Zeugnisse der Gewalt

Donnerstag, 13. August 2009

Honduranisches Tagebuch (XIII): Nach den Großdemonstrationen am Dienstag tragen Menschenrechtsorganisationen Zeugenaussagen zusammen
Von Harald Neuber, Tegucigalpa
amerika21.de

Tegucigalpa. Die Journalistin Iris Mencía steht am Dienstagnachmittag am Eingang des Universitätskrankenhauses von Tegucigalpa. "Es fällt mir schwer, meine Wut zu unterdrücken", sagt sie. Mencía hat einen Freund ins Krankenhaus gebracht, der von der Polizei schwer misshandelt wurde. Die Situation im Hospital sei "grauenhaft", gibt sie später in einem Radiointerview zu Protokoll. 20 Personen seinen schwer verletzt eingeliefert worden: "Zwei von ihnen kämpfen um ihr Leben". Von den Knüppelhieben der Polizei seien einige der Gesichter der Verletzten kaum wieder zu erkennen. "Wenn man diese Gesichter sieht, versteht man, wie es derzeit um dieses Land bestellt ist", sagt sie. Die Aktivisten sind vorsichtig. Im Krankenhaus, sagen sie, seien Agenten des Militärgeheimdienstes vertreten.
Während die "Nationale Widerstandsfront gegen den Staatsstreich in Honduras" weiterhin eine Strategie friedlicher Proteste verfolgt, werden die Demonstrationen immer wieder von Ausschreitungen erschüttert. Juan Barahona, einer der führenden Köpfe der Demokratiebewegung, spricht von "eingeschleusten Provokateuren". Tatsächlich werden immer wieder V-Männer der Polizei enttarnt und festgenommen. "Es gibt zunehmende Provokationen", sagt der Aktivist, aber die Verantwortlichen gehörten nicht der Widerstandsbewegung an. "Unsere Stärke ist die Moral", so Barahona.
Wendy Cruz, die Sprecherin der Landarbeiterorganisation Via Campesina, schildert in einem Videointerview die Gewalt in den vergangenen Tagen. Auch die Frauenorganisation CEM-H bestätigt mindestens einen Verletzten durch eine Polizeikugel. Der Demonstrant Salvador Alcides Alvarado sei im Bein getroffen worden, schreibt Mirta Kennedy von der Frauenorganisation in einem Bericht.
Nachdem die Stimmung durch diese und andere Provokationen angeheizt wurde, habe die Polizei gegen halb sechs nachmittags nahe der Pädagogischen Universität massiv zugeschlagen. "Über dem Campus kreiste der Hubschrauber mit der Kennung ALCON I", schreibt Kennedy, die Polizei und Armee ein "zunehmend aggressives Verhalten" attestiert.