Gesamtzahl sank somit kurzfristig auf unter 100.000 Vermisste.

Diese nicht unumstrittene Bereinigung der Datenbank (einzelne Fälle von Verschwundenen wurden aus dem Register gestrichen, obwohl ihre Familien keine Nachricht über deren Verbleib hatten) änderte nichts daran, dass stetig neue Fälle auf die Vermisstenliste kamen, Tendenz steigend. Im Jahr 2024 registrierten die Behörden mit 13.627 Opfern einen neuen Rekord.

Zu diesen dramatischen Zahlen kommen noch die mehr als 72.100 bisher nicht identifizierten Leichen hinzu, die zwischen 2006 und 2023 in die gerichtsmedizinischen Dienste eingeliefert wurden, davon 48 Prozent während der Präsidentschaft von López Obrador.

Die Regierung Obrador habe ihr Versprechen, die Suche nach vermissten Personen zur "obersten Priorität" zu machen, nicht erfüllt, bedauerten die zahlreichen Kollektive der Angehörigen, welche vermisste Personen suchen.

Und auch Sheinbaum hält sich bisher von den Kollektiven fern. Laut Grace Fernández, einer Vertreterin der Dachorganisation "Bewegung für unsere Verschwundenen in Mexiko", hätten die Kollektive nach der hoffnungsvollen Wahl Sheinbaums "sehr schnell" besorgt gemerkt, dass sie bei deren Politikgestaltung nicht einbezogen würden.

Offen ist auch, ob das staatliche Register der Verschwundenen die Realität, insbesondere in von der organisierten Kriminalität stark betroffenen Bundesstaaten, wirklich abbildet.

Reynalda Pulido, die Gründerin des Kollektivs "Mütter kämpfen für deine Rückkehr nach Hause" in der Stadt Culiacán, Bundesstaat Sinaloa, geht davon aus, dass eine große Zahl von Verschwundenen aufgrund des Misstrauens gegenüber den Behörden nicht gemeldet werden. Sie fühlt sich von der Bundesregierung bei der Suche nach den Angehörigen "allein gelassen" und bedauert, dass das Kollektiv aufgrund der anhaltenden Gewalt in Sinaloa seit zwei Monaten keine Suchaktionen mehr durchführen konnte.

Links:
[1] https://amerika21.de/image/25708
[2] https://movndmx.org/
[3] https://adondevanlosdesaparecidos.org/2025/01/14/sheinbaum-100-dias-y-4000-desapariciones/
[4] https://adondevanlosdesaparecidos.org/2024/11/01/sheinbaum-mantiene-censo-de-personas-desaparecidas-y-elude-dialogo-con-buscadoras/

Bilder aus Gaza

Sonntag, 19. Januar 2025

 

Am Tag des Waffenstillstandes (19. Januar 2025):

 

Nachhause zurück

Rückkher nach Jabalya.

 

Und ein paar Tage zvor (5. Januar 2025):

Klage um einen beim Überfall auf das Al-Aqsa-Spital Umgebrachten.

Zwei Knaben helfen ihrem beim Überfall auf das Al-Aqsa-Spital verletzten Bruder.

Im Al-Aqsa-Spital.

Alle Fotots aus Al Jazeera


Feudale Moderne

Freitag, 17. Januar 2025

 

(zas, 17.1.25) Es lohnt sich irgendwie halt doch, den Artikel A Euphoric Tech-Industry Is Ready to Celebrate Trump and Itself in der New York Times von gestern zu lesen. Es geht darin um die tollen Feste, Diners (Einladung für $ 100'000) und anderen Spektakel, die eine Woche lange den Trump-Sieg feiern sollen. Ganz vorne dabei: Silicon Valley und die Krypto-Mafia. Man erfährt, welche einschlägigen Grössen an welcher Party teilzunehmen gedenken. 

The venture capitalist Peter Thiel is set to co-host a black-tie Saturday evening party at his Washington home.


Der Titel – Euphorische Tech-Industrie feiert ihren Sieg - ist leider besser als der Inhalt. Name reiht sich an Name, voyeuristischer Klatsch ähnlich wie jedes Jahr bei einer zeremoniellen Präsentation der Liste der Superreichen. Nur nichts dazu, warum Silicon Valley, doch vor kurzem noch als Ausbund liberaler Gesinnung dargestellt, heute bei der Ultrarechten mittanzt. Überraschung? (Kollaboration IBM / Gestapo zwecks Judenerfassung? War da mal was?) Besser ein wenig Smalltalk, denn würde die gestellte Frage über Politklatsch (wer geht mit wem?) hinaus gehen, könnte die Idee aufkommen, dass der der Technofaschismus Teil des Faschismus ist. Technofaschismus? Nur wegen einer Überwachung, die «1984» zum technisch beschränkten Rumstümpern degradiert? Und der auch die letzten biederen Ämter und staatlichen Unternehmen zuarbeiten? Wegen Clouds und KI in Genozid- und anderen Kriegen? Oder weil der Faschismus in den USA jetzt hemmende staatliche Regulierungen auch im IT-Bereich liquidieren will? Bitte nicht unhöflich werden!

Doch der Artikel evoziert Bilder von Szenen im königlichen Palast, die von hofeigenen Dichtern einem staunenden Volk zwecks Ah und Oh gefüttert wurden. Er hebt sich nicht gross vom Niveau von Revues ab, oder von Berichten «respektierter» Medien über die letzten Abenteuer einer Buckingham-Familie.

Kein Zufall. Eine alte, oft geleugnete Geschichte, die innige Liaison von Kapitalismus und Feudalismus gegen die Unterklassen. Sie wollte einem von einer «gesellschaftlichen Sprengkraft» der Produktivkräfte eingenommenem Marx nicht in den Kopf, ist heute aber fast sinnlich greifbar. Etwa, wenn ein Elon Musk sich fragt, ob Washington England (also Musks Faschokumpels) nicht von Keir Starmer befreien sollte. Auf den Lithiumputsch von 2019 in Bolivien angesprochen, hatte er getweetet: «We coup whoever we want». Die neuen Adligen sind die sogenannten Superreichen. Sie haben in den USA Trump portiert und die als Project 2025 gestreute neue Regierungsdoktrin formuliert, für deren Schaltstellen sie sich aus ihren Kreisen bedienen: Zerschlagung des Sozialstaatlichen, Steuersenkungen für die Unternehmen, unitay executive[i] (Justiz, Sicherheitsapparate, weitgehend das Parlament, alle staatlichen Instanzen, unterstehen dem Befehl des Präsidenten), weitgehende Abschaffung staatlicher Regulierungen (Umwelt, Energie Technologie, Erziehung), Ideologiemanagement der Bevölkerung (möglichst auch im Ausland) über social media[ii], Durchsetzung ultrareaktionärer «Familienwerte», «Schleisst MigrantInnen», US-Kriege nur aus wirtschaftlicher Logik, Aussenpolitik entlang unverblümt nationalistischer Vormachtsinteressen (Trump zu Grönland oder zum «Heimholen» des Panama-Kanals)…

Klar, das kommt manchmal plump daher, manche Egoshow überzeugt nicht wirklich. Doch wir verstehen das frohe Aufatmen in hiesigen Wirtschaftsredaktionen, wenn Trump, Musk etc. Kompetenz zeigen und sich für Aufenthaltsbewilligungen für benötigte Fachkräfte aussprechen, Wutausbrüchen in tumben Sektoren der eigenen Basis zum Trotz. Etwas Faschismus, kann nicht schaden, wenn er eingebunden ist.



[ii] Am Tag, als die Medien die Nachricht von der Meinungsfreiheit-gesponsorten Abschaffung der sogenannten fact checks in X und Facebook verbreiteten, sperrte Facebook, das in El Salvador mit Abstand wichtigste social medium, den Account von Movir, Diese Selbsthilfeorganisation verlang Auskunft über ihre im andauernden «Ausnahmezustand» gefangen genommenen und seither unauffindbaren Angehörigen. Die dortige Diktatur hofft auch für ihre krypto-mafiöse Zukunft auf Trump.